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Jung Chang - Wilde Schwäne

  • Myriel
  • 18. März 2009 um 14:49
  • Zum letzten Beitrag

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 2.046 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (13. April 2026 um 19:59) ist von yanni.

  • Myriel
    Stilles Wasser
    Beiträge
    2.886
    • 18. März 2009 um 14:49
    • #1

    Ich bin etwas erstaunt, dass es trotz Leserunde noch keinen Thread zum Buch gibt.

    [kaufen='3426627051'][/kaufen] Jung Chang - Wilde Schwäne


    Die Untertitel dieses Buches geben den Inhalt in seiner komprimiertesten Form hervorragend wieder:

    Die Geschichte einer Familie
    Drei Frauen in China von der Kaiserzeit bis heute

    Die Autorin Jung Chang schildert in einer Mischung aus Biografie und Autobiografie die Erlebnisse ihrer Familie, beginnend bei ihrer Großmutter Yu-fang, die als Konkubine des mandschurischen Warlords General Xue Zhi-heng den ärmlichen Verhältnissen ihrer Familie entkommen kann und durch dessen Heirat sie zugleich auch ihrer Familie die Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg bereitet. In der kurzen Zeit, die der General ihr widmet, empfängt sie eine Tochter: De-hong, die Mutter der Autorin.

    Ihr Leben nimmt den Großteil des Buches ein, beginnend bei den Anfeindungen, die sie nach der zweiten Heirat ihrer Großmutter mit dem Arzt Dr. Xia von dessen anderen Kindern ertragen muss, über die schwierige Situation in Jinzhou, welches nacheinander von den Japanern, den Kuomintang (den chinesischen Nationalisten) sowie den Kommunisten „befreit“ wird bis zu ihrer beginnenden Hingabe für den Kommunismus, unter dessen Anhängern sie auch ihren zukünftigen Ehemann Wang Yu findet.

    Doch gemäß dem Sprichwort „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ muss sie erhebliche Rückschläge hinnehmen, von denen die unbeabsichtigten Demütigungen, die sie durch ihren Ehemann erfährt, der den Kommunismus über alles andere, sogar die Familie und das Leben seiner Frau stellt, die größten Bewährungsproben darstellen. Da er sie trotz allem liebt, bleibt sie dennoch bei ihm, nicht zuletzt auch zum Wohl der 5 Kinder, die sie ihm im Laufe der Jahre gebiert.

    In der relativ ruhigen Phase nach dem Sieg der Kommunisten über die Kuomintang und die Vertreibung des Nationalistenführers Chiang Kai-Shek nach Taiwan wird die Autorin als zweites Kind des Paares geboren. Doch die Ruhe ist trügerisch, denn schon beginnt Mao Tse-tung, der „Große Vorsitzende“ der chinesischen Volksrepublik, das Land mit seinem Terror zu überziehen. Während die Familie aufgrund der Stellung von De-hong und Wang Yu als bei der Bevölkerung angesehene Parteimitglieder und höhere Funktionäre relativ unbeschadet sowohl die „Drei Anti“-Kampagne als auch die „Fünf Anti“-Kampagne übersteht, geraten sie bald darauf immer mehr in Bedrängnis. Der Höhepunkt des von Mao inszinierten Terrors bricht 1966 mit dem Beginn der Kulturrevolution los, in dessen Mahlwerk auch die Eltern von Jung Chang geraten. Zwar kommen sie im Gegensatz zu Hunderttausend anderen mit ihrem Leben davon, dennoch wurden sie wie Millionen weitere beschimpft, gefoltert und in Lager gesperrt.

    Während dieser schweren Phase ihrer Eltern sind die Kinder des Paares im schulpflichtigen Alter. Da der Beginn der Kulturrevolution von den Roten Garden getragen wurde, Banden von Kindern der Parteifunktionäre, gerieten auch die Autorin und ihrer Geschwister in den Bannkreis von Maos Personenkult. Sehr offen und ehrlich beschreibt Jung Chang ihrer Gefühle während der Zeit, wie sie aufgrund des ihr eingebläuten Denkens den „Großen Vorsitzenden“ von aller Schuld freisprach und verzweifelt nach anderen Ursachen für das Unglück suchte, das das Land und ihre Familie überzog. Doch nach und nach lernte sie unter den unmenschlichen Bedingungen in Maos China, ihrer inneren Stimme zu glauben und sich aus dem praktizierten Mao-Kult zu lösen. Doch erst mit Maos Tod und der Beendigung der Kulturrevolution 1976 kommt das Land, ihre Familie und auch sie selbst langsam wieder zur Ruhe. Zwei Jahre später verlässt Jung Chang mit einem Stipendium China in Richtung England, wo sie ihren späteren Ehemann kennen lernt und mit dessen Unterstützung schließlich die Geschichte ihrer Familie niederschreibt.

    Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich mir dieses Buch nur aus zwei Gründen gekauft habe: erstens, weil ich noch einen Autoren mit J für die A-Z Authors Challenge brauchte und zweitens, weil das Buch im Hardenberg enthalten ist. Über beide Gründe bin ich sehr froh, denn sonst wäre mir ein sehr bewegender, offener und ehrlicher Bericht über das China des 20. Jahrhunderts entgangen, in dem nichts versucht wird zu beschönigen oder zu dramatisieren. Jung Chang schreibt lediglich das nieder, was ihr ihre Mutter erzählt hat und was sie in späteren Jahren selbst durchlebt hat. Dadurch, dass sie, wie sie im Vorwort selbst zugegeben hat, mit der englischen Sprache immer noch ein Wenig auf dem Kriegsfuß steht und dadurch ihre Schilderungen manchmal etwas unbeholfen daherkamen, wirkt das Geschehen umso eindringlicher und bestürzender, so dass ich mich kaum vom Buch losmachen konnte. Unterstützt wurde die Lektüre, deren einzelne Ereignisse sich über einen Zeitraum von 7 Jahrzehnten strecken, durch eine enthaltene Zeitleiste, einen Stammbaum der Familie der Autorin sowie eine Karte Chinas mit den wichtigsten Orten.

    5ratten + :tipp:

  • Jaqui
    Bücherzwerg
    Beiträge
    8.400
    • 2. Dezember 2025 um 09:50
    • #2

    Ich habe das Buch vor Ewigkeiten geschenkt bekommen und heute zufällig einen Blick hineingeworfen und bin gleich hängen geblieben. Mal sehen, ob ich jetzt weiter lese. Denn die Dicke des Buches mit 750 Seiten ist für mich schon enorm.

    Aber die super Rezi ist ein Motivator für mich, es bald zu lesen.

    SUB Jaqui

    Suche nicht den roten Faden in deinem Leben. Webe dir einen bunten.

  • Alice
    liest
    Beiträge
    5.601
    • 2. Dezember 2025 um 10:10
    • #3

    Es lohnt sich definitiv, Jaqui - ich hab das auch vor einer Weile gelesen und fand es sehr aufschlussreich, wichtig und beeindruckend.

    Wilde Schwäne (Jung Chang) – Wikipedia

    Ein neueres (Ersterscheinung 2016) Buch zu einem ähnlichen Thema (aber zeitlich enger gesteckt) ist

    Fang Fang - Weiches Begräbnis

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  • Jaqui
    Bücherzwerg
    Beiträge
    8.400
    • 4. Dezember 2025 um 13:26
    • #4

    Ich habe am Dienstag abend dann mal reingelesen und bin hängen geblieben. Mittlerweile habe ich 80 Seiten gelesen und will gar nicht mehr aufhören.

    Der Stil ist irgendwo zwischen Sachbuch und Erzählung, was das alles sehr reizvoll macht. Man erfährt nicht nur über die Familie der Autorin etwas, sondern auch über den geschichtlichen Hintergrund. Was ich zum Beispiel nicht wusste, dass Japan einen großen Einfluss in China hatte und sogar einen Marionettenstaat Mandschukuo errichtete, um die rohstoffreiche Region auszubeuten.

    Ich muss gestehen, dass ich mich mit der Geschichte Chinas nie wirklich befasst habe, aber scheinbar ist das interessanter als gedacht.

    SUB Jaqui

    Suche nicht den roten Faden in deinem Leben. Webe dir einen bunten.

  • Jaqui
    Bücherzwerg
    Beiträge
    8.400
    • 13. April 2026 um 19:00
    • #5

    Häppchenweise habe ich das Buch nun beendet. Auf einmal konnte ich das Buch nicht lesen. Zu unglaublich waren die Ereignisse in Jung Changs Leben. Zuerst das Leben ihrer Großmutter, bei dem ich noch dachte: Okay, ist doch schon eine Zeitlang her. Es war vielleicht üblich in China, alles so streng zu sehen.

    Aber dann die Geschehnisse um ihre Eltern, bei denen der Einzelne in China gar nichts zählt. Nur Mao hat recht und alle müssen machen, tun und sagen, was er will. Sogar Gedanken sind nicht frei. Da musste ich aufhören zu lesen, weil ich teilweise einfach wütend war. Man nahm einer ganzen Generation die Hoffnung und die Zukunft.

    Aber am Schlimmsten fand ich die Kulturrevolution, die die Autorin komplett miterlebt hat. Diese endete kurz bevor ich geboren bin. Und wenn ich denke, dass das nicht mal so lange her ist. Pädagogen wurden gefoltert, weil sie Wissen vermitteln wollten. Bildung wurde bestraft, nur Dummheit wurde belohnt. Man kann sich das gar nicht vorstellen, dass es sowas gab.

    Ich finde das Buch sehr wichtig um den Mao-Kult zu verstehen. Selbst die Autorin ist ihm verfallen. Selbst als sie mitbekommt, dass Mao nicht der Erlöser ist, verteidigt sie ihn. Nicht einmal in Gedanken, will sie das Unglaubliche zugeben: Dass Mao für die Gräueltaten verantwortlich ist.

    Jeder, der sich für China interessiert, sollte das Buch lesen. Von mir gibt es: :tipp:5ratten

    SUB Jaqui

    Suche nicht den roten Faden in deinem Leben. Webe dir einen bunten.

  • yanni
    Patronus
    Beiträge
    11.375
    Bilder
    1
    • 13. April 2026 um 19:59
    • #6

    Demnächst soll es eine Fortsetzung zu diesem Buch geben:

    Fliegt, Wilde Schwäne

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