Elizabeth George - Denn keiner ist ohne Schuld

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    Simon und Deborah St. James sind nach Lancashire gefahren, um Pfarrer Robin Sage zu besuchen. Ihn hatte Deborah zufällig in London kennengelernt, und sie erhofft sich von ihm ein offenes Ohr und einen guten Rat, wie sie mit ihrer ungewollten Kinderlosigkeit und ihrer daraus resultierenden Ehekrise besser umgehen kann.


    Doch bei ihrer Ankunft erfährt sie zu ihrem Schrecken, dass Robin Sage tot ist, an einer vergifteten Mahlzeit gestorben. Die örtliche Polizei hat den Fall untersucht, aber keinen Täter dingfest gemacht, und so kommt schließlich Lynley ins Spiel. Im Dorf ist man sich sicher, die Mörderin zu kennen, doch Lynley weiß, dass der Schein häufig trügt, und in dem kleinen Dörfchen schwelen unter der Oberfläche einige böse Konflikte. Schwer zu sagen, wem hier zu trauen ist und wem lieber nicht.


    Der sechste Fall für Lynley und Havers (die hier aber eine eher untergeordnete Rolle spielt) ist eine ganz schön harte Nuss. Die Dorfbewohner "mauern" dem auswärtigen Ermittler gegenüber, sind sich untereinander aber auch nicht grün. Immer mehr verkorkste Beziehungen zwischen potentiellen Verdächtigen tun sich auf und locken den Leser immer wieder auf falsche Fährten, bis sich des Rätsels Lösung dann als eine Sache herausstellte, auf die ich nie und nimmer von selbst gekommen wäre.


    Die Leute aus dem Dorf sind größtenteils ein wenig verschroben und schwer zu durchschauen, wobei ich ein, zwei Details etwas unglaubwürdig fand (was bei George sonst selten vorkommt). Genervt hat mich in diesem Buch auch der ewige Sex, irgendwann kam es mir vor, als triebe es jeder mit jedem, äußerst frühreife Teenager inklusive ( :rollen: ). Dafür wurden aber andere Klischeefallen erfolgreich vermieden, mit denen ich schon beinahe gerechnet hatte, so dass ich diese kleinen Kritikpunkte verzeihlich und dem Lesegenuss nicht übermäßig abträglich fand. Spannend war es praktisch bis zum Schluss.


    Was das Privatleben der Hauptpersonen anging, ist mir diesmal Lynleys Angebetete Helen Clyde mit ihrer Anstellerei bezüglich einer möglichen Heirat ziemlich auf den Wecker gefallen. Dafür durften Simon und Deborah eine wichtige Rolle spielen, was ich trotz Deborahs gelegentlicher Unvernunft ja immer sehr schön finde. Havers kommt in diesem Band ein wenig zu kurz, hat aber auch ein paar gute Auftritte.


    Nicht mein Lieblingsband aus der Serie, aber ein guter, solider Krimi.


    4ratten

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Deborah und Simon St. James fahren in ein kleines Dorf in Lancashire und landen am Ort eines Verbrechens. Ausgerechnet der Pfarrer des Orts, der Mann, den Deborah besuchen wollte, wurde vergiftet. Anfangs sah es wie eine tragische Verwechslung aus, aber Simon kennt sich zu gut mit Pflanzen aus, um wirklich daran zu glauben und übergibt die Ermittlungen an Thomas Lynley.


    Es ist typisch für die frühen Krimis von Elizabeth George, dass Außenstehende quasi über das Verbrechen stolpern und erst später die Polizei hinzugezogen wird. Das Stilmittel wird glücklicherweise heute nicht mehr verwendet, aber ich habe mich bei der Autorin mittlerweile daran gewöhnt.


    Die Tat passiert am Anfang der Geschichte, wird aber lange nicht verfolgt. Elizabeth George nimmt sich Zeit, die Charaktere zu beschreiben. Gerade beiden Bewohnern des kleinen Orts trägt sie manchmal ein bisschen zu stark auf und überzeichnet die Figuren, aber man darf sich davon nicht täuschen lassen. Die Beschreibungen sind auf den Punkt und verraten mehr über die Personen und die Dynamik zwischen ihnen, als man auf den ersten Blick vermuten mag.


    Bei dem Tod des Pfarrers ging es für mich nicht so sehr darum was passiert ist, sondern warum. Es gibt zahlreiche Verdächtige mit unterschiedlichen Motiven und die Autorin hat mich auch dieses Mal wieder lange im Dunkeln tappen lassen. Ich habe diesen Teil nicht zum ersten Mal gelesen und habe deshalb die Hinweise direkt deuten können, habe mich aber trotzdem zu keinem Zeitpunkt gelangweilt.


    Das einzige, was mir nicht gefallen hat, ist tatsächlich Thomas Lynley. Ich finde sein Verhalten manchmal ein bisschen übergriffig. Er glaubt zu wissen, was für andere gut ist und macht es dann auch. Dabei überlegt er nicht, was das für die andere Person bedeutet. Gerade bei Barbara Havers schießt er immer wieder übers Ziel hinaus und überfordert sie mit seinen guten Absichten. Barbara hat mir dagegen sehr gut gefallen, wie auch Helen. Sie ist das, was wahrscheinlich jeder außer einem Briten für die typische britische Societylady halten würde, aber auch sie ist weit mehr als die oberflächliche Dame mit den hochhackigen Hausslippern mit Pompons.


    Ich mag an der Reihe, dass ich die einzelnen Teile immer wieder lesen und dabei jedes Mal etwas Neues entdecken kann.

    4ratten

    Into the water I go to lose my mind and find my soul.