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Thomas Mann - Der Tod in Venedig

  • bellastella
  • 16. April 2006 um 00:18
  • Zum letzten Beitrag
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Es gibt 29 Antworten in diesem Thema, welches 24.187 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (20. August 2025 um 08:45) ist von Bluebell.

  • Tina
    Hardcover-Fetischist
    Beiträge
    7.999
    • 6. Juni 2013 um 23:48
    • #21

    [size=13pt]Thomas Mann - Der Tod in Venedig[/size]
    [kaufen='978-3596112661'][/kaufen]

    OA: 1911
    144 Seiten
    ISBN: 978-3596112661

    Inhalt:
    Gustav von Aschenbach, ein berühmter Schriftsteller von etwas über fünfzig Jahren und schon länger verwitwet, hat sein Leben ganz auf Leistung gestellt. Eine sommerliche Erholungsreise führt ihn nach Venedig. Dort beobachtet er am Strand täglich einen schönen Knaben, der mit seiner eleganten Mutter und seinen Schwestern samt Gouvernante im gleichen Hotel wohnt. In ihn verliebt sich der Alternde.

    Eigene Meinung:
    Diese Novelle ist, was die Thematik angeht, ein wenig befremdlich und hinterlässt einen unangenehmen Beigeschmack. Das liegt vor allem daran, dass das Objekt der Begierde erst 14 Jahre alt ist und man sofort in dem alternden Aschenbach einen pädophilen perversen erblickt und vermutet. Insofern fiel es mir ausgesprochen schwer, dem Schriftsteller auch nur ansatzweise Verständnis entgegen zu bringen. Um die Verzweiflung des Alterns zu beschreiben, hätte es mit Sicherheit auch ein 20jähriger junger Mann getan, zu dem sich jener hingezogen fühlt. Dies zumindest ist meine Meinung.
    Allerdings muss ich gestehen, dass mich die Beschreibungen von Menschen und ihrer Umgebung begeistern. Thomas Mann besaß die Fähigkeit Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen welche seinen Romanen einen sehr lebendigen Rahmen geben.

    3ratten

    Tina's SUB

  • Jari
    Patronus
    Beiträge
    7.607
    • 11. Juni 2013 um 23:32
    • #22

    Der Schriftsteller Aschenbach reist, einem Gefühl folgend, nach Venedig. Dort sieht er den jungen Tadzio und fortan lässt Aschenbach den Jungen nicht mehr aus den Augen.
    Viel möchte ich zu Thomas Manns "Der Tod in Venedig" nicht sagen, denn ich habe einfach nicht viel, was ich dazu niederschreiben könnte. Das Buch ist kurz und lässt mich mit einer erhobenen Augenbraue und einem Achselzucken zurück. Es gibt viel, was man hier interpretieren und diskutieren könnte. Könnte. Denn ich habe auf beides keine Lust. Es reizt mich nicht, es interessiert mich nicht. Ich habe kein Interesse daran, in Aschenbachs Psyche rumzubuddeln.
    Deshalb gehe ich nun davon aus, dass Herr Mann und ich von nun an getrennte Wege gehen werden. Adieu, Herr Thomas Mann.

    //Grösser ist doof//

  • Klassikfreund
    Gast
    • 12. Juni 2013 um 12:39
    • #23
    Zitat von Jari


    Es gibt viel, was man hier interpretieren und diskutieren könnte. Könnte.

    Man könnte es auch lassen. Warum taucht ihr nicht ein in dieses Buch, in diese Atmosphäre? Thomas Mann schafft es auf 100 Seiten eine einmalig echte Szenerie aufzubauen als stände man selber daneben. Stellt Euch doch neben diesen Perversen (wenn ihr ihn so empfindet). Klar, ihr könnt nicht zuschlagen, aber 100 Seiten kann man das doch aushalten. Und dann hat die Geschichte doch mehr aufgewühlt als so manches belangloses Buch. Aber hört auf, dieses Buch interpretieren zu wollen. Dann hat jedes Buch verloren.

    Gruß, Thomas

  • Jari
    Patronus
    Beiträge
    7.607
    • 12. Juni 2013 um 13:42
    • #24
    Zitat von Klassikfreund


    Warum taucht ihr nicht ein in dieses Buch, in diese Atmosphäre? Thomas Mann schafft es auf 100 Seiten eine einmalig echte Szenerie aufzubauen als stände man selber daneben. Stellt Euch doch neben diesen Perversen (wenn ihr ihn so empfindet).

    Nun, hab ich versucht. Ich hab alle meine Bilder auf ihn fokussiert, aber es klappte einfach nicht. Mich hat die Figur nicht gepackt, auch die Szenerie nicht. Thomas Mann scheint mir einfach nicht zu liegen.

    Zitat von Klassikfreund


    Aber hört auf, dieses Buch interpretieren zu wollen.

    Ich hab zum Glück gar nicht erst damit angefangen :zwinker: :breitgrins:

    //Grösser ist doof//

  • Jaqui
    Bücherzwerg
    Beiträge
    8.402
    • 23. Januar 2022 um 17:50
    • #25

    Buddenbrooks las ich mit Begeisterung und die knapp 800 Seiten flogen nur so dahin.

    Ganz anders war es bei dieser Novelle. Nicht mal 90 Seiten lang und ich habe mich drei Wochen durch gequält. Immer wieder hab ich sie weg gelegt und habe nicht verstanden was der Autor von mir will.

    Ich weiß es bis jetzt nicht.

    Mit den Figuren wurde ich nicht warm, diese Bewunderung aus der Ferne konnte ich nicht nachvollziehen.

    Das einzig interessante an dem Ganzen war, wie die Stadt mit der Cholera umgeht.

    Thomas Mann ist sicher ein Meister seines Fachs, aber dieses Büchlein und ich werden keine Freunde.

    SUB Jaqui

    Suche nicht den roten Faden in deinem Leben. Webe dir einen bunten.

  • Kirsten
    Radbiest
    Beiträge
    30.144
    Bilder
    1
    • 23. Januar 2022 um 17:59
    • #26

    Jaqui ich habe den Tod in Venedig in der Zeit vor der kleineren Leserin, also vor deutlich mehr als 13 Jahren gelesen. Aber ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mich nach der Lektüre genauso wie du gefühlt habe.

    Into the water I go to lose my mind and find my soul.

  • Kritty
    Eskapismusenthusiastin
    Beiträge
    3.033
    Bilder
    13
    • 29. Januar 2022 um 12:09
    • #27

    Schade, dass ihr zwei die Novelle nicht mochtet - ich kann das allerdings sogar nachvollziehen. Obwohl ich es sehr mag.

    Ich habe das Buch vor etwa 7/8/9 (?) Jahren gelesen, und für eine Hausarbeit genutzt. Ich habe mich gerne damit beschäftigt und war zwischendurch sogar sehr begeistert :D

    Seitdem habe ich außerdem einen Narren am Namen "Tadzio" gefressen. Ich mag den Namen einfach sehr gerne...

    Not all those who wander are lost - Tolkien

    SuB: 174 📜 Krittys Kabinett 🗃️ Meine Listen 📋

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    Einmal editiert, zuletzt von Kritty (29. Januar 2022 um 12:23)

  • Lykantrophin
    Gast
    • 29. Januar 2022 um 12:28
    • #28

    Hallo,

    Ich habe diese Novelle ebenfalls gelesen und zwar in den Sommerferien 2011. "Der Tod in Venedig" stand auf meiner Leseliste von 15 Büchern für das Abitur 2012.

    Ich weiß noch, dass die schwül-drückende Stimmung des Romans gut in den Sommer 2011 gepasst hat. An den Inhalt kann ich mich nur noch diffus erinnern.

  • Kiba
    maulfaul
    Beiträge
    11.023
    Bilder
    7
    • 29. Januar 2022 um 16:54
    • #29

    Als Hörbuch habe ich es schon 2 oder 3 Mal gehört und wäre einer weiteren Runde nicht abgeneigt. Schwer erarbeitet in Papierform wäre es aber vielleicht was anderes.

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Bluebell
    Bibliothekar*in
    Beiträge
    2.177
    • 20. August 2025 um 08:45
    • #30

    Ich möchte hier gar keine richtige Rezi schreiben, sondern nur lose ein paar Gedanken sammeln:

    Als ich diese Erzählung zu lesen begonnen habe, war ich zuerst etwas irritiert – die Buddenbrooks gingen mir ja unlängst sehr flüssig von der Hand, und hier musste ich Sätze plötzlich zwei oder drei Mal lesen oder merkte nach einer halben Seite, dass ich den Sinn des soeben Gelesenen gar nicht erfasst hatte.

    Als ich mich aber eingelesen hatte, ging es (etwas 😉 ) flotter dahin und ich konnte mich gut auf die Geschichte einlassen. Teilweise hatte sie etwas Groteskes für mich und erinnerte mich an die Filme von David Lynch, die hier bestimmt viele kennen:

    Zitat

    Ihm war, als lasse nicht alles sich ganz gewöhnlich an, als beginne eine träumerische Entfremdung, eine Entstellung der Welt ins Sonderbare um sich zu greifen, der vielleicht Einhalt zu tun wäre, wenn er sein Gesicht ein wenig verdunkelte und aufs Neue um sich schaute.

    Zitat

    ... und wiederum kam ein Gefühl von Benommenheit ihn an, so, als zeige die Welt eine leichte, doch nicht zu hemmende Neigung, sich ins Sonderbare und Fratzenhafte zu entstellen …


    Als der „falsche Jüngling“, der aufgetakelte und doch erbärmliche Alte zu Beginn der Reise nach Venedig auf dem Schiff auftaucht, ahnte ich zwar schon, dass dies auch etwas mit Aschenbach selbst zu tun haben würde, aber wie stark die Szene Aschenbachs eigenen Wandel vorwegnimmt, hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht träumen lassen.

    Die Frage ob Päderast oder nicht hat mich schon auch beschäftigt. Während ich Gustav von Aschenbachs Schwärmerei für den jungen Tadzio am Anfang noch harmlos fand – so lange er ihn nicht behelligte – wurde sie schleichend immer unheimlicher und schließlich sogar abstoßend. Er erinnerte mich dabei an Humbert Humbert aus Nabokovs Lolita, wie er Tadzios Lächeln und Blicke interpretierte: wir wissen nicht, was sich der Bub dabei gedacht hat – bzw. ob überhaupt irgendwas – aber selbst wenn ein pubertierendes Kind aus einer Naivität heraus die eine oder andere neckische Aktion setzt, dürfte ein reifer Mann das keinesfalls dahingehend auslegen, dass seine Gefühle (sei es „Verliebtheit“, sei es Begehren oder was auch immer) erwidert werden.

    Ein weiteres Zitat aus dem Buch:

    Zitat

    Es ist sicher gut, dass die Welt nur das schöne Werk, nicht auch seine Ursprünge, nicht seine Entstehungsbedingungen kennt; denn die Kenntnis der Quellen, aus denen dem Künstler Eingebung floss, würde sie oftmals verwirren, abschrecken und so die Wirkungen des Vortrefflichen aufheben.

    Die Erzählung bietet ja unzählige Anknüpfungspunkte für Interpretationen und Diskussionen. Ich bin hin und hergerissen, weil sie mich einerseits sehr angesprochen hat und ich vieles meisterhaft geschildert fand, andererseits war sie über gewisse Strecken aber auch unerwartet sperrig zu lesen, besonders die vielen Vergleiche mit der griechischen Mythologie fand ich ehrlich gesagt anstrengend und zu demonstrativ.

    Insgesamt war ich während der Lektüre alles von sehr angetan über genervt und gelangweilt bis fasziniert. ^^


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