Barbara Pym - Romane

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 2.287 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von finsbury.

  • Wieder veröffentlicht wurde letztes Jahr der Roman "Vortreffliche Frauen" von Barbara Pym.


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    Die Autorin lebte von 1913 bis 1980 und wurde erst in ihren letzten Jahren für die hohe Qualität ihrer Romane geehrt.

    Inhalt:
    Der hier behandelte Roman erschien 1952 und behandelt einige Jahre im Leben von Mildred Lathbury, in den späten Vierzigern im Nachkriegslondon. Sie ist in den Anfang-Dreißigern, lebt allein und richtet sich langsam im Leben und den Tätigkeiten einer alten Jungfer ein. Das heißt, sie lebt von ihrem kleinen Privatvermögen einer Pfarrerstochter vom Lande und engagiert sich ehrenamtliche für verarmte Damen von Stand, nebenbei für die hochkirchliche Gemeinde in ihrem Stadtteil und ist mit dem Pfarrer und dessen Schwester befreundet. Unruhig wird ihr Leben, als ein ungewöhnliches junges Ehepaar in die Wohnung unter ihr zieht … .

    Meine Meinung:
    Wer sich nun spannende Ereignisse, eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte oder sonstige leidenschaftliche Verwicklungen erhofft, wird enttäuscht. Es geht ganz ruhig zu in Mildreds Leben, jedenfalls reflektiert sie alles sehr vernünftig und auch sehr selbstironisch und mild sarkastisch gegenüber dem männlichen Geschlecht und den patriarchalischen gesellschaftlichen Strukturen der Nachkriegszeit.
    Dennoch muss man jetzt nicht denken, der Roman sei langweilig. Ich habe ihn gestern angefangen und heute - ich habe noch frei - ganz durchgelesen (ca. 330 Seiten), weil er sehr unterhaltsam und auch witzig ist. Pym wurde mit Jane Austen verglichen. Das ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber sie hat eine ähnliche Einstellung gegenüber der Gesellschaft und den Männern, wie sie auch bei Austen deutlich wird.
    Für Menschen, die die englische Literatur lieben, ist dieser Roman ein großes Vergnügen.

    Einmal editiert, zuletzt von finsbury ()

  • finsbury

    Hat den Titel des Themas von „Barbara Pym: Vortreffliche Frauen“ zu „Barbara Pym - Romane“ geändert.
  • Ich habe mal den Thread-Titel geändert, damit ich hier auch die anderen Romane Barbara Pyms, die ich in die Finger bekommen kann, vorstellen kann.

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    Der kleine Roman "Tee und blauer Samt" (250 Seiten) erschien zuerst 1939/40 und spielt in den Oxforder Gelehrtenkreisen und der ihrer Trabanten. Auch hier ist die Hauptperson wieder ein etwas in die Jahre gekommenes Fräulein, Miss Morrow, diesmal eine Gesellschafterin, und auch hier endet der Roman genauso, wie er angefangen hat, d.h. für Miss Morrow bleibt alles unverändert, auch wenn sie im Laufe der Geschichte einen Heiratsantrag von einem sehr attraktiven Vikar erhält.

    Der Roman ist laut Rückumschlag "eine vollendete Farce über die den Jahrmarkt universitärer Eitelkeiten, über die Schrulligkeiten und antiquierten Rituale des englischen Mittelstandes" und das beschreibt den Inhalt bestens. Es geht um die Affäre eines nicht sonderlich begabten noch fleißigen, dafür gut aussehenden Professor für englische Literatur in den mittleren Jahren und seine nicht sonderlich weit voranschreitenden Affaire mit einer seiner Studentinnen und die Reaktion seiner Umwelt darauf. Das Ganze ist eine Aneinanderreihung höchst komischer Dialoge und spitzfedriger Charakterisierungen unterschiedlicher Typen, die einfach nur großen Lesespaß macht.

  • Ich habe "Vortreffliche Frauen" auch gelesen und schließe mich deiner Meinung mal an.

    Im Roman passiert eigentlich nicht viel, aber dennoch ist es unterhaltsam, Mildred zu begleiten. Über dreißig und alleinlebend, in der Gemeinde gut eingespannt, und dazwischen muss Mildred auch irgendwie ihr eigenes Leben unterbekommen. Es könnte sein, dass sie doch nicht alleine bleiben wird - aber will sie das auch? Wenn man bedenkt, dass sie die Eheprobleme ihrer Nachbarn aus nächster Nähe mitbekommt und als Vermittlerin tätig werden soll, ist die Frage berechtigt. Und dann steht ja auch gleich nicht nur ein Mann zur Auswahl.


    Es war erheiternd und kurzweilig, Mildred bei ihren "Unternehmungen" zu begleiten. Manche der Herren in ihrem Leben wären mir zu anstrengend gewesen, Mildred ist den Umgang mit ihnen durchaus entspannter angegangen.

    Wenn ich jetzt auch nicht vollkommen begeistert bin, so war "Vortreffliche Frauen" insgesamt fraglos ein abwechselungsreicher und amüsanter Roman. Sehr gut geeignet für einen ruhigen Nachmittag.

  • Ich habe "Vortreffliche Frauen" auch gelesen und schließe mich deiner Meinung mal an.

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    Es war erheiternd und kurzweilig, Mildred bei ihren "Unternehmungen" zu begleiten. Manche der Herren in ihrem Leben wären mir zu anstrengend gewesen, Mildred ist den Umgang mit ihnen durchaus entspannter angegangen.

    Wenn ich jetzt auch nicht vollkommen begeistert bin, so war "Vortreffliche Frauen" insgesamt fraglos ein abwechselungsreicher und amüsanter Roman. Sehr gut geeignet für einen ruhigen Nachmittag.

    Mich freut, dass dir der Roman auch gefällt.

    Was ihn für mich etwas über die reine Unterhaltungsliteratur hebt, die gute Dialoge und Schilderungen hat, ist, wie die Protagonistin an ihr Leben herangeht und ihre Sicht der Dinge: dieses Zurückhaltend-Reflektierte, sich humoristisch Zurücknehmende und in einer wenig spektakulären Lebenssituation sich heiter Bescheidende. Ich finde, hierin hat sie auch gerade unserer aufgeregten, um nicht zu sagen hysterisch-egozentrischen Zeit durchaus Vorbildfunktion.

  • Nun habe ich den dritten Roman von Barbara Pym, der auf Deutsch erschienen ist, gelesen.


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    "Ein Glas voll Segen" erschien 1958 und begleitet Wilmet Forsyth, die noch junge Ehefrau eines Ministerialbeamten und eifrige Kirchengängerin durch ihren Alltag. Wilmet ist schön und elegant, hat ein Händchen und Geld genug für schöne Kleidung und ein geruhsames Leben. Ihr Mann ist wenig aufregend, aber auch kein Brechmittel, die Schwiegermutter erstaunlich lässig und modern. Die Protagonistin sehnt sich ein wenig nach Abwechslung in ihrem komfortablen, aber wenig spannenden Leben und verguckt sich daher in den Bruder ihrer besten Freundin. Leider stellt sich dann heraus, dass dieser schwul und glücklich liiert ist. Eine andere Freundin, ein graues Kirchenmäuschen, heiratet den gut aussehenden neuen Vikar der Gemeinde und sogar ihre Schwiegermutter findet ein spätes Glück an der Seite eines befreundeten Archäologieprofessors. Wilmet braucht ein Weilchen, um ihre Enttäuschung zu verkraften und zu erkennen, dass nicht nur über diese Paare, sondern auch in ihrem Leben durchaus ein "Glas voll Segen" (ein Zitat aus dem Gedicht "The Pulley" von George Herbert) ausgegossen wurde.

    Wieder völlig unaufgeregt und handlungsarm macht dieser Roman doch richtigen Lesespaß. Wilmet ist im Vergleich zu den beiden Heldinnen der zuvor vorgestellten Bücher mondäner und anspruchsvoller, aber auch ihr wird am Ende klar, dass das Leben nicht aus spektakulären Liebschaften und himmelhochjauchzenden Zeiten bestehen muss, um sich zu lohnen. Und wieder sind es die Details in der Kirchengemeinde, in den Begegnungen zwischen den Menschen hier und dort, die so abwechslungsreich und humorvoll sind, dass man wirklich bedauert, wenn das Buch ausgelesen ist, obwohl wieder eigentlich gar nichts passiert ist.


    Leider ist dieser Roman auf Deutsch nur noch antiquarisch erhältlich , aber als E-Book bekommt man ihn auf Englisch problemlos. Für alle Liebhaber*innen der englischen Literatur werden hier ein paar schöne Lesestunden geboten.

  • Und wieder ein Roman von Barbara Pym, diesmal von 1961: In feiner Gesellschaft

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    Dulcie Mainwaring ist mal wieder eine unverheiratete Mittdreißigerin, die ihr Geld mit editorischen Zuarbeiten, wie z.B. dem Erstellen von Registern für Fachbücher verdient. Nebenher ist sie äußerst neugierig und benutzt dazu ihre Kenntnis wissenschaftlicher Methoden. Den Anfang des Romans bildet ein echtes Filetstück Pymscher Ironie und Erzählkunst: ein Kongress für wissenschaftliche Mitarbeiter im editorischen Bereich. Da kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr raus und alle bekommen ihr Fett weg. Auch später gibt es herrliche Szenen z.B. in einem Provinzbadeort an der Küste. Passieren tut eigentlich mal wieder nichts, aber dafür muss man Pym auch nicht lesen: Die sanfte Zerlegung der Frauen- und Männerrollen in den piefigen Endfünfzigern lohnt das Lesen allemal.

  • Mein vorletzter, bisher ungelesener Roman von Barbara Pym, der auf Deutsch erschienen ist:

    Das Täubchen

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    SIe hat ihn als letzten 1978 veröffentlicht. Der Titel resultiert aus einem Gedichtvers von Keats: "The sweat dove died", wie auch der Originaltitel lautet.

    Leonora Eyre, eine elegante und unabhängige Endvierzigerin, lernt einen älteren Herrn und seinen jungen Neffen James, beide Gentleman-Antiquare, kennen und verguckt sich in den letzteren. Sie führen eine Art platonische Liebesbeziehung, die von Leonora aus zwanghafter wird, als sie entdeckt, dass James ein Verhältnis mit einem jungen Mädchen und später ein noch deutlich emotionaleres mit einem jungen Amerikaner hat. Sie versucht ihn an Fesseln zu legen, wie Keats das Täubchen im Gedicht, wodurch die Beziehung ihre Leichtigkeit und Unschuld verliert und scheitern muss. Selbst als James' amerikanischer Lover abgereist ist, gelingt es den beiden nicht mehr, das vorherige Verhältnis wieder aufzunehmen.

    Mir hat dieser Roman nicht ganz so gut gefallen wie die anderen, weil mir die Charaktere fremder blieben als in den sonstigen Pym-Romanen. Aber dieses Beherrschte, Melancholische und immer wieder Fein-Ironische macht auch in diesem kleinen Werk einen besonderen Reiz aus.