Also wer will nächste Woche?
Einfach ein Gedicht auswählen und schon geht der Diskurs los )
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Also wer will nächste Woche?
Einfach ein Gedicht auswählen und schon geht der Diskurs los )
S. 418 - falls niemand andere will.
S. 418 - falls niemand andere will.
somit hast du den Zuschlag fürs Monatsgedicht sandhofer ![]()
Freue mich schon auf experimentelle Lyrik.
(Eigentlich wollte ich was anderes bringen, aber weil experimentell gewünscht war, zumindest etwas Aktuelles, Zeitgenössisches:
Faust Opern Text Gounod
Nachdem der Rote Leu die Lilie geknallt,
in auf- und absteigenden Schlieren,
kalomelungenau trübt das Glas die Metamorphose,
das bisschen Lilie, das bisschen Leu,
die Tiere seien gifterprobt, so Goethe,
– Weiberhass und Schlangenbiss – Leu
schreibt ers am Döbereinst vom
antik bös weib
dem manne hab es leu gegeben
sei ihm aber nicht geschwind genug gestorben
worauf sie ihm ein zweites beigebracht – rattenzeug
nun sei der mann frisch worden Mercurius Miracel – was das wohl gewesen?
Von gift und galle nicht die rede – sublimat sublimat so tönt es döbereinst
Zum Fall zurück an Goethen
Quecksilberchlorid
baum strauch wassergift und mäßig löslich ist kalomel HgCl
2 HgCl → Hg + HgCl2 und das soll helfen?
nur zu Forschungszwecken bleibt die Zeit
Vor der Tür, dort knallen
Holz Wachs Schwefel dephlogistierter Salzsäure
Molukularballung im Tyndalleffekt den Brautschleier,
klappen Elementidentitäten ihr Maul von Leu zu Leu
Aus:
Martina Kieninger: transmutationen. Shortlist des Lyrikpreises München 2024 unter dem Motto Die eine rettet die Welt, die andere bewegt sie – was haben Poesie und Technik sich heute zu sagen?
(Ich glaube, ich hätte lieber das andere..)
Mehr ein Rätsel als ein Gedicht. Rätsel im Sinne "um die Ecke gedacht" des Autors Eckstein. Wo sich ganze Communities gebildet haben, die in Foren über Lösungen debattieren. Ich bin kein Freund solcher Rätsel, aber ich stelle mich natürlich nun eine Woche lang diesem Gedicht und hoffe nächste Woche wieder auf mehr sprachliche Poetik.
Dann fangen wir mal an:
- Leu steht in der Poetik für Löwe, hier auch?
- Verweis auf Goethe - da ich dort nicht so sehr zu Hause bin, auf welchen Text wird hier verwiesen?
- kalomelungenau: dazu bedarf es nun eines Chemiestudiums. Die Kalomelelektrode besteht aus Quecksilber, welches mit schwer löslichem Kalomel überzogen ist, chemische Formel Hg2Cl2. Wozu man diese Art von Elektroden nun benötigt, konnte ich noch nicht herausfinden. Der Zusammenhang zum Quecksilberchlorid ist somit hergestellt, chemisch gesehen sind die Worte Kalomel und Quecksilberchlorid ja wohl als Synonyme anzusehen.
- Tyndalleffekt stammt aus der Physik und beschreibt - einfach ausgedrückt - einen Effekt der Lichtstrahlen, z.B. Sonnenstrahlen im leichten Nebel, sichtbar macht. Das liegt daran, dass Licht unterschiedlich gebrochen wird, sobald sich kleine Schwebeteilchen (also wie beim Nebel) in der Luft befinden.
- dephlogistierte Salzsäure ist ein veralteter Begriff für Chlor
Da bin ich raus und reime mir lieber selbst einen Limerick oder so.
Zitat daraus:
"Wenn Goethe in seinem Faust die Hochzeit vom roten Leu mit der weißen Lilie schildert, so beschreibt er tatsächlich den Ablauf der chemischen Reaktion von Quecksilberoxid (der rote Leu) mit Ammoniumchlorid (die weiße Lilie) im völlig Trockenen unter intensivem Glühen. "
Machen wir mal weiter.
Dr. Faustus köchelt ja in seiner Giftküche, auf den wir ja schon in der Überschrift stoßen. Also der Verweis auf Goethes Haupttext Faust. Quasi ein Urtext der deutschen Literatur. Nun modern interpretiert?
Salzsäure ist übrigens seit dem 8. Jh. bekannt. Kommt das Wort bei Goethe irgendwo vor?
Charles Gounod hat eine Oper namens "Faust" geschrieben.
Vielleicht können wir uns dem Gedicht gemeinsam nähern. Immer wieder Input zu Ideen, die jede/r dazu hat.
Ich mache hier nur mal ein Brainstorming, ohne Wahrheitsanspruch.
Faust ist hier wohl auch ein musikalisches Werk von Gounod.
Wenn der alte Löwe die Prinzessin knallt, Lilie ist ja das Symbol der frz. Könige. Auch wenn sei für einander Gift sind,
Döbereiner war Astrologe im 18. JH. Anscheinend waren Frauen schuld am Bösen.
Kann Leu auch etwas gottartiges sein?
Mehr Gedanken dann in den nächsten Tagen.
Elementidentitäten findet man zum Beispiel in der Mathematik, so beschreiben die Gleichungen 2 +4 und 1 + 5 das gleiche Element 6. Gibt es so etwas auch in der Chemie?
Döbereiner war Chemiker:
(zum oben erwähnten Astrologen finde ich jetzt nichts).
Er hat das Platinfeuerzeug erfunden. Die Grundlage dafür war eine chemische Knallgasreaktion. "Dort knallen ..." finden wir dann im Text wieder.
Astrologe war der Münchner Döbereiner.
Ok, aber hier wird doch dann der Chemiker gemeint sein, bei der ganzen sonstigen Chemie im Text ![]()
Hier die Beziehung zwischen Döbereiner und Goethe:
https://www.chemgeo.uni-jena.de/chegemedia/2740/2016-07-doebpublvergift.pdf?nonactive=1&suffix=pdf
Vergiftungs und Entgiftungs-Geschichte;
aus einem
Briefe des Hrn. Geheimen-Raths v. Göthe.
Mitgetheilt
vom
Prof. DOEBEREINER, in Jena
Zur Bedeutung des Quecksilbers findet man:
Zitat:
In frühen Zeiten war Quecksilber ein Symbol des ewigen Lebens, im Mittelalter ein zentrales Element der paracelsianischen Lehre. Der flinke, lebendige Mercurius vermittelt zwischen dem Körper (Salz, der Sonne zugeordnet) und dem Geist (Schwefel, dem Mond assoziiert), Abb. 1. [5]. Alle Körper galten als zusammengesetzt aus diesen drei Elementen, auch der Mensch. Störungen des Gleichgewichts, die zu Krankheiten führen, wurden entsprechend behandelt. Daher stammen die ersten pharmakologischen Präparate, wie z. B. unguentum grisum – in Tierfett feinverteiltes Quecksilber, unguentum album – Salbe aus HgNH2Cl, und unguentum luteum – Salbe aus HgO.
Quecksilber kann somit als changierendes Element gedeutet werden, dass zum einen für ewiges Leben steht, zugleich aber den Tod bringen kann, da Goethe ja Döbereiner brieflich zum antiken Tod durch Quecksilber befragt.
Mercurius taucht nun im obigen Text ebenfalls auf. So langsam kommen wir den verwendeten Quellen der Autorin näher ...
Es lohnt sich die Ausführungen in dem oben verlinkten "Neues Journal für Chemie und Physik" zu lesen.
Ausgangspunkt ist ein Epigramm des historischen Dichters Ausonius. Goethe übersetzt es aus dem Lateinischen und so erfahren wir, dass eine Frau ihren Mann umbringen wollte. Die Giftmenge war jedoch nicht hinreichend, also gab sie später Quecksilber hinzu. Der Mann verstarb aber nicht, sondern gesundete. Döbereiner wusste, dass Quecksilbersublimate (wir finden das im Text wieder) schon bei den Chinesen bekannt seien und die Wirkung umdrehen können.
Damit lässt sich der zweite Absatz komplett entschlüsseln.
Döbereinst - ein schöner Sprachwitz für "[schrieb] einst an Döberein"