naja mehr Argentinierin als Schweizerin, aber ja in der Schweiz geboren )
Mehr Platz der Lyrik
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Diese Sehnsucht nach dem Schönen und Guten (das wir aus so vielen künstlerischen Bewegungen kennen), aber dahinter (nicht ganz eingestandene) traurige Gewissheit, dass es dieses Schöne und Gute in der Realität nicht geben kann - selbst nicht auf dem Mars. Der Marz bzw. eventuell vorhandenes intelligentes Leben dort waren zu Lebzeiten von Alfonsia Storni zugleich ein Ort utopischer Hoffnung und dystopischer Angst. Das spiegelt sich auch im Gedicht.
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Ja das sehe ich ähnlich wie du es beschrieben hast sandhofer. Die 20er Jahre in Argentinien waren literarisch sicher spannend.
Ich möchte bald mal die von H. Keller verfassten beiden biographischen Bände zu Alfonsia Storni lesen.
Das Gedicht ist einfach zeitlos für mich. Wir wollen ja auch, dass es gut ist, aber wir wissen auch, was Zerstörung und Krieg mit sich bringt.
Bei ihr war nach dem Krieg vor dem Krieg und bei uns ist es auch so. Die Stimmung der Zeit kommt mir ähnlich vor.
Der Traum nach besseren Welten, aber wenn das Neue mal Alltag wird, ist der Alltag dort auch nicht besser.
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Ach und übrigens, weil ich am Wochenende weg bin und nicht weiß wieviel Zeit für Literaturschock haben werde, bitte meldet euch für ein Gedicht am Sonntag Abend.
Würd mich freuen. Traut euch, ihr habt es ja nicht geschrieben, nur gepostet

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Heinz Erhardt: Das Unwetter*
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
in dumpfer Stube versammelt sind. –
’s ist Mittwoch. Da hört man von ferne
ein leises Grollen. Mond und Sterne
verhüllen sich mit schwarzen, feuchten
Wolkenschleiern. Blitze leuchten.
Und es sind versammelt in dumpfer Stube
Urahne, Großmutter, Mutter und Bube. –
Das Gewitter kommt näher mit Donnerschlag –
und noch fünf Minuten bis Donnerstag!
Es heult der Sturm, es schwankt die Mauer,
der Regen prasselt, die Milch wird sauer – ,
und in dumpfer Stube – man weiß das schon –
sind Urahne, Großmutter, Mutter und Sohn.
Ein furchtbarer Krach! Ein Blitz schlägt ein!
Der Urahne hört was und sagt:“Herein!“ –
Die dumpfe Stube entflammt und verglimmt
mit Urhammel, Großbutter, Butter und Zimt …
* Frei nach Ludwig Uhland, dem Erfinder der gleichnamigen Straße.
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Ein kleines Scherzgedicht, das an meinen gestrigen Heimflug aus Danzig bzw. Warschau erinnert. )
Wir saßen im Flieger, abfflugbereit, doch das Wetter wollte es anders. Nachdem wir schon mal aufgrund eines Defekts die Maschine wechseln mussten, gab es noch 2 Stunden Verzögerungen aufgrund von Unwettern über Zentraleuropa.
Im Flieger saßen auch Urahn, Großmutter, Mutter und Kind.
Bei uns ging es zum Glück glimpflicher aus. )
Ich bin gar nicht so ein großer Fan von Scherzgedichten, was mir an dem aber schon gefällt, ist die sprachliche Kreativität.
Rhythmisch erinnert es mich etwas an den Erlkönig, obwohl die Strophenform anders gestaltet ist.
Der Urahn ahnt, was ihm schwant. Er bittet den Tod quasi noch herein.
Der Hammel wird wohl etwas zu viel gebraten sein.
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Es ist - deswegen habe ich es ja auch gebracht - tatsächlich "frei nach". Allerdings - Heinz Erhardt war sogar noch in der Fussnote ein Spassvogel - nicht frei nach Uhland (obwohl sogar das hätte sein können), sondern frei nach Gustav Schwabs "Das Gewitter". Erhardts Gedicht ist nicht einmal die einzige Parodie darauf, aber er kann den manchmal gar offenbaren Kitsch der Schwäbischen Romantik wunderbar auf die Spitze treiben.
Wenn man Erhardt gelesen hat und danach Schwabs Original liest, wundert man sich, dass nicht die ganze Welt schon über den Romantiker gelacht hat.
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Ich mag das Gedicht an sich gerne, und das Original auf das es sich bezieht noch viel mehr - und ich finde es aber garnicht mal so lustig.
Das liegt aber auch daran, dass ich beim ersten Lesen des Gedichts (weiß nicht mehr ob dieses oder des Originals) damals an Geschichten meiner Oma denken musste. Sie hat mir in meiner Kindheit/Jugend immer erzählt, dass bei einem Angriff während des 2. WK quasi wie in dem Gedicht beschrieben ganze Teile ihrer Familie auf einen Schlag im Feuerwirbel/Feuersturm gestorben sind. Somit konnte ich die beiden Gedichte nicht lustig finden.
Aber ich mag beide "trotzdem" sehr gerne, Heinz Erhardts Texte mag ich sowieso, so auch diesen.
Meine Lieblingszeilen sind
Das Gewitter kommt näher mit Donnerschlag –
und noch fünf Minuten bis Donnerstag!
Das könnte man gut in den Alltag einbauen.

Als Status in einer Sozialen App oder so, im Gespräch...

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Die Freitagsfrage - wer will ein Gedicht posten am Sonntag?
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Wenn sonst niemand gerade etwas ganz Bestimmtes hat - ich stoße in meinem gegenwärtigen Buch über's Lesen gerade auch auf einige Gedichte - eins davon erscheint mir gerade, obwohl schon älter, auch heute nicht ganz unpassend.
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ich freue mich auf dein Gedicht Alice

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The World Is Too Much with Us (1807)
By William Wordsworth (1170-1850)
The world is too much with us; late and soon,
Getting and spending, we lay waste our powers:
Little we see in Nature that is ours;
We have given our hearts away, a sordid boon!
This Sea that bares her bosom to the moon;
The winds that will be howling at all hours,
And are up-gathered now like sleeping flowers:
For this, for everything, we are out of tune;
It moves us not. – Great God! I’d rather be
A Pagan suckled in a creed outworn;
So might I, standing on this pleasant lea,
Have glimpses that would make me less forlorn;
Have sight of Proteus rising from the sea;
Or hear old Triton blow his wreathed horn.
https://ecocomposition.wordpress.com/wp-content/uploads/2011/09/the-world-is-too-much-with-us-ww.pdf
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Zuzzeln wir das ein bisschen auseinander:
The world is too much with us; late and soon,
Getting and spending, we lay waste our powers:
Little we see in Nature that is ours;
We have given our hearts away, a sordid boon!
This Sea that bares her bosom to the moon;
The winds that will be howling at all hours,
And are up-gathered now like sleeping flowers:
For this, for everything, we are out of tune;
It moves us not. – Great God! I’d rather be
A Pagan suckled in a creed outworn;
So might I, standing on this pleasant lea,
Have glimpses that would make me less forlorn;
Have sight of Proteus rising from the sea;
Or hear old Triton blow his wreathed horn.
Und schwuppdich haben wir ein ganz und gar klassisches Sonett. Die ersten beiden Strophen beklagen ganz offensichtlich, dass der Mensch und die Natur nicht mehr im Einklang sind, was wie die dritte anhebt, den Menschen aber nicht kümmert. Lieber noch als seiner Zeit würde das lyrische Ich einem alten und längst obsoleten heidnischen Glauben angehören, der aber wenigstens hin und wieder mit der Natur in Einklang steht.
1807? Da war in England die Industrialisierung schon in vollem Gang. Wordsworth, als einer der Naturpoeten der englischen Romantik, hat deren grobe Fehler schon früh gesehen. Kritik der Gegenwart mittels Rückgriff auf Althergebrachtes in Form und Inhalt. Sauber.
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... und heute gibt es Gedichte über
Entfremdung durch die Digitalisierung.
Ich fand diese thematische Parallele zum Zeitalter der beginnenden Industrialisierung vor mehr als 200 Jahren interessant.
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Ganz schön alt geworden der gute Wordsworth

Ein Semester lang wurde ich gequält mit Wordsworth, Shelley und Byron. Die Qual lag aber eher am Professor, als an den Dichtern.
Ich finde auch, dass das Gedicht Zeitlos ist. Industrialisierung oder Digitalisierung, man könnte es einfach Fortschritt nennen. Etwas neues Unbekanntes, das nicht immer Gutes bringt.
Die letzten drei Verszeilen mit Proteus, der aus dem Wasser steigt - dem würde heute wirklich übel sein, bei all dem Müll und Mist im Meer. Samt Triton würde er wahrscheinlich sterbenskrank oder mutiert sein.
Wir sollten mit Fortschritt verantwortungsvoller umgehen.
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Der Thread scheint etwas einzuschlafen.
Wer möchte denn ein neues Gedicht präsentieren?
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Der Thread scheint etwas einzuschlafen.
Urläube?
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Nun da sich niemand gemeldet hat, ein Gedicht einer sehr faszinierenden Frau mit einer außergewöhnlichen Biographie.
In Europa ist sie eigtl. relativ unbekannt. Von einer Kindheit in direkter Nachbarschaft mit dem Ku-Klux-Klan im Arkansas der 1930er Jahre, über schwierigste Zeiten in der Jugend, Erfolg als Sängerin und Tänzerin, dann zur Widerstandskämpferin zunächst mit Martin Luther King und dann mit Malcom X, bis zur Zeit als alleinstehende Mutter in Afrika (Ägypten und Ghana) und dann der Durchbruch als Dichterin und Professorin für Literatur - die siebenbändige Autobiographie liest sich wie ein Roman.
... und immer noch wahr
Maya Angelou - These yet to be United States (1990)
Tremors of your network
cause kings to disappear.
Your open mouth in anger
makes nations bow in fear.
Your bombs can change the seasons,
obliterate the spring.
What more do you long for ?
Why are you suffering ?
You control the human lives
in Rome and Timbuktu.
Lonely nomads wandering
owe Telstar to you.
Seas shift at your bidding,
your mushrooms fill the sky.
Why are you unhappy ?
Why do your children cry ?
They kneel alone in terror
with dread in every glance.
Their nights are threatened daily
by a grim inheritance.
You dwell in whitened castles
with deep and poisoned moats
and cannot hear the curses
which fill your children’s throats.
aus:
Angelou, Maya: The Complete Poetry. 10. Aufl. London: Virago Press, 2015, S.234
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Sehr eindrücklich. Auch hätte ich bei diesem Thema keine Reime erwartet. Altmodische Form, aktueller Inhalt.
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Als ersten Eindruck schließe ich mich sandhofer vollumfänglich an. Das Gedicht ist aktuell wie nie zuvor (auch wenn sich Angelou vermutlich beim Verfassen gar nicht hätte träumen lassen, was derzeit in den USA abgeht).
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