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  • b.a.t.
  • 29. September 2022 um 20:38
  • Zum letzten Beitrag

Es gibt 762 Antworten in diesem Thema, welches 89.035 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (2. Mai 2026 um 09:36) ist von Kritty.

  • HoldenCaulfield
    Feministin
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    26
    • 14. September 2025 um 18:15
    • #601

    Äh ja :D ich muss mal noch kurz in mich gehen, was genau. Aber es wird was kommen :winken:

    SUB und Neuzugänge

    Seltsam im Nebel zu wandern... (Hesse)

  • HoldenCaulfield
    Feministin
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    • 14. September 2025 um 18:43
    • #602

    Ich fände es spannend, wenn ihr erstmal so eure Gedanken dazu schreibt und dann erst in den Spoiler schaut. Ich glaube das Gedicht wirkt dadurch noch mal ganz anders (nach). Mit und ohne Informationen dazu:

    Und wieder färben sich die Blätter herbstlich,
    Vor die Füße sie uns wehen.
    Immer weiter müssen wir gehen,
    Man sieht kein Ende des Weges.
    Die Gedanken ziehen sich neblig
    Über dem Feld, leer und traurig.
    Manchmal weht der Wind wehmütig,
    Der Wind, der unser Los kennt...
    Es fallen welke Blätter
    Wie Träume, umsonst geträumt.
    Es ist besser, nicht mehr zu träumen,
    Um durch die schwarze Nacht gehen zu können.


    Spoiler anzeigen

    Maria Rutkowska, Das Gedicht entstand 1944 im KZ Ravensbrück, Außenlager Neubrandenburg.
    Die Autorin war polnische Journalistin und Widerstandskämpferin.
    Hier könnt ihr euch das Gedicht im polnischen Original anhören: https://universes.art/de/stimmen-aus…kowska-blaetter

    Die Übersetzung habe ich von dieser Seite:
    https://lyricstranslate.com/de/maria-rutko…tli-lyrics.html

    SUB und Neuzugänge

    Seltsam im Nebel zu wandern... (Hesse)

  • b.a.t.
    ...
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    • 14. September 2025 um 18:54
    • #603

    Ich kannte es, und werds erst Ende der Woche verlinken, damit nix gespoilert wird.

    Ein Gedicht, das traurig und nachdenklich macht, aber auch Hoffnung hat, weil es wieder und wieder Herbst wird, D.h. wieder ein Jahr überlebt.

    Das Ende des Weges ist nicht ersichtlich. Schafft man es, schafft man es nicht.

    Allerdings ist es für das Überleben laut ihr wichtig, keine Träume zu haben, weil die verhindern, dass man die Realität meistern kann. Wie grausam auch immer sie sein mag.

  • Sagota
    Booktraveler
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    • 14. September 2025 um 22:07
    • #604

    Meine ersten Gedanken (ohne den Spoiler zu öffnen) sind denen von b.a.t. ziemlich ähnlich ;)

    Der "stimmungstragende Ton" ist für mich erstmal eher melancholisch - der Herbst verdeutlicht ja auch in der Tat jedes Jahr einen gewissen "Umbruch" in vielerlei Hinsicht; die warmen Sommermonate weichen dem Wind und den verminderten Temperaturen, die einen eher (wieder) ins Haus treiben. Ob er aber, wie der/die VerfasserIn des Gedichts annimmt, tatsächlich 'unser Los kennt', mag dahingestellt sein...

    Das wiederkehrende Element, der Wandel der Jahreszeiten, ist ebenso im Text enthalten wie die Wandlung. Am interessantesten (aber auch wirklich eher traurigen Zeilen) finde ich die letzten drei:

    Ich finde, en contraire, man kann mit schönen Träumen viel eher durch dunkle Nächte kommen als in Erwägung zu ziehen, nicht mehr zu träumen ;) Aber gegen eine gewisse Portion gesunden Realismus, den ich auch darin sehe, ist nichts einzuwenden.

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Sagota
    Booktraveler
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    5.783
    • 14. September 2025 um 22:10
    • #605

    Hat man den Spoiler geöffnet, erhält das Gedicht eine völlig andere, nachvollziehbare Dimension. Ich kannte es nicht und finde es sehr ausdrucksstark.

    Vielen Dank für's Teilen an HoldenCaulfield!

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • thomas_b
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    • 14. September 2025 um 22:45
    • #606

    Ich kenne das Gedicht nicht. Die Versuchung ist natürlich sehr groß, den Spoiler zu öffnen. Noch kann ich ihr widerstehen. Das Gedicht umfasst mehrere Jahre ("wieder ...herbstlich"). Dabei geht es darum, irgendein Ziel zu erreichen, welches jedoch von Jahr zu Jahr mühsamer zu erreichen ist, bisher nie erreicht wurde ("kein Ende"). Nur der Wind betrauert noch das Schicksal der Leute ("weht wehmütig"). Das Schicksal ist vorbestimmt, es gibt kein Entrinnen ("der Wind, der unser Los kennt"). Es gibt keinerlei Hoffnung ("es ist besser nicht mehr zu träumen"). Träume sind Schäume, so heißt es. Also man solle sich keinerlei Illusionen mehr hingeben. Sie werden nicht wahr werden. Man geht nicht ins Licht, sondern durch die schwarze Nacht. Hört sich nach Todesmarsch an, aber der dauerte ja nicht mehrere Jahre. Vielleicht im Sinne, dass ein ganzes Volk über mehrere Jahre hinweg in den Tod marschieren muss? Wind, Blätter, Herbst sind jedoch eher "romantische" Begriffe. In Anführungsstriche gesetzt, da ich nicht epochensicher bin, verwende den Begriff Romantik hier im umgangssprachlichen Sinne.

    Bei Sisyphos geht man ja immer "wieder", hier geht man hingegen immer "weiter". Das "immer wieder" kommt aber auch in der ersten Zeile vor. Bin noch am Überlegen, zu welcher Szene dieses "weiter" passt. Also mir fallen als Stichworte Todesmarsch und Sklaverei aufs Erste ein. Es könnten auch marschierende Soldaten sein, dann würde ich das aber in den Winter verlegen, wenn hier der 2. Weltkrieg gemeint ist.

    Schaue auch jetzt noch nicht in den Spoiler und warte auf andere Eingebungen.

    Einmal editiert, zuletzt von thomas_b (14. September 2025 um 22:51)

  • sandhofer
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    • 15. September 2025 um 05:33
    • #607

    Tut mir leid - hier bin ich raus. Sprachlich finde ich den Text holperig; und Gedichte mit Spoiler zu interpretieren, ist mir schlicht unmöglich.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • b.a.t.
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    • 15. September 2025 um 09:28
    • #608

    Wenn der Spoiler dann geöffnet wurde, dürfte klar sein, dass die Autorin weder die Zeit noch die Kraft gehabt haben dürfte ein ausgefeiltes Gedicht zu formulieren.
    Das Versmaß ist holprig, aber sie bringt inhaltlich rüber, was sie beschäftigt, wie sie leiden und welche Strapazen sie auf sich nehmen müssen.

    Für mich ist dieses Gedicht rein inhaltlich interessant. Form und Format sind da nebensächlich.

  • sandhofer
    Je nun...
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    • 15. September 2025 um 09:41
    • #609
    Zitat von b.a.t.

    Wenn der Spoiler dann geöffnet wurde, dürfte klar sein, dass die Autorin weder die Zeit noch die Kraft gehabt haben dürfte ein ausgefeiltes Gedicht zu formulieren.

    Natürlich habe ich als allererstes den Spoiler geöffnet, das ist nicht das Problem. Sondern, dass ich nicht zu einem Gedicht schreiben kann, wenn ich immer wieder nachdenken muss, ja nichts zu verraten. Ich schreibe auch in meinem Blog ohne Rücksicht auf Spoiler irgendwelcher Art.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • sandhofer
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    • 15. September 2025 um 09:44
    • #610
    Zitat von b.a.t.

    Das Versmaß ist holprig

    Nicht nur Versmass, auch der Satzbau ist ungelenk. Ob das die Autorin war oder erst mit der Übersetzung hinzukam, kann ich nicht entscheiden, weil ich die Original-Sprache nicht beherrsche. Den Text als persönliches und als Zeitdokument zu lesen ist eines, den Text als Lyrik zu lesen ein anderes.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Valentine
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    • 15. September 2025 um 15:28
    • #611

    Ohne den Spoiler zu kennen wirkt das Gedicht auf mich schon ziemlich traurig und hoffnungslos, vor allem in den letzten Zeilen. Keine Träume mehr zu haben oder haben zu wollen, weil man sonst die Realität nicht erträgt, ist für mich eine ganz schreckliche Vorstellung, es klingt nach Umständen, in denen nicht einmal mehr die Vorstellung von etwas Schönem helfen kann, weil es zu weh täte, aus dem Traum wieder zu erwachen.

    Ja, es klingt vielleicht ein bisschen holprig, aber ich finde es auch gerade dadurch eindrücklich - und der Spoiler, den ich dann später geöffnet habe, hat bestätigt, was ich bereits vermutet hatte ...

    Spoiler anzeigen

    nämlich dass das Gedicht in einer Situation der Verfolgung und tiefsten Verzweiflung und Ausweglosigkeit entstanden ist, in der man gerade noch die Kraft aufbringen kann, seine Gefühle in Verse zu fassen, aber nicht mehr, sie noch irgendwie "hübschzumachen", weil das eh nichts mehr nützt.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.
    Leonard Cohen

  • thomas_b
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    • 15. September 2025 um 18:13
    • #612

    Ist das Gedicht in einem deutschen Verlag veröffentlicht? Die geben sich bei der Übersetzung dann schon Mühe. Wenn nicht, wundert mich das Holprige nicht.

  • b.a.t.
    ...
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    • 21. September 2025 um 20:58
    • #613

    Ernst Jandl wäre heuer 100 Jahre geworden.

    Eines seiner bekanntesten Gedichte, bin auch überzeugt davon, dass einige von euch das Kennen. Ein Sprechgedicht aus 1957 und es passt leider auch immer noch 2025.

    Ernst Jandl - schtzngrmm

    schtzngrmm
    schtzngrmm
    t-t-t-t
    t-t-t-t
    grrrmmmmm
    t-t-t-t
    s---------c---------h
    tzngrmm
    tzngrmm
    tzngrmm
    grrrmmmmm
    schtzn
    schtzn
    t-t-t-t
    t-t-t-t
    schtzngrmm
    schtzngrmm
    tssssssssssssss
    grrt
    grrrrrt
    grrrrrrrrrt
    scht
    scht
    t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
    scht
    tzngrmm
    tzngrmm
    t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
    scht
    scht
    scht
    scht
    scht
    grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
    t-tt

  • Valentine
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    • 22. September 2025 um 11:52
    • #614

    Zuallererst dachte ich, was'n das für ein Käse, so ein Dada-Quatsch oder ähnliches, was alles gar nicht meins ist.

    Aber wenn man es sich (im Geiste zumindest) vorspricht, bekommt es einen Sinn und ich bin fast ein bisschen erschrocken, was da so lautmalerisch illustriert wird.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.
    Leonard Cohen

  • Alice
    liest
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    • 22. September 2025 um 11:57
    • #615

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    (Alte, aber sehr eindrückliche Aufnahme..)

    Danke b.a.t. für dieses Beispiel, an dem man sieht, was so alles möglich ist. (Überhaupt finde ich unsere bisherige Auswahl sehr vielfältig...)

  • sandhofer
    Je nun...
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    • 22. September 2025 um 13:41
    • #616
    Zitat von Valentine

    Zuallererst dachte ich, was'n das für ein Käse, so ein Dada-Quatsch oder ähnliches, was alles gar nicht meins ist.

    Du bist damit sehr, sehr nahe an vielen Reaktionen von 1957 (erste Veröffentlichung in einer Zeitschrift), bzw. 1966 (erste Buchveröffentlichung). Und ja: Es gehört (laut) gelesen, was Jandl schon 1957 erklärte. Und ja: Dada gehört - wie der Expressionismus, der Futurismus, der Surrealismus und deren écriture automatique - zu den Ahnherren und -damen Jandls. Man nannte es damals "Konkrete Poesie". Nun ja...

    Formal ziemlich raffiniert - inhaltlich lässt sich aber wenig mehr sagen, als dass es ein Anti-Kriegs-Poem ist. Aber ich lasse mich gern eines anderen überzeugen.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • thomas_b
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    du / er
    • 22. September 2025 um 14:43
    • #617

    Das Gedicht ist natürlich ein "Klassiker", dass ich auch kannte. Ich bin nur überrascht, dass es noch so jung ist. Und da frage ich mich, ob es 1957 diese Art des Gedichtes noch bedurfte. Die Schrecken des Krieges war doch allen noch gegenwärtig. Daher hätte ich es zeitlich eher vor dem zweiten Weltkrieg verortet, also mit der Verarbeitung des 1. Weltkriegs, in dem die Schützengräben, hier nun mit Auslassung der Vokale verkürzt zu schtzngrmmm, eine bedeutende Rolle spielten. Im 2. Weltkrieg waren es ja bereits vorrückende Panzerfronten und Fliegerbomben. Formal mag das damals neu gewesen sein, inhaltlich aber heute doch etwas abgenutzt. Zudem als Schulbuchgedicht sicherlich gerne genommen, was die Abnutzung noch erhöht. Da kann der Autor aber nichts dafür.

  • b.a.t.
    ...
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    • 22. September 2025 um 15:40
    • #618

    Nach dem Krieg ist leider vor dem Krieg.

    In den 50er Jahren tobte unter anderem der Korea Krieg, danach der Vietnamkrieg und andere kriegerische Auseinandersetzungen gab es auch immer wieder.

    Außerdem war 1957 sogar noch sehr früh für die Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges.

    Für mich ist es auch ein Antikriegsstatement, gar nicht so sehr auf ein Ereignis abzielend, als allgemein stehend. Mehr ist auch nicht dazu zu sagen, es reicht ja völlig aus, Haltung gegen etwas Zerstörerisches.

  • sandhofer
    Je nun...
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    2
    • 22. September 2025 um 15:53
    • #619

    Schützengräben wurden auch im Zweiten Weltkrieg noch ausgehoben - auf beiden Seiten. Sie erwiesen sich allerdings - auf beiden Seiten - als ziemlich nutzlos gegenüber Panzern und Fliegern.

    Aber, was meint Ihr, wie noch Ende der 1970er im Deutschunterricht plötzlich auch die an Literatur und nun gar Lyrik Uninteressiertesten sich im Stuhl aufsetzten und mit wachen, neugierigen Gesichtern zuhörten, wenn die Lehrkraft eine Schallplatte abspielte, auf der Jandl sein Gedicht vorlas? Und das ergab dann oft sehr hitzige Diskussionen - weniger über den Inhalt des Gedichts, mehr darüber, was Lyrik sein kann und sein darf.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • b.a.t.
    ...
    Beiträge
    2.143
    • 26. September 2025 um 20:37
    • #620

    Wer möchte denn nächsten Sonntag/Montag ein Gedicht posten?


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