Äh ja
ich muss mal noch kurz in mich gehen, was genau. Aber es wird was kommen ![]()
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Ich fände es spannend, wenn ihr erstmal so eure Gedanken dazu schreibt und dann erst in den Spoiler schaut. Ich glaube das Gedicht wirkt dadurch noch mal ganz anders (nach). Mit und ohne Informationen dazu:
Und wieder färben sich die Blätter herbstlich,
Vor die Füße sie uns wehen.
Immer weiter müssen wir gehen,
Man sieht kein Ende des Weges.
Die Gedanken ziehen sich neblig
Über dem Feld, leer und traurig.
Manchmal weht der Wind wehmütig,
Der Wind, der unser Los kennt...
Es fallen welke Blätter
Wie Träume, umsonst geträumt.
Es ist besser, nicht mehr zu träumen,
Um durch die schwarze Nacht gehen zu können.Spoiler anzeigen
Maria Rutkowska, Das Gedicht entstand 1944 im KZ Ravensbrück, Außenlager Neubrandenburg.
Die Autorin war polnische Journalistin und Widerstandskämpferin.
Hier könnt ihr euch das Gedicht im polnischen Original anhören: https://universes.art/de/stimmen-aus…kowska-blaetterDie Übersetzung habe ich von dieser Seite:
https://lyricstranslate.com/de/maria-rutko…tli-lyrics.html -
Ich kannte es, und werds erst Ende der Woche verlinken, damit nix gespoilert wird.
Ein Gedicht, das traurig und nachdenklich macht, aber auch Hoffnung hat, weil es wieder und wieder Herbst wird, D.h. wieder ein Jahr überlebt.
Das Ende des Weges ist nicht ersichtlich. Schafft man es, schafft man es nicht.
Allerdings ist es für das Überleben laut ihr wichtig, keine Träume zu haben, weil die verhindern, dass man die Realität meistern kann. Wie grausam auch immer sie sein mag.
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Meine ersten Gedanken (ohne den Spoiler zu öffnen) sind denen von b.a.t. ziemlich ähnlich

Der "stimmungstragende Ton" ist für mich erstmal eher melancholisch - der Herbst verdeutlicht ja auch in der Tat jedes Jahr einen gewissen "Umbruch" in vielerlei Hinsicht; die warmen Sommermonate weichen dem Wind und den verminderten Temperaturen, die einen eher (wieder) ins Haus treiben. Ob er aber, wie der/die VerfasserIn des Gedichts annimmt, tatsächlich 'unser Los kennt', mag dahingestellt sein...
Das wiederkehrende Element, der Wandel der Jahreszeiten, ist ebenso im Text enthalten wie die Wandlung. Am interessantesten (aber auch wirklich eher traurigen Zeilen) finde ich die letzten drei:
Ich finde, en contraire, man kann mit schönen Träumen viel eher durch dunkle Nächte kommen als in Erwägung zu ziehen, nicht mehr zu träumen
Aber gegen eine gewisse Portion gesunden Realismus, den ich auch darin sehe, ist nichts einzuwenden. -
Hat man den Spoiler geöffnet, erhält das Gedicht eine völlig andere, nachvollziehbare Dimension. Ich kannte es nicht und finde es sehr ausdrucksstark.
Vielen Dank für's Teilen an HoldenCaulfield!
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Ich kenne das Gedicht nicht. Die Versuchung ist natürlich sehr groß, den Spoiler zu öffnen. Noch kann ich ihr widerstehen. Das Gedicht umfasst mehrere Jahre ("wieder ...herbstlich"). Dabei geht es darum, irgendein Ziel zu erreichen, welches jedoch von Jahr zu Jahr mühsamer zu erreichen ist, bisher nie erreicht wurde ("kein Ende"). Nur der Wind betrauert noch das Schicksal der Leute ("weht wehmütig"). Das Schicksal ist vorbestimmt, es gibt kein Entrinnen ("der Wind, der unser Los kennt"). Es gibt keinerlei Hoffnung ("es ist besser nicht mehr zu träumen"). Träume sind Schäume, so heißt es. Also man solle sich keinerlei Illusionen mehr hingeben. Sie werden nicht wahr werden. Man geht nicht ins Licht, sondern durch die schwarze Nacht. Hört sich nach Todesmarsch an, aber der dauerte ja nicht mehrere Jahre. Vielleicht im Sinne, dass ein ganzes Volk über mehrere Jahre hinweg in den Tod marschieren muss? Wind, Blätter, Herbst sind jedoch eher "romantische" Begriffe. In Anführungsstriche gesetzt, da ich nicht epochensicher bin, verwende den Begriff Romantik hier im umgangssprachlichen Sinne.
Bei Sisyphos geht man ja immer "wieder", hier geht man hingegen immer "weiter". Das "immer wieder" kommt aber auch in der ersten Zeile vor. Bin noch am Überlegen, zu welcher Szene dieses "weiter" passt. Also mir fallen als Stichworte Todesmarsch und Sklaverei aufs Erste ein. Es könnten auch marschierende Soldaten sein, dann würde ich das aber in den Winter verlegen, wenn hier der 2. Weltkrieg gemeint ist.
Schaue auch jetzt noch nicht in den Spoiler und warte auf andere Eingebungen.
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Tut mir leid - hier bin ich raus. Sprachlich finde ich den Text holperig; und Gedichte mit Spoiler zu interpretieren, ist mir schlicht unmöglich.
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Wenn der Spoiler dann geöffnet wurde, dürfte klar sein, dass die Autorin weder die Zeit noch die Kraft gehabt haben dürfte ein ausgefeiltes Gedicht zu formulieren.
Das Versmaß ist holprig, aber sie bringt inhaltlich rüber, was sie beschäftigt, wie sie leiden und welche Strapazen sie auf sich nehmen müssen.Für mich ist dieses Gedicht rein inhaltlich interessant. Form und Format sind da nebensächlich.
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Wenn der Spoiler dann geöffnet wurde, dürfte klar sein, dass die Autorin weder die Zeit noch die Kraft gehabt haben dürfte ein ausgefeiltes Gedicht zu formulieren.
Natürlich habe ich als allererstes den Spoiler geöffnet, das ist nicht das Problem. Sondern, dass ich nicht zu einem Gedicht schreiben kann, wenn ich immer wieder nachdenken muss, ja nichts zu verraten. Ich schreibe auch in meinem Blog ohne Rücksicht auf Spoiler irgendwelcher Art.
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Das Versmaß ist holprig
Nicht nur Versmass, auch der Satzbau ist ungelenk. Ob das die Autorin war oder erst mit der Übersetzung hinzukam, kann ich nicht entscheiden, weil ich die Original-Sprache nicht beherrsche. Den Text als persönliches und als Zeitdokument zu lesen ist eines, den Text als Lyrik zu lesen ein anderes.
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Ohne den Spoiler zu kennen wirkt das Gedicht auf mich schon ziemlich traurig und hoffnungslos, vor allem in den letzten Zeilen. Keine Träume mehr zu haben oder haben zu wollen, weil man sonst die Realität nicht erträgt, ist für mich eine ganz schreckliche Vorstellung, es klingt nach Umständen, in denen nicht einmal mehr die Vorstellung von etwas Schönem helfen kann, weil es zu weh täte, aus dem Traum wieder zu erwachen.
Ja, es klingt vielleicht ein bisschen holprig, aber ich finde es auch gerade dadurch eindrücklich - und der Spoiler, den ich dann später geöffnet habe, hat bestätigt, was ich bereits vermutet hatte ...
Spoiler anzeigen
nämlich dass das Gedicht in einer Situation der Verfolgung und tiefsten Verzweiflung und Ausweglosigkeit entstanden ist, in der man gerade noch die Kraft aufbringen kann, seine Gefühle in Verse zu fassen, aber nicht mehr, sie noch irgendwie "hübschzumachen", weil das eh nichts mehr nützt.
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Ist das Gedicht in einem deutschen Verlag veröffentlicht? Die geben sich bei der Übersetzung dann schon Mühe. Wenn nicht, wundert mich das Holprige nicht.
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Ernst Jandl wäre heuer 100 Jahre geworden.
Eines seiner bekanntesten Gedichte, bin auch überzeugt davon, dass einige von euch das Kennen. Ein Sprechgedicht aus 1957 und es passt leider auch immer noch 2025.
Ernst Jandl - schtzngrmm
schtzngrmm
schtzngrmm
t-t-t-t
t-t-t-t
grrrmmmmm
t-t-t-t
s---------c---------h
tzngrmm
tzngrmm
tzngrmm
grrrmmmmm
schtzn
schtzn
t-t-t-t
t-t-t-t
schtzngrmm
schtzngrmm
tssssssssssssss
grrt
grrrrrt
grrrrrrrrrt
scht
scht
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
tzngrmm
tzngrmm
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
scht
scht
scht
scht
grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
t-tt -
Zuallererst dachte ich, was'n das für ein Käse, so ein Dada-Quatsch oder ähnliches, was alles gar nicht meins ist.
Aber wenn man es sich (im Geiste zumindest) vorspricht, bekommt es einen Sinn und ich bin fast ein bisschen erschrocken, was da so lautmalerisch illustriert wird.
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(Alte, aber sehr eindrückliche Aufnahme..)
Danke b.a.t. für dieses Beispiel, an dem man sieht, was so alles möglich ist. (Überhaupt finde ich unsere bisherige Auswahl sehr vielfältig...)
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Zuallererst dachte ich, was'n das für ein Käse, so ein Dada-Quatsch oder ähnliches, was alles gar nicht meins ist.
Du bist damit sehr, sehr nahe an vielen Reaktionen von 1957 (erste Veröffentlichung in einer Zeitschrift), bzw. 1966 (erste Buchveröffentlichung). Und ja: Es gehört (laut) gelesen, was Jandl schon 1957 erklärte. Und ja: Dada gehört - wie der Expressionismus, der Futurismus, der Surrealismus und deren écriture automatique - zu den Ahnherren und -damen Jandls. Man nannte es damals "Konkrete Poesie". Nun ja...
Formal ziemlich raffiniert - inhaltlich lässt sich aber wenig mehr sagen, als dass es ein Anti-Kriegs-Poem ist. Aber ich lasse mich gern eines anderen überzeugen.
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Das Gedicht ist natürlich ein "Klassiker", dass ich auch kannte. Ich bin nur überrascht, dass es noch so jung ist. Und da frage ich mich, ob es 1957 diese Art des Gedichtes noch bedurfte. Die Schrecken des Krieges war doch allen noch gegenwärtig. Daher hätte ich es zeitlich eher vor dem zweiten Weltkrieg verortet, also mit der Verarbeitung des 1. Weltkriegs, in dem die Schützengräben, hier nun mit Auslassung der Vokale verkürzt zu schtzngrmmm, eine bedeutende Rolle spielten. Im 2. Weltkrieg waren es ja bereits vorrückende Panzerfronten und Fliegerbomben. Formal mag das damals neu gewesen sein, inhaltlich aber heute doch etwas abgenutzt. Zudem als Schulbuchgedicht sicherlich gerne genommen, was die Abnutzung noch erhöht. Da kann der Autor aber nichts dafür.
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Nach dem Krieg ist leider vor dem Krieg.
In den 50er Jahren tobte unter anderem der Korea Krieg, danach der Vietnamkrieg und andere kriegerische Auseinandersetzungen gab es auch immer wieder.
Außerdem war 1957 sogar noch sehr früh für die Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges.
Für mich ist es auch ein Antikriegsstatement, gar nicht so sehr auf ein Ereignis abzielend, als allgemein stehend. Mehr ist auch nicht dazu zu sagen, es reicht ja völlig aus, Haltung gegen etwas Zerstörerisches.
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Schützengräben wurden auch im Zweiten Weltkrieg noch ausgehoben - auf beiden Seiten. Sie erwiesen sich allerdings - auf beiden Seiten - als ziemlich nutzlos gegenüber Panzern und Fliegern.
Aber, was meint Ihr, wie noch Ende der 1970er im Deutschunterricht plötzlich auch die an Literatur und nun gar Lyrik Uninteressiertesten sich im Stuhl aufsetzten und mit wachen, neugierigen Gesichtern zuhörten, wenn die Lehrkraft eine Schallplatte abspielte, auf der Jandl sein Gedicht vorlas? Und das ergab dann oft sehr hitzige Diskussionen - weniger über den Inhalt des Gedichts, mehr darüber, was Lyrik sein kann und sein darf.
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Wer möchte denn nächsten Sonntag/Montag ein Gedicht posten?
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