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  • b.a.t.
  • 29. September 2022 um 20:38
  • Zum letzten Beitrag

Es gibt 762 Antworten in diesem Thema, welches 89.033 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (2. Mai 2026 um 09:36) ist von Kritty.

  • sandhofer
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    • 12. November 2025 um 20:21
    • #681

    Vielen Dank für Eure Herzchen, das ist lieb. Aber ein paar Worte zum Gedicht wären mir lieber ... ;)

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Alice
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    • 12. November 2025 um 21:57
    • #682

    Der Grundgedanke des Gedichtes hat mir sofort gefallen, ebenso der "Stimmungsfluss" - den Wortlaut muss(te) ich erst mal langsam durch mehrfaches Lesen "akzeptieren". Bekanntlich (?) bin ich sprachlich ein wenig kleinlich und die erste Strophe erschien mir zunächst etwas.. gezwungen und die letzte holperte in mir - einiges oder sogar das meiste davon hat aber wohl nur mit einer nicht mehr zeitgemäßen Sprache zu tun (blaulich, Kahn, entwandt, entziehen... von...) - wenn ich mich daran gewöhnt haben werde und es mir dann eventuell nicht mehr so in ein Reimschema hinein gezwungen vorkommt, wird es mir wahrscheinlich noch etwas besser gefallen. ;)

    (Du wolltest ja gerne momentane Gedanken dazu - richtig sandhofer ?:evil:)

  • sandhofer
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    • 13. November 2025 um 07:23
    • #683

    Nun ja - "die Günderode", wie sie genannt wurde, ist sicherlich weder eine Mayröcker noch eine Bachmann. Aber ich finde ihren Versuch hier, wissenschaftliche und technische Erkenntnisse mit Gefühlen und Stimmungen zu verbinden, ganz interessant. (Und sooo schlimm finde ich ihre Verse nun auch nicht ... :D)

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Alice
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    • 13. November 2025 um 10:07
    • #684

    Nein, nicht "schlimm", gar nicht. Mein Sprachrezeptionsproblem (den Genitiv ganz hinten jetzt auch kapiert - das überschüssige Komma aber noch nicht verstanden..) wohl großteils, wie oben beschrieben.

    Gerade habe ich nachgelesen, dass Karoline von Günder(r)ode nur 26 Jahre alt geworden ist - sie hat sich erdolcht (nicht ganz die typische weibliche Selbstmordmethode - passte aber wohl zu ihr). Mit dem Hintergrund ihrer "Bildungsgeschichte" ist das Gedicht durchaus noch berührender - die Grundidee hatte mir (wie oben erwähnt..) aber gleich schon gefallen.

    Einmal editiert, zuletzt von Alice (13. November 2025 um 10:15)

  • b.a.t.
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    • 13. November 2025 um 10:45
    • #685

    Mich stört das Gedicht sprachlich überhaupt nicht, ist eine zeittypische Ausdrucksweise, poetisch.

    Mit dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte ist es schon düster.

    Die einzige Zeile die sich nicht reimt

    "Wehe! Das Gesetz der Schwere"

    Sie fährt in die Welt hinaus, schaut in die Sterne, träumt vor sich hin und glaubt einiges an Welterkenntnis gewonnen zu haben, allerdings ziehen Wolken auf, sie wird wieder auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt.

    Mit der Schwere der Realität kann sie nicht so gut umgehen.

    Für mich wäre Traumtänzer auch ein geeigneter Titel.

  • Juva
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    • 13. November 2025 um 10:55
    • #686

    Ich finde den Gegensatz von Freiheit und Begrenzung in diesem Gedicht sehr gelungen dargestellt. Während das lyrische Ich sich zunächst die Weiten des Luftraums erschließt und dabei die Grenzen, die den Menschen (besonders zur Entstehungszeit des Gedichts) gesetzt waren, überwindet und sich immer mutiger herauswagt und damit zum Entdecker im wahrsten Sinne des Wortes wird, wird es in der zweiten Hälfte des Gedichts wieder auf den harten Boden der Tatsachen heruntergeholt. Trotz neuer technischer Errungenschaften können die Naturgesetze nicht außer Kraft gesetzt oder "überlistet" werden, damit setzt dann auch eine gewisse Ernüchterung ein, während das vorherige Schweben auch der Phantasie neue Räume eröffnet hat.

  • HoldenCaulfield
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    • 13. November 2025 um 14:59
    • #687

    Ich und die Günserrode haben eine besondere Beziehung zueinander. Ich bin als Teenagerin auf die gestoßen, als ich noch in der Ausbildung und auch ganz frisch im Forum war. Ich habe seinerzeit in einem Buchladen in Calw eine kleine Biographie über sie gekauft und auch ein Referat zu ihr in Literaturgeschichte gehalten 😅

    SUB und Neuzugänge

    Seltsam im Nebel zu wandern... (Hesse)

  • sandhofer
    Je nun...
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    • 13. November 2025 um 17:03
    • #688
    Zitat von HoldenCaulfield

    Ich habe seinerzeit in einem Buchladen in Calw eine kleine Biographie über sie gekauft und auch ein Referat zu ihr in Literaturgeschichte gehalten 😅

    Oh ... kannst Du uns dann verraten, warum sie mal mit einem und mal mit zwei 'r' geschrieben wird? Ich habe bei meinen - zugegeben flüchtigen - Recherchen nichts dazu gefunden.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • HoldenCaulfield
    Feministin
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    • 13. November 2025 um 17:06
    • #689

    sandhofer Ich kann gern mal nachblättern ob ich etwas dazu finde.

    SUB und Neuzugänge

    Seltsam im Nebel zu wandern... (Hesse)

  • Alice
    liest
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    • 13. November 2025 um 18:46
    • #690

    Zitat aus dem meistens nichtsoschlechten Wikipedia:

    "Die Günderrodes schrieben sich stets mit doppeltem „r“, was später gelegentlich missachtet wurde – daher die häufig zu lesende Namensform Günderode – und erst seit den 1970er Jahren wieder Eingang in die Literatur fand."

  • Sagota
    Booktraveler
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    • 14. November 2025 um 00:56
    • #691

    Ich habe das Gedicht jetzt zum 3. Mal gelesen und finde es schon beeindruckend, wie poetisch die Vers- und Reimform von Günder(r)ode ist/war: Die ersten Abschnitte wirken sehr positiv, etwas verträumt auf mich - während die letzten beiden eher einen jähen Absturz auf den Boden der Realität ausdrücken; begleitet von einem gewissen (Welt)schmerz.

    Eine sehr realistische Frau, die m.E. in der falschen Zeit lebte: Hätte sie die Zeilen im 21. Jhd. geschrieben, hätten sich mehr Möglichkeiten dargeboten als sich selbst so ein schreckliches Ende zu bereiten (ich hab auch den Wiki-Eintrag über sie gelesen und muss sagen, dass ich etwas sprachlos war, in welcher Weise sie "Hand an sich selbst anlegte" - bzw. den Dolch...

    Das lässt mich etwas traurig auf ihre Zeilen blicken.

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • b.a.t.
    ...
    Beiträge
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    • 15. November 2025 um 12:52
    • #692

    eine neue Woche bahnt sich an

    Wer möchte morgen ein Gedicht posten?

  • b.a.t.
    ...
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    • 16. November 2025 um 20:52
    • #693

    Passend zum letzten Buch, das ich gelesen habe.

    Octavio Paz - Die Flamme der Rede

    In einer Dichtung les' ich:
    Worte wechseln ist göttlich,
    Doch Götter reden nicht:
    bauen, zerhauen Welten,
    während die Menschen reden.
    Die Götter, ohne Worte,
    spielen schreckliche Spiele.

    Der Geist lässt sich hernieder
    und entfesselt die Zeugen,
    doch er spricht keine Worte.
    er spricht Gluten. Die Sprache,
    von dem Gotte entzündet,
    sie ist eine Verheißung
    aus Flammen und ein Turmbau
    aus Rauch, ein Niederprasseln
    feuerverzehrter Silben:
    Aschenstaub ohne Sinn.

    Das Wort des Menschen aber
    ist die Tochter des Todes.
    wir reden, weil wir sterblich
    uns wissen: Unsere Worte
    sind nicht Zeichen, sind Jahre.
    Im Sagen, was die Namen
    sagen, welche wir sagen,
    sagen sie Zeit: uns selber.
    Wir sind Namen der Zeit.

    Verstummt, sprechen die Toten
    dieselben Worte aus,
    die wir Lebenden sagen.
    Die Sprache ist die Wohnung
    von allen, das Haus, hängend
    an der Flanke des Abgrunds.
    Worte wechseln ist menschlich.

    Cambridge 18.1.1976


    Paz, Octavio: Gedichte. Berlin: Suhrkamp 2016, S. 282-285

    Einmal editiert, zuletzt von b.a.t. (30. November 2025 um 20:52)

  • sandhofer
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    • 19. November 2025 um 16:37
    • #694
    Zitat von b.a.t.

    er spricht Gluten

    Mein erster Gedanke: Wieso leidet er an Zöliakie? Mein zweiter: Ach sooo, Betonung auf der ersten Silbe.

    Ansonsten verstehe ich den metaphysischen Mischmasch, den Octavio hier anstellt, nicht. Ist das alles wirklich richtig übersetzt? Ich finde im Netz nichts, was das Original sein könnte ... Und übers Formale kann ich auch nichts sagen, weil: Übersetzung. ;(

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • b.a.t.
    ...
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    • 19. November 2025 um 19:24
    • #695

    Hier noch das Original - mein Buch ist bilingual.


    LA LLAMA, EL HABLA

    En un poema leo:
    conversar es divino.
    Pero los diosa no hablan:
    hacen, deshacen mundos
    mientras los hombres hablan.
    Los dioses, sin palabras,
    juegan juegos terribles.

    El espíritu baja
    y desata las lenguas
    pero no habla palabras:
    habla lumbre. El lenguaje,
    por el dios encendido,
    es una profecía
    de llamas y una torre
    de humo y un desplome
    de sílabas quemadas:
    ceniza sin sentido.

    La palabra del hombre
    es hija de la muerte.
    Hablamos porque somos
    mortales: las palabras
    no son signos, son años.
    Al decir lo que dicen
    los nombres que decimos
    dicen tiempo: nos dicen.
    Somos nombres del tiempo.

    Mudos, también los muertos
    pronuncian las palabras
    que decimos los vivos.
    El lenguaje es la casa
    de todos en el flanco
    del abismo colgada.
    Conversar es humano.

  • Alice
    liest
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    5.578
    • 19. November 2025 um 21:27
    • #696

    (Schon mit meinen äußerst begrenzten Spanischkenntnissen erscheint mir das Original um Einiges.. klarer (?) / harmonischer (?)... )

  • Alice
    liest
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    5.578
    • 21. November 2025 um 17:21
    • #697
    Zitat von sandhofer
    Zitat von b.a.t.

    er spricht Gluten

    Mein erster Gedanke: Wieso leidet er an Zöliakie? Mein zweiter: Ach sooo, Betonung auf der ersten Silbe.

    Ging mir genauso... ^^

    (Ich hatte Entsprechendes früher schon mal beim Wort "Kollagen". :breitgrins:)

  • b.a.t.
    ...
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    • 22. November 2025 um 00:02
    • #698

    Paz setzt sich ja öfter mit Religion(en) auseinander.

    Götter reden nicht, sondern es wird ihnen angedichtet was sie gesagt haben. Menschen sagen oder schreiben auf was Götter gesagt haben.

    Hier ein paar Ideen, die ich durch das Gedicht habe. Es geht mir gar nicht darum, was der Dichter sagen wollte, sondern was es in mir auslöst.

    Ich sehe da auch Anspielungen auf die Maya Kultur

    Die Götter, ohne Worte,
    spielen schreckliche Spiele.

    Erinnert mich and das "Maya Basketball" wo der Gewinner und Held seinen Kopf für die Götter opfern darf. Die Köpfe werden dann in Cenotes (unterirdische Seen im Karst) versenkt. Das ist die höchste Ehre. Ich frage mich ja, wer da freiwillig nicht gewonnen hat.

    Der Geist lässt sich hernieder
    und entfesselt die Zeugen,
    doch er spricht keine Worte.
    er spricht Gluten. Die Sprache,
    von dem Gotte entzündet,
    sie ist eine Verheißung
    aus Flammen und ein Turmbau


    Brennende Buschen, und Gott der durch Engel spricht? Turmbau den Gott zerstört, damit ihm die Menschen nicht zu nahe kommen? Das ist irgendwie wie eine Ausrede, dass die Menschen die Statik nicht richtig berechnet haben.

    Die Sprache ist menschlich, und alles was Menschen sagen und auch über andere sagen und von anderen denken ist von Menschen ausgedacht.

    Es werden Konstrukte zurecht gelegt und Gottheiten quasi in den Mund gelegt.

    Alles was geschrieben wurde, wurde auch von Menschen geschrieben.

  • b.a.t.
    ...
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    2.143
    • 30. November 2025 um 20:54
    • #699

    Damit es hier nicht ganz einschläft, diese Woche nochmal ein Gedicht von mir.

    Die nächsten drei Wochen bitte ich euch, am Sonntag jeweils ein Gedicht zu posten, da ich auf Urlaub bin und keine Lyrik Bände mitnehmen will.

    Diesmal ein Gedicht eines Großmeisters, wundert mich, dass er noch gar nicht vorkam.

    Arthur Rimbaud - Meine Bohème

    Phantasie

    Ich ging, Fäuste in Taschen löcherig wie Siebe;
    Mein Mantel ward ein feingesponnenen Ding;
    Als dein Getreuer, Muse! ging ich unterm Himmel hin;
    O la! Wie prächtig träumte mir's von Liebe!

    Ein unvergleichlich Loch trug ich im Hosenkleide.
    - Als kleiner Däumling streifte träumend ich umher
    Und pflückte Reime. Mein Gasthof war der Große Bär.
    - Am Himmel meine Sterne rauschten sanft wie Seide.

    Und ich belauschte sie, am Wegesrande hockend
    In den Septembernächten, wo der Tau verlockend
    Auf meine Stirn fiel wie ein Wein von seltner Kraft;

    Wo ich, inmitten Schattenspiel und Reimgeplänkel,
    Die Saiten schwang wie widerspenst'gen Senkel
    Der wunden Schuh', den Fuß ans Herz gerafft!


    Rimbaud, Arthur: Sämtliche Dichtungen. Zweisprachige Ausgabe. München: dtv: 2020. 8.Auflage. S.78-81

  • thomas_b
    Quidditch-Legende
    Beiträge
    860
    Bilder
    3
    Pronomen
    du / er
    • 30. November 2025 um 22:03
    • #700

    Ich kann nächste Woche was posten.


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