Vielen Dank für Eure Herzchen, das ist lieb. Aber ein paar Worte zum Gedicht wären mir lieber ... ![]()
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Der Grundgedanke des Gedichtes hat mir sofort gefallen, ebenso der "Stimmungsfluss" - den Wortlaut muss(te) ich erst mal langsam durch mehrfaches Lesen "akzeptieren". Bekanntlich (?) bin ich sprachlich ein wenig kleinlich und die erste Strophe erschien mir zunächst etwas.. gezwungen und die letzte holperte in mir - einiges oder sogar das meiste davon hat aber wohl nur mit einer nicht mehr zeitgemäßen Sprache zu tun (blaulich, Kahn, entwandt, entziehen... von...) - wenn ich mich daran gewöhnt haben werde und es mir dann eventuell nicht mehr so in ein Reimschema hinein gezwungen vorkommt, wird es mir wahrscheinlich noch etwas besser gefallen.

(Du wolltest ja gerne momentane Gedanken dazu - richtig sandhofer ?
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Nun ja - "die Günderode", wie sie genannt wurde, ist sicherlich weder eine Mayröcker noch eine Bachmann. Aber ich finde ihren Versuch hier, wissenschaftliche und technische Erkenntnisse mit Gefühlen und Stimmungen zu verbinden, ganz interessant. (Und sooo schlimm finde ich ihre Verse nun auch nicht ...
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Nein, nicht "schlimm", gar nicht. Mein Sprachrezeptionsproblem (den Genitiv ganz hinten jetzt auch kapiert - das überschüssige Komma aber noch nicht verstanden..) wohl großteils, wie oben beschrieben.
Gerade habe ich nachgelesen, dass Karoline von Günder(r)ode nur 26 Jahre alt geworden ist - sie hat sich erdolcht (nicht ganz die typische weibliche Selbstmordmethode - passte aber wohl zu ihr). Mit dem Hintergrund ihrer "Bildungsgeschichte" ist das Gedicht durchaus noch berührender - die Grundidee hatte mir (wie oben erwähnt..) aber gleich schon gefallen.
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Mich stört das Gedicht sprachlich überhaupt nicht, ist eine zeittypische Ausdrucksweise, poetisch.
Mit dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte ist es schon düster.
Die einzige Zeile die sich nicht reimt
"Wehe! Das Gesetz der Schwere"
Sie fährt in die Welt hinaus, schaut in die Sterne, träumt vor sich hin und glaubt einiges an Welterkenntnis gewonnen zu haben, allerdings ziehen Wolken auf, sie wird wieder auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt.
Mit der Schwere der Realität kann sie nicht so gut umgehen.
Für mich wäre Traumtänzer auch ein geeigneter Titel.
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Ich finde den Gegensatz von Freiheit und Begrenzung in diesem Gedicht sehr gelungen dargestellt. Während das lyrische Ich sich zunächst die Weiten des Luftraums erschließt und dabei die Grenzen, die den Menschen (besonders zur Entstehungszeit des Gedichts) gesetzt waren, überwindet und sich immer mutiger herauswagt und damit zum Entdecker im wahrsten Sinne des Wortes wird, wird es in der zweiten Hälfte des Gedichts wieder auf den harten Boden der Tatsachen heruntergeholt. Trotz neuer technischer Errungenschaften können die Naturgesetze nicht außer Kraft gesetzt oder "überlistet" werden, damit setzt dann auch eine gewisse Ernüchterung ein, während das vorherige Schweben auch der Phantasie neue Räume eröffnet hat.
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Ich und die Günserrode haben eine besondere Beziehung zueinander. Ich bin als Teenagerin auf die gestoßen, als ich noch in der Ausbildung und auch ganz frisch im Forum war. Ich habe seinerzeit in einem Buchladen in Calw eine kleine Biographie über sie gekauft und auch ein Referat zu ihr in Literaturgeschichte gehalten 😅
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Ich habe seinerzeit in einem Buchladen in Calw eine kleine Biographie über sie gekauft und auch ein Referat zu ihr in Literaturgeschichte gehalten 😅
Oh ... kannst Du uns dann verraten, warum sie mal mit einem und mal mit zwei 'r' geschrieben wird? Ich habe bei meinen - zugegeben flüchtigen - Recherchen nichts dazu gefunden.
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sandhofer Ich kann gern mal nachblättern ob ich etwas dazu finde.
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Zitat aus dem meistens nichtsoschlechten Wikipedia:
"Die Günderrodes schrieben sich stets mit doppeltem „r“, was später gelegentlich missachtet wurde – daher die häufig zu lesende Namensform Günderode – und erst seit den 1970er Jahren wieder Eingang in die Literatur fand."
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Ich habe das Gedicht jetzt zum 3. Mal gelesen und finde es schon beeindruckend, wie poetisch die Vers- und Reimform von Günder(r)ode ist/war: Die ersten Abschnitte wirken sehr positiv, etwas verträumt auf mich - während die letzten beiden eher einen jähen Absturz auf den Boden der Realität ausdrücken; begleitet von einem gewissen (Welt)schmerz.
Eine sehr realistische Frau, die m.E. in der falschen Zeit lebte: Hätte sie die Zeilen im 21. Jhd. geschrieben, hätten sich mehr Möglichkeiten dargeboten als sich selbst so ein schreckliches Ende zu bereiten (ich hab auch den Wiki-Eintrag über sie gelesen und muss sagen, dass ich etwas sprachlos war, in welcher Weise sie "Hand an sich selbst anlegte" - bzw. den Dolch...
Das lässt mich etwas traurig auf ihre Zeilen blicken.
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eine neue Woche bahnt sich an
Wer möchte morgen ein Gedicht posten?
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Passend zum letzten Buch, das ich gelesen habe.
Octavio Paz - Die Flamme der Rede
In einer Dichtung les' ich:
Worte wechseln ist göttlich,
Doch Götter reden nicht:
bauen, zerhauen Welten,
während die Menschen reden.
Die Götter, ohne Worte,
spielen schreckliche Spiele.Der Geist lässt sich hernieder
und entfesselt die Zeugen,
doch er spricht keine Worte.
er spricht Gluten. Die Sprache,
von dem Gotte entzündet,
sie ist eine Verheißung
aus Flammen und ein Turmbau
aus Rauch, ein Niederprasseln
feuerverzehrter Silben:
Aschenstaub ohne Sinn.Das Wort des Menschen aber
ist die Tochter des Todes.
wir reden, weil wir sterblich
uns wissen: Unsere Worte
sind nicht Zeichen, sind Jahre.
Im Sagen, was die Namen
sagen, welche wir sagen,
sagen sie Zeit: uns selber.
Wir sind Namen der Zeit.Verstummt, sprechen die Toten
dieselben Worte aus,
die wir Lebenden sagen.
Die Sprache ist die Wohnung
von allen, das Haus, hängend
an der Flanke des Abgrunds.
Worte wechseln ist menschlich.Cambridge 18.1.1976
Paz, Octavio: Gedichte. Berlin: Suhrkamp 2016, S. 282-285
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er spricht Gluten
Mein erster Gedanke: Wieso leidet er an Zöliakie? Mein zweiter: Ach sooo, Betonung auf der ersten Silbe.
Ansonsten verstehe ich den metaphysischen Mischmasch, den Octavio hier anstellt, nicht. Ist das alles wirklich richtig übersetzt? Ich finde im Netz nichts, was das Original sein könnte ... Und übers Formale kann ich auch nichts sagen, weil: Übersetzung.

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Hier noch das Original - mein Buch ist bilingual.
LA LLAMA, EL HABLA
En un poema leo:
conversar es divino.
Pero los diosa no hablan:
hacen, deshacen mundos
mientras los hombres hablan.
Los dioses, sin palabras,
juegan juegos terribles.
El espíritu baja
y desata las lenguas
pero no habla palabras:
habla lumbre. El lenguaje,
por el dios encendido,
es una profecía
de llamas y una torre
de humo y un desplome
de sílabas quemadas:
ceniza sin sentido.
La palabra del hombre
es hija de la muerte.
Hablamos porque somos
mortales: las palabras
no son signos, son años.
Al decir lo que dicen
los nombres que decimos
dicen tiempo: nos dicen.
Somos nombres del tiempo.
Mudos, también los muertos
pronuncian las palabras
que decimos los vivos.
El lenguaje es la casa
de todos en el flanco
del abismo colgada.
Conversar es humano. -
(Schon mit meinen äußerst begrenzten Spanischkenntnissen erscheint mir das Original um Einiges.. klarer (?) / harmonischer (?)... )
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er spricht Gluten
Mein erster Gedanke: Wieso leidet er an Zöliakie? Mein zweiter: Ach sooo, Betonung auf der ersten Silbe.
Ging mir genauso...

(Ich hatte Entsprechendes früher schon mal beim Wort "Kollagen".
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Paz setzt sich ja öfter mit Religion(en) auseinander.
Götter reden nicht, sondern es wird ihnen angedichtet was sie gesagt haben. Menschen sagen oder schreiben auf was Götter gesagt haben.
Hier ein paar Ideen, die ich durch das Gedicht habe. Es geht mir gar nicht darum, was der Dichter sagen wollte, sondern was es in mir auslöst.
Ich sehe da auch Anspielungen auf die Maya Kultur
Die Götter, ohne Worte,
spielen schreckliche Spiele.Erinnert mich and das "Maya Basketball" wo der Gewinner und Held seinen Kopf für die Götter opfern darf. Die Köpfe werden dann in Cenotes (unterirdische Seen im Karst) versenkt. Das ist die höchste Ehre. Ich frage mich ja, wer da freiwillig nicht gewonnen hat.
Der Geist lässt sich hernieder
und entfesselt die Zeugen,
doch er spricht keine Worte.
er spricht Gluten. Die Sprache,
von dem Gotte entzündet,
sie ist eine Verheißung
aus Flammen und ein TurmbauBrennende Buschen, und Gott der durch Engel spricht? Turmbau den Gott zerstört, damit ihm die Menschen nicht zu nahe kommen? Das ist irgendwie wie eine Ausrede, dass die Menschen die Statik nicht richtig berechnet haben.
Die Sprache ist menschlich, und alles was Menschen sagen und auch über andere sagen und von anderen denken ist von Menschen ausgedacht.
Es werden Konstrukte zurecht gelegt und Gottheiten quasi in den Mund gelegt.
Alles was geschrieben wurde, wurde auch von Menschen geschrieben.
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Damit es hier nicht ganz einschläft, diese Woche nochmal ein Gedicht von mir.
Die nächsten drei Wochen bitte ich euch, am Sonntag jeweils ein Gedicht zu posten, da ich auf Urlaub bin und keine Lyrik Bände mitnehmen will.
Diesmal ein Gedicht eines Großmeisters, wundert mich, dass er noch gar nicht vorkam.
Arthur Rimbaud - Meine Bohème
Phantasie
Ich ging, Fäuste in Taschen löcherig wie Siebe;
Mein Mantel ward ein feingesponnenen Ding;
Als dein Getreuer, Muse! ging ich unterm Himmel hin;
O la! Wie prächtig träumte mir's von Liebe!Ein unvergleichlich Loch trug ich im Hosenkleide.
- Als kleiner Däumling streifte träumend ich umher
Und pflückte Reime. Mein Gasthof war der Große Bär.
- Am Himmel meine Sterne rauschten sanft wie Seide.Und ich belauschte sie, am Wegesrande hockend
In den Septembernächten, wo der Tau verlockend
Auf meine Stirn fiel wie ein Wein von seltner Kraft;Wo ich, inmitten Schattenspiel und Reimgeplänkel,
Die Saiten schwang wie widerspenst'gen Senkel
Der wunden Schuh', den Fuß ans Herz gerafft!Rimbaud, Arthur: Sämtliche Dichtungen. Zweisprachige Ausgabe. München: dtv: 2020. 8.Auflage. S.78-81
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Ich kann nächste Woche was posten.
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