danke Thomas )
ich hab meinen Rechner eh mit, also verlinken sollte schon klappen )
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danke Thomas )
ich hab meinen Rechner eh mit, also verlinken sollte schon klappen )
Moment bitte ...
Arthur Rimbaud
Je m’en allais, les poings dans mes poches crevées ;
Mon paletot aussi devenait idéal ;
J’allais sous le ciel, Muse ! et j’étais ton féal ;
Oh ! là ! là ! que d’amours splendides j’ai rêvées !
Mon unique culotte avait un large trou.
– Petit-Poucet rêveur, j’égrenais dans ma course
Des rimes. Mon auberge était à la Grande-Ourse.
– Mes étoiles au ciel avaient un doux frou-frou
Et je les écoutais, assis au bord des routes,
Ces bons soirs de septembre où je sentais des gouttes
De rosée à mon front, comme un vin de vigueur ;
Où, rimant au milieu des ombres fantastiques,
Comme des lyres, je tirais les élastiques
De mes souliers blessés, un pied près de mon coeur !
Arthur Rimbaud, Cahier de Douai (1870)
So. Später mehr...
Merci beaucoup monsieur ![]()
Gern geschehen. Musste sein. Ich habe bei Rimbaud immer wieder feststellen müssen, dass die Übersetzungen ins Deutsche eine um einiges gehobenere Sprachebene verwenden als Rimbaud, der mit wenigen ausgenommenen Wörtern Alltagsfranzösisch verwendet. Der Mantel "wurde" (devenait: ganz normales Imperfekt) zum Beispiel in der zweiten Zeile "idealisch" - auf Deutsch: "ward" er "ein feingesponnenen Ding". Ist halt das Problem, wenn man Verse im selben Vermaß wiedergeben will. Aber der Mantel Rimbauds wird eben nicht zu einem Ding sondern löst sich auf ...
Im Übrigen schon mal interessant die Diskrepanz zwischen Inhalt und Form. Inhaltlich der Traum einen jungen Mannes, der ausbrechen will. Formal strengster französischer Klassizismus: ein Sonett in Alexandrinern.
Der junge Poet, der sich schon fast als eine Art Landstreicher darstellt, eine Stellung einnimmt ausserhalb der (bürgerlichen) Gesellschaft und der Poesie frönt. Ein häufig vorkommendes, im Grunde genommen noch romantisches Bild, das uns Rimbaud hier vorhält. Das einzige, das daran der Wahrheit entspricht: Rimbaud war ein junger Mann. Tatsächlich hat er als 19-Jähriger, wenn ich mich recht erinnere, mit der Dichtung aufgehört.
Die Form des Gedichts, nebenbei, natürlich nicht nur französischer Klassizismus sondern auch Baudelaires "Les fleurs du mal".
Und dann zum Schluss dieses seltsame Bild, wie er einen Fuss ans Herz hält - die Liebe des lyrischen Ich zum Wanderleben? Seltsam ist das Bild allemal.
So, und jetzt dürfen auch noch andere. ![]()
Robert Walser
Schnee
Es schneit, es schneit, bedeckt die Erde
mit weißer Beschwerde, so weit, so weit.
Es taumelt so weh hinunter vom Himmel
das Flockengewimmel, der Schnee, der Schnee.
Das gibt dir, ach, eine Ruh’, eine Weite,
die weißverschneite Welt macht mich schwach.
So daß erst klein, dann groß mein Sehnen
sich drängt zu Tränen in mich hinein.
Schönes Winterbild! Das hätte ich gerne auch hier in meiner Gegend, leider regnet es.
Ich mag diese Schneeruhe, die entsteht wenn es anfängt zu schneien.
Schönes Winterbild!
In so einem Winterbild ist Robert Walser gestorben. Auf einem seiner vielen langen Spaziergänge, an einem Herzinfarkt.
Das gibt dir, ach, eine Ruh’, eine Weite,
Ja ...
Mich irritiert das Wort "Beschwerde". Zum einen weil ich nicht so sicher bin, ob da ein beschwerliches Leben indirekt angedeutet wird. Zum anderen aber auch aufgrund des sperrigen Klangs, die in diese Leichtigkeit "schneit ... schneit" und "weit ... weit" so gar nicht hineinpassen will. Ich muss nochmal darüber nachdenken. Aber vielleicht geht es anderen ähnlich.
Ich würde die Beschwerde hier völlig wörtlich auffassen - weil der Schnee halt (sie beschwerend..) auf der Erde liegen bleibt, statt wie Regen durch sie hindurchzusickern. Außerdem reimt es sich so... ![]()
An der Beschwerde habe ich mich nicht gestoßen. Ich war ganz dabei - bis zum Schluss, als die Tränen kamen. Weil Schnee bei mir immer Freude auslöst, keine Tränen.
Robert Walser war kein glücklicher Mensch - mit einem anscheinend durchaus erblichen Hintergrund psychischer Erkrankung... ![]()
Das Gedicht gehört zu den ersten Werken Robert Walsers. Es wurde im Jahr 1900 erstmals veröffentlicht, seinerzeit aber noch mit vierzeiligen Strophen, die das Reimschema a-b-b-a deutlicher herausheben. Im ersten Gedichtband 1909 wurde der Text dann wie hier präsentiert auf zwei Zeilen je Strophe umgestellt.
Robert Walser war kein glücklicher Mensch - mit einem anscheinend durchaus erblichen Hintergrund psychischer Erkrankung...
Obwohl mir Walser natürlich lange ein Begriff ist, habe ich mich noch nie näher mit ihm auseinandergesetzt. Eine wirklich traurige Biografie (zumindest die letzten 28 Jahre seines Lebens....) von Suhrkamp habe ich gerade ein anderes Gedicht von ihm gehört (Der Spaziergang) und mag das etwas 'Widersprüchliche', das zum Nachdenken anregt (wie mag er das nun gemeint haben?) Schade, dass meine Biblio seine Gedichte nicht hat; wohl aber 3 andere Werke.
Ich wusste bislang gar nicht, dass Robert Walser auch Gedichte geschrieben hat ![]()
Irgendwas berührt das Gedicht in mir, ich spüre förmlich den Weltschmerz, der für mich aus den Zeilen spricht, eine unbestimmte Sehnsucht nach etwas, das vielleicht auch das lyrische Ich gar nicht so richtig zu fassen kriegt. Womöglich eine Sehnsucht nach etwas, das unerreichbar oder nicht mehr da ist.
Wer will weiterspielen? Sonst poste ich heute spät abends was Neues.
das große nichts
Von Juliane Liebert
kalte nudeln, anderthalb kilo pralinen, billiger riesling, und ich
hätte lieber kippen, ich hätte lieber kippen
als alles andere auf der welt. doch die nacht
ist noch lang und der morgen fern
das große nichts ist hier und bruder stalin ein lügner
was weiß ich, woran man noch glauben kann?
die große verzweiflung hat mich, und ich hätte lieber kippen
ich hätte lieber kippen als alles andere auf der welt
eure liebe ist wertlos, ihr baut sie auf knochen
was ist diese liebe wert, die heute ist und morgen nicht?
es gab diese chance, ihr habt sie vertan
ich habe sie lächeln sehen, woran soll ich noch glauben?
eure liebe ist wertlos, ihr baut sie auf knochen
und die nacht ist noch lang und ich hätte lieber kippen
ich hätte lieber kippen als alles andere auf der welt
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Zur Autorin: Juliane Liebert wurde 1989 in Halle geboren. Ihre Lyrik wird im Suhrkamp-Verlag veröffentlicht. Ihr Debüt-Gedichtband aus dem auch dieses Gedicht entnommen ist, wurde 2021 veröffentlicht.
Die große Leere im Kopf einer Musikerin nach einem Konzert? - Keine Ahnung; es macht nicht "klick!" bei mir ... ![]()
Ein bedauernswertes Zeugnis der Nikotinsucht.
Ich habe vorsichtshalber erst mal nachgeguckt: Nein, es ist unwahrscheinlich, dass sie jemals unter Stalin oder einem Nachfolgesystem gelitten hat. (Man will ja nicht an falscher Stelle zu spöttisch sein...)