Waren Zigaretten nicht das Symbol für den Wohlstand des Westens während billiger Riesling durchaus im Osten einfach zu kaufen war?
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Den Titel "das große nichts" zeigt mE, dass man in dieser Welt keinen Sinn finden kann. Die erste Strophe thematisiert dann unsere Konsumwelt mit ihrem Überfluss (anderthalb Kilo Pralinen). Die zweite Strophe verweist mit "bruder stalin" auf Ideologien wie sie auch in der DDR umgesetzt werden sollen. Auch diese sind sinnlos und stellen sich als Lüge heraus. In der dritten Strophe setzt man auf die Liebe, aber auch diese erweist sich als instabil, sie ist nur auf Knochen gebaut, die am morgigen Tag eben nichts mehr wert sein kann. Somit gibt es nichts, woran das lyrische Ich noch glauben kann. Einzig die Kippen sind ihr noch wichtig, aber diese lösen sich dann letztlich auch in Rauch auf, es bleibt also nichts übrig.
Und so könnte man das Gedicht als große Sinnsuche lesen. Mir gefällt das Bild von sandhofer mit der Musikerin ebenfalls ganz gut, zumindest hat das Gedicht ja einen traurigen musikalischen Klang. Die Autorin selber schrieb auch Musikkritiken in der Süddeutschen und die Melancholie mancher Band ist auch in diesen Gedichtzeilen zu spüren.
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Der Bruder Stalin irritiert mich auch. Aber an die DDR glaube ich nicht. Die Autorin hat die DDR nie bewusst erlebt. Wenn, dann ist das hier Hören-Sagen. Sie ist ja Musikjournalistin, und ich vermute, dass das hier eher Schnipsel sind aus einem Gespräch mit einer Musikerin. Die erste Zeile könnte sehr wohl sein, was man nach einem Konzert in der Erschöpfungseuphorie und weil man wirklich Hunger hat, so in sich hineinstopft, weil es gerade herumsteht.
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Danke thomas_b für das neue Gedicht.
ich bin noch bis Ende der Woche hier im Paradies

Die Autorin hat im Gedicht ihr Paradies verloren. Alles was vorgegaukelt wurde im (A)sozialismus ist gekippt. Die Welt hat sich verkehrt. Sie kann wenigem noch Sinn entlocke, , mit billigem Wein und Naschzeug versucht sie sich zu trösten. Zigaretten wären ihr aber lieber, aber auch das ist heut zu Tage nicht mehr konform.
Die Liebe an das alte System zählt nicht mehr, die Liebe wird auf Kosten oder Knochen anderer gebaut.
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b.a.t. : An was für ein "altes System" denkst Du?
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Den Sozialismus, sie spricht ja Stalin somit ist klar über welches System sie spricht. Sie muss ja nicht dort aufgewachsen sein, um darüber zu schreiben. In ihrem Umfeld gibt es ja genug Menschen, die ihr sicher immer wieder darüber berichtet haben. Ich kann ja auch etwas über das Mittelalter schreiben, muss ja nicht immer autofiktional sein..
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Den Sozialismus, sie spricht ja Stalin somit ist klar über welches System sie spricht.
Ja, dieser Stalin irritiert auch mich. Der ganze Rest passt bestens auf die Stimmung hinter der Bühne vor oder nach einem Konzert. Und die Autorin scheint, nach dem, was ich über sie gelesen habe, stark mit der aktuellen Musikszene verbandelt zu sein. Aber dieser Stalin? Vielleicht ein roter Hering? Ironie? Purste Publikumsverarsche?
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oder eine Wodkasorte )
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Stalin ist doch der Inbegriff für jegliche Ideologie. Das kann sich dann sogar auf den Kapitalismus beziehen.
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oder eine Wodkasorte
Vodka Stalinskaya ... hm ... das könnte es sein. Wenn Bruder Stalin lügt = wenn Schwesterchen Wodka dich nicht mehr vor der Verzweiflung retten und in den Morgen tragen kann ... könnte sein. Der ironische Haken dabei: Bei einem Menschen aus dem Osten der Republik denkt man automatisch an den Diktator und geht in die Irre ... Gefällt mir.
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Für die Weihnachtswoche schlage ich vor, dass jeder ab Sonntag sein Weihnachtsgedicht hier posten darf und wir dies weitgehend uninterpretiert stehen lassen. Spontane Gefühlsregungen sind natürlich erlaubt.
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Großstadt-Weihnachten
von Kurt TucholskyNun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glasé.Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn,Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
"Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!"Und frohgelaunt spricht er vom 'Weihnachtswetter',
mag es nun regnen oder mag es schnein,
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.So trifft denn nur auf eitel Glück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden ...
"Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug." -
Tucholsky
- so trügerisch leicht.Die Reime - teilweise so ironisch falsch wie der beschriebene Frieden.
(Hoffe, das war ok als "spontane Gefühlsregung"...)
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Ich hoffe, wir kehren am folgenden Sonntag in den normalen Rhythmus zurück.
Da diese Woche bisher noch niemand was gepostet hat, hier noch was von mir zu Silvester. Darf gern durch eigene Gedichte ergänzt werden.
Silvester
von Kurt TucholskyWas fange ich Silvester an?
Geh ich in Frack und meinen kessen
Blausanen Strümpfen zu dem Essen,
Das Herrn Generaldirektor gibt?
Wo man heut nur beim Tanzen schiebt?
Die Hausfrau dehnt sich wild im Sessel -
Der Hausherr tut das sonst bei Dressel -,
Das junge Volk verdrückt sich bald.
Der Sekt ist warm. Der Kaffee kalt -
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?Wälz ich mich im Familienschoße?
Erst gibt es Hecht mit süßer Sauce,
Dann gibt′ s Gelee. Dann gibt es Krach.
Der greise Männe selbst wird schwach.
Aufsteigen üble Knatschgerüche.
Der Hans knutscht Minna in der Küche.
Um zwölf steht Rührung auf der Uhr.
Die Bowle -? („Leichter Mosel“ nur - )
Prost Neujahr!
Ach, ich armer Mann!
Was fange ich Silvester an?Mach ich ins Amüsiervergnügen?
Drück ich mich in den Stadtbahnzügen?
Schrei ich in einer schwulen Bar:
"Huch, Schneeballblüte! Prost Neujahr -!"
Geh ich zur Firma Sklarz Geschwister -
Bleigießen? Ists ein Fladen klein:
Dies wird wohl Deutschlands Zukunft sein…
Prost Neujahr!
Helft mir armem Mann!
Was fang ich blos Silvester an _ ? -
Hier noch der andere Jahresausklang von der Droste:
Am letzten Tag des Jahres
von Annette von Droste-HülshoffDas Jahr geht um,
der Faden rollt sich sausend ab.
Ein Stündchen noch,
das letzte heut,
Und stäubend rieselt
in sein Grab,
was einstens war
lebendge Zeit.
Ich harre stumm.′ s ist tiefe Nacht!
Ob wohl ein Auge
offen noch?
In diesen Mauern
rüttelt dein
Verrinnen, Zeit!
Mir schaudert, doch
Es will die letzte
Stunde sein
Einsam durchwacht,Gesehen all,
Was ich begangen und gedacht.
Was mir aus Haupt und Herzen stieg,
Das steht nun eine
ernste Wacht
Am Himmelstor,
O halber Sieg!
O schwerer Fall!Wie reißt der Wind
Am Fensterkreuze!
Ja, es will
Auf Sturmesfittichen das Jahr
Zerstäuben, nicht ein Schatten still
Verhauchen unterm
Sternenklar.
Du Sündenkind,War nicht ein hohl
Und heimlich Sausen
jeder Tag
In deiner wüsten Brust Verlies,
Wo langsam Stein an Stein zerbrach,
wenn es den kalten Odem stieß
Vom starren Pol?Mein Lämpchen will
Verlöschen,
und begierig saugt
Der Docht den letzten Tropfen Öl.
Ist so mein Leben auch verraucht?
Eröffnet
sich des Grabes Höhl
Mir schwarz und still?Wohl in dem Kreis,
Den dieses Jahres Lauf umzieht,
Mein Leben bricht.
Ich wußt es lang!
Und dennoch hat
dies Herz geglüht In eitler
Leidenschaften Drang!
Mir brüht der SchweißDer tiefsten Angst
auf Stirn und Hand.
Wie? dämmert feucht
Ein Stern dort durch die Wolken
nicht? Wär es der Liebe Stern
vielleicht, Dir zürnend mit dem
trüben Licht, Daß du so bangst?Horch,
welch Gesumm ?
Und wieder? Sterbemelodie!
Die Glocke regt
den ehrnen Mund.
O Herr, ich falle auf das Knie :
Sei gnädig meiner
letzten Stund!
Das Jahr ist um! -
Macht hier irgendjemand weiter? Das wäre schön.
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Ja kann ich machen, aber morgen, hab heute nicht mehr die Muße, Gedichtbände zu durchforsten
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Ich habe gerade schon mal gesucht und hätte was jahreszeitlich Passendes von Mascha Kaléko, wenn Ihr möchtet.
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sehr gerne Juva dann such ich für nächste Woche eines.
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Lied im Schnee (Mascha Kaléko)
Nachts fiel ein Schnee auf die alternde Welt
Und machte sie schimmernd und neu.
Oh, wie freu ich mich an dem Schnee, der fällt
Auf die nagelneue, die glitzernde Welt,
Und der Park blüht so weiß wie im Mai.Jetzt sollte man eigentlich sieben sein
Mit den tanzenden Flocken im Haar
Und den Kinderaugen wie Schnee so rein
Und so frisch wie das kommende Jahr.
- Verschollen das Lied und der Ringelreihn,
Zerstoben die Kinderschar.Zerronnen ist der Wintertraum,
Versunken ist der Märchenbaum.
Den Zauberspruch habe ich vergessen.
Rotkäppchen ward vom Wolf gefressen.
- Nur ich allein am Fenster steh
Und starre in den Winterschnee.
[Das Gedicht wurde 1980 aus dem Nachlass der Autorin veröffentlicht.] -