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Mehr Platz der Lyrik

  • b.a.t.
  • 29. September 2022 um 20:38
  • Zum letzten Beitrag

Es gibt 762 Antworten in diesem Thema, welches 89.045 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (2. Mai 2026 um 09:36) ist von Kritty.

  • thomas_b
    Quidditch-Legende
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    du / er
    • 5. Januar 2026 um 21:35
    • #741

    Sehr stimmiges Gedicht ohne in Kitsch zu verfallen. Melancholie pur, die die Autorin auszeichnet.

  • finsbury
    Bibliothekar*in
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    2.509
    • 6. Januar 2026 um 09:13
    • #742

    Vor allem das Abwärtsgerichtete ist auffällig: Das Gedicht fängt jubelnd an und endet so harsch mit der Rotkäppchen - Metapher, die wohl für das Ende der Kindheit steht und der Einsamkeit des lyrischen Ichs.

  • HoldenCaulfield
    Feministin
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    • 6. Januar 2026 um 10:35
    • #743

    Es hat schon etwas Besonderes das Gedicht zu lesen, wenn es frisch geschneit hat. Was heut sogar mal bei mir der Fall war. Total schön. Und ich finde die Wehmut darin auch sehr sehr schön. Das Leben zerrinnt einem manchmal nur so zwischen den Händen. Und man möchte Momente festhalten. Schade das man sich als Erwachsener manchmal nicht erlaubt, einfach ein paar Verrücktheiten im Schnee an zu stellen.
    Im nächsten Moment hab ich auch überlegt, ob nicht auch manche Erinnerung dann abhält. Also das die Melancholie dann keine Freude zu lässt.

    SUB und Neuzugänge

    Seltsam im Nebel zu wandern... (Hesse)

  • b.a.t.
    ...
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    • 6. Januar 2026 um 22:14
    • #744

    Ein zutiefst trauriges Gedicht. Zunächst die Hoffnung, dass sich alles erneuert, dass wieder Glitzer und Leuchten in die Welt kommt.

    Alles Ideale, die nicht mehr gelten. Die Realität ist anders gewesen. Am Ende ist sie allein, dankt an die vergangenen Hoffnungen und sieht zu, wie alles um sie herum wieder zerrint.

  • b.a.t.
    ...
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    • 11. Januar 2026 um 19:39
    • #745

    Thomas Bernhard - Wie schwer fällt mir ein Wort (eigtl. ohne Titel)

    Wie schwer fällt mir ein Wort
    an die Verkommenen
    die einen Traum nicht unterscheiden können
    von den starken Ästen des Birnbaums.

    Wie schwer fällt mir ein Wort
    auf dieser staubigen Straße
    die meiner Schuhen feindlicher ist
    als die Sonne dem Schnee
    und das Wasser der Wüste

    Wie schwer fällt mir ein Wort
    an meinen Vater und an meine Mutter,
    wie schwer fällt mir ein Wort
    an alle, die mich sehen, alternd
    in einem erstochenen Herbst.

    Wie schwer fällt mir ein Wort
    in diesen Tagen die vergeßlich sind.
    Wie schwer fällt mir ein Wort.

    Bernhard, Thomas: Gesammelte Gedichte. Frankfurt am Main. Suhrkamp Taschenbuch Verlag. 10. Auflage 2020, S.207

  • thomas_b
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    du / er
    • 12. Januar 2026 um 00:06
    • #746

    Mir gefällt, dass nun einer meiner Lieblingsschriftsteller hier in dieser Kategorie zu Wort kommt. Dabei kenne ich sein lyrisches Werk so gar nicht und ich kann schon aufgrund dieses einen Gedichts sagen, dass mir da wirklich etwas entgangen ist. Bernhard, der seinen Weltschmerz in der Prosa hinter endlosen Satztiraden versteckt, durchdrungen von schwarzem Humor, zeigt hier geradezu offen, seinen Schmerz mit der Welt. "Wie schwer fällt mir ein Wort" kann man wohl auch als ein Motto für sein Schreiben ansehen, obwohl man ja beim Lesen eher das Gegenteil vermuten würde, dass seine Endlossätze nur so aus ihm heraussprudeln, wenn er einmal richtig in Fahrt gekommen ist. Und doch gibt es ja die knappen, bedrückenden Kurzgeschichten wie "Die Mütze", in der sicher um jedes Wort gekämpft wurde. Seine Kindheit war nicht einfach wie in den autobiografischen Bänden nachzulesen ist. Mir erschienen sie aber nicht als Abrechnung mit dem Vater oder der Mutter. Und hier fragt man sich, ob in dieser Zeile "Wie schwer fällt mir ein Wort" der Zusatz "der Entschuldigung" an seinen Vater und an seine Mutter mitschwingt. Oder welche Worte ungesagt bleiben. Ich erlebe hier einen depressiven Autor, der sich nicht mehr hinter seiner eigenen Prosa versteckt. In der Lyrik öffnet er sich. Und spendet vielen Menschen Trost, denen auch so manches Wort schwerfällt.

  • b.a.t.
    ...
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    • 12. Januar 2026 um 07:25
    • #747

    Ich finde auch, dass hier sehr viel mitschwingt. Eigentlich habe ich mich an das Gedicht erinnert, nicht weil mir Worte schwer fallen, sondern weil mir beim Zeitungslesen die Worte gefehlt haben.

  • b.a.t.
    ...
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    • 18. Januar 2026 um 18:31
    • #748

    Hat wer ein Gedicht für nächste Woche?

  • sandhofer
    Je nun...
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    2
    • 19. Januar 2026 um 08:26
    • #749

    Ich bin im Moment draussen, sorry.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Juva
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    • 19. Januar 2026 um 14:49
    • #750

    Das folgende Gedicht habe ich in Stephen Kings "Brennen muss Salem" gefunden und schon viel darüber nachgedacht. Ich mag den Klang und die Idee des Eiskrem-Kaisers, bin aber noch zu keiner wirklich abschließenden Deutung gelangt.

    Wallace Stevens - The Emperor of Ice-Cream

    Call the roller of big cigars,
    The muscular one, and bid him whip
    In kitchen cups concupiscent curds.
    Let the wenches dawdle in such dress
    As they are used to wear, and let the boys
    Bring flowers in last month’s newspapers.
    Let be be finale of seem.
    The only emperor is the emperor of ice-cream.

    Take from the dresser of deal,
    Lacking the three glass knobs, that sheet
    On which she embroidered fantails once
    And spread it so as to cover her face.
    If her horny feet protrude, they come
    To show how cold she is, and dumb.
    Let the lamp affix its beam.
    The only emperor is the emperor of ice-cream.

    Wallace Stevens - Der Kaiser der Eiskrem

    Ruf den Mann, der die dicken Zigarren rollt,
    den Muskeltypen, und heiß ihn die weiße,
    lüsterne Molke in Sahnebechern zu schlagen.
    Lass die Flittchen bummeln in den Klamotten,
    die sie am liebsten tragen, und lass die Jungs/
    Blumen bringen in altem Zeitungspapier.
    Lass ‚Sein‘ von Scheinen das Finale sein.
    Der Kaiser der Eiskrem ist hier Kaiser allein.

    Nimm dir vom Kiefernbüfett,
    dem die drei Glasknäufe fehlen, das Tuch,
    das sie einstmals mit Pfauentauben bestickte,
    und breite es aus, ihr Gesicht zu bedecken.
    Ragen die Hornhautfüße hervor, kommen sie
    dir zu zeigen, wie kalt sie ist, und stumm.
    Lass die Lampe sich an dem Strahl beweisen.
    Der Kaiser der Eiskrem ist der einzige Kaiser.

    Übersetzung: Durs Grünbein

    Wallace Stevens, geboren 1879 in Reading/ Pennsylvania. Bis 1916 Rechtsanwalt in New York. Anschließend arbeitete er für viele Jahre bei einer Versicherungsgesellschaft in Hartford/ Connecticut. Dort lebte er auch bis zu seinem Tod im Jahre 1955. Schrieb zeit seines Lebens Gedichte, die aber zunächst wenig Beachtung fanden. Doch nach und nach fand er immer mehr Fürsprecher und wurde so richtig erst post mortem als einer der ganz großen Stimmen der amerikanischen Moderne anerkannt.

    Einmal editiert, zuletzt von Juva (19. Januar 2026 um 18:33)

  • b.a.t.
    ...
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    • 19. Januar 2026 um 15:49
    • #751

    Sehr explizit :) Könnte aus einen von Holdens Büchern kommen )

  • thomas_b
    Quidditch-Legende
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    du / er
    • 19. Januar 2026 um 16:59
    • #752

    Wenn sich Durs Grünbein an eine Übersetzung wagt, dann ist das schon mal ein Qualitäts-Statement. Ich äußere mich später noch inhaltlich dazu.

  • Kiba
    maulfaul
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    7
    • 24. Januar 2026 um 18:41
    • #753

    Tage kommen und gehen

    alles bleibt wie es ist

    Nichts bleibt wie es ist

    es zerbricht wie Porzellan

    Du bemühst dich

    die Scherben zu kleben

    zu einem Gefäß

    und weinst

    weil es nicht glückt


    Rose Ausländer

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Alice
    liest
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    • 14. Februar 2026 um 17:00
    • #754

    Falls weniger Ernst willkommen ist

    In dieser Zeit, mit der ich eigentlich wenig anfangen kann

    Könnte ich Euch ein paar der "Neuen Texte" von Alfred Brendel präsentieren

    Die die Post heute vorbeibrachte

    ...und die sich als Gedichte herausgestellt haben ! :huh:

    ?!

    (Ich würde dann nur solche präsentieren, die ich nicht verstehe - vielleicht kann mir ja dann jemand damit behilflich sein.)

  • sandhofer
    Je nun...
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    2
    • 14. Februar 2026 um 20:02
    • #755

    Alice Das ist ok für mich; ich kann aber nicht garantieren, dass ich viel Zeit zum Kommentieren haben werde.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • HoldenCaulfield
    Feministin
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    26
    • 14. Februar 2026 um 20:51
    • #756

    Ja klar gerne! Alice

    SUB und Neuzugänge

    Seltsam im Nebel zu wandern... (Hesse)

  • b.a.t.
    ...
    Beiträge
    2.143
    • 14. Februar 2026 um 23:05
    • #757

    Alice klar kannst du dir was aussuchen und posten )

  • Alice
    liest
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    5.578
    • 15. Februar 2026 um 16:11
    • #758

    Aus

    Alfred Brendel - Störendes Lachen während des Jaworts (Neue Texte / 1997)

    (So was läuft bei Brendel - Pianist, nicht Poet im Hauptberuf - unter der Rubrik "Sinn und Unsinn" - passt gerade, oder?? Hier halt in Gedicht- statt in Essay-Form - wusste ich vorher nicht. Ich versuche mal, aus jeder Teilrubrik etwas auszuwählen.)


    Ideen

    Es gibt Ideen

    die sich mit der Geschwindigkeit von Seerosen verbreiten

    aber Seerosen bleiben immer Seerosen

    Ideen jedoch

    verschmutzen verwittern bleichen aus

    wie Spiegel

    die ihre Sehkraft verlieren

    bis sie erblinden.

    Andere klammern sich ans Überleben

    sind wechselhaft wie Aprilwetter

    schielen in alle Richtungen zugleich

    Dann noch die gefährlichsten

    die unablässig das Auge blenden

    Menschen verschlingend


    Emil

    Wenn Emil mich heimsucht

    wird er schnell hungrig

    Schon während er die ersten Zeilen diktiert

    wandert sein Blick in meine Richtung

    Er lächelt entschuldigend

    ehe er zubeißt

    Emil hat spitze Zähne

    In den Freßpausen

    diktiert er weiter

    manchmal schweift er ab

    und zeigt sein dunkelrotes Gebiss

    bevor er wieder

    zischend in mich eintaucht

  • Kiba
    maulfaul
    Beiträge
    10.853
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    7
    • 25. Februar 2026 um 13:56
    • #759

    Wenn alles sitzen bliebe,

    was wir in Hass und Liebe

    so voneinander schwatzen;

    wenn Lügen Haare wären,

    wir wären rau wie Bären

    und hätten keine Glatzen.


    Wilhelm Busch

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Kiba
    maulfaul
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    10.853
    Bilder
    7
    • 25. Februar 2026 um 14:02
    • #760

    ...

    Alter Neid, der uns verblieben,

    Alter Hass, er sei vertrieben.

    Wer da hasst, der lebt vergebens,

    denn die Summe unsres Lebens

    sind die Stunden, wo wir lieben.

    ...


    Wilhelm Busch, Stiftungslied

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.


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