Sehr stimmiges Gedicht ohne in Kitsch zu verfallen. Melancholie pur, die die Autorin auszeichnet.
Mehr Platz der Lyrik
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Vor allem das Abwärtsgerichtete ist auffällig: Das Gedicht fängt jubelnd an und endet so harsch mit der Rotkäppchen - Metapher, die wohl für das Ende der Kindheit steht und der Einsamkeit des lyrischen Ichs.
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Es hat schon etwas Besonderes das Gedicht zu lesen, wenn es frisch geschneit hat. Was heut sogar mal bei mir der Fall war. Total schön. Und ich finde die Wehmut darin auch sehr sehr schön. Das Leben zerrinnt einem manchmal nur so zwischen den Händen. Und man möchte Momente festhalten. Schade das man sich als Erwachsener manchmal nicht erlaubt, einfach ein paar Verrücktheiten im Schnee an zu stellen.
Im nächsten Moment hab ich auch überlegt, ob nicht auch manche Erinnerung dann abhält. Also das die Melancholie dann keine Freude zu lässt. -
Ein zutiefst trauriges Gedicht. Zunächst die Hoffnung, dass sich alles erneuert, dass wieder Glitzer und Leuchten in die Welt kommt.
Alles Ideale, die nicht mehr gelten. Die Realität ist anders gewesen. Am Ende ist sie allein, dankt an die vergangenen Hoffnungen und sieht zu, wie alles um sie herum wieder zerrint.
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Thomas Bernhard - Wie schwer fällt mir ein Wort (eigtl. ohne Titel)
Wie schwer fällt mir ein Wort
an die Verkommenen
die einen Traum nicht unterscheiden können
von den starken Ästen des Birnbaums.Wie schwer fällt mir ein Wort
auf dieser staubigen Straße
die meiner Schuhen feindlicher ist
als die Sonne dem Schnee
und das Wasser der WüsteWie schwer fällt mir ein Wort
an meinen Vater und an meine Mutter,
wie schwer fällt mir ein Wort
an alle, die mich sehen, alternd
in einem erstochenen Herbst.Wie schwer fällt mir ein Wort
in diesen Tagen die vergeßlich sind.
Wie schwer fällt mir ein Wort.Bernhard, Thomas: Gesammelte Gedichte. Frankfurt am Main. Suhrkamp Taschenbuch Verlag. 10. Auflage 2020, S.207
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Mir gefällt, dass nun einer meiner Lieblingsschriftsteller hier in dieser Kategorie zu Wort kommt. Dabei kenne ich sein lyrisches Werk so gar nicht und ich kann schon aufgrund dieses einen Gedichts sagen, dass mir da wirklich etwas entgangen ist. Bernhard, der seinen Weltschmerz in der Prosa hinter endlosen Satztiraden versteckt, durchdrungen von schwarzem Humor, zeigt hier geradezu offen, seinen Schmerz mit der Welt. "Wie schwer fällt mir ein Wort" kann man wohl auch als ein Motto für sein Schreiben ansehen, obwohl man ja beim Lesen eher das Gegenteil vermuten würde, dass seine Endlossätze nur so aus ihm heraussprudeln, wenn er einmal richtig in Fahrt gekommen ist. Und doch gibt es ja die knappen, bedrückenden Kurzgeschichten wie "Die Mütze", in der sicher um jedes Wort gekämpft wurde. Seine Kindheit war nicht einfach wie in den autobiografischen Bänden nachzulesen ist. Mir erschienen sie aber nicht als Abrechnung mit dem Vater oder der Mutter. Und hier fragt man sich, ob in dieser Zeile "Wie schwer fällt mir ein Wort" der Zusatz "der Entschuldigung" an seinen Vater und an seine Mutter mitschwingt. Oder welche Worte ungesagt bleiben. Ich erlebe hier einen depressiven Autor, der sich nicht mehr hinter seiner eigenen Prosa versteckt. In der Lyrik öffnet er sich. Und spendet vielen Menschen Trost, denen auch so manches Wort schwerfällt.
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Ich finde auch, dass hier sehr viel mitschwingt. Eigentlich habe ich mich an das Gedicht erinnert, nicht weil mir Worte schwer fallen, sondern weil mir beim Zeitungslesen die Worte gefehlt haben.
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Hat wer ein Gedicht für nächste Woche?
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Ich bin im Moment draussen, sorry.
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Das folgende Gedicht habe ich in Stephen Kings "Brennen muss Salem" gefunden und schon viel darüber nachgedacht. Ich mag den Klang und die Idee des Eiskrem-Kaisers, bin aber noch zu keiner wirklich abschließenden Deutung gelangt.
Wallace Stevens - The Emperor of Ice-Cream
Call the roller of big cigars,
The muscular one, and bid him whip
In kitchen cups concupiscent curds.
Let the wenches dawdle in such dress
As they are used to wear, and let the boys
Bring flowers in last month’s newspapers.
Let be be finale of seem.
The only emperor is the emperor of ice-cream.Take from the dresser of deal,
Lacking the three glass knobs, that sheet
On which she embroidered fantails once
And spread it so as to cover her face.
If her horny feet protrude, they come
To show how cold she is, and dumb.
Let the lamp affix its beam.
The only emperor is the emperor of ice-cream.Wallace Stevens - Der Kaiser der Eiskrem
Ruf den Mann, der die dicken Zigarren rollt,
den Muskeltypen, und heiß ihn die weiße,
lüsterne Molke in Sahnebechern zu schlagen.
Lass die Flittchen bummeln in den Klamotten,
die sie am liebsten tragen, und lass die Jungs/
Blumen bringen in altem Zeitungspapier.
Lass ‚Sein‘ von Scheinen das Finale sein.
Der Kaiser der Eiskrem ist hier Kaiser allein.Nimm dir vom Kiefernbüfett,
dem die drei Glasknäufe fehlen, das Tuch,
das sie einstmals mit Pfauentauben bestickte,
und breite es aus, ihr Gesicht zu bedecken.
Ragen die Hornhautfüße hervor, kommen sie
dir zu zeigen, wie kalt sie ist, und stumm.
Lass die Lampe sich an dem Strahl beweisen.
Der Kaiser der Eiskrem ist der einzige Kaiser.Übersetzung: Durs Grünbein
Wallace Stevens, geboren 1879 in Reading/ Pennsylvania. Bis 1916 Rechtsanwalt in New York. Anschließend arbeitete er für viele Jahre bei einer Versicherungsgesellschaft in Hartford/ Connecticut. Dort lebte er auch bis zu seinem Tod im Jahre 1955. Schrieb zeit seines Lebens Gedichte, die aber zunächst wenig Beachtung fanden. Doch nach und nach fand er immer mehr Fürsprecher und wurde so richtig erst post mortem als einer der ganz großen Stimmen der amerikanischen Moderne anerkannt.
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Sehr explizit
Könnte aus einen von Holdens Büchern kommen ) -
Wenn sich Durs Grünbein an eine Übersetzung wagt, dann ist das schon mal ein Qualitäts-Statement. Ich äußere mich später noch inhaltlich dazu.
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Tage kommen und gehen
alles bleibt wie es ist
Nichts bleibt wie es ist
es zerbricht wie Porzellan
Du bemühst dich
die Scherben zu kleben
zu einem Gefäß
und weinst
weil es nicht glückt
Rose Ausländer
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Falls weniger Ernst willkommen ist
In dieser Zeit, mit der ich eigentlich wenig anfangen kann
Könnte ich Euch ein paar der "Neuen Texte" von Alfred Brendel präsentieren
Die die Post heute vorbeibrachte
...und die sich als Gedichte herausgestellt haben !

?!
(Ich würde dann nur solche präsentieren, die ich nicht verstehe - vielleicht kann mir ja dann jemand damit behilflich sein.)
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Alice Das ist ok für mich; ich kann aber nicht garantieren, dass ich viel Zeit zum Kommentieren haben werde.
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Ja klar gerne! Alice
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Alice klar kannst du dir was aussuchen und posten )
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Aus
Alfred Brendel - Störendes Lachen während des Jaworts (Neue Texte / 1997)
(So was läuft bei Brendel - Pianist, nicht Poet im Hauptberuf - unter der Rubrik "Sinn und Unsinn" - passt gerade, oder?? Hier halt in Gedicht- statt in Essay-Form - wusste ich vorher nicht. Ich versuche mal, aus jeder Teilrubrik etwas auszuwählen.)
Ideen
Es gibt Ideen
die sich mit der Geschwindigkeit von Seerosen verbreiten
aber Seerosen bleiben immer Seerosen
Ideen jedoch
verschmutzen verwittern bleichen aus
wie Spiegel
die ihre Sehkraft verlieren
bis sie erblinden.
Andere klammern sich ans Überleben
sind wechselhaft wie Aprilwetter
schielen in alle Richtungen zugleich
Dann noch die gefährlichsten
die unablässig das Auge blenden
Menschen verschlingend
Emil
Wenn Emil mich heimsucht
wird er schnell hungrig
Schon während er die ersten Zeilen diktiert
wandert sein Blick in meine Richtung
Er lächelt entschuldigend
ehe er zubeißt
Emil hat spitze Zähne
In den Freßpausen
diktiert er weiter
manchmal schweift er ab
und zeigt sein dunkelrotes Gebiss
bevor er wieder
zischend in mich eintaucht
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Wenn alles sitzen bliebe,
was wir in Hass und Liebe
so voneinander schwatzen;
wenn Lügen Haare wären,
wir wären rau wie Bären
und hätten keine Glatzen.
Wilhelm Busch
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...
Alter Neid, der uns verblieben,
Alter Hass, er sei vertrieben.
Wer da hasst, der lebt vergebens,
denn die Summe unsres Lebens
sind die Stunden, wo wir lieben.
...
Wilhelm Busch, Stiftungslied
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