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Mick Herron - Slough House (Slow Horses 7)

  • Sagota
  • 22. Oktober 2024 um 17:42
  • Zum letzten Beitrag
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Es gibt 1 Antwort in diesem Thema, welches 904 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (2. August 2026 um 08:34) ist von illy.

  • Sagota
    Booktraveler
    Beiträge
    5.889
    • 22. Oktober 2024 um 17:42
    • #1

    [kaufen='9783257301113'][/kaufen]

    Auge um Auge, Zahn um Zahn - 7. Fall für Jackson Lamb und die Slow Horses

    Durch Zufall (und dank "vorablesen") bin ich vor Jahren auf Band 1 dieser inzwischen 7 Bände umfassenden und ins Deutsche von Stefanie Schäfer übersetzte Reihe gestoßen; seither gehört Mick Herron mit seinen genialen Fällen um die "Abservierten", die Slow Horses und durch seine Figurenzeichnung und extrem spannende Spionagehandlungen zu meinen absoluten, ureigenen Lieblings-(spionage)krimi-Autoren aus GB!

    Es besteht in jedem Band ein realer Bezug zu den realen Vorkommnissen in der Welt der Geheimdienste, die (meist, es sei denn, es geht wie hier auch mal recht brutal und gewalttätig zu) höchstvergnüglich und mit satirischen Seitenhieben köstlich pointiert zu lesen sind. Im vorliegenden Fall besteht ein Bezug zu dem Nervengift Nowitschok, auf Skripal, einen russischen Geheimagenten und seine Tochter wurde 2018 ein Giftanschlag verübt, der diesem Buch gewissermaßen eine gar nicht unreale Charakteristik gibt und durchaus Parallelen aufweist.

    Roddy Ho, IT-Experte mit Ninja-Fähigkeiten und ein Slow Horse, entdeckt, dass sowohl das Slough House als auch die Slow Horses selbst aus der Datenbank des Regent's Park entfernt worden sind - was ihn in Alarmbereitschaft versetzt. Frühere Slow Horses wie Kay White und Struan Loan finden ein tragisches Ende, normale Todesfälle? Zufall oder Schicksal? Da die Agenten wie Catherine Standish, Shirley Dander, Lech Wicinczki, River Cartwright, Roddy Ho und Louisa Guy inclusive dem Leiter des Slough House, Jackson Lamb (wie immer auffallendes Sozialverhalten; er trinkt, rülpst und furzt gerne in Anwesenheit seiner 'Pappkameraden') zwar irgendwann in ihrem Leben einen Fehler machten und degradiert wurden, im wahrsten Sinne des Wortes vom MI5 abserviert wurden, heißt dies noch lange nicht, dass man es hier nicht mit fähigen Agenten zu tun hat: Sie bemerken sehr wohl, wenn sie beschattet werden, wissen sich auch zu wehren und da neuerdings ein Paar (Mann und Frau) in Missionarstracht umherzieht, bevor ein früheres Slow Horse den Tod findet, entwickeln manche fast eine Paranoia. Dem sonst sehr gleichgültigen Lamb ist dies nicht egal. Er mag es nicht, wenn seine Joe's die Straße pflastern (auch die von früher) und muss letztendlich einen Aktivierungsbefehl ausgeben, der aus drei Worten besteht: "Blakes Grab. Unverzüglich". Ein Safe House wird gefunden, in den die Agenten erstmal (mit indischem to go-Essen reichlich versorgt) untertauchen können. Doch dies geschieht natürlich nicht, bevor Lamb mit der Direktorin des MI5 - Diana Taverner - für Eingeweihte Lady Di - ein Machtwörtchen gesprochen hat.

    Doch bis es dazu kommt, erfahren wir in mehreren Erzählsträngen sehr gekonnt und wie gewohnt höchst spannend von den Hintergründen der Welt der Geheimdienste: In Russland wurde eine mutmaßliche beteiligte Frau ermordet, die zuvor am Giftanschlag in GB mitwirkte; dies bringt Putin zum Zähneknirschen und er schickt seinerseits seine Söldner (selbst einst dem KGB entsprungen) nach England, um Rache zu üben. All dies geschieht, während Peter Judd und Diana Taverner (er kein großes Tier mehr, aber dennoch mächtig) wie üblich die Strippen hinter den Kulissen ziehen und Sorge tragen, dass - zumindest nach außen hin - alles hübsch 'sauber' aussieht. Allerdings kann man bei diesen Machenschaften nicht davon ausgehen, dass auf irgendeiner Seite Wert auf Menschenleben gelegt wird: Hier gibt es durchaus Kollateralschäden; wie z.B. André - eigentlich Andrej und russischer Staatsbürger, der ein Buch über Putin schreiben wollte, in GB lebt (mit Reece Nesmith zusammen, ebenso kleinwüchsig wie er), aber lange in Moskau lebte: Reece erhält die Nachricht, er sei dort verstorben und ist völlig am Boden über diese Nachricht. Weiß er doch, dass sein Freund (der schon eine Menge Fakten gesammelt hatte) ausgeschaltet worden war. Neugierig geworden, sucht Lamb ihn auf.

    Auch erleben wir Medienmogule, die durch Macht und viel Geld in der oberen Liga mitspielen wollen. Selbst mitbestimmen wollen, was nicht im Sinne einer Diana Taverner oder eines Peter Judd liegt; die jedoch auf Sponsoren angewiesen sind, um den Geheimdienst am Laufen zu halten. Wir sind auch kurz im Archiv bei dem Dinosaurier auf Rädern in Form von Molly Doran, der übel mitgespielt und Informationen entrissen wurden, die sie gar nicht preisgeben wollte. Wer hat diese Informationen in die falschen Hände kommen lassen und ist für Morde auf britischem Boden verantwortlich? Wer ist hinter den Slow Horses, hinter Sid Baker, die wie durch ein Wunder wieder auftauchte und sich im Haus des O.B. versteckt, her und will sie umbringen? Im letzten Drittel dieses genialen Spionagethrillers steigt die Spannung ins Unermessliche und Herron lässt die Fäden wie üblich gekonnt und mit markigen Sprüchen zusammenlaufen. Allerdings geschieht etwas, womit sicher niemand rechnete und das man als Cliffhanger bezeichnen kann: Ich hoffe, Frau Schäfer's deutsche Übersetzung lässt nicht lange auf sich warten, da ich mit den Slow Horses mitfiebere (und bete, da es um einen meiner Lieblings 'Joes' geht).

    Mick Herron nimmt pointiert, mit triefendem Sarkasmus und tollen Wortspielen und mit Seitenhieben auf Politik, Medien und Wirtschaft die Machenschaften der Mächtigen auf's Korn; auch die der Geheimdienste, der Verbündeten, der Strippenzieher und der Geldgeber. Er lüftet einen imaginären Vorhang, hinter dem es ganz genau so (oder sehr ähnlich) zugehen könnte und der den Blick eines Gemeinsterblichen hinter diese Kulisse im Allgemeinen zu vereiteln sucht. Die (verdienten) Seitenhiebe und die schrägen Charaktere der Slow Horses, besonders Jackson Lamb's, setzen dem ganzen die Krone auf (wenn es z.B. darum geht, dass einem Medienmogul klar wird, dass ein Ex-Politiker im Grunde nur einen "Königsmacher" sucht - und die Beteiligten beim letzten Mal noch Gehröcke trugen).

    Ein Lesevergnügen der 'besonderen Art'; daher meine absolute Empfehlung (in chronologischer Reihenfolge) und volle Punktezahl! 5* (und Vorfreude auf den 8. Fall für die Slow Horses!)

    5ratten

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

    2 Mal editiert, zuletzt von Sagota (22. Oktober 2024 um 17:49)

  • illy
    Bücherjunkie
    Beiträge
    10.964
    Bilder
    20
    • 2. August 2026 um 08:34
    • #2

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    Dass man die Slow Horses ignoriert sind sie ja gewohnt, dass sie nicht mehr in den Datenbanken des MI5 auftauchen ist eine neue Entwicklung. Doch nicht nur das, ein missionarisch aussehendes Pärchen trachtet Ex-Horses nach dem Leben. Die Führung des echten MI5 muss sich mit mitmischen wollenden Tech-Milliardären herumschlagen und hat keine Zeit für so etwas, schließlich zieht Jackson die Reißleine und beordert seine Leute in den Untergrund. Doch für einige ist es (fast) zu spät.

    Ich weiß gar nicht genau warum, aber diesmal gefiel mir die Stimmung in Bezug auf die Horses besonders gut. Das Ende allerdings ist etwas offen und lässt mich mit schlimmsten Befürchtungen zurück, wen es diesmal aus dem Team erwischt haben könnte. Ich habe mich noch nicht getraut, einen Blick auf den nächsten Band zu werfen.

    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • illy 2. August 2026 um 09:25

    Hat den Titel des Themas von „Mick Herron - Slough House“ zu „Mick Herron - Slough House (Slow Horses 7)“ geändert.

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