[kaufen='978-3453292192'][/kaufen]
Der Roman "Die Frauen von Salaga" von Ayesha Harruna Attah spielt am Ende des 19. Jahrhunderts im Gebiet des heutigen Ghana und eröffnet den LeserInnen einen Einblick in das Leben der Menschen in der vorkolonialen Zeit. Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven zweier Frauen erzählt: Wurche ist die Tochter eines Stammeskönigs, die trotz ihrer privilegierten Herkunft aber nicht frei über ihr Leben entscheiden kann. Aminah wird aus ihrem Heimatort entführt und als Sklavin verkauft - so gelangt sie schließlich auch in Wurches Besitz.
Mir hat bei diesem Roman sehr gut gefallen, dass hier eine Autorin mit ghanaischen Wurzeln die LeserInnen mit in die Geschichte ihres Landes nimmt - und das ohne viel zu erklären. Vieles über die Lebenweise der Menschen kann und muss man sich durch die Lektüre des Romans selbst erschließen. Das ist aber gleichzeitig auch spannend, besonders weil der Zeitpunkt der Handlung so gewählt ist, dass bereits Verhandlungen zwischen potentiellen Kolonialherren (Deutschland bzw. Groß-Britannien) und den Anführern der einheimischen Stämme laufen, sodass man als LeserIn weiß, dass diese Lebensweise nicht mehr lange anhalten wird, und dass sie von den Europäern als unterentwickelt betrachtet wird. Und da ist die andere Perspektive ein Gewinn, da dieses Vorurteil ganz schnell ad absurdum geführt wird. Das bedeutet nicht, dass etwa die Sklaverei gut geheißen wird, gerade in diesem Kontext wird aber auch die Doppelmoral der Europäer thematisiert, die einerseits daran beteiligt waren, dass sich die Sklaverei in der vorliegenden Form entwickeln konnte, sie andererseits aber bestrafen wollen (in Form von Geldzahlungen).
Die Autorin entwickelt zwei interessante Frauenfiguren, von denen Aminah für mich eindeutig die sympathischere war. Sie verliert ihre gesamte Familie und ihre Freiheit, und gibt trotzdem niemals die Hoffnung auf, am Ende wieder über ihr eigenes Leben bestimmen zu können. Wurche hingegen ist in vielerlei Hinsicht egoistisch, sie ist zwar durch die patriarchalische Gesellschaft in ihren Rechten eingeschränkt, aber immer noch in einer sehr privilegierten Stellung, die sie durchaus auch ausnutzt. Beide Frauenfiguren zeigen also die entgegengesetzten Enden der Stellung von Frauen in der vorkolonialen ghanaischen Gesellschaft, das ist in den Widersprüchen, aber auch Gemeinsamkeiten interessant zu lesen.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, besonders weil die Entwicklung der Protagonistinnen spannend und glaubwürdig dargestellt wird. Ich werde den zweiten Roman der Autorin "Tiefe Wasser zwischen uns", der sich mit der Geschichte von Aminahs verschollenen Zwillingsschwestern Hassana und Husseina beschäftigt, sicher auch lesen.
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