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"Berliner Schuld" von Jürgen Tietz ist der zweite Fall des Kommissars Hans Adler, der im Berlin des Jahres 1947 ermittelt, wer mehrere junge Frauen auf grausame Art und Weise ermordet hat. Gleichzeitig wird er auf einen illegalen Handel mit Gemälden aufmerksam, die von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" beschlagnahmt wurden und die jetzt jemand unter der Hand verkauft. Der Leutnant der Roten Armee, mit dem Adler zusammenarbeiten muss, weil der Tatort der Morde in der sowjetischen Besatzungszone liegt, ist ihm dabei keine wirkliche Hilfe, sodass Adler wiederholt auf Major Wilkinson als Unterstützung zurückgreifen muss, den er bei den Ermittlungen seines letzen großen Falles kennengelernt hat. Adler versucht, sich in der immer noch kriegszerstörten Stadt unauffällig durch das Beziehungsgeflecht zwischen den Besatzungsmächten und der aufstrebenden SED zu lavieren, um seine Ermittlungen so führen zu können, wie er das für richtig hält.
Wie schon beim ersten Band der Krimireihe ist es dem Autor gelungen, das Zeitkolorit Berlins in der unmittelbaren Nachkriegszeit überzeugend einzufangen, die Atmosphäre des Romans hat mir gut gefallen. Und Hans Adler ist ein sympathischer Protagonist, auch die Figurenkonstellation um ihn herum ist gut dargestellt, sodass man ihm gerne auf seinen Wegen durch Berlin folgt.
Allerdings hat dieser Roman ein ähnliches Problem wie der erste Teil der Reihe, denn der Kriminalfall ist nicht besonders gut ausgearbeitet und wird viel zu kurz abgehandelt. Mit knapp 300 Seiten ist der Roman nicht besonders umfangreich, ein guter Teil des Umfangs geht für die Atmosphäre drauf, damit bleibt für direkt zwei kriminalistische Schauplätze (Mord und Kunst) nicht wirklich viel Raum. Hier wäre weniger mehr gewesen, auf den gesamten Komplex der gestohlenen Kunst hätte ich auch gut verzichten können, wenn dafür die Mordermittlung etwas ausführlicher geraten wäre.
Trotzdem habe ich den Roman gerne gelesen und würde vielleicht auch zu einem weiteren Teil dieser Krimireihe greifen.
