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Sally Smith - Der Tote in der Crown Row (Sir Gabriel Ward 1)

  • Sagota
  • 27. April 2025 um 17:32
  • Zum letzten Beitrag
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Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 1.050 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (1. September 2026 um 04:52) ist von Vorleser.

  • Sagota
    Booktraveler
    Beiträge
    5.889
    • 27. April 2025 um 17:32
    • #1

    [kaufen='9783442317929'][/kaufen]

    Vergnüglich zu lesender historischer Cosy-Crime

    "Der Tote in der Crown Row" von Sally Smith ist das Début der Autorin - und sie tat gut daran, das Manuskript endlich aus der Schublade zu holen und das Licht der Welt erblicken zu lassen: Mir hat dieser Cosy "A Case of Mice and Murder" im englischen Original betitelt, nämlich sehr gut gefallen! Erschienen ist der Kriminalroman bei Goldmann (HC, gebunden, 397 S.) 2025. Die Autorin hat selbst viele Jahre als Kronanwältin im Temple-Bezirk in London gearbeitet - und dies merkt man diesem authentisch geschriebenen Krimi auch an! (Ich wusste zuvor nichts von den 4 Bezirken der Gerichtsbarkeit mit jahrhundertealter Tradition im Herzen Londons und finde das Setting außergewöhnlich und interessant; ebenso wie die Zeit, in der der Krimi spielt: Wir schreiben das Jahr 1901....

    Sir Gabriel Ward, scharfsinniger und dennoch Barrister und Lordrichter "mit Feingefühl", verschroben, mit neurotischen Macken, der sein ganzes Leben (und das sehr gerne) im Inner Temple lebt, stolpert eines Morgens über eine Leiche: Der Tote trägt einen schwarzen Mantel, die Melone ist ihm vom Kopf gefallen - und er hat weder Strümpfe noch Schuhe an! Wie sich herausstellt, handelt es sich um den Lordoberrichter Norman Dunning.... Da es sich um ein Verbrechen handelt (der Schaft des Messers ragt aus der Brust des Toten), wird schnell klar, dass dies ein Fall für die örtliche Londoner Polizei ist. Da diese im Temple Bezirk (einer mit dem Vatikan vergleichbaren Enklave, in der seit Jahrhunderten eigene Gesetze gelten) keine Befugnisse hat, kommt man überein, Gabriel zu beauftragen, interne Ermittlungen einzuleiten. Er kannte den Lordoberrichter von Kindesbeinen an; sie studierten zusammen im Eton College und die Laufbahnen waren sehr unterschiedlich: während der eine (Dunning) zum Lordoberrichter avancierte und zeitlebens darum fürchtete, für seinen minderen Intellekt 'enttarnt' zu werden, war der andere (Gabriel Ward) dafür bekannt, selbst die vertracktesten Fälle zu lösen, an denen seine Kollegen verzweifelten.

    Seitens der Ermittlungen kommt es zu einer Teambildung zwischen Gabriel und dem jungen Constable Wright, der hier eine gute Figur macht und von neuen Ermittlungstechniken (im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten, der dies für 'Kokolores' hält) ebenso wie von den Fähigkeiten Gabriels sehr viel hält: So hat er eine blutige Hand an der Mauer fotografiert, die später noch Bedeutung haben sollte. Auch die neue Art, zu ermitteln, die auf Fingerabdrücken basiert, machen sich die beiden ungleichen Männer, die sich wundervoll ergänzen, später zunutze. Denn Temple-intern benötigt es wirklich 'Feingefühl', da einige, die verdächtig erscheinen könnten, sehr an ihrem Ruf, an ihrer Ehre, an ihrem Renomee - und an ihrer Karriere hängen....

    Was z.B. liegt im Dunkeln, was bei dem "Kleinen Diner", das der Schatzmeister am Abend des Mordes gab, so dringend besprochen werden sollte? Welche Rolle spielen Lordrichter Brown und Wilson, der Kontrahent bei Gericht (und dennoch fairem Freund) Sir Barton - und der Schatzmeister? Ganz zu schweigen vom Reverend der Temple Church? All' diese Fragen gilt es für Gabriel und Wright, herauszufinden. Und es ist sowohl spannend als auch sehr vergnüglich zu lesen, wie die beiden dies anstellen: Da werden die Herren Lordrichter befragt; frühere Gouvernanten im Hause Dunning, die - zum Leidwesen Gabriels nicht in der näheren Umgebung leben - weshalb kurzerhand Wright in seinen freien Tagen nach Greenwich und nach Bournemuth reisen muss (Gabriel schätzt es überhaupt nicht, sich vom Temple zu entfernen, der ihm existenzielle Sicherheit und Wohlgefühl verschafft: In der Bench Street umgeben von Stapeln von Büchern fühlt er sich zu Hause; zu Frauen hat er ein eher schwieriges Verhältnis. Allerdings gibt es da Ausnahmen: Die Köchin sowie auch Meg, das Küchenmädchen sowie das gesamte Küchenpersonal hat den Anwalt ins Herz geschlossen (was sich in prächtigen Körben als Gruß aus der Küche vor seiner Türschwelle manifestiert). Doch parallel zu dem Mordfall gibt es noch eine weitere 'Ungereimtheit' - Mr. Moore, seines Zeichens Buchhändler und Verleger bzw. dessen kleine Tochter finden ein Manuskript, das ihm jemand vor seine Tür im Verlag legte: "Millie, die Kirchenmaus". Die Tochter ist so entzückt, dass ihr Vater auf die Botschaft im Kinderbuch aufmerksam wird - und es verlegt: Mit solch' einem Erfolg, dass der auf der Kippe stehende Verlag gerettet werden kann! Doch wer ist die Urheberin des Textes? Handelt es sich hierbei um ein Pseudonym? Moore versucht vergeblich, die Autorin bzw. den Autor zu ermitteln, bis es eines Tages zu einem Prozess kommen sollte: Miss Susan Hatching beansprucht das Urheberrecht an "Millie" und möchte sich nicht an den Einnahmen bereichern, sondern es 'ihrer' Kirche zukommen lassen. Doch ist sie wirklich die Autorin?

    Diese beiden "Fälle" werden parallel verfolgt und Sally Smith versteht es hervorragend, die subtile Spannung zu halten: Die Figuren werden sehr gut ausgeleuchtet und besonders Wright und Sir Gabriel Ward sind sehr sympathische Ermittler! Mir gefiel z.B. die Neurose Gabriels, das Tintenfass und den goldenen Bleistift immer in derselben Position auf dem Schreibtisch zu wissen, da ich vor ca. 30 Jahren dieselbe Neurose hatte :D. Der Cosy-Krimi hat kurze Kapitel, ist sehr eingängig und mit ironischem Unterton geschrieben, der auch die Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Bezirks zum Ausdruck bringt.

    Fazit:

    Ein vergnüglich zu lesender historischer Cosy-Krimi, der durch Authentizität sowohl der Lösung der Fälle als auch der Figuren überzeugt. Ich kann "Der Tote in der Crown Row" bedenkenlos und gerne weiterempfehlen und würde mich sehr freuen, wenn die Autorin weitere Fälle für Sir Gabriel Ward (und den jungen Constable Wright) folgen lässt!

    4ratten

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

    2 Mal editiert, zuletzt von Sagota (27. April 2025 um 23:03)

  • Valentine
    Mermaid Librarian
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    35
    • 28. April 2025 um 09:37
    • #2

    Ich habe jetzt richtig Lust, dieses Buch zu lesen! :herz:

    Der Temple mit den schönen alten Gebäuden und der Temple Church war ja für mich eines meiner Highlights beim letzten Londonbesuch, das fühlte sich an wie eine kleine Zeitreise.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.
    Leonard Cohen

  • Sagota
    Booktraveler
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    5.889
    • 28. April 2025 um 20:37
    • #3

    Dann kann ich Dir ihn sehr gerne empfehlen (ich ahnte ja schon so was ^^), zuzugreifen! Sir Gabriel Ward ist ein dermaßen netter (wenn auch etwas neurotischer) Mensch, dass ich ihn gerne in weiteren Teilen der wohl geplanten Serie (??? I hope so ;) ) wiedertreffen würde - incl. Sgt. Wright und natürlich den altehrwürdigen Lordrichtern Brown und Wilson (incl. Gattinnen) - da gibt es sicher noch mehr zu entdecken - und die Atmosphäre kommt schon gut zum Vorschein (durch Gabriel Ward's Spaziergänge, natürlich immer im Uhrzeigersinn :D ) :winken:

    Ich wusste zuvor nichts vom Temple - aber ich war auch beeindruckt, dass er einst von den Tempelrittern erbaut wurde!

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Valentine
    Mermaid Librarian
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    • 29. April 2025 um 08:40
    • #4

    Eine kleine Tempelritterstatue steht sogar vor der Temple Church :)

    Auf englisch gibt es schon einen zweiten Band, sieht wohl gar nicht schlecht aus für eine Serie.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.
    Leonard Cohen

  • illy 17. August 2026 um 17:52

    Hat den Titel des Themas von „Sally Smith - Der Tote in der Crown Row“ zu „Sally Smith - Der Tote in der Crown Row (Sir Gabriel Ward 1)“ geändert.
  • illy
    Bücherjunkie
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    20
    • 17. August 2026 um 17:56
    • #5

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    Die Crown Row gehört zum Temple-Bezirk, dieser ist die Heimat der Londoner Justiz und tatsächlich rechtlich keinem Polizeibezirk zugeordnet - heute immer noch und natürlich auch schon 1901, zum Handlungszeitpunkt dieses Krimis. Als hier die Leiche des Lordoberrichters gefunden wird, will man also konsequenterweise selbst ermitteln und die Polizei außen vorhalten. Der Tote wurde zufällig bei Sir Gabriel Ward auf der Schwelle gefunden und der exzentrische, aber außerordentlich penible und wissensdurstige Anwalt (unter modernen Gesichtspunkten würde ich ihn in Richtung Autismusspektrum verorten) wird dazu aufgefordert, die Ermittlungen vorzunehmen. Das Ganze natürlich diskret, man will niemanden der wichtigen Persönlichkeiten belästigen - dafür hat man sich dann aber den falschen Ermittler ausgesucht, was er macht, macht er sorgfältig!

    Der Originaltitel (“A Case of Mice and Murder”) verweist auf den Fall, den Sir Gabriel Ward eigentlich aktuell bearbeitet, einen Streit um das Urheberrecht einer erfolgreichen Kinderbuchfigur. Diesen Fall fand ich ja eigentlich noch etwas interessanter als den Mord. Sir Gabriel Ward führt jedenfalls Befragungen durch, assistiert von einem Police-Constabler, der einen Gewissenskonflikt verspürt, wenn die „Papperlapapp, wir machen das so und so“-Anweisungen seines Vorgesetzten mit den „Das müssen wir näher untersuchen“-Methoden von Sir Gabriel Ward kollidieren. Als Team kommen die beiden trotz des damals relevanten Standesunterschieds gut zurecht und ich würde mich freuen, wenn sich die Zusammenarbeit in den Folgebänden etabliert - die werde ich jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit lesen.

    4ratten

    Reiheninfo:

    1. A Case of Mice and Murder / Der Tote in der Crown Row
    2. A Case of Life And Limb / Ein Mord ohne Leiche
    3. A Case of Fear and Favour (ab Jan 2027)
  • Vorleser
    Patronus
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    Bilder
    50
    • 1. September 2026 um 04:52
    • #6

    Ich habe übrigens die ersten beiden Bände gehört, und sie gefallen mir gut. :)

    Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein


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