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Daniela Dröscher - Junge Frau mit Katze

  • Kirsten
  • 19. August 2025 um 21:15
  • Zum letzten Beitrag
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Es gibt 2 Antworten in diesem Thema, welches 583 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (8. September 2025 um 10:55) ist von TochterAlice.

  • Kirsten
    Radbiest
    Beiträge
    30.135
    Bilder
    1
    • 19. August 2025 um 21:15
    • #1

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    Ela hat es fast geschafft: sie ist endlich mit ihrem Studium fertig und muss sich nur noch auf die Verteidigung konzentrieren. Aber gerade jetzt lässt sie ihr Körper im Stich. Sie sucht verzweifelt nach der Ursache für ihren Zusammenbruch, aber jeder neue Arztbesuch bringt nur ein neues Symptomihrer geheimnisvollen Krankheit ans Licht.

    Daniela Dröscher hat es mir anfangs nicht einfach gemacht, ihre Protagonistin zu mögen. Sie zieht von Arzt zu Arzt. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich auf der Suche nach dem nächsten Spezialisten macht, sobald ihr die Diagnose nicht gefällt, die sie gestellt bekommt. Einige Ärzte sind neu, andere scheinen sie bereits zu kennen. Von allen scheint sie nicht ernst genommen zu werden, nach dem ersten Symptom hören sie auf zu suchen, eine ganzheitliche Diagnose scheint ihnen egal zu sein.

    Immer bekommt Ela den Rat, dass sie sich nicht mit ihrer Mutter besprechen soll. Warum? Ist sie in den Augen der Mediziner ähnlich überspannt wie ihre Tochter? Dabei stand die Mutter Zeit ihres Lebens unter dem Vater, der sie wegen ihres Aussehens und besonders wegen ihres Gewichts klein gehalten hat. Ihr umfang war laut ihm an allem schuld, was Elas Familie an schlechten Dingen zugestoßen war. Auch bei ihr haben sich solche Gedanken eingeschlichen, aber im Gegensatz zu ihrem Vater weiß sie, dass sie falsch sind, und liebt ihre Mutter für vorbehaltslos, auch wenn sie sie manchmal zum Wahnsinn treibt.

    Je weiter Elas Odyssee durch die Arztpraxen ging, desto besser konnte ich ihr Verhalten verstehen. Es muss schrecklich sein, nicht ernst genommen zu werden. Unterstützung bekommt sie nur von ihrer besten Freundin. Aber was anfangs eine Sache von Gegenseitigkeit ist, wird immer mehr eine einseitige Angelegenheit, weil Ela keine Kraft mehr hat, sich um etwas anderes als um sich zu kümmern als um sich.

    Über allem schwebt die immer näherkommende Promotion wie eine bedrohliche schwarze Wolke. Ela ist mit dieser Situation zunehmend überfordert, aber anstatt sich zurückzunehmen, will sie ihre Probleme mit Gewalt lösen und bürdet sich immer mehr auf.

    Je weiter ich im Roman gekommen bin, desto mehr hat sich mein anfänglicher Eindruck von Ela geändert. Sie ist eine normale junge Frau, die mit ihrem Leben komplett überfordert ist. Je mehr sie versucht, die Lage in den Griff zu bekommen, desto mehr verstrickt sie sich. Das ist manchmal ein wenig anstrengend zu lesen, weil sie mit zu vielen Bällen jongliert. Aber gerade das hat Ela für mich am Ende auch sympathisch gemacht, denn es macht sie authentisch.
    4ratten

    Into the water I go to lose my mind and find my soul.

  • Sagota
    Booktraveler
    Beiträge
    5.850
    • 20. August 2025 um 22:05
    • #2

    Ich habe heute Abend der Autorin in SR2 Kulturradio gelauscht: Sie hat eine wunderbare Erzählstimme und die zwei Textpassagen haben mir auch gefallen, die sie vortrug. Werde ich mir mal merken ;)

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • TochterAlice
    Quidditch-Legende
    Beiträge
    1.040
    • 8. September 2025 um 10:55
    • #3

    Junge Frau mit Krankheit(en)

    Diese junge Frau namens Ela, in der sich offenbar die Autorin selbst beschreibt, leidet an zahlreichen, nein: eigentlich zahllosen Krankheiten. Und es sind keine eingebildeten, obwohl hier zunächst so einige Eigen- und Fremddiagnosen (von Freunden und Familie) getroffen werden, ohne dass ein Arzt konsultiert wird. Wobei die junge Frau die von Ärzten festgestellten Diagnosen und deren Vorgehensweisen auch nicht immer anerkennt.

    Das alles klingt deprimierend und düster, doch ist das Buch alles andere als das. Naja, jedenfalls nicht durchgehend. Denn es gibt ihre Katze, die eigentlich ein Kater ist und auch andere Protagonist*innen - allen voran Henny, die Tochter ihrer besten Freundin, fünfjährig, weise und äußerst präsent, die ebenso humorvoll wie warmherzig beschrieben werden. Allerdings ist es gerade Henny, an der ich meine Kritik festmache. Nicht an ihr als Charakter, sondern an der Art, wie Ela mit ihr umgeht: sie wird häufig zur Nebenfigur - nicht für die Leser*innen, sondern für Ela und das in Situationen, wo sie eigentlich verantwortlich ist.

    Dennoch: Bis kurz vor Schluss mochte ich den Roman sehr und nahm dafür auch einige etwas zu ausführliche Quengeleien sehr gern in Kauf, doch dann platzte mir während eines Fluges, den Ella gemeinsam mit Henny tätigte, der Kragen. In dieser Zeit, wo Ela sich eigentlich um das Kind kümmern sollte, das zum ersten Mal fliegt, kümmert sie sich nur um sich selbst. Ja, Ela stellt sich ordentlich in den Mittelpunkt bei dem ganzen Gejammer, das sie da veranstaltet und das ist häufig nicht so recht am Platz. Er ist dennoch lesenswert, aber man sollte damit rechnen, dass man zwischenzeitlich ziemlich genervt ist.

    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:


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