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Ela hat es fast geschafft: sie ist endlich mit ihrem Studium fertig und muss sich nur noch auf die Verteidigung konzentrieren. Aber gerade jetzt lässt sie ihr Körper im Stich. Sie sucht verzweifelt nach der Ursache für ihren Zusammenbruch, aber jeder neue Arztbesuch bringt nur ein neues Symptomihrer geheimnisvollen Krankheit ans Licht.
Daniela Dröscher hat es mir anfangs nicht einfach gemacht, ihre Protagonistin zu mögen. Sie zieht von Arzt zu Arzt. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich auf der Suche nach dem nächsten Spezialisten macht, sobald ihr die Diagnose nicht gefällt, die sie gestellt bekommt. Einige Ärzte sind neu, andere scheinen sie bereits zu kennen. Von allen scheint sie nicht ernst genommen zu werden, nach dem ersten Symptom hören sie auf zu suchen, eine ganzheitliche Diagnose scheint ihnen egal zu sein.
Immer bekommt Ela den Rat, dass sie sich nicht mit ihrer Mutter besprechen soll. Warum? Ist sie in den Augen der Mediziner ähnlich überspannt wie ihre Tochter? Dabei stand die Mutter Zeit ihres Lebens unter dem Vater, der sie wegen ihres Aussehens und besonders wegen ihres Gewichts klein gehalten hat. Ihr umfang war laut ihm an allem schuld, was Elas Familie an schlechten Dingen zugestoßen war. Auch bei ihr haben sich solche Gedanken eingeschlichen, aber im Gegensatz zu ihrem Vater weiß sie, dass sie falsch sind, und liebt ihre Mutter für vorbehaltslos, auch wenn sie sie manchmal zum Wahnsinn treibt.
Je weiter Elas Odyssee durch die Arztpraxen ging, desto besser konnte ich ihr Verhalten verstehen. Es muss schrecklich sein, nicht ernst genommen zu werden. Unterstützung bekommt sie nur von ihrer besten Freundin. Aber was anfangs eine Sache von Gegenseitigkeit ist, wird immer mehr eine einseitige Angelegenheit, weil Ela keine Kraft mehr hat, sich um etwas anderes als um sich zu kümmern als um sich.
Über allem schwebt die immer näherkommende Promotion wie eine bedrohliche schwarze Wolke. Ela ist mit dieser Situation zunehmend überfordert, aber anstatt sich zurückzunehmen, will sie ihre Probleme mit Gewalt lösen und bürdet sich immer mehr auf.
Je weiter ich im Roman gekommen bin, desto mehr hat sich mein anfänglicher Eindruck von Ela geändert. Sie ist eine normale junge Frau, die mit ihrem Leben komplett überfordert ist. Je mehr sie versucht, die Lage in den Griff zu bekommen, desto mehr verstrickt sie sich. Das ist manchmal ein wenig anstrengend zu lesen, weil sie mit zu vielen Bällen jongliert. Aber gerade das hat Ela für mich am Ende auch sympathisch gemacht, denn es macht sie authentisch. ![]()
