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Inhalt:
»Wer ist fremder, ihr oder ich?«
Ilse Aichingers 1948 erstmals erschienener Roman über rassisch verfolgte Kinder während der Hitlerzeit irritiert noch immer: In verfremdenden Bildern erzählt er von der Angst, von der Bedrohung und der widerständigen Hoffnung der »Kinder mit den falschen Großeltern«. Diese Kinder, die nach den ›Nürnberger Gesetzen‹ als jüdisch oder – wie die Hauptfigur Ellen – als halbjüdisch gelten, leiden unter Isolation, Demütigung und Verhöhnung. Aber nachdem ihre Hoffnung auf Auswanderung zunichte geworden ist, erwächst ihnen eine ganz andere, die »größere Hoffnung«. Dazu gehört die Gewissheit, »daß irgendwann der Abschied endet und das Wiedersehen beginnt«, und dazu gehört auch, dass Liebe und Leiden eins werden: »Peitscht uns, tötet uns, trampelt uns nieder, einholen könnt ihr uns erst dort, wo ihr lieben oder geliebt werden wollt.« Diese Hoffnung haben die Opfer ihren Mördern voraus.
Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich wie im Rausch gelesen. Meine anfänglichen Bedenken, dass es schwierig werden könnte, einen ganzen Roman in so einer lyrischen Sprache zu lesen, haben sich im Nu verflüchtigt. Ich habe mich darauf eingelassen wie auf einen Traum und der Text hat mich einfach davongetragen.
Die herausragende Sprache ist das eine - mit ihren treffsicheren poetischen Bildern wäre sie für sich schon Grund genug, das Buch zu lesen. Die darin verpackte Substanz aber ist das andere – Ilse Aichinger beschreibt die Gedanken- und Gefühlswelt der Kinder sowie ihre Mechanismen und Strategien, mit dem Wahnsinn um sie herum fertig zu werden, so eindrücklich, dass es einen regelrecht umhaut.
Die Geschichte wird emotional umso schwerer verdaulich, je weiter sie voranschreitet, und es kommt der Punkt, an dem beim Leser die Ahnung zur Gewissheit wird, dass es auch für die Protagonistin Ellen kein Happy End geben kann. Dennoch hält sie an ihrer Hoffnung fest, und zwar buchstäblich bis zur letzten Sekunde.
Leid tut mir nur, dass ich dieses Werk nicht schon zu Lebzeiten der 2016 verstorbenen Autorin gelesen habe (besessen hätte ich es damals ja schon
). Ich bin ihr aber sehr dankbar, dass sie diese Literatur geschaffen hat.
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