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Franz Werfel - Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig

  • dodo
  • 10. September 2025 um 16:46
  • Zum letzten Beitrag
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Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 786 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (12. September 2025 um 20:55) ist von Katjaja.

  • dodo
    SLW Verlinkungsfee
    Beiträge
    9.149
    Bilder
    54
    • 10. September 2025 um 16:46
    • #1

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    Erscheinungsjahr: 1920

    Karl Duschek genießt die typische Erziehung in einer k.u.k. Offiziersfamilie. Schon in jungen Jahren wird er in eine Militärschule gesteckt. Am Wochende geht der Drill im väterlichen Haus weiter. Zuneigung oder gar Liebe erfährt er nicht. Die Mutter darf ihre Gefühle nicht zeigen, der Vater kann sie nicht zeigen und ist auch nicht willens.

    Als junger Mann schlägt er pflichtbewusst die vorgegebene Karriere ein und versieht seinen Dienst als Leutnant in der Armee. Mit 26 Jahren ist er ein Wrack. Zusehends driftet er in Wahnvorstellungen ab, bis er kaum mehr Illusion und Wahrheit unterscheiden kann. Mit Duschek kann auch LeserIn kaum feststellen, was wirklich geschehen ist und was seinen Drogenfantasien geschuldet ist. Um nicht endgültig zu zerbrechen, muss Karl rebellieren. Nur durch absolute Ablehnung und Verweigerung kann er sich aus der oppressiven Umklammerung lösen.

    Werfel zeichnet in seiner bedrückenden, gerade einmal 100 Seiten umfassenden Novelle oberflächlich betrachtet einen Vater-Sohn-Konflikt im Kleinen ab. Bei näherer Betrachtung versteckt sich in der Geschichte viel mehr: es ist ein Sittenbild einer sich selbst überlebt habenden Gesellschaft und eine literarische Abrechnung mit überkommenen Moralvorstellungen. Ersetzt man den Vater mit dem Kaiser und den Sohn mit dem gemeinen Volk erhält man eine offensichtliche Demaskierung der ach so glorreichen Habsburgermonarchie.

    Von mir eine klare Leseempfehlung.

  • finsbury
    Bibliothekar*in
    Beiträge
    2.553
    • 12. September 2025 um 19:36
    • #2

    Das klingt wirklich interessant, dodo. Von Werfel habe ich bisher nur "Der Abituriententag" und das Drama "Jacobowsky und der Oberst" gelesen. Die Novelle wäre vielleicht ein Wieder-Einstieg in sein weiteres Werk.

  • Katjaja
    Bibliotaph
    Beiträge
    1.580
    • 12. September 2025 um 20:12
    • #3
    Zitat von dodo

    k.u.k. Offiziersfamilie

    Was ist das?

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  • René Bote
    Hauself
    Beiträge
    253
    • 12. September 2025 um 20:36
    • #4
    Zitat von Katjaja
    Zitat von dodo

    k.u.k. Offiziersfamilie

    Was ist das?

    k. u. k. = kaiserlich und königlich (österreichisch-ungarische Doppelmonarchie). Hier also eine Familie, in der die Männer traditionell eine Offizierslaufbahn in der kaiserlich-königlichen Armee einschlagen.

    :angst:Vorsicht, Schreiberling! Wer es wagen möchte, einen Blick zu riskieren, klickt hier (Website), hier (Facebook) oder hier (Instagram).

  • Katjaja
    Bibliotaph
    Beiträge
    1.580
    • 12. September 2025 um 20:55
    • #5

    Ah, danke!

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