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Erscheinungsjahr: 1920
Karl Duschek genießt die typische Erziehung in einer k.u.k. Offiziersfamilie. Schon in jungen Jahren wird er in eine Militärschule gesteckt. Am Wochende geht der Drill im väterlichen Haus weiter. Zuneigung oder gar Liebe erfährt er nicht. Die Mutter darf ihre Gefühle nicht zeigen, der Vater kann sie nicht zeigen und ist auch nicht willens.
Als junger Mann schlägt er pflichtbewusst die vorgegebene Karriere ein und versieht seinen Dienst als Leutnant in der Armee. Mit 26 Jahren ist er ein Wrack. Zusehends driftet er in Wahnvorstellungen ab, bis er kaum mehr Illusion und Wahrheit unterscheiden kann. Mit Duschek kann auch LeserIn kaum feststellen, was wirklich geschehen ist und was seinen Drogenfantasien geschuldet ist. Um nicht endgültig zu zerbrechen, muss Karl rebellieren. Nur durch absolute Ablehnung und Verweigerung kann er sich aus der oppressiven Umklammerung lösen.
Werfel zeichnet in seiner bedrückenden, gerade einmal 100 Seiten umfassenden Novelle oberflächlich betrachtet einen Vater-Sohn-Konflikt im Kleinen ab. Bei näherer Betrachtung versteckt sich in der Geschichte viel mehr: es ist ein Sittenbild einer sich selbst überlebt habenden Gesellschaft und eine literarische Abrechnung mit überkommenen Moralvorstellungen. Ersetzt man den Vater mit dem Kaiser und den Sohn mit dem gemeinen Volk erhält man eine offensichtliche Demaskierung der ach so glorreichen Habsburgermonarchie.
Von mir eine klare Leseempfehlung.