Kaufen* bei
Amazon
Bücher.de
Buch24.de
* Werbe/Affiliate-Links
Kaufen* bei
Amazon
Bücher.de
Buch24.de
* Werbe/Affiliate-Links
Benjamin Myers - Cuddy
(Witzigerweise hat meine - vom Format her riesige! - englische Taschenbuch-Ausgabe von 2023 das Cover dieser fest gebundenen Ausgabe - und nicht das des aktuellen Taschenbuches. Darum...)
In diesem Buch geht es um den Heiligen Cuthbert "von Lindisfarne" und seine "Nachwirkungen" - es ist jedoch in keinster Weise eine Biographie.
Das Buch umfasst den Prolog, die Books I - IV und ein kurzes Interlude, wobei das Book I allein über 170 Seiten der insgesamt 430 einnimmt, also seitenmäßig die knappe Hälfte. (Von diesen Seiten sind allerdings viele nicht vollständig bedruckt.)
Ich habe - wie nach den Rezensionen ein Teil der anderen Leser auch - immer wieder mal und besonders in der ersten Hälfte doch ein wenig gekämpft mit diesem Buch, aber am Ende fand ich es doch recht beeindruckend und mein Fazit ist positiv.
Einige Leser empfehlen, das Buch I beim Lesen vollständig zu überspringen - es besteht ausschließlich aus Zitaten mit Quellenangabe über Cuthbert und kurzen Szenen der Wanderung der Follower mit seinem Sarg vor der Ankunft an der endgültigen Ruhestätte - aber ich fand ein solches Vorgehen respektlos und habe (teilweise zähneknirschend..) darauf vertraut, dass Myers, dessen andere Bücher ich schätze, schon eine bestimmte Absicht mit dieser Struktur verfolgt hat. Im Rückblick hat sich das mir zumindestens teilweise erschlossen - aber die Fähigkeit des Schnell- bzw. Diagonallesens war hier schon ab und zu hilfreich.
Wie nähert man sich einer Persönlichkeit, die im 7. Jahrhundert gelebt hat? Informationsquelle ist halt immer die Literatur - hier eben sehr direkt. Beim Lesen der erzählenden Teile kommt "bremsend" hinzu, dass sich Myers bemüht hat, seine Sprache der jeweiligen Zeit anzupassen oder anzunähern - in Buch I oft in einer Art Versform, das ist.. mühselig. Beim Lesen der Teile II bis IV habe ich jedoch gemerkt, dass ich oft "innerlich" auf Dinge aus Teil I zurückgegriffen habe - mMn muss man da einfach "durch".
Die Bücher II, III und IV (eher eine Art lange Kurzgeschichten, alle deutlich unter 100 Seiten lang) spielen in den Jahren 1346, 1827 und 2019 - das kurze Interlude füllt die größere zeitliche Lücke. Alle haben mit der Kathedrale von Durham und dem hier begrabenen Cuthbert zu tun - auf sehr unterschiedliche Weise. Einige Vorkommnisse und auch Personen früherer Zeiten werden dabei wieder aufgegriffen, aber nie all zu plakativ vordergründig, das habe ich als angenehm und "organisch" empfunden. Bei der Kürze der Geschichten untypisch nähert sich Myers jedes Mal eher langsam dem eigentlichen Thema - man muss bereit sein, ihm hier zu vertrauen. Der jeweils sehr unterschiedliche Erzählton ist immer interessant - die Schilderungen bewundernswert atmosphärisch. In Buch III ergibt sich z.B. eine wirklich unheimliche "Tod-in-Venedig-" artige Stimmung.
Eine ungewöhnliche aber sehr geschickte Behandlung des Themas, finde ich vor allem im Rückblick bewundernd - aber dem Leser wird einiges an Geduld und Vertrauensvorschuss abverlangt. Empfehlenswert, wenn man sich darauf einlsssen kann.