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Paris, halbwegs in der Gegenwart: eine Gruppe Schüler solle einen Aufsatz über den 2. Weltkrieg verfassen und beschließen statt Wikipedia einen Zeitzeugen zu fragen, den Urgroßvater von einem von ihnen, der war ja schließlich im KZ, wie sie das Gespräch unsensibel eröffnen. Er erzählt ihnen nicht seine Geschichte, die läuft nur in seiner Erinnerung ab und für uns Leser*innen.
Andreas Müller lebte in den 1920ern als Werbezeichner in Berlin und genoss das Leben, er war Teil einer homosexuellen Freundesgruppe, Politik war Nebensache und auch in der SA gab es gutaussehende Kerle, die einer Affäre nicht abgeneigt waren. Die Freunde sehen zwar die Gefahren, glauben aber, zumindest Andreas glaubt das, unter dem Radar der Nationalsozialisten hindurchschlüpfen zu können. Doch das erweist sich als Irrtum und 1945 bringt zwar die Befreiung, aber die Verfolgung endet nicht.
Die Anerkennung Homosexueller als Opfer des Nationalsozialismus erfolgte in Deutschland erst 2002 und dieser Comic erzählt von einem langen Leben als Verfolgter, der sein Leben nicht wirklich leben konnte. Die Zeit im KZ, auf die der Titel hinweist nimmt tatsächlich nur ein paar Seiten ein, der „Makel“ mit allen Diskriminierungen zieht sich aber über Jahrzehnte. Theoretisch war mir der Inhalt durchaus bekannt, das so geballt an einem Menschenschicksal nachzulesen war aber noch einmal etwas anderes und hat mich im Nachhinein betroffen gemacht.
Die Zeichnungen sind nicht das Highlight des Comics, unterstützen aber hervorragend die Erzählung. Sie sind den gesamten Vergangenheitsstrang hindurch in grau/sepia gehalten, hier hätte ich mir für die kurzen glücklichen Zeiten mehr Farben gewünscht, aber um so deutlicher wirkt dann das tatsächliche rosa des Winkels...
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