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Marcel Proust - Sodome et Gomorrhe

  • b.a.t.
  • 7. April 2026 um 18:52
  • Zum letzten Beitrag

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 317 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (22. April 2026 um 10:20) ist von b.a.t..

  • b.a.t.
    ...
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    • 7. April 2026 um 18:52
    • #1

    Gleich von Beginn an war ich wieder in der Proustschen Welt gefangen.

    Seine Ängste und Unzulänglichkeiten beschreibt er, schweift vom Thema ab, kommt vom Hundertsten ins Tausendste und genau das macht das Lesevergnügen aus, weil eigentlich nichts langweilig ist.

    Er sitzt am Fenster und beobachtet wie Mr. de Charlus sich mit einem Liebhaber in der Werkstatt triff, geht sogar hinunter und beobachtet die beiden ganz aus der Nähe. Spannend wie der homosexuelle Proust, sich die Geschehnisse herleitet und auf Sodomie kommt. Irgendwie erinnert es mich ein bisschen an das Fenster zum Hof, wo ein körperlich eingeschränkter Mann am Fenster sitzt und alles beobachtet, was sich vor seiner Nase abspielt. Der Hitchcock Thrill fehlt allerdings :).

    Der Ich-Erzähler ist nach wie vor in den höchsten adeligen Kreisen unterwegs, aber auch dort fühlt er sich nicht so ganz zugehörig. Es ist immer wichtig, den richtigen Menschen vorgestellt zu werden. Ihm fehlt ein souveränes Auftreten.

    Ich habe mir die 765 Seiten so eingeteilt, dass ich bis Ende des Monats fertig werden kann. Schneller geht natürlich immer.

  • thomas_b
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    du / er
    • 7. April 2026 um 18:58
    • #2

    Der Teil ist etwas anstrengend, aber typisch Proust.

  • sandhofer
    Je nun...
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    • 7. April 2026 um 19:48
    • #3
    Zitat von b.a.t.

    Er sitzt am Fenster und beobachtet wie Mr. de Charlus sich mit einem Liebhaber in der Werkstatt triff, geht sogar hinunter und beobachtet die beiden ganz aus der Nähe. Spannend wie der homosexuelle Proust, sich die Geschehnisse herleitet und auf Sodomie kommt.

    Spannend finde ich vor allem, wie selbstverständlich der Ich-Erzähler angibt, extra hinunter gegangen zu sein, um die beiden zu beobachten. Und noch spannender: Wie selbstverständlich wir als Lesende das akzeptieren und drüber hinweglesen: Hier ist ein immer noch junger heterosexueller Mann, der ein schwules Paar beim Sex beobachtet. Hallo?!?

    (Auch mir ist der Groschen erst beim zweiten oder dritten Lesen gefallen ...)

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • b.a.t.
    ...
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    • 8. April 2026 um 08:38
    • #4

    Ja das ist spannend, weil er ja vor allem und jedem Angst hat und alles zerdenkt, bevor er irgendeinen Schritt wagt.

    Hier fiel es ihm relativ leicht. auch wie er auf eine Leiter geklettert ist und durch die Oberlichte schaut. Ich hatte das Gefühl beim lesen, "Bua tua dir ned weh" )

  • b.a.t.
    ...
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    • 12. April 2026 um 15:13
    • #5

    Ich komme ganz gut voran. Der Untergang der alten Salonkultur, die gesellschaftlichen Änderungen und vor allem seine Beobachtungen dazu sind sehr interessant.

    Allerdings hat er einen kleinen Faux Pas.

    Er schreibt über das Telefon, das er von der Portiersloge in die Wohnung umgeleitet hat, weil er auf einen Anruf seiner Geliebten wartete.

    "la decouverte d'Edison" - der hat ja vieles erfunden, nur das Telefon nicht )

    Mittlerweile sind wir zurück in Balbec im Granhotel, wo ihm das erste Mal die Abwesenheit der toten Großmutter nahe geht.

  • thomas_b
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    du / er
    • 12. April 2026 um 15:34
    • #6

    Doch, Edison hat die Grundform des Telefons erfunden.Er hielt ein Patent auf das Kohlegranulatmikrofon, welches in allen Telefonen eingesetzt wurde.

  • b.a.t.
    ...
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    • 12. April 2026 um 16:31
    • #7

    So wie er es beschrieben hat und es auch verwendet wurde, ist es von Bell. Es ging ums Telefonieren und nicht um irgendwelche Techniken die es zuvor schon gab.

    Ich war mal in Kanada im Bell Museum, da ist das alles ziemlich genau aufgeschlüsselt. Dann eher noch Reis als Edison.

  • thomas_b
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    du / er
    • 12. April 2026 um 22:10
    • #8

    Es wäre zu recherchieren (sic!) ob Proust irgendein Zeitungsartikel über Edison in die Hände gefallen ist.

  • b.a.t.
    ...
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    • 13. April 2026 um 07:22
    • #9

    Es wäre einfach hinzunehmen, dass auch Proust sich irren kann )

  • b.a.t.
    ...
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    2.143
    • 22. April 2026 um 10:20
    • #10

    Mittlerweile wird die versnobte Gesellschaft etwas schwerer zu ertragen. Aristokratie versus bürgerliche Borniertheit - und die Aristokratie kommt fast sympathischer (nicht sympathisch) rüber als die Familie Verdurin samt Anhang. Die Engstirnigkeit habe ich diesmal viel mehr empfunden als bei der ersten Lektüre. Generell ist es schon so, dass bei manchen inneren Monologen von M.(so nenne ich den Ich-Erzähler für mich selbst) in denen er manchmal den Faden verliert , die Ausschweifungen zu weitläufig sind.

    Es gibt aber auch humorvolle "Ausschweifungen". Eine etymologische Abhandlung von Orts- und Familiennamen, in der sich ein Professor nicht mehr einkriegen kann und alle Namen, die ihm in den Sinn kommen seziert. Außer M. interessiert das allerdings niemanden.

    In zwischenmenschlichen Beobachtungen ist M. doch oft sehr fehlgeleitet durch seine eigenen Phantasien. Realismus ist nicht seine Stärke. Die Re-Lektüre lohnt sich aber auf jeden Fall.

    Der Plan das Buch bis Ende des Monats zu beenden dürfte aufgehen, auch wenn ich jetzt über ein paar Tage verreist sein werde.


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