Marina Achenbach: Fasia –geliebte Rebellin (2004)
Das Buch aus dem Oberhausener Asso-Verlag erinnert an die Aktivistin, Liedermacherin und Sängerin Fasia Jansen (1929-1997). Es ist leider nur noch antiquarisch erhältlich.
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Fasia Jansen wurde 1929 als Tochter des Kindermädchens Elli Jansen und des Generalkonsuls Momulu Massaquoi in Hamburg unehelich geboren. Der Vater wollte seine Tochter in seine Familie aufnehmen und mit nach Afrika nehmen, wohin er kurz darauf zurückkehrte, was die Mutter ablehnte und ihre Tochter zunächst alleine betreute, allerdings unter großer Mithilfe ihrer Mutter, der „Oma Bujaks“. Fasia hatte eine schwierige Kindheit und Jugend im Dritten Reich, da sie aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert und ihr viele frühe Lebenschancen verstellt wurden, wie zum Beispiel eine Ausbildung zur Tänzerin. Im Hamburger Arbeiterviertel Rothenburgsort durfte sie während der Bombenangriffe nicht in den Schutzbunker, weil ihr der Bunkerwart den Eintritt verweigerte mit dem Argument, sie hätte die gleiche Hautfarbe wie die US-Piloten, die die Bomben über Hamburg abwarfen. Schließlich wurde sie im letzten Kriegsjahr mit 15 zur Zwangsarbeit in einer unterirdischen Munitionsfabrik verpflichtet, was die Oma wegen Fasias schwacher Gesundheit noch abbiegen konnte zur Küchenarbeit für ein Frauen-KZ-Außenlager, bei der sie schreckliches Leid miterleben musste. Fasias chronische Herzentzündung könnte die Folge einer Spritze sein, die ihr ohne Erklärung auf dem Gesundheitsamt gegeben wurde, möglicherweise der Versuch einer chemischen Sterilisation. Bereits in ihrer Kindheit heiratete die Mutter Albert Bracklow, einen Hafenarbeiter und Kommunisten. Dieser Mann wurde Fasia ein guter Vater und prägte ihr Weltbild von einer gerechten Gesellschaft und ihren Mut, für die Rechte der Armen und Machtlosen zu kämpfen.
In den fünfziger Jahren kam Fasia zu der Familie Althoff in Oberhausen, nachdem sie deren Tochter Anneliese bei einem Festival in Berlin kennen gelernt hatte. Diese Familie und Oberhausen wurden ihre neue Heimat. Fasia trat dann mit Annelieses Volkstanzgruppe auf und begann bald zu singen. Sie lernte Dieter Süverkrüp und andere Liedermacher kennen und engagierte sich neben dem politischen Lied bei Demonstrationen der Gewerkschaften gegen Stahlwerksschließungen, Ostermärschen, internationalen Friedensinitiativen und ab den Achtziger Jahren, seitdem sie mit ihrer Lebenspartnerin Ellen Diederich zusammen arbeitete und lebte, auch für Frauenrechte. Dabei reiste sie viele zehntausende Kilometer durch Europa und bis nach Afrika. Dieses Leben trotzte sie ihrer schwachen Gesundheit ab, der sie dann auch mit 68 Jahren erlag. Ihr Lebensmittelpunkt waren das Ruhrgebiet und Hamburg, und sie hinterließ bei den Menschen, mit denen sie zusammen arbeitete und kämpfte, große Sympathie und Bewunderung für ihre freie, unerschrockene Art, mit der sie auf Menschen zukam und sie zum sozialen und politischen Handeln animierte.
Dieses Buch ist eine Mischung aus Biografie, Selbst- und Fremdzeugnissen von und über Fasia Jansen. Überall wird deutlich, dass Fasia –auch wenn sie sehr fordernd und bestimmend war- die Fähigkeit zur Selbstaufgabe und Freundschaft im besten Sinne hatte, die ihr dann auch zurückgegeben wurde.
Eine beeindruckende Frau, in deren Leben sich die großen Krisen in der deutschen Gesellschaft der 30er bis 90er Jahre spiegeln.