Christoph Ransmayr (*1954) ist ein mit zahlreichen Preisen ausgezeichneter Schriftsteller, der besonders mit seinen ersten Romanen „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“, „Die letzte Welt“ und „Morbus Kithahara“ aus den Achtziger und Neunziger Jahren für öffentliches Interesse und die Bewunderung zahlreicher Rezensenten sorgte.
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Im vorliegenden Roman von 2016 reist der erfolgreiche englische Uhrmacher, Juwelier und Unternehmer Alister Cox mit drei seiner Angestellten im 18. Jahrhundert nach China, um nach Anforderung des Kaisers Qiánlóng, der neben vielen anderen die Titel „Herr der Welt“ und „Herr der zehntausend Jahre“ trägt, verschiedene Uhren zu bauen und zu verzieren. Die vier Männer werden in aller Pracht in Bejing aufgenommen, und Cox selbst darf sogar einen Pavillon in der Verbotenen Stadt bewohnen, was äußerst ungewöhnlich ist für einen ausländischen Handwerker. Auch beehrt ihn der Kaiser mit Audienzen und Besuchen in Begleitung seiner Konkubinen, besonders der schönen An. Diese erinnert Cox an seine kürzlich verstorbene fünfjährige Tochter Abigail und seine junge Frau, die sich nach dem Tod der Tochter völlig in sich selbst zurückgezogen hat. Den Auftrag des Kaisers, Uhren für besondere Lebenssituationen zu entwickeln, nimmt er zum Anlass, ein Uhrengehäuse in Form eines Silberschiffes zu bauen, das die unterschiedliche Zeitwahrnehmung von Kindern mit verschieden gehenden Uhrwerken simuliert und das er heimlich seiner Tochter widmet. Bevor er dieses vollenden kann, wünscht sich der Kaiser anlässlich der grausamen Hinrichtung von zwei Untergebenen, die falsche Gerüchte über die Kränklichkeit des Herrn der Welt in Umlauf gebracht hatten, eine andere Uhr. Hier interessiert sich der Herrscher besonders dafür, wie die Zeit für jemanden vergeht, der unwiderruflich weiß, wann genau er unter schrecklichen Qualen stirbt. Obwohl Cox bei den vorbereitenden Gesprächen mit den Verurteilten sich deren Gedanken wegen der damit verbundenen Qualen gar nicht anhören mag und stattdessen über sich selbst erzählt, baut er nachher doch viel weniger persönlich als bei dem Silberschiff diese Uhr, für deren Gestaltung er die chinesische Mauer zum Vorbild nimmt. Inzwischen ist der Hof aus Bejing in die mongolische Sommerresidenz umgezogen, und dort verlangt nun der Kaiser das Größte von ihm: Eine Uhr, die ewig geht, nie gestellt werden muss und alle Zeit der Welt übersteht. Auch dies gelingt dem genialen Uhrmacher, aber er muss damit rechnen, nach deren Fertigstellung getötet zu werden, weil er damit zugleich den Herrn über die Zeit, den Kaiser, demütigt … .
Der Roman brilliert durch wunderschöne Schilderungen von Landschaften, Kunstwerken und Menschen, die wohl von chinesischen Tuschezeichnungen inspiriert sind. Ransmayr will auch ein philosophisches Thema aufbereiten, nämlich eben die Hinfälligkeit des Menschen gegenüber der scheinbaren Unvergänglichkeit der Zeit. Aber hier kommt er an die Grenzen seines Unterfangens: Mit technischen Spielereien, und seien sie noch so genial, kommt man dem Geheimnis der Zeit nicht näher. Als Leser fühle ich mich zwar hingezogen von der Schönheit der Schilderungen, aber die tiefere Dimension des Erzählten kann ich nicht recht erfühlen. Da habe ich schon viel Berührenderes von Ransmayr gelesen, insbesondere „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ und „Der fliegende Berg“. Im Klappentext des Romans heißt es, das Buch thematisiere, dass nichts über die Zeit siege als das Erzählen, aber da hat man sich etwas einfallen lassen, was man als Phrase allem möglichen Erzählten beigeben könnte.