Beiträge von Kirsten

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    The Overlook am Mulholland Drive ist sonst ein beliebter Aussichtspunkt, aber in dieser Nacht ist er Schauplatz eines Mordes. Für Harry Bosch ist es der erste Einsatz nach einer wochenlangen Suspendierung und es sieht so aus, als ob es kein einfacher Fall werden wird. Das Opfer war ein Mediziner, der Zugang zu radioaktivem Material für die Krebstherapie hatte. Während Bosch in einem Mordfall ermittelt, steht gleichzeitig die Sicherheit von Los Angeles oder sogar der ganzen Nation auf dem Spiel, denn Spuren in seinem Wagen deuten darauf hin, dass er bei seiner Ermordung eine große Menge Material. Deswegen schaltet sich die National Security ein, die andere Prioritäten hat, als nur den Täter zu finden.


    Harrys erster Fall nach der langen Pause steht unter keinem guten Stern. Nicht nur, dass ihm die Ermittlungen aus Gründen der nationalen Sicherheit gleich wieder aus der Hand genommen werden. Sein letzter Fall hat nicht nur ihm eine Suspendierung eingebracht, sondern auch den beteiligten Kollegen geschadet. So bewegt er sich aus vielen Gründen wie auf rohen Eiern. Aber für Harry Bosch steht immer sein Fall im Vordergrund und so setzt er sich auch diesmal auf der Suche nach dem Täter über alle Befehle hinweg.



    Wer die Krimis kennt der weiß, dass es Harry Bosch egal ist, wen er vor dem Kopf stößt. Er ist ein brillanter Ermittler, aber er löst seine Fälle nie auf dem direkten Weg. Über die möglichen Folgen seines Handelns macht er sich erst hinterher Gedanken. Er prescht auch dort vor, wo vielleicht ein sensibleres Vorgehen besser gewesen wäre. Das ist bei der ersten Befragung der Ehefrau des Opfers nur gefühllos, was aber das verschwundene radioaktive Material betrifft, ist es sogar gefährlich. Manchmal habe ich den Eindruck, als ob er eine so tiefe Abneigung gegen alle anderen Behörden außer der Polizei hat, dass ihm diese Folgen egal sind. Auch wenn er meistens recht hat, hinterlässt er auf dem Weg zur Lösung seiner Fälle doch auch viel verbrannte Erde.


    Ich fand den Fall aus verschiedenen Gründen spannend. Zum einen die Mordermittlungen und dann die Suche nach dem verschwundenen Material, die bei Bosch und der National Security erst in zwei völlig unterschiedliche Richtungen laufen, nur um dann am Ende wieder den gleichen Nenner zu finden. Mir ist gleich zu Anfang ein kleines Detail aufgefallen, dass auf die richtige Lösung hingewiesen hat. Allerdings hat es der Autor geschafft, mich im Lauf der Ermittlungen wieder davon abzubringen. Der Krimi war spannend wie immer, allerdings wünsche ich mir auch, dass Harry Bosch endlich lernen würde, dass nicht nur die Polizei die Guten sind.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße

    Kirsten

    Meine zweite Meinung

    Eigentlich kann ich zu meiner ersten Rezension nicht mehr viel hinzufügen. Vielleicht habe ich ein bisschen mehr auf das Verhältnis zwischen Franklin und Eva geachtet, weil mir noch stärker als bei der ersten Lektüre aufgefallen ist, wie unglücklich diese Beziehung eigentlich war. Schon als sie zusammengekommen sind, waren sie nicht der Traumpartner füreinander, sondern eher jemand, aus dem man den idealen Partner formen konnte. Die kleinen Bemerkungen, die Franklin immer wieder Eva gegenüber gemacht, hatten immer einen negativen Unterton: oft von oben herab, ein wenig spöttisch oder sogar enttäuscht. Eva konnte nie seine Erwartungen erfüllen und ist gefühlt mit jeder weiteren Bemerkung immer kleiner geworden.


    Eva war durch Kevins Tat genauso gefangen wie er selbst. Sie bestraft sich, indem sie in einem heruntergekommenen Apartment lebt und eine Stelle annimmt, die ihr zwar den Lebensunterhalt sichert, aber keine Freude macht. Ihr Leben verläuft eintönig und die einzige Abwechslung sind die Besuche bei ihrem Sohn. Ich habe auch mehr darauf geachtet, wie die Besuche im Gefängnis abgelaufen sind. Ich habe mich gefragt, was ich in Evas Lage tun würde. Könnte ich einen Unterschied zwischen meinem Kind und dem Täter machen? Warum sie Kevin überhaupt besucht hat, habe ich lange nicht verstanden, denn es schien jedes Mal ein Kampf zwischen Mutter und Sohn zu sein. Erst am Ende habe ich verstanden, warum die Besuche so wichtig für sie waren.


    Evas Geschichte hat mich auch beim zweiten Lesen berührt, auch oder gerade weil ich schon wusste, wie sie ausgehen würde.

    5ratten

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    Die Ereignisse der letzten Wochen haben Sara Nowak körperlich und seelisch gezeichnet. Aber sie kann nicht über den Fall sprechen, denn es gibt ein Schweigegebot und Sara hat mittlerweile eine neue Stelle angetreten. Dort hat sie alle Hände voll zu tun: eine Gruppe Jäger trifft auf zwei Männer, die eine Leiche verschwinden lassen wollen. Bei dem Toten handelt es sich um einen jungen Mann, der aus dem Gangmilieu aussteigen wollte. Je weiter Sara in diesem Fall ermittelt, desto mehr Detail kommen ans Tageslicht, die auf mehr als nur den einen Mord hinweisen. Aber als ein ehemaliger Stasi-Spion ermordet wird, der vergeblich versucht hat, Sara zu erreichen, muss sie doch wieder zurück zu den Ermittlungen, die sie schon lange abgeschlossen glaubte.


    Man sollte hier auf jeden Fall schon den ersten Teil der Reihe gelesen haben, denn sie bauen aufeinander auf und auch wenn der Autor vieles nochmal erzählt, bleiben doch Lücken, gerade was die Verbindung zwischen den Charakteren betrifft.


    In diesem Teil steht für Sara das Thema Familie im Vordergrund. Sie hat vieles aus ihrer Vergangenheit erfahren, was sie belastet, dass das Verhältnis zu ihrer Mutter belastet und von dem sie nicht will, dass es ihre Kinder erfahren. Ihre fast erwachsene Tochter zieht aus und nabelt sich fast schon mit Gewalt von ihrer Mutter ab. Der Sohn lebt in seiner eigenen Welt, in der die Botschaften aus der Musik, die er hört, wichtiger sind als das, was seine Eltern ihm zu sagen haben und ihr Mann, selbst ein erfolgreicher Geschäftsmann, liefert sich einen kindischen Wettbewerb mit seinem Vater darum, wer der erfolgreichere von den beiden Männern ist. Manchmal kommt es mir so vor, als ob sie sich selbst fragt, wie sie in dieses Konstrukt hineingeraten ist, das andere eine Familie nennen. Glücklich kommt sie mir nicht vor. Sie hat keinen Rückhalt, den sie für ihre Arbeit dringend brauchen würde.


    Ich fand den persönlichen Teil genauso interessant wie die Ermittlungen selbst, die tief in die menschlichen Abgründe blicken lassen. allerdings bin ich mit dem Stil der Erzählung lange nicht zurechtgekommen. Der Autor schreibt hart und schockiert mit Details. Gleichzeitig kommt die Handlung nicht in Fluss, sondern ist in kleine Episoden aufgeteilt. Das kannte ich schon aus dem ersten Teil und damals hat es mir auch Schwierigkeiten gemacht. Erst im Drittel Teil setzen sich diese Stücke zu einem Ganzen zusammen.


    Wirklich gut gefallen hat mir der Krimi also nicht. Aber Sara Nowak ist ein interessanter Charakter und ich möchte wissen, wie es mit ihr weitergeht. Deshalb werde ich den nächsten Teil der Reihe auch lesen.

    3ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

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    Grace gilt in ihrem Heimatort Ballybrady als Außenseiterin. Ihr reicht die Gesellschaft von ihrem Hund und der minimale Kontakt zu ihren Nachbarn. Am liebsten ist sie am und im Meer. Sie kennt es so gut, dass sie darin ohne Gefahr schwimmen kann. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit ihren handgenähten Quilts und einem Cottage, das sie an Touristen vermietet. Einer ihrer Feriengäste ist Evan, der länger in Ballybrady bleibt, als er sich das vorgestellt hat.


    Die ersten Tage im Cottage sind für Evan wie ein Schlag ins Gesicht. Er musste sich eine Auszeit nehmen und landet in einer Umgebung, die genau das Gegenteil von von seinem bisherigen Leben ist. Kaum hat er sich an die neue Umgebung und den neuen Menschenschlag gewöhnt, als die Welt zum Stillstand kommt und der Lockdown beginnt. Der Aufenthalt, der nur eine Woche dauern sollte, wird auf unbestimmte Zeit verlängert.


    Eine der ersten Szenen mit Grace ist eine ungewollte Begegnung mit anderen Freiwasserschwimmerinnen am Strand. Bei diesem Zusammentreffen lerne ich Grace durch die Augen der anderen Frauen kennen und dieser erste Eindruck wird ihr nicht gerecht. Die Frauen sehen ein ruppiges Geschöpf, das ihnen gegenüber unfreundlich ist. Grace dagegen macht sich über die Frauen lustig, über ihr Verhalten und ihr Erschrecken über die Kälte des Wassers. Es hat bei mir gedauert, den Eindruck wieder zu verlieren. Grace ist viel mehr als die Person vom Strand, aber sie wird lange noch so dargestellt.


    Evan dagegen könnte nicht unterschiedlicher sein: der Stadtmensch, der mit dem Leben auf dem Land nicht zurecht zu kommen scheint und sich aus Leichtsinn mehr als einmal in Lebensgefahr bringt. Aber auch bei ihm steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Blick vermutet.


    Das ist etwas, das mir nicht nur bei den Protagonisten, sondern bei allen Charakteren aufgefallen ist: sie sind alle in zu kräftigen Farben gemalt. Nicht wie die Bewohner eines kleinen Ortes, sondern eher so, wie sich Menschen aus der Stadt die Bewohner eines kleinen Ortes vorstellen. Gleichzeitig zeigt Roisin Maguire aber auch, dass hinter ihnen mehr steckt als der erste Eindruck.


    Sowohl bei Evans als auch bei Grace Geschichte hatte ich früh einen Eindruck, in welche Richtung sie sich entwickeln würden. Große Überraschungen gab es keine. Das bedeutet aber nicht, dass mir das Buch langweilig geworden ist. Es hat sich flüssig gelesen, wenn auch ohne große Höhen oder Tiefen. Eine angenehme Lektüre von einer mir bis dahin unbekannten Autorin.

    3ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

    Liewe Cupido ermittelt in einem mir unbekannten Milieu. Ich habe zwar schon von Wattwanderungen gehört. Aber das Ausmaß, in dem die drei Freunde sie unternehmen, kannte ich bisher noch nicht. Aber waren die drei Männer wirklich Freunde? Anfangs wirken sie wie eine verschworene Gemeinschaft. Aber je mehr ich über sie lese, desto weniger glaube ich daran. Irgendwann wirken sie auf mich nur noch wie drei Männer, die eine Leidenschaft verbindet, bei der jeder der Beste sein will und das wirft ein ganz anderes Licht auf das tragische Unglück.


    Ich habe in dem Krimi viel gelernt übers Wattwandern, worauf man achten muss und wie sich die Gezeiten verhalten. Das hat mir gut gefallen. Aber das Hin und Her zwischen den Zuständigkeiten und die Art, wie die jeweiligen Ermittler damit umgegangen sind, fand ich fast schon kindisch. Der Autor hat diesen Spielchen für meinen Geschmack zu viel Raum gegeben.


    An die Stimmung musste ich mich erst gewöhnen. Die Charaktere sind durchweg wortkarg und eher statisch. Das mag zur kargen Landschaft im Watt passen, hat aber die Handlung zäh und mich ungeduldig gemacht. Eigentlich war ich mir sicher, dass ich es bei dem Teil der Reihe belassen würde. Aber warum der Wattwanderer sterben muss und vor allem wie es passiert ist, haben mich dann doch überzeugt, Liewe Cupido noch eine Chance zu geben.

    3ratten

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    Ella hat in ihrem Leben alles erreicht: sie hat einen Mann, der sie liebt, zwei wunderbare Söhne und ist eine erfolgreiche erfolgreiche Anwältin. Aber dann bekommt sie einen Anruf, der ihr Leben auf dem Kopf stellt: Luke, ihre erste große Liebe, ist todkrank und hat nur noch wenige Wochen zu leben. Auch wenn sie ihn seit fast dreißig Jahren nicht mehr gesehen hat, wirft sie der Anruf komplett aus der Bahn und öffnet die Tür zu einer Vergangenheit, von der sie glaubte, dass sie sie lange hinter sich gelassen hatte.


    Ellas und Lukes Geschichte wird in Rückblenden erzählt. Er war der große Bruder ihrer besten Freundin und irgendwann wurde daraus mehr. Aber es kommt mir auch so vor, als ob da noch viel war, über das sie nicht nachdenken wollte. Immer wieder gibt es in der Erinnerung Unstimmigkeiten was Lukes Verhalten betrifft. Je mehr sich Ella erinnert, desto mehr wird klar, dass die Vergangenheit nicht so rosig war, wie sie scheint.


    Ella und ihr älterer Bruder wachsen in einem Haus auf, in dem Leistung an erster Stelle steht. Dem Vater ist seine Stellung als Professor an der örtlichen Universität und das damit verbundene Ansehen wichtiger als die Familie. Die muss funktionieren und seine Erwartungen erfüllen. Dieser Leistungsdruck ist fast zu viel für Ale, deshalb tut ihr die Freundschaft zu Helene gut. Aber diese Freundschaft zu Helene war oft einseitig, Helene schob ihre angeblich beste Freundin jedes Mal zur Seite, wenn sie sich neu verliebte. Nur die Beziehung zu Luke gab ihr Halt. Ella wird klar, dass sie Luke noch einmal sehen will. Sie hat mit der gemeinsamen Zeit noch nicht abgeschlossen, zu viele Fragen sind noch offen. Von Helen bekommt sie die Telefonnummer, aber Luke will sie zunächst nicht sehen.


    Ich kann verstehen, dass Ella Luke noch einmal sehen will. Gerade dass will Luke nicht, aber sie akzeptiert seinen Wunsch nicht. Sie drängt sich förmlich in das er sich ohne sie eingerichtet hat. Je näher sie Luke wieder kommt, desto mehr verlässt sie ihre Familie. Die Reise in die Vergangenheit bringt sie dazu, ihre Gegenwart zu hinterfragen und zu erkennen, dass sie genau da angekommen war, wovon sie geflohen ist: in eine Beziehung, in der der Schein wichtiger ist als das Glück der Familienmitglieder.


    Ella war mir durch ihr Verhalten Luke gegenüber nicht sympathisch. Sie will unbedingt mit der Vergangenheit abschließen und setzt sich dabei über den Wunsch eines sterbenden Mannes nach Privatsphäre hinweg. Auch wenn sich die beiden wieder annähern und auch wenn ich ihre Motive verstehen kann, finde ich ihr Verhalten fast übergriffig. Auch Luke macht es mir schwer, ihn zu mögen. Die Autorin stellt ihn da als das schwarze Schaf in einer Familie, in der die kleine Schwester bevorzugt wird und der von seinem Vater immer klein gehalten wird. Damit rechtfertigt sie sein Verhalten und das ist mit ein bisschen zu einfach. Auch die anderen Charaktere waren mir nicht wirklich sympathisch und wirkten in ihrem Verhalten stellenweise so, als ob sie einem Drehbuch folgen würden.


    Berührt hat mich, wie die Autorin Lukes letzte Tage und seinen Umgang mit dem kommenden Tod beschrieben hat. Das hat sie sehr warmherzig und authentisch gemacht. Für mich war es der beste Teil des Buchs, wenn auch der schwerste. Auch die Art, wie sie Ellas Angst vor praktisch allem beschrieben hat, fand ich sehr gut. Für Ella war die Angst ein zottiges Tier, das in der Ecke lauert und die Zähne fletscht. Diesen Vergleich fand ich sehr gut. Ich hätte mir gewünscht, dass auch die Charaktere so beschrieben worden wären.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße

    Kirsten

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    Geschichten aus der griechischen Mythologie drehen sich meistens um die männlichen Helden. Den Göttinnen wird oft nur eine Nebenrolle zugewiesen. Natalie Haynes holt sie aus dem Schatten und stellt sie ins wohlverdiente Licht.


    Hera, Aphrodite, Artemis, Demeter, Hestia, Athene, die Furien und die Musen: diese Namen habe ich schon alle gehört und auch von allen schon gelesen. Aber eben immer nur im Zusammenhang mit einer Heldensaga, in der ein Mann die Hauptrolle spielt. Ihre Geschichten werden jetzt erzählt und dabei wählt die Autorin ein interessantes Stilmittel: sie stellt ein Kunstwerk an den Anfang jedes Kapitels, in dem die betreffende Göttin dargestellt ist. Oft am Rand, aber Natalie Haynes beschreibt jedes Detail und rückt die jeweilige Göttin fast unmerklich in den Mittelpunkt. Danach erzählt sie ihre Geschichte. Das ist der Punkt, der mir nicht immer gleich gut gefallen hat. Für meinen Geschmack holt sie zu weit aus und erzählt zu viel von denen, von denen sowieso schon viel erzählt wurde: von den Männern. Dazu kommt auch, dass sich vieles wiederholt, was auch daher kommt dass die Geschichten der Göttinnen und Götter miteinander verwoben sind.


    Gut gefallen haben mir dagegen die Vergleiche, die Natalie Haynes immer wieder mit aktuellen Figuren zieht. Dass man Artemis in Katniss Everdeen wiederfinden kann, ist nicht neu. Dass Sybil Fawlty und Hera sich ähnlich sind, wirkt auf den ersten Blick (zu) weit hergeholt. Aber die Autorin konnte mich überzeugen, dass es doch so ist. Und Hestia hat es sogar geschafft, in einer Playmobilfigur verewigt zu werden. Allerdings kann die kleine Figur nicht mit den feinen Details mithalten, die die Autorin bei den antiken Kunstwerken beschreibt.


    Auch wenn mir die Autorin nicht viel Neues erzählen konnte, hat sie mir die bekannten Dinge doch aus einem anderen Blickwinkel gezeigt. Das war sehr interessant, wenn auch manchmal ein bisschen zu kurz ausgeführt für meinen Geschmack.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße

    Kirsten

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    Simon ist Friseur, wie schon sein Vater und sein Großvater vor ihm. Er führt ein ruhiges Leben, will lieber einen Espresso als zu viele Kunden und hat an der Wand in seinem Schlafzimmer immer noch die Poster von den Schwimmern, die schon in seinem Kinderzimmer hingen. Er selbst war auch ein guter Schwimmer, der bei Wettkämpfen geglänzt hat, aber jetzt zieht er nur noch morgens seine Bahnen. Als seine Mutter ihn bittet, sie beim Schwimmunterricht für eine Gruppe Jugendliche zu unterstützen, bringt das sein Leben gehörig durcheinander.


    Ich hatte von Anfang an Schwierigkeiten mit Simon. Er wirkte auf mich nicht so, als ob er irgendetwas aus eigenem Antrieb mache. Auch sein Beruf war etwas, das er von Vater und Großvater übernommen hatte, weil es praktisch war. Im Gegensatz zu den Charakteren aus anderen Romanen des Autors wirkte Simon auf mich flach. Selbst seine Gedanken kratzten nur an der Oberfläche und haben mir keinen Einblick in sein Inneres gewährt.


    Der Schwimmunterricht muss für Simon verwirrend gewesen sein. Er ist chaotisch und damit das genaue Gegenteil von seinem üblichen Tagesablauf. Außerdem kommt er beim Unterricht seiner Mutter näher, als ihm das lieb ist. Aber da ist auch Igor, der seine Gefühle durcheinanderwirbelt. Auch wenn Simon über 40 ist, wirkt er manchmal wie ein mürrischer Teenager auf mich, gerade im Umgang mit seiner Mutter und seinem Großvater. Er flüchtige Bekanntschaften, aber die Männer bleiben nie länger als eine Nacht.


    Das, was einer Beziehung am nächsten kommt, hat er mit seinen Kunden. Auch wenn er mit ihnen nur das Nötigste redet, erzählen sie ihm doch viel und lassen ihn so an ihrem Leben teilhaben. Aber reichen diese Erlebnisse aus zweiter Hand? Einer seiner Kunden ist der Schriftsteller. Der interessiert sich mehr für Simons Vater als für ihn selbst. Der Vater kam 1977 bei einem Flugzeugunglück auf Teneriffa ums Leben und das Interesse des Schriftstellers am Leben des Vaters macht auch Simon neugierig auf den Mann, den er nie kennengelernt hat.


    Ich fand es schwer, in die Handlung hineinzukommen. Wo andere Geschichten einen klaren Handlungsstrang hatten, gab es hier nur Fäden, die sich zu einem Knäuel verhedderten. In manchen Abschnitten gefiel mir das Buch gut, andere fand ich eher skurril. Unterm Strich hat das Zweite überwogen.

    2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße

    Kirsten

    Meine neue Meinung

    Mit jedem alten Fall für Lynley und Havers merke ich, wie sehr sich die Charaktere weiterentwickelt haben. Wobei ich bei Barbara den Eindruck habe, dass sie später auf ihre Rolle als trampeliger Sidekick festgelegt wird, während ich sie in den alten Fällen wieder von einer anderen Seite kennenlerne. Das ist die Zeit, in der sie ihren Platz in der Clique um Thomas Lynley findet und noch unsicher ist. Deshalb beobachtet sie ein die Menschen um sich herum noch ein bisschen genauer. Ich fand auch das Verhältnis zu ihren Eltern spannend, ich hatte nicht mehr auf dem Schirm, wie kompliziert ist war.


    Lynley ist in diesem Teil immer noch das, was man wahrscheinlich unter einem typischen englischen Adligen verstanden hat. Der Umgang mit den Personen in seiner Umgebung und selbst sein Liebeskummer sind sehr kultiviert. Dazu passen das kleine Dorf, in dem sich der Mord abgespielt hat und seine Anwohner, genauso wie das schrille amerikanische Ehepaar, auf das Simon und Deborah treffen.


    Der Fall dagegen ist mehr als ernst. Nicht nur, dass eine junge Frau zugibt, ihren Vater getötet zu haben. Auch was danach mit ihr passiert, ist schlimm. Statt in Untersuchungshaft landet sie in der Psychiatrie und auch wenn ihr Onkel sagt, dass er so dafür sorgen will, dass sie für unzurechnungsfähig eingestuft wird: ich glaube, er denkt hier an seinen eigenen Vorteil.


    Die Lösung liegt weit in der Vergangenheit. Es geht um eine Mutter, die ihre Kinder verlassen hat und eine ältere Schwester, die ebenfalls verschwunden ist. Ich kann mich von meiner ersten Lektüre noch daran erinnern, dass ich sehr schnell dahintergekommen bin, was in der Familie los war, und habe mich gewundert, dass die Ermittler so lange gebraucht haben. Bei manchen Details fand ich, dass Elizabeth George ein bisschen zu sehr auf den Effekt aus war.


    Insgesamt hat mich aber auch dieser alte Fall wieder überzeugen können.

    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

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    Die Shetlands sind eine Gruppe kleiner Inseln im äußersten Nordwesten Großbritanniens. Ein Sammelplatz für Sagen, alter Sprachen und Bräuche. Aber sie sind auch abhängig vom Wetter und oft durch Stürme vom schottischen Festland abgeschnitten. Das sind die Inseln, die sich Jen Hadfield Ende ihrer Zwanziger als ihre neue Heimat aussucht.


    Was macht es mit jemandem, an den Rand der Welt zu ziehen? In eine eingeschworene Gemeinschaft, in der jeder Neuzugang heraussticht? Mich hat an der Schilderung der Menschen auf Shetland überrascht, wie offen sie waren. Auch wenn sie sich auf die nötigsten Worte beschränkten: Jen beschreibt ein Miteinander, das von gegenseitigem Respekt und Aufmerksamkeit geprägt ist. Aber auch von einem gewissen Abstand, den man sich lässt. Die Komfortzone des Anderen vorsichtig ausgelotet und immer respektiert.


    Die Autorin zeigt mir eine Welt, die ganz anders ist als ich erwartet habe und doch genau so. Ich habe mir die Sheltands immer karg und einsam vorgestellt und das sind sie auf den ersten Blick auch. Auf den zweiten Blick liegt es gerade in dieser Kargheit eine Schönheit und die Autorin hat mir diesen zweiten Blick gewährt. Am Anfang jedes Kapitels stehen Begriffe, wie man sie nur auf den Inseln kennt und mit jedem neuen Begriff entführt sie mich ein bisschen tiefer in ihre Welt. Ihre Worte haben Bilder in meinem Kopf entstehen lassen. Deshalb habe ich das Buch entgegen meiner sonstigen Lesegewohnheit langsam gelesen. Über die Seiten zu fliegen wäre ihnen nicht gerecht geworden.


    Jen muss keine großen Worte machen, um u erzählen. Ähnlich wie die Menschen auf den Shetlands beschränkt sie sich in ihrer Sprache nur auf das Nötigste und hat es mir überlassen, meine eigenen Schlüsse zu ziehen. Für mich hat ihr Stil perfekt zu den Inseln gepasst, die sie beschreibt.


    Ich muss gestehen, dass ich mit dem Titel lange nichts anfangen konnte. Aber beim Lesen habe ich gelernt, dass es ein typischer Begriff ist: Storm Pegs sind Wäscheklammern, die auch im stärksten Sturm die Wäsche an der Leine halten. Eigentlich etwas Banales, aber es macht das Leben viel einfacher. So ist es mit vielem, was Jen Hadfield in ihrem Buch beschreibt: es sind nie die großen Dinge, aber ohne sie würde etwas fehlen.

    4ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

    Als Miss Marple die Todesanzeige von Mr. Rafiel liest, muss sie erst nachdenken. Aber dann erinnert sie sich an ihren alten Freund und an die gemeinsame Zeit in der Karibik. Danach haben sie sich aus den Augen verloren. Umso überraschender ist es, dass er nach seinem Tod einen Auftrag für sie hat. Was es genau ist, können ihr die Anwälte nicht sagen. Der Auftrag beinhaltet eine Reise durch die schönsten englischen Gärten. Dort soll sich das Geheimnis enthüllen, was Mr. Rafiel von ihr will.


    Mittlerweile habe ich einige Krimis von Agatha Christie gelesen, deshalb weiß ich, dass ich von Anfang an gut hinsehen muss, weil es früh Hinweise gibt. Aber das Verbrechen liegt schon Jahre zurück und die meisten Menschen, mit denen sich Miss Marple unterhält, können nur kleine Stückchen beisteuern, um das Puzzle zu vervollständigen. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass der wahre Täter die ganzen Jahre über genauso wie Michael bestraft war. Nicht, dass ich damit das Verbrechen gutheißen will.


    Immer wieder fallen mir bei den Krimis von Agatha Christie Formulierungen und Beschreibungen auf, die mich beim ersten Lesen stören. Aber sie passen zu der Zeit, in der die Geschichten spielen, deshalb passt es beim Weiterlesen wieder. Amüsant finde ich, dass Miss Marple von allen, denen sie das erste Mal begegnet, komplett unterschätzt wird, weil sie nur die alte Dame sehen und nicht wissen, wie scharf ihr Verstand noch ist.


    Ich mag die Krimis von Agatha Christie immer noch, auch wenn mir jetzt immer wieder kleine Dinge auffallen, die mich stören. Aber das bedeutet nicht, dass ich sie weniger gut finde, sondern nur, dass sie für mich mehr Facetten bekommen.

    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

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    Das Leben eines Schriftstellers als Roman, kann das gutgehen? Und wenn es sich bei dem Schriftsteller um jemand wie Thomas Mann handelt, stellt sich die Frage, ob der Autor dieses Romans dem Werk der Person, über die er schreibt, gerecht werden kann.


    Um die Frage gleich zu Anfang zu beantworten: es kann durchaus gutgehen. Mehr noch: Colm Tóibín schafft es, nicht nur das Leben Thomas Manns zu erzählen, sondern auch das seines Bruders Heinrich. Der konnte nach dem Tod des Vaters gleich seinen Traum erfüllen und mit dem Schreiben beginnen, während der jüngere Bruder in die Schule gehen und später einen Beruf ergreifen musste, der ihm zutiefst zuwider war. Aber er schaffte es schnell, sich aus dem Schatten des großen Bruders zu lösen und sich in seiner Familie zu emanzipieren.


    Auch wenn sie zuerst gemeinsam nach Italien gingen, trennten sich die Wege der Brüder bald auf persönlicher und beruflicher Ebene. Tóibín beschreibt, wie aus einem zweifelnden jungen Mann ein Schriftsteller mit internationaler Anerkennung wurde. Aber er legt den Fokus mehr auf den Menschen als auf den Schriftsteller. Er erzählt von der Unsicherheit des jungen Mannes über seine sexuelle Orientierung, der ersten Begegnung mit seiner großen Liebe und seinen Kindern. Für die war er der Zauberer, der sie immer wieder mit kleinen Kunststücken überraschen konnte.


    Aber die Zeiten änderten sich auf dramatische Weise und irgendwann muss Mann sich entscheiden, auf welcher Seite er stehen will. Allerdings überschätzte er den Einfluss, den sein Name hatte und musste erkennen. Vielleicht fühlte er sich auch zu sicher. Aber irgendwann musste er erkennen, dass es die Heimat, die er gekannt und geliebt hatte, nicht mehr gab. Trotzdem fiel der Abschied schwer und er und seine Frau haben sie zeitlebens vermisst. In Amerika kreuzen sich die Wege der Brüder wieder, aber die räumliche Nähe verbirgt nicht, wie unterschiedlich ihr Leben aussieht.


    Ich kannte schon den Schriftsteller, aber Colm Tóibín hat es geschafft, mir den Menschen näher zu bringen. Auch wenn es sich hier um einen Roman handelt, hatte ich doch den Eindruck, als ob er sich vorher mit Thomas Mann über seine Erinnerungen unterhalten hätte, so persönlich wirkt die Erzählung. Ein wunderbarer Roman über einen Mann, der auch ein Schriftsteller war.

    5ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

    Es ist deutlich, dass Lucs Wechsel von Interpol nach Edinburgh nicht ganz freiwillig war. Aber der Grund bleibt lange im Dunkel, auch wenn es immer wieder Hinweise gibt. Sicher ist aber, dass die Ereignisse in Frankreich Luc bis ins Mark erschüttert und ihn verändert haben. Aber das ist keine Entschuldigung für sein Verhalten: Luc macht den Eindruck, als ob er weder in Edinburgh sein noch mit seinen neuen Kollegen zusammenarbeiten will. Damit macht er sich keine Freunde, aber will er auch nicht. Die Einzige, mit der er sich einigermaßen versteht, ist seine Kollegin Ava Turner, denn die beiden sind sich ähnlich und verstehen einander.


    Wahrscheinlich wären die beiden ein besseres Team gewesen als das, mit dem Luc gerade arbeitet, aber ihnen wurden unterschiedliche Fälle zugewiesen.


    Tatsächlich gefällt mir Avas Fall besser als der von Luc, obwohl auch er für mich nicht ganz stimmig war. Stellenweise hat es auf mich zu gewollt gewirkt, wie die Ereignisse abgelaufen sind. Lucs Fall war geprägt von Unstimmigkeiten mit seinen Kollegen und dem Kampf mit seinem Ego.


    Aber ich hatte nicht nur Schwierigkeiten mit Lucs Charakter. Ich fand die Charaktere generell etwas überzogen: Luc war mir zu sehr der einsame Wolf, der Täter hatte wirklich alle Eigenschaften, die man im allgemeinen einem Serientäter unterstellt, die Opfer entsprachen in ihrem Verhalten dem, was man im Lehrbuch über Geiseln lesen kann und der Profiler war das perfekte Gegenstück zum emotionalen Luc.


    Die Ermittlungen haben sich für meinen Geschmack zu langsam entwickelt. Eine Spur wurde mehrmals und von allen möglichen Seiten betrachtet, eine andere komplett ignoriert. Dafür war der Showdown sehr dramatisch. Unterm Strich hatte der Krimi viele gute Ansätze, aber es wurde nichts daraus gemacht.


    Helen Fields konnte mich mit dem ersten Teil ihrer Reihe nicht ganz überzeugen. Aber eben weil es der erste Teil ist, gebe ich den Charakteren noch eine Chance, sich zu entwickeln.

    2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    Ich finde es interessant, wie hier die Meinungen auseinander gehen. Ich kann mich zwar noch erinnern, dass und wo ich das Buch gelesen habe, aber nur noch an wenig vom Inhalt. Ob es gut oder schlecht gefallen hat- nachzuwirken scheint es nicht.

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    Manon Jonker ist seit ihrer Kindheit fast blind. Dieser Umstand rettet ihr das Leben, als das Juweliergeschäft, das sie wegen einer Reparatur besucht, überfallen wird. Die Täter ermorden den Besitzer, aber nicht Manon. Sie halten sie für blind und deshalb nicht für eine Zeugin. Aber sie irren sich gleich zweimal, denn Manon ist eine gute Zeugin. Das Einzige, was sie nicht sagen kann, ist wie die Täter ausgesehen haben. Aber dafür erinnert sie sich an Dinge, auf die eine normal sehende Person vielleicht nicht geachtet hätte. Dass sie trotz ihrer Sehbehinderung eine so gute Zeugin ist, können die ermittelnden Beamten nicht verstehen. Sie fragen mehrmals, was oder wieviel sie noch sehen kann. Diese Neugier hat mich gestört, auch weil ich sie unrealistisch fand.


    Der Krimi hätte spannend sein können, aber für mich war er das nicht. Er war zu kurz, als dass die Handlung mehr als angerissen werden konnte. Stellenweise hat es auf mich so gewirkt, als ob dieses Buch nur ein Entwurf für eine spätere Ausgabe ist. Die Handlung ist logisch aufgebaut und ich habe keinen Fehler im Ablauf gefunden, aber für mich blieben zu viele Lücken im Puzzle.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße

    Kirsten

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    Für Christine war die fremde Frau mit dem Heiligenschein ein Engel. In Wirklichkeit war die Frau eine Nonne, die dem kleinen Mädchen Zuflucht im Kloster gab, nachdem man sie in den Straßen von Oradour gefunden hatte. Christine war noch jung genug, damit die Erinnerungen an ihre Familie nach und nach verblassten. So wuchs sie mit der Geschichte auf, die die Schwestern ihr im Kloster über ihre Herkunft erzählten. Aber je älter sie wurde, desto mehr Bruchstücke drangen aus den Tiefen ihrer Erinnerung an die Oberfläche. Aber es musste sich erst eine andere Tragödie ereignen, um die Erinnerungen an den Tag im Juli 1944 wieder zu wecken.


    Christines Geschichte hat einen wahren Hintergrund: das Massaker, das die Waffen-SS am 10. Juli 1944 in Oradour verübte. Über lange Strecken hat mich die Verbindung der Ereignisse von damals mit der Geschichte der jungen Frau in den 1960er Jahren überzeugen können. Gerade die Schilderung des Anschlags auf John F. Kennedy, das die Erinnerungen wieder zurückgebracht hat und die Gefühle, die an die Oberfläche gekommen sind, fand ich sehr gut dargestellt. Auch ihre Schilderung der Ereignisse vom 10. Juli fand ich sehr berührend.


    Aber der Roman hatte auch größere Abschnitte, die für mein Gefühl nicht so gut zur Geschichte des kleinen Mädchens aus Oradour gepasst haben. Das Leben der jungen Frau, zu der Christine geworden war, war stellenweise so banal, wie es das Leben eben ist: die eigene Wohnung, die erste Arbeitsstelle, die Arbeit in den USA... für mich war das kein passender Rahmen. Das lag vielleicht daran, dass dieser Teil der Geschichte nur oberflächlich geschildert wurde. Für mein Empfinden hätte es dem Roman gutgetan, wenn die Autorin hier ein bisschen mehr in die Tiefe gegangen wäre.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße

    Kirsten

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    Die Schriftstellerin Nancy Campbell bekam im Oktober 2019 einen Anruf, den niemand bekommen will: während sie einer Einladung in die Villa Concordia in Bamberg gefolgt war, erlitt ihre Lebensgefährtin einen Schlaganfall. Nancy brach ihren Aufenthalt ab und reiste nach Hause zurück, um ihrer Partnerin beizustehen.


    In Oxford musste sich Nancy aus vielen Gründen einer ungewissen Zukunft stellen. Anna und sie haben sich im Alltag verloren und eigentlich hatte sie vor, die Beziehung nach ihrem Aufenthalt in Deutschland zu beenden. Aber wie kann man jemand verlassen, die gerade einen solchen Schicksalsschlag erlitten hat? Auch die zunehmenden Gerüchte über ein Virus in China bringen Unruhe in ihr Leben und verstärken die Sorgen über die Zukunft nur noch. Dazu kommt noch das Schuldgefühl: der Schlaganfall war nicht der erste, den Anna erlitten hatte. Hätte Nancy etwas merken können, wenn sie in Oxford geblieben wäre?


    Es muss unendlich schwer gewesen sein, in dieser Situation zu sagen, dass die Beziehung beendet ist. Die beiden Frauen schaffen es irgendwie, trotzdem Freundinnen zu bleiben. Anna ist immer noch auf Nancys Hilfe angewiesen, deshalb bleibt es vorerst nur bei der emotionalen, nicht aber bei der räumlichen Trennung. Irgendwann wird aber deutlich, dass die beiden den nächsten Schritt gehen müssen und Nancy beschließt, auszuziehen. Aber wohin soll man gehen, wenn man wenig Geld und die Verpflichtung der ehemaligen Partnerin gegenüber hat?


    Nancy findet eine ungewöhnliche Lösung: einen alten Wohnwagen, den sie auf eine kleinen Streifen Land zwischen den Schienen und dem Oxford-Kanal stellt. Ein radikaler Neuanfang, denn auch wenn ihre alte Wohnung nicht groß war, ist der Wohnwagen doch noch viel kleiner und sie kann nur wenig Dinge mitnehmen. Anfangs glaubt Nancy, dass die Trennung von den vielen großen und kleinen Andenken, für die in ihrem neuen Domizil kein Platz ist, das Schwierigste ist. Aber als das geschafft ist, fangen die Schwierigkeiten erst an. Sie hat keine Ahnung vom Leben in einem Wohnwagen und ist anfangs fast täglich bei kleineren und größeren Problemen auf die Hilfe und die Erfahrung ihrer neuen Nachbarn auf den Hausbooten auf dem Kanal angewiesen. Hilfe bekommt sie auch von Sven, den sie im Krankenhaus kennengelernt hat. Aber bei ihm hatte ich manchmal das Gefühl, dass der Nancy als sein Projekt angesehen hat und sie manchmal auch in Entscheidungen hineingedrängt hat, die sie ohne ihn nie getroffen hätte. Als Covid in England zuschlägt, wird das Leben ungleich schwerer. Annas Therapie ist ausgesetzt, wodurch sie wieder auf mehr Hilfe von Nancy angewiesen ist. Gleichzeitig wird es durch den Lockdown aber auch schwerer für sie, diese Hilfe zu leisten.


    Vielleicht war es ein wenig blauäugig, mit so gut wie keiner Erfahrung in den Wohnwagen zu ziehen. Dadurch war sie immer auf Ratschläge und Hilfe von außen angewiesen und musste den anfangs Fremden fast schon blind vertrauen. Stellenweise hatte ich den Eindruck, dass Nancy mit ihrer Aufgabe überfordert war, gerade weil die Gesamtsituation so schwierig war. Ich an ihrer Stelle hätte wahrscheinlich aufgegeben, wenn ich mich überhaupt dieser Herausforderung gestellt hätte. Dass sie es geschafft hat, sich trotz aller Herausforderungen in ihrem Wohnwagen eine neue Heimat zu schaffen, finde ich bewundernswert. Allerdings zeigt sie auch deutlich, wie schwer ihr das gefallen ist. Gerade das macht ihre Geschichte für mich authentisch. Für mich war ihre Geschichte das Lesehighlight im Juni.

    5ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten