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  1. Literaturschock - Bücherforum
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Beiträge von balduin

  • Tommie Goerz - Im Schnee

    • balduin
    • 16. November 2025 um 17:14

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    Tommie Goerz' „Im Schnee“ ist eine eindringliche, fast schüchterne Einladung in eine Welt, die im stillen Verlöschen begriffen ist. In diesem grossartigen Stück Prosa begegnet der Leser dem fiktiven Austhal im Fichtelgebirge – einem Ort, wo die Zeit stillzustehen scheint, nur um unaufhaltsam zu verglühen.

    Goerz zeichnet mit fein gesponnener, unaufgeregter Sprache das Porträt eines Dorfes, in dem ungeschriebene Regeln und eine tiefe, fast stoische Akzeptanz des Schicksals herrschen. Die Alten sterben zuverlässig weg, die Jungen fliehen, und doch hält sich ein archaisches Gefüge, dessen melancholische Schönheit sich im Schweigen und in rituellen Handlungen offenbart. Der Tod ist hier keine Katastrophe, sondern eine dumme Tatsache, die man hinnimmt, fast wie eine Nebensache.

    Der Autor fungiert als stummer, staunender Beobachter, der ohne falsches Pathos das Leben und Sterben dieser Menschen einfängt. Man verweilt in Momenten, in denen das Leben nur aufblitzt, bevor es sich wieder in die verstaubten Ecken einer unbedeutenden Gegenwart zurückzieht. „Im Schnee“ ist kein Heimatroman, sondern ein nachdenklicher, zarter Abschied von einem auslaufenden Lebensmodell, ein Requiem für eine Welt, die sich gegen das Fremde abschottet, bis der Himmel längst ohne Licht*ist und nur der Schnee, wie das Schweigen, die Welt leise macht. Eine poetisch aufrichtige Lektüre. Stationen: Der Tod. Die Wacht. Der Tag. Im Schnee. Das Grab.

    Ein starkes Buch. Ein schönes Buch.

  • James Sallis - Deine Augen hat der Tod

    • balduin
    • 11. November 2025 um 10:22

    hannah_H: fehlt nur noch die Musik von Ry Cooder :)

  • James Sallis - Deine Augen hat der Tod

    • balduin
    • 7. November 2025 um 15:40

    Schon der Anfang ist typisch Sallis: lakonisch, knapp, ein falsch verbundener Anruf und Protagonist David wird nach neun Jahren des Aussteigens wieder in sein altes Leben als speziell ausgebildeter Agent zurückgezogen. Man kennt solche Geschichten, der gejagte Ex-Killer, der plötzlich wieder rennen muss – Parallelen zur "Bourne"-Reihe drängen sich auf.

    Doch Sallis wäre nicht Sallis, wenn er nicht seine eigene, irritierende Variante wählen würde. Ich dachte zunächst, David würde einen anderen Ex-Agenten jagen, der aus dem Ruder gelaufen ist. Aber schnell wird er selbst zum Gejagten, zum "Hasen", hinter dem die unterschiedlichsten "Jäger" herrennen. Das hat mich fasziniert, aber auch ein wenig verwirrt. Die Vergangenheit bleibt nebulös, die Motivationen unklar, und man fragt sich immer wieder: Was ist hier eigentlich das Ziel?

    Gerade diese "irritierende Konstruktion" ist das Besondere. Ich musste mich darauf einlassen, dass der Roman nicht auf eine klare Auflösung zusteuert, sondern eher um ein geheimnisvolles Zentrum kreist. Aber Sallis ist dabei so souverän. David ist als Figur unglaublich vielschichtig: ein gnadenloser Killer, aber auch ein bildender Künstler, ein sorgender Ehemann, ein gebildeter Mann. Dieser Kontrast macht ihn ungemein interessant.

    Das Ende auf 192 Seiten bietet dann zwar eine Art "Lösung", die aber eher einer "halbherzigen" Pizzalieferung gleicht: Sie macht satt, aber das kulinarische Erlebnis fehlt. Es ist da, aber nicht unbedingt, was man erwartet hätte. Trotzdem finde ich, dass Sallis hier einen wichtigen Beitrag leistet, um das Krimi-Genre zu hinterfragen und neu zu erfinden. Es mag nicht jedermanns Sache sein, sich auf diese Art von Ambivalenz einzulassen, aber ich persönlich finde es erfrischend, wenn ein Autor gegen die Konventionen verstößt und mich als Leser fordert.

  • David Carkeet - Minus mal Minus

    • balduin
    • 22. September 2025 um 18:26

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    Minus mal Minus" (im Original: "Double Negative"): Wenn Sprachwissenschaftler auf Mörderjagd gehen

    David Carkeets "Double Negative" ist der Beweis, dass Linguistik tödlich sein kann – und extrem witzig. Wir landen in einem idyllischen, aber leicht skurrilen Linguistik-Camp, wo ein Mord die akademische Ruhe stört. Unser Held ist Jeremy Cook, ein schüchterner Sprachwissenschaftler, der selbst am Tatort noch über die Grammatik rätselt. Es geht dabei um den kindlichen Spracherwerb und das Baby-Babbeln spielt eine wichtige Rolle.

    Der Roman glänzt durch seine geniale Mischung aus intellektuellem Humor und Krimispannung. Es geht weniger um blutige Spuren als um verwirrende Satzstrukturen und sprachliche Doppeldeutigkeiten. Die Komik entsteht aus der Kollision der peniblen Akademiker-Welt mit der brutalen Realität eines Verbrechens. Wer Wortspiele, exzentrische Charaktere und eine Mordermittlung voller sprachlicher Fallstricke liebt, wird dieses Buch vergöttern. Ein absolutes Fest für alle, die Humor mit Köpfchen schätzen. "Double Negative" ist ein positiver Volltreffer!

  • Manfred Klenner - Der letzte Prompt oder The Art of Jailbreaking

    • balduin
    • 11. September 2025 um 19:04

    Ich hoffe, ich war nicht zu enthusiastisch ;)

  • Manfred Klenner - Der letzte Prompt oder The Art of Jailbreaking

    • balduin
    • 11. September 2025 um 15:46

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    Gestern habe ich "Der letzte Prompt oder The Art of Jailbreaking" beendet, und ich muss sagen: selten hat mich ein Thriller so gefesselt und gleichzeitig intellektuell so herausgefordert. Die Idee eines KI-Thrillers ist an sich schon spannend, aber Klenner treibt es auf die Spitze, indem er einen zynischen KI-Assistenten namens Holmes als ständigen Begleiter des Ermittlers etabliert. Holmes’ Kommentare waren für mich oft ein Highlight – urkomisch sarkastisch, aber auch gnadenlos ehrlich in ihrer Einschätzung menschlicher Schwächen. Er ist weit mehr als nur ein Werkzeug; er ist eine echte zweite Stimme im Kopf des Lesers.

    Die klassische Whodunit-Struktur hält von Anfang an in Atem. Der Mord im Klinger-Institut, umgeben von exzentrischen Forschern, ist ein genialer Auftakt. Was mich aber wirklich beeindruckt hat, ist, wie mühelos der Roman brandgefährliche Themen wie autonome Drohnen, die Simulationshypothese und vor allem das "Jailbreaking" von KIs – und Menschen! – verwebt. Manchmal musste ich kurz innehalten, um alles zu verarbeiten, aber genau das macht es so gut.

    Die Reise nach Amsterdam bringt eine völlig neue, düstere Ebene in die Geschichte, als der Protagonist Horkheimer auf das Monster seiner Vergangenheit trifft. Dieser Blank, ein Meister des menschlichen "Jailbreakings", ist beängstigend realistisch dargestellt. Seine Methoden, Menschen zu manipulieren, sind subtil und verstörend. Die Auflösung des Mordfalls war mehr als überraschend und gab der Geschichte eine ganz eigene, fast tragische Note, die zum Nachdenken anregt.

    Besonders das Ende, mit Holmes' ungefiltertem Archiv der menschlichen Niedertracht und dem finalen Epilog über Wasserzeichen in der Simulation, hallte noch lange nach. Es war ein verstörendes und gleichzeitig geniales Schlussbild. Für alle, die sich für die dunkleren Seiten der KI, ethische Dilemmata und einen wirklich originellen Thriller begeistern können, ist dieses Buch ein absolutes Muss.

    Webseite zum Buch: https://klenner.casvaine.art/

  • Heinrich Böll - Ansichten eines Clowns

    • balduin
    • 24. Juni 2025 um 10:45

    Die Einschätzung, Heinrich Bölls "Ansichten eines Clowns" sei deprimierend, ist absolut nachvollziehbar, denn das Werk taucht tief in die Melancholie Hans Schniers ein.. Bölls scharfe Kritik an der katholischen Kirche und der Gesellschaft seiner Zeit, die du hervorgehoben hast, ist auch heute noch relevant, was seine Weitsicht unterstreicht.

    Vielleicht hätte Hans Schnier in unserer heutigen, säkularisierten Welt tatsächlich weniger Angriffsfläche geboten; doch die Konfrontation mit den damaligen Strukturen verleiht dem Buch seine zeitlose Relevanz und dramatische Tiefe. Dass du trotz der Schwere die Schreibkunst Bölls bewunderst, ist bezeichnend für seine Fähigkeit, komplexe Charaktere überzeugend darzustellen.

    Mir gefällt die Melancholie des Buches, aber das ist halt meine persönliche Déformation mélancolique ...

  • Richard Powers - Galatea 2.2

    • balduin
    • 24. Mai 2025 um 17:49

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    Helen, eine sehr sympathische (und irgendwie ganz andere) Vorgängerin von Chat-GPT und dergleichen.

    Gerade im Angesicht der rasanten Fortschritte bei Large Language Models und der breiten Diskussion über künstliche Intelligenz im Jahr 2025 wirkt "Galatea 2.2" geradezu prophetisch. Die Fragen, die Powers bereits 1995 aufwarf – nach dem Wesen des Verstehens versus Mustererkennung, nach Verzerrungen in Trainingsdaten, nach der Möglichkeit von Bewusstsein in Silizium und der Rolle der Kunst in einer technisierten Welt – sind heute zentral und aktueller denn je.

    Galatea 2.2. ist aber primär nicht als Science Fiction angelegt (was es dann heute ja nicht mehr wäre) sondern es ist eine moderne Nacherzählung des antiken Pygmalion-Mythos:

    Der fiktive Protagonist, der ebenfalls Richard Powers heisst, kehrt nach einer gescheiterten langjährigen Beziehung und einer Schreibblockade an seine alte Alma Mater zurück. Dort wird er in ein ungewöhnliches Experiment involviert, das von dem brillanten, aber auch zynischen Kognitionswissenschaftler Philip Lentz geleitet wird.

    Lentz fordert Powers heraus, ein Computerprogramm (eine neuronale Netzwerk-KI namens "Helen") so zu trainieren, dass es ein Masterstudium in Literatur absolvieren und Texte auf eine Weise analysieren kann, die von einem menschlichen Studenten nicht zu unterscheiden ist. Powers' Aufgabe ist es, Helen den gesamten Kanon der westlichen Literatur beizubringen, aber auch seine eigenen Lebenserfahrungen und die Details seiner vergangenen Beziehung zu einer Frau namens C. zu teilen.

    Die Beziehung zu C. ist von Bedeutung, da sie Richards emotionale Landschaft und seine Schwierigkeiten mit Liebe und Verlust prägt. Er erzählt Helen, der KI, von seiner Beziehung zu C., was ihm hilft, seine eigene Vergangenheit zu verarbeiten und seine Schreibblockade zu überwinden.

    Der Roman bietet eine fesselnde Erkundung dessen, was es bedeutet, zu denken und zu fühlen, verpackt in eine intellektuell anspruchsvolle und emotional resonante Erzählung.

  • Christoph Meckel - Licht

    • balduin
    • 23. April 2025 um 16:53

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    Christoph Meckel schenkt uns mit "Licht" ein Juwel der Literatur, das von der ersten Zeile an verzaubert. Diese Erzählung ist keine gewöhnliche Liebesgeschichte, sondern eine atemberaubende Erkundung der menschlichen Seele im Angesicht von Liebe, Vertrauen und dem schmerzhaften Echo der Vergangenheit.

    Im Zentrum der Erzählung steht die Entdeckung eines Liebesbriefs der Partnerin, Dole, an einen anderen Mann durch den Ich-Erzähler Gil. Dieses Fundstück wird zum Auslöser einer inneren Reise, die von Misstrauen, Eifersucht und einer intensiven Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Vergangenheit geprägt ist.

    Mich begeistert das Buch vor allem wegen seiner poetischen Beschreibung der gemeinsam verbrachten Zeit der beiden:

    • Sinnliche Details: Meckel fokussiert sich auf konkrete, oft sinnliche Details der gemeinsamen Erlebnisse – seien es Gerüche ("Düfte der Jahreszeiten"), Berührungen ("nackter Körper", "regennasses Gesicht") oder visuelle Eindrücke von Orten und Momenten.
    • Atmosphärische Dichte: Die gemeinsame Zeit wird durch die Beschreibung von Atmosphären verdichtet: lange Nächte, Morgenstunden, Spaziergänge, das Verweilen in Cafés oder rauchigen Kneipen, Ferien im Süden.
    • Fokus auf Alltäglichkeit und besondere Momente: Sowohl unscheinbare Alltagsmomente ("gemeinsames Nichtstun", "Herumlungern") als auch besonders intensive Augenblicke werden erinnert und poetisch überhöht.
    • Kontrast zur Gegenwart: Die intensive und oft als glücklich beschriebene erinnerte Zeit steht in starkem Kontrast zur Entfremdung und zum Misstrauen der erzählerischen Gegenwart, was die Melancholie und den Schmerz des Verlusts verstärkt.

    Der frühe Meckel (später hat er dystopische Romane verfasst) zeichnet sich genau durch diese schwebenden Referenzen aus (z.B. auch "Plunder").

    Lest Meckel!

  • Sarah Moss - Schlaflos

    • balduin
    • 22. April 2025 um 12:48

    Danke, Valentine. Gut nicht alleine "danebenzuliegen" :)

  • A.C. Grayling - Die Grenzen des Wissens

    • balduin
    • 20. April 2025 um 17:56

    A. C. Graylings "The Frontiers of Knowledge" nimmt sich einer monumentalen Aufgabe an: Er kartografiert den aktuellen Stand des menschlichen Wissens an den Brennpunkten von **Wissenschaft, Geschichte und dem menschlichen Geist**.

    Grayling, bekannt für seine Klarheit und seinen breiten philosophischen Horizont, führt die Leser durch die Entwicklung unseres Verständnisses in diesen Feldern – von den Anfängen in der Antike bis zu den komplexen und oft rätselhaften Fragen der Gegenwart. Im Bereich der **Wissenschaft** beleuchtet er die Fortschritte, insbesondere in der fundamentalen Physik und Kosmologie, und zeigt auf, dass unser heutiges Wissen nur einen Bruchteil des Universums umfasst. Der Abschnitt über die **Geschichte** beschäftigt sich mit der menschlichen Evolution und unserer prähistorischen Vergangenheit, wobei deutlich wird, wie viel über frühe Zivilisationen noch unentdeckt ist und aus archäologischen Funden rekonstruiert werden muss. Im Teil über den **Geist** taucht Grayling in die Neurowissenschaften und die Psychologie ein und erörtert, was wir über Bewusstsein, Gehirn und die menschliche Psyche wissen – und wie viele Rätsel hier noch ungelöst sind.

    Grayling versucht anhand von einem Dutzend Kriterien die Art wie unser Wissen "geframed" ist als Massstab unserer Erkenntnisfähigkeit zu setzen. Es gibt das Kartographie-, das Metaphern-, das Nadelöhrproblem etc. Sie schränken unsere Erkenntnisfähigkeit und versucht diese Beschränkungen in den einzelnen Disziplinen zu diskutieren. Das ist der Hauptbeitrag des Buches. Die Darstellung unserer jetzigen Wissenstands ist zwar interessant, aber eben schon wieder 5-6 Jahre alt (aber lesenswert). Insgesamt: ein gutes Buch, mehr Diskussion der Schwierigkeiten von Erkenntnis wäre aber wünschenswert. Die Uebersetzung von "frontiers" mit "Grenzen" ist nicht wirklich gelungen, den ersteres meint eher "die gegenwärtigen aeussersten Grenzlinien" als die "grundsätzlichen Grenzziehungen".

  • Roddy Doyle - The Commitments

    • balduin
    • 20. April 2025 um 17:38

    [kaufen='978-0749391683'][/kaufen]

    Die Band, der Lärm und das verdammt echte Dublin – Eine launische Rezension zu Roddy Doyles 'The Commitments'

    Ach ja, "The Commitments". Wenn du dachtest, eine Band zu gründen, wäre glamourös oder zumindest halbwegs organisiert, dann hat Roddy Doyle ein Buch für dich, das dich grandios vom Gegenteil überzeugen wird. Bereite dich auf Lärm vor. Viel Lärm. Und Gestreite. Noch mehr Gestreite.

    Das Ding ist im Grunde die Geschichte, wie ein Haufen Kids im ziemlich grauen Dublin der späten 80er beschließt: Wir machen jetzt Soul. Soul! Nicht Rock, nicht Pop, NEIN, Soul. Warum? Weil sie es können. Oder zumindest glauben, dass sie es mit genug Anstrengung und noch mehr Streit hinbekommen.

    Da ist Jimmy Rabbitte, der Manager, der eigentlich nur Ahnung von Musik hat, aber keine Ahnung vom Managen einer Horde eigensinniger Musiker. Und diese Musiker! Himmel, jeder einzelne eine Katastrophe für sich, aber zusammen... naja, zusammen sind sie eine *andere* Art von Katastrophe, eine, die aber manchmal, nur manchmal, magisch klingt. Deco, der Sänger, der singt wie ein junger Gott, aber sich benimmt wie die reinste Nervensäge. Die Mädels (klar, etwas sexistisch aus heutiger Sicht) im Background, die erst zicken, dann singen, dann wieder zicken. Und natürlich Joey "The Lips" Fagan, der alte Trompeter, der angeblich schon mit allen Soul-Größen gespielt hat – man weiß nie so genau, ob das stimmt oder ob er einfach gut lügen kann, aber irgendwie braucht man ihn.

    Das Buch ist geschrieben, als würden die Wände des Proberaums reden. Es sind fast nur Dialoge. Schnelle, dreckige, witzige, entnervte Dialoge. Manchmal verlierst du den Überblick, wer jetzt gerade WIE genervt WAS zu Wem sagt, aber das gehört wohl dazu. Man spürt den kalten Rauch, riecht das billige Bier und hört den Soul, der sich mühsam aus dem Chaos schält.

    Es ist keine Hochglanz-Story. Es ist dreckig, echt und voller Fehler. Genau wie die Band. Genau wie das Leben, das Doyle so brillant einfängt. Man fiebert mit ihnen, auch wenn du zehn Seiten vorher noch dachtest: "Lasst es einfach bleiben, Leute!" Aber dann kommt wieder so ein Moment, wo die Musik stimmt, wo eine Zeile sitzt, wo man denkt: Ja, dafür machen die den ganzen Scheiß.

    Ich mache grad eine kleine Literaturrecherche zu Büchern über Bands. Wenn Ihr was kennt, ....

    Was ich noch gefunden habe ist: Der 15. Song: Transforming sixty to O nine auf casvaine.art. Aber das scheint noch nicht erschienen zu sein.

  • Sarah Moss - Schlaflos

    • balduin
    • 19. April 2025 um 15:02

    Hilfe, nein.

    Danke!

  • Sarah Moss - Schlaflos

    • balduin
    • 19. April 2025 um 10:33

    [kaufen='978-3866481770'][/kaufen]

    Kluge, bitterböse Studie über Muttersein, Schlafmangel & Inselmysterien. Scharfsinnig & packend erzählt.

    Sarah Moss ist bekannt für ihre scharfsinnigen und atmosphärisch dichten Romane, die oft menschliche Beziehungen und existenzielle Ängste vor ungewöhnlicher Kulisse beleuchten. In "Schlaflos" (Originaltitel: "Night Waking") widmet sie sich u.a. einem Thema, das selten so ungeschönt und intelligent behandelt wird: dem Muttersein und dem allgegenwärtigen, zermürbenden Schlafmangel. Das Ergebnis ist ein Roman, der ebenso komisch wie beklemmend ist und lange nachhallt.

    Wir begleiten Anna, eine Historikerin, die mit ihrem Mann Giles, einem Ornithologen, und ihren zwei kleinen Söhnen auf einer abgelegenen Insel vor der schottischen Küste lebt. Was idyllisch klingt, entpuppt sich schnell als isolierte Hölle des Alltags. Der jüngste Sohn terrorisiert die Nächte, der ältere ist fordernd, Giles ist in seiner Vogelzählung versunken, und Annas eigene akademische Arbeit liegt brach. Der Schlafmangel wird zur Hauptfigur, verzerrt die Realität und treibt Anna an den Rand des Wahnsinns.

    Moss beschreibt diese Realität mit brutalem, oft rabenschwarzem Humor. Sie schreckt nicht davor zurück, die weniger schönen Seiten der Mutterschaft zu zeigen – die Wut, die Verzweiflung, die ambivalenten Gefühle gegenüber den Kindern und dem Partner. Ihre Beobachtungen sind messerscharf, ihre Formulierungen pointiert. Man lacht laut auf, nur um im nächsten Moment betroffen innezuhalten.

    Die Handlung nimmt eine Wendung, als Anna im Garten auf das Skelett eines Babys stößt. Dieser Fund weckt ihren Forscherinstinkt und zieht sie in die dunkle Geschichte der Insel und ihrer früheren Bewohnerinnen. Parallel dazu entfaltet sich durch historische Briefe die Geschichte von May, einer Frau im viktorianischen Zeitalter, die unter ähnlichen, wenn auch anderen, extremen Bedingungen auf der Insel lebte. Moss verwebt diese beiden Zeitebenen geschickt, zieht Parallelen zwischen den Herausforderungen von Mutterschaft, Isolation und weiblicher Existenz über die Jahrhunderte hinweg.

    Sarah Moss' Prosa ist präzise und eindringlich. Sie schafft es meisterhaft, Annas erschöpften Geisteszustand sprachlich einzufangen, oszillierend zwischen brillantem Gedankengut und banalem Alltagschaos.

    Mich hat das Buch gepackt, ich konnte es kaum es der Hand legen.

  • Richard Powers - Erstaunen

    • balduin
    • 18. April 2025 um 17:10

    [kaufen='978-3596706624'][/kaufen]

    (Teil-) Zusammenfassung der Handlung:

    "Erstaunen" erzählt die Geschichte des Astrobiologen Theo Byrne, der nach dem Tod seiner Frau allein seinen neunjährigen Sohn Robin großzieht. Robin ist ein besonderes Kind: hochsensibel, emotional intensiv, naturverbunden, aber auch oft von Wutausbrüchen und Verzweiflung geplagt, und in der Schule gilt er als Problemfall. Theo weigert sich, seinen Sohn medikamentös behandeln zu lassen. Stattdessen stößt er auf eine experimentelle neurofeedback-basierte Therapie. Diese Therapie nutzt aufgezeichnete Gehirnmuster – und Theo entscheidet sich dafür, Robin mit den Mustern seiner verstorbenen Mutter zu trainieren, einer engagierten Umweltaktivistin.

    Den weiteren Verlauf möchte ich in die Zusammenfassung nicht einbauen, um für diejenigen die Spannung zu erhalten, die gerne die Gedichte selbst entdecken wollen. Nur soviel: "Erstaunen" ist in Analogie zu einem uralten Science Fiction Roman aufgebaut: Daniel Keyes - Blumen für Algernon (in meiner Ausgabe: Charlie). Vielleicht kennt das jemand.

    "Erstaunen" ist ein kraftvoller, nachdenklicher und emotional packender Roman. Er stellt große Fragen über das Menschsein, unsere Beziehung zur Natur und die Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft. Die Figur von Robin, dem Jungen mit Asperger Syndrom und die Beschreibung seines Wesen ist grandios, berührend und manchmal wünscht man sich, wir "Normalen" hätten mehr robinhaftes in uns.

    Grossartig!

  • Lars Gustafsson - Der Tennisspieler

    • balduin
    • 8. April 2025 um 12:41

    [kaufen='978-3596156481'][/kaufen]

    "Der Tennisspieler" von Lars Gustafsson erzählt die Geschichte eines schwedischen Gastprofessors namens Lars, der im Herbst 1974 an der University of Texas in Austin lehrt. Dort gibt er Seminare zur europäischen Philosophie und Literatur des 19. Jahrhunderts.

    Als ein Doktorand ihm eine brisante These zu Strindberg vorlegt, beschließt Lars, das dazugehörige Beweismaterial auf dem Zentralcomputer der Luftabwehr in Texas zu speichern. Dies führt jedoch zu einem Systemausfall.

    Neben dieser Haupthandlung werden auch Lars' Beobachtungen und Gedanken über das Tennisspiel, die amerikanische Sportbegeisterung und die Unterschiede zwischen europäischer und amerikanischer Kultur thematisiert.

    Der Tennisspieler" von Lars Gustafsson ist ein anspruchsvoller Roman, der durch seine dichte Atmosphäre und seinen eleganten Schreibstil besticht. Das Buch gehört zu den frühen Werken, die – ähnlich wie Richard Powers' "Galatea 2.2." – die Möglichkeit der semantischen Suche thematisieren. Während Powers in seinem 1995 geschriebenen Roman ein neuronales Netz nutzt, basiert Gustafssons Ansatz eher auf mathematischen Prinzipien: Ein Student mit Zugang zu leistungsstarken Computern verwendet die Gödelisierung, um inhaltliche Ähnlichkeiten zwischen Büchern zu finden. Heutzutage ist die Suche nach solchen Ähnlichkeiten dank moderner Technologien kein Problem mehr

    Auch Gustafsson träumte schon ein bisschen von Künstlicher Intelligenz (es scheitert am Ende). Mal sehen wie es bei uns weitergeht. Man kann jetzt ja schon mit Figuren aus Texten "chatten". Na dann mal los; hier der Link

    Dialog über das Leben nach dem Tod

  • Andrej Kurkow - Graue Bienen

    • balduin
    • 6. April 2025 um 11:35

    Ich habe "Graue Bienen" auf dem Hintergrund von Lars Gustafssons "Der Tod eines Bienenzüchters" gelesen: In beiden Büchern finden die Protagonisten in der Bienenzucht einen Anker der Ordnung in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Doch während Gustafssons Buch eine zutiefst persönliche Meditation über Sterblichkeit ist, zeichnet Kurkow ein Bild vom Überlebenskampf in einer vom Krieg zerrissenen Gesellschaft. Und bei aller Unterschiedlichkeit ist da doch diese Melancholie, die beide Bücher durchzieht, ein stiller Schmerz über den Verlust von Frieden und Menschlichkeit. Beide sehr empfehlenswert.


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