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Man merkt, Dan Jones mag seinen Henry V, weil er im Vorwort erzählt, dass er den bislang ausgelassen hat, zwischen Büchern über die Plantagenet und die Rosenkriege. Nun, meinte er, wäre die Zeit reif gewesen, seinem Lieblings-König eine zeitgenössische Biographie zu widmen.
Es ist extrem lobenswert, dass Jones nicht erst beim König Henry V ansetzt, sondern beim Herzogssohn Henry of Lancaster, denn es ist stark anzunehmen, dass es genau diese Erfahrungen, vollendet durch die Lehrjahre als Kronprinz unter Vater Henry IV waren, die ihn geprägt und zu dem König gemacht haben, der er war. Warum muss ich das annehmen, wo ich gerade eine Biographie gelesen habe? Das ist ein bisschen das Problem hier.
Das Buch ist extrem lesbar geschrieben, wobei es natürlich hilft, dass Henrys V Leben jede Romanautorin vor Neid erblassen lässt. Es ist auch gespickt mit Fuß- und Endnoten, wobei ich kritisch anmerken muss, dass zumindest in meiner Paperbackausgabe erstere so winzig markiert waren, dass ich sie zwar immer brav mitgelesen habe, aber nicht immer das Pünktchen finden konnte, zu dem sie gehörten. Dafür kann Jones natürlich nichts. Formal habe ich auch einen Stammbaum hier schmerzlich vermisst und ich kenne meine Lancasters & Co zwar, aber das wäre kein Fehler gewesen, dafür haben wir praktische Karten.
Die enorme Lesbarkeit ist Fluch und Segen gleichzeitig, denn es lässt das Buch ein bisschen oberflächlich erscheinen. Wie war nun das Verhältnis von Henry junior und senior oder gar junior und Richard II? War das wirklich so unproblematisch, dass Henry V seine Stiefmutter kurzerhand der Hexerei beschuldigt hat, weil er Geldsorgen hatte? "Sie hatte Luxushaft und nette Abendessen." Na dann! Und was hatte England letzten Endes von all dem? Die Endbewertung fand ich da ein bisschen enttäuschend. "Manche sagen so, manche so". Klar, man spürt im Text die Bewunderung und die Vielschichtigkeit Henrys, aber ich hätte mir da schon ein bisschen mehr erwartet, so wie Jones diese Biographie eingangs ("jetzt bin ich bereit") ankündigt.
Am Ende bleibt ein sehr lesbares Buch eines spannenden, aber nicht unproblematischen Mannes, der vielleicht doch noch ein bisschen länger auf DIE zeitgenönissche neue Biographie warten muss. All das klingt fieser, als es gemeint ist, ehrlich Jones, denn ich hatte Freude an dem Buch.
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