Die Anwältin der Toten
Die Totenklägerin – Nichts ist vergessen, von Greta Jung, 352 S., Lübbe-Verlag
Ein atmosphärischer Spannungsroman.
Mathilda ist Trauerrednerin und auch Anwältin, sie ist bekannt dafür, dass sie für die Toten einsteht und bei Bedarf in ihren Reden auch unangenehme Dinge anzuspricht. Sie fühlt sich als Anwältin, den Toten verpflichtet. Eines Tages wird sie von der 12jährigen Jackie engagiert, diese vermutet, dass Oma Resi getötet wurde. Bald bemerkt Mathilda, dass beim Ableben der alten Dame so einiges nicht stimmt. Zusammen mit Jackie beginnt sie zu recherchieren. Je näher sie der Wahrheit kommen, desto mehr Abgründe tun sich auf.
Das Buch teilt sich in 30 übersichtliche Kapitel in angenehmer Leselänge und ist aus der Sicht unterschiedlicher Figuren geschrieben, je nachdem kann der Leser die Ansichten von Jackie oder auch Mathilde, direkt verfolgen. Der Plot ist sehr spannend, flüssig und auch emotional. Wichtige Themen, die mich auch sehr beschäftigen werden angesprochen, das Leben in einem Altenheim, Sterbehilfe, Leben auf dem Land, Leben in einem Gebiet nahe der Grenze, Kinderarmut, diese Themen hat die Autorin sehr sensibel behandelt finde ich. Im Anschluss findet sich auch eine kurze Zusammenfassung zum Thema Sterbehilfe. Obwohl ich sonst auf die Haptik eines Buches bei der Rezension nicht eingehe, möchte ich feststellen, dass ich während der Lektüre immer wieder mit den Fingerspitzen die raue Oberfläche des stilisierten Engels auf der Vorderseite ertastet habe, das hat mir richtig gut gefallen, es fühlt sich tatsächlich wie eine Statue aus Stein an.
Interessant wie Mathilda bei ihrer Suche nach der Wahrheit, immer tiefer in die Familiengeschichte von Oma Resi eintaucht, nebenbei erfährt der Leser auch einiges über die Vergangenheit von Mathilda. Dieses Buch ist atmosphärisch sehr dicht. Es sind so viele interessanten Themen die angesprochen und behandelt werden. Außerdem finde ich die Idee – eine Trauerrednerin die auch ermittelt etwas Besonderes. Das ist mir noch nie in meiner Lektüre begegnet, deshalb hoffe ich, dass es von Mathilde, gemeinsam mit ihrer kleinen klugen jungen Freundin Jackie noch ein paar Fälle zu erlesen gibt.
Die meisten Figuren im Buch haben eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Selbst Nebenfiguren, Malika und deren Bruder. Lazlo und Udo. Ich hoffe, dass es da in eventuell weiteren Bänden noch mehr zu erzählen gibt. Natürlich Oma Resi und ihre Töchter, besonders die Familie von Irmgard, das Glashüttenimperium, alles so spannend und interessant. Nicht zuletzt natürlich die Protagonistin Mathilde und die Erzählung über ihre Jugend zusammen mit ihrer Mutter, im Laufe des Buches kommt immer mehr davon zutage. Es hat mich förmlich mitgerissen, mehr zu erfahren. Meine Lieblingsfigur war jedoch Jackie, so ein tolles Mädchen, voller Witz und Lebensklugheit und blitzgescheit, schon allein, weil ich wissen möchte wie es mit ihr weitergeht, wünsche ich mir eine Fortsetzung.
Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, es war spannend, ich habe mitgefühlt und auch mitgerätselt, habe gelacht und hatte Tränen in den Augen. Ich fand das Buch absolut gelungen und hätte sehr gerne eine Fortsetzung. Wer gerne Krimis liest, in denen es eine gute und schlüssige Handlung ohne unnötige Brutalität gibt, der sollte hier zugreifen. 5 Sterne
Kaufen* bei
Amazon
Bücher.de
Buch24.de
* Werbe/Affiliate-Links