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Beiträge von Ele95

  • Greta Jung - Die Totenklägerin: Nichts ist vergessen

    • Ele95
    • 23. Februar 2026 um 18:05

    Die Anwältin der Toten

    Die Totenklägerin – Nichts ist vergessen, von Greta Jung, 352 S., Lübbe-Verlag

    Ein atmosphärischer Spannungsroman.

    Mathilda ist Trauerrednerin und auch Anwältin, sie ist bekannt dafür, dass sie für die Toten einsteht und bei Bedarf in ihren Reden auch unangenehme Dinge anzuspricht. Sie fühlt sich als Anwältin, den Toten verpflichtet. Eines Tages wird sie von der 12jährigen Jackie engagiert, diese vermutet, dass Oma Resi getötet wurde. Bald bemerkt Mathilda, dass beim Ableben der alten Dame so einiges nicht stimmt. Zusammen mit Jackie beginnt sie zu recherchieren. Je näher sie der Wahrheit kommen, desto mehr Abgründe tun sich auf.

    Das Buch teilt sich in 30 übersichtliche Kapitel in angenehmer Leselänge und ist aus der Sicht unterschiedlicher Figuren geschrieben, je nachdem kann der Leser die Ansichten von Jackie oder auch Mathilde, direkt verfolgen. Der Plot ist sehr spannend, flüssig und auch emotional. Wichtige Themen, die mich auch sehr beschäftigen werden angesprochen, das Leben in einem Altenheim, Sterbehilfe, Leben auf dem Land, Leben in einem Gebiet nahe der Grenze, Kinderarmut, diese Themen hat die Autorin sehr sensibel behandelt finde ich. Im Anschluss findet sich auch eine kurze Zusammenfassung zum Thema Sterbehilfe. Obwohl ich sonst auf die Haptik eines Buches bei der Rezension nicht eingehe, möchte ich feststellen, dass ich während der Lektüre immer wieder mit den Fingerspitzen die raue Oberfläche des stilisierten Engels auf der Vorderseite ertastet habe, das hat mir richtig gut gefallen, es fühlt sich tatsächlich wie eine Statue aus Stein an.

    Interessant wie Mathilda bei ihrer Suche nach der Wahrheit, immer tiefer in die Familiengeschichte von Oma Resi eintaucht, nebenbei erfährt der Leser auch einiges über die Vergangenheit von Mathilda. Dieses Buch ist atmosphärisch sehr dicht. Es sind so viele interessanten Themen die angesprochen und behandelt werden. Außerdem finde ich die Idee – eine Trauerrednerin die auch ermittelt etwas Besonderes. Das ist mir noch nie in meiner Lektüre begegnet, deshalb hoffe ich, dass es von Mathilde, gemeinsam mit ihrer kleinen klugen jungen Freundin Jackie noch ein paar Fälle zu erlesen gibt.

    Die meisten Figuren im Buch haben eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Selbst Nebenfiguren, Malika und deren Bruder. Lazlo und Udo. Ich hoffe, dass es da in eventuell weiteren Bänden noch mehr zu erzählen gibt. Natürlich Oma Resi und ihre Töchter, besonders die Familie von Irmgard, das Glashüttenimperium, alles so spannend und interessant. Nicht zuletzt natürlich die Protagonistin Mathilde und die Erzählung über ihre Jugend zusammen mit ihrer Mutter, im Laufe des Buches kommt immer mehr davon zutage. Es hat mich förmlich mitgerissen, mehr zu erfahren. Meine Lieblingsfigur war jedoch Jackie, so ein tolles Mädchen, voller Witz und Lebensklugheit und blitzgescheit, schon allein, weil ich wissen möchte wie es mit ihr weitergeht, wünsche ich mir eine Fortsetzung.

    Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, es war spannend, ich habe mitgefühlt und auch mitgerätselt, habe gelacht und hatte Tränen in den Augen. Ich fand das Buch absolut gelungen und hätte sehr gerne eine Fortsetzung. Wer gerne Krimis liest, in denen es eine gute und schlüssige Handlung ohne unnötige Brutalität gibt, der sollte hier zugreifen. 5 Sterne

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  • Lenz Koppelstätter - Am Hang des Todes

    • Ele95
    • 15. Februar 2026 um 18:07

    Auge um Auge

    Am Hang des Todes, Krimi von Lenz Koppelstätter, 240 Seiten, Kiepenheuer & Witsch

    Commissario Grauner ermittelt, sein 11. Fall

    Commissario Grauner, war mit seiner Frau Alba auf Weltreise und er kommt ganz verändert zurück, gelassener und entspannter. Währenddessen hat seine Tochter Sara die Alm zu einem Urlaubsresort umbauen lassen. Doch kaum zuhause, überschlagen sich die Ereignisse. Bei einem Weltcup-Skirennen im Grödnertal, kommt der Lokalmatador zu Tode. Doch nicht durch einen unglücklichen Sturz. Nein, es wurde auf ihn geschossen. Grauner, Saltapepe und Tappeiner stürzen sich in die Ermittlungen.

    Die im auktorialen Erzählstil geschriebene Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum vom 16.12., bis zum 19.12. Die einzelnen Tage sind mit einer Zeitangabe versehen und in Kapitel unterteilt, was mir sehr dabei geholfen hat, den Überblick zu behalten. Ein wortgewaltiger Krimi in einer mittunter düsteren Sprache, Buchtitel, Eigennamen und besondere Textstellen erscheinen kursiv gedruckt. Viele Dialoge – auch in italienischem Wortlaut, machen die Erzählung äußerst lebendig, Grauner flucht gerne italienisch. Am Anfang des Buches sind Karten und Links angegeben, mit denen man das Kartenmaterial auch auf der Homepage des Verlages finden kann. Flüssig und sehr bildhaft geschrieben, das befeuert die Lesegeschwindigkeit. die Landschaft prägt den Charakter der handelnden Figuren. Jede der Personen ist mir schon lange vertraut und doch entwickeln sie sich weiter, zeigen immer wieder Seiten die ich an ihnen noch nicht kenne. Der Plot hat mich von der ersten Zeile an gepackt, ich wollte nur noch wissen wie es weitergeht. Perspektivenwechsel, ungeahnte Wendungen und ein verblüffendes Ende, machen die Südtirol-Krimis für mich zu einem Highlight. Ganz kurz kam mir zur Lösung ein Anfangsverdacht, der sich am Ende als richtig herausstellte. Doch der Autor hat es tatsächlich geschafft, dass ich zuerst gründlich davon abgekommen bin.

    Die Figuren sind so lebensecht, ich habe den Verdacht, dass es heimliche Bekannte des Autors sein könnten. Grauner z.B. vermag es auch im 11. Band noch mich zu verblüffen, die Weltreise mit seiner Alba hat ihn so verändert, zum Besseren, sehr sympathisch finde ich. Saltapepe überrascht mich auch in jeder Folge wieder, er ist ein Südtiroler geworden, so gut es nur für einen Neapolitaner möglich ist. Ein toller Ermittler ist er schon länger und auch Tappeiner war erneut kompetent und tough. Was für eine tolle Truppe, selbst Staatsanwalt Belli hat sich zu seinem Vorteil entpuppt. Und wieder sieht es aus, als ob es der letzte Fall für Grauner gewesen sein könnte, ich hoffe es nicht. Und wenn, dann wäre es schön wenn Saltapepe/Tappeiner in seinem Sinne weitermachen würden. Ohne die Krimis aus Südtirol, die mich immer wieder an Urlaubsorte/-Plätze erinnern, würde mir etwas fehlen. Dieses Mal war es der Langkofel, mir so vertraut, ich habe es genossen.

    Der Fall war tragisch, emotional wie alle Koppelstätter-Krimis und es könnte ganz genau so passiert sein. Authentisch und glaubhaft. Die Lektüre rundherum eine Freude. Und wieder habe ich das Gefühl, es könnte der beste Band aus der Reihe gewesen sein. Dafür von mir 5 Sterne. Eine Empfehlung an alle, die spannende, nachvollziehbare Krimis mit Lokalkolorit mögen. Obwohl die Bände auch einzeln gelesen werden könnten. Meine Empfehlung - ganz von vorne beginnen.

  • Dita Zipfel - Es ist hell und draußen dreht sich die Welt

    • Ele95
    • 13. Februar 2026 um 17:10

    Ein Nashorn am Strand

    Es ist hell und draußen dreht sich die Welt, Roman von Dita Zipfel, 219 Seiten, Insel-Verlag.

    Starker Anfang driftet ins Skurrile ab.

    Zwei Paare machen gemeinsam Urlaub in einem noblen Ferienhaus in Südfrankreich. Felix und Eva mit ihren beiden Kindern und Linn und Matze, die ungewollt kinderlos sind. Während Felix viel Geld besitzt und dies auf protzige Art und Weise zur Schau stellt, sind Matze und Linn großzügigerweise für ein paar Tage eingeladen worden. Matze macht die gönnerhafte Art von Felix wenig aus, er ist es schon seit Schulzeiten gewöhnt in seinem Schatten zu stehen. Doch Linn hat ihre Probleme damit, Auch Eva die mit Kindersegen geradezu überschüttet wird, kann Linn nur neidisch begegnen, denn sie befindet sich in einer wenig erfolgreichen Kinderwunschbehandlung. Dennoch nähern sich die beiden Frauen immer mehr an, bis der Urlaub zu einem Desaster zu werden beginnt.

    Die einzelnen Kapitel sind in idealer Leselänge, einige davon sind mit Wochentagen betitelt. Der Schreibstil war schwierig zu lesen. Kurze abgehackte Sätze, umgangssprachliche Ausdrücke, und die Art wie Felix mit Linn spricht: „Hey Alter, …“ haben mich völlig irritiert, Phrasen in Englisch und Französisch sind nicht übersetzt. In einem Chat, tauchen viele med. Fachbegriffe und Abkürzungen auf, die nicht näher erklärt werden. Die Handlung wird jeweils aus der Sicht der beiden Frauen erzählt. Der Perspektivenwechsel war sehr abrupt und hat mich immer wieder irritiert.

    Am Anfang hat mich die Story amüsiert bzw. fand ich sie unterhaltsam. Sehr spannend fand ich die Beziehung zwischen den beiden Frauen, die sich gegenseitig bewunderten und keine der beiden dies ahnt. Ganz viele Emotionen, die Gefühle einer Mutter bzw. einer Frau die Probleme hat Mutter zu werden, haben mich tief berührt. Mir hat gefallen, dass sich die beiden immer mehr angenähert haben, von einer Freundschaft jedoch noch weit entfernt, deshalb kann ich das Angebot, welches Eva macht in keiner Weise nachvollziehen. Linn ist eine schwierige Person, sie handelt immer wieder auf eine seltsame nicht nachvollziehbare Art, schießt in ihren Handlungen und Reaktionen über das Ziel hinaus. Die unangenehmste Figur jedoch war Felix, dieser dekadente Selfmademan, der gern den „Big Spender“ gibt, sein Leitmotiv: „Geht nicht – gibt’s nicht, hat mich genervt, besonders wenn er mit Geldbündeln wedelt. Ein reicher Angeber der mit seinem Lebensstil die Welt in den Abgrund stürzt, ob seines riesigen CO2 -Abdrucks, den er hinterlässt und versucht sein Gewissen mit Greenwashing zu beruhigen. Matze war meine Lieblingsfigur, ruhig und besonnen, zu Linn und ganz oft auch zu Felix. Die Figuren sind extrem charakterisiert, direkt schon überzeichnet.

    Ab dem Punkt als das Nashorn auftritt, driftet die Geschichte ins Unglaubliche ab, das offene Ende und weder die Handlung noch die Sprache konnten mich zufriedenstellen. Von mir leider nur 2 Sterne.

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  • Thomas Ziebula - Waldmann: Flucht in den Tod

    • Ele95
    • 3. Februar 2026 um 23:02

    Eine Chance für Waldmann


    Waldmann: Flucht in den Tod, Thriller von Thomas Ziebula, 447 Seiten, Ullstein-Verlag.

    Sie dachten sie sind in Sicherheit.

    Seit vor sieben Jahren auf einem Bazar in Lagos seine Frau spurlos verschwunden ist, ist Johannes Waldmann in einem psychischen Ausnahmezustand. Sein erster Fall nach seiner Rückkehr führt in gleich in die schlimmsten Abgründe, Menschenhandel und Zwangsprostitution. Ukrainische Flüchtlingsfrauen werden zur Prostitution gezwungen, ihnen werden Drogen verabreicht und sie werden misshandelt. Ein Lokalpolitiker wird ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Mit dabei ist die Journalistin Pia Luninger, die einen Artikel über die verschwundenen Ukrainerinnen schreiben will. Letztendlich mischt auch noch die mysteriöse Suse mit, die in einer Beziehung mit einem der Verbrecher steht und auch Kontakt zu den missbrauchten Frauen hat. Je tiefer Waldmann in den Fall verwickelt wird, desto mehr zieht er Vergleiche mit dem mysteriösen Verschwinden seiner Frau. Wird ihn das Trauma einholen?

    Ich mag die Krimis von Ziebula, er schreibt spannend, bildhaft und sehr flüssig. Schon zu Beginn war ich schnell in Lesefluss. Die Spannung steigert sich mit jeder Zeile. In zwei Tagen bin ich durch das Buch geflogen und wollte es einfach nicht mehr zur Seite legen. Das Schicksal der ukrainischen Frauen und auch die Ermittlungen haben mich so sehr gefesselt. Das Buch besteht aus vier Teilen, die in überschaubare Kapitel, die mit Titeln, Orts- und Zeitangaben versehen sind. An jeder Stelle im Buch ist so die Übersicht gewährleistet. Dazwischen, in einer anderen Schrift, der Chat bzw. die Liebesbriefe von Sofia und Danylo. So authentisch, dass es mich zutiefst berührt hat. Mich hat die Art fasziniert mit der der Autor die Figuren und das Setting beschrieben hat, schon auf dem Bazar ganz am Anfang des Buches ist es mir aufgefallen, das Gefühl: Ich bin mitten drin, auf dem Bazar dabei. Ziebula ist auch ein Meister darin, Figuren zu beschreiben charakterlich und auch im Erscheinungsbild, jede einzelne Figur hatte ich deutlich vor Augen. Es sind zum Teil wirklich skurrile Typen, der Zylindermann mit der Hyäne, Rasta-man oder Suse und natürlich der sympathische Ermittler Waldmann, mit seinen psychischen Eigenheiten, seinen ungewöhnlichen Ermittlungsansätzen und Methoden. Mitsamt seinem Psychotherapeuten, dem Pater und dessen interessanten Therapieansätzen.

    Das Thema ist brandaktuell, berührend und emotional. Die Spannung steigt von Kapitel zu Kapitel, Plottwists und ungeahnte Verwicklungen beleben die Story, das Ende habe ich mir ganz anders vorgestellt. Es war tatsächlich überraschend. Wird es wohl einen weiteren Fall mit Waldmann geben? Ich wäre dabei. Ich mag ihn.

    Eine aktuelle emotionale Story, interessante Figuren, ein spannender Plot, ich fühlte mich bestens unterhalten. Empfehlung für Krimi-Fans die das Außergewöhnliche und auch besondere Ermittler mögen und natürlich für alle Ziebula-Fans. Von mir 5 Sterne

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  • Péter Gárdos - Der Retter der Mütter

    • Ele95
    • 23. Januar 2026 um 20:48

    Kampf gegen Windmühlen

    Der Retter der Mütter, historischer Roman von Péter Gárdos, Ebook, Hoffmann & Campe-Verlag.

    20 Kapitel zum Teil mit Ortsangaben und Jahreszahlen.

    Ignaz Semmelweis (1818 – 1865), praktizierte als Gynäkologe und Geburtshelfer in der 1. Geburtshilflichen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien. Dort starben viele Mütter nach der Entbindung an Kindbettfieber. Semmelweis hat sich zur Aufgabe gemacht, die Gründe für diese schreckliche todbringende Krankheit zu suchen. Erst als ein befreundeter Arzt sich bei einer Obduktion in den Finger schneidet und letztendlich an den gleichen Symptomen, wie die betroffenen Mütter stirbt, ahnt er, dass hier ein Zusammenhang bestehen muss. Er vermutet Leichengift, denn das Wissen um Bakterien gab es noch nicht. Erschreckend wird ihm bewusst, dass die Ärzte selbst mit ihren eigenen Händen den Tod zu den Müttern bringen. Er veranlasst sofortige Desinfektion mit Chlorkalklösung. Doch neidische und missgünstige Kollegen zweifeln seine Theorien an. Die unangenehmen Waschungen setzen sich nicht durch, obwohl doch diese Hygienemaßnahmen für sich sprechen. Über dieses Anrennen gegen Windmühlen, und die Selbstverherrlichung vieler Kollegen, verliert Semmelweis schließlich den Verstand. Diesem Umstand ist auch sein nicht genau geklärter, früher Tod zuzuschreiben. Erst posthum wurde ihm die Würdigung und Anerkennung seiner Theorie zuteil, er gilt heute als Pionier der antiseptischen Medizin und wird verdient als „Retter der Mütter“ bezeichnet.

    Ich fand dieses Buch sehr fesselnd. Medizingeschichte kann mich immer begeistern. Anfangs fand ich Semmelweis sympathisch und strebsam, leider konnte er sich nicht durchsetzen. Seine Theorie konnte er einfach nicht überzeugend darlegen. Die Überheblichkeit der Ärzte, weil sie eine andere Meinung nicht akzeptieren können, die ihrer eigenen Überzeugung widerspricht, dass sie die Schilderungen oder Symptome von Patienten nicht akzeptieren wollen, dieses „Halbgott in Weiß- Gehabe“ ist hier hervorragend beschrieben. Der spätere Semmelweis mit seinen seltsamen Launen, hat mich enttäuscht, leider. Warum Stolz so einen abgrundtiefen Hass auf Semmelweis hatte, wurde mir auch gar nicht so richtig klar, ich vermute, dass es hauptsächlich der blanke Neid war. Semmelweis‘ Ende wird im Roman etwas anders dargestellt als bisher beschrieben, da hätte mich schon interessiert ob Gárdos bei seinen Nachforschungen auf nähere Hinweise gestoßen ist. Eine gründliche Recherche von ihm, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Autor hat sich gut in die medizinischen Fakten und historischen Zusammenhänge eingearbeitet und hat es hervorragend geschafft, sie auch für Laien verständlich darzulegen.

    Die Figuren sind lebensecht charakterisiert, Gefühle werden glaubhaft und nachvollziehbar geschildert. Das Buch hat mich sehr bewegt. Wer mehr über den Vater der Hygiene auf unterhaltsame Art herausfinden will, sollte dieses Buch lesen.

    Von mir 5 Sterne

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  • Saara El-Arifi - Kleopatra

    • Ele95
    • 17. Januar 2026 um 16:26

    Kleopatra erzählt


    Kleopatra: Roman einer Königin, historischer Roman von Saara El-Arifi, EBook Hoffmann & Campe- Verlag.

    Ich bin Kleopatra. Dies ist nicht die Geschichte meines Todes. Sondern meines Lebens.

    Kleopatra VII Philopator eine der berühmtesten Gestalten der Antike war die letzte aktive Herrscherin des ptolemäischen Königreichs Ägypten (69–30 v. Chr.). Sie war bekannt für ihre politische Klugheit, Sprachkenntnisse und ihre Fähigkeit, Ägypten in einer Zeit römischer Expansion zu behaupten. Ihr Mythos ist uneingeschränkt, doch vieles ist Fiktion.

    Eigentlich weiß ich über die legendäre Königin und Pharaonin Ägyptens schon so viel, fast alles, was es zu sagen gibt, oder geschrieben wurde, doch in diesem Buch begegnete ich ihr, in einer einzigartigen, ganz anderen Sichtweise. Die Autorin lässt ihre Figur selbst erzählen, in der Ich-Form spricht die Königin ihre Leser direkt an, dadurch entsteht das Gefühl dieser Legende sehr nahe zu kommen, ihre Geschichte und ihr Leben aus erster Hand zu erfahren. Das Buch besteht aus drei Teilen, die Hexe, die Hure und die Schurkin. Am Anfang der Teile sind jeweils Literatur-Zitate platziert. Der Roman gliedert sich in 30 aufregende Kapitel, die alle eine Zeitangabe haben. Am Ende des Buches werden die einzelnen Fußnoten erklärt, das fand ich sehr interessant noch zusätzliche Informationen zu erhalten.

    Insgesamt hat mich dieses Buch vom ersten Kapitel an, gepackt und nicht mehr losgelassen, denn obwohl jeder Kleopatra kennt, gibt es hier den einen oder anderen Aspekt, wie es auch gewesen sein könnte. Muss es nicht, es ist Fiktion und eine Möglichkeit, wie die jede andere Interpretation ihrer Lebensgeschichte auch. Meine Lieblingsfigur Charmion, eine treue Freundin und sozusagen eine Gefährtin fürs ganze Leben, treu ehrlich und liebevoll. Die Protagonistin selbst bekommt von mir höchsten Respekt. In dieser Version wird sie sehr menschlich dargestellt. Hinter der strengen Königin, steht die Frau, die Geliebte, die Mutter die Freundin, Schwester, auch die Heilerin, das hat mir sehr gefallen. Ich finde auch Cäsar und Marcus Antonius, sind in diesem Roman gut weggekommen, beide waren es wert, von dieser großen Frau geliebt zu werden.

    Ganz besonders schön fand ich die Beschreibung des Alltags und die Lebensumstände, des gemeinen Volkes in Rom und Ägypten. Das Leben bei Hof und die Feste und Triumphe die gefeiert wurden, waren nachvollziehbar und bildmalerisch dargelegt. Das lief tatsächlich wie Kino im Kopf bei mir ab. Ganz besonders die Kleider, die Kronen und der Schmuck waren außergewöhnlich gut beschrieben

    Ich habe, das Buch kaum aus der Hand legen können. Ich habe mit Kleopatra gelacht geweint geliebt und gelitten, nur das Ende hat mir nicht so gut gefallen, das war mir zu viel Fantasy.

    Ich war berührt und begeistert, von mir 5 Sterne für dieses ergreifende und hochemotionale Buch

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  • Sabine Ebert - Der Silberbaum. Das Ende der Welt

    • Ele95
    • 11. Januar 2026 um 22:28

    Der Erlauchte

    Der Silberbaum – Das Ende der Welt, Historischer Roman von Sabine Ebert, Knaur eBook

    Der zweite Teil der Silberbaum-Reihe.

    1241 das Ende der Welt scheint gekommen, das riesige grausame Tartaren-Heer, die goldene Horde genannt, steht bis auf ein paar Tagesritte entfernt vor Meißen. Eine riesige Herausforderung für den jungen Markgrafen Heinrich, doch wie durch ein Wunder zieht das Reiterheer wieder ab, da droht schon die nächste Gefahr. Der Papst erklärt den Stauferkaiser Friedrich II für abgesetzt. Intrigen und Verrat muss Heinrich erfahren, immer wieder kommt es zu Kämpfen, doch Heinrich hat viele treue Vasallen an seiner Seite. Vor allem die Nachfahren der Hebamme Marthe.

    Wieder einmal hat mich ein Roman von Sabine Ebert fasziniert, super unterhalten, mit Interesse durch die Seiten fliegen lassen. Die Autorin schreibt flüssig und nachvollziehbar, ein wenig Liebe und viel Spannung ist auch dabei. Sabine Ebert nimmt ihre Verantwortung ernst, alle historischen Figuren und das Geschehen sind authentisch, das fiktive Beiwerk ist gut angepasst und hätte genau so ablaufen können. Eine gründliche Recherche ist hier unabdingbar, die Autorin benennt im Nachwort ihre Quellen die auch für alle Interessierten zugänglich sind.

    Zu Beginn sind zwei Karten von Mitteldeutschland eingezeichnet die zur Zeit des Geschehens passen, mit dem beigefügten Link können sie in angepasster Größe eingesehen werden. Ebenso erscheint eine Dramatis Personae übersichtlich nach Zusammengehörigkeit geordnet die historischen Personen sind gekennzeichnet. Das Buch besteht aus 5 Teilen die in Kapitel mit Überschrift und Zeitangabe gegliedert sind, zu jeder Zeit ist ein chronologischer Überblick möglich.

    Besonders interessant fand ich die beifügenden Erklärungen der Autorin, die Grunde weshalb ich ihre Bücher so sehr schätze.

    Die authentische Erzählung erklärt mir Wort für Wort und glaubhaft einen Teil der deutschen Geschichte, der mich besonders interessiert, ohne dass ich trockene Geschichtsbücher wälzen muss. Im Anhang gibt es zur Einordnung der Figuren die Familienstammbäume der beteiligten Adelsgeschlechter, der Staufer, der Wettiner etc. Da in diesem Buch sehr viele Personen spielen ist es sehr hilfreich, das Personenverzeichnis und die Stammbäume zur Hand zu haben. Beim Lesen sollte man sich schon konzentrieren. Die Hauptfiguren sind ganz besonders gut charakterisiert, oft handeln sie nicht klug, jedoch immer nachvollziehbar.

    Meine Lieblingsfigur der junge Heinrich, der für mich lt. Schilderung den Beinamen der Erlauchte verdient hat. Klug, besonnen, gerecht, tapfer, gut zu seinen Ehefrauen und Kindern auch künstlerisch begabt – ein Gentleman seiner Zeit. Ich freue mich auf den abschließenden dritten Band.

    Mit diesem Silberbaum Roman hat mir S. Ebert ein Stück deutscher Geschichte, unterhaltsam greifbar gemacht. Von mir 5 Sterne.

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  • Petra Johann - Wem du traust

    • Ele95
    • 15. Dezember 2025 um 10:48

    Wo ist Sofia

    Wem du traust, Kriminalroman von Petra Johann, EBook von Aufbau Digital

    Wem kannst du noch trauen, wenn deine Lieben dich belügen?

    Eva und ihre beste Freundin Susanne haben Susannes Tochter Sofia zusammen großgezogen. Nach dem Babysitten bei Evas Sohn, bringt Daniel, Evas Mann, Sofia nach Hause. Doch am nächsten Morgen ist Sofia verschwunden, sie kam niemals zuhause an. Die Ermittlungen beginnen und belastende Indizien werden gefunden. Daniel beteuert jedoch seine Unschuld. Evas heile Welt bricht zusammen.

    Das Buch besteht aus vier Teilen, diese sind in Kapitel in idealer Leselänge aufgeteilt. Dazwischen immer wieder, Kapitel aus der Sicht Evas, diese im ich Stil. Einige Kapitel die kursiv markiert sind, sind Ansichten aus der Opferperspektive. Diese Form der Einteilung, hat mich nur so durch das Buch fliegen lassen. Der Schreibstil lässt ein flüssiges und leichtes Lesen zu. Schon zu Beginn ist die Spannung hoch und hält durch das gesamte Buch an. Die Abschnitte die die Ermittlungsarbeit betreffen, fand ich ganz besonders aufregend. Obwohl der Leser jederzeit Einsicht ins Geschehen hat, wird durch überraschende Plottwists und ein unvorhersehbares Ende, die Spannung immer mehr befeuert. Schon lange nicht mehr hat mich ein Krimi so gefesselt. Ein typischer Krimi im Whodunnit-Stil. Spannend und klug konstruiert führte mich die Autorin immer wieder auf die falsche Fährte

    Die Figuren sind toll beschrieben, vor allem Eva, Susanne und die Ermittlerin Hauptkommissarin Westphal, mit ausgefeilter Raffinesse charakterisiert und doch immer wieder für neue Überraschungen gut. Sie wirken lebensecht und handeln überzeugend. Der Fall ist nachvollziehbar und glaubwürdig aufgeklärt worden.

    Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen bevor der letzte Satz gelesen war, Ein gut konstruierter Fall, der an Spannung kaum zu überbieten ist. Alles was beschrieben wurde war für die Erzählung wichtig, nichts bläht die Handlung unnötig auf. Dieser Krimi hat mich berührt ich habe sehr vor allem mit Susanne mitgelitten. Die Idee zu diesem Buch hat mich begeistert, das Ende komplett überrascht. Ich habe den Krimi sehr genossen, deshalb eine absolute Leseempfehlung und von mir volle Punktzahl, 5 Sterne.

  • Sebastian Fitzek - Der Nachbar

    • Ele95
    • 6. Dezember 2025 um 22:22

    Er passt auf dich auf

    Der Nachbar, Psychothriller von Sebastian Fitzek, ein Droemer EBook

    Wer ist der Nachbar?

    Sarah Wolff ist Anwältin, als sich ihr Ehemann als Säureattentäter und Psychopath entpuppt, versucht sie mit ihrer Tochter unterzutauchen. Soe leidet an Monophobie, das bedeutet, dass sie Einsamkeit nicht aushält. Kurz nachdem ihr Ex, einige Tage vor seiner Entlassung, aus der Haft verschwindet, hat Sarah immer mehr das Gefühl, dass sie gestalkt und beobachtet wird. Irgendjemand ist ganz nah an ihr dran, in ihrer Wohnung und überall in ihrem engsten Umfeld.

    Der Roman besteht aus 83 kurzen knappen Kapiteln. Die Sprache ist sehr bildmalerisch und flüssig. Fitzek formuliert schlagkräftig und auf den Punkt, das passt gut zu einem Thriller und gefällt mir, dass Buch lässt sich angenehm und schnell lesen.

    Die Personen und Fakten werden gut eingeführt, Lesefluss stellt sich sofort ein. Die erste beiden Drittel des Buches habe ich genossen, der Spannungsbogen war sehr hoch und ich bin nur so durch die Zeilen geflogen. Nachdem mir das Kalendermädchen nicht zugesagt hat, habe ich es regelrecht genossen.

    Doch dann ging es los. Unzusammenhängende Geschehnisse, Fakten an den Haaren herbeigezogen. Geschehnisse aus jeder Ecke geholt, die einfach nicht nachvollziehbar für mich waren. Figuren und was mit ihnen geschah nicht authentisch und unlogisch. Kleines Beispiel, eine Figur ist beinahe getötet worden und im Koma, erwacht auf der Intensivstation, steht auf und rennt durch die halbe Stadt, einen Feuerlöscher als Waffe benutzend. Es tut mir echt leid, ich habe es gerne noch einmal probiert aber der Autor und ich werden wohl niemals zusammenkommen.

    Mir war das letzte Drittel einfach zu unlogisch, Plot-twists und unvorhersehbare Wendungen zuhauf, Figuren aus allen Winkeln kommend, wie bestellt – oder gestellt. Wer Fitzek mag, der kann dieses Werk sicher genießen ohne die Handlung infrage zu stellen. Fitzek polarisiert.

    Mir reicht das nicht, der Beginn war nicht schlecht, deshalb insgesamt 3 Sterne von mir.

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  • Julia Bähr - Hustle

    • Ele95
    • 28. November 2025 um 14:34

    Rache ist süß

    Hustle, Roman von Julia Bähr Ebook, Pola

    Nachdem Leonie das Büro ihres Chefs in eine Kressewüste verwandelt hat, bekommt sie in ihrem Job keinen Fuß mehr auf den Boden. Sie zieht nach München und merkt bald, dass dort das Leben mit ehrlicher Arbeit nicht zu finanzieren ist. Sie bekommt Kontakt mit einer Clique von Frauen die mit Betrügereien und illegalen Methoden ihr Luxusleben finanzieren. Und auch sie findet eine Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen. Sie bietet Menschen, denen das Herz gebrochen wurde ihre Dienste an, um sich zu rächen.

    Das schwierige Leben junger Frauen in der modernen Konsumgesellschaft.

    Das Buch besteht aus 46 Kapiteln, in idealer Leselänge. Die Sprache ist modern und frech. Der Schreibstil ist raffiniert, aufregend flüssig und sehr schwarzhumorig. Der Beginn hat mich sofort in die Handlung hineingezogen, leider hat sich nach der Hälfte eine gewisse Eintönigkeit eingestellt. Im letzten Drittel hat die Spannung wieder angezogen. Insgesamt habe ich mich einigermaßen gut unterhalten gefühlt. Mir fällt es schwer das Buch zu beurteilen, denn ich fühle mich bei der Beurteilung zwiegespalten.

    Die Racheaktionen der Protagonistin fand ich klug und witzig ausgeführt, da musste ich immer wieder schmunzeln. Wobei ich mir mehr davon gewünscht hätte.

    In München führt die Gentrifizierung zu steigenden Mieten und zur Verdrängung einkommensschwächerer Bewohner, dies wurde hier sehr deutlich angesprochen, auch ist mir bekannt, dass eine einigermaßen menschenwürdige Wohnung, für einen Normalverdiener kaum zu bezahlen ist. Doch was diese Mädels-Clique anstellt um sich der Schickeria anzupassen, finde ich komplett übertrieben. Das Wohndilemma in München sollte hier im Buch auch keine so große Rolle spielen, ich habe eigentlich eine nicht ganz ernstzunehmende „Gaunerkomödie“ erwartet. So eine sozialkritische Lektüre habe ich nicht erwartet. Interessant fand ich die Arbeit der Protagonistin, auch durch ihr Hobby, habe ich über Schleimpilze einiges erfahren. Sehr gerne hätte ich ihre Racheakte ausführlicher beschrieben haben wollen, da war mir manchmal nicht so alles klar.

    Mit keiner der einzelnen Figuren, auch mit der Protagonistin nicht, bin ich warm geworden. Ihr Freund Nam und warum das nicht geklappt hat, habe ich nicht ergründen können, die Situation mit ihren Eltern, auch dafür bekommt der Leser keine befriedigende Antwort, was die Mädels der Clique genau anstellten, habe ich nicht so richtig herausgefunden, Ausnahme später Kim. Wer hat in der zoologischen Staatssammlung, was gestohlen? Was ist mit Alfred Mayer? Für meinen Geschmack blieben einfach zu viele Fragen offen. Die Protagonistin hat sich im Laufe des Buches kaum weiterentwickelt, zumindest nicht im Guten, dabei hätte sie genügend Möglichkeiten gehabt.

    Mir war alles zu skurril, auch nicht witzig genug. Von mir 3 Sterne.

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  • Diana Remus - Ich bin Herodias

    • Ele95
    • 24. November 2025 um 09:39

    Ein Schicksal, das Geschichte schreibt

    Ich bin Herodias, historischer Roman von Diana Remus, EBook, Aufbau Digital.

    Hier wird die Vergangenheit lebendig.

    Im römischen Reich, zur Zeit Kaiser Augustus wächst Herodias ‎ umgeben von Intrigen und dem unerbittlichen Kampf um Einfluss auf. Zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern, flieht sie nach Rom zu Antonia, der Freundin ihrer Mutter, eine der einflussreichsten Frauen des römischen Reiches. Hier lernt sie, dass Frauen klug sein müssen um sich behaupten zu können. In Rom trifft sie auf Herodes Antipas ihre große Liebe. Nachdem sie sich von ihrem ersten Ehemann trennt, heiratet sie ihn, doch das wiegelt das Volk gegen sie auf, vor allem den Prediger Johannes. Und plötzlich steht ihre ganze Zukunft auf dem Spiel. Eine Frau, die sich weigert, in einer Welt der Männer nur eine Randfigur zu bleiben.

    Das Buch besteht aus 35 umfangreichen Kapiteln. Hinter Diana Remus steckt ein Autorinnen-Duo, flüssig und bildhaft lassen sie die Protagonistin im Ich-Stil ihre Geschichte erzählen. Dadurch ist der Leser ganz nah dran am Geschehen, erfährt Herodias Lebensgeschichte praktisch aus erster Hand. Das Personenverzeichnis am Ende ist sehr hilfreich, immer wieder musste ich es zu Rate ziehen, denn im Buch gibt es sehr viele Charaktere. Die Protagonistin und die Hauptfiguren sind gut beschrieben, ihre Handlungen sind authentisch.

    Lesefluss stellt sich sofort ein, die Figuren werden gut eingeführt. Eine interessante Reise in die Antike, da ich Herodias, und die Geschehnisse vor dem Hintergrund bekannter historischer Ereignisse aus der Bibel kenne, fand die hier dargestellte Version, absolut möglich und nachvollziehbar. Die Autorinnen haben ein Szenario geschaffen, spannend und ergreifend und durchaus glaubhaft. Das Bild das im Roman von Herodias und Herodes Antipas entsteht ist ein ganz anderes als man es aus der Bibel kennt, beide sind im Buch wirklich sympathisch und der Tod des Täufers ein politischer Schachzug, wohl eher das Ergebnis einer Erpressung. Herodias ist im Roman eine faszinierende Frau, die Herodes aufrichtig liebt und sich ihm nicht aus Machtgier an den Hals geworfen hat. Und auch Herodes Antipas ist nicht das Ungeheuer für das ich ihn bisher gehalten habe. Auch das Mysterium um die Figur Jeshua, wie ich es bisher kannte, seine Wundertaten, seine Liebe zu Mariam haben hier eine plausible Erklärung.

    Dies alles hat mir gut gefallen, hat mich hervorragend unterhalten, hat mir eine neue Sichtweise vermittelt. Mir war stets bewusst, dass ich einen Roman lese, doch könnte es immerhin auch so gewesen sein. Wer sich für Herodias und für ihre Zeit interessiert, oder auch eine andere Interpretation über die damaligen Ereignisse vermitteln will, sollte „Ich bin Herodias“ unbedingt lesen.

    Von mir 5 Sterne.

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  • Eli Mell - Merry Crisis: Ein fast besinnliches Weihnachtsfest

    • Ele95
    • 14. November 2025 um 18:31

    Ein fast chaotisches Fest


    Merry Crisis – ein fast besinnliches Weihnachtsfest, Weihnachtsroman von Eli Mell, EBook aus dem Gmeiner-Verlag.

    Debütroman, mit bissigem Humor bei der die Liebe zu Familie und auch Weihnachtsgefühle nicht zu kurz kommen.

    Es ist der 23. Dezember und wie in jedem Jahr macht sich Olivia in einem überfüllten Zug auf, zum traditionellen Weihnachtsfest bei ihren Eltern, auch wie in jedem Jahr erwartet sie eine Zerreißprobe, denn alle die an diesem Fest zusammenkommen, haben ein brisantes Geheimnis, welches am besten in der Versenkung bleibt. Wie soll Olivia da cool bleiben, wenn auch noch Nathan auftaucht, der ihr schon zu Schulzeiten das Leben schwer gemacht hat?

    Das Buch besteht aus 5 Teilen, aufgegliedert in die Tage vom 23. Dezember bis zum 27. Dezember. Jedes der 24 Kapitel trägt den Namen eines bekannten Weihnachtsliedes als Überschrift. Die Autorin schreibt in einer flotten modernen Umgangssprache und spart nicht mit Kraftausdrücken, die den Text beleben, witzige Dialoge machten mir Spaß. Dies alles in der Ich-Form aus Sicht der Protagonistin Olivia, liebevoll von ihrer Familie Olli oder auch Livchen genannt.

    Die weiteren Charaktere sind alle liebevoll und lustig charakterisiert und durch die bildhafte Art zu erzählen wunderbar authentisch. Fast jeder hat doch wohl eine liebe verständnisvolle Omi, besorgte Eltern die sich gerne ins Leben der erwachsenen Kinder einmischen, verbündete Geschwister, hier einen Bruder, eine liebe und nette Schwägerin und leider auch eine kreischende, wichtigtuerische Tante, deren Kinder und Enkel, hochbegabt, tadellos und besser als die der restlichen Verwandtschaft sind. Dazu bekommt der Leser hier als Überraschungsgast auch noch einen skurrilen Schläppchen-Onkel Klaus vorgesetzt. Mit dieser Besetzung kann das Weihnachtsfest doch nur, wie alle Jahre wieder, chaotisch werden.

    Ich habe mich köstlich amüsiert, immer wieder rausgekichert, es ist soviel Situationskomik im Buch verarbeitet, da konnte ich gar nicht mehr an mich halten. Ganz viele Szenen sind mir bekannt vorgekommen, sie vieles geht in ähnlicher Form auch an unseren Familienfesten ab. Auch bei uns gibt es mehrere Miró-Baptistes, die total verzogen sind. Eine Tante Elke die perfekt ist und prahlerisch daherredet. Leider fehlt bei uns der originelle Schläppchen-Klaus, den ich ganz besonders liebgewonnen habe. Kein bisschen kitschig ist diese Geschichte, großartig witzig nimmt die Autorin diese Familie auf die Schippe ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Manchmal etwas dick aufgetragen aber liebenswert. Auch nachvollziehbar, wenn auch stark überzeichnet. Gerne hätte Tante Elke mal einer gehörig die Meinung sagen können.

    Die weihnachtliche Stimmung fehlt auch nicht, es wird immer wieder emotional und auch ein wenig romantisch und ganz wichtig auch versöhnlich. Ich habe es genossen, die allzu harmonischen Friede-Freude-Eierkuchen-Weihnachtsbücher mit Zuckerguss mag ich nicht. Ein gutes Gegenstück dazu. Fast wie im richtigen Leben.

    Von mir eine Kauf- und Leseempfehlung und 5 Sterne, denn an Weihnachten darf schon mal dick aufgetragen werden.

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  • Gabriel Zuchtriegel - Pompejis letzter Sommer: Als die Götter die Welt verließen

    • Ele95
    • 5. November 2025 um 12:47

    Die verschüttete Stadt am Vesuv


    Pompejis letzter Sommer – Als die Götter die Welt verließen von Gabriel Zuchtriegel, Ullstein EBook.

    Eine völlig neue Perspektive auf Pompeji

    79 n.Chr. bricht der Vesuv aus und Pompeji trifft der pyroklastische Strom, sodass das Leben in der Stadt erstarrt. Als die Grabungen beginnen, die bis in die heutige Zeit andauern kommen immer mehr Einblicke zutage, die zeigen, dass die Zeit beim Ausbruch hier einfach stehengeblieben ist. Entdecke das Leben im alten Pompeji, denn hinter den alten Mauern verbirgt sich eine Welt voller Konflikte und Wandel.

    Wie genau der Ausbruch stattfand, auch das hat der Autor, der Direktor des Archäologischen Parks Pompeji ist, sehr anschaulich erzählt.

    79. v. Chr. Die alten Götter sind ein wenig aus der Mode gekommen, obwohl die Römer immer tolerant gegenüber Andersgläubigen waren. Das Christentum steckt in den Kinderschuhen und hat sich noch nicht etabliert, von dieser Zeit des Umbruchs weiß Zuchtriegel interessant zu erzählen.

    Das Leben wie es vermutlich zu dieser Zeit stattgefunden hat, ist hier deutlich und nachvollziehbar erklärt, obwohl ich hier keine klassischen Spannungsmomente erwartet habe, liest sich das Buch in manchen Abschnitten eher wie ein Krimi. Kinderzeichnungen die Szenen aus der Arena darstellen, das Leben des Sklaven, die ein Drittel der Bevölkerung ausmachten, die Stellung der Frauen zu jener Zeit. All das wurde mir verblüffend anschaulich nahegebracht.

    Die Megalographien im Haus des Thiasos, denen ein eigenes Kapitel gewidmet ist, sind hier sehr ausführlich erklärt und interpretiert, griechische Mythologie über viele Seiten hinweg, das war mir zu viel, hier hat der Autor sehr weit ausgeholt, er studierte in Berlin und Rom Archäologie und griechische Literaturgeschichte, das wird an dieser Stelle deutlich.

    Das Buch besteht aus sechs Teilen untergliedert in diverse Kapitel die eine den Inhalt zusammenfassende Überschrift tragen. Durch die bildhafte Erzählweise des Autors entsteht beim Lesen eine Welt, die Stück für Stück langsam wieder an die Oberfläche kommt. Der Bildteil im Anschluss vertieft die Erklärungen, die durch den visualisierenden Erzählstil in meinem Kopf entstanden sind. Die Bilder hätte ich mir an den passenden Stellen im Ebook gewünscht. Beschämende Zoten die an die Wände des Lupanars (Bordell) geschrieben stehen, sind mit * gekennzeichnet, diese und andere brisante Stellen im Buch können somit ausgelassen werden.

    Mit dem Autor bin ich gerne durch die Ruinen gewandert. Durch die Ausgrabungen, sind diese Artefakte, dem Verfall ausgesetzt. Es wird aktuell nur so viel freigelegt wie auch konserviert werden kann, das war zu Beginn der Ausgrabungen leider nicht so. Nur 7 % sind bisher überdacht. Die Kosten sind enorm hoch, Pompeji ist ein interessanter Ort, der noch voller Überraschungen steckt. Wer sich dafür interessiert, hat hier ein Buch in dem die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft dieser alten Stadt von allen Seiten beleuchtet wird.

    Von mir 4 Sterne.

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  • Louise Erdrich - So war die Welt

    • Ele95
    • 16. Oktober 2025 um 19:00

    In einer kleinen Stadt in North Dakota

    So war die Welt, Roman von Louise Erdrich, EBook, Aufbau-Verlag

    Ein schwermütiger Roman

    Kismet lebt mit ihren Eltern in Argus, eine kleine Stadt im amerikanischen mittleren Westen. Crystal, ihre Mutter, arbeitet Tag und Nacht um Kismet die Highschool zu ermöglichen, derweil für ihren Vater Martin nichts elegant und gut genug sein kann. Plötzlich interessiert sich Gary für das Mädchen, er ist der Footballstar der Schule und Sohn reicher Eltern, die mit dem Anbau von Zuckerrüben das große Geschäft machen. Das Mädchen fühlt sich von Garys Werben geehrt, aber sie mag auch den belesenen Hugo. Dann macht Gary ihr einen Antrag, den Kismet annimmt, obwohl sie sich ganz und gar nicht sicher ist. Crystal ist entsetzt über diese frühe Heirat. Am Tag der Hochzeit verschwindet Martin mit dem Geld aus dem Spendenfond, der für die Renovierung der Kirche vorgesehen ist. Die Geschehnisse überstürzen sich.

    Das Buch gliedert sich in 5 Teile, die einzelnen kurzen Kapitel tragen eine zusammenfassende Überschrift. Die Autorin schreibt ausgesprochen bildhaft, das Setting läuft während der Lektüre wie Kino im Kopf ab. Die Sprache an sich, ist ausdrucksstark und der Plot atmosphärisch dicht. Die dystopische beklemmende Stimmung ist gänzlich auf mich übergegangen, esoterische Züge sind dabei, doch zwischendurch gibt es auch humoristische Szenen. Der Stil ist auktorial verfasst, abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere. Ein umfassendes Bild und eine tiefe Innenansicht der Figuren sind dadurch möglich.

    Zusätzlich finde ich, geht es um die Nachteile und Gefahren des konventionellen Anbaus, mit Herbiziden, Pestiziden und Düngemitteln und es wird nachvollziehbar aufgezeigt, welchen Schaden Mensch und Tier dadurch langfristig angerichtet wird. Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht: „Aber unter passenden Bedingungen lässt sich alles vom Antlitz der Erde tilgen.“ Diese Ansichten passen gut zu diesem Buch, hätte ich auf diese Weise in einem Roman aber nicht erwartet. Das erinnert mich an das Klimaquartett von Maja Lunde.

    Abgesehen vom Umweltaspekt, hat die Geschichte genügend Geschehnisse, esoterische Szenen sind ebenfalls eingearbeitet, sodass es mir alles in allem, ein wenig viel erscheint. Der Leser muss hier viel zwischen den Zeilen lesen und sich einiges erahnen können.

    Die Figuren sind hervorragend und überzeugend charakterisiert, Crystal ist eine wahnsinnig starke Frau, sie hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, auch Hugo hat sich enorm entwickelt, ist immer stärker geworden, auch Martin hat mich überraschen können, eigentlich haben sich alle Figuren verändert, meist zu ihrem Besten, das macht sie authentisch. Einzig Kismet hat mich enttäuscht von ihr hätte ich mir mehr Entwicklung gewünscht. Ihre Unentschlossenheit ist selbst im Epilog noch deutlich.

    Eine gute Unterhaltung war es allemal, es ist jedoch kein Buch welches man schnell in eine paar Stunden liest, vieles hat mich innehalten und über das gelesene nachdenken lassen. Mich hat es sehr gefordert, die dystopischen Szenen haben mir tatsächlich Angst gemacht. Auch in meiner Heimat werden Zuckerrüben angebaut, eine Zuckerfabrik ist in der Nähe. Noch ein Satz den man sich merken sollte: „Ebenso lauert in jedem Löffel (Zucker) der pragmatische Nihilismus des industriellen Zuckeranbaus auf Kosten unseres Lebensraums auf Erden. Das ist die Süßigkeit die unsere Sinne besticht.“

    Wer sich für den biologischen Anbau als Alternative, bzw. Umweltschutz interessiert, oder auch Fans der Autorin und ihren speziellen Schreibstil, sollte hier zugreifen. Ich vergebe 4 Sterne

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  • Nelio Biedermann - Lázár

    • Ele95
    • 11. Oktober 2025 um 10:45

    Danke für den Hinweis, habe korrigiert. ;)

  • Nelio Biedermann - Lázár

    • Ele95
    • 11. Oktober 2025 um 01:02

    Glanz und Elend

    Lázár, Familienroman von Nelio Biedermann, EBook Rowohlt Verlag

    Eine Familie in den Strudeln des 20. Jahrhunderts

    Mit der Geburt Lajos, des weißhaarigen Kindes mit den blauen Augen, beginnt der Untergang der Familie Lázár. Das 20. Jahrhundert bricht an, das feudale Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn wird für immer verändert ausgelöst durch den Untergang des Habsburgerreichs, beiden Weltkriegen, Flucht und der Verlust von Macht Geld und Ländereien.

    Das Buch teilt sich in 60 kurze Kapitel, schnelle Szenenwechsel befeuern die Lesegeschwindigkeit. Im auktorialen Erzählstil aus der Sicht verschiedener Charaktere. Schon im ersten Kapitel hat sich bei mir Lesefluss eingestellt. Ich war verblüfft wie wortgewaltig und bildhaft der 22jährige Autor schreibt.

    Insgesamt jedoch finde ich das Buch jedoch nicht ausgereift. Zum Teil sprunghaft im Verlauf und dann wieder verliert sich der Autor in Nebensächlichkeiten. Über die beiden dazwischengeschobenen Kapitel über Stalins Tod, habe ich mich gewundert, das hat keinen Bezug zur Geschichte. Fast alle Figuren sind mir fremd geblieben, ihre Handlungen konnte ich nicht immer nachvollziehen. Sie sind schwermütig und phlegmatisch, obwohl sie in Luxus leben. Erst Eva und auch Pista im letzten Drittel, engagieren sich, nehmen ihr Leben in die Hand.

    Ich hätte auch mehr geschichtliche Fakten und Zusammenhänge erwartet. Über die Verhältnisse und Lebensumstände in Ungarn, zu Beginn des 20. Jahrhunderts und bezüglich der beiden Weltkriege hätte ich mehr Informationen gewünscht. Dies ist aktuell meine bevorzugte Ära in historischen Romanen. Dieser Roman lässt jedoch auf besseres hoffen, es ist noch viel Luft nach oben. Eine sorgfältigere Recherche hätte ich mir gewünscht.

    Durch den Hype und die großen Ankündigungen um dieses Buch, habe ich mehr erwartet. Wer sich einen kurzen Überblick über diese Epoche verschaffen will, ist hier nicht verkehrt. Von mir schwache 3 Sterne.

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  • Julia R. Kelly - Das Geschenk des Meeres

    • Ele95
    • 7. Oktober 2025 um 15:29

    Der Junge aus dem Meer

    Das Geschenk des Meeres, Roman von Julia R. Kelly, EBook aus dem mareverlag.

    Der Sohn des Fischers

    Es war im Winter 1900, als der Fischer Joseph, einen leblosen Jungen an Land trug. Er wurde zum Pfarrer gebracht und dort aufgepäppelt. Ein unheimliches Ereignis, denn Jahre zuvor ist der Sohn der Lehrerin Dorothy, der dem Jungen verblüffend ähnelt, in einer stürmischen Nacht, ins Meer geschwemmt. Da die Frau des Pfarrers kurz darauf selbst ein Kind zur Welt bringt, meinte der Pfarrer, dass es eine gute Idee wäre, wenn sich Dorothy weiterhin um den Jungen kümmert. Nach anfänglichem Widerstand erklärt sie sich doch bereit, das Kind aufzunehmen, bis die Herkunft des Jungen geklärt ist. Nicht nur Dorothy und Joseph finden das Auftauchen des Jungen als befremdlich, sondern die ganze Dorfgemeinschaft rätselt. Auch darüber was Dorothy und Joseph, die sich einstmals gut verstanden haben, entzweit hat. Viele Geheimnisse und Unausgesprochene Gefühle kommen nach und nach an die Oberfläche.

    Das Buch ist in zwei Zeitsträngen verfasst, damals und heute. Die Kapitel in auktorialem Stil wechseln hauptsächlich aus der Sicht von Joseph und Dorothy, doch auch die anderen Dorfbewohner sind an der Erzählung beteiligt. Die verschiedenen Zeitebenen haben mich etwas verwirrt, da hat sich kein Lesefluss einstellen können, die Geschehnisse von damals und was zwischen den Hauptfiguren passiert ist, erklären sich im Laufe der Lektüre, einfacher wäre es zum Verständnis jedoch gewesen, wenn der Leser, die Fakten von Beginn an präsentiert bekommen hätte. Zum Ende zu, begegnen sich die beiden Stränge jedoch und dann ist es so spannend, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen will. Dorothy die von ihrer Mutter sehr streng erzogen wurde hat es nicht leicht als sie als junge Lehrerin nach Skerry kommt. Vermutlich ist das der Grund warum sich alles so entwickelt hat. Die Dorfbewohner jedoch haben es der jungen Frau aber auch nicht leicht gemacht. Oft habe ich ihre Handlungen nicht nachvollziehen können, sie ist mir lange fremd geblieben. Joseph war meine Lieblingsfigur, ein einfühlsamer ehrlicher und grundanständiger Mensch. Eine tolle Entwicklung jedoch hat die Gemischtwarenhändlerin Mrs Brown hingelegt, zuerst dachte ist diese verbissene Frau, hat viel dazu beigetragen, dass Dorothy anfangs nicht akzeptiert wird, aber auch Mrs. Brown hatte ihr Päckchen zu tragen. Letztendlich hat sie jedoch Dorothy auf den richtigen Weg gebracht. Ein wenig mehr Offenheit, mehr Vertrauen und weniger Vorurteile, es ist heute wie damals, das würde das Leben oft leichter machen.

    Es ist ein dunkles, emotionales und sehr poetisches Buch, das Setting ist rau und hervorragend beschrieben, die karge und wilde Landschaft prägt deutlich den Charakter der Figuren. Das ist stimmig und authentisch. Ich hätte noch ewig weiterlesen mögen, es wäre sicher noch einiges zu berichten gewesen. Insgesamt und nach den anfänglichen Startschwierigkeiten habe ich mich beim Lesen sehr wohl gefühlt, ich kann das Buch allen empfehlen, die die Wildheit der schottischen Küste mögen, auch für die Fans von tiefgehenden Geschichten geeignet.

    Ein ergreifendes Debüt. Von mir gute 4 Sterne.


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  • Caryl Lewis - Wilder Honig

    • Ele95
    • 21. September 2025 um 23:11

    Melancholischer Roman

    Wilder Honig, Roman von Caryl Lewis, EBook, Verlag Klett-Cotta

    Ein Obstgarten, drei Frauen, elf Briefe.

    Hannah trauert um ihren Mann John, ihr ganzes Leben hat sie auf dem walisischen Cottage Berllan Deg, verbracht. Für ihre Trauer hat die Frau die immer schon wortkarg war, keine Worte, ihre Schwester Sadie, die als junge Frau schon weggezogen ist, kommt, um ihr über die erste schwere Zeit zu helfen, die dritte im Bunde Meghan, eine junge Frau wollte eigentlich nicht lange bleiben, wird aber durch die Wetterverhältnisse am Gehen gehindert.

    John war Imker und Schriftsteller, er hat Hannah elf Liebesbriefe hinterlassen, sein großes Geheimnis wird bekannt und das kann ihm Hannah anfangs nicht verzeihen. Die drei Frauen verbindet mehr als sie sich anfangs eingestehen, langsam gewöhnen sie sich aneinander und lange geheim gehaltene Worte und Gefühle kommen an die Oberfläche und werden ausgesprochen. Gemeinsam wagen die drei einen Neuanfang.

    Das Buch teilt sich in 55 überschaubare Kapitel. Dazwischen immer wieder durch die kursive Schrift deutlich hervorgehoben, die Briefe die John für Hannah hinterlassen hat. Im auktorialen Schreibstil verfasst, dadurch gewinnt der Leser den Überblick über die gesamte Geschichte. Unglaublich, wie einfühlsam und voller Poesie die Autorin geschrieben hat, dazu kommt auch noch die bildhafte Beschreibung der Natur und auch den Figuren, zu jeder Zeit konnte ich mir das geschriebene vorstellen, es lief sozusagen parallel zur Lektüre ein Film in meinem Kopf ab.

    Dieses Buch ist ein leises Buch ohne direkte Spannungsmomente, doch es ist eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Ich habe bewusst langsam gelesen, das Buch immer wieder sinken lassen um über das Gelesene nachzudenken. Von Beginn bis Ende hat es mich mitgenommen, hat die Geschichte mich fasziniert, gefesselt und davongetragen. Hoffnungsvolle, heilende Worte. Worte die Mut und Hoffnung schenken. Die Figuren erfahren hier Heilung auch durch die Kraft der Natur. Nebenbei habe ich auch einiges wissenswertes über Obstanbau und vor allem über Bienen gelernt. Das Verhalten der Bienen hat John in seinen Briefen an Hannah, immer wieder mit der Liebe zwischen den beiden in Verbindung gebracht.

    Die Figuren sind authentisch und echt. Ihre Handlungen konnte ich verstehen, nachvollziehen. An Hannahs Stelle hätte ich auch an dem Verstorbenen gezweifelt. Ich finde es hätte sicher in einer so langjährigen Ehe Momente gegeben, um sich zu offenbaren, er war in meinen Augen feige. Er lässt Hannah mit den frappierenden Tatsachen zurück. Auch Sadie und Meghan haben sich weiterentwickelt, das macht sie menschlich. Mein Favorit war Jack, tüchtig fleißig auf ihn kann man sich verlassen.

    Ein Roman mit Tiefgang der noch einige Zeit in mir nachhallen wird. Anfangs habe ich etwas gebraucht bis ich die Verhältnisse überblickt habe, auch mit der Art der Protagonistin Hannah, habe ich mich schwergetan. Das hat sich aber bald gebessert. Ich kann dieses Buch empfehlen, wer ruhige Bücher mag, die zum Nachdenken anregen sollte hier zugreifen.

    Von mir 4 Sterne.

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  • Laura Maaß - Was du siehst

    • Ele95
    • 17. September 2025 um 12:11

    Alle Farben der Welt

    Was du siehst, Roman von Laura Maaß, EBook Gutkind-Verlag

    Ich sehe was, was du nicht siehst….

    Ost-Berlin 1967, Ruth ist verlobt aber nicht glücklich, ausgerechnet auf der Verlobungsfeier, verliebt sie sich in den Fotografen Tom. Sie löst ihre Verlobung gegen den Willen ihres despotischen Vaters, sie zieht zu Tom und ehe sie merkt, dass sie schwanger ist, verschwindet Tom spurlos. In ihrer Verzweiflung findet sie ein neues zuhause bei ihrem Onkel, in Mecklenburg an der Elbe im Zonenrandgebiet. Hier ist sie willkommen. Jule, ihre Tochter und Andi der Sohn ihrer Freundin Hannah, wachsen zusammen auf und sind unzertrennlich. Doch nach dem Mauerfall zieht Jule in die Welt, während Andi auf sie wartet.

    Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Die einzelnen Kapitel sind mit Farben überschrieben. Die zu den Inhalten passen. Briefe und Kartengrüße sind kursiv gedruckt und somit besonders hervorgehoben. Jeder der schriftlichen Grüße von Jule beginnt mit dem Satz „Ich sehe was, was du nicht siehst ..“ Ein Spiel, das Jule und Andi gerne gespielt haben. Die Gegend, die die Kinder bewohnen nennt sich die griese Gegend, das bedeutet grau, doch für Andi und Jule hatte ihre Jugend viele Farben. Die Menschen hatten nicht viel, doch alles was sie brauchten. Bildhaft und flüssig ist der Schreibstil der Autorin, das Setting ist gut beschrieben, die Landschaft prägt den Charakter der handelnden Figuren. Die Autorin erzählt facettenreich und fesselnd, dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen kann. Das Ende hat mich sehr berührt.

    Wie die Autorin ihre Figuren in die Handlung integriert hat, so authentisch glaubhaft, dass man meint, genauso wäre es auch passiert. Durch die auktoriale Schreibweise man ist beim Lesen dicht an den Figuren dran und kann sich mit ihnen identifizieren. Die meisten Charaktere waren mir sympathisch, doch Andi der tapfere treue Freund hat mein Herz erobert. Bei allen Figuren konnte ich eine beachtliche Entwicklung feststellen.

    Einfühlsam erzählt Laura Maaß vom Leben in der ehemaligen DDR, sie selbst ist nach der Wende geboren, recherchiert hat sie bei Eltern und Großeltern und das ist ihr gut gelungen.

    Es ist kein lautes Buch, Es gibt keine klassischen Spannungsmomente, nur eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden und deshalb habe ich es nicht aus der Hand legen können, ehe die letzte Seite gelesen war. Ein emotionales und angenehmes Buch welches mich hervorragend unterhalten hat. Gesellschaftsbeobachtungen und menschliche Innenansichten sind perfekt herausgearbeitet. Ein Buch fürs Herz, über das Warten können und über die Treue und kein bisschen kitschig.

    Absolute Kauf- und Leseempfehlung und 5 Sterne

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  • Trude Teige - Wir sehen uns wieder am Meer

    • Ele95
    • 3. August 2025 um 15:49

    Abschlussband der Großmutter-Reihe

    Wir sehen uns wieder am Meer, historischer Roman von Trude Teige, 400 Seiten, Fischer-Verlag.

    3. Teil der Trilogie

    Für Birgit und ihre Freundinnen, Thekla und Annelise sind die unbeschwerten Tage vorbei, der 2. Weltkrieg wütet. Jede der Freundinnen geht ihrer Wege. Nach dem Tod ihrer ersten großen Liebe endscheidet sich die junge Krankenschwester Birgit, als Krankenschwester, im von den deutschen besetzten Norwegen zu arbeiten. Dort lernt sie die junge Ukrainerin Nadja kennen die als Zwangsarbeiterin in die dortige Fischfabrik verschleppt wurde. Birgit schließt sich dem Widerstand an. Doch auch Thekla die als „Deutschenmädchen“ bezichtigt wird, Nadja die an einen Kollaborateur gerät, erleben schlimme Dinge. Nach dem Krieg, sind alle Frauen traumatisiert und sie können sich nur gegenseitig ihre schlimmen Erlebnisse anvertrauen. Das bringt die Freundinnen wieder zusammen.

    Der letzte Teil der Trilogie schließt die Großmutter-Reihe sehr emotional und zu Herzen gehend ab. Die Bände 1 - 3 können jedoch, ohne weiteres auch einzeln gelesen werden. Das Buch teilt sich in 62 spannende Kapitel, überschrieben mit Ort und Datum des Inhalts. Wie bereits in den Vorgängerbänden, schreibt Trude Teige flüssig, sehr bildhaft und dramatisch, ich habe das Buch in jeder freien Minute zur Hand genommen, da Schicksal, der Frauen hat mich nicht losgelassen. Der Band bietet auch hier wieder interessant Einblicke in unbekannte Vorfälle unserer Geschichte. Einmal von Kriegserlebnissen von Frauen zu lesen, finde ich ganz besonders aufregend. Auch sie haben ihren, nicht unwichtigen, Teil im Krieg erlebt. Allen voran Birgit, die Protagonistin, aber auch das Los von Nadja, ist mir ganz besonders ans Herz gegangen. Teige schreibt im auktorialen Stil, jeweils aus der Sicht der handelnden Person, allumfassender Überblick ist somit bestens gewährleistet.

    Die Figuren, sind so lebensecht beschrieben, ihre Gedanken und inneren Stimmungen, sind mir so nah gegangen. Sie handeln nachvollziehbar und authentisch. Eine enorme Entwicklung ist festzustellen. Die grausamen Dinge die im Krieg geschehen, und auch die Dinge die in den darauffolgenden Friedenszeiten passieren, sind nicht leicht zu ertragen. Dies hat Trude Teige hervorragend beschrieben, dafür hat sie eine enorme Recherchearbeit geleistet, ich habe vor allem mit Birgit der Protagonistin mitgelitten und gehofft. Stark berührt hat mich auch das Leid von Daria und Nadja, ihre grausige und brutal harte Arbeit in der Fischfabrik, auch das ist ganz nahe an der Wahrheit. Das ist dem Leser stets bewusst. Sven Svendsen und sein Handeln fand ich einfach nur abstoßend. Bei Sascha bin ich mir nicht sicher ob ich ihn zu den Guten oder Bösen zählen soll.

    Ich mag Bücher über starke Frauen, noch dazu in der von mir bevorzugten Epoche. Auf Seite 236 -237 gibt es eine Aussage von Major Klinge über das Wesen der Menschen und ihrer Beweggründe die sie in Kriegszeiten handeln lassen, dies hat mir sehr imponiert. Das hat sich unauslöschlich in meinen Gedanken eingeprägt.

    Wer die vorangegangenen Bände der Trilogie kennt, wird sich an diesem zusammenfassenden Abschlussband erfreuen. Doch auch als Einzelband kann ich „Wir treffen uns am Meer“ empfehlen. All denen die sich für die heilende Kraft von Solidarität unter Frauen interessieren, sind hier richtig.

    Von mir 5 Sterne

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