Beiträge von Igela

    Plot gut, Umsetzung weniger...


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    Eine Krankenschwester, eine Schornsteinfegerin, eine Bestatterin, ein Paketbote, die Tochter eines ehemaligen Polizeibeamten ... Menschen verschwinden und ihre Angehörigen sind in grosser Sorge.

    Der Täter fragt vor der Entführung seine Opfer: Hast du Zeit? Denn Zeit verlieren, das will er nicht.

    Im Gegenteil.

    Er hofft durch jede Tat Lebenszeit von seinen Opfern zurückzubekommen.

    Das Buch war genau zwei Kapitel lang spannend und fesselnd. Die ersten zwei Kapitel habe ich mich Gänsehaut gelesen und was danach kam war leider öde, wirr und planlos.

    Vom ersten Kapitel an wird man als Leser regelrecht bombardiert mit Erzählsträngen. Diese sind zahlreich und wechseln kapitelweise. Dadurch fühlte ich mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. Ich habe immer wieder von Neuem Fuss fassen müssen im jeweiligen Erzählstrang. Nach einem Kapitel wechselte dieser nach wenigen Seiten und neue Figuren mit einer neuen Nebengeschichte kamen ins Spiel um dann nach zwei oder drei weiteren Strängen wieder beim dreissig Seiten zuvor gelesenen Strang anzuknüpfen. Das empfand ich nicht nur als sehr unruhig, sondern hat mich auch mehr und mehr verwirrt.


    Komplett wirr sind die Kapitel, in denen der Täter zu Wort kommt. Was er brabbelt, habe ich oft nicht mal zur Hälfte verstanden. In Ich Perspektive erzählt er dem Leser, wie toll seine Wand ist. Was mit dieser Wand ist, klärt sich ganz zum Schluss der Geschichte. Langsam aber sicher arbeitet der Täter eine Liste ab, entführt und tötet seine Opfer. Er verspricht sich dadurch Lebenszeit zu bekommen. Abstrus und krank sind die Motive des Täters und damit ordentlich Stoff für Thrillergefühle.


    Ich bin gelinde gesagt, enttäuscht. Denn gerade von Andreas Winkelmann habe ich mehr erwartet. Kenne ich seine Bücher doch als spannende Geschichten mit überraschenden Wendungen.

    In " Hast du Zeit?" hatte ich konstant den Eindruck, er wollte krampfhaft den eigentlich guten Plot mit einem neuartigen Aufbau bestücken. Dies entpuppte sich für mich als Krampf, denn dieser Aufbau war mir zu wirr, zu unruhig und unübersichtlich. Schade, denn mit einer übersichtlicheren Gliederung der Story hätte die Idee dahinter bei mir besser funktioniert.


    3ratten

    Leider ist auch dieser erste Fall in Sachen Logik holperig und immer wieder haben die Ermittler Ermittlungsergebnisse zur Hand, die scheinbar vom Himmel fallen.

    hihi, ich kann mich zwar nicht mehr an das Buch erinnern, aber wenn ich meine Rezi von damals so lese, habe ich das wohl genauso empfunden!

    Ist ja schon mal kein gutes Zeichen, wenn man sich so gar nicht mehr an ein Buch erinnert. ;)

    Ergebnisse fallen vom Himmel


    In Berlin geht ein Serientäter um und drei Tote in vier Tagen gehen auf sein Konto. Wie er es schafft so viele Menschen zu ermorden, darüber zerbrechen sich die Ermittler der Abteilung 1 für Delikte am Menschen des LKA Berlin den Kopf. Darüber und über die seltsamen Zahlen, die der Täter auf oder neben den Opfern hinterlässt. Dabei nummeriert er die Opfer keineswegs chronologisch, sondern hinterlässt eine beliebige Zahl. Kommissar Severin Boesherz hat alle Hände voll zu tun, denn neben den Morden wird auch das bekannte Modell Tanja van Beuten entführt. Hilfe bekommt er dabei von der Psychologin Linda Bartholy, die sich auf Profile von Serientätern spezialisiert hat.


    Dieser Kriminalroman ist der erste Fall vom LKA Berlin unter der Leitung von Severin Boesherz. Es ist jedoch nicht mein erstes Buch, denn ich habe schon "Im Auge des Zebras" gelesen. Leider ist auch dieser erste Fall in Sachen Logik holperig und immer wieder haben die Ermittler Ermittlungsergebnisse zur Hand, die scheinbar vom Himmel fallen. So wie das Bauchgefühl der jungen Kommissarin Olivia Holzmann, das sie abends zu Hause ereilt.


    Sie spürt, dass sie umgehend zu einer Nebenfigur fahren muss, da er sicher das nächste Opfer des Täters wird. Kaum überraschend, dass sie den Täter beinahe in flagranti ertappt und so wenigstens das Opfer retten kann. Solche zufälligen Handlungen oder Bauchgefühle gibt es etliche und ich habe diese kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen. Spannend war das nicht.


    Das und auch die Tatsache, dass man schon nach ein paar Seiten Namen und Beweggründe des Täters kennt. Praktisch das ganze Buch über sieht man als Leser einfach zu, wie die Ermittler diesem hinterherrennen. Also nix zum Rätseln für die Leser. Da dieser Fall komplett spannungsfrei ist, hat Vinvent Kliesch wenigstens noch einen zweiten Fall eingewoben. Das entführte Modell, dem man in Gefangenschaft über die Schulter blickt, bringt wenigstens etwas Spannung ins Spiel. Denn wer der Täter ist, bleibt fast bis zum Schluss offen. Zum Schluss mit der Auflösung beider Fälle konnte mich der Autor doch noch überraschen und dies hat einiges bei meiner Bewertung nach oben korrigiert.


    Vincent Kliesch schreibt in einem einfach gehaltenen Schreibstil. Mir haben fundierte Ermittlungsergebnisse gefehlt, hier sollte der Autor noch etwas feilen. Der Protagonist Severin Boesherz ist etwas fade und er glänzt nicht mit grossen Reden. Allerdings zeigt er wenigstens, dass er auch Herz hat, denn er verstrickt sich in eine kleine Liebelei mit einer anderen Figur.


    3ratten

    Familienbande


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    Der siebzigste Geburtstag von Adam Gardener steht bevor und seine Familie überlegt, wie dieses Ereignis gefeiert werden kann. Die Geschwister Abby und Ken, die längst erwachsen und aus dem väterlichen Haus auf Cape Cod ausgezogen sind, müssen sich für dieses grosse Ereignis zusammenraufen. Nach dem Verlust von Mutter Emily in ihrer frühen Kindheit haben sie sich einander sehr verbunden gefühlt. Doch diese Verbundenheit haben die Geschwister im Laufe der Jahre verloren und immer mehr Konflikte kommen ans Licht. Als sich auch noch herausstellt, dass Adam seinen Kindern jahrelang etwas verschwiegen hat, scheint nicht nur das rauschende Fest, sondern auch der Familienzusammenhalt in Gefahr.


    Die Mitglieder der Familie Gardener haben durch den frühen Tod von Ehefrau und Mutter Emiliy sehr viel mitgemacht und leiden noch heute unter dem Verlust.

    Adam, der bärbeissige und sarkastische Meeresbiologe, hat seine beiden Kindern alleine aufgezogen und sieht heute noch voller Trauer auf die vergangene Beziehung mit Emily zurück. Dabei ist sie seit 38 Jahren tot. Die Figur Adam erschien mir über weite Teile des Buches als wankelmütig und unausgegoren. Erst gegen Schluss habe ich erfahren und verstanden, weshalb er so skizziert wurde. Hervorragende Idee und Umsetzung der Autorin.

    Sohn Ken, der gerade einmal 4 Jahre alt war, als seine Mutter starb, hat heute selbst eine Familie und versucht seinen Zwillingstöchtern im Teenageralter ein guter Vater zu sein. Ken verarbeitet in einer Therapie den Verlust der Mutter, sowie die schwierige Beziehung zu seiner Frau und ein weiteres Ereignis aus der Vergangenheit.

    Abby, die ein Baby war, als Emily starb, arbeitet heute als Künstlerin und hegt grossen Groll gegen ihren Bruder. Abby muss auch damit leben, dass sie schuld am Tod der Mutter ist, da diese bei ihrer Geburt starb. Etwas, was Ken ihr bewusst oder unbewusst noch heute, im Erwachsenenalter, zu spüren gibt. Die Geschwister treibt zudem auseinander, was vielen Familien zum Verhängnis wird: ein ungleich verteiltes Erbe der Mutter.

    Und dann ist da noch Steph, deren Zugehörigkeit mit der Familie ich hier offen lasse, die aber die Beziehungen der Familienmitglieder zusätzlich verkompliziert.


    Adrienne Brodeur hat mit "Treibgut" einen Roman geschaffen, der eine Familie zeigt, wie es sie so viele gibt. Verbunden mit einer gemeinsamen Vergangenheit hat sich jedes Familienmitglied auseinander entwickelt und Konflikte brechen auf. Dabei beleuchtet die Autorin jedes Mitglied ausgewogen und gibt jedem der Fünf eine Stimme. In abwechselnden Kapiteln kommen Abby, Ken, Steph, Adam und Kens Frau Jenny zu Wort. Als Leser sieht man so die Sicht auf die Handlung in der Gegenwart und der Vergangenheit aus unterschiedlichen Perspektiven, was die Geschichte sehr abwechslungsreich macht. Gut charakterisierte Figuren, die mir nicht unbedingt alle sympathisch waren, verleihen der Handlung Tiefe und machen diese authentisch.

    Einige Längen, wie zum Beispiel die Beschreibungen rund um Adams Arbeit als Meeresbiologe oder die Therapiesitzungen von Ken mit seinem Therapeuten George, hätten gestrafft werden dürfen.


    4ratten

    Zu viele Mutproben


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    Wie das wohl ist in der Schule?

    Lolle und Linus sind gespannt, ängstlich und können es nicht erwarten in die erste Klasse zu kommen. Viele Fragen tauchen bei den zukünftigen Erstklässlern auf.

    Lolle hat die Idee, dass sie normale Murmeln zu Mutmurmeln machen. Dafür müssen die beiden zukünftigen Schulkinder etliche Mutproben bestehen.


    Die Schule ist für viele Kinder eine grosse unbekannte Welt und dementsprechend blicken sie auf den ersten Schultag mit gemischten Gefühlen. Das Buch "Mutmurmeln" kann als Anlass genommen werden, mit Kindern über diese Gefühle zu sprechen.

    Als Vorlesebuch eignet es sich darum perfekt. Allerdings empfand ich die Idee und das zentrale Thema eher dürftig umgesetzt. Denn von zwölf Doppelseiten geht es auf davon vier Seiten um Mutproben, die nicht viel mit diesem Thema zu tun haben. Da wird bei einem Nachbarn in einer Art Klingelstreich versucht ein Gurkenmops auszuleihen oder ein Regenwurm soll gegessen werden. Witzig, jedoch weit weg vom Thema "erster Schultag". Ausser, sich Mut anzutrainieren und diesen auf die Murmeln zu übertragen, frage ich mich, was ein Aufenthalt im Keller ohne Licht mit den Aengsten vor dem ersten Schultag zu tun hat? Ich habe schon verstanden, dass symbolisch Mut auf eine Murmel geladen werden und diese dann am ersten Schultag Glück bringen soll. Aber eben, ein Drittel des Buches für diese Mutproben aufzuwenden, empfand ich als zu ausufernd.


    Die Illustrationen von Caroline Opheys sind sehr ansprechend und bunt. Es gibt viel zu entdecken und die Zeichnungen sind sehr detailliert und plastisch. Die Kinder sind relativ gross gezeichnet im Verhältnis zu der Lehrerin oder dem Nachbarn Herrn Grün mit dem Klingelstreich. Ich frage mich, ob das beabsichtigt war, um die Hauptpersonen hervorzuheben?


    4ratten

    Lieblingsautor


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    Die junge Studentin Kay Sixtree arbeitet an der Autopsie von einem Selbstmörder. Dabei entdeckt sie Unstimmigkeiten. Kurz zuvor hatte ihre Mentorin Dr. Hoove bei einer anderen Autopsie ebenfalls Abweichungen festgestellt.

    Dr. Hoove meldet dies sofort bei Detective Robert Hunter und Carlos Garcia vom LAPD.

    Deren Abteilung für besonders brutale Verbrechen hat aber ein Problem. Wie sollen sie ermitteln, wenn es keinen Tatort gibt und keinerlei Verbindung unter den Opfern feststellbar ist.


    Da ist es wieder, das Dreamteam der Spezial - Einheit für besonders brutale Verbrechen des LAPD. Als Liebhaber der Reihe habe ich mich schon sehr lange auf diesen nächsten Band gefreut.

    Detective Robert Hunter, Detective Carlos Gracias und ihre Chefin Captain Blake ermitteln gekonnt und intelligent. Ich mag besonders die witzigen Dialoge, die sie miteinander führen. Diese lockern wunderbar auf. Im mittlerweile dreizehnten Band zeigt das Ermittlerteam und ihr Schöpfer Chris Carter keinerlei Ermüdungserscheinungen.

    Im Gegenteil.

    Die Reihe wird immer besser. Einmal mehr haben es die Drei mit einem Serientäter zu tun. Einmal mehr haben wir ein Buch voller Brutalität, Grauen und Gänsehaut bekommen. Dies als Warnung für Leser, die Probleme haben mit blutigen und schonungslosen Beschreibungen. "Der Totenarzt" ist kein Lesestoff für sensible Leser.

    Chris Carter zeigt immer vor der Tat, wie die Opfer leben, denken und fühlen. Dadurch ist mein Mitfühlen noch mal grösser, als in einem anderen Buch in ähnlichem Genre, in dem man die Opfer nur als Tote kennt. In "Der Totenarzt" kommt jedoch noch dazu, dass ich auch die Taten des Serientäters irgendwo nachvollziehen konnte. Klar, ist es nicht in Ordnung, dass jemand "für Ordnung sorgt", um es mal salopp auszudrücken. Und trotzdem habe ich die, zugegeben verrutschten, Motive des Täters ein klein wenig verstanden.


    Der Autor konnte nicht nur durch das ganze Buch die Spannung hochhalten. Er hat wieder Figuren geschaffen, die sehr lebendig erscheinen. Ich hoffe zudem, dass im nächsten Band der neue Stern am Rechtsmedizinerhimmel einen Stammplatz bekommt. Die junge Studentin Kay Sixtree, die während einer Autopsie entdeckt, dass ein feststehendes Ergebnis ins Wanken geraten kann, ist fantastisch charakterisiert. Übrigens war diese Passage, in der Studenten Autopsien üben, eine meiner Highlights in der Geschichte. Denn durch viel Witz, nachvollziehbaren und plastischen Beschreibungen habe ich diese wortwörtlich atemlos gelesen.

    Einmal mehr hat sich mir bestätigt, was ich schon lange weiss: Chris Carter gehört für mich auf die Liste der besten Autoren in diesem Genre.


    5ratten


    :tipp:

    Lügen und betrügen


    Ryan Sumner ist überglücklich, als seine Freundin Evie Porter bei ihm in seine Villa in Lake Forbing einzieht. Die beiden sind sehr ineinander verliebt und Ryan stellt sie seinen Freunden vor. Auf einer Party begegnen die beiden einem alten Jugendfreund von Ryan, der ihnen ebenfalls seine neue Freundin vorstellt.

    Die junge Frau gleicht nicht nur Evie, sondern benutzt auch einen Namen, der ihr sehr bekannt vorkommt. Lucca Marino hiess Evie nämlich in einem früheren Leben, das sie hinter sich lassen musste. Was verbirgt die junge Frau und weshalb ist sie unter Evies Namen in Lake Forbing?


    Lügen haben kurze Beine, so sagt man allgemein. Nicht hier in dieser Geschichte. Denn Evie, die als Trickbetrügerin arbeitet, kommt meistens mit ihren Lügen durch. Alles, was sie so zusammenreimt, andere anlügt und betrügt, ist kriminell. Von Beginn weg ist klar, dass Evie nicht die ist, die sie vorgibt zu sein. Sehr schnell tauchte bei mir die Frage auf, weshalb sie unter falschen Identitäten lebt. Diese Frage löste grosse Spannung aus und durch die stetig eingeworfenen Bröckchen wird diese noch gesteigert. Fehlende Puzzleteile erfährt man in den Rückblenden aus Evies Vergangenheit. Diese Blicke in die Vergangenheit mit den verschiedenen Identitäten Evies bedingen sehr konzentriertes Lesen.


    Leider geschieht die Aufklärung, weshalb Evie sich in der Gegenwart als die smarte Geschäftsfrau ausgibt, sehr früh. Meiner Meinung nach hätte dies der Spannung zuliebe noch hinausgezögert werden dürfen. Denn diese nimmt ab da abrupt ab und die Handlung wird leicht träge. Hier werden, nennen wir sie Aufträge, von der Trickbetrügerin beschrieben. Trotz der skrupellosen Kriminalität Evies mochte ich die Figur. Rätsel gab mir Ryan auf, den ich sehr lange nicht einschätzen konnte.


    Ashley Elston hat ohne Zweifel eine komplexe und fantasievolle Geschichte geschaffen. Diese hat sie mit einer sympathischen Protagonistin bestückt. sie konnte mich, trotz Hang zu grosser Kriminalität, rasch in den Sack stecken. Allerdings empfand ich die Story gegen Schluss, als sich vieles verbindet, sehr wirr und ich habe teilweise den Faden verloren.


    3ratten

    Nüchterner Schreibstil


    Direkt von der Polizeischule in Amsterdam kommend, tritt Profilerin Lot van Dijk ihre erste Stelle bei der Polizei in der Region Tente an. Einer Gemeinde, in der nicht viel geschieht und die Polizei vor allem mit entlaufenden Tieren beschäftigt ist.

    Ein schrecklicher Fund in einer ehemaligen Salzhütte wirbelt jedoch das geruhsame Leben der Beamten durcheinander und Lot kann endlich beweisen, was sie in ihrer Ausbildung gelernt hat.


    Alles weist darauf hin, dass ein Serienkiller mordet, doch Lots Chef und Kollegen glauben nicht an ihre Prophezeiungen ... bis eine weitere Tote gefunden wird.

    Chronologisch wird die Geschichte in der Gegenwart mit Lot im Mittelpunkt erzählt. Regelmässig wird dieser Strang unterbrochen von Kapiteln, in denen die Vergangenheit des Täters, sowie einzelne Passagen aus der Sicht eines Opfers, thematisiert werden.


    In der Gegenwart dreht sich vieles um die Akzeptanz der jungen Profilerin in dem Team, das schon lange zusammenarbeitet. Sie muss sich ganz schön durchbeissen und wird zur Kaffeeholerin degradiert. So mancher männlicher Kollege, wie auch ihr vorgesetzter Leo schrammen nahe an Mobbing vorbei. Letzterer macht eine wundersame 180 Grad Drehung, als Lot einiges zur Aufklärung beträgt. Das gesamte Team ist nicht nur höchst unprofessionell, sondern auch unsympathisch.


    Lot selbst hat oft seltsame Geistesblitze, die rein der Umsetzung des Plots dienen und mich mit einem schalen Gefühl zurücklassen. Mir war die ganze Seite der Ermittlungen zu schleppend und blass. Es haben mir eindeutig überraschende Wendungen und Spannung gefehlt. Immerzu hatten die Ermittler mögliche Täter zur Hand, die rein dadurch in das Zentrum der Ermittlungen gerieten, weil sie im Wald campieren oder nach einer abgesessenen Haftstrafe zum Zeitpunkt der Tat wieder auf freiem Fuss waren.


    Durch den oft abgehackten und nüchternen Schreibstil haben mich leider die eigentlich bedrückenden Kapitel mit dem Opfer im Mittelpunkt kaltgelassen. Da hätte eine Menge mehr Gefühl hineingehört, um mit dem Opfer mitzufühlen. Die Passagen aus der Vergangenheit des Täters sind ebenso sachlich gehalten. Man sieht jedoch, wie viel in einer Kindheit falsch laufen kann und so ein potenzieller Täter heranwächst. Dieser Täter, dessen Identifizierung zum Schluss gar schnell gelöst wird.


    3ratten

    Exzellenter Plot


    In München ein bezahlbares Zimmer zu finden, stellt Studentin Juli Schindler vor Probleme. Sie ist überglücklich, als sie an der Rebenstrasse Nummer 11 fündig wird. Als Untermieterin der jungen Schauspielerin Greta kann Juli schon am nächsten Tag in deren Dachwohnung einziehen. Nach der ersten Nacht, in der Juli immerzu Geräusche auf dem Dachboden hört, ist sie sich nicht mehr so sicher, ob sie sich wirklich glücklich schätzen kann. Als eines Tages auf dem Dachboden eine Leiche gefunden wird, bekommt es Juli mit der Angst zu tun. Denn laut Polizei liegt diese Leiche dort schon lange. Juli war jedoch einige Tage zuvor dort oben und hat keine Leiche gesehen. Bald einmal traut sie weder ihren Wahrnehmungen, noch sonst jemandem im Haus über den Weg. Und wohin ist eigentlich das seltsame Kind, das immer vor der Dachbodentüre herumlungert, verschwunden?


    Mit dem Wissen aus dem Klappentext liest sich das Einführungskapitel noch einmal schauriger. Ein Kind, das von seiner Mutter auf dem Dachboden eingesperrt wird und verzweifelt versucht, sich zu befreien. Ich habe mich gefragt, wer dieses Kind ist und wo ich dieses Einstiegskapitel zeitlich einordnen muss.

    Denn danach wandelt sich die Geschichte und man lernt die junge Studentin Juli und ihre Mitbewohnerin Greta kennen. Greta vermietet ein Zimmer in ihrer Wohnung an Juli und was sehr gut beginnt, wird immer abgedrehter.

    Irgendwann stapeln sich die seltsamen Geschehnisse und Greta wird immer unausstehlicher zu Juli. Sehr schnell wird Spannung aufgebaut und man wartet förmlich auf den schrecklichen Fund auf dem Dachboden, der im Klappentext angekündigt wird.


    Ich konnte lange nicht einschätzen, was die beiden Frauen wirklich erleben und was der Fantasie der beiden geschuldet ist. Kippt die Geschichte in Richtung paranormale Geschehnisse? Warum ist Greta so gemein zu Juli? Genau diese Fragen und Zweifel hat die Autorin hervorragend in den Kopf ihrer Leser gesät. Ich hatte von Beginn weg eine Vermutung, wer dieses Kind und wer für die Leiche verantwortlich ist. Nun ja, diese Vermutung war ... falsch.


    Gegen Schluss dreht sich die Geschichte und im Nachhinein ist alles anders als gedacht. Schlüssig anders und psychologisch exzellent ausgearbeitet. Der Plot ist ganz grosses Kino und so clever, dass ich nicht anders kann, als 5 Sterne zu vergeben.

    Dieses Buch trägt die Einteilung "Psychothriller" mit Recht.


    5ratten :tipp:

    Leichte Unterhaltung


    Durch ihre Fernbeziehung sehen sich Christine und Johann selten. Umso mehr freut sich Christine auf den Urlaub auf Sylt, den sie gemeinsam in der Ferienwohnung in der oberen Etage in ihrem Elternhaus verleben.

    Ihre Eltern werden sie den Urlaub geniessen lassen, so hofft sie. Denn schliesslich ist sie mit ihren 46 Jahren kein Kind mehr. Zum Geniessen kommt Christine erstmal nicht, denn überraschend taucht ihre Tante Inge auf Sylt auf. Sie hat eine Auszeit von ihrem Mann Walter genommen. Und das mit 64 Jahren...


    Als leichte und humorvolle Lektüre kenne ich die Bücher von Dora Heldt, in denen die Familie rund um Papa Heinz im Mittelpunkt steht. Auch "Tante Inge haut ab" reihe ich in diese Sparte ein. Dieses Mal ist Heinz eher in einer Nebenrolle und seine jüngere Schwester Inge und seine Tochter Christine im Fokus der Handlung. Erstere bricht aus einer lieblosen und langweilig gewordenen Ehe aus. Letztere sträubt sich dagegen, sich dauerhaft zu verpflichten und mit ihrem Freund Johann zusammenzuziehen. Jenen Johann, den sie im Buch " Urlaub mit Papa" kennen und lieben gelernt hat. Für mich übrigens immer noch der lustigste Teil der Vierer - Reihe.


    Die Dora Heldt Bücher haben einen einfach gehaltenen Plot und sie sind chronologisch und durchwegs in der Erzählperspektive geschrieben. Die Figuren sind charakterstark, mit leichtem Hand zu Uebertreibungen, skizziert. Dadurch lesen sich die Bücher relativ schnell und bieten gute Unterhaltung. Allerdings sind es auch Bücher, die nicht "hängen" bleiben.


    Obwohl die Geschichte auf Sylt handelt, gibt es keine ausgedehnten Landschaftsbeschreibungen oder ausschweifende Stimmungen der Gezeiten. Was wiederum ganz dem Stil der Autorin geschuldet ist, die sich nie in langen Beschreibungen verliert, sondern den Leser mit Tempo durch die Handlung führt. Spezifische Details, mit denen Sylt kämpft, wie zum Beispiel die Wohnungsnot für die einheimische Bevölkerung, streuen eine Prise Authentizität in die Geschichte. Gegen Schluss bekommt man auch noch ein Stück Krimi und es benötigt sogar einen Kriminalbeamten.


    4ratten

    Unglaubwürdiges Motiv


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    In der Chirurgie des Klinikums Spreehöhe in Berlin operiert Dr. Sasha Müller einen Patienten mit einem Raucherbein. Es scheint ein Routineeingriff, wie sie schon hundertmal operiert hat. Dr. Sasha Müller setzt ganz auf künstliche Intelligenz. Eine Technik, die auch medizinische Bereiche erobert. Doch während der Operation geht einiges schief und der Patient stirbt.

    Die Aerztin wird angeklagt fahrlässig gearbeitet zu haben. Die Oeffentlichkeit bekommt Wind von der Sache und die Stimmung kocht hoch. Verteidiger Rocco Eberhardt ist von der Unschuld seiner Mandantin überzeugt und versucht herauszufinden, ob KI versagt hat?


    Hier ist er nun also der von mir heissersehnte vierte Teil der Justiz - Krimireihe aus der Feder von Michael Tsokos und Florian Schwiecker. Dieses Mal spielt sich die Handlung vorwiegend im Krankenhaus, in der Abteilung einer grossen Tageszeitung und natürlich, wie alle Teile der Reihe, im Gerichtssaal ab.


    Sehr gut wird die medizinische Seite, die sehr zentral ist, dem Leser vermittelt. Dass mithilfe künstlicher Intelligenz operiert werden kann, war mit bisher nicht bewusst. Nach dieser Geschichte befällt mich doch etwas Unbehagen, wenn ich daran denke, dass ein Chirurg sich bei einer Operation fremd steuern lassen kann. Eine Podiumsdiskussion als Einführung in die Geschichte legt das Pro und Contra der KI sehr gut dar.


    Man merkt sehr gut, dass Michael Tsokos eine grosse Ahnung der Materie "Medizin" hat. Als Professor der Rechtsmedizin streut er medizinisches Wissen gekonnt ein. Man bekommt Einblick in einen kleinen Teil des Klinikalltages, von Fachkräftemangel bis zu verschobenen Operationen.

    Florian Schwiecker hingegen deckt als ausgebildeter Strafverteidiger die rechtlichen Passagen ab. Immer wieder touchierten die Szenen im Gerichtsfall meine Emotionen. So konnte ich mich sehr schön ärgern, freuen und nerven. Diese beiden Teilbereiche, in denen das Autorenduo sattelfest ist, sind sehr authentisch und real.

    In Gestalt von der jungen Journalistin Jule Hermann zeigen die Autoren eine andere Seite: die der "Jäger", die Publicity veranstalten und somit möglichst die Auflagen der Zeitungen in die Höhe treiben. Die junge Journalistin, die im Mittelpunkt steht, zeigt jedoch leichte Skrupel, einen tragischen Todesfall so auszuschlachten.

    Auch wieder mit von der Partie sind Dr. Justus Jarmer von der Rechtsmedizin und Eberhardts rechte Hand Tobias Baumann. Letzterer dieses mal erstaunlich blass.


    Nicht ganz so zufrieden bin ich mit dem Moment, in dem Rocco Eberhardt und sein Team den Tathergang auflösen. Dieser geht leise vonstatten und wird eher nebenbei entdeckt. Dies durch eine Komponente, die auch schon gleich zu Beginn ihrer Recherchen hätte aufgedeckt werden können. Zudem wirkt das Motiv für die Tat aufgesetzt und unglaubwürdig.


    4ratten

    Nicht nur, das somit von Anfang klar war, wer wohl getötet werden würde - jap, die Person die am wenigsten sympathisch ist.

    ...da gibt es ja so einige Möglichkeiten...ich fand ein paar Figuren sehr unsympathisch. Tatsächlich hat mich die Identität der Leiche überrascht.

    Plot - Twists!


    Ein rauschendes Fest soll die Hochzeit von Julia Keegan und Will Slater werden. Jules, wie die Braut von allen genannt wird, hat dafür einen ganz besonderen Ort ausgewählt.

    Auf der Insel Inis an Amplora vor der irischen Küste hat sie ein Hotel gemietet, deren Besitzerin auch als Hochzeitsplanerin fungiert.

    Als ein heftiger Sturm aufkommt, bringt dieser nicht nur eine Anpassung im durchgetakteten Plan, sondern auch eine Leiche.


    Insel - Party - Sturm. Diese Kombination ist sicher nicht neu. Was die Autorin jedoch daraus gemacht hat, hat mich gefesselt. Im ersten Kapitel, das mit "Jetzt - die Hochzeitsnacht" übertitelt ist, wird nämlich klar, dass in jener Nacht auf der Insel etwas Schreckliches geschieht. Was genau und wer betroffen ist, lässt Lucy Foley noch offen.

    Danach wird auf zwei Zeitebenen weiter erzählt. Das "Jetzt" wird in der Erzählerrolle weitergeführt und nach und nach erfährt man, was geschehen ist. Auf der zweiten Erzählebene wird chronologisch die Handlung vor dem besagten Abend geführt. Diese Kapitel werden aus der Sicht mehrerer Figuren, die hervorragend deklariert sind, erzählt. Was chaotisch tönt, ist sehr gut gegliedert . Einerseits weiss man, dass etwas geschieht, was diese Hochzeitsfeier auf ein Level des Grauens hebt und andererseits bekommt man Einblick in die Ereignisse und den eventuellen Auslöser davon. Dies ist sehr spannend.

    Mehrere Figuren sind zudem im Mittelpunkt von bedrückenden, fesselnden oder interessanten Nebengeschichten. Diese Nebengeschichten mausern sich bis zum Schluss zu einem ideenreichen und genialen Ganzen. Plot - Twists, die mich begeistert haben und die ich nicht habe kommen sehen.

    Lucy Foley bleibt ihrem Stil treu! Denn schon in "Neuschnee" hat sie eine ähnliche Kombination, nämlich "Landgut - Jahreswechsel - Schneesturm" geschrieben. Auch die vielen Perspektivwechsel gehören zu ihrem Stil. In "Sommernacht" haben mich diese, im Gegensatz zu "Neuschnee", nicht gestört. Vielleicht, da die Figuren in diesem Buch dichter und "erkenntlicher" charakterisiert sind?


    5ratten

    Wenig Spannung!


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    Nachdem ihr Bruder schon vor Jahren jeglichen Kontakt zum Vater abgebrochen hat, fühlt sich Hannah Davidson verpflichtet, sich um den dementen und alten Mann zu kümmern.

    Sie zieht kurzerhand wieder in ihr Elternhaus in London zurück. Als ihr Vater sie mit ihrer Mutter Jen, die vor vielen Jahren tot aufgefunden wurde, verwechselt, beschleicht Hannah ein schrecklicher Verdacht.

    Was weiss ihr Vater über den mysteriösen Tod seiner Frau?


    Die Geschichte um die Familie Davidson kommt nur sehr gemächlich in Gang. So sind ersten 45 E-Book Seiten sehr träge, da man als Leser hauptsächlich eine Einführung kriegt. Die Autorin berichtet ellenlang über die Figuren, ihre Beziehung untereinander und vergangene Kränkungen. An Handlung geschieht nicht übermässig viel und nach langen und zähen Seiten hat man eigentlich nur die Erkenntnis, dass Hannah ihre ganze Familiengeschichte infrage stellt. Das legt sich nach den langatmigen ersten 45 Seiten und die Frage taucht auf, was vor vielen Jahren mit Hannahs Mutter geschehen ist und wer Schuld an ihrem Tod trägt.


    Hannah schlüpft in die Rolle ihrer Mutter Jen, nimmt kurzerhand ab und zieht eine blonde Perücke über den Kopf und Jens Kleider an, die wundersamerweise nach 20 Jahren immer noch alle in den Schränken hängen. Damit versucht sie bei verschiedenen Personen in ihrem Umfeld die Wahrheit herauszukitzeln. Das ist nicht nur krank, sondern auch noch an den Haaren herbeigezogen. Dass der demente Vater auf diese Scharade hereinfällt, mag ja noch angehen. Die anderen Figuren jedoch, die ja alle wissen, dass Jen schon viele Jahre tot ist, lassen sich problemlos provozieren.

    Mitte Buch habe ich geahnt, worauf das Ganze hinausläuft und 50 Seiten vor Schluss hat sich diese Ahnung bestätigt. Ein paar Geschehnisse, die sich in der Vergangenheit ereignet haben, brachten den dringend nötigen Pep in die Geschichte. Wie in vielen anderen Büchern, in denen 20 Jahre nach einer Tat, diese aufgeklärt wird, ist es auch hier so, dass der Hinweis auf die Mordwaffe noch immer herumsteht. Und das 20 Jahre nach der Tat! Welcher Täter lässt solche Hinweise stehen?


    Vielschichtig sind die Beziehungen innerhalb der Familie Davidson. Hannah, die im Teenageralter ihre geliebte Mutter verloren hat, ist nun, als Erwachsene, noch nicht darüber hinweg. Hannah zeigt Suchtverhalten und wirkt oft fahrig und aufbrausend. Ihr Bruder Reece, der 4 Jahre älter ist, hat komplett mit Schwester und Vater gebrochen und versucht, sich aus der "Affäre" pflegebedürftiger Vater zu winden. Durch die Demenz konnte ich Hanna^s und Reece Vater nicht so richtig einschätzen. Es gab jedoch ein paar Szenen, die fand ich sehr beklemmend und gruselig. Sehr berührt hat mich die Nebengeschichte mit der krebskranken und alten Katze der Familie.

    Ich denke, wenn die Autorin den Start in die Geschichte etwas temporeicher und vor allem mit Handlung bestückt hätte, hätte das der ganzen Geschichte gutgetan. Denn der Schreibstil ist gut und hat mich überzeugt.


    3ratten

    Subtil!


    Aufgewachsen ist Helena Pelletier in einer baufälligen Hütte im Moor. Abgeschnitten von der Zivilisation und der Welt lebte die kleine Familie eins mit der Natur. So war sich Helena von klein auf gewohnt, sich auf ihre Wahrnehmung, ihr Wissen und ihren Vater zu verlassen. Bis sich nach 15 Jahren nicht nur ihre Welt, sondern sich auch der Blick auf ihren Vater ändert. Denn Jakob ist ein gesuchter Verbrecher und Helena die Frucht aus diesem Verbrechen. Jahre später, Helena ist selbst Mutter zweier Töchter, bricht ihr Vater aus dem Hochsicherungsgefängnis aus und nimmt Kontakt mit ihr auf. Er zettelt eines ihrer schon früher oftmals gespielten Fährtenlesen-Duelle aus. Nur, dass das Ganze kein Spiel mehr ist.


    Titelgebend ist das Märchen von Hans Christian Andersen "Die Tochter des Moorkönigs", aus dem regelmässig bei Kapitelbeginn kleine Abschnitte abgedruckt wurden. Doch damit hat es sich auch schon mit Märchen. Denn der Plot der Geschichte ist an und für sich sehr verstörend.

    Ein Kind wächst mit seinen Eltern im Moor auf. Ohne zu ahnen, dass ihre Mutter nicht freiwillig dort lebt und ihr Vater ein gesuchter Verbrecher ist. Ihre Kindheit nennt die Protagonistin Helena immer wieder " meine Zeit im Moor". Was genau die Tat ihres Vaters beinhaltet, verrate ich hier natürlich nicht. Nur so viel: diese Tat ist zutiefst abscheulich und eines der schlimmeren Verbrechen, das ich mir vorstellen kann.


    Ein paar Logiklöcher haben mich gestört. So denkt die Protagonistin in ihren Erzählungen als 11-Jährige über Autos und Fernseher nach. Das wohlgemerkt, obwohl sie die ersten elf Jahre ihres Lebens in einer provisorischen Hütte im Moor ohne Strom und fliessendem Wasser verbracht hat.


    Die Erzählungen von Helena, die von der Gegenwart in die Kindheit wechseln, sind beklemmend und beängstigend. Oft musste ich mir in Erinnerung rufen, warum sie im Moor aufwachsen muss. Gerade diese Normalität, die sie skizziert, hat bei mir Grauen ausgelöst. Sie kannte kein anderes Leben und für sie war ihr Leben normal und nicht beängstigend. Mangels Vergleiche und Wissen wächst sie auf, wie es ihr vorgegeben und vorgelebt wird. Die Passagen ihrer Kindheit beinhalten keine offensichtlichen Misshandlungen oder Gewalt. Diese treten subtil auf. Spannend wird es in den Passagen, die in der Gegenwart handeln, denn da jagt Helena ihren Vater. Eine grosse Portion Naturbeschreibungen, naturkundliche Details und Survival runden die Geschichte ab.


    Mir hat " Die Moortochter" gut gefallen, obwohl der Spannungsbogen relativ flach gehalten wird. Nicht die Suche und die Ueberführung eines Täters steht im Mittelpunkt, sondern das Leben eines Opfers, der Tochter des Täters. Karen Dionne hat sehr viel Wert auf naturkundliche Beschreibungen und Erläuterungen gelegt, mit denen sie mich gefesselt hat.


    4ratten

    Rätselfaktor: hoch!


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    Immer wieder verschwinden oder verunglücken Menschen in einem Waldstück in der Nähe von Stafferbury. Die Strasse durch den Wald, der Devil's Corridor genannt wird, wurde 1998 auch Olivia Rutherford und ihren Freundinnen zum Verhängnis. Olivia hat schwer verletzt überlebt, ihre drei Freundinnen verschwanden spurlos und noch vom Unfallort in dieser regnerischen Nacht. Nun, 20 Jahre später, soll die Journalistin Jenna Holliday einen Podcast über "Devil's Corridor" und den Unfall 1998 machen. Jenna mietet ein Häuschen im Wald und beginnt zu recherchieren. Etwas, was einigen Dorfbewohnern nicht zu passen scheint.


    Der Einstieg in diese spannende Geschichte beschreibt die Ereignisse 1998. Vier junge Frauen, die nach dem Ausgang nach Hause fahren, haben einen Unfall. Olivia, die Fahrerin, überlebt schwer verletzt und ihre drei Freundinnen verschwinden spurlos. Damit hat die Autorin schon beim Einstieg meine Neugier geweckt. Was ist mit Tasmina, Kate und Sally geschehen? Wurden sie entführt oder sind sie freiwillig aus dem Unfallwagen verschwunden und untergetaucht? Warum wurde Olivia zurückgelassen?


    Abwechselnd werden die Ereignisse aus der Sicht von Jenna und von Olivia erzählt. Damit hebt Claire Douglas die Spannung auf ein zusätzliches Level, denn man erfährt nach und nach, was Jenna recherchiert und erfährt und was Olivia fühlt und über das Erlebte denkt. Hier werden auch immer wieder kleine Andeutungen, was bei dem Unfall geschehen ist, gemacht. Zusätzlich wurde eine weitere Passage eingeflochten, die ich lange nicht einordnen konnte. Diese Passage ist sehr wichtig für die Auflösung und ausgesprochen unvorhersehbar. Sehr unvorhersehbar, aber leider auch sehr konstruiert. Ich war mit dem Schluss nicht so ganz glücklich.


    Sehr gut hat Claire Douglas zudem die Atmosphäre in dem verwunschenen und unheimlichen Wald und in Jennas Hütte in diesem Wald eingefangen. Da es nahezu durch das ganze Buch durch regnet, es also unheimlich kalt und trüb ist und man die unheimlichen Ereignisse im Devil's Corridor im Kopf und im Rücken hat, hat es mich öfters einmal gegruselt.

    Wie so oft verstrickt die Autorin familiäre Schicksale in eine fesselnde Thriller - Geschichte. In "Girls Night" ist zudem der Rätselfaktor sehr hoch und die Spannung wird dadurch durchwegs gehalten.


    4ratten

    Unterhaltsam!


    Das Entsetzen ist gross, als Chefarzt Dr. Lee Howell auf dem Parkplatz des Krankenhauses, in dem er arbeitet, in den frühen Morgenstunden ermordet wird.

    Da er kurz zuvor seiner Kollegin Dr. Rennie Newton den Chefarztjob vor der Nase weggeschnappt hat, gerät sie in Verdacht einen Killer auf ihn abgesetzt zu haben. Denn Dr. Newton hat einen einschlägigen Bekannten im Killer - Mileu.

    Kurz zuvor hat sie als Geschworene dafür gesorgt, dass der Profikiller Lozada nicht verurteilt wird.


    Sandra Brown bleibt auch in "Crush - Gier" ihrem Stil treu. Sie schreibt detailliert und schafft es, dass man als Leser nie den Fokus auf die Hauptgeschichte verliert. So kann sie problemlos viele kleine Nebengeschichten zu Figuren, die einen kleinen Auftritt haben, erzählen und kurz danach ist man wieder mitten drin in der im Mittelpunkt stehenden Story.

    Einer Story, die nun nicht gerade die grosse Spannung bereithält. Es ist einfach so, dass das miträtseln, wer der Täter ist, in diesem Buch weitgehend wegfällt. Der Täter ist nämlich von Beginn weg bekannt und man kann höchstens mitfiebern, wann er der Polizei in die Fänge gerät und ob und wie die Ermittler genügend Material sammeln, ihn dingfest zu machen.

    Das Buch liest sich gut und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Spannende oder etwa "Thriller - Elemente" gibt es jedoch wenige. Wie immer in den Thrillern von Sandra Brown gibt es nicht nur kriminelle Machenschaften und einen bösen Buben, sondern auch jede Menge erotische Passagen und eine grosse Handvoll Liebesroman. Die Protagonistin ist, wie stets, erfolgreich, wohlhabend und attraktiv. Auch hier bleibt sich die Autorin treu.


    4ratten

    Mehr erwartet!


    Zu Werbezwecken werden die bekannte Influencerin Viktoria Kaplan, ihr Bruder Max mit Freundin Josefine, sowie ihre Freunde Karla, Sebastian und Julian eingeladen ein Wochenende in einem luxuriösen Retreat zu verbringen. Dafür soll Viktoria auf Instagram kräftig Werbung für das Glowing Forest Retreat and Lodges und dessen Besitzer Pierre Karthee machen.


    Doch das Wochenende in dem versteckt liegenden Anwesen verläuft nicht wie geplant, denn die Gruppe um Viktoria Kaplan ist teilweise von Neid, Spannungen und Geheimnissen zerfressen. Als jemand aus der Gruppe tot aufgefunden wird, zieht das alle in einen Strudel der Angst und der Anschuldigungen.


    Emily Rudolf hat einen Stil der Erzählung gewählt, den ich für diese Art von Thriller nicht ganz glücklich fand. Zu unübersichtlich und zu wirr ist der Aufbau. In abwechselnden Kapiteln kommen die verschiedenen Figuren zu Wort und ihre Sicht auf die Tage vor und während der Auszeit in dem luxuriösen Anwesen wird erzählt. Dazu kommt, dass die Geschichte auf zwei Zeitenebenen gegliedert wurde. Einerseits wird das Geschehen vor dem Leichenfund chronologisch rückwärts zählend beschrieben und andererseits wird erläutert, wie die Leiche gefunden wird und was danach geschieht. Das war mir einerseits zu viel hin und her Gehüpfe und andererseits dauerte es lange, bis man bei dem Hin und Her ein Gefühl für die Figuren bekommt. Leider wurden diese zudem nicht prägnant charakterisiert und ich musste noch gegen Schluss des Buches überlegen, wer denn nun zum Beispiel schon wieder Josefine und mit wem sie zusammen ist. Die Autorin hat etliche Geheimnisse und Heimlichtuereien eingewoben, nur bedauerlicherweise gehen diese teilweise völlig unter, da ich ständig damit beschäftigt war, die Figuren zu sortieren. Gut gemeint, doch zu kompliziert gegliedert im Aufbau. Schade, denn "Die Auszeit" hat sehr viel Potenzial.

    Gut gefallen hat mir, wie Instagram Posts die Geschichte unterbrechen und wie man einmal mehr sieht, dass nicht alles Gold ist, das glänzt.


    Sehr gut konnte die Autorin mir dieses exklusive Flecken Erde im Süden Deutschlands, bei dem ich dann doch von dem englischen Namen erstaunt war, näher bringen. Ich habe sehr schnell die örtlichen Details vor dem inneren Auge gesehen und fand das Ganze atmosphärisch gut gelungen. So richtig Spannung kam nie auf, sogar die Zeit nach dem Mord ist recht emotionslos geschrieben. Es fehlte viel Gefühl und das, obwohl immerzu jemand der Figuren eifersüchtig oder wütend ist oder sich einen Seitensprung leistet. Irgendwie waren ihre Reaktionen und Gedanken sehr blutleer und flach.


    3ratten

    Dürftige Handlung!


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    Das Restaurant "Aubergine" läuft bestens und ist beliebt. Irma hat aus dem einstigen "Hirschen" ein vegetarisches Restaurant gemacht, in dem man vorzüglich essen kann. Einzig mit ihren Angestellten hat sie oft zwischenmenschliche Schwierigkeiten. Da ist Josh, ihr Freund seit der Schulzeit, der auf Freiersfüssen wandelt. Lucy, die 17-jährige Schulabbrecherin, die zwar flink im Service, aber auch frech ist. Der Gemüsemann Vincent, der taub und ziemlich einsam ist und schlussendlich hilft auch ihre beste Freundin Nicole mit, die aber leider ein ziemliches Klatschmaul hat. Sie alle versucht Irma unter eine Haube zu kriegen und gerät dabei öfters zwischen die Fronten.


    Die Autorin bestreitet die Geschichte mit fünf Protagonisten, die abwechselnd in eigenen Kapiteln in ich Perspektive erzählen. Das empfand ich beim Start eine Herausforderung, da es keine Einführung in die Figuren gibt und man regelrecht in die Geschichte geworfen wird. Ich habe in einzelnen Kapiteln oft einige Seiten lesen müssen, um erfassen zu können, welche Figur gerade im Fokus steht und wer sie überhaupt ist. Immer wieder musste ich raten, wie die Figur in die Story passt. Wenn man dann mal ein Gefühl und eine Ahnung von den Figuren hat, erkennt man, wie wandelbar Ingrid Nolls Schreibstil ist und wie differenziert sie die Figuren zum Leben erweckt. So fand ich zum Beispiel den Jugend-Slang der Teenagerin Lucy gut, jedoch oft übertrieben und Jugendlichen, denen ich einzelne Sätze vorgelesen habe, bestätigten, dass "so kein Mensch spricht".


    In "Gruss aus der Küche" passiert nicht gerade die grosse Handlung. Klar wird gekocht und serviert und Irma versucht ihre bunte Schar irgendwie dazu zu bringen verantwortungsvoll zu arbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, rutscht ihr auch mal die Hand bei "Kichererbse" Lucy aus. Hauptsächlich geht es jedoch um zwischenmenschliche Konflikte, Liebeleien, Verleumdung und Gefühle. Dabei ist die Genreeinteilung " Krimi" völlig aus der Luft gegriffen, denn wo sich der Krimi versteckt, erschliesst sich mir nicht.


    Ingrid Noll kann schreiben, zweifelsohne ist ihr Stil gut lesbar, oft witzig und tiefgründig. Ich empfand leider die Handlung als dürftig und oft tritt das Geschehen auf der Stelle. Dadurch brauchte ich für dieses mit 304 Seiten eher dünne Buch relativ lange. Irgendwann war es für mich zu viel an Gefühlen und Streitereien und zu wenig an Handlung.


    3ratten