George Orwell-Animal Farm

Es gibt 49 Antworten in diesem Thema, welches 16.452 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von cynthor.


  • Daher finde ich Aussagen wie:



    relativ überflüssig. Niemand zwingt Dich, mit diesen Leuten über Bücher zu reden. Aber nur weil sie Illuminati lesen und ihnen die Mehrschichtigkeit in einem Roman nicht fehlt, sind sie nicht zwangsläufig dümmere Menschen oder weniger intellektuell, sie setzen eben nur ihre Prioritäten anders. Sie sind auch als Leser nicht weniger wertvoll. Wer sich auf einen solchen Standpunkt stellt, läßt für meinen Geschmack – und ich formuliere jetzt absichtlich drastisch – ein Maß an bildungsbürgerlicher Borniertheit erkennen, man könnte es auch Überheblichkeit nennen, die durch nichts gerechtfertigt ist. Einen Wenig-, Unterhaltungs- oder gar Nicht-Leser bringt man mit dieser Haltung wohl kaum zum Lesen künstlerischer Literatur.


    Ich habe nirgends behauptet, dass diese Leser dümmer oder weniger intellektuell sind. Überheblichkeit kann ich darin auch nicht entdecken, da ich gleichzeitig auch eine andere Gruppe an Lesern aus meinen persönlichen Präferenzen ausschließe (nämlich den intellektuellen Sachbuchleser). Beide Lesertypen interessieren mich höchstens am Rande. Ich weiß ja, dass es den Unterhaltungsleser gibt, finde ja schön, dass sie lesen, aber einen Austausch über Unterhaltungsliteratur in einem solchen Forum interessiert mich persönlich nicht. Das ist eine Darstellung meiner Interessenlage, keine Bewertung anderer Leser. Ich hoffe, das ist nun klar gestellt.


    Und ich glaube auch nicht, dass man mit Illuminati Wenig-Leser zur Kunst heranführt. Dazu müsste man schon ein wenig Anspruchsvolleres wählen.


    Gruß, Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von Klassikfreund ()


  • , daß damit wahlweise einer von zwei Effekten erzielt werden soll: entweder bewußter Ausschluß aller Leser, die für diese Kunst einfach „zu blöd“ sind (obwohl es sich dabei ja durchaus auch um intelligente Menschen handeln kann) oder bewußte Vera... der Leser


    Ehrlich gesagt fühle ich mich eher bei Büchern wie Illuminati vera...


    Und dass Leser bewusst ausgeschlossen werden sollen, mag für einige, ganz wenige Autoren gelten (vielleicht Arno Schmidt), für die breite Masse an Weltliteratur gilt es nicht. Man muss ja nicht nur Kanon-Listen lesen. Thomas Manns Werke (muss ja nicht gleich Doktor Faustus oder der Zauberberg sein) sind für einen Abiturienten ohne weiteres zu verstehen. Ob es gefällt, steht auf einem anderen Blatt.


    Gruß, Thomas


  • Ich habe nirgends behauptet, dass diese Leser dümmer oder weniger intellektuell sind.


    Nein? Du hast hier geschrieben:



    der intellektuelle Leser benötigt mehrere Schichten, um einen Roman zu genießen, da er die anderen Konstrukte zu leicht durchschaut und sie ihm daher "schal" vorkommen.


    Das heißt für mich doch im Umkehrschluß wohl, daß jemand, der – aus welchen Gründen auch immer – diese Mehrschichtigkeit nicht benötigt und sich mit anderen Konstrukten zufrieden gibt, nicht unter die Kategorie „intellektuell“ fällt, oder?



    Ehrlich gesagt fühle ich mich eher bei Büchern wie Illuminati vera...


    Das ist Dir ja auch unbenommen.



    Und ich glaube auch nicht, dass man mit Illuminati Wenig-Leser zur Kunst heranführt. Dazu müsste man schon ein wenig Anspruchsvolleres wählen.


    Nicht im ersten Schritt, aber in der Fahrschule fährt man ja auch nicht sofort Lamborghini oder Bentley (und die meisten fahren sie nie in ihrem Leben) :zwinker:


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Nein? Du hast hier geschrieben:



    Das heißt für mich doch im Umkehrschluß wohl, daß jemand, der – aus welchen Gründen auch immer – diese Mehrschichtigkeit nicht benötigt und sich mit anderen Konstrukten zufrieden gibt, nicht unter die Kategorie „intellektuell“ fällt, oder?


    Er fällt nicht in die Kategorie "intellektueller Roman-Leser", er kann durchaus in anderen Bereichen auf intellektuellem Niveau agieren.


    Gruß, Thomas


  • Er fällt nicht in die Kategorie "intellektueller Roman-Leser", er kann durchaus in anderen Bereichen auf intellektuellem Niveau agieren.


    Also laut Duden Fremdwörterbuch ist


    Zitat

    In|tel|lekt <lat.; das Innewerden, Wahrnehmung; Erkenntnis(vermögen)> der; -[e]s: Fähigkeit, Vermögen, unter Einsatz des Denkens Erkenntnisse, Einsichten zu erlangen; Denk-, Erkenntnisvermögen; Verstand.


    Und das ist etwas, das man Deiner Ansicht nach selektiv an- oder abschaltet? Und dann auch noch konsequent beim Roman-Lesen abschaltet, aber konsequent nicht in anderen Bereichen? Tut mir leid, aber das ist für mich nicht logisch. Für mein Empfinden steckt dahinter eine grundsätzliche Geisteshaltung, von der ich mich im Einzelfall durchaus einmal lösen kann, aber doch nicht auf diese Weise.


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Also laut Duden Fremdwörterbuch ist



    Und das ist etwas, das man Deiner Ansicht nach selektiv an- oder abschaltet?


    Ja, ich habe die Ansicht, dass man das ein- und ausschaltet, zumindest wenn es wie hier "Adjektiv intellektuell + bestimmte Tätigkeit Lesen" verwendet wird. So wie ich auch nicht immer ein "wissenschaftlicher Leser" bin (das ist jemand der so liest wie ein Wissenschaftler). Dass bin ich nur bei bestimmten Fachtexten aus meinem Studiengebiet. Die Bezeichnung "wissenschaftlicher Leser" sagt nichts darüber aus, ob jemand Wissenschaftler ist oder nicht. Intellektuell verwende ich ähnlich. Deine Definition von Intellekt hilft daher genau so wenig weiter wie die Definition eines Wissenschaftlers.


    Sollte ich das wirklich so falsch verwenden?


    Gruß, Thomas


  • Ja, ich habe die Ansicht, dass man das ein- und ausschaltet, zumindest wenn es wie hier "Adjektiv intellektuell + bestimmte Tätigkeit Lesen" verwendet wird. So wie ich auch nicht immer ein "wissenschaftlicher Leser" bin (das ist jemand der so liest wie ein Wissenschaftler). Dass bin ich nur bei bestimmten Fachtexten aus meinem Studiengebiet. Die Bezeichnung "wissenschaftlicher Leser" sagt nichts darüber aus, ob jemand Wissenschaftler ist oder nicht. Intellektuell verwende ich ähnlich. Deine Definition von Intellekt hilft daher genau so wenig weiter wie die Definition eines Wissenschaftlers.


    Sollte ich das wirklich so falsch verwenden?


    Ich versuche vor allem zu verstehen, wie Du es verwendest und verstehst. Der Vergleich mit dem wissenschaftlichen Lesen hinkt meiner Meinung nach auch. Hinter wissenschaftlichem Lesen steckt wieder ein anderer Ansatz, nämlich der der Informationsgewinnung. Unter dem Aspekt liest wohl niemand einen Roman, sondern wirklich nur Sachtexte, welcher Provenienz auch immer. Daher ist aber durchaus jeder, der einen Text auf wissenschaftliche Art liest, in diesem Moment ein Wissenschaftler, das macht sich nicht daran fest, ob jemand einen akademischen Abschluß hat oder ihn mit diesem Lesen anstrebt. Das wäre mir eine zu verkürzte Sicht von Wissenschaft. Und in ganz ähnlicher Form bedeutet für mich, wie ich schon sagte, intellektuell zu sein vor allem eine grundsätzliche Geisteshaltung, die ich entweder habe oder eben nicht. Aber das ist nichts, was ich nur bedarfsweise mal heranziehe. Intellektuell so wie Du es verwendest, scheint mir, ähnlich wie Dein Wissenschaftsbegriff, sehr viel enger gefaßt zu sein.


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Der Vergleich mit dem wissenschaftlichen Lesen hinkt meiner Meinung nach auch. Hinter wissenschaftlichem Lesen steckt wieder ein anderer Ansatz, nämlich der der Informationsgewinnung. Unter dem Aspekt liest wohl niemand einen Roman,


    Natürlich nicht, es geht doch gar nicht um die Art des Lesens, es geht darum, wie ich das Adjektiv verwende, das erläuterte ich am Beispiel "wissenschaftlicher Leser".


    Zitat


    Daher ist aber durchaus jeder, der einen Text auf wissenschaftliche Art liest, in diesem Moment ein Wissenschaftler, das macht sich nicht daran fest, ob jemand einen akademischen Abschluß hat oder ihn mit diesem Lesen anstrebt. Das wäre mir eine zu verkürzte Sicht von Wissenschaft.


    Mit dem akademischen Abschluss argumentiere ich nicht. Zur Klarstellung: Wissenschaftler ist eine Berufsbezeichnung, "wissenschaftlich" beschreibt gewisse Methoden, die in einem bestimmten Moment angewendet werden. Ein Intellektueller hat eine gewisse grundsätzliche Geisteshaltung, "intellektuell" hingegen beschreibt eine gewisse Geisteshaltung, die auch nur zeitweise zur Anwendung kommen kann.


    Zitat


    Intellektuell so wie Du es verwendest, scheint mir, ähnlich wie Dein Wissenschaftsbegriff, sehr viel enger gefaßt zu sein.


    Ein intellektueller Leser ist nicht unbedingt ein Intellektueller. Ein wissenschaftlicher Leser ist nicht unbedingt ein Wissenschaftler. Die Adjektive verwende ich enger, sie beziehen sich nur auf das nachfolgende Hauptwort.


    Besser kann ich es nicht erläutern.


    Gruß, Thomas


  • Zur Klarstellung: Wissenschaftler ist eine Berufsbezeichnung,


    Nein. Ich bin für manche Themen durchaus Wissenschaftlerin, aber mein Beruf ist IT-Consulting.



    Zumindest verstehe ich jetzt, glaube ich, Deine Verwendung der Adjektive, auch wenn ich sie so nicht teile. Da merkt man mal wieder, wie leicht man aneinander vorbeireden kann.


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Inhalt


    Auf der Farm des Bauern Jones übernehmen die Hoftiere unter Führung der intelligenten Schweine die Macht. Sie stellen ihre eigenen Gesetze auf, nach denen sie leben wollen, und beginnen, die bis dahin mehr oder weniger brachliegende Farm in einen blühenden Betrieb umzubauen.
    Zuerst führen die beiden Schweine Napoleon und Schneeball noch gemeinsam die „Revolution“ voran. Dann allerdings lässt Napoleon Schneeball vom Hof jagen, weil dieser angeblich die Farm wieder an den menschlichen Besitzer verkaufen wollte. Ohne einen geistig ebenbürtigen Gegner ist es für Napoleon leicht, mehr und mehr Macht an sich zu reißen.

    Meinung


    Dass Orwells „Farm der Tiere“ durchaus als Parabel auf die gesellschaftliche Entwicklung Russlands, insbesondere hinsichtlich der kommunistischen Revolution gelesen und verstanden werden kann, wird oft beschrieben – und meistens auch besser, als ich es könnte. Deswegen an dieser Stelle der Blick auf die Parallelen des „Märchens“ zur heutigen Gesellschaft.
    Was am meisten auffällt, ist die Art, wie Orwell die verschiedenen Tiergattungen anthropomorphisiert, bzw. umgekehrt, typisch menschliche Verhaltensmuster passenden Spezies zuordnet. Wer sich die heutige Gesellschaft genauer ansieht, wird nicht umhin kommen zu bemerken, dass Orwell diese Typen zwar überspitzt, aber gekonnt beschreibt.
    Da wären zum einen die Pferde, die am ehesten als Gutmenschn, pardon Guttiere, durchgehen können. Sie erfüllen das Klischee dieses Menschenschlags – etwas naiv, gutmütig, aber sehr willig und überaus tatkräftig – in vollendeter Weise. Die übervorsichtigen Hühner entsprechen den Verzagten, die aus Prinzip (wohlgemerkt nicht aufgrund von Argumenten) gegen jegliche Neuerung sind. Die Schafe, die kaum mehr als blöken können, und Sinnbild der dumpfen, manipulierbaren, gesichtslosen Masse darstellen. Der Esel Benjamin ist Stellvertreter der „Ich habe es ja gesagt“-Leute, der Zyniker, die zwar durchaus das Recht auf ihrer Seite haben, aber unfähig oder nicht willens sind, dafür einzutreten. Die Hunde sind die indoktrinierten Soldaten, folgen treu ergeben und ohne selbst zu denken ihrem (An)führer. Und zuletzt die intelligenten, raffgierigen Schweine, die verderbteste Gattung von allen, die hemmungslos manipuliert und betrügt. Sie wollen nicht das größte Stück vom Kuchen – sie wollen ihn ganz, und es gelingt ihnen dabei sogar, ihre Gefräßigkeit als Opfer für die Allgemeinheit zu verkaufen!
    Aber all diese Tiere sind nicht nur fiktive Figuren einer alten Geschichte – sie alle sind Teil unseres alltäglichen Lebens, wir treffen ständig auf ihre realen Verkörperungen, und es täte gut, den einen oder anderen sanft darauf hinzuweisen.
    Wie auch in „1984“ ist ein großes Thema Orwells die Geschichtsfälschung bzw. –umdeutung. In „Farm der Tiere“ äußert sie sich auf zwei Arten. Zum einen wird Schneeball Stück für Stück vom Helden zum Verräter stigmatisiert. Nur weil die Tiere kaum schriftlichen Aufzeichnungen, sondern bloß ein lückenhaftes Gedächtnis besitzen, können sie derart fehlgeleitet werden. Zum anderen ändern sich die Gesetze, die für die Tiere gelten, ständig – und immer zum Vorteil für die Schweine. Aus „Kein Tier soll Alkohol trinken“ wird „Kein Tier soll Alkohol trinken im Übermaß.“, „Alle Tiere sind gleich.“ mutiert zu „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“, und weil kaum jemand lesen kann, bleibt auch dieses Verbrechen unbemerkt, was etwas an „political correctness“ und Gendergerechtigkeit erinnert, die z.T. sehr verwirrende Blüten treiben. Es bleibt dazu nur ein Satz zu sagen, der in der einen oder anderen Formulierung oft zitiert wurde und vermutlich Santanaya zugeschrieben werden kann: Wer die Fehler der Vergangenheit vergisst (oder aus ihnen nicht lernt), ist verurteilt, sie zu wiederholen.
    Abschließend noch ein Wort über den Schluss der Fabel: Orwell hat eines der ausdruckstärksten Buchenden geschaffen. Die Blicke von den Schweinen zu den Menschen und wieder zurück, bzw. die Ununterscheidbarkeit der Spezies, sind schlicht und ergreifend genial.


    Sonnige Tage und erholsame Nächte!


    5ratten

    Auf meinem Blog <br /><br />cynthor.wordpress.com <br /><br />findet ihr meine Rezensionen, weitere &quot;Bücherschätze&quot; sowie Infos zu meinem gesellschaftskritischen Fantasy-Roman &quot;Ethopia - Erwachen&quot;.