Katia Fox - Der silberne Falke

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 2.579 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Ruby Tuesday.

  • Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links

    Verlag: Lübbe
    ISBN: 978-3-404-15987-1
    Seiten: 560
    Ausgabe: Taschenbuch
    ET: 04.2009
    Preis: € 8,95




    Das Buch erschien bereits im
    September 2008 als HC im Bücherclub


    Kurzbeschreibung


    England 1184


    Der zwölfjährige William wünscht sich nichts sehnlicher, als Falkner zu werden. Doch Standesschranken und der Wunsch der Mutter sprechen dagegen: William soll dereinst die elterliche Schmiede übernehmen. Aber dann kommt der Tag, an dem der Falke des Königs auf der Jagd ausreißt, und William bietet sich die Chance seines Lebens...


    Meine Meinung


    „Der Silberne Falke“ ist die direkte Fortsetzung von „Das Kupferne Zeichen“ und somit der zweite Teil der von Katia Fox angelegten Trilogie. Auch wenn man den ersten Teil keineswegs gelesen haben muss, um die Fortsetzung zu verstehen, würde ich doch dazu raten mit „Das Kupferne Zeichen“ zu beginnen. Danach kann man einfach mit einem völlig anderen Verständnis und Hintergrundwissen an „Der Silberne Falke“ heran gehen.


    Von der ersten Seite an liest sich das Buch zwar gut und auch interessant, aber leider zunächst nicht so richtig flüssig. Zum Glück gibt sich das im Laufe der Handlung und man kann in einen runden, sprachlich schönen Schreibstil abtauchen und letztendlich das Buch auch nicht mehr aus der Hand legen.


    Auch war ich zu Beginn etwas skeptisch, ob ich mit einer männlichen Hauptfigur und dem Thema Falknerei zurecht kommen würde. Aber die Skepsis verflog schnell, da es Katia Fox gelungen ist, mit William einen glaubwürdigen und äußerst lebendigen Protagonisten zu schaffen, der mit seiner Leidenschaft für die Falknerei sogar mich anstecken konnte. Die Handlung ist zwar nicht immer hundert prozentig glaubwürdig, aber die Autorin bemüht sich, die Ereignisse zum Großteil realistisch darzustellen. Was mir sehr gut gefallen hat, Katia Fox schont den Leser nicht. Oft muss man sich von lieb gewonnen Figuren überraschend verabschieden und mehr als einmal hatte ich doch einen recht dicken Kloß im Hals. Aber genau das macht diesen Roman glaubwürdig.
    Der historische Hintergrund ist verständlich eingebunden, allerdings nicht sehr stark ausgeprägt. Als Leser erfährt man nur das über politische Entwicklungen und Ereignisse, was auch der einfache Mann zu der damaligen Zeit vermutlich hätte aufschnappen können. Zwar hätte ich gerne intensiver über die historischen Ereignisse des 12. Jahrhunderts gelesen, aber ich kann nachvollziehen und akzeptieren, dass sich die Autorin für diesen Weg entschieden hat. Auf jeden Fall gewinnt der Roman so deutlich an Authentizität.
    Leidenschaftlich und lebendig erzählt die Autorin ihre Geschichte. Spannend, manchmal etwas vorhersehbar, aber oft auch überraschend entwickelt sich die Handlung. Das Ende ist rund und hat mich zufrieden zurück gelassen. „Der Silberne Falke“ konnte mich immer fesseln, mich zutiefst bewegen und berühren, und das deutlich häufiger und intensiver als „Das Kupferne Zeichen“, weswegen mir „Der Silberne Falke“ letztendlich auch besser gefallen hat. Ich war hier emotional äußerst stark involviert und musste an einer bestimmten Stelle nicht nur weinen, sondern regelrecht Rotz und Wasser heulen. Wer also nah am Wasser gebaut hat, sollte Taschentücher bereit legen.


    William ist ein sehr menschlicher und authentischer Charakter. Katia Fox schreibt ihm nicht nur Stärken zu, sondern auch viele Schwächen, was ihn unheimlich sympathisch und greifbar macht. William ist bei weitem kein Superheld, auch nicht nur gut, liebevoll, hilfsbereit und großmütig. Er kann kleinlich und nachtragend, engstirnig und rachsüchtig sein, dennoch hat er sich mit Leichtigkeit in mein Herz gespielt.
    Auch die übrigen Figuren haben mich meistens überzeugen und verzaubern können. Katia Fox hat sich viel Mühe gemacht, ihnen realistisches Leben einzuhauchen. William Marshal (hier: Guillaume le Maréchal ) hat mich ganz besonders fasziniert. Dank „Das Kupferne Zeichen“ habe ich ein Faible für diesen Ritter entwickelt. Leider kam er in diesem Roman - im Gegensatz zum ersten Teil - ein wenig zu kurz, aber laut Autorin wird er im letzten Teil der Trilogie die Hauptrolle einnehmen, was mich natürlich unglaublich freut.
    Allerdings ist der Bösewicht leider einer der ganz typischen und überzogenen Gattung. Gerade ihn empfand ich viel zu eindimensional, mehr Facetten hätten ihm und sicherlich auch der Handlung gut getan. Sobald er auf der Bildfläche erschien, waren die kommenden Ereignisse meist voraus zu ahnen. Schade!


    Ein kleines Manko ist das fehlende Glossar. Gerade zu Beginn wirft die Autorin mit Fachbegriffen aus der Falknerei nur so um sich. Zwar werden diese (beim ersten Erwähnen) erklärt, aber ich konnte sie mir beim besten Willen nicht alle auf Anhieb merken. Hier hätte ich gerne eine Möglichkeit zum Nachschlagen gehabt. Aber ein ausführliches und aufschlussreiches Nachwort der Autorin und eine Karte von England konnten mich ein wenig entschädigen.


    Meine Bewertung


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:


    EDIT: Betreff leicht geändert. LG, Saltanah

    Liebe Grüße<br />Melli

    Einmal editiert, zuletzt von Saltanah ()

  • Meine Meinung:
    Der silberne Falke ist die Fortsetzung von Katia Fox’s Debütroman Das kupferne Zeichen. Während im ersten Teil eine Frau die Hauptprotagonistin war und um ihre berufliche Leidenschaft das Schmieden ging, geht es in diesem Buch um ihren Sohn William. Seine Mutter möchte ihn als Nachfolger in der Schmiede haben, aber William hat ganz andere Pläne und verfolgt diese konsequent, und schafft es tatsächlich Falkner zu werden.


    Dieser Beruf dürfte wohl vielen Lesern sehr fremd sein, aber die Autorin schafft es das Interesse daran zu wecken und ihn einem doch sehr nahe zu bringen. Ich konnte schon verstehen, dass William sich so dafür begeistern konnte. Manchmal hätte auch ich mir gewünscht es wäre ein Glossar im Anhang, da doch einige spezifische Ausdrücke verwendet werden, die mir als Leser absolut nicht geläufig sind. Im Laufe des Textes werden sie zwar erklärt, aber manchmal hätte ich sie gerne noch mal nachgeschlagen.


    William ist eine Figur mit Ecken und Kanten. Ein durchaus liebenswerter Mensch, aber sein Charakter ist schon sehr vielseitig. Er ist nett, symphatisch, hilfsbereit, ehrgeizig und gerecht. Aber auch manchmal egoistisch, engstirnig und nachtragend. Eben ein Mensch und das gefällt mir an ihm ganz besonders. Auch alle andere Figuren im Buch haben so ihre Eigenheiten die sehr gut herausgeschrieben worden sind. Da lässt Katia Fox durchaus auch Tabu Themen zu.


    Der historische Hintergrund des 12. Jahrhunderts ist zwar durchaus vorhanden und in die Geschichte eingebunden, aber bleibt tatsächlich im Hintergrund. Die Autorin hat nur soviel politisches Wissen einfließen lassen, wie auch die damaligen einfachen Leute gewusst haben. Aber das hat mir hier eigentlich sehr gut gefallen, da William durchaus ein zu den einfachen Menschen gehört.


    Jetzt freue ich mich schon auf den 3. Teil der laut Autorin William Marshal als Hauptprotagonist hat. Im Übrigen ist es nicht unbedingt nötig Das kupferne Zeichen vorher zu lesen, aber um einige Familienverhältnisse besser zu verstehen, wäre es schon hilfreich.


    Für mich war dieses Buch durchaus mal wieder ein Highlight in der Welt der deutschen historischen Romane.


    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    Gruß Mascha

  • Während im ersten Band von Ellenweore, der berühmtesten Schwertschmiedin Englands, die Rede ist, handelt Katia Fox neuster Roman von Ellens Sohn William.
    Ellens Wunsch ist es, das William ein genauso begeisterter Schmied wird wie Ellen selbst. Doch Williams Leidenschaft gehört den Falken und es gibt für ihn nichts schlimmeres als Tag für Tag in Ellens Werkstatt zu stehen. Doch als Bastard hat er kaum die Möglichkeit dem Traum, ein berühmter Falkner zu werden, näher zu kommen. Bis er eines Tages den Lieblingsfalken des Königs zufällig rettet.


    Es ist nicht unbedingt notwendig, den ersten Band auch als erstes zu lesen. Es macht die Sache aber einfacher, wenn es um Williams Familienverhältnisse geht. Es tauchen auch andere Personen auf die schon im ersten Band eine Rolle spielten.
    Williams Geschichte ist abenteuerlich. Sie zieht sich durch sämtliche Schichten des englischen Mittelalters und wie schon seine Mutter, beginnt für William eine "Tellerwäscherkarriere". Er hat es nicht einfach, was besonders seinem schlimmsten Feind zu verdanken ist.
    Die Figuren sind fein heraus gearbeitet. William, der mir schon im ersten Band sympatisch war, hat aber auch seine schlechten Seiten. Er ist besonders nachtragend und sein bester Freund Robert muß manchmal besonders nachsichtig sein. So wie William nicht unfehlbar ist, hat auch der obligatorische Bösewicht der Geschichte auch seine Schwächen. So gibt es kein eindeutiges Schwarz und Weiß der Charactere, das mich sehr oft in Romanen stört.
    Die Sprache ist einfach, das Buch liest sich weg wie nichts. Das liegt auch an der Spannung, einmal angefangen kann man es nur noch schwer aus der Hand legen. Ich wage fast zu sagen, das Rebecca Gablé hier eine ernst zu nehmende Konkurrentin bekommen hat.


    "Der silberne Falke" ist ein abwechslungsreicher, abenteuerlicher Roman, und nebenbei erfährt man auch lauter interessanter Sachen über die Falknerei.

    Lesen ist die schönste Brücke zu meinen Wunschträumen.

  • Auf der Suche nach einem Roman, der sich mit dem Thema Falknerei beschäftigt, bin ich auf "Der silberne Falke" von Katia Fox gestoßen. Der Vorgängerband, "Das kupferne Schwert", habe ich mal aus dem Tauschregal mitgenommen, bis jetzt allerdings noch nicht gelesen.
    Aber auch ohne die Vorgeschichte über den Werdegang der Schwertschmiedin Ellenweore hatte ich keine Schwierigkeiten, in die Welt von "Der silberne Falke" einzutauchen.
    Als Leser begleiten wir Ellenweores Sohn William, der zu ihrem Leidwesen weder Begabung noch Begeisterung für die heimische Schmiede aufbringen kann. Williams Lebenstraum ist es, eines Tages Falkner zu werden eine Tätigkeit, die eher jungen Männern aus höheren Schichten zusteht als dem unehelichen Sohn einer Schwertschmiedin. Doch weder das Unverständnis seiner Mutter noch sein verkrüppelter Fuß können William von seinem Traum abbringen. Als er zufällig einen kostbaren Greifvogel des Königs findet und gesund pflegt, wendet sich sein Schicksal.


    Gut gefallen hat mir, dass Williams Aufstieg vom Schmiedelehrling bis zum Falkner nicht konstruiert erscheint. William nutzt selbst als Junge jede Gelegenheit, sich größeres Wissen über die Falknerei anzueignen und seine Kenntnisse zu verbessern. Nur selten kommt ihm tatsächlich der Zufall zur Hilfe, so dass er seine Fähigkeiten auch unter Beweis stellen kann, doch zum großen Teil ist sein gesellschaftlicher Aufstieg das Ergebnis harter Arbeit. Auch von bitteren Rückschlägen bleibt William auf seinem Lebensweg nicht verschont, denn schon früh hat er sich in dem aufgeblasenen und gewalttätigen Odon einen Feind fürs Leben gemacht.
    Sehr realistisch fand ich auch, dass Williams Aufstieg in die "höheren Kreise" für ihn nicht Ruhm und Reichtum bedeuten, sondern vor allem mit Unsicherheit einhergehen. Man nimmt ihm ab, dass er sich lieber weiterhin seinen Greifvögeln widmen würde, anstatt an kostspieligen Gelagen mit fremden Edelleuten teilzunehmen, zu denen er sich aufgrund seiner Herkunft nicht zugehörig fühlt. Diese Unsicherheit hat mir William sehr sympathisch gemacht, auch wenn er dadurch leider anfällig wird, an den Menschen in seiner Umgebung zu zweifeln, die ihm ehrlich zugetan sind wie sein Jugendfreund Robert.


    Dass William seine Ecken und Kanten hat, macht ihn zu einem überzeugenden Protagonisten. Mehr solcher Zwischentöne hätten sowohl Bösewicht Odon als auch Williams großer Liebe Marguerite in meinen Augen nicht geschadet - beide sind mir ein bisschen zu einseitig böse bzw. perfekt dargestellt.
    Wie in vielen historischen Romanen sollte man als Leser auch bei "Der silberne Falke" nicht zu zart besaitet sein. Sowohl Odons Gräueltaten als auch die damals gängigen Methoden, um Falken an den Menschen zu gewöhnen, können einem schon auf den Magen schlagen. Die dargestellten Grausamkeiten dienen aber immer dem Fortgang der Geschichte, so dass ich nie das Gefühl hatte, die Autorin wollte ein paar künstliche Schockeffekte oder unnötige Todesfälle einfügen.


    Insgesamt habe ich die Geschichte von William und seinen Freunden sehr interessiert verfolgt und war begeistert, dass der Umgang mit den Greifvögeln tatsächlich einen Großteil der Geschichte ausmacht und man nebenbei viel über die Rolle der Falknerei im Mittelalter erfährt.
    Wer hauptsächlich actiongeladene Szenen und Romantik vor mittelalterlicher Kulisse sucht, sollte um "Der silberne Falke" lieber einen Bogen machen, denn die detailliert geschilderte Geschichte benötigt schon ein bisschen Geduld und Interesse des Lesers, um sich entwickeln zu können.
    Ich vergebe
    4ratten
    für gelungene Unterhaltung mit Lernfaktor