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  1. Literaturschock - Bücherforum
  2. buchregal123

Beiträge von buchregal123

  • Regina Denk - Der Fährmann

    • buchregal123
    • 17. Mai 2026 um 11:06

    Die Salzach trennt die Orte Hohenwart und Siegering und doch sind die Bewohner miteinander verbunden. Um von einem Ufer zum anderen zu kommen, müssen sie mit der Fähre übersetzen. Der Beruf des Fährmanns ist gefährlich, daher darf er nicht heiraten, um keine bedürftige Familie zurückzulassen, falls ihm etwas passiert. Hannes Winkler hat den Beruf von seinem Onkel übernommen, denn als jüngster in der Familie hätte er sich sonst als Knecht verdingen müssen. Seit Kindertagen gehört sein Herz der Elisabeth Hofer, die dem Steiner Josef versprochen ist. Elisabeths Freundin, die Annemarie Stiegl von der Salzschenke, hatte sich Hoffnung gemacht, dass der Josef sie heiratet. Aber wie schon immer, bestimmen Tradition und die Männer das Schicksal der Menschen. Dann ziehen die Männer in den Krieg und die Frauen müssen schauen, wie sie zurechtkommen. Viele Männer kommen nicht wieder zurück und die, die zurückkommen, haben ihre Verletzungen davongetragen.

    Die Autorin Regina Denk macht es dem Leser nicht leicht mit ihrem historischen Roman. Das Leben ist hart und grausam. Die Väter und Ehemänner bestimmen über die Geschicke der Familie und sorgen gewalttätig für Zucht und Ordnung. Die Frauen sind nichts wert und haben sich zu fügen. Der Hannes hat sich zu fügen, weil er der jüngste Sohn ist, die Elisabeth, weil sie vom Vater versprochen wurde und die Annemie, weil sie für das Auskommen der Wirtsfamilie mit geradestehen muss. Hannes hat sich geschworen, dass er sich nie etwas zuschulden kommen lassen wird und so hält er sich zurück, wo er hätte eingreifen sollen. Lisi erträgt ihr Schicksal bis es fast zu spät ist und Annemie findet einen Weg, sich ein Stück Freiheit zu verschaffen.

    Eigentlich sollte man annehmen, dass unter diesen unsäglichen Bedingungen sich die Frauen solidarisieren, doch sie machen sich das Leben schwer, schauen weg und schweigen. So kann es geschehen, dass das Böse von einer Generation zur anderen weitergegeben wird und es zu einer tragischen Entwicklung kommt, die das Leben der Freunde verändern wird. Plötzlich wachsen Menschen über sich hinaus, von denen man es nicht erwartet hätte.

    Die Sprache in diesem Roman ist passend zur Handlungszeit und die Atmosphäre düster und bedrückend, aber auch fesselnd. Es ist oft schwer zu ertragen, mit welcher Grausamkeit vorgegangen wird und alle wegsehen und entschuldigen.

    Es ist ein wunderbarer atmosphärisch dichter, aufwühlender Roman mit vielschichtigen Charakteren. Meine absolute Leseempfehlung!

    5ratten

  • Michael Hjorth/Bjarni Thorsson – Schlafende Vulkane

    • buchregal123
    • 10. Mai 2026 um 11:21

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    Eigentlich ist Hilmar im Ruhestand, aber er versorgt gerne morgens die Pferde im Reitstall. Doch dann entdeckt er eine tote nackte Frau in einer leerstehenden Box. Wegen Personalnot bekommt die unerfahrene Helga Jónsdóttir vom Dezernat für Gewaltverbrechen die Leitung der Ermittlung in diesem Mordfall übertragen. Sie stellt fest, dass die Frau zu Hause getötet wurde und der Sohn geflohen ist. Er muss schnell gefunden werden, denn in der isländischen Vulkanlandschaft kann er nicht lange überleben. Sie bittet Bjarki um Hilfe, der sich in der Gegend bestens auskennt. Mit Hilfe der Hündin Salka finden sie den unterkühlten Jungen. Der Täter aber hat schon das nächste Opfer.

    Dieses Buch ist der erste Band aus der Island-Reihe des Autoren-Duos Michael Hjorth und Bjarni Thorsson. Wie so oft bei skandinavischen Thrillern ist auch bei diesem Island-Thriller die Atmosphäre düster und bedrückend. Der Schreibstil ist flüssig und die Spannung von Anfang an sehr hoch. Gut beschrieben ist auch die raue Landschaft. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven. In die Gedanken des Täters zu blicken, war sehr erschreckend.

    Die Charaktere sind gut gezeichnet, alle haben ihre Ecken und Kanten. Helga war zunächst beim Jugendamt. Doch weil sie dort nicht wirklich etwas bewegen konnte, hat sie dann die Polizeihochschule besucht. Sie fühlt sich noch unsicher, als sie in diesem Fall die Leitung der Ermittlung übertragen bekommt. Aber sie intelligent und macht ihre Sache gut. In Bjarki, von vielen Grettir genannt, findet sie eine gute Ergänzung. Eigentlich ist er nach einer Degradierung nur Verkehrspolizist. Doch er kennt die Gegend und die Natur und weiß genau, was er tut, dabei sind Regeln für ihn da, um ignoriert zu werden. Auch die Kriminaltechnikerin Yvette ist beteiligt und sie macht ihre Sache sehr gut. Rückendeckung erhält Helga, die privat auch ihre Probleme hat, aber auch immer wieder von Lárus, was man nicht von allen Kollegen sagen kann.

    Helga vermutete zunächst, dass der Ex der Toten die Tat begangen hat, doch dem ist nicht so. Allerdings hat er bei einer Drogengeschichte seine Finger im Spiel und so freut sich die Polizei dann über einen enormen Drogenfund.

    Der Täter scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein. Aber er muss schnellstens gefasst werden, um weitere Tote zu verhindern.

    Dieser Thriller ist düster, spannend und packend, aber auch brutal. Mir hat er sehr gut gefallen.

    5ratten

  • Seunggyeon Baek - Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand

    • buchregal123
    • 6. Mai 2026 um 12:11

    In dem Briefladen, in dem die Zeit stillstand, kann man sich wirklich wohlfühlen und zu sich finden. Das erfährt auch Hyoyeong, die nach einem Schicksalsschlag als Aushilfe in dem Letter Shop arbeitet. In diesen Laden kommen Menschen, die ihre Geschichte erzählen und denen Hyoyeong mit viel Empathie zuhört. zuhört

    Es ist ein ruhiger Roman den die Schriftstellerin Baek Seungyeon hier erzählt. Darauf muss man sich einlassen können, mit fiel das etwas schwer. Der Schreibstil ist fast poetisch und gefiel mit allerdings.

    Die Charaktere sind alle lebendig und gut beschrieben. Jeder von ihnen hat seine ganz eigenen Träume und Probleme. Es hilft bestimmt, wenn man seine Gedanken aufschreibt und anonym von Anderen eine entsprechende Antwort erhält. In diesem Laden zu arbeiten war sicherlich nicht das, was Hyoyeang machen wollte, aber wegen familiärer Probleme musste sie ihren Traum aufgeben. Die Enttäuschung ist ihr gut anzumerken. Mit der Zeit findet sie aber hier im Letter Shop zu sich. Dabei hilft natürlich auch, dass ihr Yeonggwang, der über dem Laden wohnt, näherkommt.

    Ein Buch, das zwar zum Nachdenken anregt, mich aber nicht so angesprochen hat.

    3ratten

  • Alexander Oetker - Léon und die Frau im blauen Kleid

    • buchregal123
    • 26. April 2026 um 10:09

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    Commissaire Léon de Cavallier wird unsanft aus dem Schlaf gerissen, weil sein Telefon klingelt. An der Promenade des Anglais genau vor dem berühmten Hôtel Le Negresco wurde eine Tote angespült. Am Fundort erwartet Léon eine Überraschung. Er wusste nicht, dass ihm eine neue Kollegin zugeteilt wurde, nachdem sein langjähriger Partner Guillaume Hoche in Rente gegangen ist. Commissaire Nadia Bentaleb lässt sich aber von nicht einschüchtern und so ermittelt dieses ungleiche Paar gemeinsam.

    Dieser Auftaktband der neuen Reihe von Alexander Oetker hat mich sehr gut unterhalten. Der Schreibstil ist gewohnt angenehm zu lesen. Die Atmosphäre an der Côte d’Azur ist wundervoll und bildhaft beschrieben. Die Touristen bestimmen tagsüber das Bild, aber es gibt auch die Ecken, die den Einheimischen vorbehalten sind.

    Die Protagonisten haben mir ausgesprochen gut gefallen. Léon ist adlig, reich und pflegt sein Image als Snob. Er hatte sich schon gefreut, zukünftig alleine ermitteln zu können, da sein Kollege Loïc Duval ungern aus dem Büro kommt. Aber nun hat man ihm einfach eine Kollegin aufs Auge gedrückt. Nadia kommt aus der Banlieue von Paris und weiß sich durchzusetzen. Sie bietet Léon Paroli. Leon hat aber auch eine ganz andere Seite, die er vor allen verbirgt, und Nadia hat ihre eigenen Gründe, warum sie an die Riviera gekommen ist.

    Die Ermittlungen sind nicht einfach, denn die Reichen und Schönen sind gerne unter sich und lassen sich von ihren Anwälten abschotten. Aber es gibt auch in dieser Gegend die anderen, die dunklen Seiten, in die die Ermittler eintauchen müssen, um diesen Mordfall aufzuklären.

    Mir hat dieser Côte d’Azur Krimi mit interessanten Charakteren, tollen Dialogen und der besonderen Atmosphäre sehr gut gefallen. Ich bin schon gespannt auf den nächsten Fall mit Léon und Nadia.

    5ratten

  • Elisa Corti - Tödliche Begegnung

    • buchregal123
    • 24. April 2026 um 15:44

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    Commissaria Giovanna Ruggieri wird zur Uferpromenade von Varenna am Comer See gerufen, weil dort ein Mord passiert ist. Ein Mann konnte bei der Toten mit dem Messer in der Hand verhaftet werden. Er verweigert die Aussage, nur mit seiner Ex-Frau will er reden. Seine Ex ist Ispettrice Maria di Bartolomeo, mit der Giovanna bereits einen Fall gelöst hat. Obwohl alle Indizien auf Stefano als Täter deuten, ist Maria von seiner Unschuld überzeugt und auch Giovanna hat Zweifel. Sie versucht herauszufinden, was geschehen ist, doch das scheint gar nicht so einfach.

    Dies ist der zweite Band aus der Reihe, in der Giovanna Ruggieri und Maria di Bartolomeo gemeinsam ermitteln. Den Vorgängerband habe ich noch nicht gelesen.

    Das Cover gefällt mir gut, es passt zum Buch. Der Schreibstil der Autorin Elisa Corti liest sich flüssig, allerdings habe ich mich am Anfang ein wenig schwer getan mit den vielen Personen. Doch das hat sich schnell gelegt. Die Atmosphäre am Comer See ist gut und bildhaft beschrieben.

    Die Personen sind auch gut dargestellt. Giovanna ist bei ihrer Nonna aufgewachsen, da sie früh ihre Eltern verloren hat. Nach dem Tod ihrer Nonna hat sie sich zurückgezogen, sehnt sich aber auch nach Menschen um sich. Sie unterhält sich gerne mit ihrer Schildkröte Bruno, ein Geschenk ihrer Großmutter. Aber mit ihrem „geerbten“ Nachbarn Ludovico versteht sie sich auch gut. Sie ist geradeheraus und eckt damit auch schonmal an. Mit ihrem Mitarbeiter Ispettore Alberto Fini arbeitet sie gerne zusammen, der er hat ein gutes Gespür für Menschen.

    In Marias Familie geht es turbulenter zu. Sie ist zwar befangen und auch für die Klärung des Mordfalls nicht zuständig, aber sie kann natürlich nicht untätig bleiben und die Zusammenarbeit von Giovanna und Maria klappt ja auch gut.

    Die Liliana Gatti, die Ermordete, war eine sympathische, hilfsbereite Person, die sich liebevoll um ihre Eltern kümmerte. Doch dass ihre beste Freundin Alice vor vielen Jahren spurlos verschwand, hat sie nie verwunden.

    So schwierig sich die Ermittlungen anfangs gestalten, so überraschend kommt es dann zur Lösung des Falls.

    Ein spannender und sehr atmosphärischer Lombardei-Krimi mit einem sympathischen Ermittler-Team.

    4ratten

  • Bernhard Stäber - Einsam wie der Tod

    • buchregal123
    • 24. April 2026 um 15:24

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    Als der YouTuber Vidar Kvernberg auf seinem True-Crime-Kanal behauptet, dass Halvard Bjørnstad noch lebt, sind Sanna und ihre Schwester Elin geschockt. Ihr Vater hat seine Familie damals terrorisiert und misshandelt. Doch dann kommt es zu einem schrecklichen Vorfall und infolgedessen verschwindet er und wird nicht mehr gefunden. Inzwischen wurde er für tot erklärt. Sanna bittet den Privatdetektiv Wolf Larsen herauszufinden, ob ihr Vater wirklich noch lebt. Dafür muss er jedoch in die traumatische Vergangenheit von Sanna eintauchen.

    Dies ist der dritte Band aus der Reihe, in der Wolf Larsen ermittelt. Die Vorgängerbände habe ich noch nicht gelesen. Die Geschichte ist düster und spannend. Der Schreibstil des Autors Bernhard Stäber liest sich angenehm flüssig. Die Perspektiven wechseln und es gibt auch immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit. Die Handlungsorte werden schön bildhaft und atmosphärisch beschrieben.

    Die Charaktere sind interessant und gut dargestellt. Halvard Bjørnstad ist fanatisch gläubig, was er auch von seiner Familie verlangt. Das hält ihn aber nicht davon ab, grausam und gewalttätig zu sein. Die Kinder werden dadurch schwer traumatisiert. Die Mutter ist wortkarg und wagt es nicht, etwas zu unternehmen. Dann eskaliert das ganze und Halvard flieht mit seinen Kindern auf einem Boot. Nachdem er über Bord geht, wird er nicht mehr gefunden. Kann er überlebt haben?

    Walf war früher einmal Polizist. Doch der Tod seiner Frau hat ihn aus der Bahn geworfen, und er ist von Oslo nach in die Telemark nach Bø gezogen, wo er als Privatdetektiv arbeitet. Sanna ist eigentlich Journalistin bei der Lokalzeitung, aber sie unterstützt Wolf auch als freie Mitarbeiterin. Sie leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung, während Elin wegen einer Borderline-Störung in Behandlung ist.

    Der Ex-Polizist Einar Åsen hatte seinerzeit den Verdacht, dass Halvard von einem Segler gerettet und mit auf die Orkneys genommen wurde. Doch er durfte der Sache nicht nachgehen, aber der Fall hat ihn nie losgelassen.

    Es dauert eine ganze Weile, bis Wolf und Sanna herausfinden, was mit Halvard geschehen ist. Was sie herausfinden, ist überraschend und bestürzend zugleich.

    Mir hat dieser spannende Krimi gut gefallen.

    4ratten

  • Helena Falke - Noch fünf Tage

    • buchregal123
    • 13. April 2026 um 14:49

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    Köchin Lis Castrop hat das Silvestermenu für die Familie Harman zubereitet. Während das Ehepaar Harman und die Kinder starben, liegt Lis vergiftet im Krankenhaus. Man gibt ihr noch fünf Tage. Diese wenigen Tage will Lis dazu nutzen, den Mord aufzuklären, denn die Polizei hält sie für die Mörderin. Außerdem will sie die Zeit mit ihrer 12-jährigen Tochter Cosima verbringen und ihre Zukunft sichern.

    Lis erzählt ihre eigene Geschichte, die in fünf Abschnitte unterteilt ist – für jeden Tag ein Abschnitt. Urzeiten über schreiben die Kapitel, so dass man nachverfolgen kann, wie viel Zeit Lis noch bleibt. Der Schreibstil hat mir gut gefallen.

    Lis ist im Krankenhaus natürlich auf Hilfe angewiesen. Krankenschwester Esme kümmert sich um sie. Lis erinnert sich zurück und beschreibt die einzelnen Personen und versucht ihre Motivation für den Mordanschlag herauszufinden. Dadurch lernen wir die Personen gut kennen. Mir war niemand wirklich sympathisch und jeder schien ein Motiv zu haben. Nur für Cosima hatte ich Mitgefühl. Anfangs tat mir zwar auch Lis leid, doch je mehr ich über sie erfuhr, umso unsympathischer wurde sie mir, obwohl sie sicherlich eine liebende Mutter ist.

    Dadurch dass eigentlich alle verdächtig waren, war es natürlich spannend zu erfahren, wer aus welchen Gründen dahintersteckt. Die Spannung ging aber leider durch viele zu detaillierte Beschreibungen und Nebensächliches verloren. Auch erschien mir einiges nicht ganz logisch konstruiert.

    Am Ende sorgen dann der Täter und sein perfider Plan noch für eine Überraschung.

    Auch wenn ich nicht ganz überzeugt bin, habe ich diesen Thriller doch ganz gerne gelesen.3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • Vera Zischke - Pina fällt aus

    • buchregal123
    • 11. April 2026 um 13:09

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    Pina lebt mit ihrem Sohn zusammen. Leo ist 20 Jahre alt und autistisch und braucht feste Routinen. Daher benötigt Leo Pinas Unterstützung, denn nur sie weiß, was zu tun ist, wenn der "Automat im Kopf" wieder einmal klemmt. Pina würde alles für ihren Sohn tun, dabei vergisst sie sich aber selbst. Nur einmal in der Woche, wenn sie für die 86-jährige Hausbewohnerin Inge einkauft, parkt sie Leo bei Inge und genießt die Leo-freie Zeit. Bei einem dieser Einkäufe aber bricht Pina mitten auf der Kreuzung zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Als Leo klar wird, dass seine Mutter nicht zurückkommt, ist er verzweifelt. Keiner der Hausbewohner weiß, wie man ihn beruhigen kann.

    Die Autorin Vera Zischke hat eine wundervolle Art, zu erzählen. Obwohl es eine tiefgründige Geschichte ist, blitzt immer wieder auch Humor auf.

    Pina hat es nicht leicht mit Leo, aber sie weiß genau, was sie tun muss, damit ihr Sohn zufrieden und ruhig ist. Leo braucht seine Mutter, die ihn unterstützt und immer für ihn da ist. Doch dann ist sie plötzlich nicht da. Eigentlich weiß keiner der anderen Hausbewohner, was sie tun sollen. Sie haben auch eigentlich keine Lust, sich mit dem Problem zu befassen, aber man kann ja Leo nicht alleine lassen. Die anderen Hausbewohner, die ihre eigenen Probleme haben, das sind:

    Die 86-jährige Inge, die nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr aus dem Haus geht und einsam ist, weil alle Bekannte schon tot sind. Sie will nicht mehr leben.

    Zola hat zwar einen Ausbildungsplatz in einer Bäckerei, aber sie verbringt ihre Zeit lieber beim Computerspielen oder im Einkaufszentrum.

    Der Pole Woitek ist als Kind nach Deutschland gekommen, hat sich aber nie eingelebt. Er arbeitet im Homeoffice und meidet den Kontakt zu Menschen.

    Obwohl es oft chaotisch wird, wachsen diese Menschen immer mehr an ihren Aufgaben und werden zu einer Gemeinschaft, bei der jeder für den anderen einsteht. Ich konnte mich in die Personen gut hineinversetzen. Sie alle sind so warmherzig beschrieben, dass man jeden von ihnen gernhaben muss.

    Ein berührender Roman, für den ich eine Leseempfehlung ausspreche!

    5ratten

  • Francesca Giannone - Die Briefträgerin

    • buchregal123
    • 7. April 2026 um 08:22

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    Lizzanello 1934: Anna und Carlo haben geheiratet und wollen sich mit ihrem kleinen Sohn Roberto in dem Dorf niederlassen. Es ist Carlos Heimat und er freut sich wieder da zu sein. Doch Anna kommt aus dem Norden. Sie ist eine emanzipierte junge Frau, die sich nicht verhält, wie man es im Dorf gewohnt ist. Den Regeln dieses Dorflebens will sie sich nicht unterordnen und wird weiterhin als Fremde betrachtet. So geht sie ihren eigenen Weg, lässt sich auch trotz Widerständen nicht unterkriegen und wird Briefträgerin. Sie liebt ihren Mann, aber fühlt sich auch zu ihrem Schwager Antonio hingezogen, der Carlo zwar sehr ähnlich sieht, aber so ganz anders ist als sein Bruder.

    Der Schreibstil der Autorin Francesca Giannone ist gut und flüssig zu lesen. Es gefällt mir, dass es immer wieder Perspektivwechsel gibt. Wir dürfen das Leben der Briefträgerin über zwanzig Jahre verfolgen, so dass wir mehrere Generationen der Familie und viele Dorfbewohner kennenlernen. Das Dorfleben ist sehr anschaulich beschrieben.

    Die Charaktere in dieser Geschichte sind authentisch und realitätsnah darstellt, jeder hat seine Eigenarten. Im Dorf kennt jeder jeden und man weiß vieles über die anderen. Aber jeder hat auch seine Geheimnisse. Anna ist eine selbstbewusste und schöne Frau, die im Norden als Lehrerin gearbeitet hat. Sie vermisst diesen Job und leidet noch unter dem Verlust ihrer Tochter. Carlo ist lange weggewesen und nun umso glücklicher, dass er zurück in der Heimat und bei seiner Familie ist. Für Carlo ist es ein Nachhausekommen, doch Anna hat alles aufgegeben, um ihren Mann zu begleiten. Carlo liebt seine Frau, aber er kann sie auch oft nicht verstehen. Antonio ist gleich fasziniert von seiner Schwägerin, als er seinen Bruder mit Familie am Bus abholt. Seine Frau Agata versucht ihrer Schwägerin ziemlich übergriffig ihre Vorstellungen aufzudrängen. Dass ihre Tochter Lorenza ganz begeistert von ihrer Zia ist, gefällt ihr auch nicht. Anna ist erleichtert, wenn Agata nicht ständig auftaucht. Umso lieber verbringt sie ihre Zeit mit Lorenza. In ihrem Beruf als Briefträgerin lernt Anna viele Menschen kennen und freundet sich auch mit einigen an.

    In der Zeit, in der dieser Roman spielt, waren die Rechte der Frauen sehr eingeschränkt. Doch Anna lässt sich nicht beirren und geht ihren Weg, auch wenn es ihr nicht leicht gemacht wird.

    Diese berührende und interessante Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Empfehlenswert!

    5ratten

  • Greta Herrlicher - Der Sommer, der uns blieb

    • buchregal123
    • 4. April 2026 um 17:28

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    Im Jahr 2020 kommen Britta, Pia und Martin aus unterschiedlichen Gründen wieder in ihren Heimatort zurück. Als Kinder und Jugendliche waren sie eine eingeschworene Gemeinschaft, doch dann geschah etwas, das diese Freundschaft auseinanderbrachte. Werden sie an die frühere Zeit anknüpfen können und ihre Freundschaft wieder aufleben lassen?

    Die Autorin Greta Herrlicher erzählt wundervoll und lebendig von einer Freundschaft, die den Stürmen des Lebens ausgesetzt wurde und Britta, Pia und Martin auseinandertrieb. Zwei Jahrzehnte später hat jeder von ihnen sein eigenes Leben.

    Die Aufmachung des Buches ist wirklich toll und die Sprüche über den Kapiteln haben mir gut gefallen.

    Auch wenn diese Geschichte schwierige Themen behandelt, so ist der Schreibstil doch leicht und angenehm zu lesen. Erzählt wird sie aus unterschiedlichen Perspektiven. Immer wieder gibt es Rückblicke in die Vergangenheit, in der die drei ihre Abenteuer erlebten und ihre Träume hatten. Doch das Leben hatte anderes mit ihnen vor und jeder hat nun seine eigenen Herausforderungen zu meistern. Die Charaktere sind authentisch und individuell beschrieben, ich sie alle drei und haben mit ihnen gefühlt.

    Erst so nach und nach schält sich heraus, was damals geschehen ist.

    Es ist eine emotionale und berührende Geschichte um Freundschaft, Schuld und Vergebung.

    4ratten

  • Michael Pedersen - Der letzte Leuchtturm

    • buchregal123
    • 1. April 2026 um 16:18

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    Muckle Flugga, eine Shetland-Insel, ist ein abgelegener, einsamer Ort. Hier verläuft ein Tag wie der andere. Auf der Insel leben nur Ouse und sein Vater, der Leuchtturmwärter, die kaum miteinander reden. Daher zieht sich Ouse oft in sein Atelier zurück, wo er mit dem Geist von Robert Louis Stevenson redet. Doch dann kommt Firth, ein Autor aus Edinburgh, auf die Insel und freundet sich mit Ouse an. Dadurch gibt es eine besondere Dynamik unter den Personen und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

    Der Autor Michael Pedersen hat eine wunderbare Art sich auszudrücken. Die Sprache ist poetisch und bildhaft. Handlungsmässig geschieht nicht allzu viel. Man muss sich also auf diesen ruhigen Roman einlassen können. Die Insel und die raue Natur sind sehr gut beschrieben.

    Ouse ist ein sensibler, künstlerisch begabter Mensch, der mangels anderer Kontakte den Geist von Stevenson als Freund auserkoren hat und ihm sein Innerstes anvertraut. Eigentlich träumt er davon, diese Insel zu verlassen, doch er kann seinen Vater nicht alleine zurücklassen. Sein Vater ist ein hartherziger, grantiger Mensch, der mit sich selbst nicht im Reinen ist. Er erwartet, das Ouse später in seine Fußstapfen tritt und Leuchtturmwärter wird und zieht überhaupt nicht in Betracht, dass sein Sohn vielleicht ein eigenes Leben irgendwo anders führen möchte. Beide trauern um die Frau beziehungsweise die Mutter, die viel zu früh von ihnen gegangen ist, aber jeder trauert für sich. Doch als der erfolglose und schwermütige Autor Firth auf die Insel kommt und sich mit Ouse anfreundet, gerät etwas in Bewegung und es kommt zu Spannungen zwischen dem Leuchtturmwärter und Firth. Doch es liegt an Ouse, wie es weitergehen soll. Er muss eine Entscheidung treffen.

    Ein ruhiger und atmosphärischer Roman, der wort- und bildgewaltig erzählt ist, aber vom Leser auch Aufmerksamkeit verlangt. Mir hat das Buch gefallen.

    4ratten

  • Birgit Birnbacher – Sie wollen uns erzählen

    • buchregal123
    • 26. März 2026 um 12:31

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    Ozzy ist neun Jahre alt und anders als andere Kinder. Er hat ADHS und daher läuft es in der Schule nicht so glatt. Nun hat er einen Brief der Lehrerin für seine Mutter in der Tasche, denn es ist etwas passiert. Oz hofft, das irgendetwas geschieht, das seine Mutter Ann ablenkt. Als er nach Hause kommt, ist wirklich etwas eingetroffen. Seine Oma Zilly ist weg.

    Die Autorin Birgit Birnbach erzählt diese Geschichte sehr einfühlsam, aber auch so sprunghaft, wie sich Oz und seine Mutter verhalten. Das macht es authentisch, aber auch nicht ganz leicht beim Lesen. Man muss schon konzentriert bleiben.

    Ann liebt ihren Sohn und kann sich in ihn einfühlen, da auch sie betroffen ist. Aber das macht es trotzdem nicht leicht für sie, zumal sie alleinerziehend ist. Sie bekommt das Leben der beiden nur schwer geregelt. Als Ann Kind war, wurden sie und ihre Schwester Nell in dem kleinen Dorf als sonderbar betrachtet. Immer wieder eckte Ann an, doch irgendwann hat sie ihren Weg gefunden, auch wenn sie immer noch mit ihren Problemen kämpft. Oft explodiert sie und Oz weiß damit nicht so recht umzugehen und nun muss er seiner Mutter von dem Schlimmen berichten, was in der Schule passiert.

    Es ist schwer, wenn die Menschen auf das Anderssein mit Unverständnis reagieren und wenn das Leben immer wieder chaotisch verläuft. Ann versucht ihren Sohn zu schützen, doch sie ist auch total überfordert. Ich konnte gut mit den beiden mitfühlen.

    Mit hat dieser einfühlsam erzählte Roman gut gefallen.

    4ratten

  • Meike Dannenberg - Die Ärztin: Gefährlicher Besuch

    • buchregal123
    • 24. März 2026 um 17:53

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    Gynäkologin Dr. Eva Mares hat die Ereignisse von vor einem Jahr noch lange nicht verarbeitet, was sich auch auf das Familienleben ausgewirkt hat. Da steht eines Nachts eine Hochschwangere mit ihrem Vater vor der Tür. Trotz Bedenken öffnet Eva und kümmert sich um die junge Frau. Da aber keine ernsthaften Probleme vorliegen, soll Nina am nächsten Tag in die Klinik zu einer genaueren Untersuchung kommen. Später findet Eva einen Hilferuf auf dem Spiegel im Gästebad. Doch dann sind die beiden verschwunden und Eva wendet sich an die Polizei. Die ist mit einem Vermisstenfall beschäftigt und Eva versucht auf eigene Faust etwas herauszufinden.

    Dieses Buch ist der zweite Band aus der Reihe um die Gynäkologin Dr. Eva Mares. Auch wenn dieser Fall in sich abgeschlossen ist, wäre es sinnvoll, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Da ich den Vorgängerband nicht gelesen habe, fehlten mir doch einige Informationen, die für ein besseres Verständnis gesorgt hätten.

    Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, die kurzen Kapitel sind entsprechend betitelt. Die Kapitel der geheimnisvollen „Sie“ waren ziemlich bewegend.

    Die Gynäkologin Eva ist total ausgelaugt, aber sie ist auch eine engagierte und mitfühlende Ärztin. Daher öffnet sie auch die Tür für die hochschwangere Nina und ihren Vater. Eva war mir sehr sympathisch, aber alle anderen Personen blieben für mich ein wenig blass.

    Es geht in diesem Buch um häusliche Gewalt. Für mich ist schwer nachzuvollziehen, dass manche Männer sich nur stark fühlen, wenn sie Gewalt anwenden, und dass Frauen dafür immer wieder Entschuldigungen finden. Es muss erschreckend sein, nicht zu wissen, wann der nächste Ausbruch kommt und immer Angst zu haben. Die Emotionen, die bei diesem Thema eigentlich aufkommen müssten, konnte ich beim Lesen aber nicht fühlen.

    Mit der Zeit verknüpfen sich die unterschiedlichen Handlungsstränge und alles löst sich schlüssig auf.

    Eine spannende Geschichte zu einem wichtigen Thema. Allerdings ist bei der Umsetzung noch Luft nach oben.

    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • Mick Herron - Bad Actors

    • buchregal123
    • 21. Februar 2026 um 12:51

    Der ehemalige Chef des MI5, Claude Whelan, soll eine wichtige Mitarbeiterin des Premiers finden, die spurlos verschwunden ist. Dabei trifft er auf seine Nachfolgerin und Erzfeindin Diana Taverner und dann auch zum Slough House, wo Jackson Lamb mit seiner Truppe beschäftigt ist. In diese Außenstelle wurden Mitarbeiter abgeschoben, die nicht erwartungsgemäß funktioniert haben und deshalb boshafter Weise die „Slow Horses“ genannt werden.

    Ich habe schon einige Bücher aus der Reihe um die Slow Horses gelesen. Auch wenn jedes Buch in sich abgeschlossen ist, so ist es doch sinnvoll, die Bände der Reihe nach zu lesen, was manches verständlicher macht. Ich mag diese Reihe, denn die Krimis sind spannend, aber auch sehr unterhaltsam. Der Schreibstil ist witzig und oft recht sarkastisch.

    Die Agenten des „Slough House“ sind alle ziemlich spezielle Einzelgänger, die nur eins im Sinn haben, nämlich möglichst bald wieder in den normalen Dienst zurück zu können. Eigentlich sollten sie im Team zusammenarbeiten, doch meist kämpft jeder für sich gegen seine eigenen Probleme. Aber was will man auch erwarten bei dem exzentrischen Chef. Jackson Lamb hat schlechte Manieren und ein schmuddeliges Äußeres, doch man sollte ihn nicht unterschätzen. Er ist clever und durchschaut Situationen sehr schnell. Dann zieht er die Fäden und lässt sich von niemandem reinreden.

    Auch dieses Mal gibt es Machtspielchen, Intrigen und – wie könnte es anders sein – viel Chaos.

    Die Geschichte ist komplex und spannend und bietet viel schwarzem britischen Humor. Es war mir eine Freude, das Buch zu lesen.

    5ratten

  • Petra Johann - Wem du traust

    • buchregal123
    • 20. Februar 2026 um 18:32

    Sofia passt immer mal wieder auf Linus, den kleinen Sohn von Ava und Daniel auf, so auch als Eva, Daniel, Susanne und deren Lebensgefährte Alex zu einer Geburtstagsfeier gehen. Als Eva und Daniel zurückkommen, bringt Daniel Sofia, die Tochter von Susanne, nach Hause. ER lässt sie aussteigen und fährt wieder ab. Doch das Mädchen ist am nächsten Tag spurlos verschwunden. Teenager verschwinden schon mal, das weiß auch die Polizei und nimmt die Sache zunächst nicht so ernst. Doch dann wird ein blutiger Hoodie von Sofia gefunden und damit gerät Daniel ins Visier von Kriminalkommissarin Heidi Westphal, zumal er eine DNA-Probe verweigert und offensichtlich nicht alles erzählt. Für Eva bricht eine Welt zusammen. Kann sie ihrem Mann noch vertrauen?

    Erzählt wird diese Geschichte aus der Perspektive von Eva und Heidi Westphal. Zwischendurch gibt es Einschübe von einer ängstlichen Person.

    Ich habe schon einige Bücher von Petra Johann gelesen und auch dieses Mal hat sie mich wieder überzeugt. Dabei sind ihre Kriminalromane eher ruhig und kehren die psychologische Seite der Menschen heraus. Dennoch ist die Spannung unterschwellig immer da. Immer Laufe der Ermittlungen gibt es einige Verdächtige und doch liegt der Focus immer wieder auf Daniel. Nicht nur der Polizei, sondern auch Eva gegenüber ist er nicht offen. Eva glaubte, dass sie Daniel kennt, aber sie muss feststellen, dass sie nicht alles über ihn weiß. Aber auch ihre beste Freundin Susanne hält etwas zurück.

    Im Laufe der Ermittlungen spielt dann noch ein Fall von vor fünfzehn Jahren eine Rolle, bei dem eine Schülerin vergewaltigt und getötet wurde. Der Täter wurde nie gefasst.

    Die ganze Zeit beschäftigt einen beim Lesen: Wem kann man trauen? Alles deutet auf Daniel hin, doch der Autorin gelingt es auch dieses Mal wieder, uns mit dem Ende zu überraschen.

    Mir hat dieser spannende Krimi wieder gut gefallen.

    4ratten

  • Romy Fölck - Fünf Fremde

    • buchregal123
    • 14. Februar 2026 um 15:45

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    Im Jahr 1995 verschwinden zwei Jugendliche aus dem Schullandheim auf der Insel Neuwerk. Während Isa nach ein paar Tagen sprachlos wieder gefunden wird, bleibt Janosch verschwunden. Nun sind bei rauem Wetter fünf Menschen auf der Fähre nach Neuwerk. Für einige von ihnen weckt das Erinnerungen an den Vorfall von damals. Was ist seinerzeit geschehen? Während ein Orkan aufzieht und niemand die Insel verlassen kann, gibt es merkwürdige Begebenheiten auf Neuwerk. Wer hat da noch eine Rechnung offen?

    Wieder einmal ist es der Autorin Romy Fölck gelungen, einen spannenden Krimi zu schreiben. Allerdings hat mich die Reihe um Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn mehr überzeugt. Die Handlung spielt hauptsächlich in der Gegenwart, aber es gibt Rückblenden in das Jahr 1995. Auch die Perspektiven wechseln immer wieder. Die Atmosphäre auf Neuwerk wirkt nicht nur aufgrund der Wetterverhältnisse ziemlich bedrohlich, sondern auch durch das Auftauchen der Personen, die 1995 ebenfalls auf der Insel waren.

    Die Charaktere sind gut dargestellt. Fast alle scheinen ein Geheimnis haben. Die Kommissarin Annika Lundt kehrt für eine Weile nach Neuwerk zurück, um nach ihrer dementen Mutter Hedda zu sehen und ihrer Ehe zu entfliehen. Hedda gelingt es immer wieder auszubüxen. Charlotte will Hedda besuchen; sie plagt das schlechte Gewissen. Mats wird seit einiger Zeit bedroht, wie auch Sinje, die als Journalistin auch gerne rücksichtslos auf Informationsjagd geht.

    Neben Isa, Janosch und Mats war damals auch Bea mit im Schullandheim. Was ist dort damals geschehen?

    Es ist schwierig, Zusammenhänge zu erkennen, da es auch noch weitere Personen gibt, die in dieser Geschichte auftauchen. Kaum hat man eine Idee, wer hinter allem stecken könnte, gibt es wieder eine Wendung, die Zweifel aufkommen lässt. So bleibt es spannend.

    Am Ende löst sich alles auf, wobei mir manches aber nicht so ganz logisch erschien.

    Es ist ein spannender und atmosphärischer Thriller.

    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • Mechthild Borrmann - Lebensbande

    • buchregal123
    • 3. Februar 2026 um 13:02

    Dieser Roman erzählt von drei Frauen, die unterschiedliche Lebensverläufe haben und dennoch in Freundschaft miteinander verbunden sind.

    Eine der Frauen beginnt 1991 in Kühlungsborn ihre Geschichte aufzuschreiben nachdem sie einen Brief der LVA Mecklenburg-Vorpommern bekommen hat. Fast dreißig Jahre hat sie hier gelebt, als Krankenschwester gearbeitet, inzwischen ihren Mann Gustav beerdigt und immer die Wahrheit über ihre Vergangenheit verschwiegen.

    Es ist eine erschütternde Geschichte, welche die Autorin Mechtild Borrmann hier erzählt und die von wahren Schicksalen inspiriert wurde. Dies ist nicht mein erstes Buch der Autorin und ich mag ihren einfühlsamen, wundervoll zu lesenden Erzählstil.

    Die Charaktere sind individuell und glaubhaft beschrieben. Lene soll einen Bauerssohn heiraten, verliebt sich aber in den niederländischen Fabrikarbeiter Joop. Doch heiraten tut sie dann einen anderen und bekommt Leo, der sich nicht so entwickelt wie andere Kinder. Doch das ist in jenen Zeiten gefährlich. Lene verliert das Sorgerecht für ihr Kind. Als Leo ins Heim kommt, verspricht die Krankenschwester Nora sich um ihn zu kümmern. Sie hilft Lene dabei, den Jungen zu retten, was Folgen für sie hat. In Danzig lernt Nora Lieselotte kennen, ein paar Jahre später kommen sie in einen Gulag der Sowjetunion.

    Es ist bewundernswert, wie die Frauen trotz schwieriger Umstände zusammenstehen und dabei viel riskieren.

    Jahre später nach dem Mauerfall wird die Vergangenheit durch den offiziellen Brief der LVA wieder hervorgeholt. Entscheidungen und Handlungen wiegen schwer und lassen einen nicht los, das muss auch Nora erkennen.

    Der Roman ist bewegend und zeigt die Gräuel der Naziherrschaft, aber auch, dass Mut und Freundschaft viel bewirken können. Lesenswert!

    4ratten

  • Stefan Ahnhem - Wellengrab

    • buchregal123
    • 29. Januar 2026 um 13:35

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    Es ist schon eine ganze Weile her, seit der letzte Band aus der Reihe um Fabian Risk erschienen ist, daher habe ich mich auf diesen neuen Krimi sehr gefreut.

    Fabian Risk ist mit seiner Tochter Matilda auf einem Segeltörn, als an der Küste Schwedens der Strom ausfällt. Als er zurück in Helsingborg ist, werden er und seine Kollegen mit verschiedenen unerklärlichen Fällen konfrontiert. Nichts fügt sich zusammen und die Zeugen verhalten sich seltsam. Dann meldet sich eine alte Bekannte von Fabian, weil deren Tochter verschwunden ist. Bei der Suche nach dem Mädchen erkennt Fabian Verbindungen zwischen den ganzen Fällen. Doch was soll das alles?

    Auch dieses Mal konnte mich Stefan Ahnhem wieder mit seinem packenden Schreibstil überzeugen. Kurze Kapitel sorgen für Spannung und Tempo.

    Risk ist ein Mensch, der für seinen Beruf lebt, daran ist auch seine Ehe gescheitert. Er und seine Kollegen sind sehr unterschiedlich, ergänzen sich aber bei den Ermittlungen perfekt. Alle Charaktere sind authentisch und vielschichtig dargestellt.

    Immer wieder gibt es Wendungen, die einen unsicher machen, wer und was hinter allem steckt. Doch was die Ermittler dann herausfinden, ist erschreckend und leider absolut nicht unwahrscheinlich. Zum Glück gibt es Personen, die sich nicht unterkriegen lassen und dem Wahnsinn entgegenstellen.

    Ich kann diesen spannenden und temporeichen Thriller mit Tiefgang nur empfehlen.

    5ratten

  • Sandra Aslund - Dann ruhest auch du

    • buchregal123
    • 28. Januar 2026 um 12:27

    Maya wollte ein paar freie Tage bei ihren Eltern verbringen und ihre Freundin treffen. Doch dann wird in der Schlossruine von Borgholm auf Öland die grausam hingerichtete Leiche einer Journalistin aufgefunden. Es ist der zweite derartige Todesfall. Maya und ihr Kollege Pär werden in die Ermittlungen einbezogen. Der Fall wird für Maya persönlich, als sie entdeckt, dass es Verbindungen zu einem traumatischen Vorfall in ihrer Vergangenheit gibt.

    Dies ist der dritte Band der Reihe „Ein Fall für Maya Topelius“. Ich mag die etwas düstere Atmosphäre von Skandinavien-Krimis sehr gerne und auch dieses Buch hat mir gefallen. Der Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen.

    Die Charaktere sind gut und glaubhaft dargestellt. Maya ist eine gute Polizistin, die sich auch in andere einfühlen kann. Aber ihre eigenen Gefühle hat sie immer erfolgreich unterdrückt. Sie geht unkonventioneller an ihre Fälle heran als ihr Partner Pär, der erfahrener ist. Doch dieses Mal wird ihr alles abverlangt. Natürlich sind die örtlichen Ermittler nicht erfreut darüber, dass die Kollegen aus Stockholm mitmischen. Auch Mayas Freundin Clara hat ihre Probleme, denn ihr Sohn hat sich in letzter Zeit sehr verändert.

    Die Spuren, denen die Ermittler nachgehen, führen zu rechtsradikalen Kreisen. Es ist erschreckend, welche Abgründe sich da auftun. Auch dieses Mal handelt Maya recht impulsiv und bringt sich bei ihren Nachforschungen selbst in Gefahr.

    Mir hat diese spannende Schweden-Krimi wieder gut gefallen.

    4ratten

  • Vea Kaiser - Fabula Rasa

    • buchregal123
    • 3. Januar 2026 um 11:59

    Angelika Moser ist Ende der Achtzigerjahre Buchhalterin im Grand Hotel Frohner in Wien. Sie mag ihren Job, doch dann wird sie vom Direktor gebeten, die Bilanzen der letzten Jahre zu ändern, um eine Erbengemeinschaft abzuschrecken. Sie lässt sich darauf ein. Als die lebenslustige junge Frau dann mit einem Kind dasteht, das sie durchbringen muss, manipuliert sie Rechnungen, was jahrelang gutgeht, bis ihr dann alles um die Ohren fliegt.

    Dies ist mein erstes Buch der Autorin Vea Kaiser. Sie schreibt flüssig, witzig und mit viel Wiener Schmäh (was ich oft schwierig zu lesen finde). Das Leben ihn Wien ist atmosphärisch und authentisch dargestellt. Trotzdem hätte es der Geschichte gutgetan, wenn sie an manchen Stellen etwas straffer erzählt worden wäre.

    Angelika liebt das Nachleben und die Männer, gerät aber meist an die Falschen. Tagsüber arbeitet sie im Hotel als Buchhalterin und mag ihren Job. Sie lässt sich vom Direktor sogar zu der zweifelhaften Bilanzmanipulation überreden und greift dann auf die erworbenen Kenntnisse zurück, um sich und ihrem Kind ein gutes Leben zu ermöglichen. Sie liebt ihren Sohn Sebastian und will ihm eine bessere Mutter sein, als ihre Mutter es war. Ihre kreative Buchführung ist lange genug unbemerkt geblieben, musste aber irgendwann auffallen. Ich kann nicht behaupten, dass mir die Personen sonderlich sympathisch waren. So konnte ich mich nicht in sie hineinversetzen.

    Ein unterhaltsamer Roman mit Sprachwitz, aber auch Längen, der mich nicht so ganz überzeugt hat.

    3ratten


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