Sam Bourne - Die Wahrheit

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    Maggie Castillo, die Ex-Beratin des Präsidenten hat eigentlich mit Washington und dem Weißen Haus abgeschlossen. Als aber mehrere Historiker getötet werden und schließlich auch noch die wichtigsten Bibliotheken abgefackelt werden, bittet sie eine Gouverneurin um Hilfe.


    Dies ist bereits der 4. Teil der Maggie Castillo-Reihe nach "Das letzte Testament", "Der Gewählte" und "Der Präsident". Bis auf den 1. Band habe ich die ganze Reihe gelesen.


    Der Schreibstil des Autors ist wieder grandios; Orte und Personen werden ausgezeichnet dargestellt; die Charaktere entwickeln sich auch langsam weiter.


    Das Thema selbst ist wieder einmal an Brisanz nicht zu toppen, denn alle Originaldokumente sollen vernichtet werden, um Geschichte neu zu schreiben, um nicht von ihr "verfolgt" zu werden.


    Entgegen dem Cover - auf dem groß zu lesen ist: "Wenn selbst der Präsident lügt - wen kann man dann noch trauen?" spielt der US-Präsident nur in sehr wenigen Szenen mit. Der Satz am Cover ist somit absolut irreführend, denn mit dem Inhalt hat er nicht das Geringste zu tun! Das klingt nach Marketing-Masche der übelsten Sorte. Der Präsident ist übrigens auch in diesem Buch namenlos, aber man kann schnell erkennen, dass der aktuelle US-Präsident damit gemeint ist (wie schon im letzten Teil).


    Der Spannungsbogen zieht sich vom Beginn bis zum Ende des Buches. Er flacht zwar zwischen durch leicht ab, dafür ist das FInale umso spannender und fast schon zu schnell vorbei.


    Im Original ist ja bereits der 5. Teil erschienen ("To kill a man"). Man darf sich sicher darauf freuen, wenn man bedenkt, dass der Original-Titel sehr an dieses Buch erinnert, denn "Die Wahrheit" heißt im Original "To kill the truth".


    Fazit: Wenn Geschichte verloren geht, kann das wirklich einen Neustart bedeuten? Spannender Polit-Thriller, der nicht ganz so politisch ist. Nur der Satz auf dem Cover ist falsch und irreführend. 5 von 5 Sternen

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    REZENSION – Aktuell und politisch brisant ist der kürzlich erschienene Roman „Die Wahrheit“ des britischen Schriftstellers Sam Bourne, Pseudonym des mehrfach ausgezeichneten Journalisten Jonathan Freedland (53), Autor bereits mehrerer Sachbücher und Thriller. Natürlich geht es um Wahrheit, aber auch um alternative Fakten und Fake News, vor allem aber um die Bürde der Vergangenheit und deren Umgang in heutiger Zeit. Lässt das Vergessen, das Auslöschen der Vergangenheit einen von aller Last befreiten Neustart zu? Gibt es eine Zukunft auch ohne Vergangenheit?

    Die gegensätzlichen Sichtweisen, die auch Inhalt eines vielleicht ermüdenden philosophischen Diskurses sein könnten, verpackt Sam Bourne in einer spannenden Handlung und lässt seine Protagonisten entsprechend argumentieren und handeln. Maggie Castillo, einst erfolgreiche Beraterin des US-Präsidenten, wird mit der Ermittlung eines Mordfalles beauftragt. Ein Historiker wurde getötet. Doch dieser Mord ist nur der Beginn einer weltweiten Zerstörungsaktion. Weitere Historiker kommen zu Tode, dann brennen die zwölf wichtigsten Bibliotheken der Welt, in denen die ältesten Schriften der Menschheit archiviert sind, der Reihe nach bis auf die Grundmauern ab. Auch deren digitale Sicherungskopien werden von unbekannter Hand gelöscht. Schließlich werden auch noch die Internet-Suchmaschinen lahmgelegt. Doch nicht nur Archivalien werden vernichtet, auch die letzten Zeitzeugen der amerikanischen Sklaverei und des europäischen Holocausts, die noch persönlich Zeugnis über die grausamsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte ablegen können, werden getötet. Unbekannte Verschwörer löschen offensichtlich Schritt für Schritt das Gedächtnis der Menschheit.

    „Wenn selbst der Präsident lügt, wem kann man noch trauen?“ lautet der Untertitel des Thrillers. Doch um Donald Trump geht es nicht in Bournes Roman, sehr wohl aber um Wahrheit, alternative Wahrheit und Lüge. Wo bleibt die Wahrheit, wenn Fakten bewusst geleugnet oder nicht mehr dokumentarisch belegt werden können? Mit Vernichtung aller Archive wird auch die Wahrheit gelöscht. Der Holocaust in Nordeuropa lässt sich dann leugnen oder zumindest anzweifeln ebenso wie die Verbrechen der Sklaverei in den Vereinigten Staaten.

    „Die Wahrheit stützte sich auf Scham.“ Die wichtigste Frage des Romans ist deshalb, ob durch Auslöschen einer belasteten Vergangenheit ein Neustart in eine unbelastete Zukunft gelingen kann. „Diejenigen, die Gerechtigkeit [für erlittenes Unrecht] suchen, bestehen darauf, dass wir uns erinnern. Aber diejenigen, die Frieden suchen, bestehen darauf, dass wir vergessen.“ Sollen wir also die Vergangenheit auslöschen, um der nächsten Generation ein leichteres Leben zu ermöglichen, den Frieden zu sichern? „Sie sollen aufwachsen, wie wir es nicht konnten. Ohne diese furchtbare Bürde der Geschichte auf den Schultern“, argumentiert folgerichtig im Roman der Historiker und Sklaverei-Leugner William Keane vor Gericht. Seine Gegner halten dagegen: „Ohne Erinnerungen waren die Menschen nichts. Nichts als Rudel von wilden Tieren, die um ihr Überleben kämpften.“

    In seinem Thriller „Die Wahrheit“ stellt Autor Sam Bourne die wichtigsten Argumente der Kontrahenten nachvollziehbar gegenüber, ohne eindeutig Stellung zu beziehen. So wirken Charaktere wie der Sklaverei-Leugner William Keane oder der Trump-Berater McNamara keineswegs unsympatisch. Doch sie stehen im Roman nun mal auf der Seite der Bösen, weshalb Bournes Thriller letztlich doch eine Botschaft gegen das Vergessen ist.

    „Die Wahrheit“ ist ein spannender Politthriller mit aktuell ernstem Thema, den man wegen seiner in sich geschlossenen Handlung auch dann lesen kann, wenn man die drei ersten Bände um Maggie Costello - „Das letzte Testament“ (2010), „Der Gewählte“ (2011) und „Der Präsident (2017) - noch nicht kennt. Der fünfte Roman dieser Reihe ist übrigens im März mit dem Titel „To Kill a Man“ in Großbritannien erschienen.