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Beiträge von finsbury

  • Brian Greene - Bis zum Ende der Zeit. Der Mensch, das Universum und unsere Suche nach dem Sinn des Lebens

    • finsbury
    • 15. Mai 2026 um 19:47

    Brian Greene: Bis zum Ende der Zeit. Der Mensch, das Universum und unsere Suche nach dem Sinn des Lebens (2020)

    Brian Greene (*1963) ist ein US-amerikanischer Physiker und Mathematiker, der schon mehrere Bücher veröffentlicht hat, in denen er Themen der Astrophysik und allgemein naturwissenschaftliche Grundfragen der Entstehung und Weiterentwicklung des Universums, der Evolution und der besonderen Rolle des Menschen allgemein verständlich aufbereitet. Er verfolgt dabei einen physikalistischen Ansatz, d.h. er führt alles auf physikalische, berechenbare Gesetze zurück.

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    Greene erklärt zunächst, dass das Universum und alles, was in ihm enthalten ist, mathematisch nachweisbar nach drei grundsätzlichen physikalischen Gesetzen funktioniert:
    - der Entropie, d.h. der Tendenz der Materie zur Unordnung,
    - dem zweiten Gesetz der Thermodynamik, das besagt, dass Energie niemals selbstständig vom Kühlen zum Warmen fließen kann,
    - dem Gesetz der Schwerkraft.
    Geordnete Strukturen, wie es Galaxien, Sterne und erst recht Lebewesen sind, haben eine niedrige Entropie und enden daher irgendwann. Das ist zunächst die Hauptaussage des Buches. Das Leben wird also nicht ewig überleben, genausowenig wie unser Universum. Allerdings zeigen mathematische Berechnungen, die dem Wahrscheinlichkeitsszenario der Quantenphysik folgen, dass es durchaus möglich ist, dass dieses Universum nur eins von vielen ist, die entweder nebeneinander exisitieren (Multiversum) oder nacheinander entstehen und vergehen oder auch beides. Auch die Entstehung von Atomen, Molekülen und der Lebewesen ist ausschließlich ein Produkt physikalischer Gesetze bis hin zum Bewusstsein des Menschen, dem Greene aus diesem Grunde auch den freien Willen abspricht. Das Zusammenwirken der physikalischen und chemischen Prozesse im Individuum und die Reaktion der dadurch bewegten Teilchen auf Umwelteinflüsse ist so ungeheuer vielfältig, dass sie für uns wirken, als ob wir uns frei entscheiden. Auch alle anderen „Besonderheiten“ des Menschen wie seine Fähigkeit zur Kunst und die Neigung zur Religion erklärt Greene als Folge evolutionärer Verbesserungstendenzen zur Arterhaltung. Schließlich kommt er wieder zurück auf sein Kernthema, die Vergänglichkeit unseres Universums und was das mit uns macht. Da diese Vergänglichkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit aber erst in unvorstellbar später Zukunft stattfinden wird, sollte man meinen, dass das für unser jetziges Leben kaum eine Rolle spielt, den Autor aber hat diese Erkenntnis wohl sehr getroffen und lässt ihn auch heute nicht in Ruhe.

    Puuh, das war eine herausfordernde Lektüre, für die ich insgesamt viereinhalb Monate gebraucht habe. Aber eine lohnende … . Greene kann sehr anschaulich erklären, und dieser Parforceritt durch die „ kurze Geschichte von fast allem“ (wie ein anderes berühmtes Sachbuch von Bill Bryson heißt) war sehr interessant. Auch ich teile im Wesentlichen diese physikalistische Weltsicht, weil sie, so wie Greene sie erklärt, nicht das Wunder unserer Existenz, unserer Fähigkeiten und unserer Freude am Leben und der Kunst in Frage stellt. Menschen, die sich dafür interessieren, „wie die Welt im Innersten zusammenhängt“ und die Antwort nicht in einer Religion suchen, sind hier richtig. Ich empfehle dringend die Lektüre mit einem internetfähigen E-Reader, weil man da direkt die vielen Fachbegriffe nachschlagen kann.

  • Isabel Bogdan - Der Pfau

    • finsbury
    • 14. Mai 2026 um 10:17

    Isabel Bogdan: Der Pfau (2016)

    Dieses Buch der als Übersetzerin englischer und amerikanischer AutorInnen bekannten Isabel Bogdan (*1968) ist ihr erster Roman und stand lange auf der Spiegel-Bestsellerliste.

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    Lord und Lady Macintosh vermieten die Cottages und den Seitentrakt ihres heruntergekommenen schottischen Landsitzes an zahlende Gäste, die Ruhe suchen und die ländlich-aristokratische Einsamkeit mögen. Einige Banker einer englischen Privatbank mieten samt Köchin und betreuender Psychologin den Seitentrakt, um dort an einem Wochenende im beginnenden Winter an einem Teambuilding teilzunehmen. Lord Hamish befürchtet, dass ein missratener halbstarker Pfau, der eine starke Abneigung gegen die Farbe Blau hat und alles mit dieser Farbe nach seinen Kräften zerstört, den vielversprechenden Gästen Schaden zufügt und sorgt vor … . Diese Vorsorge zusammen mit den Unbillen eines frühzeitigen Wintereinbruchs und einer fehlenden Heizung ziehen einen ganzen Rattenschwanz von Reaktionen nach sich, die das Wochenende der vier Banker, ihrer Vorgesetzten und der beiden Betreuerinnen, aber auch das von Lord und Lady Machintosh durcheinanderwirbeln.
    Am Ende steht ein erfolgreicherer Ablauf des Teambuildings zu Buche, als von allen erwartet wurde, und nur einer hat ernsthaft Schaden genommen.

    Die Erzählidee des Romans ist wirklich originell, allerdings verstehe ich nicht, dass dieses Buch so viele LeserInnen und die Kritik begeistern konnte. Warum auch immer, konsequent vermeidet Bogdan die wörtliche Rede, berichtet stattdessen vom Geschehen und den Reaktionen mit multiperspektivischer Innensicht im Nachhinein und – wenn überhaupt – in indirekter Rede. Da aber Sprachwitz, der für mich Humor ausmacht, in der Direktheit des Aufeinandertreffens von Aktion und Reaktion, also insbesondere dem Dialog und der unmittelbaren Handlung liegt, habe ich dieses Buch zwar mit mäßiger Aufmerksamkeit durchgelesen, aber wirklich unterhalten bzw. gar zum Lachen gebracht hat es mich nicht. Es kam mir so vor, als würde ich den dritten oder vierten Aufguss eines mäßig lustigen Witzes erzählt bekommen.

  • Kaja Grimme - Fräulein Renée und das kartografische Komplott

    • finsbury
    • 14. Mai 2026 um 10:13

    Das klingt ja wirklich nett, trotz der historischen Unglaubwürdigkeit der Hauptperson. Aber das Setting finde ich klasse: die Villa der Geografischen Gesellschaft Württemberg, das hat schon was!


    Danke für die Vorstellung, nanu?!

  • Monatsrunde Mai 2026: Pride-Flagge

    • finsbury
    • 11. Mai 2026 um 19:54

    Mein Mai- Pride-Flag-Buch ist auch gelesen:

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    Marina Achenbach: Fasia Jansen, geliebte Rebellin

  • Marina Achenbach - Fasia, geliebte Rebellin

    • finsbury
    • 11. Mai 2026 um 19:49

    Marina Achenbach: Fasia –geliebte Rebellin (2004)

    Das Buch aus dem Oberhausener Asso-Verlag erinnert an die Aktivistin, Liedermacherin und Sängerin Fasia Jansen (1929-1997). Es ist leider nur noch antiquarisch erhältlich.

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    Fasia Jansen wurde 1929 als Tochter des Kindermädchens Elli Jansen und des Generalkonsuls Momulu Massaquoi in Hamburg unehelich geboren. Der Vater wollte seine Tochter in seine Familie aufnehmen und mit nach Afrika nehmen, wohin er kurz darauf zurückkehrte, was die Mutter ablehnte und ihre Tochter zunächst alleine betreute, allerdings unter großer Mithilfe ihrer Mutter, der „Oma Bujaks“. Fasia hatte eine schwierige Kindheit und Jugend im Dritten Reich, da sie aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert und ihr viele frühe Lebenschancen verstellt wurden, wie zum Beispiel eine Ausbildung zur Tänzerin. Im Hamburger Arbeiterviertel Rothenburgsort durfte sie während der Bombenangriffe nicht in den Schutzbunker, weil ihr der Bunkerwart den Eintritt verweigerte mit dem Argument, sie hätte die gleiche Hautfarbe wie die US-Piloten, die die Bomben über Hamburg abwarfen. Schließlich wurde sie im letzten Kriegsjahr mit 15 zur Zwangsarbeit in einer unterirdischen Munitionsfabrik verpflichtet, was die Oma wegen Fasias schwacher Gesundheit noch abbiegen konnte zur Küchenarbeit für ein Frauen-KZ-Außenlager, bei der sie schreckliches Leid miterleben musste. Fasias chronische Herzentzündung könnte die Folge einer Spritze sein, die ihr ohne Erklärung auf dem Gesundheitsamt gegeben wurde, möglicherweise der Versuch einer chemischen Sterilisation. Bereits in ihrer Kindheit heiratete die Mutter Albert Bracklow, einen Hafenarbeiter und Kommunisten. Dieser Mann wurde Fasia ein guter Vater und prägte ihr Weltbild von einer gerechten Gesellschaft und ihren Mut, für die Rechte der Armen und Machtlosen zu kämpfen.
    In den fünfziger Jahren kam Fasia zu der Familie Althoff in Oberhausen, nachdem sie deren Tochter Anneliese bei einem Festival in Berlin kennen gelernt hatte. Diese Familie und Oberhausen wurden ihre neue Heimat. Fasia trat dann mit Annelieses Volkstanzgruppe auf und begann bald zu singen. Sie lernte Dieter Süverkrüp und andere Liedermacher kennen und engagierte sich neben dem politischen Lied bei Demonstrationen der Gewerkschaften gegen Stahlwerksschließungen, Ostermärschen, internationalen Friedensinitiativen und ab den Achtziger Jahren, seitdem sie mit ihrer Lebenspartnerin Ellen Diederich zusammen arbeitete und lebte, auch für Frauenrechte. Dabei reiste sie viele zehntausende Kilometer durch Europa und bis nach Afrika. Dieses Leben trotzte sie ihrer schwachen Gesundheit ab, der sie dann auch mit 68 Jahren erlag. Ihr Lebensmittelpunkt waren das Ruhrgebiet und Hamburg, und sie hinterließ bei den Menschen, mit denen sie zusammen arbeitete und kämpfte, große Sympathie und Bewunderung für ihre freie, unerschrockene Art, mit der sie auf Menschen zukam und sie zum sozialen und politischen Handeln animierte.

    Dieses Buch ist eine Mischung aus Biografie, Selbst- und Fremdzeugnissen von und über Fasia Jansen. Überall wird deutlich, dass Fasia –auch wenn sie sehr fordernd und bestimmend war- die Fähigkeit zur Selbstaufgabe und Freundschaft im besten Sinne hatte, die ihr dann auch zurückgegeben wurde.
    Eine beeindruckende Frau, in deren Leben sich die großen Krisen in der deutschen Gesellschaft der 30er bis 90er Jahre spiegeln.

  • Gaea Schoeters - Das Geschenk

    • finsbury
    • 8. Mai 2026 um 15:45

    Gaea Schoeters: Das Geschenk (2025)

    Das hier vorgestellte Buch ist der zweite, ins Deutsche von Lisa Mensing übersetzte Roman der flämischen Autorin (*1976). Auch er bezieht sich – wie der Vorgänger „Trophäe“ – auf die gestörten Beziehungen zwischen den ehemaligen Kolonialmächten und den afrikanischen Staaten.

    In diesem schmalen Band hat Gaea Schoeters eine reale Äußerung des botswanischen Präsidenten zum Ausgangspunkt für ein Gedankenspiel gemacht. Mokgweetsi Masisi hatte am 2. April 2024, nachdem im Deutschen Bundestag eine Verschärfung des Jagdtrophäengesetzes disktutiert worden war, die Bundesrepublik davor gewarnt, dem Land 20 000 Elefanten zu „schenken“, damit die Politik hierzulande sich mal ein Bild davon machen könne, vor welche Aufgaben ein Land gestellt ist, das mit den streng geschützten Dickhäutern fertig werden muss und damit kein Geld verdienen darf.

    Ungläubig schaut Holger Fuchs, Spitzenkandidat der AfD , nachdem er - von einer feuchtfröhlichen Partei-Party nach den neuesten Umfragewerten kommend – ein Selfie am Spreeufer von sich gemacht hat, am nächsten Morgen auf sein Handy. Im Hintergrund des Fotos am anderen Spreeufer steht ein afrikanischer Elefant in Angriffsstellung … .
    An diesem Morgen erleben viele Berliner ihre erste Begegnung mit afrikanischen Elefanten in freier „Wildbahn“. Über Nacht und Nebel sind die grauen Giganten in Berlin angekommen, wie, wird allerdings nicht erklärt. Rasch ruft der Bundeskanzler Hans Günter Winkler einen Krisenstab zusammen. Man beschließt, nachdem der botswanische Präsident erklärt hat, woher die Elefanten kommen und dass er sofort doppelt soviele schicken würde, wenn man ihnen etwas antäte oder die Freiheit nähme, progressiv mit den neuen Mitbewohnern umzugehen und sie hier zu integrieren. Eine Elefantenschutzministerin wird ernannt, und im Weiteren versuchen Politik und Gesellschaft, sich mit den gewaltigen 20 000 Neuankömmlingen in und um Berlin zu arrangieren. Aber das wird schwierig, denn es gibt nicht nur durch die Elefanten selbst, sondern auch viele Folgeprobleme, z.B.: Ihr Dung enthält die Saat afrikanischer Pflanzen, die plötzlich die Hauptstadt überziehen; die anderen Bundesländer sind wenig begeistert davon, Berliner Elefanten zu übernehmen; es kommt zu einem schlimmen Massenverkehrsunfall; verunreinigter Dünger, den man aus dem Elefantendung produziert und gewinnbringend exportiert hat, ist mit den Samen der rasch wachsenden Futterpflanze der Tiere kontaminiert und vernichtet im benachbarten Ausland große landwirtschaftliche Flächen; ein Schaden, für den die Bundesregierung einstehen muss. Die Umfragewerte für die AfD , die genüsslich jedes Problem mit den Elefanten zu ihren Gunsten ausnutzt, schießen in die Höhe, und innerhalb des Kabinetts kommt es zu Auseinandersetzungen über einen grundlegenden Umbau der Gesellschaft, um die weitere Koexistenz möglich zu machen oder um eine sogenannte Drittstaatenlösung, d.h. ein bezahltes afrikanisches Exil , in das man die Dickhäuter abschieben kann….

    Man merkt an der Handlung, dass Schoeters in dieser Satire aktuelle Themen der gesellschaftlichen Diskussion in Deutschland und Europa aufs Korn nimmt: wie umgehen mit Zuwanderung, wie können Menschen und andere Lebewesen überhaupt friedlich in einer von der Klimakrise gebeutelten Welt koexistieren, und wer nutzt solche Krisen wie aus?

    An den kleinen Roman darf man nicht den Anspruch der Logik stellen, zumindest nicht, was das Setting mit den afrikanischen Elefanten angeht. Wie die Tropenbewohner so schnell nach Berlin kommen konnten und problemlos das mitteleuropäische Klima überleben, wird nicht angesprochen bzw. damit abgetan, dass hier früher ja auch Waldelefanten gelebt hätten. Aber es geht ja auch nicht darum, eine realitätsnahe Geschichte zu erzählen, sondern wirkliche Konflikte auf abstruse Weise zu verzerren und damit umso deutlicher grundlegende Probleme unseres sozialen und politischen Miteinanders zuzuspitzen.
    Eine spannende und gut lesbare Geschichte, die allerdings nicht die gleiche sprachliche Intensität und erzählerische Tiefe aufweist wie der Vorgängerroman „Trophäe“.

  • Eugen Ruge - Metropol

    • finsbury
    • 1. Mai 2026 um 19:53

    Eugen Ruge: Metropol (2019)

    Eugen Ruges (*1954) Roman beruht auf biografischen Fakten aus seiner Familie und ist eine Art Prequel zu seinem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“(2011).

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    Charlotte und Jean Germaine sind die Decknamen für Charlotte und Wilhelm, ein kommunistisches Paar, beide in zweiter Ehe verheiratet, die wiederum der Großmutter und dem Stiefgroßvater väterlicherseits von Eugen Ruge nachempfunden sind. Die äußeren, recherchierbaren Fakten sind alle nachprüfbar, die Ausgestaltung und Innenwelt der Protagonisten ist Fiktion.

    Charlotte und Wilhelm arbeiten, nachdem ab 1935 ihre Untergrundarbeit im nationalsozialistischen Deutschland zu gefährlich geworden war, im sogenannten Punkt 2, einer Abteilung der OMS, des Geheimdienstes der Komintern (Kommunistischen Internationale). Eines Tages werden sie ohne Erklärung ins ehemalige Luxushotel Metropol in Moskau beordert, wo sie fast zwei Jahre verbringen und mitbekommen, wie um sie herum, in ihrem Bekanntenkreis und unter den hochrangigsten Kommunisten der ersten Stunde, Verhaftungen stattfinden und Menschen verschwinden, die entweder ohne öffentlichen Prozess oder – wenn sie bedeutende Persönlichkeiten waren - nach besonders inszenierten Schauprozessen erschossen oder anders hingerichtet bzw. nach Sibirien in Arbeitslager, die Gulags, verschickt wurden. Auch die beiden Deutschen werden verdächtigt, denn insbesondere Charlotte war mit einem prominenteren, ebenfalls deutschen Angeklagten und besonders mit dessen Frau näher bekannt.
    Das ist das äußere Gerüst der Handlung. Aber eigentlich geht es um die Deformation der Persönlichkeit unter dem ständigen Konflikt des Festhaltens am Ideal des Kommunismus und dem Glauben, er könne in der Sowjetunion unter Stalin verwirklicht werden und dem immer größeren Entsetzen über die Verhaftungs- und Hinrichtungswelle von als loyal und arbeitsam bekannten Parteimitgliedern. Das Grauen, das in einer solchen haltlosen Umwelt den einzelnen beschleicht, sei es nun Opfer oder sogar auch Täter, wie den Vorsitzenden der politischen Gerichtsbarkeit, ist das, was der Autor insbesondere vermitteln will.

    Das tut er mit einer linearen Erzählweise und multiperspektivischer Darstellung – hauptsächlich durch Charlotte, aber auch durch den oben erwähnten vorsitzenden Richter und zwei oder drei von Charlottes Bekannten. Im Epilog schildert der Autor, wie er dem Vorleben seiner Großmutter auf die Spur kam und die Hintergründe für den vorliegenden Roman in Russland erforschte.

    Das Buch ist eine sehr intensive, teilweise auch belastende Lektüre, die jenseits der historischen Menschenjagd unter Stalin überzeitliche Analysen vom Zerfall von Werten und Überzeugungen in Zeiten des Umbruchs leistet.

    Schwierig an dem Buch sind übrigens die vielen historischen Namen, zu denen man sich die Informationen selber zusammensuchen und über die man den Überblick behalten muss. Ein erklärendes Personenverzeichnis mit Klar- und Decknamen hätte das Verständnis sehr erleichtert.

    Den ersten, aber historisch nachfolgenden Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ werde ich sicher auch noch lesen.

  • Melinda Mullet - Mord on the Rocks (Whisky Business Mystery 5)

    • finsbury
    • 27. April 2026 um 20:03
    Zitat von Sagota

    Diese Reihe will ich ja schon gefühlte Ewigkeiten lesen - aber vermutlich würde es mir auch so gehen wie finsbury

    (wobei torfiger Whisky nicht so zu meinen Lieblingssorten zählt... ^^)

    Mir schmeckt der schon, aber Torfiges nur überm Torf!

  • Monatsrunde Mai 2026: Pride-Flagge

    • finsbury
    • 26. April 2026 um 19:29

    Ein wichtiges Thema und eine interessante Idee mit der Pride-Flagge, HoldenCaulfield.

    Ich möchte auch mitmachen und melde die Biografie der mutigen Kämpferin für Arbeit, Frauenrechte und gegen den Rassismus, Fasia Jansen, an. Sie hatte eine Lebensgefährtin, mit der sie alles teilte, und beide kämpften Seite an Seite für ihre Ziele.

    Marina Achenbach et al: Fasia - geliebte Rebellin

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    Das Buch ist leider nur noch antiquarisch erhältlich, daher kein Bild im Beitrag.

  • Monatsrunde April 2026 - Die Re-Read-Ampel

    • finsbury
    • 26. April 2026 um 14:41

    Ich werde mein zweites Buch für die Monatschallenge - Sven Regener: Wiener Straße - mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr schaffen.

  • Melinda Mullet - Mord on the Rocks (Whisky Business Mystery 5)

    • finsbury
    • 25. April 2026 um 19:35

    Ich mag die Reihe auch, denke aber bezüglich des Whiskykonsums ähnlich wie du, illy. Hin und wieder gönne ich mir auch mal einen kleinen edlen Scotch, aber bei deren Konsum in den Romanen wäre ich wohl schon längst unterm Torf.

  • Gaea Schoeters - Trophäe

    • finsbury
    • 14. April 2026 um 09:31

    Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht! Aber ich denke, dass das Buch jetzt lange genug bei meinen Freunden ausgeharrt hat. Da sind eventuelle "Mitreisende" wohl inzwischen ausgestiegen. Und was die Staubmilben angeht, die werden sich sehr gut mit den Millionen anderen Artgenossen verstehen, die es bei uns schon gibt :S.

  • Gaea Schoeters - Trophäe

    • finsbury
    • 12. April 2026 um 19:25
    Zitat von b.a.t.

    Ich habe das Buch auch in den unendlichen Stapeln in meiner Wohnung :)

    Ich freue mich schon auf die Lektüre, ich war vom letzten Buch der Autorin sehr begeistert - Das Geschenk war schon besonders.

    Darauf hinwiederum freue ich mich. Ich habe mir den Roman "Das Geschenk" letztes Jahr zum Geburtstag im November gewünscht, und ein befreundetes Paar hat ihn mir auch zugeschickt, aber dann war großes Chaos in der Post. Das Paar hat das Buch dann irgendwann im Februar zurückgeschickt bekommen, von dhl ohne Kommentar. Ende nächster Woche treffen wir uns das erste Mal seit damals, da tauschen wir dann die Geschenke des letzten halben Jahres aus. Der Post wollen wir nicht mehr trauen ^^.

  • Monatsrunde März 2026 - Frauen über Frauen

    • finsbury
    • 12. April 2026 um 13:20

    b.a.t., herzlichen Dank, jetzt habe ich es völlig verstanden.

  • Gaea Schoeters - Trophäe

    • finsbury
    • 12. April 2026 um 10:58

    Die flämische Schriftstellerin und Journalistin Gaea Schoeters (*1976) wurde für diesen Roman mehrfach ausgezeichnet. Er beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Werten eines „weißen“ Großwildjägers und einer Gruppe von traditionell lebenden San (früher „Buschmänner“) im südlichen Afrika.

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    Der steinreiche amerikanische GroßwildjägerHunter White (ja, so hat ihn die Autorin wirklich genannt) ist in den Süden Afrikas gekommen, weil ihm sein Freund van Heeren, ein Geschäftsmann, der Jagdreisen organisiert, die Lizenz für den Abschuss eines Spitzmaulnashorns verschafft hat, die Trophäe, die Hunter noch von den Big Five fehlt. Kurz vor dem Jagderfolg wird ihm dieser jedoch durch Wilderer genommen, die sein und ein weiteres Nashorn töten, um das vor allem in Asien begehrte und hoch bezahlte Horn zu erbeuten. Hunter, der nach einem kruden, aber für ihn mächtigen und beherrschenden Jäger-Ehrenkodex lebt, ist hoch empört und würde am liebsten die Wilderer erschießen. Van Heeren, der daran merkt, dass Hunter für eine besondere Trophäenjagd in Frage kommt, führt ihn auf einen Hochsitz an einem Tal-Rand, von wo aus sie zwei junge San beobachten können, die auf der Initiationsjagd nach ihrem ersten Kudu sind. Hunter, der mit dem Fernglas von hinten den einen der Jungen bei der Jagd verfolgt, erlebt ein eigenartiges Prickeln, als van Heeren ihm eine sechste Trophäe anbietet, eben jenen Jungen zu jagen und zu töten. Zu Beginn allein schon von dem Gedanken entrüstet, befreundet sich Hunter immer mehr damit und sucht mit dem Freund das San-Dorf der beiden Jungen auf, das in dem van Heeren gehörenden Tal liegt, in dem sie auf traditionelle Art leben und jagen dürfen, eben zu dem Preis, hin und wieder einen der ihren als Jagdbeute zu verlieren. Van Heeren sieht das ganz „nüchtern“ als eine Chance, die traditionelle Lebensweise der San zu erhalten, weil er mit dem Geld für diese höchst illegale Trophäe, über die aber anscheinend selbst die Regierungsbehörden des nicht genannten Staates hinwegsehen, den Erhalt des Lebensraums für die San finanziert. Die Ältesten der San schließen mit van Heeren und Hunter nach der Initiationsfeier für die beiden Jungen einen Vertrag: Er darf !Nquata, den beobachteten Jungen, jagen und töten, und dessen englisch sprechender Freund Dawid, der zweite Junge, wird ihn dabei als Fährtenleser und Helfer begleiten. Dafür wird Hunter dem intelligenten Dawid ein Studium in Amerika ermöglichen, denn der Clan erhofft sich von dem Jungen, dass er seinem Volk zu einer gesicherten Zukunft verhelfen kann.
    !Nquata bekommt einen gewissen Vorsprung, dann beginnt die Jagd. Währenddessen wird Hunter immer unsicherer, weil er erkennt, dass er weder mit seinen Waffen noch seinem Wissen dieser extremen Natur gewachsen ist und außerdem Dawids Verhalten nicht einschätzen kann. Steht dieser zu dem Vertrag und auf seiner Seite oder will er seinem Freund helfen zu überleben? Am Ende ist die Jagd vollbracht, und doch ist das Ergebnis von einer ganz anderen Bedeutung und Umwertung aller Werte, als Hunter jemals gedacht hatte.

    Schoeters erzählt den Roman klassisch-linear bis auf das Eingangs- und Endkapitel vollständig aus Hunters Sicht. Das ist für den Leser zum Teil schmerzhaft, da sie sich nur durch die Radikalität der Gedanken des Protagonisten und dessen zunehmende Verunsicherung von dessen Standpunkt distanziert. Er glaubt an die Überlegenheit der „Weißen“, insbesondere die des von einem festen Ehrenkodex bestimmten Großwildjägers und kommt gar nicht auf die Idee, sich mit anderen Lebensentwürfen und Werten zu beschäftigen. Seine Gedanken kreisen fast immer um die „Beute“, seine eigene oder auch die von anderen Tieren, die er mit mehr Respekt bedenkt als die ihm begegnenden Menschen. Das Ende jedoch zeigt die tönernen Füße, auf denen sein Lebensgebäude steht, wenn ich auch die Zuversicht, die Schoeters bezüglich der San andeutet, für unrealistisch halte bzw. wohl nicht ganz verstehe.
    Schwere Kost ist das Buch schon, obwohl es sehr spannend ist, aber die Lektüre lohnt sehr.

  • Monatsrunde März 2026 - Frauen über Frauen

    • finsbury
    • 11. April 2026 um 21:45
    Zitat von b.a.t.

    finsbury das Herta Müller Buch ist eh als gelesen markiert, gab halt irgendwann leider keine Smileys mehr, weil sie von der Forumssoftware beschränkt sind.

    Dank dir für die Antwort. Ich find' s halt im Eingangsbeitrsg mit den erledigten Aufgaben nicht wieder. Da steht bei mir " sleeping" und auch keine Verlinkung.

  • Monatsrunde März 2026 - Frauen über Frauen

    • finsbury
    • 10. April 2026 um 15:03

    Huhu b.a.t.,

    mein Monatslesebuch vom März habe ich übrigens auch längst beendet und in einem entsprechenden Thread hier vorgestellt. Du findest die Angabe dazu in diesem Thread unter #122.

  • Monatsrunde April 2026 - Die Re-Read-Ampel

    • finsbury
    • 6. April 2026 um 09:31

    "Vier Frauen und ein Mord" von Agatha Christe ist auch gelesen.

    Ein klassischer Hercule Poirot- Krimi, in dem er sich höchst unbehaglich in einer ländlichen Pension mit einer chaotischen Gastgeberin wiederfindet, die seinem peniblen Ordnungssinn in jeder Hinsicht zu schaffen macht. Trotzdem schafft er es natürlich, das Rätsel um die ermordete Mrs. McGinty aufzuklären und den fälschlicherweise zum Tode verurteilten Nicht- Täter vor der Exekution zu bewahren. AC ist immer wieder für unterhaltsame Lesestunden gut, ohne dass man sich von Plattheiten quälen lassen muss.

  • Katja Früh - Vielleicht ist die Liebe so

    • finsbury
    • 4. April 2026 um 19:56

    Diesen ersten Roman (2025) der Schweizer Drehbuchautorin und Regisseurin Katja Früh (*1953) habe ich für eine analoge Leserunde gelesen.

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    Anja ist Anfang vierzig, Bardame und unglücklich verliebt in den bindungsunfähigen Drehbuchautor Carlos. Ihre etwas über siebzigjährige und völlig gesunde Mutter ruft sie an, damit sie sich den Termin ihres Ablebens mithilfe einer Sterbehilfeorganisation in den Kalender einträgt. Am 8. Februar soll es soweit sein, und bis dahin hat Anja ihr bei den Vorbereitungen zur Seite zu stehen. Die Ich-Erzählerin ist außer sich. Ihr Leben dreht sich in großen Teilen nur um ihre egomane Mutter, die ihr zeitlebens kaum Aufmerksamkeit und keine Liebe geschenkt hat, sie dagegen bei jedem Anlass scharf kritisiert und gerne auch vor anderen bloß stellt. Zunächst soll Anja Anton, den Hund der Mutter, töten, da dieser nach Ansicht der Selbstverliebten nicht ohne sie sein kann. Das kann Anja verhindern und belügt derweil ihre Mutter in dieser Hinsicht, allen anderen Wünschen zur Organisation und Ausstattung ihres Ablebens und der darauf folgenden Feier kommt die Tochter nach. Dabei ist sie oft in Tränen aufgelöst, auch weil ihr Ex-Freund Carlos eine neue Freundin hat, die auch schon von ihm schwanger ist. Die gute Freundin ihrer Mutter Nelly, die auch die Ersatzmutter von Anja war, unterstützt sie, erleidet dann aber selbst wegen des angekündigten Suizids ihrer Freundin einen Zusammenbruch. So nehmen die Dinge ihren Lauf.

    Die Erzählidee dieses Romans gefiel mir trotz des dämlichen Titels, aber die Durchführung ist konventionell und nervtötend. Ein Klischee reiht sich an ein anderes. Der aus Südamerika stammende Carlos ist natürlich glutäugig, Anjas guter Freund Mike, der die Bar leitet, ist selbstverständlich schwul und hoch empathisch. Ihr Kindheitsfreund Benjamin, der Sohn von Nelly, hat eine dunkle, warme Stimme, und ansonsten wird durch das ganze Buch kräftig geheult, meist von Anja, aber auch gerne mit ihren Freunden zusammen. In diesen Plattitüden verpufft die eigentlich interessante Erzählanlage einer Mutter-Tochter-Beziehung, die von der Mutter bis in den Tod massiv dominiert wird. Ich glaube nicht, dass ich von dieser Autorin nochmal was lese.

  • Monatsrunde April 2026 - Die Re-Read-Ampel

    • finsbury
    • 1. April 2026 um 16:02
    Zitat von Bluebell
    Zitat von finsbury

    Ich habe es sogar schon zweimal gelesen, beides Mal 1991. Warum, weiß ich nicht mehr. Also trag es bitte bei Rot ein. Und danke für deinen Hinweis, Bluebell. Womöglich bin ich doch farbenblind :confused:.

    Ich bin verwirrt! 😄

    Grün = Re-Read (Buch schon mindestens 1x komplett gelesen) - das würde hier doch zutreffen, oder?

    Rot = ehemals abgebrochenes bzw. nicht zu Ende gelesenes Buch

    Willst du es ganz sicher bei Rot eingetragen? Nochmal frag ich nicht, ich versprech's. :D

    Ich bin noch farbenblinder als ich dachte! Dabei ist Grün meine Lieblingsfarbe. Also trag es natürlich bitte bei Grün ein und entschuldige meine Zerstreutheit. Ich hoffe, dass sind keine ersten Anzeichen von altersbedingten Gehirndeformationen ... .


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