Brian Greene: Bis zum Ende der Zeit. Der Mensch, das Universum und unsere Suche nach dem Sinn des Lebens (2020)
Brian Greene (*1963) ist ein US-amerikanischer Physiker und Mathematiker, der schon mehrere Bücher veröffentlicht hat, in denen er Themen der Astrophysik und allgemein naturwissenschaftliche Grundfragen der Entstehung und Weiterentwicklung des Universums, der Evolution und der besonderen Rolle des Menschen allgemein verständlich aufbereitet. Er verfolgt dabei einen physikalistischen Ansatz, d.h. er führt alles auf physikalische, berechenbare Gesetze zurück.
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Greene erklärt zunächst, dass das Universum und alles, was in ihm enthalten ist, mathematisch nachweisbar nach drei grundsätzlichen physikalischen Gesetzen funktioniert:
- der Entropie, d.h. der Tendenz der Materie zur Unordnung,
- dem zweiten Gesetz der Thermodynamik, das besagt, dass Energie niemals selbstständig vom Kühlen zum Warmen fließen kann,
- dem Gesetz der Schwerkraft.
Geordnete Strukturen, wie es Galaxien, Sterne und erst recht Lebewesen sind, haben eine niedrige Entropie und enden daher irgendwann. Das ist zunächst die Hauptaussage des Buches. Das Leben wird also nicht ewig überleben, genausowenig wie unser Universum. Allerdings zeigen mathematische Berechnungen, die dem Wahrscheinlichkeitsszenario der Quantenphysik folgen, dass es durchaus möglich ist, dass dieses Universum nur eins von vielen ist, die entweder nebeneinander exisitieren (Multiversum) oder nacheinander entstehen und vergehen oder auch beides. Auch die Entstehung von Atomen, Molekülen und der Lebewesen ist ausschließlich ein Produkt physikalischer Gesetze bis hin zum Bewusstsein des Menschen, dem Greene aus diesem Grunde auch den freien Willen abspricht. Das Zusammenwirken der physikalischen und chemischen Prozesse im Individuum und die Reaktion der dadurch bewegten Teilchen auf Umwelteinflüsse ist so ungeheuer vielfältig, dass sie für uns wirken, als ob wir uns frei entscheiden. Auch alle anderen „Besonderheiten“ des Menschen wie seine Fähigkeit zur Kunst und die Neigung zur Religion erklärt Greene als Folge evolutionärer Verbesserungstendenzen zur Arterhaltung. Schließlich kommt er wieder zurück auf sein Kernthema, die Vergänglichkeit unseres Universums und was das mit uns macht. Da diese Vergänglichkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit aber erst in unvorstellbar später Zukunft stattfinden wird, sollte man meinen, dass das für unser jetziges Leben kaum eine Rolle spielt, den Autor aber hat diese Erkenntnis wohl sehr getroffen und lässt ihn auch heute nicht in Ruhe.
Puuh, das war eine herausfordernde Lektüre, für die ich insgesamt viereinhalb Monate gebraucht habe. Aber eine lohnende … . Greene kann sehr anschaulich erklären, und dieser Parforceritt durch die „ kurze Geschichte von fast allem“ (wie ein anderes berühmtes Sachbuch von Bill Bryson heißt) war sehr interessant. Auch ich teile im Wesentlichen diese physikalistische Weltsicht, weil sie, so wie Greene sie erklärt, nicht das Wunder unserer Existenz, unserer Fähigkeiten und unserer Freude am Leben und der Kunst in Frage stellt. Menschen, die sich dafür interessieren, „wie die Welt im Innersten zusammenhängt“ und die Antwort nicht in einer Religion suchen, sind hier richtig. Ich empfehle dringend die Lektüre mit einem internetfähigen E-Reader, weil man da direkt die vielen Fachbegriffe nachschlagen kann.