Beiträge von finsbury

    Dieser Roman (1987) ist der zweite Teil der Schlesien-Trilogie, die noch die Bände „Weichselkirschen“ und „Holunderzeit“ umfasst, wobei „Wolfsbeeren“ von der erzählten Zeit her der erste ist.


    Inhalt und Form:


    In einem Perspektivwechsel zwischen der Ich-Erzählerin Sophie Zertsch und einem multiperspektivischen Er-Erzähler erfahren wir die Vorgeschichte zum Band „Weichselkirschen“, in dem Sophies Tochter Anna in den Siebziger Jahren an ihren Geburtsort im ehemaligen niederschlesischen Grenzland zurückkommt.




    Sophie, aus adeligem, aber verarmten Hause in Mecklenburg-Vorpommern stammend, ist 1918 ungefähr so alt wie das Jahrhundert und studiert in München an der Kunstakademie. Während einer Demonstration lernt sie Filip Spielmann kennen, einen jüdischen Journalisten, der für den Sozialismus und gegen die Restauration kämpft. Sie verlässt die Kunstakademie und zieht mit Filip zusammen, der aber schon bald verhaftet und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wird. Sophie geht zu ihrer Tante Hedwig nach Berlin und führt einige Jahre ein bewegtes Partyleben in den wilden Zwanzigern. Dort lernt sie den späteren General Clemens von Mihlen kennen, in den sie sich verliebt, der sie aber auf Distanz hält und mit seinem Freund Leopold Zertsch, einem niederschlesischen Gutsbesitzer, verkuppelt. Sophie wird Baronin auf dem Schlossgut Rohrdorf in der schlesischen Grenzprovinz zu Polen, bekommt drei Töchter, hält aber über all die Jahre den Kontakt und Liebesbeziehungen zu Clemens und später auch wieder Filip aufrecht. Der Leser erfährt viel über das Leben der adeligen Gutsbesitzer und ihre Sorgen und Hoffnungen während der End-Zwanziger und des Nationalsozialismus bis zum Kriegsende und der damit verbundenen Flucht. Wir erfahren auch von der Liebe zwischen der jungen Anna und dem polnischen Zwangsarbeiter Ludwik Janik, und auch andere Personen der „Weichselkirschen“ kommen hier schon vor.


    Meine Meinung


    Man bekommt eine Menge Einblicke in die Dinge, die die Menschen in den Zwanzigern und während des Nationalsozialismus bewegt haben, weniger Sicht auf die großen Katastrophen wie Holocaust und Weltkrieg als in die davon dennoch mitbestimmten Alltagsdinge. Über die Figuren Filip und Clemens wird man aber auch in die Kreise der politischen Entscheider geführt und erhält auch dort einige Informationen.


    Insgesamt merkt man diesem Band aber an, dass er im Gegensatz zu den “Weichselkirschen“ weniger auf unmittelbarem Erleben beruht (was aber durch das Mädchen Anna, zumindest in Ansätzen ein alter ego der aus ähnlichen Verhältnissen stammenden Leonie Ossowski – ein Pseudonym für Jolanthe von Blankenstein – auch einfließt) als auf Quellenstudium und vielleicht auch Erinnerungen von Familienmitgliedern. Dadurch wirkt er weniger authentisch als die „Weichselkirschen“. Mit Sophie in ihrer merkwürdigen Disparität zwischen den drei Männern bin ich nicht so recht warm geworden. Der dritte Band „Holunderzeit“ schließt dann wohl wieder an die „Weichselkirschen“ an.

    Der Brite Eric Ambler gilt als Vater des Politthrillers. Der hier vorliegende Roman gehört zu einer Reihe von sechs Romanen und einigen Kurzgeschichten, die zwischen 1935 und 1941 erschienen und die Verhältnisse in Europa vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in den Blick nehmen.


    Zum Inhalt


    Nick Marlow, ein Maschinenbauingenieur, verliert während der Rezession der Dreißiger Jahre in England seinen Arbeitsplatz und nimmt, da sich ihm nichts anderes bietet, die Leitung der italienischen Vertretung einer englischen Rüstungsfirma in Mailand an, die Maschinen baut, mit denen man Patronen verschiedener Kaliber herstellen kann. Sein Vorgänger kam bei einem Autounfall ums Leben, wie sich später herausstellt, wurde er ermordet. Marlow findet ein verlottertes Büro vor mit einem sehr freundlichen Bürovorsteher, der aber anscheinend alles andere macht, nur nicht arbeitet. Während Marlow die Unterlagen ordnet und seine Kontakte zu den Firmenkunden im faschistischen Italien unter Mussolini aufnimmt, macht er merkwürdige Bekanntschaften. In dem Büro unter seinem arbeitet ein Amerikaner slawischer Herkunft, Zaleshoff, der ihn einlädt und später mit seiner Schwester bekannt macht. Außerdem tritt ein angeblich jugoslawischer General Vagas an ihn heran, der ihn auch einlädt und ihm schließlich ein unmissverständliches Angebot macht, seine englische Firma für die jugoslawische Regierung auszuspähen, was auch sein Vorgänger gemacht habe. Marlow lehnt zunächst empört ab. Zaleshoff, mit dem er sich ein bisschen befreundet, sagt ihm voraus, dass er später auch die italienischen Firmen für Vagas ausspähen soll und outet sich ebenfalls als eine Art Spion, der für die „Guten“ – wer das ist, wird Marlow nicht deutlich - arbeitet. Er schlägt Marlow vor, als eine Art Doppelspion auf Vagas‘ Spiel einzugehen und ihn mit Fehlinformationen zu versorgen. Es wird auch klar, dass Vagas ein deutscher, kein jugoslawischer Spion ist. Zunächst klappt die Doppelagententätigkeit, dann fliegt Marlow, der die ganze Zeit von seinem Bürovorsteher, der für den italienischen Geheimdienst arbeitet, und andern Agenten überwacht wird, ebenso wie Vagas auf. Vagas flieht nach Jugoslawien, und Zaleshoff begleitet Marlow auf seiner gefährlichen Flucht zu Fuß und mit Zügen durch Norditalien nach Jugoslawien. Dort wird Vagas ein letztes Mal hinters Licht geführt und Marlow kann nach England zurückreisen, wo seine Verlobte und ein neuer Job auf ihn warten.


    Meine Meinung


    Das Besondere an diesem Roman ist – neben der klarsichtigen Analyse der Verhältnisse zwischen den beiden faschistischen Staaten Italien und Deutschland kurz vor ihrem Achsenbündnis und dem abwartenden Verhalten der anderen Staaten – die Atmosphäre. In präziser Sprache zeichnet Ambler z.B. die morbide und bleierne Atmosphäre im faschistischen Mailand und die Flucht durch die verschneiten ostitalienischen Alpen, um nach Jugoslawien zu gelangen. Auch gefällt mir sehr gut, dass hier Spionage und Gegenspionage nicht geheimnisvoll-verschwurbelt dargestellt werden wie in vielen anderen Politthrillern, sondern Ross und Reiter sowie die Hintergründe benannt werden. Nur Zaleshoffs Stellung bleibt ungenau: Ist er Agent der Sowjetunion oder der USA oder arbeitet er für ein Bündnis von Antifaschisten.


    Ein Roman, der sich auch heute noch wohltuend vom Durchschnitt abhebt.

    Saša Stanišić: Vor dem Fest (2014)


    Der Roman erschien 2014 und wurde mit Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.


    Saša Stanišić, der aus Visegrad im ehemaligen Jugoslawien stammt, legt hier eine Art Dorfchronik aus der Uckermark vor. Ich erwähne das, weil sein Autorenkollege Maxim Biller kritisierte, dass Stanisic hier über Sachen schriebe, die nicht sein Eigenes wären; Er solle lieber über das schreiben, worin er eine authentische Stimme habe, über sein Migrantentum und die damit verbundenen Aspekte. Denn nur damit wäre der Langeweile der etablierten deutschen Literatur aufzuhelfen, die in Topoi erstarrt sei, welche Stanišić in seiner brandenburgischen Geschichte nun aber bediene. Trotz dieser Kritik fand der Roman ein sehr positives Echo.


    Zum Inhalt

    Das alljährliche Annenfest, über dessen Herkunft Ungewissheit herrscht, steht im fiktiven Fürstenfelde (einem Konglomerat verschiedener Ortschaften ähnlichen Namens) in der Uckermark an. Zahlreiche Dorfeinwohner verbringen den Nachmittag und die Nacht vor dem Fest mit zum Teil skurillen, zum Teil nicht erklärbaren Aktionen. Der Fährmann des an zwei Seen liegenden Ortes ist gerade verstorben und lässt die Gemeinschaft ein wenig orientierungslos zurück. Eine Dorfkneipe gibt es auch nicht mehr, deshalb trifft man sich in der Garage von Ulli, wo sich die Männer bei einem preiswerten Bier unter sich fühlen können. Lada, der gerne mal seinen Golf in einem der Seen versenkt und ansonsten das Mädchen für alles im Dorf ist, sein Kumpel, der stumme Suzi und Johann, der Sohn der depressiven Frau Schwermuth vom Heimatmuseum hängen am See ab. Johann soll am Morgen des Festes seine Glöcknerprüfung ablegen, aber die Glocken hängen nicht im Kirchstuhl, sie stehen am See, wie auch immer sie dahin gekommen sind. Da wäre noch der ehemalige Oberstleutnant Schramm, „mit Haltung und Haltungsschaden“, der seinem einsamen und sinnentleerten Leben vielleicht ein Ende setzen will, vor allem weil er keine Zigaretten bekommt. Aber nach einer Nacht voller Auseinandersetzungen mit dem Zigarettenautomaten und der Begegnung mit dem furchtlosen Mädchen Anna bleibt er doch am Leben. Die künstlerische Dorfchronistin Frau Kranz will in der Nacht am See ein Bild für die Auktion auf dem Fest malen, doch es wird erstaunlicherweise sehr grau und unscharf. Daneben spielen auch Tiere eine Rolle, eine Fähe, die ihre Jungen mit Eiern verwöhnen will, Ditzsches Hühner und Wölfe. Und auch die Vergangenheit reicht mit Zitaten aus der Dorfchronik und Wiedergängern in die Gegenwart. Schließlich findet das Fest statt, und auf einem großen Gemälde von Frau Kranz, wenn auch nicht dem in der Nacht entstandenen, finden sich Jung und Alt, Tot und Lebendig von Fürstenfelde zusammen.


    Zur Form

    Stanišić gestaltet diese höchst farbige Story in kurzen Kapiteln, manchmal sogar Einzelsätzen. Er spielt mit Stilen, zum Beispiel einem Spätbarock in den Dorfchronik-Kapiteln und Perspektiven. Die Hauptperspektive ist ein nicht näher definiertes Wir, welches das Geschehen kommentiert und unter dem man so eine Art kollektive und zeitenübergreifende Dorfseele verstehen könnte. Daneben herrscht die Er-Perspektive, meist mit Innensicht, einmal wechselt eine der Hauptpersonen auch in die Ich-Perspektive. Es gibt außerdem einen appellativen Abschnitt, der Verhaltensregeln aufstellt, vielleicht ironisch, im Wesentlichen aber wohl durchaus ernst gemeint, und ein handschriftlich überarbeitetes Typoskript über eine Dorflegende.


    Meine Meinung

    Vor allem aber ist dieser Roman, genau wie die anderen beiden von Stanišić, sehr witzig. Die Personen sind einerseits lebensprall, andererseits so überzeichnet, dass sich zahlreiche lächerliche Situationen ergeben, die aber die Personen nicht herabwürdigen, sondern noch menschlicher machen. Viele von ihnen sind schwermütig oder exzentrisch, weshalb vielleicht der Name von Johann und seiner Mutter das Motiv aufnimmt, aber sie ziehen ihr Leben trotzdem durch und erhalten in der Dorfgemeinschaft ihren – zum Teil etwas abseits liegenden - Platz. Ihr heroisch-lächerliches Leben wird gespiegelt von den tragisch-komischen Versuchen der Fähe, für ihre Fuchsjungen Eier zu stehlen, worüber sie ihre Gesundheit und ihre Jungen verliert. Der Leser wird durch die dauernden Perspektiv- und Zeitsprünge ziemlich gefordert: Dies ist kein Roman, den man über lange Zeit in Häppchen lesen sollte, denn dann verliert man schnell die Übersicht, und einige Notizen zum Inhalt helfen sehr bei der Orientierung.


    Dass der Autor aufgrund seines Migrationshintergrundes lieber die Finger von langweiligen, traditionell deutschen Stoffen lassen soll, wie Biller in der eingangs erwähnten Kritik fordert, kann ich nicht verstehen, denn in diese Dorfgeschichte spielen viele der universellen Versehrtheiten, die Flüchtlingsschicksale, aber auch andere Traumata hinterlassen können und über denen doch die zarte Möglichkeit eines Halt gebenden Miteinanders angedeutet wird, und das geht über ethnische oder generationsspezifische, ja sogar menschliche Grenzen hinweg.

    Ein sehr lesenswertes Buch, das überhaupt nichts von Heimatliteratur im engeren Sinne an sich hat, sondern ein Paradigma für etwas viel Umfassenderes ist.

    Raymond Chandler: Der große Schlaf (The Big Sleep, 1939)

    Chandlers (1888-1959) Roman führt die Figur des Privatdektetiv Philip Marlowe zum ersten Mal ein.


    Handlung:

    Philipp Marlowe, der eine Privatdetektei in Los Angeles führt, wird zu dem alten General und Ölmillionär Sternwood auf dessen Anwesen gerufen. Der greise General hat einen höflich formulierten Erpressungsbrief eines Buchhändlers erhalten, der sich um Spielschulden der älteren Tochter, Vivian Sternwood, dreht. Obwohl die Summe für den Millionär eher eine Bagatelle ist, möchte der alte Herr nicht zahlen und beauftragt Marlowe, die Hintergründe der Erpressung zu ermitteln und diese zu unterbinden. Außerdem macht er sich Sorgen um seinen verschwundenen Schwiegersohn Rusty Regan. Seine jüngere Tochter Carmen begegnet Marlowe ebenso wie Vivian auf dem Anwesen. Beide machen auf ihn einen starken, aber auch etwas abstoßenden Eindruck.

    Marlowe findet heraus, dass der Erpresser ein pornografischer Buchhändler ist, den er kurze Zeit später in einem Ferienhaus vorfindet, wo er gerade ermordet worden ist. Carmen ist dort auch, völlig zugefixt und in eindeutiger Pose. Kurze Zeit später wird Vivian mit einem Foto Carmens in genau diesem Zustand erpresst.

    Bei seinen Ermittlungen blättert Marlowe wie in einem Buch immer weitere Abgründe auf. Seine Nachforschungen führen ihn in die finstersten Winkel von Los Angeles und zu einigen Polizeibehörden, bei denen er gut vernetzt ist und die ihrerseits zum Teil korrupte Beziehungen zur Unterwelt unterhalten. Zahlreiche Schießereien und andere Gewalteinwirkungen führen zu ebenso vielen Leichen, einmal auch unter direkter Mitwirkung von Marlowe, der natürlich ebenfalls mehrmals in lebensgefährliche Situationen gerät.

    Die Auflösung ist schmerzlich, wird dem alten General jedoch vorenthalten, denn er soll unbelastet in den „Großen Schlaf“ hinübergleiten, in den ihm schon zahlreiche Banditen während der Romanhandlung vorangegangen sind.


    Meine Meinung:

    Der Roman ist elegant geschrieben, benutzt gekonnt Metaphern und Vergleiche, passt die Satzstrukturen dem Ausgesagten an und stellt die gesellschaftlichen Verstrickungen und das Elend der in die Stricke der Halb- und Unterwelt Geratenenen plastisch und gut nachvollziehbar dar.

    Marlowe hebt sich als Vorbild des beziehungsunfähigen einsamen und gewitzt überlegenen Ermittlers von den Zehntausenden seiner bisherigen literarischen Nachfolger relativ angenehm ab. Dennoch fällt dieser zum Klischee ausgewälzte Charaker auch auf sein Vorbild zurück. Glaubwürdig wirkt er nur in seiner Zeit, den End-Dreißiger Jahren. Heute sagt er mir zumindest nicht mehr viel.

    Ja, "Wolfsbeeren" thematisiert ja die Vorgeschichte, wenn es auch später erschienen ist. Der letzte Band "Holunderzeit" knüpft dann wieder an die "Weichselkirschen" an, insofern gehst du in Bezug auf die erzählte Zeit den richtigen Weg. Bei mir steht auch in den nächsten Wochen irgendwann "Wolfsbeeren" an.

    Leonie Ossowski: Weichselkirschen. Roman (1976)


    Dieser Roman zeichnet die Befindlichkeiten zwischen Polen und Deutschen noch in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts im ehemaligen Niederschlesien nach. Ossowski wurde selbst auf einem Gut in dieser ehemaligen Ostprovinz geboren.


    Inhalt:

    Die Journalistin Anna reist für mehrere Monate in ihren Geburtsort Rohrdorf, heute Ujazd, ehemalig Niederschlesien, heute Polen. Sie war dort die adelige Gutstochter vom Schloss. Noch unter zwanzig verliebte sie sich in einen polnischen Arbeiter auf dem Gut – Ludwik Janik , von dem sie eine Tochter bekam, was dieser aber nicht wusste/weiß, da er kurz nach Beginn der Schwangerschaft in ein Lager kam, weil er einige Polinnen versteckt hatte, die von den Nazis in ein Vernichtungslager gebracht werden sollten. Anna heiratete schnell einen anderen schlesischen Gutsbesitzer, um einen Vater für ihr Kind zu haben. Es kam dann aber zu Flucht und Vertreibung, Anna und ihr Mann bauten sich ein neues Leben in der BRD auf und ließen sich später scheiden.

    Anna soll nun für ein nicht näher benanntes Magazin eine Reportage über das heutige Leben in diesem Teil Polens schreiben. Doch vor Ort holt sie die Vergangenheit ein. Ludwik Janik ist jetzt stellvertretender Leiter des Staatsgutes, zu dem das Schlossgut geworden ist. Er ist verheiratet, und seine Frau Zofia lehnt Anna instinktiv ab, obwohl sie zunächst nicht weiß, in welchem Verhältnis sie früher zu Ludwik stand. Eine alte weise Frau, Jula, erkennt Annas Verwirrtheit, überlässt es aber ihr, da heraus zu finden und auch mit den anderen Personen, die Anna von früher her kannten, klar zu kommen. Viele von diesen hegen Ressentiments gegen die „Niemka“, die Deutsche, und unterstellen ihr zum Teil, für die Verhaftungen Ludwiks und eines anderen ehemaligen Landarbeiters verantwortlich zu sein, die sie aber nicht hätte abwenden können. Andere sind ihr wohlgesonnen und betrachten sie immer noch als Fräulein vom Schloss, vor allem zwei ehemalige weibliche Schlossbedienstete. Zum Teil erhoffen sie sich aber auch ihre Hilfe, zum Beispiel bei einer möglichen Übersiedelung in die BRD. Anna verfängt sich in diesen ganzen Verstrickungen, verhält sich auch öfters ungeschickt und kommt darüber nicht zum Schreiben ihrer Reportage. Der Besuch eines alten Freundes und ihrer Tochter Vera bringt die Dinge um Abschluss. Ludwik fühlt sich zu Vera hingezogen, die der früheren Anna sehr ähnelt. Anna aber schafft es nicht, Ludwik über seine Vaterschaft aufzuklären. Ein altes Dokument, das der Schlossfamilie früher gehörte, findet über Umwege den Weg ins Heimatmuseum von Ujazd. Anna verabschiedet sich unverrichteter Dinge und reist mit ihrer Tochter ab. Die Umbrüche, die sich durch die Ankunft Annas in der Dorfgemeinschaft abzeichneten, kommen zur Ruhe und man kehrt zum Status Quo zurück.


    Meine Meinung:

    So ganz überzeugt bin ich von dem Roman nicht, weil viele Motive in ihrer Bedeutung nicht so richtig klar werden, z.B. was das alte Dokument angeht. Auch die von der weisen Jula verursachten fantastischen Elemente, die bei verschiedenen Romanpersonen zu neuen Einsichten führen, finde ich unpassend. Da hätten auch normale Wege zur Meinungsänderung führen können. Andererseits ist diese Unerledigtheit, dieses Schwebende des Handlungsausgangs durchaus auch etwas Gutes, denn es entspricht eher dem, wie es im normalen Leben geschieht, wo ja auch nicht alles zu einem klaren Ende kommt und nicht jeder Weg ans Ziel führt. Außerdem wirkt dieser Roman auf mich wesentlich authentischer, als wenn ich etwas von dieser Massenware lesen würde, die heute über die Geschehnisse während und nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht wurden. Man merkt der Autorin an, dass sie persönlich in den Romanstoff, zumindest in die äußeren Umstände , involviert war/ ist, und man spürt an der Hauptperson Anna die innerliche Zerrissenheit, die der Besuch ihrer alten Heimat und deren jetziger Einwohner in ihr auslöst.

    Dashiell Hammett: Der Malteser Falke (The Maltese Falcon, 1930)


    Dieser Kriminalroman Hammets gilt für viele als sein bester und als Stilvorbild für das ganze Genre. Er wurde kurz nach seinem Erscheinen und dann noch mehrmals verfilmt, am berühmtesten sicher 1941 mit Humphrey Bogart und Peter Lorre („Die Spur des Falken“).


    Eine junge Frau besucht unter falschem Namen die Detektei von Sam Spade und seinem Partner Miles Archer und bittet die beiden Ermittler um Hilfe, da ihre Schwester in Abwesenheit beider Eltern durchgebrannt sei. Einer der beiden Detektive solle den Mann beschatten, bei dem ihre Schwester sei. Archer übernimmt den Job und wird am gleichen Abend in einer Sackgasse niedergeschossen. Auch der angebliche Verführer der Schwester wurde erschossen. Spade erfährt nun bald, dass seine Klientin, deren wahrer Name Bridgid O’Shaugnessy ist, ihn angelogen hat und auch weiter anlügt. Ein weiterer Besucher taucht in der Kanzlei auf, der sich nach Bridgid erkundigt und schließlich wird Spade auf Caspar Gutman, einen dicken, nur scheinbar jovialen Geschäftsmann, aufmerksam. Es zeigt sich, dass es um den Raub einer wertvollen Statuette, eben jenes titelgebenden Falken geht, und noch mehr Menschen sterben seinet- und vor allem der Intrigen wegen, in die Bridgid alle Beteiligten verwickelt.

    Der Roman ist durchgehend in Außenperspektive und vor allem in Dialogform geschrieben. Die Charaktere entwickeln sich im Gespräch und der Beschreibung ihres Aussehens und Verhaltens. Dadurch gelingt es Hammett einerseits, die geheimnisvolle Atmosphäre und die Lügenwelt seiner Klientin hervorzubeschwören, andererseits macht es auch das Lesen ziemlich anstrengend, weil man von niemandem weiß, auch nicht vom „Helden“ Sam Spade, was er / sie denkt, beabsichtigt oder plant. Spade folgt seinem eigenen Ehrenkodex, der aber sehr komplex ist, und ist seiner verbrecherischen Klientel gegenüber genauso misstrauisch wie gegenüber der Polizei und Justiz.


    Wie in dem vorherigen Roman „Rote Ernte“ – wenn auch deutlich weniger auffällig – wird das amerikanische Rechtssystem mit seinen vielfachen Verstrickungen in Korruption und Machtspiele kritisiert. Mir persönlich hat der erste Roman besser gefallen, er ist zwar voller Gewalt, aber sehr viel eindeutiger auf gesellschaftliche Probleme und das Wirkungsgefüge von Geld und Macht fokussiert, während ich beim „Falken“ eher den Eindruck hatte, bei einem psychologischen Ratespiel um Personen, deren Charakter und insbesondere Habitus mir heute nur noch wenig zu sagen haben, mitwirken zu müssen. Sehr gut geschrieben, zum Teil aber auch überzogen und etwas manieriert, was die ständige Beschreibung insbesondere von Spades Mimik und Gestik angeht.

    Hammett hat nur ein schmales Werk hinterlassen, neben zahlreichen Kriminalerzählungen nur fünf Kriminalromane. In seinen Vierzigern versagte seine Schaffenskraft, was sicher auch mit seinem ausschweifenden, selbstzerstörerischen Lebenswandel zu tun hatte.

    Mir reicht die Lektüre dieser zwei Krimis, um mir ein Bild seiner Schreibkunst zu machen.

    Dashiell Hammett: Rote Ernte (Red Harvest, 1929)


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    „Rote Erde“ ist Hammetts (1894-1961) erster Roman und zugleich sein erstes Werk, das auch in Buchform erschien.

    Der Ich-Erzähler, ein unbenannter Continental-Op (Continental ist die Ermittlungsagentur aus San Francisco, Op steht für Operative), kommt vor dem Roman schon in zahlreichen Kriminalerzählungen für das Pulp-Fiction-Magazin „Black Mask“ vor. Er ist klein und rundlich, aber sehr tough, hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, allerdings umschließt dieser Gewalt, Mord, Lügen und Intrigen, wenn’s der guten Sache dient.


    Der Op wird von dem Sohn des mächtigsten Mannes der kleinen Industriestadt Peaceville (die alle nur Pissville nennen) engagiert, weiß aber bei seiner Ankunft noch nichts über seinen Auftrag. Bevor er seinen Auftraggeber treffen kann, wird dieser ermordet. Er schnüffelt am Tatort und drumherum und erfährt, dass der Auftraggeber mit einem Scheck über 5000 $ zu dem Playgirl Dinah Brandt unterwegs war, weil diese ihm geheime peinliche Dokumente seines Vaters übergeben wollte. Der Ich-Erzähler wendet sich an den Vater, den früheren unbestrittenen Chef der Stadt, Eigentümer des größten Werks, der beiden Zeitungen der Stadt und mit Verbindungen überallhin und auch ganz nach oben. Er hatte vor einiger Zeit die Hilfe einiger Gangster in Anspruch genommen, um einen Streik in seinem Werk niederzuschlagen und steht seitdem in Konkurrenz zu den Gangs, die er selbst eingeladen hat. Der Op bekommt den Auftrag, den Mord an seinem Sohn zu untersuchen, beschließt aber für sich selbst, die Stadt zu befrieden, indem er die konkurrierenden Gangs und auch den Magnaten gegeneinander ausspielt. Nun beginnt das, was auch der Titel als Metapher impliziert, eine wahre Blutschlacht. Eine wichtige Rolle spielt darin auch das Playgirl Dinah Brandt, die mit (Falsch) informationen Geld für sich herausschlagen will und ebenfalls die Parteien gegeneinander ausspielt. Am Ende hat der Op es zwar geschafft, dass alle tot sind, die die Stadt terrorisiert haben, aber er weiß, dass dies nur der Startpunkt für neues Unrecht sein wird. Sein eigenes gutes Gewissen hat er dabei auch verloren, weil ihm bewusst geworden ist, dass er – zwar aus guten Gründen – die gleichen Mittel angewendet hat wie die Gangster.


    Diese Blut- und Gewaltorgie ist überhaupt nicht mein Ding, und auch die ständigen Intrigen, die vielen Beteiligten mit ihren unterschiedlichen Namen erschwerten mir das Lesen, aber ich muss anerkennen, dass dieser Roman in einem ganz besonderen, lakonischen Stil geschrieben ist, den ich sonst in dieser perfekten Weise nicht kenne. Hammett gelingt es, Personen und Orte mit einigen Schlaglichtern genau zu charakterisieren. Seine Dialoge, die den amerikanischen Slang der Halbwelt wiedergeben, wirken auch in der Übersetzung authentisch und sehr pointiert.

    Dass er, der jahrelang als Pinkerton-Detektiv arbeitete, kennt, was er beschreibt, wird in jedem Erzählmoment deutlich.

    Ein echter Klassiker, dessen Lektüre sich auch heute noch lohnt, besonders für Liebhaber des Hardboiled-Krimis. „Rote Ernte“ ist ihre eigentliche Geburtsstunde und gleichzeitig ihr Höhepunkt.

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    Jan Böttchers Roman "Nachglühen" erschien 2008 und schildert die Auswirkungen einer in den letzten Jahren der DDR zerstörten Jugend auf die älter gewordenen Protagonisten zu Beginn der Zweitausender.

    Inhalt:

    Jo und Jens sind in den Achtziger Jahren sechzehn und wohnen im Dorf Stolpau im Sperrgebiet der DDR östlich der Elbe ca. anderthalb Fahrstunden von Hamburg entfernt. Unmittelbar hinter den Gehöften ihrer Eltern ist der elektrische Grenzzaun und die Grenzpatrouille auf dem Elbdeich unterwegs.
    Während Jo sich eher für Naturwissenschaft und Technik interessiert, liest Jens utopische Romane und ist sehr regimekritsch eingestellt. Aus diesem Grund war er auch schon früh monatelang inhaftiert worden, weil er am Nationalfeiertag ein regimekritisches Kasperelstück aufgeführt hatte. Und später musste er nochmal jahrelang in den Knast, aber darüber erfahren wir Leser erst am Ende etwas.

    Ca. zwanzig Jahre später kehrt Jens mit seiner Frau Anne nach Stolpau zurück, um zusammen mit seinen Eltern den im Familienbesitz befindlichen Dorfkrug zu renovieren und neu zu eröffnen. Auch Jo, der in der Leitstelle bei der Polizei in Hamburg arbeitet, kommt regelmäßig nach Hause, um bei der Pflege seines Großvaters zu helfen. Aber die ehemaligen Freunde machen einen großen Bogen umeinander. Anne lernt auch Jo kennen, doch auch ihr eröffnen beide Männer nicht das Geheimnis, das sie miteinander verbindet und voneinander trennt ... .

    Meine Meinung:

    Der relativ kurze (237 Seiten) Roman übte eine eigentümliche Sogwirkung auf mich aus. Die karge Elblandschaft mit den knorrigen Einwohnern und den seltsam verschlossenen Protagonisten wirken nicht öde, sondern machen eher neugierig. Am Ende klärt sich so halb, was zwischen Jo und Jens passiert ist, aber es bleibt vieles offen, auch wie es mit Anne und Jens und den anderen Protagonisten weitergeht. Den zugrunde liegenden Konflikt finde ich nicht genügend geklärt, um die Verhaltensweisen der Haupt- und Nebenpersonen des Romans mehr als ansatzweise zu verstehen. Aber atmosphärisch dicht ist die Erzählung gestaltet und hat als Höhepunkt eine fast magische Albtraumsequenz, die einem noch länger nachhängt.


    Die Lektüre hinterlässt daher gemischte Gefühle bei mir.

    Auch ich kann Enid und Lerchie nur zustimmen, dass dies der bisher schwächste Band der Reihe ist, muss aber auch dich, Vandam, loben, denn du hast eine sehr schön aufgebaute Rezi geschrieben.

    Den Inhalt spare ich mir und nenne nur, was mir den Lesegenuss ziemlich vermasselt hat.

    1. Natürlich geht es um Magie, und die lässt sich nicht erklären, aber in diesem Band wird Magie mit Mathematik und Informatik gemischt, und das verführt den Autoren dazu, mit Fachwörtern und historischen Anspielungen auf die Geschichte der beiden Fächer um sich zu werfen, die ein normaler Leser nur bei dauerndem Nachschlagen nachvollziehen kann.
    2. Die Idee mit der Kirmesorgel und den Lesekarten ist ja nett, aber dann die Vermischung mit den ersten Lochkartencomputern und dazu noch die vierte Dimension, das ist ein bisschen viel und in sich nicht kohärent.
    3. Weniger wäre mehr gewesen: Es werden einige neue und sehr potente bzw. liebenswerte Charaktere eingeführt, einerseits die New Yorker Librarians andererseits die der Sicherheitschef Johnson und dessen Familie mit den zwei Pflegekindern. Aber bei dem vielen Personal blieb nicht genügend Erzählzeit übrig, um diese Charaktere so richtig aufzubauen. Ich hoffe, man trifft sie in weiteren Bänden wieder.

    Insgesamt habe ich den Roman ganz gut weglesen können, aber er reicht nicht an die anderen heran.

    Die Zusammenfassung der Handlung spare ich mir, da sie hier schon oft wiedergegeben wurde.

    Der Roman hat bei mir auch schon ziemlich lange herumgedümpelt (seit 2012), weil ich kein so großer Fan der Fantasyliteratur bin.
    Nun hatte ich mir das Thema historische Romane , die im UK spielen, gestellt, und da passte das Buch beim SUB-Abbau ganz gut rein.

    Zunächst gefiel mir der Roman recht gut, auch wenn ich finde, dass er wenig Eigenständiges hat, sondern - allerdings teilweise sehr gekonnt - mit literarischen Vorbildern spielt. So sind z.B. die auktorialen Einschübe des allwissenden Erzählers mit ihrer ironischen Distanz solchen englischen Autoren wie Laurence Sterne und Henry Fielding zu verdanken.

    Was bei den oben stehenden Rezensionen häufiger beklagt wurde, stößt auch mir auf: Der Autor will allzu viel. Er verschachtelt mehrere Zeitreisegeschichten und löst sie am Ende durchaus auch sauber auf, lässt dabei aber verwirrte Leser*Innen zurück, die ihm kaum mehr folgen können auf seinem Weg durch mögliche oder eventuell wirkliche Paralleluniversen oder Zeitebenen.

    Kunstvolle Anspielungen auf Größen der englischen Literatur wie oben genannt wechseln sich ab mit viktorianischem Kitschroman wie das öfters im ersten und mittleren Teil passiert. Auch das ist gewollt, aber es überfordert eben, weil dieses literarische Vexierspiel mit mehreren ineinander verschränkten Handlungssträngen verwoben wird und dadurch die ironische Distanz teilweise verloren geht.


    Ich werde jedenfalls die weiteren Teile nicht lesen, aber nehme den Roman als Anregung, mich lieber mal wieder bei den Originalschriftstellern umzuschauen.

    Ist ja schon lange her, dass der Reihenstart um Erlendor Sveinson hier besprochen wurde, aber ich möchte doch noch etwas hinzufügen, was hier auch schon angedeutet wurde.


    Auch wenn Fandorina richtigerweise darauf hinweist, dass das von Indridason gewählte Ende im Erscheinungsjahr 1997 hochaktuell war finde ich es doch ein wenig zu science fiction- haft und trashig, mehr aus einem billigen Horrorroman. Außerdem passt es nicht zur Vorgeschichte,


    Schreiben kann Indridason aber, und in "Nordermoor" ist die Geschichte auch in sich logisch und sinnvoll gelöst. Deshalb werde ich auch weitere Bände der Reihe lesen.

    Das Buch stand auf meiner SUB-Abbau-Liste für dieses Jahr und ich kann mich im Wesentlichen der Meinung der vorherigen Rezensentinnen anschließen. Es wird zwar viel über die Enigma geschrieben, aber richtig verstanden habe ich das System nur zum Teil, vielleicht war es auch einfach zu kompliziert für mich. Mithilfe eines Fachartikels wurde es dann etwas einfacher, allerdings stellte dieser das System der Enigma etwas anders dar.

    Die Geschichte - eine Darstellung spare ich mir, gibt es oben schon - empfand ich als unausgegoren und überfrachtet. Was war denn nun eigentlich das Thrillerhafte? Eine Frau verschwindet, eine schlimme Schuld wird unter den Teppich gekehrt, geheime Dokumente werden entwendet, es geschieht scheinbar ein Mord und am Ende ist alles dann doch gar nicht so schlimm. Die psychologische Motivation der Nebenfiguren bleibt recht schwach, und auch bei Tom Jericho, der Hauptfigur, versteht man nicht so recht, worein er sich eigentlich verbeißt.
    Positiv finde ich nur, dass die Atmosphäre der damaligen Zeit recht gut dargestellt ist, die Schilderungen der zerfallenen und beschädigten Siedlungen und Landschaften, der kriegsmüden und ausgelaugten Menschen wird intensiv verdeutlicht.

    Nach vielen Jahren habe ich die Lektüre der Reihe um Lynley /Havers fortgesetzt und bin doch sehr enttäuscht.


    Der Roman scheint mir extrem unrealistisch und ist voller Klischees über Italien, da kann ich Valentine nur zustimmen.

    Mit der Handlung in Italien bin ich nicht so ganz glücklich, da bedient George für meinen Geschmack ein bisschen viele Klischees. Oder vielleicht stört mich auch nur, dass sie so inflationär mit italienischen Begriffen um sich schmeißt. Das hat sie eigentlich doch gar nicht nötig, um Lokalkolorit zu erzeugen.

    Aber kommen wir zur Romanhandlung: Dass Barbara Havers so unbedenklich ihre Kontakte zur Sensationspresse nutzt, kann ich mir beim besten Willen und auch bei ihrer Charakterisierung als impulsive und treu ergebene Freundin nicht vorstellen. Dazu ist sie viel zu intelligent. Sie hätte sicherlich auch andere Möglichkeiten gehabt, Scotland Yard zum Handeln bezüglich der Entführung zu zwingen, und dann wäre das alles nicht so gekommen. Auch die Vorstellung, dass Azhar seine heiß geliebte Tochter von einer dubiosen Privatdetektivagentur und irgendwelchen, ihm nicht bekannten Leuten in Italien entführen lässt, ist völlig daneben.

    Und da lesen wir nun im Prinzip nichts Anderes als ein stark aufgeblähtes Konglomerat von Unwahrscheinlichkeiten, überzogenen Reaktionen und ganz fürchterlichen Klischees. Ich hoffe, George hat von ihrem italienischen Publikum dafür den Kopf gewaschen bekommen. Auch die Mordwaffe ist sowas von unwahrscheinlich, wenn sie nicht von Azhar stammt, die Erklärung, wie der Mörder an sie kommt, beinhaltet nicht, wie der Spender so etwas einfach so machen sollte, besonders bei dem vorgegebenen Zweck, damit die Weinreben zu verbessern. Klar, mir E-Coli- Bakterien ... , da lachen ja die Bakterien!

    Dieser Roman hat mich völlig überzeugt , diese Reihe nicht mehr fortzusetzen . Schade. Die Reihe hatte wirklich gut angefangen, aber schon die vorherigen Bände erschienen mir sehr oft zu aufgebläht, allerdings von der Thematik her sehr viel interessanter.

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    Diesen wie fast immer umfangreichen Roman aus Ken Folletts Kingsbridge-Serie habe ich erst jetzt gelesen.

    Er spielt in der Zeit Elisabeths der Ersten und wirft durch die unterschiedlichen Handlungsstränge auch Blicke auf andere Länder des Kontinents, ja sogar in die Karibik.

    Im Gegensatz zu HugoMueller finde ich den Roman eigentlich recht interessant, wenn er auch nicht an die ersten beiden Bände heranreicht (vom Erscheinungsdatum her, den allerletzten, der zeitlich als erster spielt, fand ich bisher am schwächsten).


    Man erfährt eine Menge über die Seefahrt, den Kampf auf See, aber auch die Folgen der Reformation und politische Spionage. Das Ganze ist in mehrere spannende Handlungsstränge verpackt und enthält mehrere "Höhe"punkte, die sich um wichtige historische Ereignisse wie z.B, die Bartholomäusnacht in Frankreich und den Untergang der Armada oder das Guy Fawkes- Attentat ranken.
    Kingsbridge als Handlungsort habe ich nicht besonders vermisst, und die Protagonisten kehren oft genug dahin zurück, sodass der Bezug zum Ort bleibt.

    Gut, die Charaktere sind nicht so ausführlich dargestellt wie in Band 1 und 2, und das Gut /Böse-Schema ist wie meist bei Ken Follett sehr auffällig.

    Dennoch fühlte ich mich gut unterhalten und habe einiges dazugelernt, obwohl ich schon einige Romane, die in dieser Zeit in England spielen und historische Sachtexte darüber gelesen habe.

    Was mir ein bisschen auf den Senkel ging, ist, dass Follett seine Personen immer wieder kurz vorstellt. Das erklärt er selbst zu Beginn des Personenverzeichnisses damit, dass der Roman und sein Personal doch sehr umfangreich seien und er deshalb kleine Erinnerungshilfen eingebaut habe, aber diese empfand ich doch mehrfach als störend, weil sie auch Hauptpersonen der Handlung betreffen, die man im Laufe der Handlung recht gut kennen lernt. Außerdem werden im Personenverzeichnis die historischen Personen schon als solche gekennzeichnet, und dann stellt er ein solches Verzeichnis noch mal ans Ende des Buches? Hä?


    Aber insgesamt ein ordentlicher historischer Unterhaltungsroman.

    Ich kann dir, nanu?! nur zustimmen.

    Den Hype um den ersten Band habe ich nicht so ganz verstanden, aber der zweite Band landete dann doch bei uns, und nach einer ganzen Weile, eben weil mir der erste Band nicht so gefiel, habe ich diesen gelesen und mich prima amüsiert. In diesem Band geschehen viele Dinge, natürlich überzeichnet, aber das gehört ja zum Konzept des Krimis hinzu, es gibt einige Wendungen und das Finale ist gut aufgelöst. Dazu kommen komische Dialoge und der typisch englische trockene Humor.

    So kann's weitergehen. Den dritten Band werde ich nicht so lange warten lassen.

    Ich habe erst spät zu Marc-Uwe Kling gefunden, die Känguru- Chroniken gelesen (sehr lustig und politisch erfrischend) und nun Qualityland, das ja nochmal eine ganz andere Nummer und durchaus ernst ist. Wie Aurian und Tina denke ich auch, dass wir schon mitten drin sind in diesem Qualityland, sodass einem das Lachen meist im Halse stecken bleibt. Dennoch durch die lustigen Androiden und "Peters Problem" ein auch spaßiges Buch, dem ich ganz viele Leser und das Überdauern des Bestsellerstatus wünsche.