Beiträge von Kirsten

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    Die britischen Bürger sollen heiraten, denn verheirate Menschen sind nicht nur glücklicher und gesünder, sondern auch ein wertvoller Teil der Wirtschaft. Deshalb erlässt die Regierung ein Gesetz, das Ehepaaren Vorteile verschafft. Alles, was das Paar tun muss, ist einen Smart-Marriage-Vertrag zu unterschreiben. Der garantiert ihnen eine bessere Ausbildung für ihre Kinder, höhere Löhne, bessere Kredite und Wohnungen in den besten Vierteln.


    Auf den ersten Blick bietet der Vertrag nur Vorteile und über die Nachteile machen sich die Paare keine Gedanken. Aber sie gibt es. Das muss ein scheinbar glückliches Paar erfahren, das plötzlich einen Therapeuten an die Seite gestellt bekommt. Eigentlich sollte der nur einige Zeit bei ihnen wohnen, um ihnen wieder beizubringen, ein Paar zu sein. Aber insgeheim verfolgt er andere Pläne. Eine biedere Hausfrau startet als Vloggerin durch, aber ihr Erfolg geht auf Kosten ihrer Familie. Und für ein altes Paar bedeutet der Vertrag und die ständige Beobachtung, dass ihre gemeinsame Zeit gefährdet ist.


    Der Preis für die Privilegien ist hoch. Paare, die den Vertrag unterschreiben, stehen unter permanenter Beobachtung. Die ist so subtil, dass man sie gerne vergisst. Genauso wie der Autor mich immer vergessen lässt, dass der Marriage Act nur seiner Fantasie entsprungen ist. Vieles wirkt anfangs sehr real, bis ein Punkt überschritten wird und die Geschichte sich ins Surreale verkehrt. Die Charaktere haben mir gut fallen, die meisten sind mit sehr spitzer Feder beschrieben. Aber da, wo es darauf ankommt, lässt er die Spitzen weg. Wie schon das letzte Buch von Johne Marrs hat mir auch das gut gefallen.

    4ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

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    Nach dem Tod seiner Frau hat der Journalist Philip Green sich in New York ein neues Leben aufgebaut. Gemeinsam mit seinem Sohn ist er zu seiner Mutter gezogen. Auch beruflich geht es wieder bergauf. Die Zeitschrift, für die er arbeitet, bietet ihm eine Serie an. Nachdem der Krieg beendet ist, soll Philip recherchieren, ob und wenn ja wie weit sich Antisemitismus in den USA ausgebreitet hat. Philip wagt das Experiment: er beginnt zu erzählen, dass er Jude ist und beobachtet die Reaktion der Menschen in seiner Umgebung.


    Von Anfang an habe ich der Geschichte ihr Alter angemerkt. Sie wurde ungefähr zu der Zeit geschrieben, in der sie auch spielt und hat viele Elemente, die es so heute nicht mehr gibt. Am meisten sind mir die Zigaretten aufgefallen. Es wurde immer und überall geraucht, auch im Bett und so kam gefühlt auf jeder Seite eine Zigarette vor. Bei den Charakteren warne die Rollen von Anfang an klar verteilt: der Protagonist ist ein einsamer Wolf, für den es nach dem Tod seiner Frau nur noch seinen Sohn und seinen Job gibt. Natürlich trifft er im Verlauf seiner Recherche auf eine Frau, die sein gefrorenes Herz wieder auftaut, aber ist sie wirklich die Richtige? Das muss sich im Verlauf zeigen, denn sie ist nicht die Einzige, die sich für Philip interessiert und die beiden Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein.


    Bei den viele Klischees sollte man aber nicht vergessen, worum Phils Reportage eigentlich geht. Sobald er in seine Rolle schlüpft, begegnen ihm unzählige Vorurteile und offene Anfeindungen. Auch wenn die Geschichte sehr altmodisch auf mich gewirkt hat, ist das Thema doch immer noch aktuell. Dabei ist es egal, gegen wen sich die Anfeindungen richten.


    Laura Z. Hobsons Buch enthält viel Gutes, aber leider ist das für mich in den Klischees und im Staub der Jahre ein bisschen untergegangen.

    3ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

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    Irgendwann kommt der Moment, an dem die Eltern sterben und man sich um den Nachlass kümmern muss. Für Susannah Walker bedeutet das, dass sie das Haus ihrer Mutterräumen und für den Verkauf vorbereiten muss. Es bedeutet auch, sich mit einer Vergangenheit auseinanderzusetzen, die von der Zurückweisung ihrer Mutter geprägt war.


    Zitat

    Kein gutes Verhältnis zu seiner Mutter zu haben, ist eines er letzten Tabus.

    Diese Beschreibung trifft das Verhältnis von Susannah zu ihrer Mutter nicht, die beiden Frauen hatten überhaupt kein Verhältnis. Die Eltern haben sich früh getrennt, Susannah und ihr Bruder haben lange Zeit bei ihrem Vater gelebt. Nicht nur deshalb kennt sie ihre Mutter kaum, auch später haben sie sich kaum gesehen. Das macht es ihr die Aufgabe gleichzeitig leichter, aber auch schwerer.


    Das Haus ist völlig verwahrlost, die Mutter hat sich jahrelang nicht darum gekümmert. Gleichzeitig konnte sie nichts wegwerfen und die Masse an Gegenständen ist nicht zu bewältigen. Anfangs ist Susannah Walker von ihrer Aufgabe überfordert. Was ist wichtig, was kann weg und was kann man vielleicht noch verkaufen? Stück für Stück für Stück arbeitet sie sich durch die Dinge durch, die für ihre Mutter wichtig waren erfährt so etwas über das Leben, an dem sie nie teilhaben konnte.


    Die Geschichte von Susannahs Mutter hat mich traurig gemacht. Ihre Probleme waren schon früh zu sehen: sie litt unter Depressionen und war Alkoholikerin. Hilfe bekam sie nicht, ihre Schwestern haben die Probleme nicht ignoriert, aber klein geredet. Auch der Ehemann hat sich von ihr abgewandt, als sie nicht mehr funktionierte. Aber ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass es der Mutter recht war, wieder alleine zu sein. In den Unterlagen, die Susannah findet, beschreibt die Mutter ihre Tochter als schreckliches Kind. Das zu lesen, muss schrecklich gewesen sein.


    Susannah Walker hatte das Glück, einen Entrümpler zu finden, der mehr als nur seine Arbeit macht. Er nimmt ihr die Scham über das vernachlässigte Haus und was es für sie bedeutet; dass sie es zugelassen hat weil die Mutter ihr egal war. Denn dieser Gedanke ist falsch, das Haus war so verwahrlost, weil die Mutter es zugelassen hat.


    Durch den Tod der Mutter bleiben viele Fragen unbeantwortet. Aber die wichtigste Frage konnte sie für sich beantworten: sie ist nicht schuld an der Situation. Eine Tochter muss die Mutter nicht lieben, nur weil sie ihr das Leben geschenkt hat. Die Erkenntnis ist hart, aber hilfreich. Susannah Walker kann sich von der Frau, die ihr das Leben geschenkt hat, ohne Bitterkeit verabschieden.


    Wahrscheinlich glauben die meisten von uns, dass das Verhältnis zur eigenen Familie gut sein muss. Aber wie an allen Beziehungen muss man auch an dieser arbeiten und auch erkennen, wenn sie diese Arbeit nicht mehr wert ist.

    5ratten


    Liebe Grüße

    Kirsten

    Ich mag die Krimireihe von Lenz Koppelstätter um Commissario Grauner sehr, deshalb hatte ich an die neue Reihe große Erwartungen.


    Gianna Pitti ist Polizeireporterin bei einer kleinen Zeitung am Gardasee mit einer noch kleineren Leserschaft. Sie liebt ihren Beruf, auch wenn sie kaum Spektakuläres zu berichten hat. Das hat sie mit ihrem neuen Fall, aber der hat auch viel Persönliches: sie kannte den Toten, der aus dem See geborgen wurde und hat sich erst am Tag vorher mit ihm getroffen. Gianna will seinen Tod aufklären. Hilfe bekommt sie dabei von ihrem Onkel Francesco und ihrer Vorgesetzten Elvira.


    Lenz Koppelstätter lässt sich in diesem Krimi Zeit, um seinen Lesern ein Gefühl für die Gegend und die Menschen, die darin wohnen, zu vermitteln. Er beschreibt die Charaktere, auch die, die eher am Rand stehen, mit allen Facetten. Das hat mir gut gefallen, denn so wirkt die Geschichte auf mich lebendig. Gut gefallen haben mir auch die unterschiedlichen Erzählperspektiven, die unterschiedliche Sichtweisen auf den Fall geben.


    Allerdings entwickelt sich der Fall langsam. Anfangs scheint es, als ob es kein Motiv für den Mord gibt. Nicht nur Gianna, sondern auch die Polizei tappt im Dunkeln. Allerdings gibt Gianna auch nicht ihr Wisse weiter und so ermitteln sie und die Polizei nebeneinander her anstatt gemeinsam, was effizienter gewesen wäre. Das Ende geht mir zu schnell, die Ereignisse überschlagen sich fast und einige Handlungsstränge sind für meinen Geschmack nicht schlüssig aufgelöst.


    Für eine neue Reihe ist es ein vielversprechender Auftakt, mit einer sympathischen und interessanten Protagonistin vor einer schönen Kulisse.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    Die Reise, von der Michel Andanson in seinen Aufzeichnungen erzählt, liegt viele Jahre zurück. Trotzdem hat sie nicht nur sein Leben geprägt, sondern auch das seiner Tochter. Nach seinem Tod findet sie die Hefte und reist mit den Erinnerungen ihres Vaters zurück. Sie liest von der Entdeckung neuer Pflanzenarten, von der lebensgefährlichen Durchquerung der Wüste und einem verschwundenen Mädchen. Und sie muss wie ihr Vater lernen, dass der anfangs faszinierende Kontinent eigene Regeln hat, nach denen der fremde Mann spielen muss und die ihn letztendlich sein Glück kosten.


    David Diop hat mich in eine mir unbekannte Welt entführt. Die Aufzeichnungen von Michel Andanson haben mir gefallen, aber ich fand sie auch ein wenig oberflächlich. Das lag sicherlich auch an der Kürze des Buchs, auf denen sehr viel auf die doch wenigen Seiten gepackt wurde.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    Die Ghostwriterin Kea Laverde wird von ihrer neuen Kundin gebeten, ihre Geschichte für die Enkelin aufzuschreiben. Irma Schwand hat nicht mehr viel Zeit denn die bei ihr diagnostizierte Demenz schreitet immer schneller fort. Was für Kea zuerst nur wie die Erinnerungen einer Frau an die letzten Kriegstage klingt, entwickelt sich schnell zu einer Geschichte über eine Schuld, die immer noch das Gewissen der alten Dame belastet.


    Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge: zum einen den in der Gegenwart, in der es um den Mord an einer jungen Frau geht, dessen Motiv in die Hackerszene hinweist. Dieser Teil konnte mich nicht vollständig überzeugen, was auch daran liegt, dass der Krimi schon einige Jahre alt ist, sich die Technik seitdem deutlich weiterentwickelt hat und deshalb die Dinge, um die es geht, schon veraltet sind.


    Gut gefallen dagegen hat mir der Teil, der sich um Irma Schwand dreht. Ihre Erinnerungen erzählen die Erlebnisse von zwei jungen Mädchen, die sich im Chaos der letzten Kriegstage zurechtfinden mussten. Die alte Frau in der Gegenwart kämpft gegen das Vergessen, was die Autorin sehr sensibel gelöst hat.


    Auch beim zweiten Teil, den ich aus der Reihe gelesen habe, bin ich mir nicht sicher, ob mir Kea Laverde als Person wirklich gefällt. Auf der einen Seite finde ich sie ein bisschen oberflächlich und ihr Verhalten nicht immer passend zur jeweiligen Situation, auf der anderen Seite macht sie sich um ihre Kunden immer wieder Gedanken, die nicht zu diesem Auftreten zu passen scheinen. Ihre Beziehung dagegen ist so chaotisch wie ihr Auftreten mir persönlich ein bisschen überzeichnet.


    Das Gesamtpaket gefällt mir aber gut, weshalb das nicht der letzte Teil der Reihe gewesen ist, den ich lesen werde.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    Maya Angelou erzählt die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend. Sie erzählt von ihren getrennt lebenden Eltern, die sie früh zur Großmutter abgeschoben und nur zu sich genommen haben, wenn ihnen der Sinn danach stand. Ob sie und ihr Bruder mit dem Wechsel einverstanden waren, wurde nie hinterfragt. Das hat auf mich den Eindruck gemacht, dass sie für beide Elternteile eher das Bild einer perfekten Familie vervollständigen sollten als dass sie sie aus echter Zuneigung zu sich holten.


    Im Vergleich dazu war ihre Großmutter liebevoll, wenn auch streng. Die Kinder hatten viele Pflichten, aber sie haben glücklich auf mich gewirkt. Ihre Momma war eine ungewöhnliche Frau: denn es war in den 1930ern für eine farbige Frau in den Südstaaten nicht üblich, einen Laden zu führen und so erfolgreich zu sein, wie sie es war. Trotzdem oder gerade deswegen wurde sie immer wieder mit Rassismus konfrontiert: ob durch die alltägliche Demütigungen oder Situationen, in denen sie gezielt ausgesucht wurde. Ich kann mich an eine Situation erinnern, bei der sie durch eine Gruppe Schulmädchen gedemütigt wurde, scheinbar ohne sich zu wehren. Aber gerade in dieser Gleichgültigkeit lag die Stärke der Großmutter, denn dadurch hat sie Stärke gezeigt. Für ihre Enkelin war es trotzdem schwer mit anzusehen.


    Das Buch hatte vieles, was mir gefällt und ich wollte es wirklich mögen. Trotzdem habe ich mich beim Lesen unerwartet schwer getan. Auch wenn die Autorin viel von ihren Gefühlen geschrieben hat, konnte ich sie nicht spüren. Deshalb bin ich ein kleines bisschen enttäuscht von dem Buch, auch wenn es mir gleichzeitig gefallen hat.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    Ich hätte das Buch tatsächlich nicht zu den Krimis gepackt, auch wenn der Handlung die Morde an den Frauen vorangehen. Es ist die Geschichte eines zutiefst manipulativen Mannes. Ansel fühlt sich durch seine Vergangenheit in seinen Taten gerechtfertigt. Seine Sicht auf die Dinge ist komplett anders als die der anderen Menschen, aber für ihn ist es die einzig wahre Sichtweise.


    Ansel hat es immer wieder geschafft, seinem Schicksal zu entkommen. Deshalb glaubt er auch jetzt nicht daran, dass er wirklich hingerichtet wird. Er hat in der Vergangenheit immer wieder Menschen manipuliert und ist sich deshalb sicher, dass ihm das auch dieses Mal gelingen wird.


    Aber Danya Kukafka schreibt nicht nur über Täter und Opfer, sondern sie erzählt auch von den Menschen, deren Weg er gekreuzt und so verändert hat. Hier liegt es an ihnen, sich seinem Einfluss zu entziehen.


    Eine Geschichte mit einem zutiefst unsympathischen Protagonisten, die für mich hauptsächlich von den Charakteren am Rand lebt.

    4ratten

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    Ich habe mich vom Klappentext in die Irre führen lassen. So unheimlich, wie der Mann auf der anderen Straßenseite auf die Bewohner des Hauses, das er beobachtet, gewirkt hat, kam er mir auch vor. Warum steht jemand einfach nur da und beobachtet Menschen, ohne mit ihnen kommunizieren zu wollen? Es kann nur einen Grund geben, nämlich dass er etwas von ihnen will. Aber was? Für die Menschen, die er beobachtet, wird er zu ihrem Gewissen und so kommt es zu einem überraschen Geständnis.


    Jan Costin Wagner spielt in seinen Geschichten mit dem, was man auf den ersten Blick sieht und dem, was wirklich passiert. Er erzählt ruhig, aber gerade dadurch sehr eindringlich. Gesprochen wird wenig, was auf mich so wirkt, dass die Personen in seinen Geschichten alleine sind, auch wenn sie von Anderen umgeben sind. Nur ich als Außenstehende erfahre etwas über ihre Gedanken. Trotzdem wird das Bild erst am Ende der jeweiligen Geschichte komplett.


    Beim Lesen haben mich die Geschichten berühren können. Sie erzählen von Verlust, Trauer, Schuld oder Liebe. Rückblickend kann ich mich nur an wenige Szenen aus einzelnen Geschichten erinnern, der Rest vermischt sich zu einem Ganzen. Vielleicht waren sie sich doch ähnlicher, als mir beim Lesen bewusst war.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Liebe Grüße

    Kirsten