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Patricia Koelle: Der Klang des Windes. (Sehnsuchtswald-Reihe, Band 4), Frankfurt 2024, S. Fischer Verlag GmbH, ISBN 978-3-596-70848-2, Klappenbroschur, 478 Seiten, Format: 12,4 x 3,48 x 19 cm, Buch: EUR 13,00, Kindle: EUR 9,99, auch als Hörbuch erhältlich.
„Aber wenn ich mir den Fluss so ansehe […], dann denke ich, es kommt, wie es eben kommt, und dass das auf jeden Fall spannend wird. […] In den Strömungen geht nichts verloren, alles gelangt irgendwohin, nur manchmal anders, als man erwartet hat. (Seite 335)
Eine Freundin von mir ist zufällig in den Besitz dieses Buchs gelangt, und weil ihr die Naturverbundenheit und die gelassene Lebenseinstellung der Personen so gut gefallen hat, hat sie es mir zum Lesen gegeben.
4. Band einer Reihe: viele Personen – aber man kommt klar
Was uns anfangs nicht bewusst war: Dass wir den Abschlussband einer vierbändigen Reihe erwischt haben und dass auch andere Buchreihen der Autorin „Personal“ zu der Geschichte beisteuern. Kein Wunder, dass hier rund 50 Leute durchs Geschehen wuseln!
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Großnichte, Ex-Freunde und -Freundinnen, Stiefschwestern, Opa und Oma, Halbbrüder … muss man sich die alle merken oder tauchen die nur in einer Szene auf und werden danach nie wieder erwähnt?
Für Kennerinnen der Reihe(n) sind sicher alle Personen wichtig, weil man hier etwas über deren weiteren Werdegang erfährt.
Der Quereinsteiger muss sich darüber keinen Kopf machen. Wenn er das unmittelbare Umfeld der Heldin im Blick behält, reicht das. Sollte eine Nebenfigur bedeutsam werden, wird alles Wissenswerte kurz erklärt.
Seit 15 Jahren war Anna-Lisa nicht mehr daheim
Wiefelstede bei Oldenburg, 2021: Gleich nach dem Abitur hatte die Halbwaise Anna-Lisa (inzwischen Mitte 30) ihr Elternhaus auf dem Darß verlassen, um Kunst zu studieren – und sich geschworen, erst wieder zurückzukehren, wenn sie so gut und erfolgreich wäre wie ihre frühere Nachbarin und Ersatz(groß)mutter Hedy Badonin.
Die Lebensgefährtin ihres Vaters, die Gärtnerin Ylvi und deren Tochter Remy kennt Anna-Lisa nur vom Hörensagen. Es verschlägt sie in die USA, aber auch dort will sich der Erfolg als Malerin nicht einstellen. Zwar hat sie stets eine Vision, doch es gelingt ihr nie, diese adäquat umzusetzen. Der Fotograf Fergus Phelan, eine Zufallsbekanntschaft aus San Francisco, sagt ihr ganz unverblümt, dass sie mit dem falschen Medium arbeite. Leinwand, Pinsel und Farbe seien nicht ihr Ding. Er bringt ihr die technischen Aspekte des Fotografierens bei. Den richtigen Blick fürs Motiv hat sie schon.
Zeit für die Rückkehr
Anna-Lisa erkennt, dass sie jetzt endlich das richtige Instrumentarium an der Hand hat. Zeit, nach Hause zurückzukehren!
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Nun ja: Sie kommt zumindest bis Oldenburg, wo sie für eine Werbeagentur Fotoaufnahmen macht. Aber das ist noch nicht das, was sie wollte. Als sie bei einem Shooting ein geschnitztes Relief geschenkt bekommt mit einem Naturmotiv, das sie zutiefst berührt, weiß sie was sie mit ihrer Kamera als nächstes einfangen will: den Wind! Und das geht am besten daheim auf dem Darß!
Darß, 2021: Anna-Lisa bricht ihre Zelte ab und zieht nach 15 Jahren Abwesenheit vorübergehend in ihr altes Kinderzimmer. Vater und Stiefmutter sind zwar verblüfft über die plötzliche Rückkehr, aber heißen sie willkommen.
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Und weil hier jeder jeden kennt, funktioniert auch das Netzwerken: Anna-Lisa arbeitet für ihre Stiefschwester Remy, die eine Zeitschrift herausgibt, und hat beim Fotografieren weitgehend freie Hand.
Ein verschollener Freund, mysteriöse Klänge – und seltsame Reaktionen
Ihre Arbeiten kommen gut an, sogar Fergus, dem sie Arbeitsproben mailt, ist begeistert. Zu gerne würde Anna-Lisa sich für den letzten Funken Inspiration bei dem Schöpfer des geschnitzten Weiden-Reliefs bedanken. Sie kennt aber nur seine Initialen.
Doch weil das Relief mal im Besitz der Familie einer befreundeten Journalistin war, müsste die doch imstande sein, etwas über den Künstler herauszufinden!
Wann immer Anna-Lisa das Relief und seinen Schöpfer ihren alten und neuen Freunden gegenüber erwähnt, reagieren diese ziemlich seltsam. Was ist denn da los? Das bildet sie sich doch nicht nur ein! Ebenso wenig wie die seltsamen Klänge, die im Wald zu hören sind! Auch wenn die anderen so tun, als sei da nichts:
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Diese Töne gibt es! Marley, die kleine Tochter der Gastwirtin Franzi, hört sie auch. Vielleicht sind die erwachsenen Einwohner schon so daran gewöhnt, dass sie sie gar nicht mehr wahrnehmen.
Die Spur führt in die Nachkriegszeit …
All die rätselhaften Ereignisse scheinen ihren Ursprung in der Nachkriegszeit zu haben, als vier junge Männer hier in der Gegend „hängengeblieben“ sind und ein Jahr lang in einer Hütte im Darßwald gehaust haben,
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bevor sie sich buchstäblich in alle vier Winde zerstreut und den Kontakt zueinander verloren haben.
Was aus dreien der vier Männer geworden ist, ist trotzdem bekannt: Zwei wurden Künstler, einer war im sozialen Bereich tätig. Was aus dem Vierten geworden ist, weiß niemand.
Der ehemaligen Försterin Hella, die die vier jungen Männer als Kind gekannt hat, ist es wichtig, dass der fehlende Freund nun gefunden wird. Nicht nur, weil sie ihn gerne wiedersehen würde, sondern auch, weil es um ein altes Versprechen geht. 86 wäre der Mann jetzt, er könnte also noch leben. Und Hella hält es für sehr wahrscheinlich, dass er der Urheber von Anna-Lisas Weiden-Relief ist.
… und nach Ostfriesland
Es gibt eine Spur zu einem alten Herrn in Ostfriesland, und Anna-Lisa soll jetzt hinfahren und der Sache nachgehen …
Hier geht es nicht um das große Abenteuer. Oder, anders gesagt: Für die Menschen in diesem Buch ist das ganze Leben ein großes Abenteuer, vor dem man sich nicht ängstlich verstecken sollte, sondern auf das man sich einlassen muss. Sicherheiten und Garantien gibt es keine. Man weiß nie, wohin einen der Wind trägt und was am Schluss einer Unternehmung herauskommt. Aber es geht immer irgendwie weiter. Und manchmal erweist es sich im Nachhinein sogar als Segen, wenn etwas anders gekommen ist als geplant.
Gelassenheit, Resilienz und geradezu magische Bilder
Diese Gelassenheit ist sympathisch und bewundernswert. Natürlich machen die Leute hier auch Pläne und verfolgen ehrgeizige Ziele, doch sie erweisen sich als recht resilient, flexibel und erfinderisch, wenn sie mal einen Plan B brauchen. Die Natur, das Leben … alles ist im Fluss, und der Mensch muss da eben irgendwie mit.
Zu den „Hauptattraktionen“ in diesem Buch zählt etwas, das man sonst in Romanen gern überfliegt: die lebendigen und stimmungsvollen Naturbeschreibungen. Ob Flora, Fauna, Himmel, Wasser oder Licht: Wir sehen alles mit den Augen der engagierten Naturfotografin Anna-Lisa. Da wirken selbst alltägliche Bildmotive magisch.
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Wenn man als Leser neugierig wird und manche Handlungsorte im Internet sucht, kann es sein, dass man von der Realität enttäuscht ist. Ja, wenn Anna-Lisa die Fotos gemacht hätte, dann hätte das anders ausgesehen!
Wenn es die Fotografin wirklich gäbe und sie eine Ausstellung hätte oder einen Bildband herausbrächte: Ich wäre dabei! Was der im Roman beschriebenen Bild-Magie vermutlich recht nahe kommt, sind die Arbeiten des Fotografen Frank Liebke, des Lebensgefährten der Autorin: https://www.liebke-fotos.de
DER KLANG DES WINDES ist ein Wohlfühlroman für naturverbundene Menschen. Ob das für die ganze Reihe gilt oder gar für alle Bücher der Autorin vermag ich nicht zu sagen – ich kenne ja nur diesen Band.
Die Autorin
Patricia Koelle (auch Patricia Koelle-Wolken und Paula Carlin) ist eine Bestseller-Autorin mit Leidenschaft für das Meer, die Natur und für das Gärtnern – und für das Schreiben, in dem sie ihr immerwährendes Staunen über das Leben, die Menschen und unseren sagenhaften, unwahrscheinlichen Planeten zum Ausdruck bringt. Sie wohnt mit ihrem Lebensfreudegefährten, dem Fotografen Frank Liebke (Märkisches Licht) am Rande von Berlin. Ihr kostenloser und werbefreier Blog heißt meerschreibfrau.