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  2. Vandam

Beiträge von Vandam

  • Heiko Volz, Sibylle Mayer - Weihnachten mit Martha Möwe

    • Vandam
    • 17. Dezember 2025 um 12:27

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    Heiko Volz (Text), Sibylle Mayer (Illustrationen): Weihnachten mit Martha Möwe (ab 7 J.), Freiburg 2026, ObersteBrink Verlag / spielen und lernen, ISBN 978-3-96304-051-1, 52 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Format: 22,3 x 1 x 22,6 cm, EUR 15,00.

    Ich wünschte, Martha Möwe wäre ein bisschen früher in mein Postfach geflattert! Jetzt muss ich sie „last Minute“ vorstellen. Aber vielleicht sucht ja noch jemand ein originelles Geschenk für ein Grundschulkind … ein Buch, das zwar weihnachtlich angehaucht ist, aber auch andere Themen anspricht: Freundschaft, Gemeinschaft, Umzug und Neuanfang. Und auch der Humor kommt hier nicht zu kurz! - Darum geht’s im Buch:

    Bruchlandung im Wald

    Es wird Winter, und Martha Möwe ist es an der Nordsee zu kalt. Sie beschließt, in den Süden zu fliegen, irgendwohin, wo es wärmer ist. Italien wäre nicht schlecht. Doch schon über Baden-Württemberg verlassen sie die Kräfte und sie legt eine Bruchlandung hin. Wo sie ungefähr gelandet ist, verrät uns die Landkarte auf der 2. Umschlagseite. Aber wir hätten es auch so erraten, denn wo außer im Ländle kämen Wildtiere auf die Idee, im Wald die Kehrwoche zu machen? 😉

    Mit einer dicken Beule auf dem Kopf liegt Martha jetzt also auf dem Waldboden und hat Glück, dass die kluge Eule Erna sie findet. Die hat kürzlich einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und kann Martha fachgerecht verarzten. Bis Martha wieder soweit bei Kräften ist, dass sie weiterreisen kann, darf sie bei Erna bleiben.

    Bei Erna zum Tee. Abb.: © ObersteBrink Verlag / Foto: E. Nebel

    Es stellt sich heraus, dass die beiden Vogeldamen gemeinsame Interessen haben, und als Martha auch noch Ernas Freunde, die Tiere des Waldes, kennenlernt, hat sie es auf einmal gar nicht mehr so eilig, nach Italien zu kommen. Bei den Bibern und Kaninchen, den Spatzen, Igeln und Mäusen, dem verfressenen Bären, dem halbblinden Maulwurf und den fleißigen Waschbären ist immer was los. Und Waldkater Mirko hat vielleicht einen Fitness-Fimmel, ist aber ansonsten ein netter Kerl. Seinen Spitznamen trägt er voller Stolz: Die Tiere des Waldes nennen ihn „Muskelkater“.

    Martha fühlt sich tierisch wohl

    Als Martha Möwe wieder fit ist, zieht sie in ein verlassenes Storchennest. Storch Sven ist nach Jamaica ausgewandert und wird es wohl nicht mehr brauchen. Von ihren eigenen Auswanderungsplänen ist schon länger keine Rede mehr. Ob Flohmarkt, Waldputztag, Wintersport, Nachtwanderung oder Weihnachtsvorbereitungen: Martha ist immer mittendrin im Geschehen und fühlt sich im Wald bei ihren neuen Freunden tierisch wohl. Sie findet eine lohnende Aufgabe für sich und ein bisschen wärmer und windstiller als daheim an der Nordsee ist es hier auch. Warum also sollte sie weiterziehen?

    Heimweh nach dem Meer

    Doch so langsam bekommt sie Heimweh nach dem Meer. Das Wasser, der Strand, die Schiffe, das alles fehlt ihr. Sie wird immer stiller und ihre Freunde machen sich Sorgen. Sie wird doch nicht an die Nordsee zurückkehren? Ein Leben ohne Martha können sie sich gar nicht mehr vorstellen.

    Die Freunde setzen sich zusammen und beratschlagen heimlich, womit sie Marthas Heimweh lindern und sie zum Hierbleiben bewegen könnten. Ein Schiff müsste man haben! Und genügend Wasser, damit es darin schwimmen kann. Aber wo sollen sie das herkriegen, hier mitten im Wald? Frau Dachs, die bekannt ist für ihre klugen Einfälle, hat schließlich eine tolle Idee, was sie Martha zu Weihnachten schenken könnten.

    Das Weihnachts-Geheimnis

    Alle sind begeistert. Nur geheim muss es bleiben, es soll ja eine Überraschung werden. Wird Susi Spatz ausnahmsweise mal ihren geschwätzigen Schnabel halten können? Kommt das Weihnachtsgeschenk so gut an, wie die Tiere es sich erhoffen? Und vor allem: Wird Martha sich davon überzeugen lassen, im Süden bei ihren Freund:innen zu bleiben? Oder ist ihr Heimweh doch stärker?

    Auch erwachsene Vor- oder Mitleser:innen haben ihren Spaß an der Geschichte – auf einer anderen Ebene als die junge Zielgruppe. Der coole Rastafari-Storch, die zeitknappen Rabeneltern oder der baggernde Rio Reiher sind für Erwachsene und Kinder auf unterschiedliche Art komisch. Als jemand, der geographisch aus der Ecke kommt, in der Martha notgelandet ist, kichere ich noch immer über die ordnungsliebenden Igel und die Kehrwoche.

    Groß und Klein werden sich fragen, wie Marthas Kumpels das Meer in den Wald holen wollen. Wer den Autor kennt, hat da schon so eine Ahnung … Aber ob der Trick tatsächlich funktioniert, das erfahren wir erst ganz zum Schluss …

    Schick machen für die Party. Abb.: © ObersteBrink Verlag / Foto: E. Nebel

    Der Autor

    Heiko Volz ist u.a. als Autor vieler Äffle und Pferde Sketche bekannt –vor allem in Baden-Württemberg. Als Autor schreibt er lustige und unterhaltsame Geschichten und Bücher für alle Altersgruppen.

    Die Illustratorin

    Sibylle Mayer ist als Grafikdesignerin in einem Stuttgarter Medienhaus tätig. Davor arbeitete sie in verschiedenen Verlagen und Werbeagenturen. Als Illustratorin wirkt sie projektbezogen an unterschiedlichen Buchprojekten, Werbekampagnen und im Produktdesign mit.

  • Jean-Remy von Matt - Am Ende

    • Vandam
    • 26. November 2025 um 12:42

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    Jean-Remy von Matt: Am Ende. Erlebnisse und Erkenntnisse aus meinem kreativen Leben, Berlin 2025, Econ / Ullstein Buchverlage GmbH, ISBN 978-3-430-21209-0, Hardcover, 240 Seiten mit s/w-Fotos, Format: 14,7 x 2,4 x 21,7 cm, Buch: EUR 25,00, Kindle: EUR 19,99.

    „Ich entdeckte eine Materie, die nur Amplituden kennt: ganz schlecht oder sehr gut. Sie kennt keine Gewissheiten, keine Endgültigkeit, keinen Feierabend. […] Eine Materie aus dem Niemandsland zwischen Gefühl und Kalkül. Aber eigentlich war es umgekehrt: Die Materie hatte mich entdeckt. Die Materie Kreativität – an meinem allerersten Tag als Werbetexter. Endlich fand mein Leben einen Sinn.“(Seite 9)

    Was macht einen genialen Texter aus?

    Die legendäre Sixt-Werbekampagne, Slogans wie „Bild Dir Deine Meinung“, „Wer hat’s erfunden?“ oder „Drei, zwei, eins, meins“ kennt jeder. Damit hat der Werbetexter und Agenturinhaber Jean-Remy von Matt Werbegeschichte geschrieben.

    Ich habe mich mehr als 30 Jahre lang als Werbetexterin durchgewurstelt und wollte nun wissen, was einer der ganz Großen unserer Zunft rückblickend über sein Leben, seine Arbeit und über Kreativität im Allgemeinen zu sagen hat. Was macht ein genialer Texter anders als einer, der damit nur irgendwie seine Brötchen verdient?

    Eine Biographie – anders als alle anderen

    Schon der Aufbau des Buchs ist ungewöhnlich: Statt einer chronologischen Biographie hat JRvM 96 kurze Kapitel verfasst – Erinnerungen, Anekdoten, Betrachtungen –, die er von einer Jury auf Inspirationsgewinn und Unterhaltungswert prüfen und bewerten ließ. 77 dieser Kapitel haben es ins Buch geschafft und sind hier in absteigender Reihenfolge sortiert. Was den Claim auf dem Titel erklärt: „Das erste Buch, das von Anfang bis Ende immer schlechter wird.“ Er gibt uns auch gleich den Rat:

    „Lies es nur, solange es Dir was bringt. Dann leg es beruhigt weg und nutze Deine Zeit für was Sinnvolleres.“ (Seite 13)

    Das hat auch noch kein Autor zu mir gesagt! Da ich aber ungern fremde Leute wie die Jury darüber entscheiden lasse, was mich zu interessieren hat, habe ich trotz dieser Aufforderung alles gelesen.

    Woran brillante Ideen oft scheitern

    Ist Kreativität eigentlich angeboren oder lernt man das durch Vorbilder? JRvM beschreibt seine Mutter als überaus einfallsreich und unerschrocken. Das scheint auf jeden Fall auf ihn abgefärbt zu haben, auf welche Weise auch immer.

    Spoiler anzeigen

    In der Schule ist er eher Durchschnitt, da ist ein kreativer Geist ja auch unerwünscht. Mit 22 findet er seine Bestimmung als Werbetexter und stellt fest, dass er darin richtig gut ist. Das bewahrt ihn natürlich nicht vor den Erfahrungen, die auch weniger geniale Werber machen: Der Wert vieler Ideen wird nicht erkannt, sie werden von Bedenkenträgern zerredet und abgewürgt, ehe sie ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen können. Manchmal findet ein Kunde die Konzepte der Agentur zwar toll, traut sich aber nicht, neue Wege zu beschreiten und bevorzugt am Schluss doch eine Lösung, mit der er kein Risiko eingeht.

    Es braucht schon mutige Auftraggeber wie beispielsweise den Unternehmer Erich Sixt, damit man unkonventionelle Kampagnen realisieren kann. Und für den hat sich dieser Mut mit Sicherheit ausgezahlt!

    Solche wagemutigen Entscheider sind jedoch selten. Von risikoscheuen Hasenfüßen gibt’s mehr. Ja, gut: Wer etwas wagt, kann natürlich auch scheitern. Nicht jede Werbekampagne ist ein Volltreffer. In der Laufbahn des Autors hat’s auch Flops gegeben, zu denen er sich hier freimütig bekennt. Mal war die Botschaft zu subtil verpackt, mal wurde die Ironie nicht verstanden. Für uns Normalsterbliche ist die Erkenntnis tröstlich, dass auch Überflieger manchmal auf die Nase fallen.

    Von Freiheit, KI und „betreuter Ideenfindung“

    Sympathisch war mir diese Einstellung:

    „Wer dem Publikum den Atem rauben will, darf den Kreativen nicht die Luft nehmen.“ (Seite 67)

    Zusammen mit seinem Geschäftspartner Holger Jung sorgt JRvM in seiner Agentur für eine Kultur, die den Teams die Freiheit lässt, die sie brauchen, um ihr Bestes zu geben. Gar nicht so leicht bei so einem Haufen Individualisten, wie das eine oder andere Beispiel zeigt. (Ich denke da an den Kerl, der in seinem Büro Holz hackt!)

    Von Kreativitätstechniken, der „betreuten Ideenfindung“, wie der Autor das nennt, hält er nichts:

    Spoiler anzeigen

    Brainstorming & Co reiche allenfalls für den Hausgebrauch, etwas wirklich Sensationelles könne dabei nicht herauskommen. Auch die KI kommt bei ihm nicht gut weg. Es ist richtig, dass sie schneller, günstiger und fleißiger arbeitet als ein Mensch.

    „Aber wer sich nur aus den Daten der Vergangenheit ernährt, dem fehlt, was innovative Ideen wirklich ausmacht: der Blick nach vorne. Vorstellungskraft. Fantasie.“ (Seite 100)

    Das sehe ich auch so. Aber womöglich ist das die Ansicht von alten Werbern, die nicht mehr im Job aktiv sind – und morgen ist das schon überholt.

    (Be)merkenswert!

    Ich habe tatsächlich vom Vorwort bis zum Nachwort alles gelesen und mir etliche Textstellen angestrichen. Die erschienen mir entweder (be-)merkenswert, weil der Autor genau das auf den Punkt bringt, was meine Kolleginnen und Kollegen und ich nur zu oft erlebt haben, oder weil ich stutzte und dachte: ‚So habe ich das noch nie gesehen!‘

    Und warum ist JRvM nun genial und ich zum Beispiel nicht? 😉

    Spoiler anzeigen

    Ja nun: Er hatte eben von allem mehr: Talent, Mut, Ehrgeiz, Detailverliebtheit, Besessenheit … Und ein bisschen Eitelkeit kann in diesem Metier, glaube ich, auch nicht schaden …

    Der Autor

    Jean-Remy von Matt, geboren 1952, ist Mitbegründer der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt, die zu den bekanntesten in Deutschland und Europa gehört. Mit Kampagnen wie die für Sixt, Edeka oder Mercedes-Benz und Slogans wie »Wer hat’s erfunden?« oder »BILD Dir Deine Meinung« prägte sie über Jahrzehnte die deutsche Werbung. Das führende Branchenblatt W&V nennt seine Agenturgruppe die kreativste aller Zeiten. 2018 wechselte er in den Aufsichtsrat von Jung von Matt und widmet sich seitdem der Konzeptkunst.

  • Heiko Volz, Isabell Löwe - Uwe und die verschwundenen Dinge

    • Vandam
    • 26. November 2025 um 12:38

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    Heiko Volz (Autor), Isabell Löwe (Illustratorin): Uwe und die verschwundenen Dinge (ab 3 J.), Sindelfingen 2025, Molino Verlag, ISBN 978-3 948696 95-5, Hardcover, 40 Seiten mit durchgehend farbigen Abbildungen, Format: 21,3 x 0,9 x 28 cm, Buch: EUR 15,00.

    Uwe, das knuffig-fluffige pinkfarbene Monsterchen mit dem Schwarzwald-Bollenhut, lispelt inzwischen nur noch, wenn er im Stress ist. Leider ist er das ziemlich oft, weil er nämlich andauernd Dinge verschlampt und verlegt und dann hektisch suchen muss. Pünktlich zu sein ist auch nicht sein Ding. Er träumt eben ständig vor sich hin und achtet nicht auf das, was er gerade tut.

    Uwe findet nichts wieder. Abb.: © Molino Verlag, Foto: E. Nebel

    Nie ist ein Gegenstand da, wo er sein soll - und für das kleine Schwarzwaldmonster gilt dasselbe. 😊Das ist auf Dauer ungeheuer anstrengend. Verzweifelt bittet Uwe seinen Lieblings-Superheld, den Katzenmann, um Hilfe. Doch der kann vielleicht die Welt retten, aber wie Uwe lernen könnte, sich besser zu konzentrieren, weiß er leider auch nicht.

    Ein Menschenmädchen ist schließlich Uwes Rettung: seine kluge Freundin Sibylle. Von ihr erfährt er, wie man sich nicht ständig von Geräuschen ablenken lässt – und was eine Micky Maus damit zu tun hat. Die Vorzüge von Listen und Kalendern bringt sie ihm ebenfalls bei.

    Sibylle hat praktische Tipps. Abb.: © Molino Verlag, Foto: E. Nebel

    Uwe nimmt sich vor, seine Aufmerksamkeit künftig auf das zu richten, was er gerade macht und nicht beim Radfahren von Dinosauriern zu träumen oder sich beim Aufräumen eine Riesenrutsche aus Wildbeeren-Smoothie zu wünschen. Von heute auf morgen klappen diese Veränderungen natürlich nicht, und Uwes Kumpels haben viel Spaß damit, ihm zu erzählen, wo sie seinen Kram überall gefunden haben.

    „Die Schlittschuhe hängen im Baum, der Hausschuh schwamm im See und dein Schulbuch war im Kühlschrank!“ (Seite 37)

    Die Freunde müssen aber zugegen, dass Uwe längst nicht mehr so schusselig ist wie zu Anfang der Geschichte. Und er merkt selbst, dass er weniger Hektik und mehr Zeit hat, wenn er Sibylles Ratschläge beherzigt. (Dass der Kampf gegen Chaos, Ablenkung und Tagträumerei ein lebenslanger sein wird, behalten wir erwachsenen Schussel aber für uns!)

    Kinder, die zum Träumen neigen, werden sich in den Problemen des witzigen kleinen Schusselmonsters wiedererkennen. Mit ihm können sie über die bekannten Situationen lachen. Und sie sehen, dass man dem Chaos nicht wehrlos ausgeliefert ist. Auch wenn kein Superheld die Konzentrationsschwierigkeiten wegzaubern kann: Es gibt Hilfe! Und es gibt Freunde, die einem beistehen, wenn’s mal nicht ganz so rund läuft.

    Der Autor

    Heiko Volz wurde 1961 in Calw im Schwarzwald geboren. Er lebt und arbeitet in Stuttgart, ist gelernter Verlagskaufmann, studierte Wirtschaftswerbung und Marketing. Bekannt wurde er als Autor und Stimme der SWR-Kultfiguren Äffle & Pferdle sowie als TV-Journalist und Moderator einer Fernsehsendung bei Regio TV. Er unterrichtete Kinder in Kung Fu, dozierte an der Akademie der Medien Moderation, Konversation und Rhetorik. Seit mehreren Jahren ist er der Darsteller des Piraten Neckarschrecks im Kinderferienprogramm einer Schifffahrtsgesellschaft.

    Die Illustratorin

    Isabell Löwe wurde 1987 in Gernsbach im Schwarzwald geboren. Sie arbeitet als Illustratorin, Künstlerin und Kunstlehrerin. Als Schwarzwaldmädel malt sie am liebsten Bollenhüte, Schwarzwälder Kirschtorte und kleine Schwarzwald-Monster.

  • Susi Menzel - Tiere erzählen aus ihrem Leben

    • Vandam
    • 26. November 2025 um 12:34

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    Susi Menzel: Tiere erzählen aus ihrem Leben. Honigbiene, Reh, Igel, Marienkäfer, Kaninchen, Regenwurm, Vogel, Hund und Katze, 3 – 5 Jahre, Norderstedt 2025, BoD Books on Demand GmbH, ISBN 978-3-7693-9836-6, Softcover, 214 Seiten mit großer, gut lesbarer Schrift und zahlreichen s/w-Abbildungen, Format: 12,7 x 1,17 x 20,32 cm, Buch: EUR 14,90, Kindle: EUR 8,49.

    „Die Geschichten spielen in meinem wilden Garten in Minden, Westfalen. Natürlich ist viel Fantasie in den Geschichten, aber sie sollen auch zeigen, wie die Tiere in der Realität leben […].“ (Seite 9)

    Na, dann wollen wir doch mal sehen, was die Tiere im Garten der Autorin so alles erleben und den jüngsten Tierfreunden zu erzählen haben! Natürlich muss Susi Menzel zu diesem Zweck den Tieren menschliche Worte in den Mund legen, sonst würden wir ja nichts verstehen.

    Honigbiene in Not

    Als erstes ist Honigbiene Lisa an der Reihe. Gerade hat sie noch dem Kater Zwerg erklärt, wie das bei ihresgleichen mit der Nahrungssuche funktioniert, schon gerät sie durch einen dummen Zufall in existenzielle Nöte: Sie verirrt sich in ein gerade wegfahrendes Auto und wird in eine ihr fremde Umgebung „entführt“.

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    Da sie nicht selbst geflogen ist und sich den Weg nicht einprägen konnte, hat sie nun keine Ahnung, wie sie wieder zurück in ihren Bienenstock finden soll. Allein ist sie nicht überlebensfähig. Wenn sie es nicht schafft, von einem fremden Bienenvolk aufgenommen zu werden, ist ihr Schicksal besiegelt.

    Ich hatte mir noch nie zuvor Gedanken darüber gemacht, was mit verirrten Einzelbienen passiert. Jetzt weiß ich es! Offensichtlich können hier nicht nur Kinder etwas Neues erfahren, sondern auch die Erwachsenen, die ihnen die Geschichten vorlesen.

    Hier lernen wir auch, dass Bienen, genau wie wir Menschen, bei extremer Hitze leiden – und was sie Schlaues tun, um ihren Bienenstock zu kühlen. Nun ist klar, was wir im nächsten Sommer den Bienen Gutes tun können.

    Abenteuerlustige Regenwürmer

    Ins Märchenhafte gehen die Geschichten über die Regenwürmer Leonie und Oli.

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    Die erleben allerhand! Zum Beispiel einen Wettlauf mit ein paar Artgenossen – und mit unerwarteten Hindernissen. Als geradezu lebensgefährlich erweist sich ihr erster Ausflug an die Oberfläche nach der Winterpause …

    Bei Regenwurm Leonie wechselt die Bezeichnung zwischen „sie“ und „er“, und im Anschluss an die Geschichte wird erklärt, dass Regenwürmer Zwitterwesen sind. In wieweit das junge Publikum das schon erfassen kann, wird der Vorlesende entscheiden müssen. Notfalls muss er sich eben um die wechselnden Pronomen irgendwie herummogeln.

    Streitsüchtige Vögel und ein tolerantes Reh

    Tumultartige Zustände herrschen an der Futterstelle, die die Menschenfrau im Winter für die Vögel befüllt. Futterneid ist da gar kein Ausdruck! Vielleicht hätte Kohlmeise Caro den Schnabel doch nicht ganz so voll nehmen sollen!

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    Die Nuss ging zwar rein– aber wie kriegt sie sie jetzt wieder raus? Helle Aufregung allenthalben - nur das Dompfaffpaar sitzt breit und bräsig auf den Körnern und kriegt von den Ereignissen wieder mal nichts mit.

    Sally, das junge Reh, hat sich als Kitz mit Igel Charlie angefreundet, auch wenn ihre Lebensgewohnheiten sehr unterschiedlich sind. Sally hat damit kein Problem. Sie pflegt sogar mit der großspurigen Libelle Blöbbelböpp freundlichen Umgang. Aber ob ihr Wunsch nach einem großen Fest mit all ihren tierischen Freunden in Erfüllung geht?

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    Igel Charlie ist da skeptisch. Sally mag ja mit aller Welt gut auskommen, aber die Tiere untereinander können sich oft nicht leiden oder, schlimmer noch: Einer hat den anderen zum Fressen gern!

    Fällt Ostern heuer aus?

    Eine meine Lieblingsgeschichten ist die vom verzweifelten Osterhasen. Er hat seine Brille verloren! Aber wenn er schlecht sieht, kann er seine Aufgabe nicht erfüllen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. 😉 Fällt Ostern jetzt aus oder fällt seinen tierischen Freunden noch rechtzeitig was ein?

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    Wir sehen, was passiert, wenn Marienkäfer zu früh aus dem Winterschlaf erwachen, weil sie die Weihnachtsbeleuchtung irrtümlich für das Licht des Frühlings halten, und wir leiden mit Kater Kringel, der eifersüchtig auf den neuen Liebling seines Frauchens reagiert: auf das Kaninchen Hoppel, das plötzlich in ihrem Garten aufgetaucht ist. Die Geschichte vom traurigen Kater und dem naiven Kaninchen, das gar nicht weiß, wie viel Glück es hat, kam mir bekannt vor. Sie ist auch in Susi Menzels Buch TIERGESCHICHTEN erschienen, das sich hauptsächlich an erwachse Leser richtet. Aber worum es darin geht, können sicher auch schon Kinder verstehen.

    Hansi liest uns die Leviten

    Nach all den spannenden, lustigen und fantastischen Abenteuern gibt’s auch eine Geschichte mit sehr ernster Botschaft.

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    Das Meerschweinchen Hansi meldet sich gewissermaßen aus dem Jenseits und liest uns Menschen ordentlich die Leviten. Danach kann niemand mehr sagen, er habe nicht gewusst, welche Bedürfnisse diese Tiere haben und wie man sie behandeln muss.

    Diese Geschichte ist sehr aufwühlend und traurig, und die Vorleser werden entscheiden müssen, ob ihr junges Publikum der Thematik schon gewachsen ist. Wichtig sind diese Informationen durchaus. Und die Autorin will ja mit ihrem Buch ausdrücklich nicht nur unterhalten, sondern auch informieren. Tatsächlich finden hier Leserinnen und Leser jeden Alters nicht nur amüsante Abenteuer, sondern lernen auch so manches dazu. Was will man mehr?

    Die Autorin

    Susi Menzel lebt in Minden, Westfalen. In ihrem wilden Garten ist immer was los. Alle möglichen Tiere leben dort und deshalb gibt es immer neue Tiergeschichten. http://www.smenzel.de

  • Irene Weinberger - Ratten

    • Vandam
    • 26. November 2025 um 12:29

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    Irene Weinberger: Ratten. Clevere Wildtiere in unserer Nähe, Bern 2025, Haupt Verlag AG, ISBN 978-3-258-08315-5, Hardcover, 231 Seiten mit 155 Farbfotos, rund 20 Grafiken und Illustrationen, Format: 22,5 x 15,5 x 2,4 cm, Buch: EUR 38,00.

    „Hausratte und Wanderratte stammen aus dem asiatischen Raum. Zuerst brach die Hausratte auf und folgte dem Menschen auf seiner Handelsroute nach Westen, später wanderte ihr die Wanderratte nach. Heute gibt es Haus- und Wanderratten auf der ganzen Welt […].“ (Seite 46)

    Ich habe keine besondere Beziehung zu Ratten, ich interessiere mich generell für Tiere und habe das Buch aus purer Neugier gelesen. Um einfach mal zu gucken, was bei „Rattens“ so los ist, geht das Werk vielleicht zu sehr ins Detail. Wie gründlich die Autorin - eine Biologin - vorgeht, sieht man schon allein daran, dass es über 20 Seiten mit Referenzen/Quellenangaben gibt. Dieses Sachbuch richtet sich eher an Rattenfans.

    Etwa 40% aller Säugetiere sind Nagetiere. Davon gibt es rund 2.600 Arten. Unsere einheimischen Ratten – die Hausratte (Rattus rattus) und Wanderratte (Rattus norvegicus) – sind nur zwei von vielen.

    Ratten, so habe ich hier gelernt, gehören zu den Langschwanzmäusen. Und ich dachte immer, Ratten und Mäuse seien komplett zweierlei!

    Die ersten Angehörigen der Mäuseartigen tauchten vor 20 Millionen Jahren auf – in Südasien. Von dort aus erreichten sie bald Südostasien, Australien, Neuguinea, die Philippinen und fanden dort überall ihre ökologischen Nischen.

    Die Hausratte

    Wenig überraschend hat sich die Hausratte dem Menschen „angeschlossen“, als dieser begann, sesshaft zu werden und Vorratshaltung zu betreiben. Wo der Mensch hinzog, kam die Ratte mit, gern auch als Schiffsratte auf dem Wasserweg. Um das Jahr 0 war sie im gesamten Mittelmeerraum vertreten und zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert folgte sie den Römern auf Schritt und Tritt. 1492 segelte sie mit Kolumbus über den Atlantik und ging in der Karibik von Bord. Mitte des 19. Jahrhunderts kam sie in Neuseeland und Australien an, da war die Wanderratte schon längst da.

    Die Wanderratte

    Über die Wanderrouten der Wanderrattenweiß man nicht viel. Vermutlich ist sie vor 173.000 Jahren aus Südostasien nach Nordchina und in die Mongolei gewandert und hat sich von da aus auf dem Land- und Seeweg weltweit verbreitet. Mitte des 18. Jahrhunderts wird sie in Dänemark, England und Deutschland erstmals erwähnt, Ende des 18. Jahrhunderts ist sie die vorherrschende Rattenart in Europa.

    Wanderratte verdrängt Hausratte

    Die Wanderratte ist größer und kräftiger als die Hausratte, sie verträgt niedrigere Temperaturen und ist, im Gegensatz zur Hausratte, die nicht gut schwimmen kann, sehr wasseraffin („Kanalratte“.) Während die Hausratte in Bäumen oder in den oberen Stockwerken von Gebäuden herumturnt, lebt die Wanderratte auf dem Boden oder unterirdisch und kann dem städtischen Leben mehr abgewinnen als die Hausratte.

    Beide Arten sind nachtaktive Allesfresser. Sie unterscheiden sich optisch voneinander und ich habe mir einen Spaß daraus gemacht, zu erraten, welche Art jeweils auf einem Foto abgebildet ist. Auf Bildern geht das, aber in freier Wildbahn, wenn so ein Tier schnell an einem vorbeihuscht, hat man als Laie keine Chance.

    Oben: Wanderratte, unten: Hausratte. Abb.: © Haupt Verlag, Foto: E. Nebel

    Aufschlussreiches über das Leben der Ratten

    Wir erfahren viel Interessantes über die Sinne der Ratte (Supernase mit schwachen Augen) und über ihr Sozialverhalten: Ratten helfen ihren Artgenossen! Es sind sehr reinliche Tiere, die bis zu 50% ihrer wachen Zeit mit Fellpflege verbringen. Wir entdecken, warum die Rattenpopulation nicht ins Unermessliche steigt, selbst wenn die Lebensbedingungen ideal sind, und warum Ratten-Dezimierungsaktionen keine nachhaltige Wirkung haben.

    Etwas unappetitlich und gruselig wird’s in den Kapiteln über Krankheiten und Tod, über die „Nutzung“ der Tiere als Laborratten und wenn es um die brutalen Methoden der Schädlingsbekämpfung geht. Da bekommt man Mitleid mit den Tieren, auch wenn man kein ausgewiesener Rattenfreund ist.

    Manches ist ein bisschen unappetitlich

    Dieses Mitleid vergeht einem wieder ein bisschen, wenn man liest, welche Schäden Ratten anrichten: Sie fressen und verschmutzen Getreide und Tierfutter, sie übertragen Krankheiten, schädigen die Biodiversität, indem sie Pflanzensamen und Kleintiere fressen, sie nagen an Kabeln und Isoliermaterial herum und verursachen dadurch Brände und Stromausfälle. Das hier fand ich besonders ekelig:

    „Die US Food and Drug Administration deklariert offen, dass es ökonomisch unmöglich ist, Lebensmittel ohne ungewollte tierische Partikel zu produzieren. 30 Rattenhaare pro 100 Gramm Erdnussbutter und bis zu 9 Kotbällchen von Nagetieren pro Kilo Weizen sind für sie daher passabel.“ (Seite 143)

    Bäh! Und vegan ist das dann auch nicht mehr! Oder?

    Machen Ratten nix als Dreck und Ärger?

    Machen Ratten denn nichts als Dreck und Ärger? Tun sie aus Sicht des Menschen nicht auch mal was Positives? – Ja, doch! Doch das merkt man oft erst, nachdem man sie in bestimmten Regionen radikal dezimiert hat. Ratten tragen unter Umständen zur Verbreitung von Pflanzensamen bei. Die Pflanze Banksia ericifolia ist sogar auf die Bestäubung durch die australische Buschratte angewiesen. Mancherorts fressen Ratten auch Schädlinge, die dann in ihrer Abwesenheit überhandnehmen. Es hat eben unvorhersehbare Folgen, wenn der Mensch in ein Ökosystem eingreift, sei es durch Verbreitung der Ratten oder durch den Versuch, das wieder rückgängig zu machen.

    Ich kann hier gar nicht alles anreißen, was es in diesem Buch Spannendes über Ratten zu entdecken gibt! Auf welch verschlungenen Wegen sie es von der Gosse bis zum Haustier geschafft haben, ist zum Beispiel auch hochinteressant. Ebenfalls faszinierend: wie andere Kulturen die Ratte sehen. Sie ist nicht immer und überall das Ekeltier, sondern gilt mancherorts auch als Begleiterin von Göttern und Heiligen. Wobei ich mir aber ziemlich sicher bin, dass die Menschen dort ähnlich reagieren wie wir, sobald die Tiere ihnen an die Vorräte gehen! 😉

    Wieder was gelernt!

    Auch wenn mein neu erworbenes Rattenwissen für mich wahrscheinlich keinerlei praktischen Nutzen haben wird: Ich habe durch dieses Buch mit Vergnügen eine Menge gelernt. Sogar ein neues Wort: foutieren = sich um etwas nicht kümmern, sich über etwas hinwegsetzen. Das muss was spezifisch Schweizerisches sein, ich hab’s jedenfalls noch in keinem deutschen Text gehört oder gelesen.

    Die Autorin

    Irene Weinberger promovierte an der Universität Zürich über den Fischotter. Sie ist freischaffende Biologin im Natur- und Artenschutz mit Fokus auf kleine bis mittelgroße Säugetiere. Seit 2016 leitet sie zudem die Geschäftsstelle der Stiftung Pro Lutra.

  • Michel Bergmann - Du sollst nicht lügen

    • Vandam
    • 26. November 2025 um 12:25

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    Michel Bergmann: Der Rabbi und der Kommissar. Du sollst nicht lügen (Band 4), München 2025, Wilhelm Heyne Verlag, ISBN 978-3-453-42973-4, Klappenbroschur, 223 Seiten, Format: 11,9 x 2,1 x 18,7 cm, Buch: EUR 13,00, Kindle: EUR 9,99.

    Draußen auf der Straße bleiben sie stehen. „Glaubst du ihm?“, fragt Henry.
    „Er hat keinen Grund zu lügen“, sagt Berking. „Die Beschreibung passt zu unserer Theorie. Jemand hat Patrice angegriffen, das Feuer gelegt und ist dann geflohen.“
    „Aber wer?“ (Seite 87)

    Und wieder mal habe ich den letzten Band einer Reihe erwischt! Nur, dass diese Krimireihe hier gar nicht hätte enden sollen. Der Autor ist verstorben. Meinetwegen hätte er gerne zu jedem der 10 Gebote einen Krimi schreiben können. Jetzt ist bei Band 4 Schluss.

    Ein Rabbi mit gefährlichem Hobby

    Frankfurt am Main: Rabbi Henry Silberbaum, charmant, klug und sportlich, muss jedem Rätsel geradezu zwanghaft auf den Grund gehen. Weil zu seinem Freundeskreis auch Kriminalkommissar Robert Berking gehört, bleibt es nicht aus, dass er sich wie Father Brown oder Harry Kemelmans Rabbi Small in Kriminalfälle einmischt. Sehr zum Verdruss seines Chefs, des Gemeindedirektors Dr. Avraham Friedländer. Dem passt es natürlich nicht, dass Henry bezahlte Arbeitszeit mit Detektivspielen verplempert statt sich ordentlich um seine Gemeinde zu kümmern.

    Auch Henrys Verlobte, die New Yorkerin Zoe Schwarz, kann sich mit seinem gefährlichen Hobby nicht anfreunden. Jetzt ist sie extra hergekommen um ihn zu besuchen, doch er hat überhaupt keine Zeit für sie, weil er sich partout um einen Fall von Brandstiftung kümmern „muss“: Zwei seiner Gemeindemitglieder, dem Ehepaar Doran, ist das Restaurant abgebrannt. Ihr Hilfskoch Patrice Sankara, ein Geflüchteter aus Burkina Faso, ist in den Flammen ums Leben gekommen. Ob es ein Unfall oder ein Tötungsdelikt war, ist noch offen.

    Brandanschlag! Henry Silberbaum ermittelt

    Henry kann nicht glauben, was man erzählt: Patrice soll das Restaurant der Dorans angezündet haben und man habe bei ihm viel Bargeld sowie islamistisches Propagandamaterial gefunden. Hallo? Der Koch war katholisch und ein erklärter Gegner des IS. In den Dorans hatte er sowas wie eine Ersatzfamilie gefunden. Nie hätte er ihnen geschadet. Das passt alles nicht zusammen! Das sieht auch die Polizistin Capitaine Bintou Sankara so, Patrices Schwester. Sie kommt nach Frankfurt um den Tod ihres Bruders aufzuklären. Nun ermitteln sie also zu dritt: Kommissar Berking offiziell, Henry und Bintou auf eigene Faust.

    Spoiler anzeigen

    Hat der Brandanschlag vielleicht etwas mit einer dubiosen Immobilienfirma zu tun, die hier in Frankfurt Grundstücke aufkauft? Die Sankaras hatten mit der Firma schon in ihrer Heimat zu tun. Und damals war Patrice noch kein Hilfskoch …

    Die Spur führt nach Burkina Faso

    Irgendwen müssen der Rabbi und seine Freunde durch ihre Ermittlungen aufgescheucht haben, denn auf einmal werden sie auf Schritt und Tritt beobachtet.

    Spoiler anzeigen

    Ist es unter diesen Umständen eine gute Idee, dass Henry der Schwester des Toten nach Burkina Faso folgt um dort weitere Nachforschungen anzustellen? Eher nicht! Dass die Gegenseite bei der Durchsetzung ihrer Interessen über Leichen geht, hat er doch gesehen! Und schon steckt er mittendrin im größten Schlamassel!

    Man braucht keine profunden Kenntnisse des Judentums, um der Handlung folgen zu können, behaupte ich jetzt mal. Der Autor geht theologisch nicht so in die Tiefe wie z.B. Alfred Bodenheimer in seinen Rabbi-Klein-Krimis. Es gibt ein Glossar, das Spezialbegriffe erklärt. Dort findet man auch die Übersetzungen der hebräischen, jiddischen, englischen, französischen und norwegischen Vokabeln und Formulierungen. Hier wuselt eben internationales und mehrsprachiges Romanpersonal herum, da kommt sowas schon mal vor. Es hält sich aber in Grenzen.

    Ein dicker Brocken für einen Amateurdetektiv

    „Indem wir die Wahrheit sagen, eifern wir unserem Schöpfer nach, von dem gesagt wird: ‚Das Siegel Gottes ist Wahrheit‘. Aus dem Talmud geht hervor, dass es nicht nur sehr wünschenswert ist, immer die Wahrheit zusagen, sondern auch […] eine Quelle des Segens.“ (Seite 46)

    Dieser Fall ist ganz schön heftig für einen Amateurdetektiv. Doch der Rabbi fühlt sich der Wahrheit verpflichtet und legt sich deshalb mit Gegnern an, die ihm an Macht und Skrupellosigkeit haushoch überlegen sind. Ist das jetzt Mut, Naivität oder Gottvertrauen? Gute Frage! Im Grunde hat er überhaupt keine Chance …

    Die Krimihandlung ist abgeschlossen. Schade nur, dass wir nichts mehr über den neuen Fall lesen werden, der sich auf den letzten Seiten andeutet. Und ich hätte auch gerne gewusst, ob das mit Henrys und Zoes Fernbeziehung was wird. Sonderlich gut scheint das ja nicht zu laufen. Fruchten am Ende doch noch die (für uns sehr vergnüglichen) Verkupplungsversuche seiner Mutter? Das werden wir wohl nicht mehr erfahren. Es sei denn, ein anderer Autor würde diese Reihe fortsetzen.

    Der Autor

    Michel Bergmann, geboren 1945 in Basel, Kinderjahre in Paris, Jugendjahre in Frankfurt am Main. Nach Studium und Job bei der »Frankfurter Rundschau« landete er beim Film: zuerst als Producer, dann als Regisseur, zuletzt als Drehbuchautor u. a. für »Otto – Der Katastrofenfilm«, »Es war einmal in Deutschland«. Ab 2010 schrieb er vor allem Romane: u. a. »Die Teilacher«, »Herr Klee und Herr Feld«, »Weinhebers Koffer«, »Mameleben: oder das gestohlene Glück«. Mit der Reihe um den ermittelnden Rabbi Henry Silberbaum trat er auch als Krimiautor in Erscheinung. 2025 ist Michel Bergmann verstorben.

  • Lisa Graf - Lindt & Sprüngli. Zwei Rivalen, ein Traum

    • Vandam
    • 26. November 2025 um 12:22

    Ich war auch erstaunt, wer da mit wem verwandt war, kooperierte, konkurrierte oder wessen Firma schlussendlich in welcher anderen aufging.

  • Nina George - Die Passantin

    • Vandam
    • 25. November 2025 um 13:14

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    Nina George: Die Passantin, Roman, Zürich – Berlin 2025, Kein & Aber AG, ISBN 978-3-0369-5073-0, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 317 Seiten, Format: 19 x 12,5 x 3 cm, Buch: EUR 26,00, Kindle: EUR 18,99.

    „Mein Mann sah mich an, als er an mir vorbeiging und ich ihn, flüchtig, vage, eine Passantin im wechselnden Strom der Demonstranten. Er hatte mich nicht erkannt, oder vielleicht doch, und sich gesagt, dass es nicht sein konnte, denn schließlich war ich seit viereinhalb Jahren tot.“ (Seite 7)

    Jeanne erfährt von ihrem angeblichen Tod

    Barcelona 2015: Die berühmte französische Film- und Theaterschauspielerin Jeanne Patou (49) sitzt am Tresen einer Bar und erfährt zu ihrem maßlosen Erstaunen aus den Fernsehnachrichten von ihrem eigenen Tod. Das Flugzeug, in dem sie hätte sitzen sollen, in das sie aber nicht eingestiegen ist, ist in den südfranzösischen Alpen abgestürzt. Es gibt keine Überlebenden.

    Jeanne müsste jetzt nur ihre Familie anrufen, sagen, dass sie den Flieger „verpasst“ hat – und alles wäre wieder wie zuvor. Aber sie ist ja aus einem bestimmten Grund nicht an Bord gegangen: Sie hat ihr bisheriges Leben nicht mehr ertragen.

    Spoiler anzeigen

    „Ich kann nicht.
    Ich will nicht.
    Ich will das nicht.
    Alles will ich nicht.“ (Seite 14)

    Aufklären oder untertauchen?

    Da kommt ihr eine verrückte Idee: Wie wäre es, wenn sie für alle anderen „tot“ bliebe und in Barcelona ein ganz neues Leben anfinge? Eines nach ihren Vorstellungen und nicht nach den Erwartungen anderer?

    Wo andere Menschen einen inneren Monolog führen, führt die Schauspielerin hier einen inneren Dialog. Die Erzählstimme ist die ihres eigentlichen Ichs, die des pragmatischen Mädchens aus einfachen Verhältnissen, das sie war, bevor sie nach Paris auf die Schauspielschule gegangen und zu Jeanne Patou geworden ist. Ihr ursprünglicher Name wird erst ganz zum Schluss enthüllt. Irgendwie muss ich sie aber nennen, also verwende ich im Folgenden ihre Initialen: A. M.

    A. M. also denkt, handelt und erzählt, Jeanne fragt, reagiert und widerspricht. So irren „die beiden“ mit ihrem Rollkoffer durch Barcelona und überlegen, was sie nun tun sollen. Als die hilfsbereite Verkäuferin Tania sie anspricht und ein Quartier in dem „Haus der Frauen“ vermittelt, in dem sie auch selbst wohnt, habe ich im ersten Moment gestutzt: Warum bietet sie nur A. M. eine Unterkunft an? Was ist mit Jeanne? – Ach so, ja: Das ist ja ein und dieselbe Person!

    Neue Identität, neue Probleme

    Hausverwalterin Lisann und die übrigen Bewohnerinnen stellen keine indiskreten Fragen. Jede von ihnen hat schon ein altes Leben zurückgelassen und sich neu erfunden, und jede hatte gute Gründe dafür. Zwei von ihnen, die Polizistin Nina und Computer-Nerd Dona Marca haben Erfahrung darin, Identitäten zu fälschen und so ist A. M. / Jeanne Patou bald als die unscheinbare Consuela „Sella“ Rubio Garcia unterwegs und, wenn die Situation es erfordert, auch mal als androgyner „Carlos“. Sie ist ja Schauspielerin, sie kommt damit durch.

    Doch „tot“ zu sein ist gar nicht so einfach! Zwar ist der Druck weg, beruflich und privat nie sie selbst sein zu können, aber so ganz ohne Handy, ohne Bankverbindung und Krankenversicherung ist das Leben ziemlich mühsam. Und weil es fast 40 Jahre her ist, dass A. M. zuletzt getan hat, was sie selbst tun wollte, hat sie keine rechte Vorstellung davon, wie ihr neues Leben aussehen soll.

    Nina vermittelt „Sella“ einen Job, sie engagiert sich in einer Wohltätigkeitsorganisation, lernt Selbstverteidigung und inspiriert andere.

    Spoiler anzeigen

    Doch irgendwie fühlt sich das alles eher nach Ersatzlösung, Schattendasein und einem Zeugenschutzprogramm an als nach einem erfüllenden neuen Leben. Ihren alten Beruf vermisst „Sella“ nicht, ebenso wenig wie ihren Gatten Bernard. Der ist zwar attraktiv, erfolgreich und vermögend, führt sich aber hinter verschlossener Tür wie ein rücksichtsloses, narzisstisches A***l*ch auf. Wahrscheinlich ist er eines! Nur ihre Töchter fehlen ihr.

    Showdown auf der Rambla

    Barcelona 2019: So gehen viereinhalb Jahre ins Land. Während die anderen vom Schicksal gebeutelten Bewohnerinnen des Hauses der Frauen so langsam wieder ins Leben zurückfinden, wird Sella immer stiller und blasser. Freundin Nina macht sich Sorgen. Und dann läuft Sella ganz unerwartet auf der La Rambla ihrem Mann und dessen aktueller Lebensgefährtin über den Weg.

    Wie werden die drei nun reagieren? Bernard wird vermutlich vor Wut platzen, wenn er merkt, dass Jeanne ihn ausgetrickst hat. Aber wird er sie in dem Menschengewimmel überhaupt wahrnehmen? Claire, die Lebensgefährtin, hat die angeblich Tote längst erkannt, wird aber den Teufel tun, ihren Partner auf sie aufmerksam zu machen. Das gibt nur Ärger! Und die Schauspielerin selbst? Weiß sie inzwischen, wer sie künftig sein will? A. M., Jeanne oder Sella? Wird sie sich Bernard zu erkennen geben? - Die Begegnung hat was von einem Showdown …

    Der lange Weg zu sich selbst

    „Wie kommt es nur, dass Frauen solche langen Wege gehen müssen, bevor sie bei sich ankommen?“ fragt sich die Heldin (Seite 317). Wahrscheinlich, weil man uns dazu erzogen hat, still, folgsam und anspruchslos zu sein und brav das zu tun, was andere von uns erwarten. Und weil es schwer ist, dies zu durchschauen und gewohnte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Wenn man Pech hat, hat man verlernt, zu spüren, was man selbst möchte.

    Diesen Roman liest man nicht mal eben so locker weg. Es gibt verschiedene Perspektiven und Zeitebenen, und die Personen handeln nicht nur, sie denken intensiv nach. Das tut man als Leserin unwillkürlich auch.

    Spoiler anzeigen

    Wenn Sella, Nina und die anderen über ihre Träume, Ziele und Pläne sinnieren, über ihre Vergangenheit und darüber, ob ein selbstbestimmtes Leben möglich ist, trotz verkorkster Erziehung und wiederholter Gewalterfahrung, kann man nicht anders, als die eigene Lebensgeschichte mit den ihren abzugleichen: „Kann ich das nachvollziehen und bestätigen? Lebe ich denn so, wie ich es möchte, oder erfülle ich auch nur die Vorstellungen anderer, weil ich selbst gar keine mehr habe? Und sollte das der Fall sein – wie komme ich aus dieser Falle wieder raus?“

    Ich fand den Roman mitreißend, außergewöhnlich – und wichtig. Es gibt einfach Themen, die kann man nicht oft, laut und deutlich genug ansprechen.

    Die Autorin

    Nina George (*1973) ist Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Moderatorin. Ihr Roman „Das Lavendelzimmer“ wurde in 36 Sprachen übersetzt und war u. a. ein New-York-Times-Bestseller und Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen der USA. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Jens J. Kramer, schreibt Nina George außerdem Kinderbücher. Für ihr literarisches Werk sowie ihr kulturpolitisches Engagement, u. a. als politische Beauftragte des European Writers’ Council, als Gründerin des Netzwerks Autorenrechte und als Initiatorin der Initiative #frauenzählen, wurde Nina George als BücherFrau des Jahres ausgezeichnet und erhielt das Bundesverdienstkreuz. Nina George lebt in Berlin und in der Bretagne.

  • Ursi Breidenbach, Heike Abidi - Gönn dir einen Mutausbruch!

    • Vandam
    • 25. November 2025 um 13:11

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    Ursi Breidenbach, Heike Abidi: Gönn dir einen Mutausbruch! Wie du die Heldin in dir entdeckst, München 2025, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, ISBN 978-3-328-11058-3, Klappenbroschur, 319 Seiten, Format: 12,6 x 2,8 x 18,8 cm, Buch: EUR 13,00, Kindle: EUR 11,99.

    „[…] Tatsache ist: Wer keine Angst hat, muss diese auch nicht überwinden. Was bedeutet, dass ängstliche Menschen viel häufiger mutig sein müssen, als diejenigen, die schon von Natur aus unerschrocken sind. […] Also sind wir Angsthäsinnen die wahren Superheldinnen.“ (Seite 85)

    Ich gehöre schon mein ganzes Leben lang zum Club der Angsthäsinnen. Gut, in Bereichen, in denen ich mich sehr gut auskenne, graust mir inzwischen vor nichts mehr. Das ist wahrscheinlich eine Frage der Lebenserfahrung. Aber ich habe mich vor etlichen Jahren dazu entschlossen, lieber meine vertraute Phobie zu behalten als mich dem Stress einer Therapie auszusetzen. Eine mutige Person würde sowas niemals tun!

    Wo ist der Mut, wenn man ihn braucht?

    Es wäre mir also ganz recht, wenn ich wüsste, wie man einen Mutausbruch bekommt, wenn es nötig ist. Aber bitte nichts so Tollkühnes wie aufs Dach zu klettern um die Katze zu retten oder ins Haus zu stürmen um Einbrecher zu verscheuchen! Auch Mut sollte wohl dosiert sein!

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    Was ist überhaupt Mut? Darüber hat sich schon Platon (428-348 v. Chr.) Gedanken gemacht: „Mut bedeutet zu wissen, was wir nicht fürchten sollen.“ (Seite 118) Wenn das, was wir fürchten sollten, nur immer so klar von dem zu unterscheiden wäre, was uns aus unerklärlichen Gründen Angst macht!

    Kein Ersatz für eine Therapie!

    Damit eines klar ist – und das sagen die Autorinnen auch ganz deutlich -: Dieses Buch kann und will keine Psychotherapie ersetzen.

    Spoiler anzeigen

    Wer eine Phobie oder Angststörung hat, die ihn im täglichen Leben massiv einschränkt, sollte sich professionelle Hilfe holen. Da kann ein unterhaltsames Sachbuch wie dieses hier nicht die Lösung sein. Das Buch richtet sich an uns Feld-, Wald- und Wiesen-Angsthäsinnen, die ihre kleinen Schwachpunkte haben. Leute wie wir können in dieser Sammlung aus Sachinformationen, Fallbeispielen und Erfahrungsberichten den ein oder anderen Tipp finden. Und wir sehen, dass wir mit unseren Problemen nicht allein sind. Die anderen haben ebenfalls ihre Themen und kochen nur mit Wasser!

    Tipps und Tricks für Angsthäsinnen

    Leider sind Ängste ziemlich hartnäckig. Man fühlt sich ihnen wehrlos ausgeliefert und wird sie nicht so leicht los. Sich sagen zu können: „Ich fürchte mich, und das ist okay“, ist schon mal ein erster Schritt. Im Buch findet man eine Reihe von Tipps und Tricks, mit denen man sich so weit ablenken kann, dass man wenigstens in der Lage ist, wieder klar zu denken.

    Je gründlicher man auf die Angstsituation vorbereitet ist, desto besser ist das. Das wird uns hier anhand verschiedener Beispiele anschaulich gemacht. Vorbereitung funktioniert, ob es sich um Künstlerinnen handelt, die ihren Part perfekt beherrschen oder um Menschen wie Petra, die panische Angst davor haben im Aufzug stecken zu bleiben. Petra ist inzwischen so umfassend zum Thema „Aufzüge“ informiert, dass sie in einem Ernstfall erstaunlich cool bleibt und sogar aufgeregte Leidensgenossen beruhigen kann.

    Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Unwissenheit ein Segen ist. Wer keine Ahnung hat, dass er sich in einer potentiell gefährlichen Lage befindet, wird sich auch nicht fürchten. Das kann aber ins Auge gehen! Mit den Mut-Strategien der allein reisenden Wandersfrau Hella (Seite 103) kommt man, denke ich, in den meisten Fällen ganz gut durch.

    Das Leben ist voller Mutproben

    Oft erfordert es Mut, „nein“ zu sagen, statt bei etwas mitzumachen, das einem widerstrebt. Auch zum Verlassen der eigenen Komfortzone braucht man Mut. Mitunter verharrt man da ja, obwohl sie längst nicht mehr komfortabel ist, weil einen Selbstzweifel und die Angst vor dem Unbekannten lähmen. Wie man dieser Denkfalle entkommen kann, erfahren wir im Buch.

    Gegen objektbezogene Phobien wie z.B. die Angst vor Hunden, Katzen oder Spinnen, kann eine Konfrontationstherapie helfen, unterstützt vielleicht durch Entspannungstechniken. Ich halte allerdings nicht viel davon, wenn Laien da selbst herumdoktern. In Fällen von eher leichtem Unbehagen mag es funktionieren, wenn einem statt eines Therapeuten ein Freund oder Angehöriger zur Seite steht, dem man vertraut.

    Es ist erstaunlich zu sehen, wo man überall mutig sein muss: beim Altern, beim Loslassen von unerfüllten Wünschen und Träumen, beim Neinsagen, beim Vertreten einer eigenen Meinung – und natürlich im Fall der Zivilcourage. Für andere einzustehen, wenn sich der Rest wegduckt, kostet Überwindung. Und manchmal verleiht einem so eine Notsituation geradezu Löwinnenmut: Man handelt, ohne über Gefahren und Konsequenzen nachzudenken - und wundert sich anschließend über sich selbst.

    Mut kann man tatsächlich lernen!

    Wir lernen hier: Mut ist relativ. Was für manchen eine Kleinigkeit ist, kostet andere enorme Überwindung. Doch wenn man sich einmal ein Herz gefasst und die kritische Situation erfolgreich gemeistert hat, stärkt das das Selbstbewusstsein und motiviert uns vielleicht, in vergleichbaren Situationen künftig ähnlich mutig zu handeln.

    Mut kann man also tatsächlich lernen! Und ansteckend scheint er auch noch zu sein! Das Buch liefert eine Reihe von Beispielen, in denen Menschen andere mit ihrer Entschlossenheit mitgerissen und eine positive Grundstimmung ausgelöst haben. Und das ist doch eine wunderbare Sache!

    Man muss ja nicht gleich zur Volksheldin werden. Wenn man lernt, Ängste zu überwinden und unangenehme Alltagsituationen souverän(er) zu meistern, ist das sehr befreiend und ein tolles Gefühl. Das ist meines Erachtens Grund genug, diesen unterhaltsamen Ratgeber zu lesen.

    Die Autorinnen

    Ursi Breidenbach studierte Kunstgeschichte und Kulturmanagement in Wien. Nach Stationen im Ausstellungs- und Museumswesen in Österreich und Bayern sowie einer kunstjournalistischen Tätigkeit arbeitet sie seit 2009 als freie Autorin. 2023 wurde sie mit dem DELIA-Literaturpreis ausgezeichnet. Sie lebt in der Steiermark/Österreich. Neben ihren gefühlvollen Romanen schreibt Ursi Breidenbach erfolgreich Sachbücher.

    Heike Abidi ist studierte Sprachwissenschaftlerin. Sie lebt mit Mann, Sohn und Hund in der Pfalz bei Kaiserslautern, wo sie als freiberufliche Werbetexterin und Autorin arbeitet. Heike Abidi schreibt vor allem Unterhaltungsromane und erzählende Sachbücher für Erwachsene sowie Geschichten für Jugendliche und Kinder. »Eine wahre Freundin ist wie ein BH«, das sie zusammen mit Ursi Breidenbach veröffentlichte, hielt sich monatelang auf den Bestsellerlisten.

  • Lisa Graf - Lindt & Sprüngli. Zwei Rivalen, ein Traum

    • Vandam
    • 25. November 2025 um 10:39

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    Lisa Graf: Lindt & Sprüngli. Zwei Rivalen, ein Traum. Roman (Band 2 der Lindt & Sprüngli-Saga), München 2025, Penguin Verlag, ISBN 978-3-328-60417-4, Klappenbroschur, 476 Seiten, Format: 13,7 x 4,2 x 20,6 cm, Buch: EUR 17,00, Kindle: EUR 14,99, auch als Hörbuch lieferbar.

    Sprüngli aus Zürich ist schon gut im Geschäft

    Zürich im 19. Jahrhundert: Wie die Züricher Konditorenfamilie Sprüngli ins Schokoladengeschäft eingestiegen ist, haben wir im ersten Band der Reihe erfahren (Lisa Graf: LINDT & SPRÜNGLI. ZWEI FAMILIEN, EINE LEIDENSCHAFT). Bei den -Sprünglis ist inzwischen schon die zweite Generation im Geschäft. Johann Rudolf (geb. 1847) und sein Bruder David Robert (geb. 1851) – auch wenn immer noch der Vater, Firmengründer Rudolf Sprüngli, (geb. 1816) das Sagen hat.

    Der Laden brummt, die Firma verlagert und vergrößert ihre Produktionsstätte, die Sprüngli-Söhne gründen Familien. Wobei sich der jüngere Bruder, David Robert, in allem etwas schwertut. Der schüchterne junge Mann wäre am liebsten Konditor geworden, aber das Familienunternehmen presst ihn ausgerechnet in die Rolle des Reisenden. Obwohl ihm das gar nicht liegt, muss er im Außendienst potentielle Kunden von den Vorzügen der Sprüngli-Schokolade überzeugen. Doch auch, wenn ihn der Job gegen den Strich bürstet: Es ist daran nicht alles schlecht …

    Rudolf Lindt: als Lehrling nach Lausanne

    Bern in den 1870er-Jahren: Die künftigen Mitbewerber aus Bern sind zu der Zeit noch nicht im Spiel. Der Apothekersohn Rudolf Lindt (geb. 1855) ist Anfang der 1870er Jahre noch ein planloser und wenig ambitionierter Schüler.

    Spoiler anzeigen

    Meist träumt er vor sich hin statt zu lernen, hilft ohne große Begeisterung in der elterlichen Apotheke mit oder treibt sich mit seiner jüngeren Schwester Fanny und Binia Haab, einer Freundin aus Kindertagen, in der Gegend herum. Eines weiß er gewiss: Apotheker, wie sein Vater, will er auf gar keinen Fall werden! Eine Alternative hat er aber nicht. Er lässt einfach alles auf sich zukommen.

    Nach einem tragischen Todesfall steht Rudolf Lindt dermaßen neben sich, dass ihm sein Großonkel Charles-Amédée Kohler noch auf der Beerdigung anbietet, ihn mit nach Lausanne zu nehmen. Wenn ihm hier in Bern alles zu viel ist und er ohnehin nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll, könnte er ja in der Schokoladenfabrik der Kohlers eine Ausbildung machen. Rudolf ist alles egal. Dann geht er eben mit nach Lausanne.

    Seine Großcousins Charles und Adolphe Kohler, die die Fabrik leiten, lassen den verwöhnten „Kleinen“ zunächst als unbezahlten Arbeiter schuften wie ein Tier. Doch wie sehr sie – vor allem Charles – ihn auch schinden und schikanieren, der Bursche aus Bern gibt nicht klein bei. Er will’s ihnen allen zeigen! Und er will jetzt unbedingt lernen, wie man Schokolade macht.

    Aus Rudolf wird Rodolphe

    Dass Rudolf sich in der französischsprachigen Schweiz nun „Rodolphe“ nennt, hilft dem Leser enorm bei der Orientierung. Sowohl auf der Lindt- als auch auf der Sprüngli-Seite gibt’s nämlich mehrere Rudolfs, die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen. Mehr als einmal habe ich im Personenverzeichnis (Seite 471/472) nachgesehen, von wem, beziehungsweise von wessen Eltern, Ehefrau oder Kindern jetzt gerade die Rede ist.

    So etwas passiert eben, wenn man einen Roman schreibt, der auf realen Personen und Ereignissen beruht: Die Leute heißen wie sie heißen, und die Autorin kann nicht viel dagegen tun.

    1879: Holpriger Neustart in Bern

    Auch wenn der cholerische Großcousin Charles vor keiner Gemeinheit zurückschreckt: Rodolphe bleibt mehrere Jahre bei der Firma Kohler, zuletzt als Mitarbeiter im Außendienst. 1879 kehrt er nach Bern zurück. Zu seiner Herkunftsfamilie zieht es ihn eigentlich nicht. Die sieht auf ihn herab, weil er die Schule abgebrochen hat und unter die Fabrikanten gegangen ist. Kein Akademiker – keine Anerkennung!

    Spoiler anzeigen

    Auch seine langjährige Freundschaft mit der Krämerstochter Binia Haab ist seiner Familie ein Dorn im Auge. Sie ist deutlich unter seinem Stand. Dabei sind die beiden nicht einmal ein Paar, sondern nur Freunde. Vielleicht greift hier der Westermarck-Effekt, weil Rodolphe und Binia sich seit früher Kindheit kennen. Man weiß es nicht.

    Mit Binia ist er jedenfalls während seiner Lausanne-Jahre in Kontakt geblieben. Und jetzt hilft sie ihm, ein Gebäude für seine eigene Schokoladenfabrik zu finden – und einen kompetenten Mechaniker. Mehr als eine halbverfallene Mühle und Maschinen aus zweiter oder dritter Hand kann Rodolphe sich jedoch nicht leisten.

    Rodolphe tüftelt – und verzweifelt

    Auch wenn er ganz genau weiß, wie das mit der Schokoladenherstellung geht, kriegt er es mit seinem zusammengeklaubten Equipment einfach nicht hin. Da kann sein Mechaniker Jakob „Köbi“ Steiner noch so kreativ und findig sein.

    Langsam gehen dem Firmengründer Geld und Geduld aus.

    Spoiler anzeigen

    Kann ein Studienkollege seines Vaters, der Chemiedozent Dr. Studer, weiterhelfen? Er dürfte wissen, wie die Bestandteile der Rezeptur miteinander reagieren und warum sie hier nicht mittun.

    Unterstützung erfährt Rodolphe schließlich von unerwarteter Seite, und dann kommt ihm auch noch der Zufall zu Hilfe. Jetzt werden die etablierten Mitbewerber wie die Firma Sprüngli auf einmal hellhörig: Da ist ein Jungspund am Markt, der etwas kann und sich was traut …!

    Die Geschichte erstreckt sich von 1863 bis 1880 und wird abwechselnd aus der Sicht von Rodolphe Lindt und den beiden Sprüngli-Brüdern erzählt. Auch Freunde und Angehörige kommen in einzelnen Kapiteln zu Wort. Man muss sich schon ein wenig konzentrieren, um den Überblick zu behalten, vor allem wegen vielen Rudolfs. Ich habe das Buch mit nur wenigen Unterbrechungen gelesen. Das hilft, genau wie das Personenverzeichnis.

    Kampf mit Rezeptur und Technik

    Mich interessieren Firmengeschichten, weil es mich fasziniert, wie aus einer kleinen Idee ein großes Unternehmen wird, das Generationen überdauert. Ich will auch bei allem Möglichen wissen, wie es produziert wird und funktioniert und liebe entsprechende Fernseh-Dokus. Wie Rodolphe und seine Getreuen mit Rezeptur und Technik kämpfen, um die Schokolade so hinzukriegen, wie sie ihnen vorschwebt, war für mich so spannend wie ein Krimi.

    Ich glaube, mit dem eigenbrötlerischen Rodolphe Lindt werden seine Unterstützer und Konkurrenten noch einiges erleben!

    Spoiler anzeigen

    Er denkt nicht wie ein Fabrikant, und so ist ihm mit den üblichen Mitteln vermutlich nicht beizukommen. Er sieht ein Problem und will es lösen. Was danach kommt, ist ihm nicht mehr so wichtig.

    Und wie geht die Geschichte weiter?

    Ich bin schon gespannt auf den dritten Band und hoffe auf ein Wiedersehen mit meiner Lieblings-Nebenfigur, dem schmuddeligen, mundfaulen und grenzgenialen Mechaniker Köbi. Und ich wüsste gern, was aus Rodolphes kleinem Bruder, dem „Satansbraten“ August, wird. Der ist mir ungefähr so „sympathisch“ wie Joffrey Baratheon aus GAME OF THRONES. Und die solchen bessern sich in der Regel nicht. Na, wir werden ja sehen …

    Die Autorin

    Lisa Graf ist in Passau geboren. Nach Stationen in München und Südspanien schlägt sie gerade Wurzeln im Berchtesgadener Land. Sie hat nicht viele Schwächen, aber zu Lindt-Schokolade konnte sie noch nie nein sagen. Mit ihren Familiensagas Dallmayr sowie Lindt & Sprüngli schaffte sie es bis an die Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste.

  • Elke Seidel - Die Katze, die das Glück findet

    • Vandam
    • 25. November 2025 um 10:36

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    Elke Seidel: Die Katze, die das Glück findet. Der zwölfte Fritzi Kullerkopf Roman, Hamburg 2025, BoD Books on Demand, Softcover, 347 Seiten mit zahlreichen farbigen Illustrationen, Format: 18,9 x 1,83 x 24,61 cm, Buch: EUR 22,99, Kindle: EUR 9,99.

    Reise-Abenteuer und der Wahnsinn des Alltags

    Seit Jahren verfolge ich die (Reise-)Abenteuer und Alltagsbeobachtungen der klugen und scharfzüngigen Katzendame Fritzi, die ihrer menschlichen Mitbewohnerin Elke zwar von Herzen zugetan ist, den Homo sapiens an sich aber für ziemlich unzulänglich hält. Was zu beweisen war: Jetzt, beim 12. Band fällt mir endlich auf, woran mich Fritzis Art zu schreiben erinnert: an einen Blog!

    Die rotbepelzte Katze erzählt in kurzen Kapiteln auf unterhaltsame Weise, was ihr derzeit wichtig ist: was sich in ihrem Umfeld oder dem ihres Menschen ereignet hat … was ihre Freunde erlebt haben oder was sie in den Medien Interessantes aufgeschnappt hat. Besonders gern und ausführlich berichtet sie von ihren Ausflügen und Reisen.

    Spoiler anzeigen

    Hätte jemand der technikaffinen Katzendame vor Jahren einen Blog eingerichtet, hätte sie bestimmt einen Mordsspaß damit gehabt. Und wir Leserinnen auch. Vielleicht wäre sie sogar zu einer erfolgreichen „Catfluencerin“ geworden. Obwohl … irgendwelche Kinkerlitzchen zu Werbezwecken in die Kamera zu halten, das hätte sie nicht mitgemacht. Fritzi ist eine ehrliche Haut und unbestechlich. Für den Geschmack ihrer „Dosenöffnerin“ ist sie manchmal zu offen und direkt. Zum Glück kriegen nur wenige Menschen die galligen Katzenkommentare mit.

    Nicht einsam! Sie reisen gemeinsam

    Ein immer wiederkehrendes Thema zwischen Katze und Menschin ist die Partnerschaft, beziehungsweise der Mangel daran. Sowohl Fritzi als auch Elke haben ihren langjährigen Lebensgefährten an den Tod verloren. Nun haben sie zwar einander und jede Menge freundschaftliche Kontakte, aber ein neuer Mann bzw. Kater ist nicht in Sicht. Wenn denn mal ein vielversprechender Kandidat auftaucht, folgt die Enttäuschung auf dem Fuße. Online-Dating? Da winkt Elke ab. Das hat für sie den Charme von „Schrottwichteln“. :D Und auch der Tierheimbesuch, bei dem Fritzi nach einem neuen Partner Ausschau hält, verläuft eher deprimierend. Also pfeifen sie auf die Kerle und fahren lieber gemeinsam weg.

    Durch die böhmischen Kaiserbäder

    Vom Reisen verstehen sie was. Elke ist vom Fach und Fritzi hat im Lauf der Zeit viel von ihr gelernt. Mehr als ihr lieb ist. Elke reist nämlich nicht nur wegen des Tapetenwechsels, sondern will immer möglichst viel über Land und Leute erfahren. Deshalb nimmt sie gerne an geführten Touren teil. Fritzi hat eine deutlich kürzere Aufmerksamkeitsspanne als ihre „Dosine“ und langweilt sich schnell, selbst wenn eine so sympathische und kompetente Reiseleiterin wie Emilie sie ein verlängertes Spätsommer-Wochenende lang durch die böhmischen Kaiserbäder führt.

    Spoiler anzeigen

    Mit Emilie hätte ich mich gerne mal unterhalten. Sie spricht eine interessante Kombination von Sprachen. Da könnte eine spannende Lebensgeschichte dahinterstecken.

    Auch wenn Elke und die Leserinnen die Bäderreise genießen: Fritzi wäre lieber nach Indien geflogen und freut sich schon jetzt auf den Mallorca-Urlaub, der fürs Frühjahr geplant ist. Aber wird es dazu kommen? Nach ihrer Rückkehr aus Tschechien sieht es für Elke eher nach einer ausgedehnten Ärztetour als nach einer baldigen Urlaubsreise aus. Ja, klar: Auch wenn man von Doktor zu Doktor pilgert und um Termine betteln muss, ist das aufregend und abenteuerlich, allerdings auf eine ungute Weise.

    Im Frühjahr nach Mallorca

    Das Frühjahr kommt, das Damen-Duo ist wieder reisefähig. Mitten in der Nacht geht es los. Nach etlichen Widrigkeiten erreichen sie schließlich erschöpft und glücklich ihr Hotel in Paguera. Jetzt gilt es, bei den Urlaubsaktivitäten die für sie richtige Balance zu finden: Sie möchten Neues entdecken und ihr Wissen erweitern, aber nicht jeden Quatsch mitmachen und sich vor allem nicht unnötig mit nervigen Mitreisenden herumärgern. Die gibt es auch hier: Nörgler, Besserwisser, übertrieben Anspruchsvolle, rücksichtslose, aufdringliche und vulgäre Zeitgenossen … na ja, Leute eben.

    Elke will Geschichte, Kunst und Kultur, Fritzi will Mäuse jagen und sich mit einheimischen Artgenossen austauschen. Auch da kommt es zu Interessenskonflikten. Und wenn die beiden ohne Reisegruppe unterwegs sind, kracht’s gern mal, weil Elke nicht auf Fritzi hört, obwohl diese den besseren Orientierungssinn hat.

    Die Schattenseiten des Tourismus

    Auch den Schattenseiten des Tourismus verschließen sie sich nicht. Wenn man mit Menschen ernsthaft ins Gespräch kommt, erfährt man eben auch von ihren Sorgen. Das ist gut so, denn wenn wir Touristen Probleme verursachen, sollten wir das wissen, sonst können wir ja nichts daran ändern.

    Spoiler anzeigen

    Die Leserinnen und Leser sind nun ein wenig im Zwiespalt: Einerseits erweckt Fritzis lebendiger Bericht in uns vielleicht den Wunsch (wieder mal) nach Mallorca zu reisen – und andererseits nehmen wir uns vor, genau das bleiben zu lassen, um die Umwelt und die Mallorquiner vor weiterem Schaden zu bewahren. ‚Die Tramuntana-Berge‘, habe ich gedacht, ‚die waren schon eindrucksvoll. Und wenn im Frühjahr alles blüht, muss die Insel wunderschön sein. – Ach, und in Palma gibt es Jugendstilhäuser? Das habe ich gar nicht gewusst!‘

    Ob Fritzis Reiseberichterstattung nun als Inspiration oder als Reise-Ersatz dient, muss jeder Leser selbst entscheiden.

    Farbige Illustrationen – aber kein Kinderbuch!

    Ach ja … auch wenn hier eine clevere Katze erzählt: Das ist kein Kinderbuch! Ich möchte jedenfalls nicht diejenige sein, die jungen Lesern erklärt, warum Fritzi und Elke die T-Shirt-Aufschriften am Kiosk so unangemessen finden. 😊

    Elke Seidels farbige Zeichnungen illustrieren zum einen prägnante Szenen und erfreuen uns zum anderen mit eindrucksvollen Tierporträts, die zum Teil in aufwändig gestaltete Rahmen eingebettet sind.

    Abb.: E. Seidel / BoD, Foto: E. Nebel

    Ob es wohl noch einen 13. Fritzi-Band geben wird? Frau und Katz‘ recherchieren zwar schon, behalten sich aber die Entscheidung vor. Wir lassen uns einfach überraschen!

    Die Autorin

    Elke Seidel absolvierte nach der Schule eine Lehre als Drogistin und erlangte einen Fachschulabschluss. Danach arbeitete sie mehrere Jahre in einem Reisebüro, in dem sie auch als Reiseleiterin amerikanische Touristen durch europäische Hauptstädte und durch den Nahen Osten führte. Anschließend arbeitete sie über 30 Jahre am Frankfurter Flughafen im Passagierservice und als Lehrgangsleiterin in einem Schulungszentrum. Elke Seidel wohnt in Frankfurt. Ihre beiden Katzen Fritzi Kullerkopf und deren Freund Rüdiger adoptierte sie in einem Tierheim.

  • Brigitta Rudolf - Cats & Crime III

    • Vandam
    • 25. November 2025 um 10:33

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    Brigitta Rudolf: Cats & Crime III, Hamburg 2025, BoD Books on Demand GmbH, ISBN 978-3-8192-9245-3, Softcover, 336 Seiten, große, gut lesbare Schrift, Format: 12,7 x 1,78 x 20,32 cm, Buch: EUR 16,90, Kindle: EUR 6,99.

    Dass es PolizeiHUNDE gibt, ist bekannt. Aber PolizeiKATZEN? Okay, das ist auch eher inoffiziell. Die vier Katzen des Polizisten-Ehepaars Mats und Henrike Deichgraf halten sich für Detektivmiezen, weil sie durch ihre Menschen vieles über Kriminalfälle wissen. Wenn das Polizistenpaar daheim über die Arbeit redet, spitzen die Katzen ihre Öhrchen, ziehen dann los und „ermitteln“ selbst. Tatsächlich haben sie schon dazu beigetragen, dass eine Geldfälscher-Bande aufgeflogen ist.

    1. Fall: Die Tote im Fluss

    Derzeit ist alles ruhig im Hause Deichgraf – bis Kater Beppo und seine Lebensgefährtin Lady Mouse bei einem ihrer abendlichen Streifzüge die Leiche einer Frau im Fluss treiben sehen. Eigentlich hat ja ihr Ziehsohn Titus die Tote als erster gesehen, aber egal. Es ist auf jeden Fall ein hartes Stück Arbeit, ihre Menschen dazu zu „überreden“, mit zum Fluss zu kommen. Die Zweibeiner sind ja manchmal so schwer von Begriff!

    Dass die Frau mittleren Alters erschlagen und dann in den Fluss geworfen worden ist, ist der Polizei schnell klar, nicht jedoch ihre Identität. In einem nahegelegenen konfessionell gebundenen Damenstift werden sie schließlich fündig. Das Opfer hieß Elena Fricke, hatte sich im Amalienstift um eine frei gewordene Wohnung beworben und war gerade für ein paar Tage zum „Probewohnen“ dort.

    Stiftsdamen mit Geheimnissen

    Angelika Künzle, die Stellvertreterin der Äbtissin, kann die Tote identifizieren, verhält sich aber ansonsten nicht sehr kooperativ.

    Spoiler anzeigen

    Zu gerne würde sie verhindern, dass die Polizei im Stift herumschnüffelt, denn sie hat ein Geheimnis, das auf keinen Fall ans Licht kommen darf. Und auch die Ermordete ist bei ihrer Bewerbung für die Wohnung offenbar nicht ehrlich gewesen. Dass hier was nicht stimmen kann, sieht man schon allein daran, dass ein Unbekannter ihre Wohnung durchwühlt hat. Was hat er oder sie nur gesucht?

    Diese Unstimmigkeiten wecken auch die Neugier der „Polizeikatzen“. Beppo, Lady Mouse und ihre Ziehsöhne Titus und Panino machen sich auf den Weg ins Damenstift um sich dort mal gründlich umzusehen. Unterstützung bekommen sie von Nachbarskatze Ylvie und von Arthur, dem Kater der Äbtissin.

    Während die Polizei auf ihre Weise an der Aufklärung des Tötungsdelikts arbeitet, machen die Katzen in den Räumlichkeiten des Amalienstifts eine verblüffende Entdeckung …

    2. Fall: KI – Katzenintelligenz

    Deichgrafs Nachbarskinder Clara und Hanna erzählen zuhause, dass an der Schule ein fremder Mann und eine Frau herumlungern und die Kinder ansprechen. Kater Panino und seine Freundin Ylvie haben das auch schon beobachtet.

    Als Kommissar Deichgraf von den Vorfällen hört, veranlasst er sogleich, dass im Bereich der Schule verstärkt Streife gefahren wird. Mehr kann er derzeit nicht tun. Dass diese Maßnahmen nicht ausgereicht haben, zeigt sich, als Claras Klassenkameradin Rilana Wendler unentschuldigt dem Unterricht fernbleibt und ebenso wenig zu erreichen ist wie ihre Mutter Regina. Die beiden sind wie vom Erdboden verschluckt.

    Das Bundeskriminalamt schaltet sich ein

    Als sich das Bundeskriminalamt in den zweifachen Vermisstenfall einmischt, ist offensichtlich, dass da weit mehr dahintersteckt als zunächst angenommen. Die „Polizeikatzen“ der Familie Deichgraf nebst Ylvie und Arthur machen sich auf eigene Faust auf die Suche nach Mutter und Tochter.

    Spoiler anzeigen

    Während die Polizeibeamten und die Katzen ermitteln, erfahren wir Leser:innen, was Rilana und Regina Wendler zugestoßen ist und warum. Und wir fragen uns bange, wie die zwei aus dieser Sache heil wieder herauskommen. Wird die Polizei rechtzeitig die richtigen Schlüsse ziehen?

    Wenn die Katzen ihren Menschen nur begreiflich machen könnten, was sie inzwischen herausgefunden haben …! Aber das konnte wohl nur Lassie.

    Verschiedene Perspektiven

    Die Geschichten werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Kater Beppo berichtet, was aus Katzensicht geschieht.

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    Dabei kommt er uns vor wie ein liebevoll-besorgter Familienvater. Er ist stolz auf seine kluge Partnerin Lady Mouse, die ihm und den beiden Ziehsöhnen Titus und Panino auf smarte Weise Manieren beibringt. Ja, die Katzenmänner sind hier alle ein wenig ungehobelt. Das gilt auch für Kater Arthur vom Amalienstift. Der findet Lady Mouse aber so toll, dass ihm ihre erzieherischen Ambitionen gar nichts ausmachen. Und Beppo wird eifersüchtig …

    Dem amüsanten Familienleben der Katzen stehen die ernsten Kriminalfälle gegenüber. Wir erleben mit, wie die Polizei ermittelt und wie es Zeugen, Opfern und Verdächtigen ergeht. Besonders das Schicksal der vermissten Schülerin geht einem dabei nahe.

    Spannende Fälle, knuffige Katzentruppe

    Ich finde die Cats-und-Crime-Krimis spannend und unterhaltsam. Und ich mag die knuffige Polizeikatzen-Truppe, allen voran Kater Beppo, der gern der große, allseits respektierte Clanchef wäre, dem aber insgeheim klar ist, dass seine Partnerin die Hosen anhat. Aber das ist okay. So unterschiedlich die Katzen von Temperament und Charakter her sind: Sie sind alle genau so richtig, wie sie sind.

    Die Autorin

    Brigitta Rudolf lebt mit ihrem Mann und Kater Tiger in einer kleinen Kurstadt am Rande des Wiehengebirges in Ostwestfalen. "Cats & Crime“ ist der 3. Band einer Krimireihe, in der auch tierische Ermittler eine Rolle spielen. Außerdem sind bereits einige Bücher mit Tiergeschichten, Weihnachtsbücher mit je 24 Weihnachtsgeschichten und Geschichten aus dem Leben erschienen. Weitere Projekte stehen an.

  • Oliver Kalkofe - Nie war Früher schöner als Jetzt

    • Vandam
    • 24. November 2025 um 12:54

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    Oliver Kalkofe: Nie war Früher schöner als Jetzt. Ein Boomer blickt zurück nach vorn, München 2025, Droemer Knaur, ISBN 978-3-426-56882-8, Hardcover, 254 Seiten, farbige Abbildungen, Format: 13,2 x 2,47 x 20,9 cm, Buch: EUR 22,00, Kindle: EUR 18,99, auch als Hörbuch lieferbar.

    Hm … wie ist der Buchtitel eigentlich genau gemeint?

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    So: „Noch niemals in der Geschichte der Menschheit war die Vergangenheit schöner als die Gegenwart! Das bilden wir uns nur ein!“? Oder so „Nur weil wir die Vergangenheit rückblickend verklären, kommt sie uns schöner vor als sie war“? Und müsste man das „Jetzt“ nicht klein schreiben?

    War früher alles besser - oder nicht?

    So oder so: Der Satiriker Oliver Kalkofe, Jahrgang 1965, geht hier in seinem typischen Stil der Frage nach, ob früher wirklich alles besser war, wie einige unserer Mit-Boomer gern behaupten, und er nimmt uns mit auf eine vergnügliche Zeitreise zurück in die 60er-, 70er- und 80er-Jahre. Dabei betont er ausdrücklich, dass er nur für diejenigen sprechen kann, die in der BRD groß geworden sind. DDR-Erfahrungen hat er nicht. Als er sein Buch in einer TV-Show vorgestellt hat, war die Reaktion einer aus Thüringen stammenden Künstlerin seines Jahrgangs auch eindeutig: Nein, ihre Kindheit und Jugend wird hier nicht repräsentiert. - Ich sag’s nur!

    Kalkofes Altersgenossen aus „den alten Bundesländern“ (wie ich!) werden schmunzeln und kichern über Altbekanntes und fast Vergessenes. Manchmal denken sie sicher auch: „Na, zum Glück war’s bei uns daheim nicht ganz so …!“ Und wenn der Autor sich explizit an junge Leserinnen und Leser wendet und versucht, ihnen mit Hilfe von Analogien zur heutigen digitalen Welt zu erklären, wie es in unserer Jugend war, kommt man sich vor wie ein Fossil.

    Ich habe den Eindruck, dass Oliver Kalkofe hier nicht ganz so gehässig ist wie sonst. Vermutlich kann man nicht durchgängig eine professionelle Distanz wahren, wenn es um die eigenen Jugenderinnerungen geht. Aber das ist okay.

    „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“

    Als erstes beamt uns der Autor zurück an die Esstische der 60er und 70er-Jahre. Vegetarier? Veganer? Das kannte man damals noch nicht. Da war Fleisch noch „ein Stück Lebenskraft“. Das gab’s aber nur sonntags. Freitags Fisch und den Rest der Woche Nudelgerichte, Eintöpfe, Pfann- oder Reibekuchen oder Instant-Kartoffelbrei plus Eier in Senfsauce. Auch Suppen und Eintöpfe aus der Dose waren beliebt. Der Autor erinnert uns an Mett- und Käseigel, Toast Hawaii und Ragout fin.

    Spoiler anzeigen

    (Hier muss ich passen - ich komme aus einer anderen (Ess-)Kultur. Maggi? Dosenravioli? TRI-TOP-Sirup? Probiert: bäh!)

    Ja, also das Essen war schon mal nicht besser als heute!

    Auch das Einkaufen war früher nicht schöner. Wenn Kalkofe uns die Ladenöffnungszeiten aus unseren Jugendtagen in Erinnerung ruft, an lange Samstage und Donnerstage, fällt einem erst auf, wie stressig das „Shoppen“ manchmal war. Da hat sich in Sachen Verfügbarkeit und Bequemlichkeit für die Kunden vieles zum Positiven verändert.

    Zwei Fernsehsender und kein Internet

    Hochinteressant fand ich das Kapitel über Freizeitgestaltung und Unterhaltung: Zwei Fernsehprogramme, noch keine Möglichkeit zum Aufzeichnen einer Sendung oder zum zeitversetzten Gucken, kein Handy, kein Internet … Man musste sich schon selbst etwas einfallen lassen und aktiv werden, um sich nicht zu langweilen.

    Der heute selbstverständliche unbegrenzte Zugriff auf Informationen und Unterhaltung wäre für mich als Kind – genau wie für den Autor – der Traum schlechthin gewesen. Aber das hätte wahrscheinlich jede Aktivität und Kreativität gekillt. So gesehen war die mangelnde Gelegenheit zum passiven Konsum zwar nicht so schön für uns, aber auf Dauer bekömmlicher.

    War wenigstens das Fernsehen damals besser als heute?

    Spoiler anzeigen

    Okay … mit Einführung des Privatfernsehens sank das Niveau schon. Aber TV-Skandale hat’s schon immer gegeben. An die der 70er- und 80er, die der Autor hier beschreibt, erinnere ich mich noch. Was damals nationale Empörung auslöste, wirkt aus heutiger Sicht geradezu putzig.

    Von Schallplatten und Urlaubsreisen

    Ach ja, und die Musik! Plattenläden, Schallplatten, Kassettenrecorder, Radio und das mühsame Unterfangen, Mixtapes zusammenzustellen und an Informationen über Songtexte und Interpreten zu kommen! Wie umständlich das alles war, können sich Leute von heute kaum vorstellen.

    Mit den Urlaubsreisen von damals könnte man heutzutage auch keinen Hund mehr hinterm Ofen vorlocken. Und Sonnencreme war seinerzeit noch gar kein Thema, was sich inzwischen bitter rächt. Auch das ist nichts, was man sich unbedingt zurückwünscht.

    Die Zukunft war damals besser!

    War früher überhaupt irgendwas besser als heute? Ach ja: die Zukunft! Zumindest die, die wir Science-Fiction-Fans uns erträumt haben:

    „Star Trek zeigte uns auf spielerische Weise, dass die Menschheit eines Tages sehr wohl verstanden haben könnte, dass ausufernder Kapitalismus und Egoismus einem glücklichen Leben ebenso wenig dienlich sind wie Krieg und Rassismus“ (Seite 205)

    In den 90er-Jahren sah es kurz so aus, als gäbe es tatsächlich Hoffnung: der Fall der Berliner Mauer, der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Bemühungen um eine respektvolle Annäherung zwischen Ost und West … Man hätte glauben können, dass sich die globalen Spannungen zwischen den unterschiedlichen Kulturen vielleicht langfristig auflösen könnten. Aber nix war’s!

    „In welche Richtung wir aktuell auch blicken, überall beobachten wir zunehmend negative Entwicklungen, die wir Boomer uns in unserer Kindheits-/ Jugend-/Young-Adult-Phase so nicht hätten alpträumen lassen.“ (Seite 211/212)

    Die Gnade des eingeschränkten Wissens

    Kurz und gut:

    Spoiler anzeigen

    Manches war früher besser, anderes nicht. Wir hatten weniger Möglichkeiten als heute, wussten aber nicht, was wir verpassen und waren deshalb mit dem zufrieden, was es gab. Oliver Kalkofe nennt es „die Gnade des eingeschränkten Wissens“ (Seite 226). Ich denke, das trifft es gut.

    Es wär‘ noch vieles zu erzählen!

    Ich fand diese Reise in die Vergangenheit amüsant und erhellend. Es ging mir ein wenig wie dem Autor, der auf Seite 217 erschreckt feststellt, dass es noch so viel mehr zu erzählen gäbe als in diesem Buch Platz hat. Sollte er sich entschließen, eine Fortsetzung zu schreiben, wäre ich gern wieder dabei.

    Der Autor

    Oliver Kalkofe startete seine Karriere in der legendären Radio-Comedy-Show FRÜHSTYXRADIO, bevor er Mitte der Neunziger ins Fernsehen wechselte. Seine messerscharfe Medien-Satire KALKOFES MATTSCHEIBE machte ihn zu einem der bekanntesten Comedians Deutschlands und wurde unter anderem mit dem Grimme-Preis sowie dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. 2024 erhielt er den DONNEPP MEDIA AWARD des Grimme-Instituts und veröffentlichte sein Buch Sieg der Blödigkeit, das insgesamt acht Wochen auf der SPIEGEL Bestsellerliste stand.

  • Richard Hooton - Der Tag, an dem Barbara starb

    • Vandam
    • 24. November 2025 um 12:50

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    Richard Hooton: Der Tag, an dem Barbara starb. Ein Fall für Margaret Winterbottom und ihren Enkel, OT: The Margaret Code, aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg, München 2025, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-26432-7, 381 Seiten, Format: 13,6 x 3,15 x 21 cm, Buch: EUR 17,00, Kindle: EUR 13,99, auch als Hörbuch lieferbar.

    „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Lisa ihrer Tante etwas angetan hat, aber vielleicht hat James recht. Man weiß nie, wozu jemand fähig ist. Letztlich würde wohl auch niemand glauben, wozu ich einmal fähig war und was ich gemacht habe.“(Seite 125)

    Ich dachte, ich bekäme hier den Auftakt zu einer humorvollen Cozy-Crime-Reihe, in der eine gewitzte Oma in Miss-Marple-Manier ermittelt, unterstützt von ihrem technikaffinen 15jährigen Enkel. Agatha Christie trifft auf CSI. Oder, wie Enkel James das ungleiche Gespann nennt: „Batgran und Robin“. 😉 Ein wenig geht es in diese Richtung, aber es steckt mehr dahinter. Und nach einer Serie sieht es nicht aus.

    Mord in einer beschaulichen Wohnsiedlung

    Eine ruhige Wohngegend in Nordengland, 2012: Ein Mordfall erschüttert die beschauliche Nachbarschaft. Die verwitwete Barbara Jones (79) ist erwürgt in ihrem Haus aufgefunden worden. Margaret Winterbottom (89), Barbaras Nachbarin und Freundin seit 50 Jahren, ist fassungslos. Und sie ist nicht davon überzeugt, dass die Polizei genügend unternimmt, um den Fall aufzuklären. Deshalb beschließt sie, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen. Ihr Enkel James Stone (15) ist Feuer und Flamme für den Plan.

    Der Leser stutzt und wundert sich. Zwar vermuten wir recht bald, dass Margaret nicht immer eine biedere britische Hausfrau war und in jungen Jahren sehr wohl in der Lage gewesen wäre, einen Mordfall aufzuklären. Aktuell hat sie jedoch erhebliche kognitive Defizite, die über übliche Vergesslichkeit hinausgehen. Sie spricht mit ihrem verstorbenen Mann, sie verlegt Gegenstände, die dann an den absurdesten Orten wieder auftauen und sie findet vom Einkaufen nicht mehr nach Hause, obwohl sie diese Strecke seit 60 Jahren regelmäßig geht.

    Barbaras letzte Bitte? Margaret kann sich nicht erinnern!

    Sie kann sich auch partout nicht daran erinnern, warum Barbara bei ihrer letzten Begegnung so aufgelöst war. Sie weiß nur noch, dass sie gesagt hat: „Versprich mir, dass du das tust, Margaret.“ Sie kann aber nicht mehr sagen, worum es dabei gegangen ist – und ob sie das Gewünschte getan hat oder nicht. Es muss Barbara aber wahnsinnig wichtig gewesen sein, und womöglich hat es sogar mit ihrer Ermordung zu tun. Doch die Erinnerung an diese letzte Begegnung scheint ihrem Gedächtnis unwiderruflich entschwunden zu sein.

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    Margarets Tochter Shirley, eine viel beschäftigte Lehrerin, und ihr Mann Matthew machen sich Sorgen um die Gedächtnisprobleme der (Schwieger-)Mutter: Mal geht sie im Nachthemd auf die Straße, mal dreht sie in der Küche den Gashahn auf, jetzt hat sie auch noch ihr Portemonnaie verschlampt! Niemand glaubt ihren Beteuerungen, dass es gestohlen worden sei. Dabei sind in jüngster Zeit etliche ältere Nachbarinnen beklaut worden.

    Langjährige Nachbarn, viele Geheimnisse

    Von den üblichen Streitigkeiten abgesehen: Was geht in dieser Nachbarschaft vor? Wie’s aussieht, haben die Leute, die hier seit Jahrzehnten leben, gut gehütete Geheimnisse voreinander. Auch Margaret und ihr Ehemann Albert haben Freunden und Verwandten manches verschwiegen. Nicht nur den Grund, aus dem Margarets älterer Bruder, Harry Spencer, vor Jahren verschwunden ist …

    Spoiler anzeigen

    Aus Margarets Erinnerungsfetzen und dem, was sie nach und nach ihrem Enkel erzählt, kann man sich zusammenreimen, welcher Tätigkeit Albert Winterbottom und die Geschwister Spencer nachgegangen sind, als sie noch sehr jung waren, und warum sowas Läppisches wie ein Computerpasswort für die unerschrockene Margaret auch heute noch kein Hindernis darstellt.

    Doch sie merkt natürlich, dass ihre geistigen Kräfte schwinden:

    „Ich bin wie Colossus: früher eine bewunderte und intelligente Maschine, jetzt nur noch ein nutzloses, altersschwaches Relikt.“ (Seite 136)

    Margaret und ihrem Enkel bleibt nicht viel Zeit

    Wenn sie mit Hilfe ihres Enkels den Mord an Barbara aufklären will, dann muss das schnell gehen, denn wer weiß, wie lange sie dazu noch in der Lage sein wird? Als ein Mensch, der ihr sehr am Herzen liegt, als Tatverdächtiger ins Visier der Polizei gerät, drängt die Zeit mehr denn je und Margaret lässt sich zu einem gefährlichen Alleingang hinreißen …

    Spannend ist, was all die Biedermänner und –frauen in dieser friedlichen Nachbarschaft zu verbergen haben. Amüsant ist es, wenn Oma Margarets althergebrachte Ermittlungsweise auf die „neumodischen“ Methoden des pfiffigen Teenie-Enkels treffen. Was diese Mobiltelefone heutzutage nicht alles können! Man müsste sie nur zu bedienen wissen! Tragisch ist, wie die einst so quirlige geistig rege Margaret ihren eigenen Verfall erlebt:

    „Ich kann mich nicht mal mehr auf mich selbst verlassen. Bin ich nicht die Summe meiner Erinnerungen? Definiert nicht das, was mein Gehirn an Wissen und Erfahrung gesammelt hat, wer ich bin? Wenn wir von Erinnerungen geformt werden, meine aber nun verschwinden, was bin ich dann noch? Hohl und leer wie ein Gespenst?“ (Seite 290)

    Spannung, Humor und mehr Tiefgang als erwartet

    Die arme Margaret! Lieber hätte ich mit ihr gelacht als gelitten. Auch ihre überforderte Tochter Shirley, so nervig sie auch war, hatte mein Mitgefühl. Wie sie es macht, ist es verkehrt: Hilft sie zu viel, ist es Bevormundung, lässt sie ihre Mutter alleine wursteln, weil diese darauf besteht, unterstützt sie sie vielleicht zu wenig. Ein Dilemma, das jeder Mensch, der mal in entsprechender Situation war, kennen dürfte. Und so haben wir hier neben einem packenden Krimi voller augenzwinkerndem Humor eine Familiengeschichte mit mehr Ernst und Tiefgang, als zu erwarten war.

    Der Autor

    Richard Hooton hat Englische Literatur studiert und als Journalist gearbeitet, bevor er in die PR wechselte. Für seine Kurzgeschichten hat er schon zahlreiche Preise erhalten, zudem stand er auf der Shortlist für den Bridport Prize und den Cambridge Prize. Er lebt in der Nähe von Manchester. Sein Debütroman ›Der Tag, an dem Barbara starb‹ ist von der Beziehung zu seiner eigenen Großmutter inspiriert, die an Alzheimer starb, als Richard ein Teenager war.

    Die Übersetzerin

    Susanne Goga-Klinkenberg lebt als Übersetzerin und Autorin in Mönchengladbach und ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Sie studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf und ist seit 1995 freiberuflich für verschiedene renommierte Verlage tätig. Für dtv hat sie unter anderem Chris Cleave, Wendy Walker und Jessica Barry übersetzt.

  • Andreas Eschbach - Die Auferstehung

    • Vandam
    • 24. November 2025 um 12:47

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    Andreas Eschbach: Die Auferstehung, ab 14 J., Stuttgart 2025, Franckh-Kosmos Verlag, ISBN 978-3-440-17974-1, Hardcover mit Lesebändchen, 448 Seiten, Format: 15 x 4,7 x 21,7 cm, Buch: EUR 24,00, Kindle: EUR 19,99, auch als Hörbuch lieferbar.

    „Würde mich interessieren, was Sie waren, bevor SieLiteraturagent wurden“, meinte Mendes. „Geheimagent?“
    Bob musste grinsen. „Nicht ganz. In meiner Jugend war ich Teil eines Detektivtrios. Wir haben eine Menge Fälle gelöst, Gangster gejagt und so weiter. Ehe dann … na ja, das Leben dazwischengekommen ist.“ (Seite 384/385)

    Ich bin ungefähr so alt wie der Autor und habe als Kind in den 70er-Jahren natürlich auch Krimis der drei-???-Reihe gelesen. Allerdings habe ich nur eine schemenhafte Erinnerung daran. Wie überzeugend Andreas Eschbach die Hobbydetektive von einst – Justus, Bob und Peter - in diesem Buch hat altern lassen, kann ich also nicht beurteilen. Ich habe es einfach als verzwickten und spannenden Krimi gelesen. Das funktioniert auch.

    Die drei ??? sind heute Mitte 50 - und total zerstritten

    Die drei Jungs sind inzwischen Mitte 50, und Detektiv spielen ist für sie kein Thema mehr. Der Literaturagent Bob Andrews, damals bei den ??? zuständig für Archiv und Recherche, lebt in Los Angeles, ist mit einer Bibliothekarin verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Peter Shaw, Single, ist in Kalifornien gelandet und arbeitet bei Google. Seinen aufregenden Zeiten als Reisejournalist trauert er nur noch selten hinterher.

    Justus Jonas, der (Schlau-)Kopf der Truppe, hat’s irgendwie versaut.

    Spoiler anzeigen

    Er hat diverse Studiengänge angefangen, keinen abgeschlossen und sitzt nun wieder in Rocky Beach, wo er zusammen mit seiner Tante Mathilda den Schrottplatz – pardon: Gebrauchtwarenhandel! – seines verstorbenen Onkels betreibt. Er ist Umweltaktivist und engagiert sich in einem Reparaturcafé. Der geniale Justus ist auf jeden Fall deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben.

    Ein Schicksalsschlag vor 30 Jahren hat ihn aus der Bahn geworfen. Mit seinen Jugendfreunden hat er seitdem keinen Kontakt mehr.

    Jeder lebt sein Leben und will mit der Vergangenheit nichts mehr zu tun haben – bis sich ihre Wege wieder kreuzen.

    Ein heikler Auftrag für Justus Jonas

    Die Dokumentarfilmproduzentin Mary Blanche Kingsley, die aus Rocky Beach stammt, erinnert sich an die Abenteuer der drei ??? und kontaktiert Justus Jonas in einer heiklen Angelegenheit: Vor 7 Jahren hatte sie ihre Nichte, die damals 23-jährige Therese „Tracy“ Hitfield auf eine Expedition in den brasilianischen Dschungel mitgenommen, wo es zu einem dramatischen Unglücksfall kam. Die Hälfte der Expeditionsteilnehmer ist damals ums Leben gekommen oder gilt seitdem als verschollen. So auch Tracy.

    Jetzt ist in einer kleinen Gemeinde am Ufer des Rio Javain eine junge Amerikanerin aufgetaucht, die behauptet, Tracy Hitfield zu sein und seit dem Unglück bei einem bislang unentdeckten Eingeborenenstamm gelebt zu haben.

    Wundersame Auferstehung oder Hochstapelei?

    „Tracy Hitfield. Im Amazonas verschwunden und sieben Jahre später wieder aufgetaucht. Ein Wunder, könnte man sagen. Und eine Tante, die nicht an Wunder glaubt.“ (Seite 39)

    Die Junge Frau sieht aus wie Tracy, weiß auch viel über die Familie, aber Mary Blanche Kingsley ist aus gutem Grund sicher, dass die auferstandene Nichte eine Hochstaplerin ist

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    - nur auf der Bildfläche erschienen, um ihren angeblichen Vater, den todkranken Millionär Alec Hitfield, zu beerben. Klingt logisch. Andererseits hätte auch Mary B. Kingsley, Alecs Schwester, ein paar Millionen Gründe, Tracy unglaubwürdig zu machen und von der Erbfolge auszuschließen. Justus, der Alec Hitfield schon lange kennt, nimmt Marys Auftrag an.

    Auch Bob und Peter stolpern über den Fall

    Zur selben Zeit in Los Angeles: Bob Andrews Chef erfährt von der Rückkehr der vermissten Expeditionsteilnehmerin und will die Buchrechte haben. Bob soll Tracy dazu überreden. Ihm kommt ihre Story aber komisch vor und er kontaktiert jemanden, der sich mit zivilisationsfernen Naturvölkern auskennt: seinen früheren Kumpel, den Ex-Reisejournalisten Peter Shaw. Der ist völlig von den Socken, von Bob zu hören, kann sich aber auch nicht vorstellen das Tracys Geschichte stimmt. Er geht der Sache ebenfalls nach und entwickelt eine Theorie, die mindestens so abenteuerlich ist wie die Geschichte der geretteten Millionenerbin.

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    Und nun liest man wie gebannt weiter, weil man unbedingt wissen will:

    • Ist Tracys sensationelle Rettung ein Wunder oder ein Schwindel?
    • Warum sind die drei Freunde seit 30 Jahren so zerstritten?
    • Wann laufen sie sich bei ihren parallelen Ermittlungen endlich über den Weg? Und was passiert dann? Gehen sie sich gegenseitig an die Gurgel oder schaffen sie es, im Dienst der Sache so zusammenzuarbeiten wie vor ihrem Zerwürfnis?

    Mehr Action, als den Mittfünfzigern lieb ist

    Es dauert ein Weilchen, bis der Krimi in Fahrt kommt, weil der Autor erst einmal schildern muss, wo die Helden von damals heute stehen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto heftiger geht’s rund. Vor allem die beiden, die in Brasilien ermitteln, bekommen mehr Action ab, als ihnen ihn ihrem Alter lieb sein kann. Und auch für die daheimgebliebenen Amateurschnüffler wird’s brandgefährlich.

    Ich habe mich einfach darauf verlassen, dass der Autor in einem Buch, das sich vor allem an Fans der drei ??? richtet, keiner Hauptfigur den Garaus machen wird, und so hat mich, neben dem Fall Tracy, vor allem die Frage bewegt, ob es nicht doch noch eine Auferstehung der alten Freundschaft geben kann. Die Catchphrases von damals und die Zusammenarbeit scheinen ja trotz allem noch zu funktionieren.

    Raffiniert verflochtene Handlungsstränge

    Man sollte das Buch möglichst „am Stück“ lesen, weil sonst vielleicht die kleinen Details hinten runterfallen, die die drei Handlungsstränge kunstvoll miteinander verflechten: Da war doch was mit einer mysteriösen Freundin, einem jäh verschwundenen Kollegen und einer absurden Reaktion am Telefon!

    Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum man Tracys Identität nicht mittels DNA-Vergleich mit einer Blutsverwandten mütterlicherseits klärt. Mater semper certa est. Wer ihr biologischer Vater ist, ist hier juristisch unerheblich. Aber vielleicht hatte Alec Hitfields verstorbene Frau keine Familie mehr. So gut kenne ich mich im ???-Universum nicht aus. Und wenn es so einfach gewesen wäre, dann wäre uns Lesern der ganze Höllenritt durch Brasilien entgangen.

    Für mich ist DIE AUFERSTEHUNG packende, klug konstruierte Krimi-Unterhaltung mit Grips und Krawumm und einer kräftigen Prise Nostalgie. „Gute Arbeit, Herr Eschbach!“ 😉

    Der Autor

    Andreas Eschbach, geboren 1959 in Ulm, schreibt seit seinem 12. Lebensjahr. Bekannt wurde er vor allem durch den Thriller DAS JESUS-VIDEO, gefolgt von Bestsellern wie EINE BILLION DOLLAR, AUSGEBRANNT und NSA mit denen er endgültig in die Top-Riege der deutschen Autoren aufgestiegen ist.

  • Rita Falk - Apfelstrudel-Alibi

    • Vandam
    • 24. November 2025 um 12:44

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    Rita Falk: Apfelstrudel-Alibi. Ein Provinzkrimi, München 2025, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-26445-7, Klappenbroschur, 335 Seiten mit Glossar und Kochrezepten im Anhang, Format: 13,6 x 2,75 x 21 cm, Buch: EUR 18,00, Kindle: EUR 14,99, Audio-CD: EUR 19,99, auch als Hörbuch lieferbar.

    „Bist du bescheuert, oder was? Du bist ein Dorfsheriff in einem winzigen Kaff in Niederbayern und willst in Südtirol einen Mordfall aufklären? Haben die da keine eigenen Bullen oder willst du mich einfach nur verar***en?“ (Seite 95)

    Alles okay in Niederkaltenkirchen?

    Wer, wie ich, die Franz-Eberhofer-Krimis von Anfang an verfolgt – das ist Band 13! -, hat am Ort der Handlung quasi einen Zweitwohnsitz. 😉 Der Kriminalfall in diesem Buch ist nur der Aufhänger für ein Wiedersehen mit den alten Bekannten aus Niederkaltenkirchen. Die zentrale Frage ist nicht, ob der Franz den Mörder kriegt, sondern welche unkonventionelle Ermittlungsmethoden er wohl dieses Mal aus dem Hut zaubern wird. Und natürlich interessiert uns brennend, wie es seinem Buben geht, seiner Lebensgefährtin Susi, dem Rest der Familie und seinen kindsköpfigen Kumpels. Alle wohlauf?

    Nun ja, die Eberhofer-Oma, die Jahrzehnte lang auf dem Hof das Kommando geführt hat, ist jetzt auch schon über 90 und pflegebedürftig. Ansonsten tobt der vertraute Wahnsinn:

    Spoiler anzeigen

    Susi macht Karriere, Franz im Job nur das Nötigste. Der Vater kifft und trauert seinen Hippiezeiten nach, Franzens Bruder Leopold, der spießige Streber, hat mit Buchhandlung, Haus und Familie alle Hände voll zu tun, Metzger Simmerl und Installateur Flötzinger leiden wieder mal unter Beziehungsproblemen – und abends trifft man sich beim Wolfi auf ein paar Bier.

    Und der Birkenberger Rudi, der zickige Privatdetektiv? Von dem hat der Franz seit zwei Jahren nichts mehr gehört. Das wird sich jetzt ändern, weil er wieder mal dessen Hilfe braucht. Aus einem anderen Grund ruft er ja nie bei ihm an.

    Unfall oder Mord? Der Richter hat Zweifel

    Richter Moratschek bringt den Stein ins Rollen: Seine Patentochter, die Apothekerin Letitia, ist auf ihrer Hochzeitsreise in Südtirol tödlich verunglückt. Der Richter ist überzeugt davon, dass an der Geschichte was nicht stimmt. Den jungen Witwer hält er für einen Hallodri, der Letitia nur des Geldes wegen geheiratet und sie dann eiskalt ermordet hat.

    Die Polizei in Italien hat die Sache als Unfall eingestuft und nicht weiter ermittelt. Das soll jetzt der Franz nachholen. Er soll auch dem Witwer, Michael Schönberger, auf den Zahn fühlen. Der Mann betreibt zusammen mit seinem Bruder Campingplätze an Isar und Donau.

    Das kann Franz natürlich nicht alleine bewerkstelligen, also muss er wieder mal den Birkenberger Rudi – Ex-Polizist und Privatdetektiv – mit ins Boot nehmen. Der zickt erst und lässt sich ausgiebig bitten. Das kennen wir ja schon. Bei diesen „Szenen einer Ehe“ habe ich ständig die Schauspieler vor Augen, die die Rollen in den Verfilmungen verkörpern. Bücher und Filme sind für mich längst zu einem Gesamtwerk verschmolzen.

    Camping Undercover

    Irgendwann einigen sich die beiden Streithähne: Rudi stattet sich mit einer glaubhaften Legende aus, die ihm erlaubt, auf verschiedenen Campingplätzen herumzuschnüffeln und den Betreibern Löcher in den Bauch zu fragen. Franz fährt nach Südtirol

    Spoiler anzeigen

    und erklärt den Leuten dort offen und ehrlich, weshalb er hergekommen ist. Erstaunlicherweise nimmt ihm das der Kollege vor Ort nicht übel. Die privaten Informationen, die Franz über das Paar hat, hatte er nicht vorliegen. Für ihn gab es keinen Grund, von etwas anderem auszugehen als von einem Unfall.

    Jetzt wird der Fall halboffiziell wieder aufgerollt. Und tatsächlich: Ganz so, wie der Witwer das Geschehen geschildert hat, kann es nicht gewesen sein. Auch Rudi fördert bei seinen Nachforschungen hochinteressante Informationen zutage, die die Zweifel nähren. Franzens neunmalkluger Sohn Paul (9) und sein ebenso nerdiger Kumpel Egon (11) stolpern bei ihren kindlichen Detektivspielen ebenfalls über wichtige Details. Nur gerichtsfest nachweisen kann man dem windigen Witwer leider nichts …

    Die Dörfler sind wichtiger als der Krimi

    Als routinierter Krimileser kann man sich recht schnell grob zusammenreimen, was im Fall Schönberger abgelaufen sein muss, auch wenn einem die Feinheiten erst mit der Zeit klar werden. Aber, wie gesagt: Der Kriminalfall an sich ist hier Nebensache. Es geht um „diese durchgeknallte Truppe aus den Urtiefen der niederbayrischen Subkultur“ (Seite 319) und deren Beziehungen zueinander.

    Seit ungefähr dem zehnten Band fühlt sich das Lesen ein bisschen wie ein Abschied an. Die Autorin sagt selbst, sie baue für den Fall vor, dass die Leserinnen und Leser keine weiteren Bände der Reihe mehr haben möchten.

    Spoiler anzeigen

    Wenn Schluss ist, sollen wenigstens nicht allzu viele Fragen offenbleiben. Falls dieser Band der letzte sein sollte, kann man sich immerhin vorstellen, wie die Niederkaltenkirchener in Zukunft weiterwursteln werden. Der Eberhofer Paul äußert mit seinen 9 Jahren sogar schon einen durchaus plausiblen Berufswunsch.

    Unkonventionell als Polizist und Vater

    Die Vater-Sohn-Beziehung gehört für mich zu den Highlights der Geschichte. Paul, der Sohn von Franz und Susi, muss sowas wie eine spontane Mutation sein: ein oberschlaues Mathe-Genie, das eine Klasse übersprungen hat und Balletttanz zu seinen Hobbys zählt. Und das, wo Franz viel lieber einen kernigen Fußballer als Sohn gehabt hätte! Der Paul kommt ihm vor wie ein Alien. Doch so langsam entdeckt er auch ein paar charakterliche Familienähnlichkeiten.

    Der Brüller schlechthin war für mich Susis Idee, Franz zur Eltern-WhatsApp-Gruppe von Pauls Schulklasse hinzuzufügen. Dass der für solche kleinkarierten Diskussionen keine Geduld aufbringt, hätte sie sich denken können! Als ihm schließlich der Kragen platzt und er in den Chat was reinschreibt, „was sich erst auf den zweiten Blick reimt“, habe ich so laut gelacht, dass meine Nachbarn mich vermutlich für bekloppt gehalten haben.

    Perfekt für Eberhofer-Fans

    Wer atemberaubende Krimispannung braucht und/oder politisch korrekte Hauptfiguren, der ist hier verkehrt. Für Seiteneinsteiger ist der 13. Band nur bedingt geeignet, weil denen die ganze Vorgeschichte fehlt. Aber die eisenharten Eberhofer-Fans, die kriegen hier genau das, was sie lieben und erwarten.

    Die Autorin

    Rita Falk wurde 1964 in Oberammergau geboren. Ihrer bayrischen Heimat ist sie bis heute treu geblieben. Mit ihren Provinzkrimis um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer und ihren Romanen ›Hannes‹ und ›Funkenflieger‹ hat sie sich in die Herzen ihrer Leserinnen und Leser geschrieben – weit über die Grenzen Bayerns hinaus. 2023 erhielt Rita Falk den Bayerischen Verdienstorden für das "augenzwinkernde und gleichzeitig liebevolle Porträt ihrer bayerischen Heimat" in den beliebten Eberhofer-Krimis.

  • Andrea Fischer Schulthess - Nur noch fünf Tage

    • Vandam
    • 24. November 2025 um 12:40

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    Andrea Fischer Schulthess: Nur noch fünf Tage, Bielefeld 2025, Pendragon, ISBN 978-3-86532-912-7, Klappenbroschur, 266 Seiten, Format: 20,5 x 13 x 1,6 cm, Buch: EUR 22,00, Kindle: EUR 19,99.

    „Aber über […] ihre Entdeckungen, ihre Geschichte und auch ihre Einsamkeit wird sie ehrlich sein und sich ihm offenbaren. Hätte Joséphine das bei ihr getan, wäre alles anders gekommen. Das Schweigen in dieser Familie muss ein Ende finden, soll mitsamt den Wurzeln ausgerissen werden.“ (Seite 231)

    Da ich mir das Buch nicht aktiv beschafft hatte – es ist mir gewissermaßen zugelaufen – hatte ich auch keine konkreten Erwartungen an den Inhalt. Dass es kein „Psychokrimi“ ist, wie der Klappentext verheißt, habe ich aber schnell gemerkt. Am Anfang eines Krimis steht ein Verbrechen, dessen Aufklärung wir Leser dann verfolgen. In dieser Geschichte wird zwar am laufenden Meter gegen Gesetze verstoßen, aber nichts davon dringt an die Öffentlichkeit. Was immer auch passiert: Die Familie hält alles schön brav unter dem Deckel. Das ist ein Familiendrama. (Ich stell das jetzt trotzdem unter "Krimi" rein, weil das Buch eben so verkauft wird.)

    Amanda plant den Freitod …

    Fribourg/Schweiz 2019: Amanda Meijer, 49, Teilzeit-Buchhändlerin mit abgebrochenem Germanistikstudium, leidet schon ihr Leben lang unter Depressionen, genau wie Mutter Joséphine und Großmutter Hermine vor ihr. Mama und Oma haben ihr Leben nur mit Hilfe von Alkohol und Pillen ertragen und sich jeweils im Alter von rund 50 Jahren das Leben genommen – ohne Abschiedsbrief, ohne Erklärung. Auch Amanda ist von Drogen abhängig und plant ihren baldigen Suizid.

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    Ihr Mann ist ständig unterwegs, angeblich geschäftlich, Sohn Benjamin ist erwachsen. Zu ihrem launischen Großvater Alois Favre hat sie kaum Kontakt, ihren Vater hat sie nie gekannt. Ihr Tod dürfte also für niemanden eine unzumutbare Härte darstellen.

    Jetzt muss sie nur noch die letzten 5 Tage durchstehen und sich so unauffällig verhalten, dass niemand ihr Vorhaben durchschaut und vereitelt.

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    Die einzigen Personen, die in ihre Pläne eingeweiht sind, sind die Mitglieder eines anonymen Freitod-Forums im Internet. Von ihnen fühlt sie sich erstmals verstanden.

    … doch das Leben kommt dazwischen

    Wie so oft im Leben läuft’s auch hier nicht wie geplant:

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    Amandas 18jähriger Sohn wird ungeplant Vater. Seine Freundin Hannah zieht bei ihnen beiden ein, um Ruhe vor ihren frömmelnden Eltern zu haben, die sie trotz aller „Christlichkeit“ zu einer Abtreibung zwingen wollen.

    Dann ereilt Amanda auch noch die Nachricht, dass ihr Großvater, hoch in den Achtzigern, nicht mehr allein in seiner Wohnung in Zürich leben kann. Notgedrungen nimmt sie ihn bei sich auf, bis eine passende Pflegeeinrichtung gefunden ist.

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    Als Kind hat Amanda ihren Opa geliebt. In ihren Augen wusste und konnte er einfach alles. Er hat ja auch zwei Doktortitel und war immer ein begnadeter Tüftler und Bastler. Dass er auch brutal und gemein sein kann, hat sie erst sehr spät mitbekommen. Ihre Mutter und ihre Großmutter wussten das schon längst, es ist ihnen aber nie gelungen, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

    Opas düsteres Geheimnis

    Von der liebevollen Herzlichkeit des Opas aus ihren Kindertagen ist nichts mehr übrig. Alois Favre ist zu einem ungerechten, verletzenden und gehässigen Stinkstiefel mutiert, der nur noch ein einziges Vergnügen kennt: seine Mitmenschen zu quälen. Vor allem Amanda provoziert er mit Andeutungen darüber, dass er ein großes Geheimnis habe, sie aber zu dumm sei, dieses jemals zu enthüllen.

    Das könnte ihr egal sein, weil sie sowieso in wenigen Tagen aus dem Leben scheiden will. Aber sie hat einen ungeheuerlichen Verdacht. Und wenn dieser sich bestätigt, darf Alois seine Geschichte nicht einfach so mit ins Grab nehmen. Das muss ausgesprochen werden, auch wenn man ihn nicht mehr dafür zur Verantwortung ziehen kann.

    Amanda forscht nach und ihre Suizidpläne liegen erst einmal auf Eis. Sie ist mit dem Leben noch nicht fertig. Erst muss sie die Vergangenheit ihres Großvaters ans Licht bringen. Wenn nur Mutter und Großmutter beizeiten mit ihr geredet hätten! Dann hätte sie es jetzt leichter. Doch diese beiden kann sie leider nicht mehr befragen.

    Der Nachbar weiß mehr als er sagt

    Was aber weiß Edouard, der creepy Nachbar, der schon als Kind bei der Familie Favre ein- und ausgegangen ist und ständig bei Opa in der Kellerwerkstatt herumhing? - Weitaus mehr, als Amanda Meijer ahnt! Doch auch er behält sein Wissen lieber für sich.

    Wird es ihr gelingen, die Mauern des Schweigens zu durchbrechen, hinter denen die Frauen ihrer Familie über Generationen hinweg die Hölle erlebt haben?

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    Wenn sie endlich wüsste, woher all die Probleme rühren, hätte sie etwas, womit sie in einer Therapie arbeiten könnte und dürfte ihre Suizidpläne ad acta legen. Oder haben alle schon so lange geschwiegen, dass die Wahrheit jetzt gar keinen Unterschied mehr macht?

    Diese Familiengeschichte ist starker Tobak: Depressionen, Suizid und immer mehr abscheuliche Verbrechen, je weiter Amanda nachforscht. Und das alles unter dem Deckmäntelchen der bildungsbürgerlichen Wohlanständigkeit.

    Wir müssen miteinander reden!

    Manche Entwicklungen sieht man als Leser:in kommen, andere erwischen einen völlig kalt. Und nicht immer habe ich das Verhalten der Personen mit ihrem mutmaßlichen Hintergrund in Einklang bringen können:

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    Was, dieser proletenhafte Angeber hat promoviert? Und der Typ, der daherkommt wie ein tumber Gehilfe ist ein pensionierter Lehrer? Im Ernst? - Das hat mich etwas irritiert.

    Wichtig fand ich die Botschaft, dass wir ehrlich miteinander reden müssen, wenn wir gut und friedlich miteinander leben wollen. In einem Interview mit ihrem Verlag sagt dazu die Autorin:

    „Mich beschäftigt Kommunikation in Familien seit langem. Und was passiert, wenn sie eben nicht stattfindet. Ich glaube, dass Lügen, Schweigen und fehlende Kommunikation eine Familie über Generationen vergiften können.“ (Verlags-Interview)

    Wenn ich gewusst hätte, worauf ich mich bei dem Buch einlasse, hätte ich es vermutlich nicht gelesen. Die Sprache hat mich hineingezogen:

    „Ich versuche, nicht aktiv über Formulierungen nachzudenken, sondern eher tief in eine Situation einzutauchen und sie wie eine Zuschauerin zu beobachten, mitzufühlen und dann zu beschreiben, wie es aussieht, klingt, riecht, sich anfühlt.“ (Verlags-Interview)

    Packend, düster und verstörend

    Drangeblieben bin ich, weil ich meine Vermutungen bezüglich Amandas Familiengeschichte bestätigt sehen wollte, was nur teilweise geklappt hat. Und weil ich gehofft habe, dass sie doch noch die Kurve kriegt und einen Grund zum Weiterleben findet. Amandas Spurensuche ist packend, aber düster und verstörend ist sie auch.

    Die Autorin

    Andrea Fischer Schulthess wurde 1969 in ­Zürich geboren. Nach dem Zoologie-Studium an der Universität Zürich hat sie die Ringier Journa­listenschule absolviert und für diverse Medien geschrieben. 2019 übernahm sie künstle­rische Leitung des Millers Theaters in Zürich, wo sie auch regelmäßig selbst auf der Bühne steht. Ihr erster Roman »Motel Terminal« erschien 2016. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.

  • Melissa Caughey - How to Read a Chicken's Mind

    • Vandam
    • 8. Oktober 2025 um 12:37

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    Melissa Caughey: How to Read a Chicken's Mind. Wie deine Hühner denken, fühlen, lernen und sich mitteilen, OT: How to Read a Chicken's Mind: Understand How Chickens Learn, Perceive People, Express Emotions, and Pass Down Knowledge, aus dem Englischen von Susanne Schmidt-Wussow, Bern 2025, Haupt Verlag, ISBN 978-3-258-08450-3, Klappenbroschur, 128 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Format: 20,3 x 15,2 x 1,1 cm, EUR 22,00.

    Ich bin, wie viele andere Menschen auch, mit der Überzeugung aufgewachsen, dass Hühner nicht gerade Intelligenzbestien sind. Das ist eigentlich ziemlich arrogant. Sie können alles, was sie als Hühner können müssen – und manches, was man ihnen gar nicht zugetraut hätte.

    Was Hühner alles können!

    Sie kommunizieren miteinander, sie erkennen ihre Bezugsmenschen und haben sogar Namen für sie, sie pflegen Freundschaften und haben in ihrer Schar eine ausgeprägte Hierarchie, die sich an veränderte Gegebenheiten flexibel anpassen kann. Sie können sich mit anderen Tierarten verständigen und auch mit uns Menschen, wenn wir richtig hinhören. Sie geben ihr Wissen an nachfolgende Generationen weiter – auch die Namen, die sie ihren Menschen geben. Man kann ihnen Tricks beibringen. Sie sind zu verschiedenen Emotionen fähig und sogar zu Täuschung und Manipulation. In ihren murmelgroßen „Spatzenhirnen“ ist also mehr los, als man gemeinhin annimmt.

    Das Buch ist so eine Art Hühner-Grundkurs. Die Autorin hält selbst seit Jahren Hühner, weiß daher genau, wovon sie spricht und gibt uns ihr gesammeltes Wissen gerne weiter.

    Vom Schnabel bis zur Kralle

    „Wenn man wissen will, wie ein Huhn tickt, muss man erst einmal verstehen, wie sein Körper funktioniert.“ (Seite 61)

    Und so erhalten wir von ihr einen kompakten Überblick vom Schnabel bis zu den Krallen: Skelett, Organe, äußere Merkmale … Diese Übersicht beantwortet auch die Frage, die mich als Kind beschäftigt hat: „Haben Hühner denn auch Ohren? Man sieht ja keine!“ Meine Familie wusste damals die Antwort und auch, was die Ohrlappen der Hühner mit der Farbe der Eier zu tun haben, die sie legen. Im Buch wird das ebenfalls erklärt.

    Der Hühnerschnabel, so lernen wir, ist ein wahres Wunderwerk. Umso barbarischer kommt uns eine häufige Praktik in der kommerziellen Hühnerproduktion vor: Um die Tiere davon abzuhalten, sich gegenseitig zu verletzen, wird ein Teil des Oberschnabels oder des Ober- und Unterschnabels entfernt. Wenn man Hühner als fühlende Wesen wahrnimmt, ist so manches aus dem Bereich der Nutztierhaltung nur schwer auszuhalten, auch wenn es hier nur angedeutet wird. Normalerweise verdrängt man solche Informationen - jedenfalls die meisten von uns.

    Hühner haben „Besties“

    Hühner haben eine Vorstellung von „ich“ und „wir“. Sie kommen am besten mit Tieren ihrer eigenen Hühnerrasse klar, weshalb man in einer bunt gemischten Schar am besten von jeder Sorte zwei hält. Sie haben beste Freundinnen, kümmern sich um sie und trauern, wenn sie nicht mehr da sind. Es gibt unter den Hühnern unterschiedliche Persönlichkeiten und sie können neben negativen Emotionen wie Angst und Frustration offenbar auch sowas wie Glück empfinden.

    Mehr als nur gack-gack

    Wer Melissa Caugheys Buch HOW TO SPEAK CHICKEN (Haupt Verlag, 2018) gelesen hat, für den ist das Kapitel über die Hühnersprache eine kurze Wiederholung. Wie die Autorin die Sprache der Hühner entschlüsselt und ihre Erkenntnisse getestet hat, beschreibt sie in dem genannten Werk ausführlich. Hier gibt’s eine kondensierte Version davon, so eine Art Wörterbuch. Wahrscheinlich gackert der Leser – zumindest im Geiste – die Hühnervokabeln vor sich hin, während er das liest. 😊 Von Vorteil wäre es natürlich, Hörbeispiele zu haben. Es gibt bei YouTube einen Beitrag, in dem Melissa Caughey und ihr ebenfalls hühnerkundiger Gesprächspartner uns was vorgackern.

    Hühnerwissen für Einsteiger

    Wie immer bei Sachbüchern kommt es auf den aktuellen Kenntnisstand des Lesers an, ob ihm das Buch neue Erkenntnisse beschert oder nicht. Ich würde sagen, das ist eher was für Einsteiger. Die Autorin liefert unterhaltsam aufbereitete laiengerechte Informationen, und aussagekräftig bebildert ist das Buch auch.

    Abb.: © Haupt Verlag, Foto: E. Nebel

    Ich bin kein großer Freund des Trends, englischsprachige Buchtitel einfach unübersetzt zu übernehmen. Ja, klar, man spart dadurch Zeit, Geld und Gehirnschmalz und muss sich, vorausgesetzt der Titel ist international geklärt, nicht auch noch um rechtliche Belange kümmern. Das bisschen Englisch, scheinen sich die Verlage zu denken, kann doch jeder! – Wirklich? Ich finde, man macht es sich da ein bisschen leicht. Aber gut …!

    In Hühnersprache fällt mein Fazit zu diesem Sachbuch in etwa so aus: „Prrrrrrrrrr“. *)

    * = Zufriedenheit.

    Die Autorin

    Melissa Caughey ist eine preisgekrönte Autorin und Bloggerin - http://www.tillysnest.com. Ihre Hauptthemen sind Hühnerhaltung, Bienenhaltung und Gärtnern. Sie lebt mit ihrer Familie am Cape Cod (USA).

  • Inge Zinßer - Der Fall des Stalkers

    • Vandam
    • 8. Oktober 2025 um 12:33

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    Inge Zinßer: Der Fall des Stalkers, Reutlingen 2025, Oertel + Spörer Verlag, ISBN 978-3-96555-211-1, Softcover, 177 Seiten, Format: 19 x 12 x 1,5 cm, Buch: EUR 13,00, Kindle: EUR 9,99.

    Irgendwie ist diese Krimireihe komplett an mir vorbeigegangen, obwohl die Hauptkommissare Peter Zondler und Sebastian Aichele plus Kolleg:innen in „meiner“ Kreisstadt Esslingen stationiert sind. Jetzt habe ich ausgerechnet den 6. Band erwischt, in dem KHK Zondler, 56, keinen Bock mehr auf seinen Beruf hat und mit dem vorgezogenen Ruhestand liebäugelt. Er möchte sich mit seiner Frau, der Buchhändlerin Jette, ins Privatleben zurückziehen. Es muss doch mehr geben auf der Welt als Mord und Totschlag! Zweifellos.

    Ein Toter auf dem Feldweg

    Der aktuelle Fall macht ihm besonders zu schaffen. Nach all den Jahren kann er noch immer kein Blut sehen, ohne dass ihm schlecht wird, und der unbekannte junge Mann, der erstochen auf einem Feldweg liegt, bietet einen äußerst grausigen Anblick. Noch schlimmer findet der Kommissar, dass sich der Mord an seinem Wohnort, in Hochdorf, ereignet hat. Das ist ja so, als würde man die Arbeit mit nach Hause nehmen! Er will auch nicht seine Freunde und Bekannten verdächtigen müssen.

    Spoiler anzeigen

    Jetzt fällt auch noch sein langjähriger Kumpel und Kollege Aichele aus familiären Gründen für eine Weile aus und Zondler muss mit einer jungen, unerfahrenen Kollegin aus Stuttgart zusammenarbeiten. Die erweist sich zum Glück als recht patent. Von ihren privaten Problemen ahnt er (noch) nichts.

    Ja, und abnehmen soll er! Er quält sich durch die gesunde Ernährung, die ihm der Arzt und die Gattin aufnötigen, und durch seine Termine im Fitnessstudio. Das hebt seine Laune natürlich auch nicht.

    Keine Feinde, kein Motiv

    Wenn sie wenigstens im Fall des erstochenen Unbekannten vorankämen! Es dauert schon mal ewig, bis er überhaupt identifiziert ist. Und dann erweist er sich als braver, arbeitsamer Bürger, der keinerlei gefährlichen Umgang pflegte. Keine Laster, keine Feinde – und keine erkennbare Verbindung nach Hochdorf.

    Dann geschieht auf dem Martinimarkt ein weiterer Mord. – ebenso unerklärlich. Jemand hat einen harmlosen und freundlichen Wurstverkäufer erschlagen. Wieder weit und breit kein Motiv und kein Verdächtiger.

    Während Zondler und Kollegen sich mit den beiden Morden herumplagen, wissen wir Leser:innen mehr:

    Spoiler anzeigen

    Der gemeinsame Nenner ist eine arglose alleinstehende Frau in Hochdorf, die selbst nichts von den Zusammenhängen ahnt. Aber Hochdorf ist nicht sehr groß, irgendwer hat sicher was Wichtiges gehört oder gesehen, auch wenn er/sie es im Moment vielleicht noch nicht richtig einordnen kann.

    Zum Glück kennen Kommissar Zondler und seine Frau ein paar Leute, die im Ort sehr gut vernetzt sind.

    Dramatischer Wettlauf gegen die Zeit

    So langsam können sich die Ermittler ein Bild machen. Doch „langsam“ ist nicht schnell genug! Im letzten Drittel des Buchs nimmt die Geschichte ordentlich Fahrt auf. Aus „erschöpfter Kommissar grantelt sich widerwillig durch eine rätselhafte Mordserie“ wird auf einmal ein rasanter und hochdramatischer Wettlauf gegen die Zeit …

    Sympathische Ermittler, erfreulich normal

    Das Romanpersonal war mir auf Anhieb sympathisch. Die sind alle so erfreulich normal! Auch wenn immer wieder deutlich wird, dass die Leute eine lange gemeinsame Geschichte verbindet – immerhin ist das Band 6! -, bin ich problemlos in die Story hineingekommen, es bleiben keine Fragen offen. Man muss auch die Gegend nicht kennen, um sich in dem Krimi zurechtzufinden. Es schadet aber nichts, wenn man ein bissle Schwäbisch versteht, denn manchmal entschlüpft dem Kommissar oder seinen Gesprächspartnern eine Formulierung im Dialekt - wie das eben so ist, wenn man mit einer Mundart aufgewachsen ist.

    Ebenfalls wie im richtigen Leben ist, dass wir unsere widersprüchliche Einstellung gegenüber dem Täter aushalten müssen. Ein Teil der Geschichte wird aus seiner Sicht geschildert. Uns ist natürlich klar, dass es unentschuldbar ist, was er da treibt. Aber es ist auch unentschuldbar, was man ihm angetan hat.

    Schade, dass die Reihe schon zu Ende ist! Ich hätte gerne noch gewusst, wie sich die Polizisten mit den neuen Gegebenheiten arrangieren. Ich mag die vertraute Umgebung als Handlungsort und das unaufgeregte Romanpersonal mit seinen nachvollziehbaren Problemen. Und die Spannung, natürlich! Aber es bleibt mir ja unbenommen, die vorigen Bände im Nachhinein zu lesen.

    Die Autorin

    Inge Zinßer ist 1954 geboren, verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und sechs Enkelkinder. Viele Jahre war sie als Buchhändlerin tätig. Ein sehr bewegtes, turbulentes Leben, aus dem sie immer wieder kleine Episoden für ihre Bücher verwenden kann. Vor allem das Thema Friedhof beschäftigt die Autorin, da ihr Mann lange in diesem Bereich gearbeitet hat. Ihr erster Regionalkrimi war „Grabsharing“ – mit diesem neuen Krimi erscheint nun bereits der sechste Band, stets mit Kommissar Zondler und seinem Kollegen Aichele, sowie Zondlers Frau Jette.

  • Claudia Rimkus - Morden für Einsteiger

    • Vandam
    • 23. September 2025 um 12:28

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    Claudia Rimkus: Morden für Einsteiger. Hannover-Krimi, Hameln 2025, CW Niemeyer Buchverlage GmbH, ISBN 978-3-8271-9214-1, Klappenbroschur, 323 Seiten, Format: 19 x 12,5 x 1,9 cm, Buch: EUR 14,00, Kindle: EUR 9,99.

    „Wieder einmal nagen Zweifel an mir – mehr als jemals zuvor. Darf ich mir anmaßen, mich zum Richter über Leben und Tod zu erheben? Ausgerechnet ich? Wer bin ich denn? Eine kleine Anwaltsangestellte mit einem übergroßen Gerechtigkeitssinn.“ (Seite 297)

    Ein klassischer Krimi, in dem die Aufklärung eines Verbrechens im Mittelpunkt steht, ist das nicht. Die Geschichte wird uns aus der Perspektive der „Täterin“ geschildert. Ich würde sagen, es handelt sich um eine unterhaltsame, leicht schwarzhumorige Thriller-Komödie.

    Caro legt Wert auf Gerechtigkeit

    Hannover in der Vorweihnachtszeit: Keine Frage, die Ich-Erzählerin, Carolin Gerber, 38, ist ein guter Mensch. Sie unterstützt nach Kräften ihre Geschwister, sie kümmert sich um ihre verwitwete Mutter und im Bedarfsfall auch um die sechsjährige Tochter ihrer alleinerziehenden Nachbarin. Manchmal hilft sie auch in der Freiwilligen-Agentur aus, in der sich ihre Mutter engagiert. Schon als Kind hatte sie ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, und so verwundert es nicht, dass sie als Rechtsanwaltsfachangestellte arbeitet.

    Ihre Arbeit und das Leben im Allgemeinen haben sie allerdings gelehrt, dass Rechtsprechung oft nicht das widerspiegelt, was sich der Normalbürger unter Gerechtigkeit vorstellt. Da laufen die größten Ganoven frei herum, weil man ihnen nichts nachweisen kann oder weil zwielichtige Anwälte sie herausgepaukt haben. Und warum, bitte, darf Carolins Schwager seit Jahren ungestraft Frau und Kinder misshandeln? Ohne ihn, findet Carolin, wäre die Familie besser dran.

    „Der kann weg!“ – Caros Todesliste

    Aus einer Laune heraus erstellt die passionierte Krimileserin nun eine Liste mit Menschen, die ihrer Meinung nach unbedingt ins Jenseits befördert werden müssten:

    Spoiler anzeigen

    der prügelnde Schwager, die saumselige Hausverwalterin, der kriminelle Rechtsverdreher - und noch ein paar weitere Gestalten, bei denen sich

    auch der Leser denkt: Ja, gut, kann weg!

    Nur kommt Carolin jetzt auf die unselige Idee, diesbezüglich nachhelfen zu wollen.

    Spoiler anzeigen

    Mit ihrem Schwager fängt sie an. Ihn nach Feierabend auf seiner Baustelle abzupassen und zu erledigen, dürfte ja kein Problem sein.

    Doch so leicht wie im Krimi ist das Töten im wahren Leben nicht. Das ist ihr vor uns Leser:innen ziemlich peinlich.

    Aller Anfang ist schwer

    „Sorry. Das tut mir wirklich leid. Sie müssen schon so lange auf meine erste Leiche warten. Bedenken Sie aber Folgendes: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Als Quereinsteiger hat man es in keinem Beruf leicht. Man braucht eine gewisse Zeit der Einarbeitung.“ (Seite 185)

    Dass sie gerade jetzt dem attraktiven Kriminalkommissar Mark Rosner in die Arme läuft und ihn unwiderstehlich findet, ist ihrer Killer-Karriere nicht förderlich. Die große Frage ist: Soll sie ihre Todesliste nun vergessen und mit ihrem Polizisten glücklich werden, oder soll sie weitermachen, weil man manchmal eben Schlechtes tun muss, um etwas Gutes zu bewirken?

    Spoiler anzeigen

    Mit ihren Freunden und Verwandten kann Carolin dieses Dilemma nicht diskutieren, und so lässt sie uns Leser:innen an ihren Überlegungen teilhaben. Wir sollen jetzt urteilen: Sind wir für Gerechtigkeit? Ja! Wollen wir, dass sich die sympathische Romanheldin des mehrfachen Mordes schuldig macht? Nein! – Was nun? Einen Mittelweg gibt es nun mal nicht.

    Das Schicksal hat einen makaberen Humor

    Doch wer hätte gedacht, dass das Schicksal einen so makaberen Humor hat? Fast ist man versucht, selbst auch so eine Liste zu erstellen. Vielleicht klappt’s ja!

    Der Leser sympathisiert mit der Heldin und wünscht ihr nur das Allerbeste, auch wenn er moralische Bedenken bezüglich ihrer Todesliste hat. Man fiebert bei Carolins Unternehmungen mit und fragt sich bei jeder ihrer Aktionen bange, was denn wohl jetzt wieder dazwischenkommen wird. Das macht die Geschichte spannend. Witzig wird sie durch die Art, in der Carolin uns von den Ereignissen erzählt. Und ein bisschen kommen wir beim Lesen auch ins Grübeln: über gut, böse und alles dazwischen.

    Unterhaltsame Thriller-Komödie

    Ganz ernst nimmt sich die Geschichte nicht. So viele Zufälle wären im realen Leben undenkbar. Aber eine allzu große Realitätstreue ist auch gar nicht das Ziel dieser Thriller-Komödie. Das Buch will uns auf intelligente Weise unterhalten, und genau das tut es.

    So gerne ich Carolin und ihren Polizisten mag – Serienpotential sehe ich hier nicht. Bei einer Fortsetzung wäre die überraschende Grundidee einfach nicht mehr überraschend. Als „alleinstehendes“ Werk habe ich dieses Buch aber sehr genossen.

    Die Autorin

    Claudia Rimkus lebt und genießt ihren Unruhestand in ihrer Geburtsstadt Hannover. Sie hat zwei Kinder und drei Enkel. Seit ihrer Jugend schreibt sie Gedichte, Kurzgeschichten und Romane. Ihre ersten Erzählungen wurden erfolgreich als Fortsetzungsromane in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und den angeschlossenen Lokalzeitungen veröffentlicht. Trotz aller Spannung sind ihre Werke stets mit Humor gewürzt. Als Ausgleich zur Schreibtischarbeit ist die Autorin gern mit der Kamera unterwegs. Das genaue Beobachten ihrer Umwelt inspiriert sie sowohl beim Fotografieren als auch beim Schreiben. Ihre Fotos haben mehrere Preise gewonnen.


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