Sam Savage - Firmin. Ein Rattenleben

Es gibt 127 Antworten in diesem Thema, welches 28.222 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Avila.

  • Ich habe das Buch auch gerade beendet.


    Irgendwie bin ich gerade noch etwas perplex. So richtig hat mir das Ende ja irgendwie doch nicht zugesagt. Ich finde es zwar auch gut, dass das Buch endet wo es angefangen hat, aber was sollte denn dieser komische Tagtraum. Irgendwie fand ich den etwas komisch. Es wurde ja zuvor erwähnt, dass Firmin häufig Erinnerungen mit Phantasien verwechselt und vermischt... Ich denke, das werde ich wohl nochmal lesen müssen. Vielleicht werde ich dann klüger daraus.


    Welche Buchanspielungen meint ihr denn alle? Dass häufig Titel eingeflossen sind, war ja offensichtlich, aber die fand ich doch recht leicht zuzuordnen. Meint ihr vielleicht diese kurzen, kursiv gesetzten Sätze, die über das ganze Buch verstreut waren? Ich interpretiere dass eher so, dass das einfach Einfälle von Firmin selbst sind. Ich denke, dass das eher die Funktion hatte, sein eigenes Leben zu ordnen und den einzelnen Epochen Überschriften zu verleihen. Das Buch ist ja eine fiktive Autobiografie und Firmins Gedankengänge gleichen sehr denen eines Schriftstellers (wie ja auch schon zu Beginn des ersten Kapitels deutlich wird). Ich denke, dass sind einfach so spontane Einwürfe Firmins.
    War das einigermaßen verständlich? Ich kann mich nicht so gut ausdrücken und bin eher schlecht im Erklären. :redface:


    Ich werde jetzt noch etwas über das Buch nachdenken und dann eine Rezi schreiben.


    Aber vorher mache ich mich noch etwas schlau über diese Beat-Generation, die im Klappentext erwähnt wird.

    "This was another of our fears: that Life wouldn't turn out to be like Literature" (Julian Barnes - The Sense of an Ending)


  • Seit ihr vom Ende auch irgendwie so "unbefriedigt" wie ich? :gruebel:


    Irgendwie bin ich auch etwas unbefriedigt...ich meine, alles in allem finde ich das Buch ganz gut...aber vorallem das letzte Kapitel mit dem Tagtraum hätte man sich sparen können...hmm...


    :winken:

    Books are the ultimate Dumpees: put them down and they’ll wait for you forever; pay attention to them and they always love you back.<br />John Green - An Abundance of Katherines<br /><br />:lesewetter: Caprice

  • Da ich heute sehr viel im Zug saß, habe ich auch richtig viel gelesen.
    Allerdings geht es mir nicht so wie euch mit Firmin.
    Die Geschichte selbst finde ich nach wie vor sehr Ideenreich und gut.
    Jedoch wird mir Firmin immer unsympatischer.
    Miramis hatte ihn in ihrem ersten Beitrag als


    ganz schön selbstverliebt und egozentrisch.

    beschrieben und je weiter ich lese umso mehr muß ich dir Recht geben.


    Trotzdem gibt es sehr viele Stellen bei denen ich doch herzhaft lachen musste, als er sich zum ersten Mal im Spiegel sah, oder als er hinter seiner Schwester herlief und sie am liebsten von hinten gepackt hätte :breitgrins: wegen dieses Hinterteils
    So gibt es sehr viele Szenen dir mir sehr gut gefielen, aber inzwischen frage ich mich auch : Wo führt das ganze hin?


    Ob ich heute abend noch weiterlese weiß ich noch nicht, aber es sind nur noch 63 Seiten, das werde ich wohl spätestens morgen beenden.

    :biene:liest :lesen: und hört

    07/60

    2116 /25.525 Seiten


  • So, nachdem ich vor lauter Arbeit nur das Cover sehnsuchtsvoll begucken konnte, habe ich heute Abend Kapitel 3 gelesen - manchmal geht vor lauter Drumherum einfach nicht mehr.


    Ich weiß gerade nicht so recht, was ich von Firmin halten soll. Zwischendurch kommen Selbstbetrachtungen, bei denen er überheblich rüberkommt (wie auch Miramis und Bine kommentiert haben). Sein Wissen ist mehr wert als das, was seine Familie kann. Das hilft ihm nur gar nichts bei seinem ersten Ausflug in die Außenwelt, als er mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert wird. Ich habe das Gefühl, Firmin hat das nicht als Chance und Erweiterung begriffen, sondern als bloße Störung seiner hochgeistigen Bildung. Dabei bot sich da draußen eine typisch rattige Erweiterung des Speiseplans, eine Übung im Überleben und das Erlernen von Kniffen.


    Zwar ist Firmin mir "nicht ans Herz gewachsen", wie Machandel das auch sagt, aber die Geschichte liest sich immer noch gut und flüssig und vor allem will ich nach wie vor wissen, wo mich das Ganze hinführt. Speziell die Kommentare über das Ende machen mich sehr neugierig.

    ☞Schreibtisch-Aufräumerin ☞Chief Blog Officer bei Bleisatz ☞Regenbogen-Finderin ☞immer auf dem #Lesesofa


  • Sein Wissen ist mehr wert als das, was seine Familie kann. Das hilft ihm nur gar nichts bei seinem ersten Ausflug in die Außenwelt, als er mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert wird. Ich habe das Gefühl, Firmin hat das nicht als Chance und Erweiterung begriffen, sondern als bloße Störung seiner hochgeistigen Bildung. Dabei bot sich da draußen eine typisch rattige Erweiterung des Speiseplans, eine Übung im Überleben und das Erlernen von Kniffen.


    Ich denke auch, dass er die Möglichkeiten, die sich ihm "draußen" bieten nicht wirklich erkannt hat.
    Andererseits muss man glaube ich auch bedenken, dass seine Geschwister bis zu dem Zeitpunkt nur den Keller kannten und dabei eigentlich nur die Ecke, in der sie schon geboren wurden. Firmin ist ja der einzige, der sich herausgewagt hat. Und er hat halt durch seine Besuche in der Buchhandlung im Vergleich zu seinen Geschwistern ganz andere Voraussetzungen, da er ja eben schon etwas anderes kennt. Vielleicht hat er dadurch einfach gar nicht mehr das Bedürfnis, eine Alternative zum Keller kennenzulernen.


    Natürlich freuen sich seine Geschwister darauf, endlich was von der Welt (in diesem Fall natürlich sehr beschränkt nur von Boston) zu sehen. Wer würde das nicht, wenn er immer nur die gleichen 4 Wände gesehen hat.


    Von daher halte ich Firmin gar nicht für so überheblich. Er hat seine Erfüllung vielleicht in seinen Augen schon gefunden.


    Liebe Grüße
    Stephi :winken:

    :leserin: Plichota/ Wolf: Oksa Pollock - Die Unverhoffte<br /><br />SLW - Annabas: 1/10<br />SLW - Seychella: 0/10

  • Ich habe mittlerweile bis einschließlich Kapitel 12 gelesen und finde zwar nach wie vor, dass sich das Buch flott und angenehm lesen lässt, hätte aber nicht erwartet, dass es so belanglos ist. Weder passiert etwas Spannendes noch entdecke ich irgendwo einen tieferen Sinn.


    Lustig fand ich, als Firmin versuchte, mit den Menschen in Kontakt zu treten und sie ihn lediglich für eine Ratte mit Tollwut hielten. :breitgrins: Muss ein sehr komisches Bild gewesen sein. Allerdings verstehe ich nicht ganz, was er sich davon erhofft hat, sich mit diesem bekloppten Reißverschluss-Satz verständlich zu machen. Er ist doch sonst so intelligent, da müsste er doch wissen, dass eine solche Begrüßung völlig unlogisch ist.


    Das englische Cover passt mE auch nicht so recht zu Firmin, sondern erinnert mich eher an Alf. Bei der deutschen Ausgabe passt ja gerade der unverhältnismäßig große Kopf und der traurige "Gesichts"ausdruck.



    Welche Buchanspielungen meint ihr denn alle? Dass häufig Titel eingeflossen sind, war ja offensichtlich, aber die fand ich doch recht leicht zuzuordnen. Meint ihr vielleicht diese kurzen, kursiv gesetzten Sätze, die über das ganze Buch verstreut waren? Ich interpretiere dass eher so, dass das einfach Einfälle von Firmin selbst sind.


    So hatte ich das auch verstanden. Aber gegen eine Liste der Bücher, auf die angespielt wird, z.B. durch die Anfangssätze im ersten Kapitel, hätte ich auch nichts einzuwenden.


    Wirklich überrascht hat mich in dem Buch bislang noch gar nichts, am wenigsten die Reaktion von Norman, als er

    Das war doch ziemlich abzusehen und ich kann mir auch schon denken, was mit Jerry passieren wird.
    Jetzt werde ich das Buch wohl noch fix zuende lesen und mich morgen dann wieder melden und auch meine Rezi schreiben. So gut wie ich anfangs gedacht hatte, wird sie aber wahrscheinlich nicht ausfallen. Dazu ist mir die Handlung einfach zu dünn.


  • Ich habe mittlerweile bis einschließlich Kapitel 12 gelesen und finde zwar nach wie vor, dass sich das Buch flott und angenehm lesen lässt, hätte aber nicht erwartet, dass es so belanglos ist. Weder passiert etwas Spannendes noch entdecke ich irgendwo einen tieferen Sinn.


    So in etwa geht es mir auch. Ich habe mir von dem Buch irgendwie mehr erhofft...wobei ich es aber dennoch gut finde, allerdings liegt das auch sehr an der Sprache, etc.
    Hmm...ich glaube, ich muss erstmal eine Nacht drüber schlafen, bevor ich eine Rezi dazu schreiben kann... :winken:

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  • Die Geschichte kommt nicht richtig in Schwung, Firmin will mir nicht ans Herz wachsen, und die immer wieder eingestreuten Bücher finde ich - besonders, wenn dann der Titel nicht genannt wird - eher nervig als interessant.


    Ich bin aktuell genauso weit, wie Machandel es hier im Beitrag war: Bis Ende Kapitel 5. Das Gefühl mangelnden Schwungs teile ich; die letzten zwei Kapitel waren eher handlungsarm und wirkten zeitweilig, als hätte man sie kürzen können (ich hoffe, Kapitel 6 schlägt wieder eine Brücke). Sie wiederholten, was schon zuvor etwas anders geschrieben war oder Dinge, die mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht reizen. Vielleicht erhalten sie noch Bedeutung, aber das kann man halt nicht erkennen. Viel Verpackung für die Information, dass der Buchladen abgerissen werden soll und das die Gegend heruntergekommen ist.


    Firmin finde ich nach wie vor nicht sympathisch. Er ist eher interessant als das. Er wirkt nach den ganzen Selbstdiagnosen, die er nach seinen Lektüren trifft, wie einer, der die Apothekerzeitschrift liest und sich hinterher selber besser diagnostizieren will als der ausgebildete Arzt.


    Was die Anspielungen auf Bücher angeht, habe ich auf den reinen "Wahrnehmungs-Modus" geschaltet: Aha, eine Anspielung. Gut, dann bitte weiterlesen.... Ich registriere einfach, dass Firmin sie gelesen hat, dass er ihnen einen Wert zuweist und dass er daraus Vergleiche ableitet oder Erkenntnisse.


    Trotzdem gibt es etwas, was mich am Weiterlesen hält - ich will wissen, was Firmin, der traurigen Gestalt, noch zustößt. Also tue ich das :zwinker:

    ☞Schreibtisch-Aufräumerin ☞Chief Blog Officer bei Bleisatz ☞Regenbogen-Finderin ☞immer auf dem #Lesesofa

  • So ich bin durch und habe auch schon meine Rezi geschrieben die eher nicht gut ausfiel und nur
    2ratten und :marypipeshalbeprivatmaus: erhielt


    Schade eigentlich, aber es hat meine Erwartungen von der Leseprobe einfach nicht erfüllt.

    :biene:liest :lesen: und hört

    07/60

    2116 /25.525 Seiten


  • ich bin auch durch und bin vom Ende etwas enttäuscht. Es gibt einfach zu wenig Handlung und das Ende fand ich auch enttäuschend. Schade eigentlich, denn die Idee und Firmin als Hauptfigur fand ich ganz interessant, nur ist meiner Meinung nach etwas wenig daraus gemacht worden.
    Ich werde mich jetzt mal an meine Rezi setzen.


    LG, Stefanie

    ~~better to be hated for who you are, than loved for who you&WCF_AMPERSAND're not~~<br /><br />www.literaturschaf.de

  • So, ich habe mal eine kurze Rezi dazu geschrieben, 3ratten waren es mir dann doch wert.
    Ach, kann ich das Buch eigentlich jetzt schon über Buchticket loswerden oder muss ich bis zum Veröffentlichungstermin warten?


    :winken:

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  • kathchen: Ich habe das Buch ja komischerweise doppelt bekommen und hab eines davon auch einfach bei Buchticket eingestellt. Hab gesehen, dass das auch schon andere getan haben, sollte also eigentlich kein Problem sein. Und jemand anderer freut sich bestimmt auch, wenn er das Buch schon vor dem Veröffentlichungstermin kriegt :smile:

    ~~better to be hated for who you are, than loved for who you&WCF_AMPERSAND're not~~<br /><br />www.literaturschaf.de

  • Ok, danke Stefanie.
    Dann werde ich mein Exemplar mal einstellen :winken:

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  • Natürlich freuen sich seine Geschwister darauf, endlich was von der Welt (in diesem Fall natürlich sehr beschränkt nur von Boston) zu sehen. Wer würde das nicht, wenn er immer nur die gleichen 4 Wände gesehen hat.


    Von daher halte ich Firmin gar nicht für so überheblich. Er hat seine Erfüllung vielleicht in seinen Augen schon gefunden.


    Genauso sehe ich es auch. Ich denke dass Firmin auf Grund seiner Begabung Bücher lesen zu können und seinen menschlichen Gefühlen einfach nicht das Bedürfnis hat in der Wildnis herum zu laufen. Das zeigt ja auch schon der Ausflug mit Mutter und Schwester - während die beiden sich wie normale Ratten verhalten und sich auf alles stürzen was essbar ist, bewundert Firmin seine Umgebung und interessiert sich einfach für andere Dinge. Von daher muss ich gestehen - so unsympathisch ist er mir nicht. Es ist eher eine weitere "Loser-Figur" mit der ich ohne Ende mitfühlen konnte.

    ~ The world is quiet here ~

  • Ich bin seit gestern Abend auch mit dem Buch durch und doch eher enttäuscht, da bis zum Schluss nicht wirklich viel passiert. Vor allem auch nichts Überraschendes, da sämtliche Wendungen ziemlich absehbar waren.



    Es ist eher eine weitere "Loser-Figur" mit der ich ohne Ende mitfühlen konnte.


    Wirklich mitfühlen konnte ich mit ihm nur als

    Ansonsten ist mir die Figur des Firmin nicht sonderlich nahe gekommen, auch wenn ich gerne mal aus der Sicht einer Ratte gelesen habe.


    Ich sehe es wie stefanie_j_h:


    Es gibt einfach zu wenig Handlung und das Ende fand ich auch enttäuschend. Schade eigentlich, denn die Idee und Firmin als Hauptfigur fand ich ganz interessant, nur ist meiner Meinung nach etwas wenig daraus gemacht worden.


    @ Dreamy
    Über die Werbung im Anhang habe ich mich auch gewundert. Bei mir ist es Werbung für 'Klassik Radio'.

  • Ich hab inzwischen bis Kapitel 10 gelesen und inzwischen gefällt mir das Buch wieder besser.


    Kam mir die Handlung bisweilen etwas statisch vor, hat sich jetzt doch noch eine kleine Portion Dynamik eingeschlichen, und auch Firmin finde ich angenehmer als in den Kapiteln zuvor.


    Norman hat ihn nun also bemerkt, auf eine witzige Art und Weise im Spiegelbild seines Kaffees, das hat mir gefallen. :breitgrins: Fast schon tragisch finde ich Firmins Interpretation des "Futters", das ihm von Norman vorgesetzt wird. Anstelle von Leckereien gibts aber nur Rattengift - ich sagte ja schon, dass Buchhändler angeknabberte Bücher nicht zu schätzen wissen... Firmin fällt natürlich in ein tiefes Loch; er hatte Norman geradezu angebetet, und nun ist desse Reaktion doch ganz anders ausgefallen als erwartet. Hm, verspüre ich da gerade Mitleid mit dem kleinen Rattenvieh? :gruebel::zwinker:


    Sehr kurios finde ich Firmins Versuche, per Zeichensprache mit den Menschen in Kontakt zu treten. Hier musste ich doch das eine oder andere Mal lauthals loslachen, denn zu komisch ist das Bild einer Ratte, die mittels akrobatischer Übungen eine Hand mit Fingern darstellen möchte... :lachen: Natürlich funktioniert das nicht, ebensowenig diese Reißverschlusssache... Aber immerhin verlässt Firmin seinen angestammten Wohnort und geht in den Park, das alleine hat mir schon sehr behagt, denn die Buchhandlung war mit der Zeit dann doch sehr eintönig als Setting.


    Dass ausgerechnet Jerry Magoon ihn verletzt aufsammelt, fand ich sehr rührend. Überhaupt sind Jerry und Firmin sich ähnlicher, als sie denken - beide einsam und unverstanden, Außenseiter der Gesellschaft. Naja, dieser Fingerzeig des Autors ist etwas überdeutlich, aber nicht unpassend. Mit Jerrys Wohnung gibt es auch einen neuen, interessanten Schauplatz zu erkunden, und Firmins Kunststückchen auf dem Flügel haben mich abermals sehr amüsiert... :breitgrins:


    Jetzt bin ich sehr neugierig, ob und wie die Geschichte endet. Ich hoffe, nicht allzu tragisch; obwohl, so ein Rattenleben ist meistens recht kurz...


    Viele liebe Grüße :winken:
    Miramis

    :lesen: Kai Meyer - Die Bibliothek im Nebel

  • Ich bin durch und mir hat das Ende sehr gut gefallen. :smile:


    Die Beziehung zwischen Firmin und Jerry vertieft sich und überhaupt finde ich, dass die Figur des Schriftstellers eine sehr interessante ist. Mir hat sein Lebenskünstlertum sehr imponiert und auch die Beschreibung seiner Romane gefiel mir - wenn es die gäbe, würde ich sie glatt lesen. :breitgrins:


    Das Zusammenleben zwischen den beiden stelle ich mir sehr innig vor, wie sie beide aus dem selben Krug Wein trinken und miteinander musizieren. Sogar ins Kino gehen sie gemeinsam. So sehr es mich auch für Firmin freut, dass er bei Jerry genau das findet, was er sich von Norman erhofft hatte, so sehr macht es mich betroffen, dass Jerry niemanden außer dieser kleinen Ratte hat. Wie einsam man sein kann...


    Und dann geht es plötzlich ganz schnell, Jerry stirbt aufgrund seines Sturzes und nun ist Firmin der Einsame. Er spuckt auch nicht mehr so große Töne wie am Anfang, bildet sich nicht mehr soviel ein auf seine Klugheit und Belesenheit. Das alles ist nichts wert, ohne einen Freund, mit dem man es teilen kann. Damit bekommt die Geschichte einen melancholischen Touch; und wenn ich zuvor schrieb, dass ein Rattenleben kurz ist, dann steuert alles auf Firmins Ende zu. Er verliert auch sein zweites Zuhause, die Buchhandlung, und am Ende bleibt ihm nichts außer Erinnerungen.


    Den Traum, in dem Ginger Rogers für ihn tanzt, fand ich sehr gelungen. Firmins Erinnerungen purzeln wild durcheinander - ich weiß nicht, ob ich da alle versteckten Anspielungen in dieser Szene begriffen habe. Das Symbol des Räumungbefehls ist jedenfalls eindeutig und betrifft nicht nur die Wohnung, sondern Firmin direkt. Am Ende landet er zum Sterben genau wieder da, wo er angefangen hat zu leben - in den Papierschnitzeln...


    Ich fand dieses traurig-melancholische Ende recht schön; insgesamt haben mich nur einige Längen im ersten Drittel etwas gestört, die sich aber sehr schnell in Luft aufgelöst haben. Jetzt werde ich mal ans Rezi-Schreiben gehen und dann eure Kommentare durchlesen.


    Viele liebe Grüße :winken:
    Miramis

    :lesen: Kai Meyer - Die Bibliothek im Nebel

    Einmal editiert, zuletzt von Miramis ()


  • Den Traum, in dem Ginger Rogers für ihn tanzt, fand ich sehr gelungen.


    Das war ein Traum? :confused:
    Ich hab da nachher irgendwie garnicht mehr durchgesehen.


    Bin jetzt auch durch.


    Und eigentlich etwas enttäuscht von dem Buch. Die Idee war so originell, die Sprache geistreich, die Texte lustig - aber hallo Handlung?
    Was ist denn eigentlich passiert? Das Viertel wurde abgerissen. Er hat einen Freund gefunden und viel gelesen. Und?
    Für mich einfach nicht genug für eine Geschichte. Kein Höhepunkt, kein wirklicher Antagonist.


    Die Kapitel mit Jerry haben frischen Wind beschert; es hat Spaß gemacht zu sehen, dass sie auf einer Wellenlänge schwimmen.
    Die Ratte war mir auch sehr sympathisch und ich musste weinen, als sie Jerry verloren hat- und sich zum Schluss zum Sterben zurückzog.
    Auch Norman hat mein Herz noch erweicht, als er alle seine Bücher verschenkte.


    Aber von "dies ist die traurigste Geschichte, die ich je gehört habe", hab ich mir mehr erhofft.
    Und das mit seinen Träumen, den Erinnerungen und der Realität hat mich auch durcheinander gebracht. Genau wie die ständige Erwähnung, dass er ein boourgeoises Tier ist, dass auf Frauenkörper und den Arsch seiner Schwester steht.


    Ich bin enttäuscht. Nicht unbedingt vom Buch selbst, sondern von meinen eigenen Erwartungen. Das Buch hat so toll angefangen, dass mir eine Gänsehaut über den Rücken lief - aber es kam nicht über einen Anfang hinaus, weil es einfach keine Spannungssteigerung gibt.

    [glow=red,2,300]http://www.lillyberry.de[/glow] :schmetterling:<br /><br />[url=https://literaturschock.de/literaturforum/forum/index.php?thread/14167.msg322477#msg322477] Mein SuB + Rezes


  • Das war ein Traum? :confused:
    Ich hab da nachher irgendwie garnicht mehr durchgesehen.


    Hast du gedacht, Ginger Rogers war wirklich dort in Jerrys Ex-Wohnung? Gut, gestorben ist sie erst in den 90er Jahren... aber in den 70ern war sie auch schon eine ältere Dame. Ich fand diesen Abschnitt richtig schön surreal, wie immer, wenn Träume mit im Spiel sind. Erinnerungen, unbewusste Wünsche und Sehnsüchte, Vorahnungen, das alles vermischt sich zu einem bunten Wirrwarr. Ich denke, ich werde diesen Teil sogar nochmal lesen. :smile:

    :lesen: Kai Meyer - Die Bibliothek im Nebel

  • Ich habe gestern bis einschließlich Kapitel 14 gelesen.


    Bei Kapitel 12/13 fand ich die Geschichte etwas schleppend. Irgendwie ist nichts richtiges passiert, Firmin erzählte nur von Jerrys und seinen gemeinsamen Gewohnheiten (wobei auch da lustige Momente dabei waren, z.B. wie die beiden zusammen Musik machen usw.). Trotzdem war diese Stelle etwas langatmig, wie ich fand.
    Nach Jerrys Tod wird es wieder spannender. Auch wenn es mich doch sehr überrascht hat, wie leicht Firmin mit dem Tod umgeht. Er begibt sich danach eben wieder in die Buchhandlung und seine einzige Sorge ist, wo er etwas zu essen herbekommt.
    Nun habe ich zuletzte Kapitel 14 gelesen, in dem auch Norman letztendlich seine Buchhandlung schließen muss. Nachdem fast alle Gebäude abgerissen wurden, sogar Firmins geliebtes Rialto, wird er sich wohl bald eine neue Bleibe suchen müssen? Gefährlich, wenn man bedenkt, dass alle in dem Viertel hinter den Ratten her sind und es wohl bald kaum mehr Ratten geben wird.
    Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weiter geht im letzten Kapitel.


    Mein Lieblingszitat kommt übrigens aus Kapitel 11 (Seite 160):
    Wenn man einsam ist, dann hilft es, glaube ich, ein wenig verrückt zu sein, solange man es nicht übertreibt. Zumindest ist das meine Taktik.



    Wer ist eigentlich von euch noch dabei und wie ich noch nicht fertig?