Rudyard Kipling - Über Bord

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    Ich weiß gar nicht mehr so genau, was dieses Buch auf meinen SuB befördert hat, dort lagerte es aber so einige Jahre, weil ich es irgendwie für nicht gut lesbar hielt und dass obwohl ich dunkle aber eher positive Erinnerungen an eine Lektüre von Kim in meiner Jugend hatte. „Über Bord“ entpuppte sich als überraschend gut zu lesen. Wenn auch vielleicht nicht im Original, an Bord wird sehr umgangssprachlich, dialektal gesprochen, wie gut ich da auf Englisch mitgekommen wäre weiß ich nicht. Ein bisschen gestört haben mich die eigestreuten Seemannslieder, mit denen konnte ich eher wenig anfangen. (Hier gab es immer den englischen Text und danach dann die Übersetzung.) Überhaupt die Übersetzung, die fand ich sehr eingängig, der Übersetzer ist Gisbert Haefs, Mitglied der Kipling Society in London und Herausgeber der deutschsprachigen Gesamtausgabe. Im Anschluss an die Geschichte gibt es von ihm noch ein ausführliches Nachwort zu Buch und Autor und ein Glossar mit einem Easter Egg 8o


    Von der Story her ist das Buch zweigeteilt, zunächst fällt der jugendliche Harvey über Bord eines Luxusliners und wird von einem Kabeljaufischer aufgelesen, der nicht daran denkt seine Fangsaison zu unterbrechen und den Jungen an die Arbeit schickt. Da gefiel mir gut, auch wenn Harvey die Wandlung vom hochnäsigen Schnösel zum Mannschaftsmitglied vielleicht etwas zu leichtfällt. Die zweite Hälfte spielt dann an Land nach der Rückkehr, und diese „Auflösung“ ging mir etwas zu lange und enthielt noch stärker den mich störenden moralischen Lobgesang bezüglich harter Arbeit und auch mal Schläge einstecken zu Charakterbildung.


    Doch trotz dieser inhaltlichen Kritik bin ich sehr zufrieden und habe das Buch gerne und mit Genuss gelesen.


    4ratten

  • Ein bisschen gestört haben mich die eigestreuten Seemannslieder, mit denen konnte ich eher wenig anfangen. (Hier gab es immer den englischen Text und danach dann die Übersetzung.)

    Das klingt für mich gerade reizvoll, irgendwie mag ich die ollen Shantys.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Ein bisschen gestört haben mich die eigestreuten Seemannslieder, mit denen konnte ich eher wenig anfangen. (Hier gab es immer den englischen Text und danach dann die Übersetzung.)

    Das klingt für mich gerade reizvoll, irgendwie mag ich die ollen Shantys.

    Ich kannte sie alle nicht und ohne Melodie im Ohr waren es halt eher nicht sonderlich reizvolle Gedichte. :titanic:

  • Was? Das Buch ist von Kipling?!? Ich hätte schwören können, es stamme aus der Feder von Jack London. :redface: (Was allerdings erklärt, wieso ich es bei einer Internetsuche vor einigen Jahren nicht finden konnte.)


    Ich habe die alte Übersetzung unter dem Titel "Fischerjungs" als Jugendliche immer und immer wieder verschlungen. So eine spannende Abenteuergeschichte!

    An Seemannslieder kann ich mich nicht erinnern. Entweder waren sie nicht übersetzt worden oder ich habe sie als uninteressant (Lieder = Gedichte = :angst: ) übersprungen.


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    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Was? Das Buch ist von Kipling?!? Ich hätte schwören können, es stamme aus der Feder von Jack London. :redface: (Was allerdings erklärt, wieso ich es bei einer Internetsuche vor einigen Jahren nicht finden konnte.)


    ^^ - Genau die Jack-London-Assoziation hatte ich auch, ich musste mich selbst mehrmals berichtigen.

  • Ich habe das Buch nun nach Jahrzehnten noch einmal gelesen, diesmal allerdings im englischen Original.

    Der von illy angesprochene Dialekt der Fischer ist tatsächlich anfangs nicht ganz einfach zu entziffern, aber ich habe mich recht schnell reingelesen. Die seemännische Terminologie habe ich, genau wie früher, großzügig überlesen. Was ein "jib", alias "Klüver" ist, weiß ich auch jetzt noch nicht. Das ist allerdings auch nicht nötig. "Irgendein notwendiges Teil eines Segelboots" reicht als Definition völlig auf.


    Ansonsten: großartig! Kipling versteht sich darauf, eine mitreißende Geschichte zu erzählen, die alles hat, was eine richtig gute Geschichte braucht. Tempo, aber auch Stellen zum Innehalten, Dramatik, "comic relief", erwartete und unerwartete Wendungen, ... Und das Ganze in einer richtig guten Sprache, die die Lektüre zum Genuss macht.


    Einzig das Ende nach der Wiedervereinigung mit seinen Eltern ist auch mir ein wenig zu lang ausgefallen. Aber kurz vorher die Eisenbahnreise der Eltern quer über den amerikanischen Kontinent - WOW! Für mich war das der Höhepunkt der Geschichte. Einfach fantastisch, wie Kipling es schafft, die Angespanntheit der Eltern und die rasante Geschwindigkeit des Zuges (40 Meilen/Stunde!) so darzustellen, dass mir bei der Lektüre fast die Luft wegblieb.


    Das Buch bekommt von mir 4 Seebären + 1 Seehund ach Quatsch, 4 Kabeljaus und 1 Hering natürlich, oder anders ausgedrückt:


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Ich habe das Buch nun nach Jahrzehnten noch einmal gelesen, diesmal allerdings im englischen Original.

    Der von illy angesprochene Dialekt der Fischer ist tatsächlich anfangs nicht ganz einfach zu entziffern, aber ich habe mich recht schnell reingelesen. Die seemännische Terminologie habe ich, genau wie früher, großzügig überlesen. Was ein "jib", alias "Klüver" ist, weiß ich auch jetzt noch nicht. Das ist allerdings auch nicht nötig. "Irgendein notwendiges Teil eines Segelboots" reicht als Definition völlig aus

    Ja, weiter geht mein Seebärenschaft auch nicht, aber bei Klüver weiß ich wenigstens, dass es zum Boot gehört, ein "jib" könnte auch ein Kochtopf oder Gummistiefel sein. ;) :titanic:

  • Ich hab den Klüver jetzt mal gegoogelt, weil es mich doch interessiert hat. Es ist ein Segel: klick


    Oder auch ein Bier :breitgrins:


    On topic: das Buch klingt gut und wandert gleich mal auf den Wunschzettel.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen