Sarah Moss - Summerwater/Sommerwasser

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 525 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

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    Das Wetter könnte an diesem Sommerferientag in Schottland kaum miserabler sein, und die Ferienanlage am See, die aus ein paar kleinen Holzhütten besteht, hat schon bessere Tage gesehen. Es regnet ohne Unterlass, und in den meisten Behausungen ist die Stimmung entsprechend. Manche flüchten trotz des Regens ins Freie, um zu laufen oder zu paddeln oder zu spielen, ein junges Pärchen stellt fest, dass verregnete Urlaubstage nicht immer romantisch sein müssen und das ältere Ehepaar, das schon seit Jahrzehnten herkommt, muss sich bei dem Versuch, etwas zu unternehmen, widerwillig eingestehen, dass die Alterserscheinungen nicht mehr zu leugnen sind.


    Sarah Moss lässt uns für kurze Zeit jeweils einen Blick in eins der Ferienhäuschen werfen, bevor sie unsere Aufmerksamkeit auf die nächste Figur und die nächste Hütte lenkt. Allen gemeinsam ist, dass die Abgeschiedenheit der Anlage gepaart mit dem Mistwetter an den Nerven zerren und bereits vorhandene Gefühle und Gedanken häufig ins Extreme verstärken, so verschieden die einzelnen Charaktere auch sein mögen und so unterschiedlich sie die Situation jeweils empfinden. Moss zeigt sich auch in dieser knappen, präzisen Form als Meisterin einer klaren, prägnanten und unprätentiösen Sprache und fühlt sich scheinbar mühelos in jeden Menschen aus ihrem Bilderbogen ein. Über den einzelnen Kapiteln stehen leicht rätselhaft klingende Überschriften, dazwischen gibt es kurze, wie Traumsequenzen oder Gedankenfetzen wirkende Einsprengsel, die erst ganz am Ende des Buches richtig zu deuten sind, was aber gar nicht stört, weil auch sie so großartig formuliert sind.


    Ein klein wenig habe ich - zumindest in den ersten 3/4 des Buches - den ganz großen roten Faden vermisst, obwohl ich die kleinen Stimmungsbilder auch so sehr gerne gelesen habe und mir sehr gefiel, wie man mit jeder Drehung des Kaleidoskops eine neue Perspektive einnimmt und auch bereits zuvor erwähnte Personen aus neuen Blickwinkeln sieht. Das ist insbesondere innerhalb von Paar- oder Familienkonstellationen spannend, deren Wahrnehmung sich oft sehr grundlegend unterscheidet.


    Am Ende gibt es doch noch ein - sehr überraschendes - Finale, zu dem viele (nicht alle) Handlungsfäden zusammenlaufen. Es war nicht ganz die alles verbindende Klammer, mit der ich gerechnet hatte, aber letztendlich reichte es mir schon, den See und die Ferienhäuser als solche zu betrachten, zumal ich multiperspektivische Erzählungen generell sehr mag und gleich noch mehr aus einer so wundervollen Feder wie der von Sarah Moss.


    4ratten

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Selten eine so schöne, interessante Rezension gelesen - gerade gesehen, dass die deutsche Übersetzung im Juli erscheinen wird: Ist notiert ;) <3

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Danke für die Blumen :redface:


    Gut zu wissen, dass es nun auch auf deutsch rauskommt, dann kann ich ja gleich noch die deutsche Version im Titel ergänzen.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Sarah Moss - Summerwater“ zu „Sarah Moss - Summerwater/Sommerwasser“ geändert.
  • Wenn ich das Buch nicht sowieso schon auf meiner Wunschliste stehen hätte wäre spätestens jetzt darauf gelandet - so freue ich mich schon darauf, es dann demnächst zu lesen. Vielen Dank für die Rezi, Valentine !

  • Eine kleine Feriensiedlung an einem schottischen See. Kein Handyempfang. Einsamkeit. Das klingt ja ganz romantisch oder auch entspannend, aber wenn es kühl ist und durchgängig den Aufenthalt durchregnet, macht der Urlaub kaum noch jemandem Spaß.


    Der ganze Roman handelt eigentlich nur von den verschiedenen Urlauber*innen, die jeweils in einem eigenen Kapitel von sich erzählen, während die Handlungszeit nur minimal fortschreitet. Die mangelnde Handlung hat mich allerdings nicht gestört, es war interessant zu lesen, wie die Figuren ihr Leben reflektieren, wenn sie sozusagen auf sich selbst zurückgeworfen werden. Und wenn man dann noch die Perspektive der Partner*innen in einem späteren Kapitel dem gegenüberstellen kann, bekommt man einen sehr schönen vielschichten Eindruck.


    Das Ende hat mich überrascht und ich bin mir auch nach einigem Nachdenken nicht sicher, ob es mir reicht - etwas Besseres wäre mir aber auch nicht unbedingt eingefallen.


    Insgesamt aber ein schön erzähltes Buch, die Autorin behalte ich mal im Auge.


    4ratten

  • die Autorin behalte ich mal im Auge.

    Das kann ich nur unterstützen :)


    Sowohl ihr autobiographisches Buch über ihre Zeit in Island ("Names for the Sea") als auch die beiden Bücher über eine Ärztin im 19. Jahrhundert und ihren Mann, der Bauingenieur mit Spezialgebiet Leuchttürme ist, kann ich sehr empfehlen ("Bodies of Light" und "Signs for Lost Children").

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen