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Beiträge von Juva

  • Monatsrunde März 2026 - Frauen über Frauen

    • Juva
    • 2. März 2026 um 12:38

    Ich melde für den März folgenden Roman an weil ich finde, dass er der Beschreibung nach gut zum Monatsrundenthema passt:

    Anja Kampmann - Die Wut ist ein heller Stern

    Inhaltsangabe bei Amazon:
    Vom Mut einer Frau in einer Welt, die ihr keinen Platz mehr lassen will – von Anja Kampmann eindringlich und bildgewaltig erzählt. Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026

    Hedda hat sich ihren Traum erkämpft: Artistin im »Alkazar« auf der Reeperbahn. Doch nichts zählt mehr, als in den dreißiger Jahren die neuen Uniformen wie selbstverständlich im Publikum auftauchen. Die Freiräume werden enger und auch für die Mädchen im Varieté wird es gefährlich. Wem kann Hedda noch trauen? Ihr Bruder Jaan heuert als Harpunenschmied auf einem Walfänger an, für eine Fahrt in die Antarktis. Und auch Hedda sucht für sich und ihren kleinen Bruder Pauli nach Auswegen.
    Anja Kampmann erzählt in einer unvergleichlich atmosphärischen Sprache, der es auch an Leichtigkeit nicht fehlt, eine Geschichte weiblicher Selbstbehauptung aus einer ganz und gar von Männern dominierten Zeit.

  • Monatsrunde Februar 2026 - Sehnsuchtsorte

    • Juva
    • 1. März 2026 um 19:58

    Ich habe wenigstens noch eins meiner beiden Monatsrundenbücher beenden können, das andere habe ich beiseite gelegt, weil es derzeit überhaupt nicht meinem Lesegeschmack entspricht.

    Jens Bisky - Berlin: Biographie einer großen Stadt

  • Jens Bisky - Berlin: Biographie einer großen Stadt

    • Juva
    • 1. März 2026 um 19:57

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    Jens Biskys "Berlin: Biographie einer großen Stadt" ist leider eines dieser Sachbücher, bei denen ich mich als Leserin von den Details einfach erschlagen fühle. Natürlich bin ich mit der Erwartung an das Buch herangegangen, mit viel Wissenswertem zu Berlin konfrontiert zu werden - insgesamt war es dann aber einfach etwas zu viel des Guten.

    Der Autor beschäftigt sich mit der Geschichte Berlins ab 1650, als es zur Residenzstadt wurde, bis heute, und unterteilt sein Sachbuch in insgesamt 10 Kapitel. Der große Umfang von mehr als 900 Seiten (mit einer recht kleinen Schrift) lässt direkt erahnen, dass hier einiges an Informationen auf die LeserInnen zukommt. Allerdings hatte ich erwartet (und gehofft), dass diese Informationen mit einem oder mehreren roten Fäden miteinander verknüpft wären - zumal es zu dieser Berlin-Biographie viele gute Kritiken gibt, die mich auch ein gut lesbares Werk erwarten ließen. Stattdessen verliert sich der Autor für meinen Geschmack einfach zu oft in den vielen Details, die er in seinen Text einbaut, wodurch die großen Zusammenhänge häufiger aus dem Blick geraten. Vielleicht ist es eine Besonderheit meines geschichtlichen Interesses, dass ich gerne größere Zusammenhänge betrachte, weil ich mir ohnehin nicht jedes Detail merken kann (und ehrlich gesagt finde ich es auch nicht wichtig, wer der Bibliothekar des Großen Kurfürsten war und welchen Werdegang er hatte), aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich hier noch mehr LeserInnen von Details überfordert gefühlt haben dürften. Dass der Autor sorgfältig und umfassend recherchiert hat wird schnell klar, aber vielleicht hätte man einen Teil der Anekdoten und Anekdötchen zugunsten der Lesbarkeit in den Anmerkungsapparat verbannen können, denn so kommt man als LeserIn in der Geschichte Berlins nur schleppend voran, und das, was eigentlich spannend sein könnte, wird irgendwann langweilig.

    Aufgrund der regionalen und damit auch thematischen Überschneidungen mit diesem Werk musste ich bei der Lektüre häufiger an Christopher Clarks "Preußen" denken, dass ich ca. einen Monat früher gelesen habe, und das zwar einen etwas kürzeren Zeitraum abdeckt (allerdings auch bei ca. 100 Seiten weniger Umfang), das aber wesentlich stringenter geschrieben ist und die Entwicklungszusammenhänge des preußischen Staates anschaulich aufzeigt. Nach dem Motto "Weniger ist mehr." hätte ich mir wie bei diesem gelungenen Beispiel eines historischen Sachbuches auch hier einfach weniger Einzelheiten und stattdessen Geschichte aus einem Guss gewünscht, dann hätte ich dieses Buch vielleicht gerne gelesen. So war es allerdings mehr mühsam als unterhaltsam, was ich sehr schade finde, gerade weil Jens Bisky eine Menge über Berlin zu erzählen hat. Es ist sicher kein schlechtes Buch, aber für mich war es zu anstrengend, um es gut zu nennen.

    2ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • Richard Powers - Die Wurzeln des Lebens

    • Juva
    • 25. Februar 2026 um 20:13
    Zitat von Valentine

    Ach wie schade. "Der Klang der Zeit" von Powers fand ich großartig, aber mit "Das Echo der Erinnerung" ging es mir so ähnlich wie Euch mit dem Buch hier, deshalb habe ich mich auch nicht an weitere Werke von ihm herangetraut.

    Diese beiden Romane habe ich auch noch auf dem SUB liegen, allerdings muss ein bisschen Zeit vergehen, bis ich Powers eine zweite Chance geben werde. Dann nehme ich mir wohl besser zuerst "Der Klang der Zeit" vor.;)

  • Richard Powers - Die Wurzeln des Lebens

    • Juva
    • 24. Februar 2026 um 21:02

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    Klappentext:
    In Richard Powers Erzählwelt ist alles miteinander verknüpft. Die Menschen sind miteinander verwurzelt wie ein Wald. Sie bilden eine Familie aus Freunden, die sich zum Schutz der Bäume zusammenfinden: der Sohn von Siedlern, die unter dem letzten der ausgestorbenen Kastanienbäume Amerikas lebten; eine junge Frau, deren Vater aus China eine Maulbeere mitbrachte; ein Soldat, der im freien Fall von einem Feigenbaum aufgefangen wurde; und die unvergessliche Patricia Westerford, die als Botanikerin die Kommunikation der Bäume entdeckte. Sie alle tun sich zusammen, um die ältesten Mammutbäume zu retten – und geraten in eine Spirale von Politik und Gewalt, die nicht nur ihr Leben, sondern auch unsere Welt bedroht.

    Ich wollte Richard Powers´Roman "Die Wurzeln des Lebens" wirklich gerne mögen, weil die Beschreibung unheimlich interessant klingt und die Auszeichnung mit dem Pulitzerpreis für Literatur 2019 auch eine gewisse Erwartungshaltung geweckt hat - und bin grandios gescheitert, ich habe mich selten so mit einem Buch gequält, das waren wirklich zähe 600 Seiten.

    Powers verfolgt mit seinem außergewöhnlich konstruierten Roman, in dem man den Schicksalen der ProtagonistInnen von den Wurzeln bis in die Baumkrone folgt, ein beachtenswertes Ziel: auf die Zerstörung der Umwelt, insbesondere der Wälder, durch die Menschheit aufmerksam zu machen. Alle Figuren haben von Anfang an besondere Beziehungen zu Bäumen und Wäldern und radikalisieren sich dann zunehmend bis hin zum Ökoterrorismus, wobei schnell absehbar ist, dass ihre Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt sein werden. Die daraus resultierende Hoffnungslosigkeit ist aber nicht das Hauptproblem des Romans, vielmehr ist die Kombination aus der Wiedergabe akribisch recherchierten Wissens über Bäume und Wälder, das ich ehrlich gesagt lieber in Form eines guten Sachbuchs genossen hätte, und unrealistisch-pathetischen Figuren das Problem. Denn die anschaulichen und stimmungsvollen Naturbeschreibungen können leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass es schwierig ist, mit den Figuren warm zu werden, die teilweise melodramatisch, teilweise auch wirklich moralinsauer wirken. Dadurch wird die wichtige Botschaft des Romans, sich Gedanken über den Umgang der Menschen mit der Natur, besonders den Wäldern, zu machen und sich bestenfalls selbst dafür einzusetzen, verwässert, weil hier eben nicht die freie Entscheidung, sondern der erhobene Zeigefinger regiert. Und es passt einfach nicht zur Botschaft des Romans, Ideale zu haben und sich für diese einzusetzen, wenn die LeserInnen gleichzeitig mehr oder weniger für den Umweltschutz missioniert werden - zumal die Sachargumente, die der Autor zuhauf anführt, ja für sich sprechen, wenn man den LeserInnen denn zutraut, sich mit diesen auseinanderzusetzen.

    So bleibt für mich am Ende vor allem der Eindruck einer spannenden Idee, deren konkrete Umsetzung mich einfach nicht überzeugt. Schade, ich hätte den Roman wirklich gerne gemocht.

    2ratten

  • Monatsrunde Februar 2026 - Sehnsuchtsorte

    • Juva
    • 19. Februar 2026 um 20:12

    Ich möchte bitte auch nicht in den Lostopf.

    An meinen Monatsrundenbüchern lese ich noch, aber insbesondere der Wälzer über Berlin ist extrem trocken und langweilig - als Sehnsuchtsort empfiehlt sich die Stadt dort nicht.

  • Monatsrunde Januar 2026 - Im Zeichen des Janus

    • Juva
    • 1. Februar 2026 um 10:08

    Ich habe mein drittes Monatsrundenbuch am Freitag noch ausgelesen, bin aber erst heute dazu gekommen, die Rezi zu schreiben - ein wirklich empfehlenswertes Sachbuch:

    Laura Spinney - Der Urknall unserer Sprache

  • Laura Spinney - Der Urknall unserer Sprache

    • Juva
    • 1. Februar 2026 um 10:06

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    Laura Spinneys Sachbuch "Der Urknall unserer Sprache" wird nicht umsonst von vielen Kritikern gelobt, auch mir hat der gut lesbare Überblick über die Geschichte der indoeuropäischen Sprache gut gefallen.

    Die Autorin geht zunächst darauf ein, was die indoeuropäische Sprache ist und welche heutigen Sprachen aus ihr entstanden sind, was bei den LeserInnen schon für Verblüffung sorgen kann, da eben nicht nur die heute in Europa gesprochenen Sprachen zu dieser Sprachfamilie gehören, sondern beispielsweise auch slawische und im asiatischen Raum (Indien, Pakistan) verbreitete Sprachen. Da gerade die frühen Formen dieser Sprachen nicht aufgezeichnet wurden (die Entwicklung der Schrift erfolgte ebenso wie die Entwicklungen der Sprachen mehrfach und getrennt voneinander, aber zu anderen Zeiten als die der Sprachen) kann die Entwicklung der Sprachen hauptsächlich aufgrund von kleinen Hinweisen und Ähnlichkeiten nachvollzogen werden, die aber auch nicht in jedem Fall belegt werden können. Umso wichtiger sind Erkenntnisse anderer wissenschaftlicher Disziplinen, deren Verknüpfung mit der Linguistik die große Stärke dieses Sachbuchs sind: Laura Spinney, die als Wissenschaftsjournalistin tätig ist, wählt explizit einen interdisziplinären Ansatz, in den sie Forschungsergebnisse der Archäologie und Genetik mit einbezieht, sodass Zusammenhänge zwischen Entwicklungen der Menschen und ihrer Sprachen in mehrfacher Hinsicht deutlich gemacht werden können. Dadurch werden Spinneys Äußerungen für die LeserInnen gut nachvollziehbar, etwa wie unterschiedliche Lebensweisen ihre Spuren in den Sprachen verschiedener Menschengruppen hinterlassen haben.

    Der interdisziplinäre Überblick und die gute Lesbarkeit des Buches gehen allerdings manchmal auf Kosten der Genauigkeit, weil die Autorin eben keine Linguistin, sondern Naturwissenschaftlerin ist. Das dürfte aber vermutlich nur LeserInnen stören, die sich schon einmal intensiv mit Sprachgeschichte und Linguistik beschäftigt haben. Ein großer Pluspunkt ist hingegen die Aktualität der einbezogenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die an vielen Stellen neue Blickwinkel auf das Thema Sprachentwicklung zulassen.

    Je weiter ich im Buch gekommen bin, desto mehr habe ich mich über den deutschen Titel gewundert, denn Spinneys Argumentation ist eben gerade nicht, dass es einen entscheidenden Punkt für die Entwicklung der indoeuropäischen Sprachfamilie gab, sie zeigt vielmehr anhand kleiner Einzelstudien in den Kapiteln des Buches, dass dies ein langer Prozess mit vielen Einflussfaktoren war. Der englische Titel "Proto. How One Ancient Language Went Global" passt erheblich besser zum Inhalt, der deutsche Titel ist zu reißerisch und inhaltlich unpassend.

    Insgesamt kann ich das Sachbuch allen LeserInnen empfehlen, die sich für Sprachgeschichte interessieren, da es einen gut lesbaren und unterhaltsamen Überblick über die Entwicklung der indoeuropäischen Sprachgeschichte bietet, der neueste wissenschaftliche Erkenntnisse einbezieht.

    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

  • Monatsrunde Februar 2026 - Sehnsuchtsorte

    • Juva
    • 27. Januar 2026 um 21:10
    Zitat von Breña

    Berlin ist immer eine Reise wert!

    Auf jeden Fall, deshalb fahre ich da auch immer wieder gerne hin - es ist sicher kein Zufall, dass mir dieses Buch direkt einfiel. Also melde ich es auch an - immerhin gibt es wenigstens ein langes Wochenende im Februar und die Korrekturen und Noten sind ja erstmal abgearbeitet.;)

    Ich habe aber auch noch ein zweites Buch gefunden, denn nach Savannah würde ich gerne reisen seit ich "Vom Winde verweht" zum ersten Mal gelesen habe.
    Ich melde also an:

    Jens Bisky - Berlin: Biographie einer großen Stadt

    Malou Wilke - Savannah: Aufbruch in eine neue Welt

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    Das sieht doch auch schon ein bisschen nach Sehnsuchtsort aus.

  • Monatsrunde Februar 2026 - Sehnsuchtsorte

    • Juva
    • 27. Januar 2026 um 14:35

    Ein tolles Thema - und ein bisschen gemein. Denn mein Blick fiel jetzt zuerst auf "Berlin - Biographie einer großen Stadt" von Jens Bisky, das hier ungelesen im Regal steht. Ob ich mir einen solchen Wälzer im kürzesten Monat antun sollte, zumal ich dann ja nicht viele andere tolle Ziele bereisen könnte, weiß ich noch nicht, da muss ich erst nochmal drüber nachdenken.:/

  • Monatsrunde Januar 2026 - Im Zeichen des Janus

    • Juva
    • 26. Januar 2026 um 06:08
    Zitat von Vorleser

    Juva Ich habe die Bücher gestrichen, aber du weißt schon, dass du sie auch später noch als gelesen melden kannst?

    Ja, ich werden beiden auch sicher eine zweite Chance geben, aber wahrscheinlich erst sehr weit in der Zukunft. Deshalb möchte ich mir jetzt keinen Druck mit dem Gedanken machen, dass ich sie bald lesen müsste.:)

  • Monatsrunde Januar 2026 - Im Zeichen des Janus

    • Juva
    • 25. Januar 2026 um 21:14

    Ich hänge etwas mit meinen Monatsrundenbüchern, leider entsprechen derzeit weder Alexander von Humboldt noch Florence Butterfield wirklich meinem Lesegeschmack, und quälen möchte ich mit damit nicht. Bitte streich die beiden Titel vorne, ich werde sie sicher zu einem anderen Zeitpunkt lesen (bzw. beenden, ich habe schon ein Drittel von Florence Butterfield geschafft, aber es hat mich nicht so richtig gepackt). Danke!

    Dafür ist das Buch von Laura Spinney richtig gut, damit werde ich sicher im Januar noch fertig.;)

  • Mehr Platz der Lyrik

    • Juva
    • 19. Januar 2026 um 14:49

    Das folgende Gedicht habe ich in Stephen Kings "Brennen muss Salem" gefunden und schon viel darüber nachgedacht. Ich mag den Klang und die Idee des Eiskrem-Kaisers, bin aber noch zu keiner wirklich abschließenden Deutung gelangt.

    Wallace Stevens - The Emperor of Ice-Cream

    Call the roller of big cigars,
    The muscular one, and bid him whip
    In kitchen cups concupiscent curds.
    Let the wenches dawdle in such dress
    As they are used to wear, and let the boys
    Bring flowers in last month’s newspapers.
    Let be be finale of seem.
    The only emperor is the emperor of ice-cream.

    Take from the dresser of deal,
    Lacking the three glass knobs, that sheet
    On which she embroidered fantails once
    And spread it so as to cover her face.
    If her horny feet protrude, they come
    To show how cold she is, and dumb.
    Let the lamp affix its beam.
    The only emperor is the emperor of ice-cream.

    Wallace Stevens - Der Kaiser der Eiskrem

    Ruf den Mann, der die dicken Zigarren rollt,
    den Muskeltypen, und heiß ihn die weiße,
    lüsterne Molke in Sahnebechern zu schlagen.
    Lass die Flittchen bummeln in den Klamotten,
    die sie am liebsten tragen, und lass die Jungs/
    Blumen bringen in altem Zeitungspapier.
    Lass ‚Sein‘ von Scheinen das Finale sein.
    Der Kaiser der Eiskrem ist hier Kaiser allein.

    Nimm dir vom Kiefernbüfett,
    dem die drei Glasknäufe fehlen, das Tuch,
    das sie einstmals mit Pfauentauben bestickte,
    und breite es aus, ihr Gesicht zu bedecken.
    Ragen die Hornhautfüße hervor, kommen sie
    dir zu zeigen, wie kalt sie ist, und stumm.
    Lass die Lampe sich an dem Strahl beweisen.
    Der Kaiser der Eiskrem ist der einzige Kaiser.

    Übersetzung: Durs Grünbein

    Wallace Stevens, geboren 1879 in Reading/ Pennsylvania. Bis 1916 Rechtsanwalt in New York. Anschließend arbeitete er für viele Jahre bei einer Versicherungsgesellschaft in Hartford/ Connecticut. Dort lebte er auch bis zu seinem Tod im Jahre 1955. Schrieb zeit seines Lebens Gedichte, die aber zunächst wenig Beachtung fanden. Doch nach und nach fand er immer mehr Fürsprecher und wurde so richtig erst post mortem als einer der ganz großen Stimmen der amerikanischen Moderne anerkannt.

  • James McBride - Himmel & Erde

    • Juva
    • 6. Januar 2026 um 13:08

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    "Himmel & Erde" von James McBride ist wieder einmal ein Roman, der nicht so leicht zu kategorisieren ist - es steckt ein bißchen Krimi darin, spielt zum größten Teil in den 1930er Jahren und wäre demnach ein historischer Roman - gleichzeitig ist das Thema, nämlich ein großer Appell für Gleichheit gerade angesichts von Rassismus und Antisemitismus ganz aktuell, deshalb sehe ich den Roman definitiv bei der Gegenwartsliteratur.

    Klappentext:
    Pottstown, Pennsylvania, 1972: Beim Ausheben der Fundamente für ein neues Baugebiet stoßen die Arbeiter am Grund eines Brunnens auf ein Skelett. Wem es gehörte und wie es dorthin kam, kann nur wissen, wer in den Zwanziger- und Dreißigerjahren in Chicken Hill gelebt hat, einem heruntergekommenen Viertel, in dem eingewanderte Juden und Afroamerikaner das Glück teilten ebenso wie die Sorgen. Es war auch das Viertel von Moshe und Chona Ludlow, die dort ein Theater und ein Lebensmittelgeschäft betrieben. Bis eines Tages ein tauber Waisenjunge auftauchte, den die staatlichen Behörden in eine Anstalt einweisen wollten. Und seine letzte Hoffnung ruhte auf Moshe und Chona und der Gemeinde von Chicken Hill ...

    Mit dem leichten Krimicharakter beginnt die Geschichte - am Ende wird auch aufgelöst, wessen Skelett in dem Brunnen liegt und wie es dorthin kam, aber das spielt wirklich nur am Rande eine Rolle. Wirklich spannend sind die vielen kleinen Geschichten der Figuren, die sich in Chicken Hill begegnen und deren Schicksale sich manchmal nahezu unbemerkt miteinander verbinden. Der Dreh- und Angelpunkt dieser Ereignisse sind nicht nur Moshe und Chona, sondern vor allem die Orte, an denen sie ihren Geschäften nachgehen: Moshe ist Besitzer eines Theaters, in dem viele Konzerte stattfinden, und Chona betreibt "The Heaven & Earth Grocery Store" (Originaltitel des Romans, in der deutschen Übersetzung gekürzt), der für viele BewohnerInnen von Chicken Hill ein wichtiges Zentrum ist - für Neuigkeiten, um sich zu treffen und oft auch um Chona um Hilfe zu bitten. Sie hat als weiße Jüdin keine Berührungsängste mit den anderen Ethnien, die im Viertel leben, vor allem zu den Schwarzen hat sie enge Verbindungen. Und diese werden auch dringend gebraucht als es gilt, den schwarzen Jungen Dodo, den Neffen von Chonas wichtigster Angestellter und Freundin Addie, aus der Anstalt zu befreien. Hier müssen alle gemeinsam Pläne schmieden und umsetzen, um möglicherweise Dodos Leben retten zu können.

    James McBride hat einen klaren, oft humorvollen Schreibstil, der hervorragend zu der Geschichte passt. Es gelingt ihm, die vielen Figuren lebensnah zu charakterisieren, sie mit ihren Stärken und Schwächen zu zeigen. Und er gibt den LeserInnen Gelegenheit, einen Einblick in die Geschichte der USA als Einwanderungsland zu gewinnen, indem hier die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen aufeinandertreffen und ihre jeweiligen Sichtweisen verdeutlicht werden. Der explizite Appell, sich für Gleichheit einzusetzen, den der Autor in seinem Nachwort äußert, wäre gar nicht nötig, den der Roman selbst setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und die Benachteiligung von (tatsächlich oder vermeintlich) behinderten Menschen. Die große Kunst dabei ist es, dass dies ohne erhobenen Zeigefinger erfolgt und der Roman gleichzeitig wirklich unterhaltsam ist.

    5ratten:tipp:

  • Mehr Platz der Lyrik

    • Juva
    • 5. Januar 2026 um 20:25

    Lied im Schnee (Mascha Kaléko)

    Nachts fiel ein Schnee auf die alternde Welt
    Und machte sie schimmernd und neu.
    Oh, wie freu ich mich an dem Schnee, der fällt
    Auf die nagelneue, die glitzernde Welt,
    Und der Park blüht so weiß wie im Mai.

    Jetzt sollte man eigentlich sieben sein
    Mit den tanzenden Flocken im Haar
    Und den Kinderaugen wie Schnee so rein
    Und so frisch wie das kommende Jahr.
    - Verschollen das Lied und der Ringelreihn,
    Zerstoben die Kinderschar.

    Zerronnen ist der Wintertraum,
    Versunken ist der Märchenbaum.
    Den Zauberspruch habe ich vergessen.
    Rotkäppchen ward vom Wolf gefressen.
    - Nur ich allein am Fenster steh
    Und starre in den Winterschnee.

    [Das Gedicht wurde 1980 aus dem Nachlass der Autorin veröffentlicht.]

  • Mehr Platz der Lyrik

    • Juva
    • 5. Januar 2026 um 19:38

    Ich habe gerade schon mal gesucht und hätte was jahreszeitlich Passendes von Mascha Kaléko, wenn Ihr möchtet.

  • Monatsrunde Januar 2026 - Im Zeichen des Janus

    • Juva
    • 4. Januar 2026 um 12:39

    Mein zweites Monatsrundenbuch war genauso gut wie das erste, so kann das bitte weitergehen:

    Sebastian Haffner - Abschied

  • Sebastian Haffner - Abschied

    • Juva
    • 4. Januar 2026 um 12:35

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    Warum ordne ich mit "Abschied" von Sebastian Haffner einen Roman, der 2025 erstmals erschienen ist, bei den Klassikern ein? Weil man dem Roman seinen Entstehungszeitpunkt 1932 inhaltlich wie stilistisch deutlich anmerkt, der Autor schreibt hier in bester Tradition der neuen Sachlichkeit, und auch wenn die Liebesgeschichte in Teilen zeitlos anmutet ist es einfach kein zeitgenössischer Roman.

    Ein junger Rechtsreferendar aus Berlin verbringt zwei Tage in Paris bei seiner Freundin Teddy, wobei insbesondere der Sonntag ganz im Zeichen des Abschieds steht - er muss den Zug zurück um zehn Uhr abends nehmen, und das unaufhörliche und unabänderliche Vorrücken der Zeit wird ihm immer mehr bewusst. Der Ich-Erzähler trägt nicht zufällig den Namen Raimund Pretzel (den Geburtsnamen Sebastian Haffners), der gesamte Roman ist von autobiographischen Elementen durchzogen, wie Volker Weidermann im Nachwort erläutert gibt es auch für Teddy eine reale Person als Vorbild, zu der der Autor noch lange nach 1932 brieflichen Kontakt hielt.

    Raimund und Teddy haben sich in Berlin kennengelernt und verliebt, Teddy hat kurz danach gegen den Willen ihrer Familie Berlin verlassen und lebt jetzt in Paris in wirtschaftlich schwierigen Umständen. Offenbar hat sich die Beziehung anlässlich Raimunds Besuch nicht so weiterführen lassen, wie er sich das vorgestellt hat, denn Teddy ist in eine Clique recht unterschiedlicher FreundInnen eingebunden, deren männliche Mitglieder durchaus ebenfalls Interesse an ihr bekunden. Und auch, wenn er sich das selbst nicht recht eingestehen mag ist Raimund klar, dass eine Fernbeziehung zwischen Paris und Berlin nicht funktioniert. Er hofft deshalb, dass Teddy zurückkehren wird, was sie jedoch vehement ablehnt.

    Zitat

    "Ich weiß doch nicht", sagte Teddy. "Warum fragst du? Nach Berlin zurück geh ich jedenfalls bestimmt nicht. So mal auf Besuch, ja, vielleicht - wenn sichs finanziell möglich machen lässt..."
    "Aber warum denn nicht?", sagte ich verzweifelt [...]. Ich redete mit einer falschen Munterkeit, Berlin wäre doch eine ganz nette Stadt, Tennisspielen und Schauspielschule...
    "Ach", sagte Teddy. "Du weißt doch, wie das ist."
    Ich wusste allerdings, dass in Berlin eine große Familie von Onkeln und Tanten herumsaß, die nichts taten als missbilligen, und sie schickten kein Geld mehr und warteten höhnisch auf die Rückkehr der verlorenen Tochter. Aber hier, wie sollte das weitergehen?
    "In Berlin", sagte Teddy plötzlich brutal, "da gibt es zweierlei für mich: Verheiratet werden oder ganz kleines Tippfräulein."
    "Du hast Angst vor Berlin."
    "Ja." (S. 123)

    Alles anzeigen

    Das liest sich zunächst wie eine Geschichte weiblicher Emanzipation, aber es steckt weit mehr dahinter. In vielen kleinen Andeutungen, die sich durch den ganzen Roman ziehen, wird das Unbehagen gegenüber Deutschland - gerade auch unter den deutschsprachigen Mitgliedern von Teddys Clique - deutlich. Mit dem Wissen um die Geschichte kann man sie durchaus als vorzeitige Exilanten betrachten, die lieber in prekären Verhältnissen in Paris leben, statt in ihre Heimat zurückzukehren. Raimund nimmt diese Ablehnung wahr, ist aber selbst noch nicht so weit, auf Distanz zu gehen, zumal er als Jurist im Staatsdienst steht - der Grund für den Zeitpunkt seiner Heimkehr sind am Gericht für ihn anstehende Termine. Diese innere Kluft zwischen Teddy und Raimund ist im Verlauf des Tages immer stärker spürbar, sodass es auch keine Alternative zum bevorstehenden Abschied gibt: Raimund kehrt in sein geregeltes Leben zurück, während eine Rückkehr nach Berlin für Teddy absolut keine Option ist.

    Es gibt viele Quellen die bestätigen, dass die Stimmung in Deutschland Anfang der 1930er Jahre nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Krisen aufgeheizt war und dass die spätere Machtübernahme der Nationalsozialisten bereits ihre Schatten voraus warf. Das ist in diesem Roman deutlich zu spüren, und da man Sebastian Haffner aus seinen Sachbüchern durchaus als klaren und aufmerksamen Analysten kennt überrascht es nicht, dass der damals 24jährige Autor diese Stimmungen in seinem Roman durch wiederholte kleine Anspielungen deutlich erkennbar macht. Vor diesem Hintergrund lese ich der Titel "Abschied" nicht nur bezogen auf die Liebesgeschichte von Raimund und Teddy, sondern auch auf eine zuende gehende Zeit, auf die kurze Zeit der Hoffnung und des Aufbruchs der Weimarer Republik.

    Man kann diesem Roman also mit verschiedenen Blickwinkeln lesen: als Liebesgeschichte, als Reiseführer durch das Paris der 1930er Jahre, aber auch als historisches Zeugnis seiner Zeit - auf jeden Fall ist die Lektüre ein Gewinn.

    5ratten

  • Monatsrunde Januar 2026 - Im Zeichen des Janus

    • Juva
    • 3. Januar 2026 um 14:58

    Direkt das erste Monatsrundenbuch war richtig gut, danke, dass Du mich auf die Idee gebracht hast, Bluebell !

    Gerard Donovan - Winter in Maine

  • Anna Schneider - Grenzfall: Ihr Grab in den Fluten

    • Juva
    • 3. Januar 2026 um 14:38

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    "Grenzfall: Ihr Grab in den Fluten" ist der sechste Teil von Anna Schneiders Serie "Jahn und Krammer ermitteln" und nachdem die anderen Teile vom Unterhaltungswert her durchaus unterschiedlich, aber dabei doch überwiegend spannend waren, ist hier noch nicht einmal nennenswerte Spannung gegeben, weil vieles sehr vorhersehbar ist.

    Da es wieder um länderübergreifende Ermittlungen geht, an denen auf der deutschen Seite Alexa Jahn und auf der österreichischen Seite ihr Vater Bernhard Krammer beteiligt sind, ist der Schauplatz wie in den vorherigen Teilen der Serie das deutsch-österreichische Grenzgebiet. Und weil die Autorin die Flutkatastrophe im Ahrtal schlimm fand und katastrophale Wetterphänomene insgesamt zunehmen, müssen die Ermittlungen diesmal vor dem Hintergrund einer Flutkatastrophe erfolgen, die es für die Handlung eigentlich nicht gebraucht hätte und die durch die seitenlangen, fast dokumentarisch formulierten Beschreibungen des Unwetters das Ganze auch unnötig in die Länge ziehen.
    Alexa hat es mit einem verschwundenen Landwirt und zwei verschwundenen Wanderern zu tun, während Krammer die verschwundenen Kinder eines Unternehmers suchen soll, die mit mehreren Freunden auf eine Fahrradtour gegangen sind und wegen des Unwetters nicht erreicht werden können. Natürlich müssen beide Fälle zusammenhängen, damit Krammer neben der Sorge um seine Tochter auch einen dienstlichen Grund hat, zu deren Unterstützung nach Deutschland zu eilen. Diese Verbindung besteht in der Frage nach der Identität eines gewissen Paul Moser, der entweder einer der verschwundenen Wanderer oder auf der Berghütte mit den Bikern ist, dem aber auf jeden Fall die Belästigung einer jungen Frau zur Last gelegt wird. In kursiven Einschüben in die eigentliche Handlung werden zudem die Briefe einer Mutter an ihre Tochter abgedruckt, bei denen sehr schnell klar wird, worauf das Ganze hinausläuft - und wer das bis zum letzten Teil des Romans nicht verstanden hat wird durch wiederholte Beschreibungen des Äußeren der Tochter immer wieder darauf hingewiesen.

    Beide Kriminalfälle sind konfus, zu wirklichen polizeilichen Ermittlungen kommt es eigentlich nicht, dafür spielen diverse Zufälle und natürlich das Vater-Tochter-Verhältnis zwischen Krammer und Alexa eine Rolle, die auch hier wieder über sich hinauswachsen darf. Das ist so langweilig wie vorhersehbar, zumal auch immer wieder diverse Beziehungsprobleme Alexas thematisiert werden, die mit der eigentlichen Handlung gar nichts zu tun haben. Die vorherigen Fälle dieser Krimireihe waren schon von sehr unterschiedlicher Qualität, aber dieser sechste Teil ist in meinen Augen definitiv der schlechteste, und damit auch ganz sicher der letzte Roman, den ich von dieser Autorin lesen möchte.

    1ratten


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