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  2. Kirsten

Beiträge von Kirsten

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  • Jaap Robben - Kontur eines Lebens / Schemerleven

    • Kirsten
    • 9. September 2026 um 06:58


    Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Louis muss Frieda in ein Altenheim ziehen, weil sie alleine nicht mehr zurecht kommt. Die Umstellung fällt ihr schwer. Sie findet sich im strukturierten Tagesablauf des Heims nicht zurecht und vermisst die geliebten Dinge aus ihrer Wohnung. Ihr Sohn Tobias ist dabei, die Wohnung der Eltern aufzulösen, dabei würde er sich lieber darauf konzentrieren, dass er bald Vater wird.

    Auch wenn Mutter und Sohn trauern, fehlt ihnen doch das Verständnis füreinander. Frieda hat das Gefühl, als ob Tobias ihr Leben mit jedem Stück, das er zum Wertstoffhof bringt, wegwirft. Sie kann nicht verstehen, dass ihm nicht die gleichen Dinge wichtig sind wie ihr. Auf der anderen Seite fühlt sich Tobias von seiner Mutter in seiner Trauer um den Vater alleine gelassen, denn er hat nicht das Gefühl, dass Frieda anerkennt, sie sehr er ihr hilft.

    Der Verlust ihrer großen Liebe ruft die Erinnerung an Friedas erste Liebe zurück. Auch wenn diese Liebe tragisch endete, so kann sie den Mann doch nicht vergessen und lässt nach und nach auch die weniger schönen Erinnerungen zu.

    Ist es mir oft schwergefallen, Verständnis mit der Frieda aus der Gegenwart haben, konnte ich mit der jungen Frieda mitfühlen. Ihr Elternhaus kam mir lieblos vor und ich konnte gut verstehen, warum sie sich in Otto verliebte, als der ihr Aufmerksamkeit entgegenbrachte. Ihm hat geschmeichelt, dass ihn das junge Mädchen anhimmelte und so ist er weiter gegangen mit ihr, als er es vielleicht anfangs vorhatte.

    Die Konsequenzen seines Handelns will er allerdings nicht tragen. Als Frieda schwanger wird, lässt er sie alleine. Wahrscheinlich hat er nicht damit gerechnet, dass sie stark genug ist, das Kind alleine aufziehen zu wollen.

    Mich hat betroffen gemacht, dass Frieda die alleinige Schuld an ihrer Lage gegeben wurde. Überall, auch in der eigenen Familie, wird sie geächtet. Deshalb fand ich ihre Entscheidung umso bewundernswerter und wider besseres Wissen hätte ich ihr gewünscht, dass ihre Geschichte gut ausgeht.

    Der Roman hat vieles, was mir gefällt. Ich mag, wie der Autor das Verhältnis von Frieda und Tobias beschreibt, gerade weil er auf die Probleme der Beiden eingeht. Auch die Darstellung von Friedas Schwierigkeiten, in der Gegenwart im Heim und in der Vergangenheit, haben mir gut gefallen. Alleine der Schluss war mir ein bisschen zu gefällig und ich war und bin mir nicht sicher, ob Louis nur ein Lückenbüßer oder wirklich die große Liebe für Frieda war.
    4ratten

  • Silke Ziegler - Verlorene Lügen

    • Kirsten
    • 8. September 2026 um 06:42

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    Ein Hausbrand in Weinheim stellt sich als Brandstiftung heraus, die für Sina Engel viele Fragen aufwirft. Im Haus lebte eine vierköpfige Familie, von denen nur die Tochter schwerverletzt überlebt hat. Ihre Mutter wurde erschossen, ihr Vater und ihre Tochter sind verschwunden. Hat der Vater seine Familie töten wollen und ist geflohen? Aber wo ist dann seine Enkelin geblieben?

    Was anfangs wie ein klarer Fall aussieht, wird im Lauf der Ermittlungen immer komplizierter, weil jede Erkenntnis neue Fragen auf. Hinter der Brandstiftung scheint mehr zu stecken, als es Sina und ihr Team auf den ersten Blick sehen können. Aber was?

    Eine interessante Idee, die mir verschiedenen Gründen nicht so gut gefallen hat. Während Sina nur Teile des Falls sieht, habe ich von außen das gesamte Bild gesehen. Deshalb sind mir die Ermittlungen manchmal zu langsam vorangegangen. Neben dem Krimi hat die Autorin auch aus Sinas Privatleben erzählt. Da gab es viele kleine Handlungsstränge, die für mich zu schnell abgehakt wurden. Dazu kamen bestimmte Redewendungen und Begriffe, die für mich zu oft wiederholt wurden.

    Diese Kritikpunkte haben für mich überwogen, deshalb hat mir der Krimi trotz des Lokalkolorits nur mäßig gefallen.
    2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Fatma Mittler-Solak - Mondblau

    • Kirsten
    • 7. September 2026 um 06:23

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    Ayla und Victoria waren seit ihrer Schulzeit beste Freundinnen. Aber ausgerechnet jetzt, wo Ayla sie am nötigsten braucht, scheint sich ihre Freundin von ihr abzuwenden. Was ist passiert, dass sich die beiden Frauen voneinander entfernt haben?

    Der Roman beginnt, als Ayla ganz unten angekommen ist. Nach der Geburt ihres vierten Kindes leidet sie unter postnataler Depression. Sie kann das Kind, das so anders aussieht als seine Geschwister, nicht annehmen. Insgeheim glaubt sie, dass der Junge bei der Geburt vertauscht wurde. Nur wenige Monate nach der Geburt beginnt sie wieder zu arbeiten. Aber auch hier findet sie sich nicht wieder. Sie hat Angst, dass sie den Anschluss verpasst und sowieso als Mutter von vier Kindern nur unwichtige aufgaben zugeteilt bekommt.

    Die Frau, die Ayla jetzt ist, unterscheidet sich sehr von dem jungen Mädchen, das sie einmal war. Die behütete Tochter, die gute Schülerin und vor allem die eine Hälfte eines unzertrennlichen Gespanns. Victoria und sie unternehmen alles gemeinsam. Aylas Eltern erlauben ihr sogar, gemeinsam mit der Freundin in Urlaub zu gehen und so verbringen die Beiden zwei unvergessliche Wochen in der Türkei.

    Jetzt versucht Ayla, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen, dabei müsste sie sich zuerst einmal um sich selbst kümmern. Ihr Mann hat nach anfänglichen Sorgen um sie kein Verständnis mehr. Er glaubt, dass es genug ist, sich um die Kinder zu kümmern und erwartet von seiner Frau, dass sie irgendwann wieder funktioniert. Anfangs schafft es Ayla immer wieder, etwas wie einen normalen Alltag zu erreichen. Sie ist in den sozialen Medien aktiv und findet so die Bestätigung, die sie von ihrem Mann nicht bekommt. Aber immer wieder verliert sie sich in der scheinbar heilen Welt im Netz.

    Ihre Freundin hat sie schon lange nicht mehr gesehen. Der Kontakt besteht nur noch über WhatsApp, aber Victoria zieht sich mehr und mehr zurück. Warum, ist mir nicht ganz klar. Rückblickend wird deutlich, dass es in ihrer Freundschaft ein Ungleichgewicht gab. Victoria stand immer mehr im Vordergrund, aber genau das scheint sie ihrer Freundin zum Vorwurf zu machen.

    Je weiter sich die Freundinnen voneinander entfernen, desto verzweifelter wird Ayla. Sie fühlt sich von, Victoria verraten, gleichzeitig braucht sie ihre Freundin aber auch dringender denn je.

    Fatma Mittler-Solak erzählt keine einfache Geschichte. Sie erzählt ungeschönt, wie es ist, wenn man das eigene Kind nicht lieben kann. Wenn man nur noch funktionieren kann und keine Unterstützung von den Menschen bekommt, von denen man sie am meisten braucht. Von Freundschaften, die zerbrechen und bei denen man sich fragt, wie viel davon echt war. Auch wenn mich Aylas Geschichte berührt. bleiben für mich am Ende doch einige Fragen, die mir die Autorin nicht beantwortet hat.
    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Tana French - Der Sucher/The Searcher

    • Kirsten
    • 6. September 2026 um 20:23

    Anfangs wirkt Cals Geschichte nur wie die eines Mannes, der sich dazu entschlossen hat, alles hinter sich zu lassen und in einem anderen Land neu anzufangen.

    Der Neustart war nicht so einfach wie gedacht, aber langsam bekommt er das Gefühl, dass er irgendwann dazugehören könnte. Mit seinem Nachbarn hat sich eine zögerliche Freundschaft entwickelt und im Laden und Pub beginnt man, mit ihm zu reden. Seine Tage verbringt er mit der Renovierung des alten Hauses, das er gekauft hat. Dabei bekommt er einen unerwarteten Helfer.

    Trey ist eigentlich viel zu jung, um nicht in der Schule zu sein, aber Cal merkt schnell, dass sich weder in Familie noch in der Schule jemand wirklich darum kümmert. Die Hilfe ist nicht freiwillig: Treys großer Bruder ist verschwunden und Cal soll herausfinden, wohin er gegangen ist und ihn wieder nach Hause bringen.

    Cal nimmt den Auftrag eher widerwillig an, denn Treys hilflose Versuche, den Bruder zu finden, bringen keine Ergebnisse, sondern die Familie in Gefahr. Sobald er beginnt, Fragen zu stellen, verändert sich die Atmosphäre im Dorf. Man ist ihm gegenüber nicht offen feindselig, aber es wird ihm trotzdem deutlich gemacht, dass seine Fragen nicht erwünscht sind.

    Ich fand die Atmosphäre der Erzählung besonders. Die Autorin baut eine besondere Spannung auf, weil man merkt, dass es im Dorf Geheimnisse gibt, über die keiner reden will. Auch wenn Cal viele Antworten bekommt, hat er trotzdem das Gefühl, dass sie ihn von der Wahrheit wegbringen sollen und je weniger er sich davon beeindrucken lässt, desto mehr wendet sich die Stimmung gegen ihn.

    Ein so ruhiger Krimi mag auf manche vielleicht langweilig wirken, mir hat er sehr gut gefallen.
    4ratten

  • Nina Mingya Powles - Small bodies of Water

    • Kirsten
    • 6. September 2026 um 06:59

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    Nina Mingya Powles wurde in Neuseeland geboren, hat aber von der Seite ihrer Großeltern sowohl chinesische als auch malaiische Wurzeln. Die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse sind Teil ebenso Teil ihres Buchs wie ihre Liebe zum Wasser und auch die Suche nach ihrer Identität.

    "A Girl swimming is a Body of Water". Die Autorin hat mich gleich mit ihrem ersten Satz eingefangen. Dass sie mit dem Begriff ein wenig spielt, habe ich erst im Lauf der Lektüre gemerkt. Zuerst drehten sich die Erinnerungen ums Schwimmen oder besser: um Pools, die in Städten aus Beton oft ihre einzige Zuflucht sind. Sie drehten sich auch um die Erinnerungen an ihre Großmutter, die sie an den Pool begleitete, aber nie selbst ins Wasser ging und die ihre Liebe auch durchs Kochen ausdrückte. Gerade diese Erinnerungen sind bittersüß, denn oft bringen die Gerichte und ihre Düfte die Erinnerungen an die Großmutter und den Verlust zurück.

    Für die Autorin ist der Begriff "Zuhause" kein Ort, sondern ein Gefühl. Vielleicht kommt es daher, dass sie sich durch ihre Umzüge so weit von ihrer Familie entfernt hat und immer in große Städte gezogen ist, in denen sie sich erst einen Ort schaffen musste, an dem sie ankommen konnte.

    In der Zeit, in der sie dieses Buch geschrieben hat, lebte sie in London. Ein großer Teil der Erzählungen aus dieser Zeit dreht sich um ihr Studium von Mandarin. Von diesem Punkt kommt sie darauf, was es bedeutet, wie sie als Frau mit asiatischen Wurzeln von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Die meisten nehmen diese Wurzeln nicht wahr. Nina macht nicht den Eindruck, als ob sie das stört. Sie scheint es eher interessant zu finden.

    So gut, wie mir der erste Satz gefallen hat, hat es auch der Rest. Allerdings war ich mir nicht sicher, wo ich das Buch einordnen soll. Es sind Essays, deshalb hätte es auch zu den Kurzgeschichten gepasst. Aber letztendlich hat der biografische Teil überwogen,
    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Marsali Taylor - Death in a Shetland Family

    • Kirsten
    • 3. September 2026 um 19:13

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    Cass Lynch muss ihr geliebtes Boot gegen die Farm tauschen. Gavins Mutter hatte einen Schlaganfall und während er bei ihr ist, muss sie sich um die Tiere kümmern. Fast wäre noch ein weiterer tierischer Farmbewohner dazu gekommen, denn plötzlich läuft ein Pferd auf der Straße vorbei. Der preisgekrönte Deckhengst ist seinem Besitzer Keith Arthurson davongelaufen.

    So schön Cass das Pony auch findet, so wenig beeindruckt sie sein Besitzer. Trotzdem treffen die beiden kurze Zeit später wieder aufeinander, als Cass sich verletzt und auf der Farm der Arthusons versorgt wird. Auch wenn die Familie sie freundlich aufnimmt, ist die Stimmung unter den Familienmitgliedern seltsam, fast feindselig. Am nächsten Morgen ist Keith tot. Kann Cass der Polizei helfen, den Fall zu lösen?

    Ich tue mich nicht mehr so leicht mit den Krimis von Marsali Taylor wie früher. Auch dieses Mal hat mir die Autorin zu viel vom Leben auf den Shetlands und zu wenig von den Ermittlungen erzählt. Gerade dieses Mal fand ich das schade, weil gerade die Familie Arthurson und ihr Umgang miteinander sehr interessant sind. Aber die Autorin legt den Fokus wieder auf die bekannten Charaktere und folgt bei der Handlung den bewährten Abläufen. Die sind nicht schlecht, aber bieten eben auch keine Überraschung mehr.
    3ratten

  • Ozzy Osbourne - Last Rites

    • Kirsten
    • 2. September 2026 um 22:16

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    Er war der Prince of Darkness und der Godfather of Metal, der Gründer des Ozzfest und der manchmal skurril wirkende Hauptdarsteller der Realityshow The Osbournes. Aber das waren nur einige Stationen einer Karriere, die über 50 Jahre andauerte und von Skandalen, Höhen und Tiefen geprägt war.

    Ich kenne und mag einige Lieder sowohl von Black Sabbath und Ozzy Osbourne als Solokünstler, aber ich bin kein wirklicher Fan von ihm. Und auch wenn er immer wieder am Rand meiner Wahrnehmung auftauchte, wusste ich doch nur das von ihm, was durch die Medien geisterte. Mit seiner Autobiografie konnte ich einen Blick auf seine Sicht der Dinge werfen.

    Gleich zu Anfang stellt sich Ozzy Osbourne die Frage, ab wann man sich eigentlich zu alt fühlt. Zu Beginn seiner Autobiografie tut er das noch nicht, später wird sich das ändern. Trotzdem kommt er mir stellenweise vor wie jemand, der nie wirklich ganz erwachsen geworden ist. Auf der anderen Seite ist er auch sehr selbstkritisch und wirkt ehrlich. Er betont sehr oft, dass er trotz seines Ruhms immer noch der ganz normale Kerl ist, der er früher war, gleichzeitig erzählt er auch ganz locker davon, wie er sich fast nebenbei Dinge leistet, die sich ganz normale Kerle nicht leisten können.

    Keine Frage, Ozzy Osbourne hat in seinem Leben viel Glück gehabt. Nicht nur als Künstler. Manchmal fragt er sich selbst, warum er trotz aller Drogen, die er genommen hat, noch da ist, während sich viele seiner Weggefährten zugrunde gerichtet haben. Aber sein größtes Glück ist seine Familie. Seine Frau Sharon ist die große Konstante in seinem Leben. Sie hält zu ihm, aber sie hält ihm auch einen Spiegel vor und das ist wahrscheinlich genau das, was er gebraucht hat, um eben nicht den gleichen Weg zu gehen wie viele seiner Freunde vor ihm.

    In seiner Biografie gefällt mir der Mensch Ozzy Osbourne, mit dem Verhalten des Musikers bin ich nicht immer zurechtgekommen. Aber mir hat die Ehrlichkeit gefallen, mit der er auch über das geschrieben hat, was in vielen anderen Biografien wahrscheinlich nicht erwähnt wird.
    4ratten

  • Agatha Christie - Die Kleptomanin

    • Kirsten
    • 30. August 2026 um 13:04

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    Hercule Poirot muss sich wundern: plötzlich macht seine Sekretärin Miss Lemon gleich drei Fehler in einem einfachen Brief. Auf seine Frage gesteht sie, dass sie sich Sorgen um ihre Schwester macht. Sie ist Hausmutter in einem Studentenwohnheim, in dem seltsame Dinge vor sich gehen: jemand bestiehlt die Mitbewohner, gießt Tinte über eine wichtige Arbeit und zerschneidet einen Rucksack. Poirot bietet sich an, das Rätsel zu lösen. Das gelingt ihm auch, aber das ist nur der Auftakt zu einer Reihe weiterer, viel schwerwiegenderer Verbrechen.

    Ich merke bei jedem Krimi von Agatha Christie, dass ich die Handlung von den Stilmitteln trennen muss, die die Autorin verwendet. Sie hat nur eine bestimmte Anzahl Charaktere, die in jedem ihrer Krimis auftauchen: die tüchtige ältere Sekretärin und die jungen Mädchen, die entweder hübsch und etwas dumm, oder clever, aber eher unauffällig sind. Bei den Männern ist es der schwerfällige Polizist, der leichtsinnige junge Mann und sein ernster Gegenpart. Meistens gibt es noch einen mehr oder weniger ernsten Flirt. Dazu kommen die Vorurteile der Zeit, in der der jeweilige Krimi geschrieben wurde. Seitdem mir das zu ersten Mal aufgefallen ist, kann ich darüber nicht mehr hinwegsehen.

    In diesem Fall hat es mich nur wenig gestört, denn der Krimi war sehr spannend. Nachdem sich die Diebstähle zumindest zum Teil aufgelöst hatten, blieb die Frage, warum die anderen Verbrechen geschehen sind. Mich hat überrascht, dass auch Hercule Poirot bei ihnen im Dunkeln zu tappen schien. Aber jedes weitere Verbrechen, das verübt wurde, brachte ihn der Lösung näher. Der Fall war verwickelt, aber nicht so, dass es mir zu viel wurde. Auch beim Täter hat mich die Autorin überrascht, weshalb ich ihr den Griff in die Klischeekiste verzeihen kann.
    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Wes Markin - Forgotten Frost

    • Kirsten
    • 28. August 2026 um 05:36

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    Bei der Renovierung eines Hauses wird hinter einer Wand die Leiche einer jungen Frau gefunden. Für DCI Frank Black ist klar, dass es sich um Lilly Ackroyd handelt, die vor über dreißig Jahren verschwunden ist. Sie hatte in dem Haus geputzt, in dem man sie jetzt gefunden hat. Frank macht sich Vorwürfe, denn er hatte damals den Hausbesitzer befragt, aber weil er Beziehungen zur Polizei hatte, gehörte er nie zu den Verdächtigen.

    Anders als Lillys Freund, Barnaby Scaife. Er hat schon damals am Rand der Gesellschaft gelebt. Lillys Verschwinden hat ihn abstürzen lassen, seitdem lebt er auf der Straße. Für ihn bringt der Fund der Leiche Erinnerungen an eine glücklichere Zeit zurück, aber auch einen Abschluss, denn er hat sich die ganze Zeit gefragt, was aus der Frau geworden ist, die er geliebt hat.

    Dieser Fall lebt von den Charakteren. Zwischen Frank und seiner Kollegin Gerry gibt es eine besondere Beziehung, die sich über die Jahre gefestigt hat. Jetzt wird sie durch ein Versprechen von Frank überschattet, von dem er nicht weiß, wie er es einlösen soll und von einer Lüge, die Gerry erzählt hat. Auch Barnaby und die Schwester des damals Verdächtigen sind sehr interessant, weil hinter ihnen viel mehr steckt, als man auf den ersten Blick vermutet. Dann gibt es noch einen zweiten Handlungsstrang mit Charakteren, die ich zuerst nicht zuordnen konnte. Aber ich hatte schnell eine Idee, wie sie zum Rest der Geschichte passten.

    Mir gefällt die Reihe um Frank Black, aber dieser Teil sticht heraus. Nicht nur wegen der Charaktere, sondern auch wegen der Geschichte, die der Autor um den Fall gewoben hat.
    4ratten

  • Bella Mackie - What a Way to Go

    • Kirsten
    • 25. August 2026 um 20:14

    Ausgerechnet an seinem 60. Geburtstag stirbt der CEO der Wismere Holdings, Anthony Wistern. Nach seinem Tod findet er sich in einem Aufenthaltsraum wieder, den er nur verlassen darf, wenn er herausfindet, wie genau er gestorben ist.

    Alles, was Anthony jetzt noch hat, sind seine vagen Erinnerungen und ein Blick auf erster Reihe auf seine Familie. Von da aus kann er sich ansehen, wie sie mit seinem Tod umgehen und muss feststellen, dass niemand über sein Ableben traurig ist... und dass alle darüber lügen, was sie zu seinem Todeszeitpunkt getan haben.

    Die Familienmitglieder haben sich wirklich verdient. Bis auf den Sohn Fred, dem die Natur wichtiger ist als seine Familie, sind sie durch die Bank verwöhnt und egoistisch. Sie sorgen sich mehr darum, dass sie ihr Luxusleben aufgeben müssen als dass sie interessiert, wer ihren Vater umgebracht hat.

    Die Einzige, die das wirklich zu interessieren scheint, ist die Bloggerin Jade. Sie will den Tod Anthonys aufklären, aber dadurch macht sie sich selbst zu einer Verdächtigen.

    Ich war selbst überrascht, wie gut mir der Roman gefallen hat. Sicher, er war ein wenig oberflächlich und vorhersehbar, aber auch sehr unterhaltsam.
    4ratten

  • Tobias Bukkehave - Der Prätorianer

    • Kirsten
    • 23. August 2026 um 22:33

    Für Sara Levin ist der Ritualmord an einem jungen Mann, der von Kerzen umgeben und mit lateinischer Schrift auf der Hut gefunden wird, der erste Fall als Ermittlungsleiterin. Die Tat ist nur die erste in einer Reihe, in der die Opfer nach einem bizarren altrömischen Ritus zur Schau gestellt werden. Trotz intensiver Arbeit kommen Sara, ihr Partner Janus West und das Team nicht weiter. Deshalb greift der Chef der Einheit auf die Hilfe von Saras Bruder Adam zurück, der sich in den USA auf die Suche nach Serientätern spezialisiert hat. Für Sara ist das Treffen mit ihrem Bruder eine Reise in die Vergangenheit, die sie schon lange vor sich hergeschoben hat.

    Sara und Adam sind selbst die Kinder eines Verbrechers. Ihr Vater sitzt wegen Mordes im Gefängnis und diese Tat hat bei beiden Narben hinterlassen. Während Adam immer wieder den Kontakt zum Vater sucht, um ihn zu verstehen, ist er auch ein bisschen zu einem der Personen geworden, die er bei seiner Arbeit verfolgt. Er hat seine Exfreundin gestalkt und sein Leben ist von zwanghaften Handlungen bestimmt. Sara hat den Kontakt zu ihrem Vater komplett und auch zu ihrem Bruder lange abgebrochen und konzentriert sich ganz auf ihre Arbeit. Als die Geschwister das erste Mal zusammenarbeiten, erkennen sie, wie gut sie sich ergänzen.

    Ich fand den Krimi interessant, gerade was die Dynamik zwischen Sara, Jonas und Adam anging. Den Gedanken, der hinter den Ritualmorden stand, konnte ich anfangs nicht ganz nachvollziehen, aber er passt zum Täter. Aber gleichzeitig ist der Täter für mich auch das schwächste Glied in der Kette. Er wurde für meinem Geschmack ein wenig zu plakativ dargestellt, als ob seine Beschreibung einer Liste mit Eigenschaften für einen psychopatischen Serientäter folgen würde. abgesehen davon habe ich nicht viel über ihn erfahren, so dass er trotzdem eigenartig farblos bleib.

    Die Stimmung im Ermittlungsteam mit den verschiedenen Charakteren, die aufeinandertreffen und teilweise auch aufeinanderprallen hat mir gefallen. Ebenso wie die Tatsache, dass sich viele Ermittlungsarbeit auf der Straße und nicht nur im Internet abgespielt hat.

    Dass die Geschichte gleichzeitig aus Sicht des Täters und der Ermittler erzählt wurde, hat für mich ein bisschen die Spannung aus der Handlung genommen, weil es nur wenige Überraschungen gab. So war mir schon vor dem Ende klar, wie der Täter in die Handlung passte und was er mit den Charakteren zu tun hatte. Das soll nicht bedeuten, dass der Krimi langweilig war. Er ist ein guter Auftakt für eine Krimireihe mit interessanten Ermittlern, allerdings auch mit etwas Luft nach oben.
    3ratten

  • Fanny Wobmann - Bäume, wenn sie fallen

    • Kirsten
    • 23. August 2026 um 22:29

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    Als sie acht Jahre alt war, zog Fanny Wobmann mit ihrer Familie nach Madagaskar, wo ihr Vater eine Stelle als Entwicklungshelfer antrat. Für das Kind Fanny waren es die glücklichste Zeit ihres Lebens. Die erwachsene Frau sieht auf diese Zeit kritischerer zurück. Das große Haus und die Zugehörigkeit zu ihren Freunden und Nachbarn waren für sie immer ein Teil ihrer Identität. Aber jetzt erkennt sie, wie privilegiert sie damals gelebt hat. Fanny erkennt, dass sie sich mit ihren Erinnerungen auseinandersetzen muss, um herauszufinden, welche von ihnen wahr sind.

    "Erinnerung ist eine Entscheidung". Fanny hätte weiter an ihre unbeschwerte Kindheit glauben können, aber immer kommen Erinnerungen an weniger schöne Dinge zurück. Das Traumland ihrer Kindheit wirkt ganz anders, als sie es während eines Urlaubs wieder besucht. Und als die Freundin aus Madagaskar sie besucht, können sie nicht mehr da anknüpfen, wo sie aufgehört haben.

    Fanny will sich ihren Erinnerungen stellen. Aber ihre Familie und auch ihre Freundin Nirina haben Probleme damit. Nicht nur, dass Fanny auf einmal Fragen stellt, sondern auch, dass die Antworten möglichweise in ihrem Buch erscheinen. Ich kann die Familie verstehen, denn jedes Mitglied hat seine eigenen Erinnerungen und sieht die gleichen Ereignisse anders.

    Nirinas Motive dagegen kann ich nicht ganz verstehen. Fannys kann sich an Momente erinnern, in denen sie sich ihr gegenüber nicht wie eine Freundin verhalten hat. Sie will sich entschuldigen, aber Nirina fällt es schwer, die Entschuldigung anzunehmen. Ist ihr diese Entschuldigung nicht wichtig, oder sind die Erinnerungen für sie zu schmerzlich? Diese Frage konnte mir die Autorin nicht vollständig beantworten, aber sie hat mir die tiefe Zuneigung gezeigt, die wieder zwischen den Frauen herrscht.

    Fanny Wobmann erzählt ihre Geschichte in Episoden, wenn auch nicht immer in der richtigen chronologischen Reihenfolge. Für mich passt dieser Stil perfekt zu dem, was sie erzählt.
    4ratten

  • Maike Möller-Egemann - Der gefährlichste Ort der Welt

    • Kirsten
    • 23. August 2026 um 22:13

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    Als die Staatsanwältin Mara Sandmann in einem Restaurant auf ihre Schwester wartet. setzt sich ein Mann an ihren Tisch und gesteht den Mord an seiner Frau. Aber nur wenig später zieht er das Geständnis wieder zurück. Im gemeinsamen Haus wird sie Leiche seiner Frau gefunden und eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter ihrer Mutter deutet auf einen Selbstmord hin. Die gemeinsamen Kinder sind aus dem Haus verschwunden.

    Wenig später findet eine Taxifahrerin ein schwerkrankes Mädchen. Sie bringt die kleine ins Krankenhaus und weicht nicht von ihrem Bett. Als ihr klar wird, dass das Mädchen in großer Gefahr ist, fasst sie eine schwere Entscheidung.

    Vieles in diesem Krimi findet indirekt statt, in den Erinnerungen der Charaktere oder in ihren Gedanken und Gesprächen. Was Maike Möller-Engemann in ihrem Roman erzählt, ist nicht leicht zu lesen. Sie erzählt davon, wie eine scheinbar glückliche Beziehung sich allmählich verändert, bis einer der Partner völlig isoliert ist und nach außen nur noch den schönen Schein wahrt. Von Vätern, die ihre Kinder auf die größte Katastrophe vorbereiten wollen und sie dabei in eine wilde Horde verwandelt, in der nur noch das Recht des Stärkeren gilt.

    Anfangs fand ich es schwer, den Charakteren und ihren Handlungssträngen zu folgen, weil mir nicht klar war, wie sie zusammengehören. Alle haben in ihrem Leben Traumata erlitten, die nicht nur sie, sondern auch ihre Angehörigen geprägt haben. Sie haben ihr Leben verändert, aber sie sind auch stärker daraus hervorgegangen.

    Maike Möller-Engemann diese verschiedenen Handlungsstränge zu einem besonderen Krimi, der aufgrund des Erzählten nicht immer leicht zu lesen ist. Gerade das macht ihn zu etwas Besonderem.

  • Anne Fadiman - The Spirit catches you and you fall down

    • Kirsten
    • 22. August 2026 um 21:19

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    1986 wurde ein vierjähriges Mädchen mit epileptischen Anfällen in die Notaufnahme des Merced Medical Center in Kalifornien eingeliefert. Trotz intensiver Bemühungen bekamen die Ärzte den Anfall nicht in den Griff. Die Kleine fiel ins Wachkoma und ihr Zustand verschlechterte sich so, dass sie nach wenigen Tagen zum Sterben nach Hause entlassen. Dort übernahmen die Eltern ihre Pflege und das Mädchen lebte noch über zwanzig Jahre.

    Der vollständige Titel lautet "The Spirit Catches You and You Fall Down: A Hmong Child, Her American Doctors, and the Collision of Two Cultures". Genau das ist es, was Anne Fadiman in ihrem Buch beschreibt. Bei der Sorge um ein Kind prallen nicht nur westliche Medizintechnik und östliche Traditionen aufeinander. Es gab auch Sprachprobleme die viel zu groß waren, um sie zu lösen.

    Lias Krankengeschichte begann schon kurz nach ihrer Geburt, mit drei Monaten hatte sie den ersten epileptischen Anfall. Seitdem war sie in ständiger Behandlung, aber die war in ihrem Zuhause nicht gesichert. Lias Eltern kamen vor ihrer Geburt als Flüchtlinge in die USA, aber sie wurden dort nie heimisch. Ein Grund war sicherlich die Sprachbarriere, denn die Eltern lernten nie englisch. Deswegen konnten sie weder die Beipackzettel der Medikamente lesen, die ihre Tochter bekam, noch die Anweisungen der Ärzte verstehen. Gleichzeitig hegten ein immer tieferes Misstrauen gegen die Art, wie ihre Tochter behandelt wurde und griffen deshalb immer wieder auf ihre traditionellen Heilmethoden zurück.

    Je länger Lias Krankheit andauerte, desto größer wurden die Differenzen zwischen den Ärzten auf der einen und den Eltern auf der anderen Seite. Anne Fadiman zeigt in ihrem Buch die Sichtweisen beider Seiten. Sie hat über viele Monate zahlreiche Interviews geführt, so dass man gut sehen konnte, wie Situation von Eltern und Ärzten wahrgenommen wurde. Auch wenn es zu spät für Lia war, sorgte ihr Fall für eine Veränderung bei der Behandlung von Patienten. Man ist sensibler geworden für kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren.

    Anne Fadimans Buch ist dicht gepackt. Manchmal war es mir fast zu viel, gerade weil sich in Interviews auf beiden Seiten manches wiederholt hat. Stellenweise kamen mir die Ereignisse fast wie ein schlechter Film vor, weil so vieles immer wieder auf die gleiche Weise schief gegangen ist, ohne dass aus diesen Fehlern gelernt wurde. Es stammt aus einer anderen Zeit, aber nicht alles hat sich seitdem geändert.
    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Hannah Assil - Sprichst du Wald?

    • Kirsten
    • 20. August 2026 um 10:40

    kleine Hexe Du hast das falsche Buch in deinem Post verlinkt ;)

  • Anousch Mueller - Lori

    • Kirsten
    • 19. August 2026 um 22:33

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    Seit sie denken kann, hat Leni das Gefühl, dass in ihrer Familie etwas fehlt. Aber sie glaubt auch, dass sie die Einzige ist, weil sie sich von ihren Eltern in dieser Sache nicht ernst genommen fühlt. Eines Tages findet sie den Mutterpass ihrer Mutter und erkennt, dass ihre Erinnerung sie nicht trügt: es gab ein anderes Kind, über das ihre Eltern nicht sprechen.

    Leni wächst mit ihren Geschwistern auf einem ehemaligen Bahnhof auf. Sie werden von den Menschen im Dorf akzeptiert, aber sie gehören nicht wirklich dazu. Das Gefühl, am Rand zu stehen, zieht sich durch Lenis Leben. Auch in ihrer eigenen Familie fühlt sie sich mehr wie eine Beobachterin und nicht wie ein Familienmitglied. Die Art, wie sie ihre Geschichte erzählt, verstärkt diesen Eindruck bei mir noch. Ihre Familie wirkt nicht liebevoll. Die Mutter zieht sich immer wieder von der Familie zurück und versucht krampfhaft, sich Freiraum zu schaffen. Der Vater geht bei der Erziehung den Weg des kleinsten Widerstands und erfüllt den Kindern jeden Wunsch. Anfangs fühlen sie sich dadurch besonders geliebt, aber als sie älter werden, erkennen sie den Unterschied.

    Das Verhalten der Eltern wird durch den Rückblick auf ihr Leben erklärt. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass sich ihre Persönlichkeiten nicht verändert haben, nur ihre Lebensumstände. Gerade die Mutter wirkt als junge Frau genauso distanziert wie ich Leni sie beschreibt. Es fällt mir schwer, Sympathie für sie zu haben, auch wenn mich ihre Erlebnisse nicht kalt lassen.

    Als Erwachsene versucht Leni, die Lücke in ihrem Leben zu füllen. Sie will sich mit ihrer Mutter aussprechen, aber wie soll sie das anfangen, wenn sie nie wirklich mit ihr geredet hat? Die Sprachlosigkeit zwischen Mutter und Tochter hat ihre Spuren hinterlassen, aber gemeinsam schaffen sie es, die zu beseitigen.

    Anousch Mueller erzählt eine Geschichte ohne Happy End, aber mit einem versöhnlichen Ende. Genau das macht ihren Roman für mich nicht nur authentisch, sondern auch zu etwas Besonderem.
    4ratten

  • Minette Walters - Fuchsjagd

    • Kirsten
    • 18. August 2026 um 06:32

    Meine zweite Meinung fällt nicht so gut aus wie die erste. Für mich gab es zu viele unterschiedliche Handlungsstränge und Charaktere, die zu wenig ausgearbeitet waren. Die Wechsel dazwischen haben stellenweise gewirkt, als ob die Spannung künstlich aufrecht gehalten werden sollte. Als der Krimi veröffentlicht wurde, war das ein beliebtes Stilmittel, aber mittlerweile gefällt es mir nicht mehr.
    2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Karin Slaughter - Tödliches Verderben

    • Kirsten
    • 16. August 2026 um 16:30

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    Gerade hat Emmy Clifton ihre Mutter beerdigt, als sie zu einem Tatort gerufen wird. Eine ehemalige Polizistin wird in ihrem Haus erschossen, ihre Tochter wird schwer verletzt. Wurde Alison ermordet, weil sie sich von ihrem brutalen Ehemann trennen wollte, oder führt die Spur in ihre Vergangenheit als Polizistin?

    Der Fall bringt Emmy aus vielen Gründen an ihre Grenzen und die Tatsache, dass sie gerade ihre Mutter nach langer Krankheit verloren hat, ist nur einer davon. Sie war mit der Toten befreundet, aber es gab in ihrem Leben zu viele Parallelen und irgendwann konnte sie nicht mehr ertragen, dass Alisons Leben ein Spiegelbild ihres eigenen war. Bei den Ermittlungen wird sie von ihrer Schwester, der Agentin Jude Archer unterstützt, aber das Verhältnis zwischen den beiden Frauen ist so gespannt, dass ein normaler Umgang fast nicht möglich ist. Auch die Tatsache, dass nach dem Tod ihres Vaters die Stelle des Sheriffs neu gewählt werden muss und sie das Gefühl hat, nicht in seine Fußstapfen treten zu können, bedeutet zusätzlichen Stress.

    In dem neuen Krimi von Karin Slaughter geht es nicht nur um den Fall, sondern auch um die Menschen, die von dem Verbrechen betroffen sind. Das sind zum einen die Ermittler, aber auch die Freundinnen von Alisons verletzter Tochter. Sie fühlen sich schuldig, weil sie vielleicht in der Lage gewesen wären, ihrer Freundin zu helfen und vielleicht sogar das Verbrechen zu verhindern. Bei den Befragungen ergibt sich ein anderes Bild von der familiären Situation, als man von außen gesehen hat. Es gibt auch Spuren, die auf die Männer in Alisons Vergangenheit weisen und auf einen Prozess, der viele Jahre zurückliegt.

    Gleichzeitig erfährt Emmy auch Dinge aus der Vergangenheit ihres Vaters, die ein anderes Licht auf ihn als Polizist und auch als Mann werfen. Immer wieder muss sie sich fragen, ob sie ihren Vater überhaupt gekannt hat.

    Während der Ermittlungen spitzt sich die Situation zwischen Emmy und Jude immer weiter zu. Jude hat Geheimnisse vor Emmy. Sie hofft auf den richtigen Zeitpunkt, sich ihr anzuvertrauen. Aber der wird wohl erst im nächsten Teil der Reihe kommen.
    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Geraldine Brooks - Horse

    • Kirsten
    • 15. August 2026 um 06:09

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    Alles beginnt damit, dass die Nachbarin von gegenüber die Sachen ihres verstorbenen Mannes auf die Straße stellt. Darunter ist ein Bild, das dem Kunsthistoriker Theo ins Auge fällt. Es zeigt Lexington, eines der berühmtesten Rennpferde seiner Zeit. Als er es zum Smithsonian bringt, um es weiter untersuchen zu lassen, trifft er auf Jess. Auch sie hat Interesse an dem Pferd, allerdings an seinen Knochen, die dort eingelagert sind.

    Lexingtons Geschichte und die seines Bilds zieht sich über die Jahrhunderte. Geraldine Brooks erzählt von sie von seiner Geburt 1850 in einem Stall in Kentucky. Von dort werden Pferd und der Pferdejunge Jarret weiterverkauft. Während Lexington ein Rennen nach dem anderen gewinnt, schafft auch Jarret einen bescheidenen Aufstieg. Er bekommt Anerkennung für seine Arbeit mit dem Pferd, lernt lesen und kann ein wenig Geld beiseitelegen. Aber wie das Pferd auch, ist er nur das Eigentum eines Mannes.

    Hundert Jahre später entdeckt die Galeristin Martha Jackson das Bild. Ihre Geschichte ist ebenfalls ein Teil des Romans, genauso wie die des Künstlers, der die Bilder gemalt hat. Die unterschiedlichen Handlungsstränge haben mich anfangs verwirrt. Aber ab dem Moment, an dem Theo das Bild gefunden hatte, hat mich die Autorin gepackt. Die Erzählstränge ergänzen sich, auch wenn sie in unterschiedlichen Zeitebenen spielen.

    Geraldine Brooks erzählt von Sklaverei, vom amerikanischen Bürgerkrieg, Trauer und vom Alltagsrassismus in der Gegenwart. Keine leichten Themen, aber die Autorin schafft es, aus ihnen eine wunderschöne Geschichte zu machen.
    5ratten

  • Jennifer Segebrecht - Muttertage

    • Kirsten
    • 12. August 2026 um 22:55

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    Charlies Großmutter liegt im Sterben, trotzdem kann sich ihre Tochter nicht dazu überwinden, sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Charly hat sich schon lange daran gewöhnt, dass das Verhältnis ihrer Mutter zu deren Mutter zerrüttet ist, aber sie hat nie den Grund dafür erfahren. Als die beiden Frauen nach der Beerdigung gemeinsam die Sachen der Verstorbenen durchsehen, beginnen sie das erste Mal ehrlich miteinander zu reden.

    Das Zerwürfnis zwischen Mutter und Tochter begann vor Barbaras Geburt. Ihre Mutter wurde ungeplant schwanger und wurde von ihren Eltern in eine Ehe gedrängt, die für alle Seiten nur dem Zweck diente, den schönen Schein zu waren. Nachdem sie sich aus dieser Ehe gelöst hatte, fand sie im sephardischen Geschäftsmann Adem eine neue Liebe. Aber auch dieses Glück ist nicht von Dauer.

    Ulrikes Schwangerschaft bedeutet das Ende aller Träume. Sie kennt den Mann kaum, den sie heiratet. Zwischen den beiden gibt es nur Gleichgültigkeit. Ulrike hat niemand, mit dem sie darüber reden kann. Sie flüchtet sich in den Alkohol und vernachlässigt ihre Tochter. Als sie endlich aus der Ehe ausbrechen kann, hat sie sich emotional schon von ihrer Tochter entfernt. Als Ulrike Adem heiratet und nach Istanbul zieht, beginnt für ihre Tochter die schönste Zeit ihres Lebens. Aber sie ist nur von kurzer Dauer und in Deutschland verfällt Ulrike in die Rolle, die ihr ihre Mutter vorgelebt hat.

    Ich kann für jede der drei Frauen Verständnis aufbringen. Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass sie in die gleichen Muster verfallen, die ihnen von ihren Müttern vorgelebt wurden und unter denen sie unglücklich waren. Aber während Barbara auf mich den Eindruck macht, dass sie im Umgang mit ihrer Mutter resigniert hat, versucht Charly immer wieder, mit ihrer Mutter zu reden. Durch die Gespräche lernt Charly, ihre Großmutter durch die Augen ihrer Mutter zu sehen und kann Barbaras Verhalten ihr gegenüber besser verstehen.

    Die vorsichtige Annäherung zwischen Mutter und Tochter wird auf eine harte Probe gestellt, als Barbaras Bruder Danyal wieder in ihr Leben tritt. Plötzlich ist Barbara nicht nur eine Mutter, sondern auch die große Schwester und diese Person ist ihr fremd.

    Jennifer Segebrecht erzählt eine Geschichte von Müttern und Töchtern, in der vieles schief gelaufen ist. Es hat immer wieder Möglichkeiten gegeben zu verhindern, dass sich das Verhältnis verschlechtert. Aber Ulrike hat sich oft komplett aus ihrem Leben zurückgezogen, ohne dass sie Hilfe bekommen hat. Barbara konnte das in ihrer Kindheit und Jugend nicht verstehen und hat sich immer weiter von ihrer Mutter entfernt. Sie versucht, es bei der eigenen Tochter besser zu machen, Aber es gelingt ihr nicht immer und Charly macht ihrer Mutter die gleichen Vorwürfe, die sie auch ihrer Mutter gemacht hat. Der Unterschied ist aber, dass Barbara und Charly versuchen, das Schweigen zu überwinden.
    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

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